Karl Peter Thunbergs, Ritters des Königlichen Schwedischen Wasaordens, Doktors der Arzneigelahrtheit, Professors der Botanik zu Upsala, und Mitgliedes verschiedener, einheimischer und auswärtiger Akademien und gelehrter Gesellschaften, Reise durch einen T·eil von Europa, Afrika und Asien, hauptsächlich in Japan, in den Jahren 1770 bis 1779.
Aus dem Schwedischen frei übersetzt von Christian Heinrich Groskurd, Rektor des Gymnasiums zu Stralsund.
Zweiter Band.
Berlin bei Haude und Spener, 1794.
Vorrede des Verfassers.
Dieser zweite Band meiner Reisebeschreibung enthält die Reise von Batavia nach Japan, den Aufenthalt auf der Insel Dezime, die Reise nach Jedo, der Hauptstadt von Japan, den Aufenthalt daselbst, die Rückreise nach Dezime, mannigfaltige Nachrichten von diesem Lande und dessen Einwohnern; Ferner meine Rückreise nach Batavia, Nachrichten von Java, die Reise nach Ceylon, einige Reisen längs den Küsten dieser Insel, Nachrichten von Ceylon, und meine Zurückreise über Kap durch Holland, England Deutschland nach Schweden.
Auch diesem Bande habe ich einige Abbildungen, und zwar von verschiedenen japanischen Gegenständen, beigefügt.
Japan, von welchem in diesem Bande vorzüglich die Rede ist, ist, in Vergleichung mit anderen europäischen Ländern, in vielen Rücksichten ein ganz besonderes Land!
Die Regierungsverfassung ist dort seit sehr langer Zeit unverändert dieselbe; die Gesetze sind strenge und unwandelbar; die Polizei in Städten, Dörfern und auf den Landstraßen ist unverbesserlich; die Kleidertracht, Putz und Art das Haar zu tragen ist durchaus gleichförmig und, so wie die Sitten, Gewohnheiten und Gebräuche, seit Jahrhunderten unverändert; eine unzählige Menge von Einwohnern lebt dort ohne Parteien, ohne Zwiespalt und Uneinigkeit, ohne Missvergnügen, Elend und Auswanderung; der Ackerbau ist im blühendsten Zustande; die Erde gebau·t und benutzt wie in keinem anderen Lande der Welt; alle Bedürfnisse sind, im Lande selbst, in solchem Überflu·ß vorhanden daß kein auswärtiger Handel nöt·ig ist; doch fast möchte ich sagen: wer kann die Vorzüge und Vort·eile dieses glücklichen Landes alle zählen? --
Weder bei dem Monarchen, noch bei seinen Unterregenten findet man Thron, ·Zepter, Krone, noch irgend sonst etwas von dem Prunk, der bei uns die Augen des Haufens blendet; nicht Hofstaat, nicht Hofjunker, nicht Hofdamen; keine große, prächtige Marställe, keine Menge von Pferden, Elefanten und Stallmeistern.
Man kennt keine Equipagen und Wagen; keine Reiterei; keinen Krieg; keine Gesandten, keine Beamte oder öffentliche Staatsdiener, die zu ihrem Amt und Geschäft nicht taugen oder es nicht kennen; keine Gilden, keine Monopolin; keine Zölle; keine Spiel- und Kaffeehäuser; keine Weinkeller, Bier- und Branntweinkrüge; keine privilegierte, von öffentlichen Lasten und Abgaben ausgenommene Landgüt·er und andere liegende Gründe; kein ungebautes Land, keine Wiesen und Aenger; keine National- oder Staatsschuld, kein Papiergeld, weder Wechsel noch Wechselkurs.
Man trinkt nicht Wein, nicht Bischof, nicht Punsch, nicht Branntwein, nicht Kaffee, nicht Schokolade.
Und -- Land und Einwohner sind glücklicher, als wo man dies alles hat und tut:
Java und Ceylon, von denen dieser Band gleichfalls handelt, gehören zwar in Ansehung ihrer Lage in einem warmen Erdstr·iche, der vorzüglichen Fruchtbarkeit des Bodens, und der gehörigen, sich jährlich gleichen, Menge Regen zu den glücklicheren Inseln; aber die Regierung in diesen Ländern ist doch wenn gleich von mehr als einer Art, durchgängig despotisch und die Religion meistens mahomedanisch.
Daher ist und bleibt das Volk dumm und abergläubig, kriechend und aufrührisch, arm und faul, -- freilich das alles nicht überall in gleichem Grade -- aber doch ohne Ausnahme mitleidswürdig.
Dies·· Elend ist um so viel drückender für sie geworden, da die handelnden Europäer, in den letzten Jahrhunderten von der Aufklärung, von der Religion und der Menschlichkeit, deren sie sich rühmen, keinen Gebrauch gemacht haben, um den Zustand dieser Leute zu verbessern und ihre Ketten ihnen leichter zu machen; sondern da sie im Gegenteil durch ihre Habsucht und unersättliche Geldbegier ihr Joch vervielfältiget, und nicht nur die Menge sondern auch die Arten ihrer Lasten vermehrt haben.
Wie sollten auch wohl die Leute in einem Lande glücklich sein können, wo es keine Gesetze, sondern nur Gutdünken und Willkür gibt; wo der Menschen Leben dem Leben der Tiere gleich geachtet wird; wo keine Sicherheit, kein Eigent·umsrecht, kaum irgend ein Begriff von Freiheit und edlen Handlungen Stadt hat?
Von der Anwendung und dem Nutzen so mancher Naturprodukte jener fernen Länder ist auch in diesem Bande getreulich Auskunft mitgeteilt.
Um jedoch dem Leser eine unnötige Wiederholung zu ersparen, will ich davon hier nichts im Voraus erwähnen, sondern auf die eigene Lesung dieser Bogen verweisen.
Zum Schlu·ß sei es mir erlaubt, von mir und meinen Schriften hier noch einiges hinzuzufügen, das für die Lit·erargeschichte brauchbar sein kann.
In den neun Jahren, die ich in fremden Ländern zubrachte, habe ich mannigfaltige Gelegenheit gehabt, neue, vorher unbekannte Schätze der Natur zu entdecken und zu sammeln.
Was ich davon bisher habe näher bestimmen, in Ordnung bringen und beschreiben können, macht eine nicht unbeträchtliche Summe.
Die neuen Tiere belaufen sich auf vierhundert, die neuen Geschlecht· von Pflanzen auf fünf und siebzig, die besonderen Arten oder Gattungen aber auf fünfzehnhundert; alles das nicht mitgerechnet, was ich bisher noch nicht genau habe untersuchen können.
Als ich im April 1779 nach Stockholm kam, hatte ich die Ehre zuerst beim Lever, hernach in einer besonderen Audienz, unserem großen und guten Könige von meinen Reisen, von den merkwürdigsten Sachen und Vorfällen, besonders dem so wenig bekannten Japan, von meinen eigenen Schicksalen, und von meinen etwaigen Entdeckungen Bericht abzustatten.
Während meiner Abwesenheit war ich im Jahr 1777 vom Kanzler der Universität Up·sala, Reichsrat· Rudenschöld, zum Demonstrator der Botanik da·selbst ernannt; bei meiner Rückkunft empfing ich aus der Hand meines Gönners, Archiater Bäck, die Bestallung dazu.
Als Professor Linnee 1781 eine Reise außerhalb Landes antrat, wurde ich zum Aufseher des dasigen botanischen Gartens bestellt; auch wurden mir die mit diesem Amte verbundenen öffentlichen Vorlesungen aufgetragen.
In eben demselben Jahre wurde ich zum außerordentlichen Professor mit Vermehrung meines Gehalts ernannt.
1784 wurde ich als ordentlicher Professor der Medizin und Botanik angesetzt.
1784 erwies man mir die Ehre, mich zum Präses der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm zu erwäh·len.
1785 wurde ich zum Rektor der Universität gewählt, und bald darauf vom Könige zum Ritter des Wasaordens ernannt.
Auch haben verschiedene auswärtige Sozietäten der Wissenschaften mir die Ehre erzeigt, mich zu ihrem Mitgliede zu ernennen, nämlich:
1771 die kaiserliche Naturae curiosorum; 1772 die Norwegische; 1773 die physiographische zu Lund; 1777 die Upsalasche; 1780 die Stockholmsche; 1781 die Haarlemmer und die Amsterdam·er; 1782 die vaterländische ökonomische zu Stockholm; 1784 die zu Montpellier; 1785 die Pariser Gesellschaft des Ackerbaues; die Zeeländsche zu Vlißingen und die Berlinische Gesellschaft naturforschender Freunde; 1786 die Societas naturae studiosorum und die medizinische zu Edimburg; 1787 die Florentinische, die Akademie der Wissenschaften zu Paris, und die hallische Gesellschaft der Naturforscher; 1788 die Sozietät der Wissenschaften und die Societas Linnaeana zu London; 1789 die medizinische eben daselbst, und die Sozietät der Wissenschaften zu Batavia; 1791 die Pariser Gesellschaft der Naturgeschichte und die Akademie der Wissenschaften zu Philadelphia; und 1791 die naturhistorische zu Kop·enhagen.
Die von mir nach meiner Zurückkunft herausgegebenen Schriften sind folgende:
Die Beschreibung meiner Reise in 4 Teilen, Up·sala 1788 bis 1793, wovon nicht nur die deutsche, sondern auch zu London eine englische und zu Paris eine französische Übersetzung erscheint.
Des Sprengelschen Auszuges aus den ersten drei Teilen in deutscher Sprache nicht zu gedenken.
Tal vid praesidii nedläggande Stockholmska Vetens·kaps Akademien, om Japanska Nationen, ( Rede bei Niederlegung des Präsidiums in der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, Nachrichten von der japanischen Nation enthaltend, den 3. November 1784, ins deutsche übersetzt von Stridesberg, Frankfurt 1785.
A·minnelse-Tal öfver Assessoren auch Provinzial-Medikus Doktor Montin, ( Gedächtnisrede auf den Assessor und Provinzialmedikus Doktor Montin ), Stockholm 1791, 8.
Flora Japonica, L·ipsiae, 1784, 8., mit 39 Kupfertafeln.
An akademischen Disputationen habe ich geschrieben.
1. De venis resorbentibus, Praes. C. v. Linne, 1767.
2. D·e Ischia·de, Praes. J. Lidren, 1770.
3. D·e Gardenia, Resp. Djupedius, 1780. 2 Tabb.
( rezensiert in den Zeitungen der gelehrten Sozietät zu Upsala 1781 Nr. 49. )
4. D·e Protea, Resp. Gevalin, 1781. 5 Tab.
5. Oxalis, Resp.
Haft, 1781. 2 Tab.
Resp. C. Hornstedt 1781. 1 Tab.
7 Novae insectorum species, P. 1. Resp. Caßs·tröm 1781. 1 Tabb.
8. Nova ·plan··tarum genera, P. H. Resp. Sahlberg 1782. 1 Ta·b.
9. Iris, Resp. Ekman 1782. 2 Tabb.
10. Novae Insectorum species, P. II. Resp. Ekelund 1783. 1 Tab.
11. Nova plantarum genera, P. III. Resp. Lodin 1783. 1 Tabb.
12. Ixia Resp. Rung, 1783. 2 Tabb.
Novae Insectorum Species, P. III. Resp. Lundahl, 1784· 1 Tab.
Novae Insectorum Species, P. IV. Resp····. Engeström, 1784. 1 Tabb.
15. Gladiolus Resp.
Ajmelaeus, 1784. 2 Tab·.
16· Nova genera plantarum, P. IV. Resp. Berg 1784.
Nova Genera plantarum, P. V. Resp. Blumenberg 1784. 1 Tabb.
18. Insecta Svecica, P I. Resp. Borgström 1784. 1 Tabb.
19. Aloe Resp. Hesselius 1785.
20. Medicina Africanorum Resp.
21· Erika Resp. Struve, 1785. 6 Tab.
22. Ficus Resp. Gedner, 1786. 1 Tab.
23. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. I. Resp. Radloff 1787.
24. -- -- -- -- P. II. Resp. Holmer 1787.
25. -- -- -- -- P. III. Resp. Ekeberg 1787.
26. -- -- -- -- P. IV. Resp. Bjerken 1787. 1 Tabb.
27. -- -- -- -- P. V. Resp. Gallen 1787.
28. Moraea Resp. Zach. Colliander, 1787. 2 Tab·.
29. Museum naturale academiae Upsaliensisi, P. VI. Resp. Schalen 1788. 1 Tab.
30. Restio Resp. Petr. Lundmark, 1788. 1 Tab.
31. Arbor toxicaria Macassariensis Resp··.
Moxae atque ignis in medicina rationali usus, Resp.
33. Myristica Resp.
34. Cariophylli Aromataki Resp.
Hast.
35. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VII. Resp··. Branzell 1789.
36. Characteres generum insectorum, Resp.
37. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VIII. Resp··. Rademine 1789.
Novae Insectorum species, P. V. Resp. Noraeus, 1789 1 Tab.
39. Muraena et Ophichtus Resp. Ahl. 1789. 2 Tab·.
40. Remedia non nulla indigena, Resp.
41. Museum naturale academiae Upsaliensis, Append. I. Resp. Lundelius 1791.
42· -- -- -- -- App. II. Resp. Yman 1791.
43. -- -- -- -- P. IX. Resp. Ekelund 1791.
44. Novae insectorum species, P. VI· Resp····. Lagus 1791.
45. Museum naturale academiae Upsaliensis, P X. Resp···. Kugelberg 1791.
Flora Stregne·sensis Resp.
Carlson 1791.
47. Insecta Svecica, P. II. Resp. Bechlin 1791. 1 Tab.
48. -- -- -- -- P. III. Resp. Ackermann 1792.
49. -- -- -- -- P. IV. Resp. Sebaldt 1792. 1. Tab.
50. Genera nova plantarum, P. VI. Resp. Ström 1792.
51. -- -- -- -- P. VII. Trafvenfeldt 1792.
52. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. XI. Resp. Sjöberg 1792.
53. -- -- -- -- P. XII. Resp. Lindbladh 1792.
54· -- -- -- -- P. XIII. Resp. Feretius 1792.
An Sozietäten der Wissenschaften habe ich folgende Abhandlungen, über verschiedene Gegenstände, eingesandt:
An die Akademie der Wissenschaften zu Stockholm.
1. Händelse, as Blyhvit af förseende blifvit brukadt i matt ( Vorfall, da Bleiweiß durch ein Versehen ans Essen gebraucht worden ), 1773. 1 Quartal, S. 29.
2. Bes·kr·ifning pa en besynnertig auch ·obekan·t·· S··vamp, Hydnora Africana.
( Beschreibung eines besonderen und unbekannten Schwamms, Hydnora Africana ), 1775. 1 Qu. S. 69. 1 Kupfertafel.
3. Bes·kr·ifning pa et ne··t·t Genus i· bland Jnsecterne, Pneumora.
( Beschreibung eines neuen Geschlechts von Insekten, Pneumore ), 1775. 3 Qu. S. 254. 1 K. T.
( Die Rothmannie, ein neues Pflanzengeschlecht ·1776 ), 1 Qu. S. 65. 1 K. T.
5. Bes·kr·ifning pa et n·ytt Örte-Genus kalladt Radermachia.
( Beschreibung eines neuen Pflanzengeschlechts, Radermachie genannt ), 1776. 3 Qu. S. 250.
( Anmerkungen zur afrikanischen Hydnore ), 1777. 2 Qu. S. 144. 1 K. T.
Bes·kr·ifning pa en Bezoar Equinum.
( Beschreibung eines Pferdebezoarsteins ), 1778. 1 Qu. S. 27.
8. Et nytt auch Til· Sitt slägte för obekant Grüs, kalladt Ehrhardta.
( Eine neue und in Ansehung ihres Geschlechts bisher unbekannte Grasart, Ehrhar·te genannt ), 1779. 3 Qu. S. 216. 1 K. T.
9. Anmärkningar ·vid Canelen, gjorde pa Ceilon.
( Bemerkungen über den Kaneel, auf Ceilon gemacht. ) 1770 1 Qu. S. 55. übersetzt und in die Abhandlungen der vli·ßing·schen Sozietät der Wissenschaften, 12 Th. 1 Adth. S. 296., eingerückt von Doktor Houtuyn.
10. Bes·kr·ifning ·pa Weigelia Japonica, e·n sälsyn·t ·örl fran Japan.
( Beschreibung der japanischen Weigelie, eines seltenen Gewächses aus Japan ) 1780. 2 Qu. S. 137.
11. Beskrifning pa nagra varme Bäten i Afrika auch Asien ( Beschreibung einiger warmen Bäder in Afrika und Asien. ) 1781. 1 Qu. S. 72.
12. Bes·kr·ifning ·pa ·tvänne· nya Jnsecter.
( Beschreibung zweier neuer Insekten ), 1781. 2 Qu. S. 168.
14. Bes·kr·ifning ·pa tvänne Species ·äkt·a Muskot ··ifran ··Öe·n Banda.
Beschreibung zweier Arten echten Muskats von der Insel Bande ), 1785. 1. Qu. S. 46. 1 K. T.
15. ··Nagra anmärkningar ·vid Ornithologion.
( Einige ornithologische Bemerkungen ), 1782. 2 Qu. S. 118.
16· Bes·kr·ifning pa et n·ytt Örte-Genus Fagraea Ceilanica.
( Beschreibung eines neuen Pflanzengeschlechts, die ceilonsche Fagräe ), 1782. 2 Qu. S. 132. 1 K. T.
17. Om Cajoputi Oljan auch des· nytta Medicinen.
( Vom Kajoputiöl, und dessen Nutzen in der Medizin ), 1782. 3 Qu. S. 223.
( Nipa, ein neues Geschlecht der Palmenbäume ), 1782. 3 Qu. S. 231.
19. Om Palmträden i· al···m·änhet auch i· synner···het om Licuala Palmen.
( Von den Palbäumen überhaupt, und der Likualapalme insbesondere ), 1782 4 Qu. S. 284.
20. Bes·kr·ifning ·pa Houtuyiana cordata, ·et Japan·s·k Örte-Genus.
( Beschreibung der herzförmigen Houtuyiane, eines japanischen Pflanzengeschlechts ), 1783. 2. Qu. S. 149. 1 K. T.
21· Ytterligare Anmärkningar ··om Asterier.
22· Bes·kr·ifning ·pa Ön··· Ceilons Mineralier auch ädl·a Ste·nar.
( Beschreibung der Mineralien und Edelsteine auf der Insel Ceilon ), 1784. 1 Qu. S. 70.
23. Anmärkningar om Foglar af Loxiae-Slägtet pa Goda-Hopps-Udden. ( Bemerkungen, betreffend einige Vögel aus dem Geschlecht· der Kernbeißer am Vorgebirge der guten Hoffnung ), 1784. 4. Qu. S. 206.
24. Anmärkningar auch Bes·kr·ifning ·pa Albucae örteslägte.
( Anmerkungen, das Pflanzengeschlecht der Stiftblume betreffend und Beschreibung desselben ), 1786. 1. Q. S. 57.
25. Anmärkningar vid de växter, som kallas Orchides.
( Anmerkungen über diejenigen Gewächse, welche Ragwurz heißen ), 1786. 4. Qu. S. 254.
26. Beskrifning pa nagra sälsynta auch okanda Ödlor ( Beschreibung einiger seltenen und unbekannten Eidechsen ), S. 1787. 2. Qu. S. 123.
27. Bes·kr·ifning ·pa trenne S·köldpaddor.
( Beschreibung dreier Schildkröten ), 1787. 3. Qu. S. 178.
28. Bes·kr·ifning pa Wildenovia, e·t synnertigt auch nytt Gräs-s··lag.
( Beschreibung der Wildenowie, einer besonderen und neuen Grasart ), 1790. 1. Qu. S. 26. 1 K. T
29. Bes·kr·ifning pa tvänne Fiskar ifran Japan.
( Beschreibung zweier Fische aus Japan ), 1790. 2. Qu S. 106. 1 K. T.
30. Wahlbomia indica bes·kr·efven.
( Die ostindische Wahlbomie beschrieben ), 1790. 3. Qu. S. 215. 1 K. T.
31. Tvänne utländska Fiskar, Gobius patella auch Silurus lineatus.
( Zwei ausländische Fische, der flache Gründel, und der schmalgestreifte Wels ), 1791. 3. Qu. S. 190. 6 K. T.
32. Tvänne japan·s·ke Fiskar, Callionymus japonicus, auch Silurus lineatus.
( Zwei japanische Fische, der japanische Schellfischteufel und der schmalgestreifte Wels, 1792. 1. Qu. S. 29. 1 K. T.
33. Bes·kr·ifning ·pa ···okän·de· Fis·kar· perca sex-lineata auch picta.
( Beschreibung unbekannter Fische, des sechslinirten und des bunten Bärschlings ), 1792. 2. Qu. S. 141. 5 K. T.
An die gelehrte Gesellschaft zu Up·sala.
2. Kaempferus illustratus.
3. Cussoniae Genus 1780. c. figg. Vol. III.
4. Novae Species insectorum Sveciae.
5. Kaempferus illustratus.
7. Desc·r·iptiones insectorum Sveci·corum.
8. Observationes in linguam Japonicam.
An die physiographische Gesellschaft zu Lund.
1. Retzia capensis.
3. Aloe-kadans ·libredning i· Afrika ( Zubereitung des Aloegummi· in Afrika.
4. Aitonia capensis.
An die norwegische Gesellschaft zu Dronteheim.
2. Cliffortiae Genus.
An die Sozietät der Wissenschaften zu Harlem.
1. Observationes thermometricae in Japonia habitae.
An die Sozietät der Wissenschaften zu London.
1. Nachrichten von meiner Reise nach Japan.
2. ökonomischer Nutzen und Zubereitung des Citodium, oder der sogenannten Brotfrucht.
An die kaiserliche Sozietät naturae curiosorum.
1. Crassulae novae species 28.
2. Mesembryanthemi species novae 21.
Dilatris Genus.
An die Societas historiae naturalis····· zu Paris.
1. Ein neues Pflanzengeschlecht, Boscia undulata.
2. Beschreibung von dreizehn japanischen und vier und dreißig kap·schen, bisher unbekannten Pflanzengeschlechten.
Upsala, den 4. März 1793.
Karl Peter Thunbergs Reisen.
Zweiten Bandes erster Teil, welcher des Verfassers Reise von Batavia nach Japan, seine Reise in diesem Lande als Holländischer Gesandtschafts-Medikus an den Hof des Kaisers zu Jedo, seinen Aufenthalt daselbst, so wie in Japan überhaupt enthält.
Erste Abteilung.
Reise von Batavia nach Japan, und Aufenthalt im Hafen von Nagasaki und auf der Insel Dezime.
Abreise von Batavia.
Nachricht von den beiden dahin gehenden Schiffen.
Amt und Bestimmung des Verfassers.
Schiffs- Offiziere.
Sklaven zu ihrer Bedienung, und freie Beköstigung.
Chinesische Küste.
Unglück des anderen Schiffs.
Einige Muschelarten und dergleichen.
Fieber unter den Matro·sen.
Phosphorischer Schein auf Krebsen und Blackfischen.
Chinesische Fischerbo·te.
Formosa.
ehemalige Herrschaft der Holländer über diese Insel.
abermalige Stürme.
Auf der Reise nach Japan verunglückte Schiffe.
Insel M·axima.
Hafen von Nagasaki.
Japanische Vorposten.
Einpacken der Bibeln und Gesangbücher.
Musterrolle des Schiffsvolks.
Bette zum Sitzen für die Japanischen Beamten.
Ankunft eines Boot·s von Dezime.
Großer weiter Rock des Kapit·äns.
Besuch am Bord.
Verbot des weiten Rocks.
Gebrauch desselben zum Behuf des Schleichhandels.
Ankunft Japanischer Beamten und anderer.
Deren Geschäft auf dem Schiffe, und Bewirt·ung.
·Überlieferung der Bücher, des Gewehrs und der Ammunition an die Japaner.
Musterung.
Wachschiffe.
Mitgebrachtes Schlachtvieh der Holländer, und dessen Fütterung.
Strenge Visitierung der Personen und Sachen Japanischer Arbeiter und Ruderer.
Besuch von den Gouverneuren.
Tod und Beerdigung eines Matrosen.
Freiheit von Zollabgaben.
Strenge Aufsicht auf alles, was an Land kommt; scharfe Visitierung.
Ursache davon.
Kunstgriffe der Holländer beim Schleichhandel.
Ha·ß der Japaner gegen sie.
Packhäuser.
Japanische Dolmetscher.
Deren Verrichtungen und Beschäftigung mit der Arzneikunst.
Des Verfassers Bekanntschaft mit ihnen.
Dessen Ansuchen um Freiheit zu botanisieren, und endliche Bewilligung derselben.
Japanisches Wörterbuch.
Beschreibung des Hafens.
Japanische und Chinesische Fahrzeuge.
Einziger Einlaufsort für fremde Schiffe.
Beschreibung der Stadt Nagasaki.
Insel Dezime.
Faktorei und Aufenthalt der Holländer auf derelben.
Übrige Häuser.
Aufsicht und Wache.
Begräbnisplätze.
Aufsammeln des Mists.
Gärten.
Europäische Gartengewächse.
Des Verfassers Beschäftigung in der Zwischenzeit; Unterweisung der Dolmetscher in der Medizin.
Herrschende Diarrhöe.
Entlaufung und scharfe Aufsuchung eines Sklaven.
Rückreise des Schiffs.
Wiederempfang der bei der Ankunft abgegebenen Sachen.
Spa·zierfahrten nach den kleinen Inseln umher.
Beschreibung der Inseln.
Merkwürdige Gewächse: Chinawurzel, Pfefferstrauch und andere.
Abgang des Verfassers vom Schiffe zurück nach Dezime.
Rückkunft einiger Japaner aus China und Batavia.
Neujahrsfeier der Holländer.
Glück·wünschungs-Besuche der Japanischen Beamten bei ihnen.
Feierliche Bewirtung derselben, Japanische Lustmädchen dabei.
Leichtigkeit, das Japanische Frauenzimmer zu sehen.
Allgemeine Geldauszahlung an die Holländer.
Botanische Wanderungen des Verfassers.
Gefundene Gewächse: unter anderen Erdäpfel, Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Buchweizen, Ingber, Spanischer Pfeffer, Tobak, Kalmuswurzel, Bamborohr u. a. Lebensart der Holländer auf Dezime: Einsamkeit und Eingeschränktheit; Zeitvertreibe; Japanische Bedienung; Speisen; Fischgerichte; ( von einem giftigen Fische ); Wohnung; Tisch und Ausgaben; Gebrauch und Unterhaltung Japanischer Lustmädchen aus der Stadt.
Von Europäern erzeugte Kinder.
Kälte und Einheizungsart, Seite 38 bis 47.
Japanischer Handel der Holländer.
Kurze Geschichte desselben.
ehemalige Ausdehnung, Freiheit und Einträglichkeit.
Allmähliche und jetzige Einschränkung, und geringer Ertrag.
Verlust am Gelde.
Waren, welche die Holländer von Japan ausführen: besonders Kupfer, Kampfer, Porcellain.
Sachen, deren Ausfuhr verboten ist.
Waren, welche die Holländer hierher bringen.
öffentlicher Verkaufe der mitgebrachten Waren.
Diesjähriger Preis des Einhorns und der Ninsiwurzel.
Tauschhandel.
Chef der Holländischen Handlung.
Japanischer Handel der Chinese·.
ehemalige Freiheit und jetzige Einschränkung, und geringer Ertrag desselben.
Verschiedenheit der Japaner und Chinese· an Sprache, Sitten u. s. w. Gegenstände ihres Handels.
öffentlicher Verkaufe ihrer Waren. Abgaben. Art der Bezahlung.
Chinesische.
Zweite Abteilung.
Reise von Dezime nach Jedo.
Zurüstung.
Mitgenommene Geschenke.
Absendung des Gepäckes zu Wasser.
Abschied vom Gouverneur.
Visitierung.
Abreise.
Reisegesellschaft. Anführer. Art der Reise.
Beschreibung der Norimon oder Portchaisen.
Was wir zur Bequemlichkeit und Erfrischung mit uns führten.
Auf- und Anzug unserer Japaner.
Ehrenvolles und Angenehmes der Reise.
Aufnahme im ersten Logis.
Vorschuß der kleinen Reisekosten.
Reise bis Sinongi; anderer Weg dahin zu Kämpfers Zeit.
Warmes Bad zu Orissino.
Fabriken für große irdene Kruken zu Swota.
Provinz F·i·sen; ihre Beschaffenheit und Einwohner.
Stadt Sanga; Taisero.
Provinz Tsikudsen.
Höflichkeit der Japaner überhaupt, und der Provinzial-Fürsten insbesondere, gegen die Holländer.
Zimmer und Schlafstelle für die Holländer in den Herbergen.
Merkwürdige Kräuter und Gewächse.
Reise zu Wasser nach Simonoseki; Aufenthalt daselbst; Beschreibung der Stadt.
Anfang der großen Wasserreise.
Dreiwöchentlicher Aufenthalt zu Kaminoseki.
Fernere Wasserreise bis Fiogo.
Menge kleiner Inseln.
Hafen bei Fiogo.
Aufnahme zu Osaka.
Kosten der Seereise.
Beschreibung der Stadt Osaka.
Reise bis Miako.
Löffelgänse.
Beschreibung der Stadt.
Audienz bei den Befehlshabern.
See bei Oits.
Lachse.
Große Brücken bei Zet·a.
Provinz Ist.
Unreinlichkeiten an den Landstraßen.
Reise an der Küste von Jokaits an.
Wasserreise bis Mia. Beschreibung der Stadt.
Stadt Okasaki.
Sehr große Brücke.
Scharfe Visitierung d·aselbst.
Gefährlicher Weg durch den Flu·ß Ojingawa.
Fluß Fusikowa.
Hoher Berg Fusi.
Reise über den Berg Fakonie.
Japanische Zedern.
Ahorn·bäume.
Merkwürdige Kräuter, Stauden und Sträucher.
Gedörrte Eidechsen.
abermalige Visitierung.
Beide letzte Tagereisen.
Städte Banningawa und Totska.
Benutzung einiger Seegewächse.
Vorstädte von Jedo.
Neugierige Zuschauer.
Logis der Holländer daselbst.
Glücklich vollendete Reise.
Durchreiste Provinzen.
Kämpfers Reise.
Jährlich nach Hofe reisende Fürsten; Beschreibung solcher Reisen.
Verbot der Besuche bei den Fürsten.
Besuch eines Fürsten bei den Holländern.
Witterung während der Reise.
Dritte Abteilung.
Besuche der Vornehmen und Gelehrten bei den Holländern.
Besuche zweier Astronomen.
Besuche verschiedener Ärzte; Unterredungen mit ihnen; nähere Nachrichten von ihnen; vom Verfasser ihnen ert·eilter Unterricht; ihre Bücher.
Audienz beim Kaiser, dem Kronprinzen und den Großen.
Beschreibung der Kaiserlichen Residenz.
Anwesenheit des Kaisers in einem der Vorzimmer.
Audienz beim Kronprinzen, den Reichsräten und anderen Großen.
Aussicht über die ganze Stadt.
Abschieds- Audienz.
Geschenke des Hofes an die Holländer.
Beschreibung der Stadt.
Häuser.
Feueranstalten.
Frauen mit geschorenem Kopfe.
Fortschritte der Schüler des Verfassers.
Der Verfasser bekommt eine Kaiserliche Prinzessin zur Patientin.
Vom Verfasser seinen Schülern ert·eiltes Testimonium.
Merkwürdige Bäume und Pflanzen.
Namen des Kaisers und des Kronprinzen.
Vierte Abteilung.
Rückreise von Jedo nach Dezime.
Abreise.
Anstalten zu einer großen Reise des Kaisers.
Ein merkwürdiger Fichtenbaum.
Reise über den Berg Fakonie.
Eine merkwürdige Vanille.
Berg Fusi.
Botanische Merkwürdigkeiten.
Von Rohr geflochtene Sachen.
Schutz gegen die Mücken des Nachts.
Merkwürdige Gewächse.
Stinkkäfer.
Besuch beim Oberrichter und den Gouverneuren.
Geschenke von ihnen.
Besuch des Leibarztes des Dairi beim Verfasser.
Beschreibung des Tempels und der ungeheuren Statue des Daibud.
Tempel des Quanwon und Menge der dasigen Gottesbilder.
Aufenthalt zu Osaka.
Komödien und Ballette daselbst.
Vogelsammlungen.
Botanischer Garten.
Kupfer-Schmelzhütte, und Verfahren beim Gießen des Kupfers in Stäbe.
Medizinischer Gebrauch der Moxa.
Einige botanische Bemerkungen.
Seereise.
Leuchtende Käfer.
Ankunft zu Nagasaki und Dezime.
Vorsicht bei Mitbringung von Münzen und Landkarten.
Fünfte Abteilung.
Erster Abschnitt.
Von der natürlichen Beschaffenheit des Landes.
Entdeckung durch die Portugiesen.
Gebirg·i·ge Beschaffenheit.
Hitze und Kälte.
Meteorologische Beobachtungen.
Nachlese merkwürdiger Naturalien.
Zweiter Abschnitt.
Beschaffenheit und Charakter der Japaner.
Leibesbeschaffenheit und Bildung.
Charakter im allgemeinen Verstande.
Freiheitsliebe.
Höflichkeit und Untert·änigkeit.
Natürliche Geschicklichkeit und Industrie.
Sparsamkeit und Frugalität.
Gute Gemütsart.
Gerechtigkeitsliebe und Entfernung von Eroberungssucht.
Stolz und hohe Meinung von sich.
Tapferkeit und kriegerischer Mut·; verschiedene Anekdoten davon.
Unversöhnlichkeit und kaltblütige Rachsucht.
Dritter Abschnitt.
Häuser und Haus·····gerät.
Besondere Bauart der Häuser, und ganz eigene innere Einrichtung derselben.
Abteilung der Zimmer durch papierne Rahm··wände.
Ziegel- und Schindeldächer.
Hervor stehende Dächer.
Seitenbedeckung der Häuser.
Papierne Fenster.
Stockwerke und Höhe der Häuser.
Gebrauch der vorderen und der hinteren Zimmer.
Küche; Herd; Abtritt.
Feuerfreies Nebengebäude.
Mangelhaftigkeit der Japanischen Häuser.
Bauart der öffentlichen Gebäude.
Bauart, Größe und Unterschied der Städte und Dörfer.
Häuser in den Dörfern, um den Urin und dergleichen zu sammeln.
Art des Heizens der Zimmer.
Art zu schlafen, zu sitzen und zu essen, und was die Stelle der Betten, Stühle und E·ßtische vertritt.
Kleine Toilette-Schränke.
Metallene Spiegel.
Vierter Abschnitt.
Eigentümlichkeit der Kleidertracht.
Lange weite Talare, und Art sie zu tragen.
Tracht der geringen Leute bei der Arbeit.
Festliches Oberkleid.
Arten der Zeuge: seidene, baumwollene Zeuge; Hanf- und Nessel-Leinwand; Zeug aus einer Art Maulbeerbaum-Rinde.
Vorzüge und Unbequemlichkeiten der Japanischen Tracht.
Gamaschen.
Stroherne und hölzerne Schuhe.
Oberschuhe.
Schuhe der Holländer. Art das Haar zu tragen und zu schmücken.
Reisehüte.
Weibermützen.
Sonnen- und Regen·schirme.
Reisemäntel.
Wappen auf den Kleidern.
Schnupftücher.
Fächer.
Schwarze Zähne und ausgerissene Haare der Augenbraunen bei den Frauen.
Fünfter Abschnitt.
Münzen und Gewicht.
Nur klingende Münze.
Wägen des Geldes.
Gangbare Münzsorten.
Goldene.
Kupferne, messingne und eisern·e.
Seltene Münzen.
Goldene.
Sechster Abschnitt.
Zeitrechnung und Feste.
Monate.
Zwölf himmlische Zeichen.
Auszug aus dem Japanischen Kalender. Ruhetage. Art die Stunden zu zählen.
öffentliche Anzeige der Stunden. Art das Alter der Kinder zu rechnen.
Cerimonie, da Kruzifix und Marienbild mit Füßen getreten werden.
Jährliche Feste.
Jahrmärkte.
Siebenter Abschnitt.
Übrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner.
Familien-Namen und Vornamen.
Ordnung der täglichen Mahlzeiten.
Miso-Suppe.
Die Japaner schlachten auf der See kein Tier.
Eingemachte Früchte.
Gebrauch des Zuckertangs zum Essen und bei den Geschenken.
Bohnenmehl statt Seife.
Lichte von Firnißbaum-·· Öl.
Öl zum Brennen.
Große Lichte· für den Hof zu Jedo.
Versiegeln mit Papier.
Seile und Taue von Nessel.
Oehlpressen.
Wappen auf den Meubeln und anderen Sachen.
Kartenspiele. Gänse·spiel.
Geschenke bei den Besuchen, und sonst.
Zinsen.
öffentliche Mädchenhäuser; deren Menge, Einrichtung und Ursprung.
öffentliche Bäder.
Warme Bäder.
Landstraßen.
Art zu reisen.
Einrichtung der Trag·sänften, und Art sie zu tragen.
Räder-Fuhrwerk.
Achter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Vergleichung der Japanischen Sprache mit der Chinesischen.
Schwierigkeit für Fremde, sie zu lernen.
Mangel an Wörterbüchern.
Einige allgemeine Anmerkungen über die Japanische Sprache.
Probe eines nach dem Alphabete, und zugleich nach Abstammung und Verwandtschaft der Wörter geordneten Japanischen Wörterbuchs.
Erste Abteilung.
Reise von Batavia nach Japan, und Aufenthalt im Hafen von Nagasaki, und auf der Insel Dezime.
Der 20. Junis 1775 war es, als ich Batavia verließ, und mich an Bord des Schiffes begab, das mich nach Japan bringen sollte.
Dies·· Schiff war einer von den nach diesem Lande bestimmten Dreideckern, und führte den Namen Stavenisse.
Die Holländische Ostindische Compagnie hat schon seit langer Zeit jährlich nur zwei Schiffe nach Japan geschickt.
Die Regierung zu Batavia sucht diese Schiffe aus.
Gewöhnlich sind beide, wenigstens aber eins, große Dreidecker, und zwar von denen, welche der Provinz Seeland zugehören, weil man die Fahrt von Java nach Japan für eine der allergefährlichsten in ganz Ostindien hält.
Während dieser Reise war ich auf dem Schiffe als erster Chirurg·· angestellt.
Nach glücklicher Ankunft in Japan, war meine Bestimmung, ein Jahr da zu bleiben, und in der Eigenschaft eines Legations-Medikus den Holländischen Ambassadeur an den Kaiserlichen Hof nach der Hauptstadt Jedo zu begleiten.
Dies war meine Station im Dienste der Compagnie.
Außerdem aber hatte ich mich zu Amsterdam anheischig gemacht, für den dasigen medizinischen Garten und einige vornehme Privat-Personen in diesem Lande, so weit ich Freiheit und Gelegenheit dazu haben würde, lebendige Gewächse und Samen, besonders von Sträuchern und Bäumen zu sammeln, und mit zurück gehenden Schiffen nach Europa zu schicken, wo man sie pflanzen wollte.
Das Schiff wurde vom Kapit·än van Eß geführt.
Als alles zur Abreise fertig war, kam Herr Feith an Bord, der jetzt zum vierten Ma·l die Stelle eines Chefs des Japanischen Handels und eines Abgesandten an den Kaiserlichen Hof antrat, und den Superzargeur Haringa, nebst vier Assistenten, als Gehilfen be···im Handel, bei sich hatte.
Das andere Schiff, das fertig war, uns Gesellschaft zu leisten, war etwas kleiner, und ein Superzargeur und ein Assistent befanden sich darauf.
Alle Schiffs-Offiziere hatten einen oder mehrere Sklaven mit sich am Bord, zu ihrer Bedienung, so wohl auf der Reise, als während ihres Aufenthalts in Japan, wo sie ein Jahr bleiben sollten.
Dies haben die Japaner vor mehr als hundert Jahren erlaubt, obgleich die Sklaven nicht außerhalb der Faktorei, oder der dabei belegen·· Stadt Nagasaki kommen dürfen.
Offiziere heißen auf diesen Schiffen der Kapit·än, die Superzargeure, die Assistenten, der Sekret·är und der Arzt oder Doktor.
Es ist ihre gewöhnliche Benennung.
Dies ist wegen des Gebrauchs des Worts Offiziere im Folgenden, zu merken.
Am folgenden Tage lichteten wir die Anker, lös·ten die Kanonen, und gingen von Batavia unter Segel, legten uns aber hernach nicht weit von diesem Orte wieder vor Anker, um alles zu der bevor stehenden Reise in Ordnung zu bringen.
Den Offizieren machte indes·s·en ihre Verproviantierung nicht viel zu schaffen, weil der Chef jetzt so wohl als während der ganzen Reise, t·eils auf seine, t·eils auf der Compagnie Kosten, ihnen allen freien Tisch gab, und sie mit Liqueuren, Bier und Wein versorgte.
Erst nach sechs Tagen segelten wir weiter.
Wir kamen teils mit wenig Wind, teils mit der Flut in die Meerenge Banca ( Straet Banca ), die beinahe so breit ist, als der Kanal zwischen Frankreich und England.
Zur Linken sahen wir Sumatra, das einen ebenen und flachen Strand hat, zur Rechten Java: beide pra·ngen mit häufigen Waldungen.
Übrigens lagen wir hier einen Tag still, um das andere Schiff zu erwarten, das langsamer segelte und zurück geblieben war.
Am 30. kamen wir aus dem Sunde glücklich in die offene See.
Beide Schiffe begrüßten einander mit Kanonenschüssen, und man wünschte sich Glück zur Reise.
Den 3. Julius passierten wir die Linie.
Nach acht Tagen sahen wir die Klippe Pulo Sapato, die anfangs in der Ferne wie ein Schiff, hernach in der Nähe wie ein quer abgeschnittener Schuh aussieht; der Nahme bedeutet auch Schuhinsel.
Pulo heißt in der Malayischen Sprache Insel und Sapato Schuh.
Den 10. zeigte sich das Chinesische Land.
Der Anblick erweckt auf dieser Reise allezeit Freude, weil man dann ganz sicher weiß, wie weit man gekommen ist.
Auf dieser Höhe hat man fast immer Sturm.
Uns ging es auch so.
Unser Kapit·än, ein sehr kluger und vorsichtiger Mann, machte deswegen so gleich Anstalt, daß die Segel größtent·eils fest gebunden, die Spitzen der Masten gestrichen, und die Rahen herunter genommen wurden.
Dieser Vorsicht bediente man sich hernach allezeit, so bald sich böses Wetter und Sturm einstellten, und der Erfolg lehrte, daß sie sehr nützlich war.
Dagegen sahen wir, daß das andere Schiff, welches etwas zurück geblieben war, noch vor vollen Segeln ging, bis die Spitzen der Masten vom Winde herab geworfen wurden, bei Fortdauer des Sturms der eine Mast nach dem anderen verlo·ren ging, und das Schiff vom Hin- und Herwerfen so beschädigt und zugleich so leck wurde, daß es im Hafen von Macao mit Mühe vom Sinken gerettet wurde.
Von Macao brachte man es hernach nach Kanton, wo es ausgebessert wurde.
Die Reise nach Japan konnte es nicht fortsetzen.
Die Ladung, welche meist aus Puder-Zucker bestand, war fast ganz verdorben.
Nach einigen Tagen hatten wir wieder schrecklichen Sturm, dem gewaltige Orkane folgten, die zwei Tage und Nächte, zwar mit vielem Regen, aber doch ohne Gewitter, anhielten.
Als der Sturm sich gelegt hatte, sahen wir ein umgeworfenes Chinesisches Fischerboot in die See treiben.
Die Fischer waren umgekommen.
Den 22. bekamen wir das Chinesische Land abermals zu Gesicht.
Vier Fischerbo·te kamen mit Fischen mehrerer Gattungen zu uns.
Ich fand darunter die schöne und durchsichtige Muschelart ( Ostrea pleuronectes ), deren eine Schale weiß, die andere rot· ist, daher die Holländer ihr den Na·men Mondmuschel ( Maan- Massel ) gegeben haben.
Auch waren Blackfische ( Sepia ), einige Taschenkrebse, und der Schwanenkrebs ( Cancer Mantis ), darunter.
Man verkaufte uns die ganze Ladung, durch Tausche gegen Reiße und Arrak: Waren, welche die Fischer ungemein gerne nahmen.
Seit unserer Reise von Batavia hatten kalte Fieber unter den Matrosen sehr stark geherrscht, aber so bald mit dem starken Winde die Kälte zunahm, hörten sie auf.
Bontius sagt, zu seiner Zeit seien die kalten Fieber in Ostindien sehr rar gewesen; jetzt sind sie von allen Arten sehr allgemein.
Der Unterschied des Grades der Wärme war indessen bei· schönem Wetter nicht von Erheblichkeit.
Zu Batavia stand das Thermometer von 80 bis 86, und auf der nördlichen Höhe, die wir jetzt hatten, 78 bis 79 Grad nach Fahrenheit.
Auf den letzten Sturm folgte starker Regen, dieser war uns nicht weniger beschwerlich, als die Orkane.
Die Krebse und Blackfische, die ich mir ausgesucht hatte, um sie zu trockenen und aufzubewahren, gaben mir gegen Abend, so bald es dunkel wurde, den schönsten Anblick, indem jene stellenweise, diese beinahe ganz und gar, meine kleine Kajüte mit einem bläulichen phosphoreschen Lichte erhellten.
Dieser Schein hatte das Sonderbare, daß er, besonders an den Krebsen, nur hie und da zu sehen war, aber keinen T·eil des Körpers ganz bedeckte, so daß auf der einen Seite des Schwanzes ein Fleck leuchtete, auf der anderen nicht.
Der Schein blieb zwei Tage lang, wenn aber das Tier am Tage aufs Verdeck genommen wurde, war nichts von Schein zu sehen.
Mit bloßen Augen konnte ich weder See-Ungeziefer oder sonst etwas, das die Ursache des Scheins sein konnte, entdecken.
Wenn ich eine leuchtende Stelle mit dem Nagel rieb, blieb der Schein, ohne sich zu vermindern.
Die Chinesischen Fischerbo·te sind sehr groß und lang, aber von dünnen Planken gebaut, haben ein Verdeck, und sind an beiden Enden abgestutzt.
Der Hinterteil ist viel breiter, als der Vorderteil, und beim Steuer offen.
Sie haben einen Mastbaum, aber nur ein einziges Segel.
Mit solchen B·öten gehen vier bis fünf Mann Tag und Nacht weit in die See, um zu fischen.
Unsere Offiziere, die verschiedene Mal hier vorbei gesegelt·· waren, erzählten mir, da·ß diese Fischerbo·te bei gutem Wetter bisweilen in solcher Menge bei einander gefunden werden, da·ß sie den Horizont beinahe verdunkeln.
Nachdem wir die Insel, welcher die Holländer den Namen Met zyn Gat ( mit ihrem Loche ) zu geben pflegen, passiert waren, kamen wir in der Meerenge bei Formosa an.
Den 29. erblickten wir die Insel Formosa, die vor diesem der Holländischen Compagnie gehört hat.
Sie ist lang, groß und sehr fruchtbar.
Dies machte die Reise bequemer und sicherer, dagegen sie jetzt, selbst bei Stürmen, keinen Hafen zum Einlaufen haben.
Der damalige Gouverneur Coyet übergab die dasige Zitadelle Zeeland im Jahr 1662 nach einer neunmonatlichen Belagerung dem aufrührerischen und von den Tataren aus China vertriebenen Chinesen Coxinja.
( Die Geschichte hiervon findet man in Hat Verwaarloozd Formosa, door C. E. S. ( das verwahrlo·ste Formosa. )
Amsterdam, 1675. 4. ).
Jetzt steht die Insel wieder unter Chinesischer Botmäßigkeit.
Auch in diesen Tagen hatten wir verschiedene Stürme mit Regen auszustehen, die aber doch bald vorüber gingen.
Nur einer hielt volle drei Tage an, er war sehr heftig, und mit vielem Regen begleitet.
Die See ging sehr hoch und war in solcher Empörung, daß das Wasser auf das Schiff herab fiel, als wenn es beständig regnete.
Offiziere und Schiffsvolk behielten zuletzt kaum trockene Kleider, um sich umzuziehen, und man hatte viel Mühe, das Schiff gegen Wind und Wellen aufrecht zu halten.
Mir ging es auch sehr übel.
Bei den heftigen Stößen und stetem Hin- und Herschwanken des Schiffs hielt ich mich meistens auf dem Verdecke in freier Luft auf.
Zum Schutz gegen das heran stürmende Wasser hatte man an einer Seite ein Segeltuch aufgespannt, das auch wirklich etwas schützte.
Dagegen erfuhr ich sehr bald eine andere große Unbequemlichkeit davon.
Bei einem heftigen Stoße wurde ich von dieser Seite über das rund erhabene schlüpfrige Verdeck nach der anderen Seite geworfen, und das mit solcher Gewalt, daß ich Gefahr lief, über Bord zu fallen: zum Glück war die Brustlehne, wie auf allen Ostindischen Schiffen, sehr hoch.
Beinahe hätte ich aber doch das rechte Bein gebrochen, weil der Stoß gegen den Bord so heftig war; nun kam ich noch mit einer großen Beule davon.
Nach Verlauf einiger Tage überfiel uns zum fünften Mal Sturm und Regenwetter, das vier und zwanzig Stunden dauerte.
Hieraus kann man sehen, wie beschwerlich und gefahrvoll die Reise nach Japan, und wie unruhig und stürmisch das Meer auf beiden Seiten von Formosa ist, und zwar selbst in der besten Jahr·szeit, der einzigen, da Schiffe drei bis vier Monate in einem Japanischen Hafen mit Sicherheit liegen können.
Eine umständliche und ausführliche Beschreibung der Stürme in diesen Fahrwassern findet man beim Kämpfer.
Die Compagnie rechnet von fünf hierher gehenden Schiffen, ein·s für verloren.
Daß dies mit einer mehr als hundertjährigen Erfahrung überein stimmt, kann man aus dem vorhandenen Verzeichnisse der verunglückten Schiffe sehen, von denen man zum Teil gar nicht weiß, wo sie geblieben sind.
In folgenden Jahren nämlich sind, in jedem ein Schiff verloren gegangen: 1651, 1652, 1653, 1658, 1659, 1664, 1668, 1670, 1671, 1697, 1708, 1714, 1722, 1724, 1731, 1748, 1758, 1768, 1770, 1772, 1775.
Im Jahr 1642 und 1669 sind zwei und 1719 gar drei verunglückt.
Dazu kommt eins, das 1770 nach China gehen mu·ßte, ohne seine Reise fortsetzen zu können, weil es leck geworden war, und eins, das 1660 in einem Gefechte mit den Chinesen in die Luft flog.
Das letzte war das mit uns abgegangene zweite Schiff, das so schadhaft geworden war, daß es in einen Chinesischen Hafen einlaufen mußte, wo es ausgebessert wurde, und von da es nach Batavia zurück segelte.
Den 13. August früh zeigte sich die Insel M·axima mit ihren hohen und spitzen Bergen.
Am Nachmittage sahen wir schon Japanisches Land.
Abends um neun Uhr gingen wir beim Eingange in den Hafen von Nagasaki vor Anker.
Hier bilden die hohen Berge einen runden Binnenhafen, der wie ein halber Mond gestaltet ist.
Auf den Bergen umher sahen wir verschiedene Vorposten stehen.
Diese werden auf Befehl der Japanischen Regierung dahin gestellt, und mit Fernröhren versehen, damit sie die Schiffe von weitem entdecken und dem Statthalter zu Nagasaki so gleich von ihrer Ankunft Nachricht geben können.
Jetzt zündeten diese Schildwachen mehrere Feuer an.
Auf unserem Schiffe waren wir heute auch sehr geschäftig.
Die Matrosen mu·ßten ihre Bibeln und Gesangbücher hergeben; diese wurden in einen Kasten gepackt, und der Kasten zugenagelt.
Dieser wird hernach den Japanern in Verwahrung gegeben, die ihn bis zur Abreise behalten, da denn jeder sein Buch wieder bekommt.
Die Absicht ist, zu verhüten, daß keine christlichen oder katholischen Bücher ins Land kommen. --
Auf dem Verdecke schlug man ein Bett mit einem Himmel, aber ohne Gardinen, auf.
Dies war für die ankommenden Japanischen Beamten bestimmt, darauf zu sitzen. --
Auch verfertigte man eine Musterrolle von der ganzen Besatzung, die ungefähr hundert und zehn Mann und vier und dreißig Sklaven ausmachte.
Eines jeden Alter wird in einer solchen Rolle angegeben, aber nicht das Vaterland, weil alle für Holländer angesehen werden; diesmal waren verschiedene aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Portugal und Spanien darunter.
Sie wird hernach den Japanern eingehändigt, die unmittelbar nach ihrer Ankunft, und in der Folge jeden Morgen und Abend an den Tagen, da das Schiff gelösch·t oder geladen wird, und die Fahrt zwischen dem Schiffe und der Faktorei offen ist, die ganze Besatzung nach Inhalt derselben mustern.
Hierdurch wissen sie gewiß, daß ohne ihr Vorwissen oder Erlaubnis niemand heimlich entkommen, oder aus der Faktorei zurück bleiben kann.
Kaum hatten wir die Anker gelichtet, als wir ein Boot vom Lande uns entgegen kommen sahen.
Unser Kapit·än zog deswegen einen blauen, mit Silber besetzten, seidenen Rock an, der sehr groß und weit ausgestopft, und vorn vor dem Bauche mit einem großen Kissen versehen war.
Dieser Rock war ehedem seit langer Zeit dazu gebraucht, Kont·erbande heimlich einzubringen, und auszuführen, weil der Chef und der Kapit·än die einzigen waren, die nicht visitiert wurden.
Der letztere machte in diesem ganz voll gepfropften Rocke jeden Tag gewöhnlich dreimal den Weg vom Schiffe nach der Faktorei, und zwar manchma·l mit Wa·ren so bepackt, daß ihn unter jedem Arme ein Matrose unterstützen mußte, wenn er ans Land stieg.
Dies brachte ihm jährlich ansehnliche Summen, bisweilen mehrere Tausend Taler ein, nicht nur durch das, was er für eigene, sondern auch für Rechnung der Offiziere mitnahm.
In dem gedachten Boote kamen von der Faktorei, im Na·men des dasigen Chefs, ein Superzargeur und drei Assistenten an, um uns zu unserer Ankunft Glück zu wünschen, und sich nach den Schiffen, der Ladung, Neuigkeiten von Batavia und dergleichen zu erkundigen.
Mittlerweile waren auf dem Schiffe mancherlei Arten Flaggen und Wimpel aufgezogen, um unsere Einfahrt in den Hafen glänzend zu machen.
So bald wir uns den beiden an jeder Seite des Hafens befindlichen Kaiserlichen Wachen, deren eine des Kaisers, und die andere der Kaiserin Wache heißt, näherten, feuerten wir die Kanonen ab, um sie zu salutieren.
Während dieser ganzen Fahrt in einem langen und krumm herum gehenden Hafen hatten wir die schönste· Aussicht von der Welt: rund umher sahen wir Berge und Hügel, die bis in die Spitze angebaut waren: ein Anblick der in anderen Ländern selten ist.
Endlich kamen wir beim Ankerplatze selbst an.
Hier ließen wir froh die Anker nieder, und blieben einen Büchsenschu·ß weit von der Stadt Nagasaki und der dabei liegenden kleinen Insel Dezime, auf welcher die Holländische Faktorei ist, liegen.
Nachdem die von der Faktorei an uns abgeschickten Personen sich wieder an Land begeben, und die Briefe der Compagnie so wohl als andere, mitgenommen hatten, kam bald nachher der dies Jahr in Japan zurück gebliebene Chef an Bord.
Er hielt sich nur kurze Zeit auf, und nahm den neu angekommenen Chef, den Kapit·än, den Superzargeur und die Assistenten mit nach der Faktorei.
Die Neuigkeit, welche er uns mitgebracht hatte, war uns sehr unangenehm.
Vom Hofe waren sehr scharfe Befehle angekommen, um allen ferneren Schleichhandel zu hemmen.
Der Chef so wohl als der Kapit·än sollen von nun an, ohne Unterschied wie jeder andere, visitiert werden, welches bis dahin nie geschehen war; der Kapit·än solle sich in Zukunft wie andere kleiden, und den weiten Oberrock, der bisher zur Beförderung des Schleichhandels gedient habe, ablegen, entweder beständig an Bord bleiben, oder, wenn er an Land gehen wolle, nicht die Erlaubnis haben, während der ganzen Zeit seines Aufenthalts daselbst, mehr als zweimal von da sich auf das Schiff zu begeben.
In Ansehung dieses letzten Punktes gab man indessen sehr nach.
Der Capilain durfte schon am dritten Tage wieder an Bord gehen, um das Schiff vor zwei Anker zu legen.
Die Erlaubnis hierzu gab der Gouverneur zu Na·gasaki, teils auf Bitten, teils durch die Drohung bewogen, daß, wenn das Schiff Schaden nähme, solches für des Kaisers Rechnung sein, und, wenn dem Kaiser das gleichgültig sein sollte, die Compagnie es gewiß rächen würde.
Die Veranlassung zu diesem strengen Befehle hatte die im Jahr 1772 gemachte Entdeckung gegeben, da das von den Holländern verlassene Schiff an die Japanische Küste angetrieben kam, und man beim Ausladen fand, daß es viele, besonders dem Chef und dem Kapit·än zugehörige, verbotene Waren, mit sich führte.
Dies·· Schiff war auf der Reise hierher so leck geworden, daß man es verließ, und so gewiß glaubte, es müsse binnen einigen Stunden untergehen, daß man es nicht in Brand steckte, welches sonst in solchem Falle, dem Befehl der Compagnie gemäß, geschehen muß.
Dessen ungeachtet war es verschiedene Tage nach dem Lande hin umher getrieben, da denn die Japaner es entdeckt, und in den Hafen von Nagasaki bugsiert hatten.
Da hatten diese nun alle Ecken und Winkel durchsucht, und eine Menge, den vornehmsten Offizieren gehörende, mit den am schärfsten verbotenen Waren angefüllte, und mit ihren Namen bezeichnete Kisten entdeckt.
Besonders waren sie über eine dem Chef zugehörige Kiste aufgebracht worden, die mit falschem Som, oder Ginsengwurzel, welche durchaus nicht eingeführt werden darf, angefüllt war, und daher außerhalb des Wasserthors der Faktorei mit allem, was sie enthielt, verbrannt wurde.
Außerdem, daß es für den Chef ein Schimpf ist, visitiert zu werden, verlieren der Schiffs-Capitain und alle Offiziere jährlich einen beträchtlichen Gewinn auf ihre Wa·ren, und der erstere auch noch eine ansehnliche Summe dafür, daß er die Wa·ren der letzteren mitnahm.
Vor diesem hatte der Kapit·än nicht nur den weiten Oberrock, sondern auch große weite Hosen an, die ebenfalls mit Kont·erbande angefüllt waren, aber diese waren verdächtig geworden, und man hatte sie schon vor mehreren Jahren ablegen müssen; nun mu·ßte man den Rock, diese letzte Zuflucht, auch fahren lassen.
Übrigens sah es gar lächerlich aus, wie die meisten Japaner unseren, nunmehr an Dicke den gewöhnlichen Menschen ähnlichen Kapit·än mit vieler Verwunderung ansahen, da sie sich vorher immer eingebildet hatten, alle unsere Schiffs-Capitaine wären so dick und fett, als sie sie zu sehen gewohnt waren.
Kaum war das Schiff vor Anker gelegt, und Nagasaki von unseren Kanonen begrüßt, als zwei Japanische Oberbeamte ( Banjosen ) und einige Unterbeamte ( Unterbanjo·s ) nebst Dolmetschern und Bedienten an Bord kamen.
Die Banjosen nahmen ihren Platz auf der aufgeschlagenen Bettstelle ein, worauf eine dicke Japanische Matte von Stroh, und darüber eine kattunene Decke lag.
Vor dem Bette stand ein Fußschemel, damit man bequem hinauf kommen konnte.
Nachdem sie die Schuhe ausgezogen hatten, stiegen sie hinauf und setzten sich, nach Landes·sitte, auf die Fer·sen, und die Füße unterge·schlagen.
Da sie dieser Art zu sitzen gewohnt waren, konnten sie es lange aushalten; da·ß es ihnen aber endlich unbequem wurde, konnte man daraus sehen, da·ß sie dessen bisweilen überdrüssig wurden, und sich eine Weile auf Europäische Art setzten.
Das Geschäft dieser Banjosen war, während der ganzen Zeit, da das Schiff auf der Reede lag, dahin zu sehen, daß alle Personen und Güter, die an Land gebracht wurden, oder aufs Schiff kamen, genau visitiert wurden; die Befehle vom Gouverneur in der Stadt anzunehmen; alle Pässe und Papiere, womit Leute versehen werden mußten, zu unter··schreiben, und dergleichen.
Ihr Zeitvertreib während ihres langen und ermüdenden Sitzens war, Tobak zu rauchen, bisweilen ein Paar Worte mit einander zu sprechen, T·ee zu trinken, und ein Glas Europäischen Branntwein zu nehmen.
Zu diesem Ende ließ der Schiffs-Capitain zwei kristallene Flaschen mit verschiedenen Liqueuren, und zwei geschliffene kristallene Gläser, wie auch Konfekt auf einem Teller, aufsetzen, wiewohl sie nicht viel Liqueur trinken, sondern meist nur davon probieren.
Als alles Salutieren mit den Kanonen vorbei war, sollte nach Gewohnheit das übrige Pulver, nebst den Kugeln, allem Gewehr, und der oben gedachten Bücherkiste den Japanern in Verwahrung gegeben werden.
Man überlieferte ihnen eine gewisse Quantität Pulver, sechs Kisten mit Kugeln, sechs Musketen, sechs Pistolen, sechs Säbel und sechs Bajonette, und bildete ihnen ein, dies sei unser ganzer Vorrat· von Ammunition.
Es wurde in einem Packhause verwahrt, bis das Schiff bei seiner Rückreise die Reede verließ, da die Japaner es von selbst zurück gaben.
Auch das Schiffsboot und die Schahlupen nahmen sie in sichere Verwahrung, und weder Personen noch Sachen konnten anders als mit Japanischen B·öten und Japanischen Seeleuten hin- und herkommen.
Diese Maßregeln befolgen die Japaner bei jedem Holländischen Schiffe.
Vor diesem nahmen sie so gar auch das Steuerruder, die Segel und die Kanonen mit an Land ins Packhaus, welches ihnen aber unsägliche Last machte; jetzt sind sie so vernünftig, diese Sachen nicht anzurühren.
Wenn nun die Japaner uns völlig entwaffnet zu haben glauben, lassen sie die Musterung auf dem Schiffe das erste sein, die sie hernach an den Tagen, da gelöscht oder geladen wird, Morgens und Abends wiederholen.
Sie zählen dabei nur bis zehn, und fangen immer wieder mit Eins an, eben so zählen sie bei Güt·ern und Sachen.
Jedesmal wird genau angeschrieben, wie viel Mann an Land gegangen, wie viele krank, und wie viel auf dem Schiffe anwesend sind.
An allen den Tagen, da etwas ein- oder ausge·schifft wird, sind Oberbanjos··, Unterbanjos··, Dolmetscher, Schreiber und Besucher am Bord, bis gegen Abend, da sie säm·tlich ans Land gehen, und den Europäern auf dem Schiffe Freiheit lassen.
Bei solchen Gelegenheiten lä·ßt man allezeit die Flaggen auf dem Schiffe so wohl, als auf der Faktorei, wehen.
Wenn beide Schiffe glücklich angekommen sind, wird auf jedem einen Tag um den anderen gearbeitet.
Damit weder die Holländer selbst vom Schiffe, noch die Japaner dahin kommen können, um, besonders des Nachts, unter Begünstigung der Dunkelheit, und da keine Japanischen Offiziere am Bord sind, heimlich Handel zu treiben, werden verschiedene große Wachs·chiffe in einiger Entfernung rund um das Schiff gelegt, und außerdem müssen mehrere kleine Böte bei Nachtzeit alle Stunden sehr nahe um das Schiff herum rudern.
Unter dem ersten, das an Land gebracht wurde, waren die von Batavia mitgebrachten Kälber, Ochsen, Schweine, Ziegen, Schafe und Hirsche.
Ochsen und Kühe sind auch etwas seltenes, und dazu ungemein klein, werden auch nur bisweilen zum Ackerbau gebraucht; das Fleisch iss·t der Japaner nicht, auch macht er sich die Milch auf keine Art zu Nutze.
Weil daher die Europäer hier diese Arten Vieh zum Schlachten nicht kaufen können, sehen sie sich genötigt, so wohl zu frischer Provision, auf der Faktorei, als auch zum Behuf der Schiffe bei der Abreise, dergleichen mitzubringen.
Dies Vieh steht beständig auf der Insel auf dem Stalle, der im Sommer offen, im Winter zugeschlossen ist.
Es wird mit Gras und Laub gefuttert, das täglich dreimal von Japanischen Knechten rund um die Stadt gesammelt und hergebracht wird.
Des Winters besteht das meiste Futter in etwas Reiße und in Zweigen von Bäumen, auch Stroh von ausgedroschenem Reiße.
Ich pflegte dies Futter, jedesmal so wie es gebracht wurde, zu durchsuchen, und die darunter befindlichen seltenen Gewächse heraus zu nehmen, die ich hernach trocknete und in Herbarien sammelte; denn auf dem Felde durfte ich dergleichen selbst nicht sammeln.
In den folgenden Tagen wurden die Kleidungsstücke und Möbeln der Offiziere, nebst ihrem Vorrat von E·ßwaren, Wein, Bier, und was sonst Privat- Personen gehört, und nicht verkauft werden soll, an Land gebracht.
Dies mu·ß allezeit besonders geschehen, ehe irgend etwas von Handelswa·ren ausgeladen werden darf.
Man pflegt es in den drei ersten Tagen zu tun.
Den 4. September wurde das Schiff von den Japanern visitiert, nachdem alles, was nicht verkauft werden sollte, ans Land geschafft war.
Alle von Privat- Personen zum Verkaufe bereits angegebene Waren, wurden heute abgeschickt; vergaß jemand in der Eile etwas, so durfte er es hernach nicht ans Land bringen, noch verkaufen.
Die Visitation geschah allenthalben, und zwar sehr genau, außer ganz unten und in der Pulverkammer.
Der übrige Teil dieses Monats wurde zum Löschen der Waren der Compagnie angewandt.
Beim Ein- und Ausladen zu helfen, wie auch die B·öte hin- und herzurudern, sind eine Menge Arbeitskerl ( Kuli ) bestellt, nebst anderen, die über diese die Aufsicht haben.
Diese Leute haben zur Gewohnheit, allezeit, wenn sie etwas aufheben oder tragen sollen, ingleichen wenn sie rudern, zu singen, und zwar jedesma·l nach einem gewissen Takte, in einem gewissen Tone und mit anpassenden aufmunternden Worten.
In vorigen Zeiten nahmen die Holländer sich die Freiheit, diese Arbeitsleute, die von der geringeren Volks Klasse sind, für begangene Fehler abzustrafen und zu schlagen; jetzt aber ist dies, als etwas, das die Nation für schimpflich hält, gänzlich und bei schwerer Strafe von der Regierung verboten.
Wenn ein Europäer vom Schiffe ans Land geht, oder umgekehrt, er habe Sachen mit, oder nicht, so geht allezeit ein Bedienter mit, und er muß einen Pa·ß bei sich haben, worauf sein Nahme, seine Uhr und was er sonst bei sich hat, aufgeschrieben ist.
So bald das Schiff zur Hälfte gelöscht war, fing man schon wieder an zu laden, und zwar Kupfer in Stäben, das in hölzernen Kisten lag.
Dies·· Jahr, da nur ein Schiff hierher gekommen war, brachte man in dasselbe anderthalb so genannte Lasten Kupfer, oder 6700 Kisten, jede ein Pickel oder 125 Pfund schwer.
An den Tagen, da keine Ein- oder Ausschiffung geschieht, kommen weder Japanische Beamte noch andere Japaner an Bord.
Auch die Holländer selbst kommen an solchen Tagen weder nach dem Schiffe, noch davon.
Das Wassertor der Stadt ist alsdann auch verschlossen.
Wenn eine wichtige Ursache es notwendig macht, daß ein Offizier, zum Beispiel der Kapit·än oder der Doktor, sich nach dem Schiffe begeben muß, welches man vom Schiffe durch Aufziehen der Flagge zu erkennen gibt, so muß die Erlaubnis dazu vom Gouverneur in der Stadt gesucht werden.
Wird sie gegeben, so wird den- noch das Wassertor nicht geöffnet, sondern man wird von Dolmetschern und Beamten durch einen kleinen Teil der Stadt nach einer kleinen Brücke begleitet, von wo man, nach vorgängiger sehr genauer Visitation, in einem Boote nach dem Schiffe gebracht wird.
Jene Leute steigen jedoch nicht selbst mit aufs Schiff, sondern warten in ihren B·öten, bis man sein Geschäft verrichtet hat.
Alsdann wird man auf gleiche Art und auf dem nämlichen Wege wieder nach der Faktorei geführt.
In der Stadt sammelt sich während dieses Aufzuges allezeit eine Menge Volk, den Europäer zu beschauen, und ein zahlreicher Schwarm Kinder, die über die großen runden Augen desselben, durch ihr Geschrei Hollande O-Me ihre Verwunderung bezeigen.
Einmal bekamen wir auf dem Schiffe Besuch von einigen Fürsten und beiden Gouverneuren der Stadt.
Neubegierde trieb sie zu uns, unser Admiral-Schiff zu bes·eh···en, das ein sehr großer und zugleich sehr schöner Dreidecker war, dergleichen seit vielen Jahren in Japan nicht gewesen war.
Einer der Dolmetscher behauptete, während der dreißig Jahre, die er auf der Faktorei gedient, habe er nie ein so großes und prächtiges Holländisches Schiff gesehen.
In diesen Tagen geschah es auch, daß wir einen unserer Matrosen verloren, der nebst anderen Kranken in das auf der Insel befindliche Krankenhaus gebracht war.
Man zeigte dem Gouverneur von Nagasaki den Todesfall an, und bekam Erlaubnis zur Beerdigung.
Die Leiche wurde von dazu verordneten Japanern sehr genau visitiert, darauf in einen bretternen Sarg gelegt, und von den Japanern selbst auf die andere Seite des Hafens gebracht, und in die Erde gegraben.
Einige wollten behaupten, solche To·te würden von den Japanern wieder ausgegraben und verbrannt; ich habe hiervon aber nichts gewisses erfahren können.
Zölle kennt man in Japan nicht, weder im Lande, noch an den Küsten; und Zollabgaben werden niemals, weder von ein- noch ausgehenden Waren, weder von Fremden noch Einheimischen gefordert.
Ein sehr wichtiger Vorzug, den dies Land vor so vielen anderen hat.
Damit aber keine verbotene Wa·ren heimlich eingebracht werden mögen, wird die strengste Aufsicht gehalten, und Menschen und Sachen so genau durchsucht, daß es alle Vorstellung übertrifft.
Geht ein Europäer ans Land, so wird er zuerst auf dem Schiffe, und hernach, so bald er ans Land kommt, visitiert.
Diese gedoppelte Visitierung ist sehr scharf.
Man befühlt die Taschen, und streicht mit den Händen an den Kleidern den Leib und die Lenden herab; nicht genug: bei geringen Leuten durchsucht man so gar die heimlichen Orte, und bei den Sklaven die Haare auf dem Kopfe.
Auf gleiche Weise werden auch alle Japaner, die an Bord kommen, visitiert, und niemand ist davon ausgenommen, als die Ober-Banjosen.
Alle Sachen, die ein- oder ausgeschifft werden, sind eben einer solchen zwiefachen Durchsuchung, am Bord nämlich und auf der Faktorei, unterworfen, nur große Kisten nicht; diese werden auf der Faktorei ausgepackt, und so genau untersucht, daß man so gar gegen die Bretter schlägt, ob sie etwa hohl sind.
Die Betten werden nicht selten aufgeschnitten und die Federn umgerührt; in die Buttergefäße und Konfitüre-Kruken werden dünne eiserne· Stangen gesteckt; oben in die Käse wird ein viereckiges Loch geschnitten, und mit einem langen spitzigen Eisen von da der ganze Käse nach allen Seiten durchstochen.
Ihr Argwohn ging diesmal so weit, daß sie von den Eiern, welche wir bei uns hatten, eins und das andere nahmen und entzwei schlugen.
Eben diese Strenge wird beobachtet, wenn man von der Faktorei nach dem Schiffe, oder aus der Stadt Na·gasaki nach der Insel Dezime, und umgekehrt, geht.
Die Uhr mu·ß man aus der Tasche ziehen und vorzeigen, und sie wird jedesmal angeschrieben.
Bisweilen wird auch der Hut visitiert.
Geld und Münze darf von Particuliers gar nicht eingeführt werden, sondern es wird meistens bis zur Abreise in Verwahrung genommen.
Briefe dürfen nicht einmal versiegelt nach oder von dem Schiffe geschickt werden, sondern man öffnet sie, und die Dolmetscher müssen sie so gar bisweilen lesen; das geschieht auch wohl mit anderen Papieren.
Religions-Bücher, besonders mit Kupferstichen, einzubringen, ist sehr gefährlich.
Bücher anderer Art können die Europäer zu ihrem eigenen Gebrauche, so viel sie wollen, einführen; in Ansehung dieser war das Visitieren am wenigsten genau: sie sahen nur einige an.
Lateinische, Französische, Schwedische und Deutsche Bücher gehen überhaupt besser, als Holländische, durch, weil die Dolmetscher sie nicht verstehen.
Waffen und Gewehr dürfen zwar nicht eingebracht werden; man erlaubte uns aber doch noch, unsere Degen mitzunehmen.
Übrigens sitzen am Wassertore von Dezime, wenn etwas aus- oder eingeschifft wird, eben so als auf dem Schiffe, allezeit Ober- und Unter- Banjosen, und Ober- und Unter-Dolmetscher, vor deren Augen alles durchsucht wird.
Und damit die Europäer nicht im Stande sein mögen mit den Besuchern Bekanntschaft zu machen, werden diese so oft umgewechselt, daß dazu keine Gelegenheit ist.
An diesem übertriebenen Visitieren, dessen Strenge bei verschiedenen Gelegenheiten so zugenommen hat, daß sie nun zu ihrer größten Höhe gestiegen ist, sind die Holländer selbst Schuld.
Die weiten Hosen und der ungeheure Rock des Kapit·äns, und hundert andere Kunstgriffe wurden angewandt, verbotene Sachen heimlich nach der Faktorei zu bringen, und die Dolmetscher, die vorma·ls gar nicht visitiert wurden, brachten die Contrebande-Waaren allmählich nach der Stadt, wo sie für bares Geld verkauft wurden.
Oft machte man dies so fein, daß man dergleichen Sachen vorn in die Hosen und in die Haare steckte.
Vor einigen Jahren fanden die Japaner bei einem Schiffs-Unterbedienten einen Papagei in den Hosen, wo er während der Visitierung anfing zu sprechen, und dadurch entdeckt wurde.
Diesmal traf man bei einem Assistenten in den Unterhosen verschiedene T·aler und Dukaten versteckt.
Hierzu kommt der Hochmut, den einige unverständige Offiziere gegen die Japaner auf eine sehr unvorsichtige Art blicken lassen, indem sie ihnen zur Unzeit widersprechen, sie über die Achsel ansehen, sie auslachen und ihnen verächtlich begegnen.
Dies erzeugt bei den Japanern Ha·ß und Verachtung: diese Verachtung nimmt sehr zu, wenn sie sehen, wie unfreundschaftlich und unhöflich die Europäer nicht selten mit einander selbst umgehen, und wie barbarisch sie ihre Matrosen mit Fluchen, Prügeln und anderen Grausamkeiten behandeln.
Dies alles hat denn die Japaner von Jahr zu Jahr mehr gereizt, die Handelsfreiheit der Holländer einzuschränken, und sie so genau und scharf visitieren zu lassen, daß sie mit den ausgedachtesten Kniffen kaum im Stande sind, Leuten von einer so wachsamen Nation die Augen zu blenden.
Alle diese Anstalten sollen gleichwohl nur den eigentlichen Schleichhandel, nicht aber den Privat-Handel hindern, sondern jedermann kann alles, was verkauft werden darf, und wozu sich Käufer finden, ja so gar solche Sachen, die nicht verkauft werden dürfen, einbringen, sofern es nur nicht heimlich geschieht.
Nur mit Sumatraschem Kampfer und mit Schildkröten-Schalen dürfen Privat-Personen nicht handeln, weil das ein ausschließ·endes Recht der Compagnie ist.
Die Ursache, warum Particuliers solche Waren, deren Verkaufe in öffentlicher Auktion nicht verboten ist, so gern heimlich herein bringen, ist die, daß sie für das, was vermittels· der Auktion verkauft wird, kein bares Geld bekommen, sondern andere Waren zur Bezahlung nehmen müssen.
Diese bestehen entweder in Porcellain, oder in lackierten Sachen, und sind, weil dergleichen jährlich mitgebracht werden, zu Batavia so wohlfeil, daß man bisweilen weniger dafür bekommt, als man dafür bezahlt hatte.
Hingegen wenn die Sachen heimlich verkauft werden, so bekommt man oft noch einmal so viel als sonst, und zwar in klingender Goldmünze.
Vor einigen Jahren, da der Schleichhandel noch im Flor war, wurde zwar das meiste durch die Dolmetscher von der Faktorei nach der Stadt gebracht; manchma·l warf man aber auch die Wa·ren über die Mauer von Dezime und nahm sie in einem dazu bestellten Japanischen Boote in Empfang.
Verschiedene Mal sind Dolmetscher und andere Japaner hierbei ertappt und meistens am Leben gestraft.
Auch die Holländer haben von jeher, wenn man Schleichhandel entdeckt hat, ansehnliche Geldstrafe bezahlen müssen, die in neueren Zeiten so erhöhet ist, daß ein Europäer, wenn er betroffen wird, zwei hundert Katjes Kupfer erlegen muß, und auf immer Landes verwiesen wird.
Überdem werden für Rechnung der Compagnie alsdann zehn tausend Katjes Kupfer abgezogen, und wenn die Sache entdeckt wird, nachdem das Schiff schon die Reede verlassen hat, muß so wohl der Chef als der Kapit·än zwei hundert Katjes Kupfer Strafe geben.
Die Waren der Compagnie sind keinem Visitieren unterworfen, sondern werden so gleich nach den Packhäusern gebracht, welche von den Japanern versiegelt werden, und wo sie liegen bleiben, bis man sie abholt, um sie zu verkaufen.
Die Dolmetscher sind alle geborene Japaner und sprechen mehr oder weniger fertig Holländisch.
Keinem Ausländer erlaubt die Regierung, die Sprache zu lernen, damit niemand in den Stand gesetzt werde, irgend Kenntnis des Landes zu bekommen.
Dagegen hält sie vierzig bis fünfzig Dolmetscher, die auf der Faktorei beim Handel und anderen Gelegenheiten die Holländer bedienen müssen.
Sie werden gemeiniglich in drei Klassen geteilt.
Die ältesten, welche das Holländische am besten sprechen, bekommen den Namen Ober-Dolmetscher; die, welche es nicht so gut sprechen, heißen Unter-Dolmetscher; und diejenigen, welche es noch weiter lernen müssen, nennt man Lehrlinge.
Vor diesem unterrichteten die Holländer selbst die Japanischen Lehrlinge; besonders war dies das Geschäft des Arztes; jetzt aber bekommen sie den Unterricht von den älteren Dolmetschern.
Die Lehrlinge hatten ehemals auch die Freiheit, nach Belieben auf die Faktorei und in die Zimmer der Holländer zu kommen; allein nunmehr dürfen sie nicht eher und öfter hinkommen, als sie wirklich gebraucht werden, und alsdann gehen allezeit ein oder zwei Ottone mit.
Auch haben sie allezeit etliche Schreiber mit sich, die anschreiben, was ein- und ausgeladen wird, und Pässe und dergleichen schreiben müssen.
Die Dolmetscher avancieren so wohl im Range als in Einkünften nach der Anciennität, ohne zu anderen Bedienungen genommen zu werden.
Ihre Amtspflicht ist, daß, gewöhnlich einer, bisweilen zwei, von jeder Klasse zugegen sein müssen, wenn die Japaner und Holländer, es betreffe den Handel, oder andere Gegenstände, etwas mit einander abzumachen haben.
Sie dolmetschen entweder mündlich oder schriftlich, wenn beim Statthalter, bei den Beamten oder anderen, etwas zu suchen, zu klagen, oder sonst anzubringen ist.
Auch müssen sie bei den Visitierungen auf dem Schiffe so wohl, als auf der Faktorei zugege··n sein, ingleichen auf der Reise nach Hofe mitgehen.
Von den älteren unter ihnen sprechen einige das Holländische, wenn von gewöhnlich vorkommenden Gegenständen die Rede ist, ziemlich fertig und verständlich.
Weil aber die Japanische Sprache in Ausdrücken so wohl als in Wortfügungen von den Europäischen so sehr abweicht, so hört man gar oft von ihnen recht lächerliche Ausdrücke und sonderbare Redensarten.
Manche lernen es nie richtig sprechen.
Wenn sie Holländisch schreiben, gebrauchen sie statt der Feder ihren gewöhnlichen Pinsel, ihren Tusch und ihr eigenes Papier, schreiben aber doch nach Europäischer Art von der Linken zur Rechten, und zwar meistens sehr ansehnliche und schöne Italienische Buchstaben.
Die Dolmetscher sind sehr große Liebhaber von Europaischen Büchern und verschaffen sich deren jährlich eins oder mehrere von den ankommenden Kaufleuten.
Sie besitzen sie nicht nur, sondern lesen auch fleißig darin, und behalten sehr gut, was sie daraus gelernt haben.
Überhaupt lassen sie es sich sehr angelegen sein, von den Europäern etwas zu lernen, und nach allem, besonders was ins medizinische, physikalische und naturhistorische Fach schlägt, zu fragen: sie fragen so unglaublich viel und so mancherlei, daß man dessen oft sehr müde wird.
Die meisten legen sich förmlich auf die Arzneiwissenschaft; diese sind auch die einzigen, welche sie nach Europäischer Methode und mit Europäischen Arzneimitteln ausüben.
Hierdurch bekommen sie nicht nur Gelegenheit· Geld zu verdienen, sondern erwerben sich auch etwas mehr Ansehen.
Bisweilen nehmen sie so gar Schüler in dieser Wissenschaft an.
So wohl ihre Kenntnisse als die Arzneien bekommen sie von den Holländischen Ärzten.
So bald ich ans Land gestiegen war, ließ ich meine erste Sorge sein, mir die Bekanntschaft der Dolmetscher zu verschaffen, und mich, so viel möglich war, bei den Beamten, welche sich sehr oft auf unserer kleinen Handels-Insel einfanden, in Gunst zu setzen.
Denn mein Betragen gegen die Japaner war sehr freundschaftlich und aufrichtig.
Als Arzt aber hatte ich besonders verschiedene erwünschte Gelegenheiten dazu.
Es traf sich oft, daß ich ihnen oder ihren zu Hause gela·ßenen Kranken, Angehörigen und Freunden mit nützlichem Rat· und heilsamen Medikamenten an Hand gehen konnte.
Den Nutzen meiner medizinischen Kenntnisse sahen sie noch mehr ein, als ich nach und nach unter den in ihrem eigenen Lande wild wachsenden Gewächsen verschiedene sehr wirksame Arzneimittel entdeckte.
Und weil ich nicht zu der handelnden Klasse gehörte, war ich weniger verdächtig als andere.
So wohl durch die Dolmetscher als die auf der Insel oft befindlichen Beamten suchte ich mir eine Freiheit zu verschaffen, die sonst keinem Europäer ert·eilt wird, nämlich auf dem Felde um die Stadt zu botanisieren.
Anfangs schien meine Bemühung ziemlich zu glücken, und ich erhielt wirklich die Erlaubnis des Gouverneurs; in kurzem aber wurde sie wieder aufgehoben.
Die Ursache davon war sehr lächerlich.
Die Japaner sind in Rücksicht auf die Europäer sehr argwöhnisch, und der Statthalter scheuet sich ungemein, ihnen etwas zu bewilligen, wovon man vorher noch kein Exempel hat.
Wie ich nun um Stattun···g botanischer Exkursionen ansuchte, sah man in den Tagebüchern nach, ob ein Holländer irgend vorher dergleichen Freiheit gehabt habe.
Man fand, daß vor langer Zeit, als viele Krankheiten grassiert, und es an Arzneimitteln zu fehlen angefangen hatte, ein Chirurg·· in der Gegend der Stadt umher gewandert war, um dergleichen zu suchen, und bewilligte mein Gesuch ohne Bedenken.
Hernach aber bei genauerer Untersuchung zeigte es sich, daß jener nur Unter-Feldscher gewesen sei, mir also als Ober-Feldscher dergleichen Erlaubnis nicht zu T·eil werden könne.
Ein so kleiner Umstand ist oft sehr bedeutend in den Augen der Japaner, die mit dem möglichsten Eifer ihre Pflichten zu erfüllen suchen, und den Gesetzen ihres Regenten blinden Gehorsam leisten, ohne in ihren Sinn einzudringen, sie gehörig zu erklären, und nach Beschaffenheit der Umstände zu ändern oder neue zu machen.
Für mich war jener Umstand auch von nicht geringer Erheblichkeit.
Von allen mir bisher zugestoßenen Widerwärtigkeiten hatte ich keine so sehr gefühlt, als diese.
Ich ließ indessen noch nicht alle Hoffnung sinken, so sehr ich mich auch grämte, daß der Herbst vielleicht ungenutzt vorbei gehen würde.
Mittlerweile munterte ich die Dolmetscher, welche ich täglich in der Medizin und Chirurgie unterwies, auf, aus der ganzen Gegend von allen Gewächsen, Blätter, Blumen und Samen zu bringen.
Auch suchte ich so wohl sie, als die Beamten zu überzeugen, daß zwischen einem Ober- und Unter-Feldscher wenig oder gar kein Unterschied sei, daß ein Ober-Feldscher vorher Unter-Feldscher gewesen sein müsse, und daß, so bald jener sterbe, dieser so gleich seinen Platz einnehme.
Dies wirkte so viel, daß ich die Vergünstigung des Gouverneurs wieder bekam, aber so spät, daß ich nicht eher, als im Anfange des Februars Gebrauch davon machen konnte.
Während dieser Zeit suchte ich mir einige Kenntnis der Japanischen Sprache zu erwerben, obgleich dies scharf verboten ist, und die Schwierigkeiten dabei gegenwärtig weit größer, als je vorher waren.
Ich erkundigte mich daher bei den Dolmetschern, ob keine gedruckten Wörterbücher oder andere Hilfsmittel dazu vorhanden wären.
Nach vielem vergeblichen Nachfragen trieb ich endlich ein altes Lateinisch-Portugiesisch-Japanisches Dictionnaire auf, wobei die Portugiesischen Geistlichen Calepins bekanntes Lexikon zum Grunde gelegt hatten.
Aus der Vorrede aber sah ich, daß die Societas fratrum Europaeorum simul et lapanicorum es in Japan gemeinschaftlich ausgearbeitet hatte.
Das Buch war in Quart, auf Japanisches Papier gedruckt, und enthielt außer dem Titelblatte, und dem letzten Blatte, worauf die Druckfehler standen, 906 Seiten.
Es sah alt aus, und war auch an einer Ecke etwas verbrannt.
Einer der älteren Dolmetscher besaß es als ein Erbstück von seinen Vorfahren in der Familie.
Es mu·ßte wohl eine gar große Rarität sein, weil weder ich noch der Holländische Chef auf keine Art und für keinen Preis es durch Tausche oder Kauf an uns zu bringen im Stande waren.
Nun einige topographische Nachrichten.
Der Hafen von Nagasaki ist ungefähr eine Meile lang, und vier Büchsenschüsse breit, und krümmt sich an der einen Seite etwas ins Land hinein.
Er erstreckt sich von Süden nach Norden, hat Modergrund, und ist so tief, daß die Schiffe sich in der Nähe eines Flintenschusses gegen die Faktorei legen können.
Ebbe und Flut ist im Hafen sehr stark.
Die Berge umher sind sehr steil, und der Strand ist abschüssig.
Im Hafen trifft man eine Menge großer und kleiner Japanischer Fahrzeuge an, manchmal über hundert, die große Anzahl aus den umher liegenden Gegenden dahin kommender Fischerbo·te ungerechnet.
Bei unserer Ankunft fanden wir auch elf Chinesische Fahrzeuge ( lonke ), die so dicht am Lande lagen, daß sie zur Zeit der Ebbe nur den Schlammgrund unter sich hatten.
Einige bekamen bald hernach ihre Ladung und segelten ab; aber sieben blieben den Winter über liegen.
Jedes dieser Fahrzeuge ist gewöhnlich von einer großen Menge Leute besetzt, manchmal von siebzig bis achtzig.
Daher kommt···, daß des Winters hier jährlich ungefähr sechs hundert Mann zurück bleiben, die sich auf einer zur Seite der Holländischen Faktorei außerhalb der Stadt liegenden Insel aufhalten.
Der Hafen bei Nagasaki ist der einzige im ganzen Reiche, wo fremde Schiffe vor Anker gehen dürfen.
Wird ein fremdes Schiff durch Sturm oder Unglücksfälle an die Japanische Küste getrieben, oder ist es genöt·igt, anderswo einzulaufen, so wird davon so gleich Bericht an den Hof zu Jedo abgestattet, und das Schiff nach Nagasaki gewiesen.
Die Stadt Nagasaki ist eine von den fünf so genannten Reichsstädten, und durch ihren Handel mit Ausländern eine der ansehnlichsten Handelsstädte im Reiche.
Sie gehört dem weltlichen Kaiser allein, die Einkünfte aus derselben fließen in seine Schatzkammer, und ein Statthalter übt in seinem Namen den Oberbefehl darin aus.
In ehemaligen Zeiten residierten hier zwei Gouverneure; heutiges Tages sind zwar auch allezeit zwei bestellt, aber nur einer ist am Regiment, und sie lösen einander jährlich im Oktober ab.
Der Dienstfreie reiset jedesmal nach Jedo, und bringt seine müßige Zeit da·selbst bei seiner Familie zu, die während seiner Anwesenheit zu Nagasaki, allezeit als Unterpfand seiner Treue, da bleiben muß.
Die jährliche Besoldung eines Statthalters beträgt ungefähr zehn tausend Taler, wozu noch manche außerordentliche Einnahme kommt.
Indessen kann er, teils wegen der Geschenke, die er bei Hofe machen muß, und anderer Ausgaben, die er da hat, teils wegen der Menge hoher und niedriger Bedienten, die er auf eigene Kosten halten muß, nicht viel davon erübrigen.
Der Gouverneur hat den höchsten Befehl nicht nur in der Stadt, sondern auch über die beiden, die Holländische und die Chinesische, Faktoreien.
Die Stadt selbst ist auf allen Seiten landwärts mit hohen, nach dem Hafen sich herab senkenden Bergen umgeben, und von ganz ansehnlichem Umfange.
Die Stadt ist offen, und hat weder Wall und Graben, noch eine Zitadelle.
Die Gassen sind krumm.
Durch die Stadt gehen einige Kanäle, die das Wasser von den umliegenden Bergen sammeln und ableiten, und sich ganz bis zum Hafen herab erstrecken.
An jedem Ende der Straßen ist ein hölzernes T·or, das zugeschlossen und dadurch alle Gemeinschaft mit anderen Straßen abgeschnitten werden kann.
Des Nachts sind diese T·ore allezeit verschlossen.
Die Straßen sind selten länger als dreißig bis vierzig Laden, und enthalten auch eben so viel Häuser.
Über jede Straße ist ein Beamter zur Aufsicht angesetzt, so wie auch jede Straße ein Haus hat, worin ihre Gerätschaften zum Löschen des Feuers aufbewahret werden.
Die Häuser sind selten zwei Stockwerke hoch; das zweite Stockwerk ist auch gemeiniglich niedrig.
Das Stadtregiment führen vier Bürgermeister, die eine hinlängliche Anzahl Stadtbedienten von verschiedenem Rang und Ansehen ( Ottonas ) unter sich haben, und wodurch Ordnung und Sicherheit in so hohem Grade, daß man es bewundern muß, erhalten wird.
Ehe die Portugiesen hierher kamen, war Nagasaki nur ein kleines Dorf; hernach aber hat es sich dadurch, daß um des Handels Willen immer mehr Leute dahin gezogen sind, zu seiner jetzigen Größe allmählich ausgedehnt.
Die Insel Dezime wird von der Stadt an die Holländische Compagnie vermietet, und nur wie eine zur Stadt gehörige Straße angesehen.
Die Stadt lä·ßt daher alle Wohnhäuser auf derselben bauen, unterhält sie auch, und bessert sie, wenn sie baufällig sind.
Indessen mu·ß jeder Bewohner auf seine Kosten Fensterrahmen einsetzen, und das Haus weißen lassen, auch das Dach und die Wände mit Tapeten versehen, und andere Einrichtungen zu seiner Bequemlichkeit selbst machen lassen.
Die Insel hängt mit der Stadt und dem festen Lande zusammen, und ist bei niedrigem Wasser bloß durch einen Graben davon getrennt; nur bei hohem Wasser ist sie eine Insel.
Gemeinschaft mit der Stadt hat sie vermittels· einer Brücke.
Ihre Größe ist unbeträchtlich; sie hat etwa 600 Fuß in die Länge und 240 in die Breite.
Rund umher ist sie mit einer Planke eingeschlossen.
Sie hat zwei T·ore, eins nach der Stadt bei der Brücke, das andere nach der See.
Dies letztere wird nur an solchen Tagen geöffnet, da das Schiff gelöscht oder geladen wird; das erstere wird am Tage stets von einer Anzahl Japaner bewacht, und des Nachts zugeschlossen.
Zugleich steht ein Wachhaus dabei, worin die Ein- und Ausgehenden visitiert werden.
Längs am Strande sind zu beiden Seiten verschiedene Packhäuser und Krankenhäuser für die Compagnie, und mehrere Häuser zur Wohnung für ihre Bedienten angelegt.
Diese sind zwei Stockwerke hoch, wovon nur das obere bewohnt, das untere aber zu Buden, Ställen und statt anderer Nebengebäude gebraucht wird.
Zwischen diesen Häusern laufen zwei Gassen hin, die sich in der Mitte durchkreuz·en.
Außer den großen Feuerfreien Packhäusern sind die Gebäude alle von Fachwerk mit Lehm, mit Ziegeln gedeckt, und nach Landes·sitte mit papiernen Fenstern, und Strohmatten auf dem Fußboden versehen.
In neueren Zeiten haben einige von Batavia entweder kleine Glasfenster oder einzelne Fensterscheiben mitgebracht, um ihren Zimmern mehr Licht zu geben, und Aussicht zu bekommen.
In der Nähe des Wasserthors stehen allerhand Gerätschaften zum Feuerlöschen bereit.
Am anderen Ende ist ein Lust- und Küchengarten, und ein, zwei Stockwerke hohes, ansehnliches Lusthaus befindlich.
Zur steten und genauen Aufsicht auf die Holländer sind verschiedene Beamte, Dolmetscher und Leute zur Wache bestellt.
In drei Ecken stehen Wachhäuser, worin roährend der Zeit, da die Schiffe auf der Reede liegen, Wache gehalten wird; nach ihrer Abreise wird bloß eins davon gebraucht.
Die Wache geht wie eine Nachtwache, nicht nur bei Nachtzeit, sondern auch am Tage, verschiedene Ma·l auf der Insel herum.
Die Dolmetscher haben ein ansehnliches Haus, das ihr Kollegium genannt wird, und wo die Handelszeit über, eine beträchtliche Anzahl, aber wenn keine Schiffe da sind, einer oder zwei, täglich sich aufhalten, die alle vier und zwanzig Stunden von anderen ordentlich abgelöst werden, welches gemeiniglich Nachmittags geschieht, damit die Abgehenden vor Abend zu Hause kommen können.
Ein anderes Haus ist für die Ottone ( der Nahme sagt ungefähr so viel als Rapportier-Bürgermeister ), deren sich, so lange die Handelszeit währt, mehrere hier versammeln, außerdem aber nur einer oder zwei da sind.
Sie werden, wie die Dolmetscher, abgelöst; sie haben die Aufsicht auf alles, was auf der Insel vorgeht, und müssen dem Gouverneur Bericht davon abstatten.
In dem kleinen Bezirke dieser Insel müssen übrigens die Holländer ihre Zeit zubringen: eine Einschränkung, die denen, welche das Jahr über hier bleiben, nicht wenig lästig ist.
Um die Stadt her auf den Anhöhen und an den schönsten Stellen stehen Tempel in großer Menge.
Bei den Dörfern und Höfen in der Nachbarschaft der Stadt findet man meist auf den Anhöhen und am Wege eine große Menge in die Höhe stehender Grabsteine von allerhand Gestalten.
Man sagte mir, jedem Verstorbenen werde ein solcher Leichenstein errichtet.
Vor diesen Steinen fand ich oft ein oder zwei dicke Bamboröhre hingesetzt, die mit Wasser, Laub oder Blumen angefüllt waren.
Die Steine sind zum Teil roh, sehr häufig aber mit Kunst gehauen, teils mit, teils ohne Inschrift, diese letzteren auf einigen vergoldet, auf anderen nicht.
Der vielen in die Höhe ragenden Grabsteine wegen kann man diese Begräbnisplätze oft in sehr weiter Entfernung sehen.
-- An den Wegen traf ich auch hie· und da große ausgegrabene Löcher an, worin der Landmann den Urin und den Unrat· des Viehes sammelt.
Dergleichen sammelt man hier mit vieler Sorgfalt, um hernach den Acker damit zu düngen, verursacht aber dadurch den Vorbeypassirenden einen hä·ßlichen und nicht selten unausstehlichen Gestank.
In den Gärten in und vor der Stadt fand ich verschiedene Europäische Küchengewächse, die man hier bauet, und wovon ich bereits einen Teil an Bord des Holländischen Schiffes und nach der Faktorei hatte bringen sehen: rot·e Rüben, die hier röt·er sind, als ich sie irgend sonst außer Europa gesehen habe; Möhren oder gelbe Wurzeln; Fenchel, Dill, Anis, Petersilie; Spargel; verschiedene Sorten Zwiebeln, als Porre, Zipollen; Rüben; Lactuc, Zichorien, Endivien, und mehrere andere.
Da Amtsgeschäfte für mich sehr selten vorfielen, brachte ich meine Zeit mit Sammlung, Untersuchung und Aufbewahrung von Insekten und Gewächsen, in dem Umgange mit den Dolmetschern, und, als ich erst Erlaubnis dazu hatte, mit Botanisieren zu.
Die Dolmetscher nahmen bei mir Unterricht in verschiedenen Wissenschaften, besonders in der Kräuterkunde und der Arzneikunst.
Mir machte diese Beschäftigung Vergnügen, und sie bewiesen sich als wi·ßbegierige und gelehrige Schüler.
Verschiedene von ihnen hatten unter meiner Anführung eine ausgebreitete und einträgliche Praxis in der Stadt.
Einige brachten mir verschiedene schöne, seltene, mir bis dahin ganz unbekannte, und diesem Lande eigene Gewächse, die sie teils selbst gesammelt, teils durch ihre Freunde aus den inneren Provinzen bekommen hatten.
Zugleich verschaffte ich mir durch ihre Hilfe allmählich zuverlässige Nachrichten, die Regierung, Religion, Sprache, Sitten, Haushaltung des Volks und dergleichen betreffend.
Auch erhielt ich durch sie unterschiedliche Bücher und andere Seltenheiten.
Im Oktober und November herrschten so wohl auf dem Schiffe, als zu Na·gasaki Diarrhöe· mit starkem Stuhlgangszwang ( Tenesmus ).
Unter dem Schiffsvolke entstand diese Krankheit von der starken Tageshitze und nächtlichen Kälte.
In der Stadt kam noch eine Ursache hinzu, nämlich das häufige Essen der Persimone oder Kaki ( Diospyros Kaki ), die um diese Jahr·szeit reif ist und verkauft wird, angenehm schmeckt und mit gelben Pflaumen Ähnlichkeit hat.
Nicht lange nach meiner Ankunft betraf mich ein unvermuteter Unfall, der anfangs von keiner Bedeutung zu sein schien, aber doch viel Lärm, und mir viel Verdruß verursachte.
Da zu Batavia meine Umstände mir nicht erlaubt hatten, mir einen eigenen Sklaven zu kaufen, und nach Japan mitzunehmen, war einer von den Supercargeuren so gefällig, mir einen von seinen Sklaven so lange zu leihen, bis er übers Jahr wieder hierher kommen würde.
Dieser Kerl, welcher zu Batavia eine Frau zurück gelassen, und sich bis jetzt mit der Hoffnung geschmeichelt hatte, dies Jahr zu Hause zu reisen, und die Seinigen zu sehen, wurde hierüber sehr mi·ßvergnügt und zuletzt milzsüchtig.
Endlich fiel ihm ein· sich zu verstecken, und er verschwand, ohne daß jemand wu·ßte, wo er geblieben wäre, oder was ihn dazu angetrieben haben möchte.
Anfangs ließen wir ihm durch die anderen Sklaven nachsuchen, aber wir konnten ihn nicht auffinden.
Am folgenden Tage spürten die Dolmetscher und die übrigen auf der Insel befindlichen Japaner selbst ihm noch genauer nach, aber auch vergeblich.
Am dritten Tage kam endlich auf Befehl des Gouverneurs aus der Stadt eine große Menge Dolmetscher, Ober- und Unter-Banjosen, nebst vielen anderen Leuten, um noch genauere Nachsuchung anzustellen.
Auch diese fanden ihn nicht eher, als gegen Abend, und zwar in einem alten Packhause.
Hätte man ihn heute noch nicht angetroffen, so wäre am folgenden Tage auf Befehl des Statthalters noch strengere Visitation über die ganze Insel und in allen Zimmern der Häuser angestellt worden.
Wäre auch dies umsonst gewesen, so würde über das ganze Land der Befehl ergangen sein, den Entlaufenen aufzusuchen, und die Sache hätte nach Hofe müssen berichtet werden.
Von einem so geringen Vorfalle machen die Japaner gewaltiges Aufheben, aus Furcht, es möchte sich jemand ins Land einschleichen, welches doch kaum auf irgend eine Art möglich ist.
Der Sklave wurde hernach mit Stockschlägen bestraft und in Ketten geschlossen, und damit war der ganze große Lärm zu Ende.
Den 24. Oktober wurde das Holländische Schiff von der Stadt nach dem so genannten Papenberge gebracht.
Hier sollte es vor Anker liegen und den rückständigen Teil der Ladung einnehmen.
Meine Obliegenheit brachte es mit sich, mitzugehen und an Bord zu bleiben, bis mein Vorgänger, der hernach mit diesem Schiffe nach Batavia gehen sollte, mich ablösen würde.
Es wird nämlich, einige Tage nachdem das Schiff bei seiner Ankunft im Hafen sich vor Anker gelegt hat, vom Statthalter der Tag fest gesetzt, da es wieder absegeln soll.
Dieser Befehl mu·ß schlechterdings befolgt werden, und wenn der Wind auch noch so stark, oder gar Sturm ist, mu·ß das Schiff dennoch ohne Einwendung hinaus.
Wir hatten heute auch in der T·at widrigen Wind, der so heftig weh·te, daß das Schiff mit mehr als hundert großen und kleinen B·öten hinaus ··bugsiert werden mußte.
Alle diese, in verschiedene lange Reihen gestellten, kleinen Fahrzeuge, die ein ungeheuer großes Schiff durch Hilfe langer Taue fort··schleppten, gaben einen gar sonderbar auffallenden Anblick; lustig war dabei das aufmunternde Freudenge·schrei der mehreren hundert Japaner, die jene B·öte ruderten.
Ehe das Schiff die Reede verlä·ßt, wird das zu Anfange ihm abgenommene Schießpulver, Gewehr und Bücherkasten wieder ausgeliefert.
Auch werden die Kranken aus dem Hospitale vorher aufs Schiff gebracht.
Mittlerweile ·······das Schiff aussegelt, werden die Kanonen gelöst, um die Stadt und die Faktorei, und hernach die beiden Kaiserlichen Wachen zu salutieren.
Unter dem Papenberge liegen auch die Chinesischen Fahrzeuge vor Anker, nachdem sie einen Teil ihrer Ladung eingenommen haben, bis sie mit gutem Winde absegeln können.
Während der Zeit nun, da das Schiff hier liegen blieb, wurde der übrige Teil des Kupfers und des Kampfers, wie auch die den Privat-Personen gehörigen Waren und andere Sachen umgeladen.
Dies geschieht aber nur einen Tag um den anderen.
Alsdann müssen so wohl die Japanischen Beamten als die Dolmerscher diesen, eine ganze Meile langen Weg zu Wasser machen, um auf dem Schiffe zugegen zu sein.
Hier wird auch das, was das Schiff auf der Rückreise gebraucht, besonders Wasser in Menge, eingenommen.
Wachschiffe liegen auch hier, um auf die Holländer ein Auge zu haben; größtenteils aber doch in ziemlicher Entfernung.
Und da in dieser Gegend verschiedene große und kleine Inseln liegen, so dürfen die Holländer, ohne von den Japanern daran gehindert zu werden, mit ihrer Schaluppe, die sie nunmehr auch wieder bekommen haben, sich zu ihrem Vergnügen mit derselben hinrudern lassen.
Verweilen sie aber lange daselbst, besonders auf den großen unter diesen Inseln, die bewohnt sind, so kommen Wachschiffe nach, jedoch ohne daß die darauf befindlichen Beamten, die alsdann den Holländern nur Gesellschaft leisten, sie im geringsten hindern, umher zu gehen.
Kommt man auf solchen Spaziergängen zu einem Dorfe, ( die Dörfer sind zum Teil sehr groß ), so strömt eine unglaubliche Menge Leute und Kinder herbei, die mit großem Geschrei die in ihren Augen gar sonderbaren Europäer beschauen, und sich vorzüglich über ihre großen runden Augen lustig machen, und daher allezeit Hollande O-me rufen.
Papenberg ist eine kleine Insel, die ganz bis an den Strand hin von einem spitzigen Berge bedeckt wird, der auf zwei Seiten so allmählich herab geht, daß man ihn da besteigen kann, welches gemeiniglich in Zeit einer Viertelstunde geschieht.
Auf den beiden anderen Seiten ist er sehr steil.
Die Insel soll ihren Namen davon bekommen haben, daß die Japaner damals, als sie die Christen und Portugiesen verjagten, wie man erzählt, viele von den Portugiesischen Mönchen von diesem Berge ins Meer gestürzt haben.
Zur Seite von Papenberg liegt die Fischer-Insel, welche nur aus einem, wiewohl etwas länglich rundem Berge besteht, womit sie bis an den Strand bedeckt ist; sie ist wie jene ganz unbewohnt.
Ich ermangelte nicht, so lange ich mich auf dem Schiffe aufhalten mu·ßte, alle Gelegenheit zu benutzen, auf diesen Inseln und Bergen zu botanisieren.
Auch sammelte ich wirklich diesen Herbst verschiedene Samen von seltenen Kräutern, Sträuchern und Bäumen, die ich mit dem abgehenden Schiffe nach Batavia schickte, von da sie weiter nach Amsterdam befördert werden sollten.
Unter den Gewächsen, die ich hier antraf, bemerke ich folgende:
Die Chinawurzel ( Smilax China ) wächst hier überall in Menge.
Dessen ungeachtet kaufen die Japaner jährlich für ansehnliche Summen eine große Quantität von den Chinesen.
Die Wurzel wird in Dekokt als ein blutreinigendes Mittel, und in vielen Krankheiten, sehr häufig gebraucht.
Die Japanischen Dolmetscher freuten sich sehr, von mir zu hören, da·ß dieses nützliche Gewächs in ihrem eigenen Lande wächst, welches sie bisher nicht gewu·ßt hatten.
-- An den Steinhaufen und Mauern sah ich häufig so wohl zwerg- als hochstämmige Feigenbäume ( Ficus pumila, erecta ) stehen, die zwischen den Steinen sich hindurch schlängelten.
Die Feigen werden gegessen, sind aber so klein als Pflaumen. --
Die Dreilappige Trichterwinde ( Ipomoea triloba ) wächst so wohl wild als gebau·t.
Die Wurzeln sind entweder weiß oder schwarz, die letzteren werden als ein abführendes Mittel gebraucht.
-- Der Pfefferstrauch ( Fagara piperita ) steht hier allenthalben.
So wohl die Blätter als die Früchte haben einen gewürzartigen Geschmack, Hitzen sehr, und haben zugleich etwas unangenehmes.
Die Hülse der Frucht, oder die Kapsel, treibt die Blähungen und ist bisweilen wirksam gegen die Kolik.
Nicht nur diese, sondern auch die Blätter werden allgemein statt Pfeffers in den Suppen gebraucht.
Die Blätter allein, und mit Reißmehl zu einem Brei gestoßen, werden anstatt Spanischer Fliegen auf Geschwüre und Stellen, wo man rheumatische Gliederschmerzen fühlt, gelegt. --
Die herzblätterige Färberröt·e ( Rubia cordata ), gebraucht der Landmann hier zum Färben, eben wie die gemeine Färberröt·e ( Rubia tinctorum ).
-- Auch wächst hier eine Menge verschiedener Arten Nesseln.
Aus dem Samen der schneeweißen ( Urtica nivea ) preßt man Öl.
Nachdem ich verschiedene Monate unter Papenberg mich am Bord aufhalten müss·en, wurde ich endlich im Anfange des Novembers von dem bisherigen hiesigen Arzte abgelöst, der nunmehr nach Batavia zurück gehen mu·ßte, um mir, der ich die Absicht hatte, wenigstens ein Jahr hier zu bleiben, Platz zu machen.
Gegen Neujahr kamen zu Nagasaki zwei Kauffahrteyschiffe ( Janke ) von China an, welche verschiedene Japaner mitbrachten, die durch Sturm an die Chinesische Küste getrieben waren.
Diese Japaner wurden so gleich nach ihrem Geburtsorte gebracht; denn kein Japaner darf sich von seiner Heimat wegbegeben.
Eben so hatte unser Chef vor einigen Jahren einen Japaner von Batavia hierher gebracht, der beim Fischen auf der See vom Winde verschlagen war, und sich verschiedene Jahre außer seinem Vaterlande aufgehalten hatte.
Endlich war er nach Batavia gekommen, ging wie ein Malaie gekleidet, und redete die Malayische Sprache fertig.
Am ersten Januar 1776 feierten wir unseren Neujahrstag, und viele von den Japanern trugen dazu bei, ihn feierlich zu machen.
( Die Kälte war sehr stark und empfindlich; Schnee lag gar nicht. )
Gegen Mittag kamen nach Gewohnheit die meisten von denjenigen Japanern, welche mit dem Holländischen Handel irgend etwas zu tun haben, als Ober- und Unter-Banjo·sen, Ottonas, Ober- und Unter-Dolmetscher, Aufseher, Vögte und dergleichen, nach der Faktorei, um uns ein glückliches Neujahr zu wünschen.
Sie hatten ihre Feierkleider an, legten bei dem Chef einen feierlichen Besuch ab, und wurden hernach von ihm zum Mittagsessen gebeten.
Das Essen war meistenteils auf Europäische Art zubereitet, daher waren der Gerichte wenige, wovon die Japaner kosteten.
Indessen ging doch alles darauf.
Von der Suppe aßen alle; von den anderen Gerichten aber, als: gebratenen Ferkeln, Schinken, Salat, Kuchen, Torten und anderem Backwerk, nahmen sie wenig oder nichts.
Stadt dessen wurde von jedem Gerichte ein Stück auf einen Teller gelegt, der, wenn er voll gepackt war, mit einem Blatte Papier, worauf der Nahme dessen, dem er gehörte, geschrieben war, zugedeckt, und nach der Stadt geschickt wurde.
Dies geschah mehreremahl nach einander.
Gesalzenes Fleisch und dergleichen, das die Japaner nicht essen, heben sie auf und brauchen es als Medizin.
Eben so machen sie es mit gesalzener Butter, wovon ich ihnen oft auf ihr Bitten etwas mitteilte; sie machen Pillen daraus, und geben davon den Schwinds··üchtigen und anderen Kranken täglich eine gewisse Anzahl.
Nach der Mahlzeit wird mit warmen Sak·e ( dem bekannten von Reiße präparierten Getränke ) traktiert, das aus lackierten hölzernen Tassen getrunken wird.
Bei dieser frohen und festlichen Gelegenheit läßt der Chef auch verschiedene galante Mädchen aus der Stadt nach der Insel bitten, deren Bestimmung ist, t·eils den Sakki-Trank zu servieren, t·eils zu tanzen und den auf der Insel bereits befindlichen Mädchen Gesellschaft zu leisten.
Diese traktierten auch nach Mittage die Japaner mit verschiedenen Gerichten des Landes, die auf kleinen viereckigen Tischen standen, welche sie mit künstlichen Fichtenbäumen geschmückt hatten, deren Blätter von grüner Seide gemacht, und hie und da mit kleinen Zöpfen weißer Baumwolle, die Schnee vorstellen sollten, bestreuet waren.
Das Sak·e bot·en die Mädchen nie stehend, sondern nach Landessitte sitzend, an.
Abends tanzten sie auf Japanische Art.
Um fünf Uhr nahmen die Gäste ihren Abschied.
Dies war jedoch nicht das einzige Ma·l, daß ich von den Töchtern des Landes welche zu sehen bekam.
Denn da das weibliche Geschlecht bei den Japanern nicht eingeschlossen gehalten wird, war es mir sehr leicht, auf den Straßen in der Stadt und selbst in den Häusern sie in Augenschein zu nehmen.
Den 20. Januar wurde Geld für Rechnung der Holländer ausgezahlt, und alle ihre Assignationen liquidiert, welches nur einmal im ganzen Jahre geschieht.
Zu diesem Ende fanden sich auf der Rente-Kammer in der Stadt Dolmetscher, Bediente, Kaufleute, Compradore und alle andere, die etwas zu fordern hatten, ein.
Jeder, der Geld empfangen soll, mu·ß selbst zugegen sein, sonst wird nichts für ihn ausgezahlt.
Den 7. Februar wanderte ich zum ersten Mal in der Gegend der Stadt umher, um zu botanisieren, nachdem ich endlich so glücklich gewesen war, vom Gouverneur dazu die Erlaubnis zu erhalten.
Mich begleiteten verschiedene Ober- und Unter-Dolmetscher, Ober- und Unter-Banjosen, Compradore, und eine große Menge Unterbediente.
Dies zahlreiche Gefolge hinderte mich zwar nicht, auf allen Bergen und Hügeln nach Herzenslust umher zu streifen; machte aber meine Exkursionen sehr kostbar.
Denn meine Schuldigkeit war, ihnen gegen Abend, wenn sie müde waren, in einem Wirtshause etwas vor··setzen zu lassen, wovon die Kosten jedesmal sechzehn bis achtzehn Taler betrugen.
Dessen ungeachtet bediente ich mich wöchentlich ein- oder zweimal der bekommenen Freiheit, bis die Reise nach dem Hofe des Kaisers den Anfang nahm.
Auf den Anhöhen vor der Stadt sah ich bei allen Dörfern ganze Strecken mit Bataten oder Erdäpfeln ( Convolvulus edulis ) bepflanzt, die locker und angenehm von Geschmack waren.
Die Stauden lagen samt den Stängeln und Blättern an der Erde, und hatten keine einzige Blume.
Diese Erdfrucht ist weit wohlschmeckender und leichter zu verdauen, als die Kartoffeln, deren Bau man hier auch versucht hat, die aber nicht gut arten wollen.
-- Hin und wieder fand ich Wach·older ( luniperus communis ), der gewöhnlich im nördlichen Europa zu Hause ist: indes·s·en war er nur selten; meistens traf ich ihn nahe an den Tempeln.
-- Die Kalmuswurzel ( Acorus calamus ) wächst hier auch, und zwar an nassen Stellen, wild.
Wegen ihres starken aromatischen Geschmacks sehen die Japaner sie zwar als ein kräftiges Heilmittel an, kennen aber doch ihren rechten und eigentlichen Nutzen nicht. --
Ferner wächst hier eine Art Ingber ( Amomum Mioga ), wiewohl nur an einigen wenigen Stellen, und sehr sparsam, wild.
Die Wurzel ist ziemlich heiß und scharf, und beinahe so gut, als der gewöhnliche Ingber, statt dessen er auch von den Einwohnern bisweilen gebraucht wird. --
Efeu stand an mehreren Orten im schönsten Grün.
Anfangs schien er mir von dem gewöhnlichen Europäischen unterschieden zu sein, denn er hatte sehr häufig ganze und unget·eilte Blätter.
Hernach aber sah ich, daß er sich in Ansehung der Gestalt und Größe der Blätter sehr veränderte.
-- Buchsbaum ( Buxus virens ) ist nicht selten.
Man trifft ihn so wohl wild als gepflanzt an.
Von seinem feinen und schönen Holze macht man Kämme, die mit rotem Firnis überzogen, und vom Frauenzimmer zum Schmuck in den Haaren getragen werden.
-- Das Bamborohr ( Arundo Bambus ), diese einzige Grasart, die zu der Höhe eines Baums hinan wächst, findet man an vielen Stellen, und von sehr ungleicher Höhe und Dicke.
Die Wurzel davon wird hier, so wie auf anderen Indischen Inseln zu Atjar gebraucht, das heißt mit Essig eingemacht.
Die dicken Stämme gebraucht man Lasten zu tragen, und die einzelnen Zweige zu Pinsels··tielen, und zerschnitten zu Fächerstäben und mancherlei anderem Behufe.
-- In der Nähe einiger Höfe und besonders bei den Tempeln, fand ich einen sonderbaren Busch, drei bis vier Ellen hoch, vom Geschlecht· der Celaster ( Celastrus alatus ), der längs der Zweige hervor stehende, abgebrochene und zusammen geballte Kanten hat, und jetzt voll reifender Früchte stand.
Man erzählte mir, die Freier bedienten sich der Zweige, um sie vor der Tür desjenigen Hauses, wo sie sich eine Braut zu nehmen gedächten, zu befestigen.
-- Den bisamartigen Gänsfuß ( Chonopodium scoparium ) gebrauchen hier zu Lande einige als ein Arzneimittel.
-- Die Rosenpappel ( Alcea rosea ) und die Stockrose ( Malva mauritiana ) hat man hier ihrer großen schönen Blumen wegen sehr häufig in den Gärten.
-- Die Pfeffermünze ( Mentha piperita ) wächst an vielen Stellen wild. --
Die krause Basilie ( Ocymum crispum ), welche noch die Hügel schmückte, gebraucht man zu einem T·ee ( Infusum ) gegen Erkältungen und Flüsse.
Das Kraut gibt gekocht einen roten Dekokt, womit die Japaner die Rettiche und Rüben zu färben pflegen. --
Von süßen Potatos ( Dioscorea ) wachsen mehrere Arten wild.
Ich bemerkte aber nicht, daß sie zur Nahrung gebraucht werden, außer eine Gattung, die im Systeme die Japanische heißt, deren wohl·schmeckende Wurzeln man in Scheiben schneidet und kocht. --
Hanf wächst nicht nur wild, sondern man bauet ihn auch. --
Von Spanischem Pfeffer traf ich zwei Arten, meistens gebaut, an.
Die jährige Beißbeere ( Capsicum annuum ) ist die gewöhnlichste.
Die Japaner selbst machen wenig Gebrauch davon, sondern verkaufen sie gemeiniglich an die Sklaven auf der Faktorei.
Die andere ist das Capsicum grossum.
Diese zieht man in Töpfen, hindert sie mit Gewalt, groß, und zwingt sie, ganz ungestalt zu werden: eine Gewohnheit, welche die Japaner, mehr als irgend ein anderes Volk, bei vielen Gewächsen lieben. --
Tabak sah ich hie· und da, aber nirgend große Pflanzungen davon.
Dies·· Gewächs haben die Portugiesen zuerst hierher gebracht, und es ist fast das einzige, was man von ihnen im Lande noch aufzuweisen hat.
Die Japaner haben keinen eigenen Namen dafür, sondern nennen es auch Tabaco.
Sie rauchen den Tabak aus sehr kleinen metallenen Pfeifen, und schneiden ihn so fein, als Haar.
-- Ein T·alkraut oder Zauken ( Convallaria Iaponica ), sah ich mit Frucht besetzt.
Die Knollen an den Wurzeln macht man mit Zucker ein, und so gebraucht, werden sie so wohl von den Chinesen, als den Japanern als ein herrliches Mittel in Krankheiten gerühmt.
-- Buchweizen, so wohl den gemeinen ( Fagopyrum ), als den vielblumigen ( multiflorum ) trifft man in der Nähe der Höfe und an hohen Stellen nicht selten an; den ersteren bauet man, der letztere wächst wild.
Aus jenem bereitet man Mehl, woraus kleine Kuchen gemacht werden, die man gewöhnlich färbt und an geringe Leute verkauft.
Die Wurzel des letzteren soll herzstärkend sein, und wird zu dem Ende ganz roh genossen; in Asche gebraten schmeckt sie barsch.
-- Große Gartenbohnen ( Vicia faba ), Erbsen ( Pisum fativum ), nebst einigen Arten Türkischer Bohnen, nämlich die gemeine ( Phaseolus vulgaris ) und die gestrahlte ( radiatus ) traf ich bei den Bauern als allgemeine Gartengewächse an, welche sie nicht nur nach der Stadt, sondern auch nach der Holländischen Faktorei zu Kauf brachten.
Das Leben, welches die Holländer auf ihrer Insel führen, ist höchst einsam, langweilig und eingeschränkt; nicht viel besser als bürgerlicher Arrest.
Man denke sich vierzehn Europäer mit einigen Sklaven und Japanern, in den Bezirk der kleinen Insel eingeschlossen und nicht nur von der ganzen Christenheit, sondern vielmehr von der ganzen übrigen Welt abgesondert!
Ist nicht der Europäer, welcher hier zurück bleibt, und ein Jahr aushalten muß, wie in einem Winkel der Erde begraben?
Man erfährt hier weder Neues noch Altes, weder Gutes noch Böses; man bekommt weder Zeitungen noch Briefe.
Die Seele kann nur eine ihrer Hauptkräfte gebrauchen: den Verstand; der Wille ist ganz unt··ätig; denn f·ür den Europäer gi·bt es keinen anderen Willen, als den Willen der Japaner, der in allen St·ücken p·ünktlich befolgt werden mu·ß.
Übrigens ist die Lebensart der Europäer hier meistenteils dieselbe, als an anderen Orten in Ostindien, üppig und unordentlich.
Auch macht man hier, eben so als zu Batavia, jeden Abend Besuche, am öfte·sten beim Chef. Vorher pflegt man ein- oder zweimal, die beiden Straßen auf und nieder, auf der Insel umher zu spazieren.
Die Abendbesuche währen von sechs bis elf oder zwölf Uhr in der Nacht, und geben einen erbärmlichen Zeitvertreib; nur wer in die Tobakspfeife sein größtes Vergnügen setzt, befindet sich wohl dabei.
Zur Bedienung ihrer Person gebrauchen die Holländer ihre mitgebrachten Sklaven.
Zu allen anderen Diensten für sie aber sind Japaner bestellt, als Compradore, oder Schaffer von verschiedener Art, welche die E·ßwaren und was sonst in der Haushaltung gebraucht wird, herbei schaffen; Köche, die das Essen auf Holländische Weise zurichten; und Bediente, die zwar gebo·rene Japaner und dabei keine Dolmerscher sind, aber doch das Holländische sprechen gelernt haben: von diesen letzteren bekommt der Chef vier, der Sekret·är einen und der Doktor einen, welche zusammen die Reise nach Hofe machen.
Hat man Handwerksleute aus der Stadt nöt·ig, so bekommen diese vom Gouverneur Erlaubnis nach der Insel zu kommen.
Die Holländer essen hier, so wie zu Batavia, viel Reiße, es wird aber doch zu ihrem Gebrauche in der Stadt Weizenbrot gebacken, und täglich frisch nach der Insel gebracht.
Fischspeisen essen die Holländer hier häufig.
Einige von den Fischen, die auf unseren Tisch kamen, schienen mir merkwürdig, Unter anderen: ein Fisch aus dem Geschlecht der Umberfische ( Sciaena ), dessen Bauchflossen aus einer dicken, mit vielen Gräten versehenen Zacke bestehen, und dessen Haut sehr hart und knochenartig ist; die Haut wird abgezogen, und der Fisch gekocht:
er hat festes und wohlschmeckendes Fleisch; wie auch hübsch aussehende Barsche mit sieben schmalen Strichen. --
Auch iss·t man hier eine sehr große und dabei sehr längliche Art Austern, die hier zu Lande fallende Austern heißen, weil sie nicht wie andere an den Klippen fest sitzen.
Sie schmecken gut; weil sie aber so groß sind, werden sie meistens gekocht oder gestoppt, und mit etwas Brühe gegessen.
-- Ferner bereitet man hier etwas, das sich mit Kaviar vergleichen lä·ßt, auch, wie dieser, roh gegessen wird.
Es sieht wie ein Stück Käse aus.
Ich hielt es für Fischrogen, den man eingesalzen, etwas gepre·ßt und hernach gedörr·t hatte. --
Vor der Seeflasche ( Tetrodon hispidus ) muß man sich hier in Acht nehmen.
Er ist so giftig, daß er denen, welche davon essen, nicht selten den Tod zuzieht.
Die Japaner haben ihm deswegen auch einen Na·men gegeben, welcher so viel sagt, als dieser Fisch mache Norden dem Menschen zum Kopfkissen, weil unter ihnen der Gebrauch allgemein ist, daß, wenn jemand mit dem Tode ringt, der Kopf allezeit nach Norden gekehrt sein muß.
Die Offiziere, nämlich der Sekretär, der Doktor und die Assistenten bewohnen jeder zwei oder drei schöne Zimmer, und zwar umsonst, außer daß sie Tapeten, Möbeln und Hausgerät selbst anschaffen müssen.
In den Packhäusern haben sie ihre Sachen liegen.
Die Offiziere speisen auch Mittags und Abends unentgeltlich beim Chef am Tische der Compagnie.
Ihre gewöhnlichen Ausgaben betragen daher wenig, wenn sie nicht unter einander oft kostbare Gesellschaften halten und zu Abend traktieren, oder auch Geld an das schöne Geschlecht wenden.
Hierzu hat man hier so viele und bequeme Gelegenheit, als irgendwo in Europa.
In den meisten Japanischen Städten sind in einer gewissen Straße mehrere Weiberhäuser eingerichtet.
Nagasaki ist hiervon nicht ausgenommen.
Selbst die Holländer und Chinese· können Anteil an diesen Anstalten nehmen.
Wünscht man sich in seiner Einsamkeit weibliche Gesellschaft, so gibt man es einem gewissen Manne zu erkennen, der zu diesem Ende alle Tage auf die Insel kommt.
Gegen Abend schafft dieser ein Mädchen her, die eine kleine Aufwärterin bei sich hat, welche Kabro heißt, und täglich aus der Stadt alles holt, was ihre Herrschaft zum Essen und Trinken gebraucht, auch das Essen und das Theewasser für sie kocht, alles rein hält und Gewerbe bestellt.
Eine solche Gesellschaft mu·ß man wenigstens drei Tage behalten; man kann sie aber auch länger behalten, so lange man will, wäre es auch ein oder mehrere Jahre.
Auch hat man Freiheit, über kurz oder lang zu tauschen.
Allein jeden Tag muß das Mädchen, wenn sie länger als drei Tage bleibt, sich am Stadttore zeigen und den Banjosen melden, ob sie länger bleibt, oder nicht. Für jeden Tag werden acht Ma·s an den Herrn des Mädchens bezahlt; sie selbst aber muß nicht nur in allem frei gehalten werden, sondern man muß sie auch bisweilen mit seidenen Kleidern, Gürteln, Kopfputz und dergleichen beschenken.
Merkwürdig ist es, daß selten eins dieser Mädchen von einem Europäer ein Kind bekommt.
Geschieht es, so wird, ( wenn es anders wahr ist, was man hier glaubt ), zuma·l wenn es ein Knabe ist, um···s Leben gebracht.
Andere haben mich dagegen versichern wollen, daß man solche Kinder genau bewache, bis sie fünfzehn Jahr alt sind, und alsdann mit den Holländischen Schiffen nach Batavia schicke.
Ich kann indessen nicht glauben, da·ß zu dem ersteren die Japaner unmenschlich genug sein sollten; und von dem letzteren hat man kein Exemp·el.
In der Mitte des Oktobers wurde es auf unserer Insel schon empfindlich kalt, besonders rührte dies von den starken Ost- und Nord-Winden her, die jetzt wehten.
Wir fingen daher nun auch schon an· einzuheizen.
Dies hilft aber nicht sehr viel, weil weder Türen noch Fenster recht dicht sind.
Das Einhei··ze·n selbst verrichteten wir mit Kohlen, die aus der Stadt geholt, und in einem großen kupfernen Topfe mit breitem Rande mitten ins Zimmer gestellt wurden.
Dies mu·ß aber oft wiederholt werden, weil das Zimmer dadurch jedesmal nur auf einige Stunden warm wird.
Nun ist noch übrig, von dem hiesigen Handel der Holländer und Chinese· einige Nachricht zu geben.
Die Holländer und Chinese· sind bekanntlich die einzigen Völker des Erdbodens, die Erlaubnis haben, mit ihren Schiffen hierher zu kommen, und hier Handlung zu treiben.
Die Portugiesen, welche die ersten Entdeckungen in Ostindien gemacht haben, waren es auch, welche die Japanischen Inseln entdeckten, und zwar durch einen Zufall, als sie ums Jahr 1542 durch Sturm an die Küsten verschlagen waren.
Sie wurden wohl aufgenommen, und trieben hier beinahe hundert Jahr lang den einträglichsten Handel.
Als Portugal und Spanien hernach unter einem Regenten vereinigt waren, nahmen die Spanier Teil daran.
Auch die Engländer handelten einige Zeit hierher.
Endlich wurden die Holländer zufolge eines schriftlichen Traktats mit dem Kaiser im Jahr 1601 ausschließlich die Besitzer des so sehr bereichernden Japanischen Handels, der anfangs noch sehr ergiebig für sie war, hernach aber von Zeit zu Zeit eingeschränkt und wenig einträglich wurde.
In den ersten Zeiten hatten sie ungleich mehr Freiheit als jetzt.
Sie durften mit ihren Schiffen in den Hafen Finandos einlaufen, mehrere Schiffe, oft fünf, bisweilen so gar sieben, hierher schicken, und eine Menge Silber, Gold und andere Waren ausführen, deren Ausfuhr jetzt gänzlich verboten ist.
Auch war keine gewisse Summe fest gesetzt, über die ihr jährlicher Handel nicht hinaus gehen durfte, sondern sie hatten darin unbegrenzte Freiheit.
Endlich wurde ihnen im Jahr 1641 befohlen, ihre Faktorei auf der Insel Dezime, bei der Stadt Nagasaki anzulegen; eine gewisse Summe wurde bestimmt, über welche der Belauf ihres jährlichen Handels nicht steigen sollte; und nur drei Schiffen jedes Jahr sollte verstattet sein, hierher zu kommen.
Im Anfange des jetzigen Jahrhunderts wurde diese Zahl gar auf drei herunter gesetzt.
Überhaupt ist seitdem die Freiheit der Holländer und die Anzahl ihrer Handelswa·ren allmählich mehr und mehr vermindert, so daß man jetzt nicht mehr als ein Paar Millionen Gulden in dem hiesigen Handel anwendet, da vorher gewöhnlich für mehrere Millionen umgesetzt wurde.
Im Jahr 1685 kam, nachdem die Flotte mit einer reichen Ladung im Hafen eingelaufen war, vom Hofe der strengste Kaiserliche Befehl, daß die Holländer zwar, der ihnen gegebenen Erlaubnis zufolge, alle und jede Wa·ren, nach Belieben, und in so großer Menge als sie wollten, nach der Faktorei einbringen dürften, daß aber von nun an jährlich für nicht mehr als drei hundert tausend ·teils oder T·aler verkauft, sondern der ·Überrest bis zum folgenden Jahre aufbewahrt werden sollte.
Dies war ein sehr empfindlicher Stoß für ihren Handel.
Außerdem aber ersann ein den Holländern eben nicht günstiger Gouverneur noch zwei andere Mittel, den Gewinn, welchen sie von ihren Waren haben konnten, noch mehr zu vermindern, einen T·eil davon den Beamten der Stadt zufließen zu lassen, und den Einwohnern selbst auch einen sehr ansehnlichen Vort·eil zuzuwenden.
Der eine Kunstgriff bestand darin, daß die Kaufleute, welche Holländische Wa·ren kauften, davon, ehe sie sie wieder verkauften, gewisse Prozente, fünfzehn und darüber, als eine Abgabe an die Stadt entrichten sollten.
Dies Geld heißt Fannagin ( Blumengeld ) und wird unter die Magistrats-Personen und Bürger verteilt.
Weil nun die····se Abgabe hernach auf die Waren geschlagen werden mu·ßte, so war die natürliche Folge, da·ß die Japanischen Kaufleute nicht mehr so viel als sonst dafür bezahlten, und die Holländer einen beträchtlichen Verlust erlitten.
Der andere war der, daß der Wert des Geldes für die Holländer erhöhet wurde, so daß ein Kobang, der sonst im Lande allgemein 60 Mas gilt, ihnen zu 68 berechnet wurde.
Dadurch verloren sie auf jeden Ko·bang 8 Mas, und dieser Verlust wurde ein bedeutender Gewinn für die Stadt, ihre Einwohner und einige ihrer Beamten.
Wenn also die Compagnie das Recht hatte, für 300000 T·eil von ihren Waren zu verkaufen, so bekam sie in der Tat nicht mehr als den Wert von 260000 T·eil dafür.
Die fehlenden 40000 T·eil wurden daher den Particuliers, welche bisher ebenfalls ihre Wa·ren in beliebiger Quantität und zu dem möglichst hohen Preise hatten verkaufen dürfen, zugelegt; so daß diese Summe unter die Chefs, Kaufleute, Schiffs Capitaine, Assistenten und andere verteilt wurde.
Auch für die Particuliers war der Japanische Handel vor diesem viel einträglicher als nun.
Er brachte ihnen so viel ein, daß man nur vorzügliche Günstlinge als Chefs hierher schickte; und wenn ein Chef zwei Reisen hierher gemacht hatte, hielt man ihn für so reich, daß er von seinen Kapitalien leben könne, und einem anderen Platz machen müsse.
Nunmehr kann ein Chef die Reise verschiedene Ma·l machen; sein Glück ist doch nicht mehr beneidenswert, und seinen Gewinn schätzt man sehr geringe.
Jetzt schicken die Holländer jedes Jahr nicht mehr als zwei Schiffe hierher, die zu Batavia im Junis ausgerüstet werden, und gegen Ende des Jahr·s d··ahin zurück kommen.
Kupfer und roher Kampfer sind die vornehmsten Handelswa·ren, welche die Compagnie hier aufkauft und ausführt.
Das Kupfer beträgt den größten Teil.
Es wird für besser, goldhaltiger und feiner, als alles andere Kupfer gehalten.
Die Holländer verkaufen es meistenteils auf der Küste Koromandel, und zwar mit gutem Vorteile.
Es ist allezeit in Stangen oder Stäben, die einen halben Fuß lang und einen Finger dick, auf der einen Seite flach, auf der anderen rund erhaben sind, und eine schöne glänzende Farbe haben.
Jeder wiegt ungefähr 1/3 Pfund.
Diese Stäbe werden in bretterne Kisten, jede zu einem Pickel oder 125 Pfund, gepackt, und jede Schiffsladung besteht aus 6 bis 7000 solcher Kisten.
Nächst·· Kupfer wird auch roher Kampfer in Menge ausgeführt; man packt ihn in hölzerne Fässer.
Das übrige besteht in großen seidenen Schlafröcken, die mit seidenen Watten unterlegt sind, etwas wenigem Porzellan, Soja, eingemachten Früchten und dergleichen.
Das Kupfer wird aus entlegenen Gegenden des Landes hierher gebracht, und in einem besonderen Packhause verwahrt.
So bald ein Teil der Ladung des Schiffes gelöscht ist, wird mit Einschiffung des Kupfers angefangen.
Es wird alsdann in Gegenwart Japanischer Beamter und Dolmetscher, und Holländischer Superzargeure und Assistenten gewogen, und in den oben beschriebenen Kisten von Japanischen Knechten ( Kuli ) nach der Brücke getragen, von da es weiter an Bord geschafft wird.
Beim Tragen gehen allezeit einige Matrosen mit, die da·nach sehen müssen, daß die Träger unterwegs nichts stehlen; denn das tun sie, wenn sie können, so viel lieber, da sie das gestohlene Kupfer an die Chinese· verkaufen können, welche es besser, als die Holländer bezahlen.
Das Porzellan wird in Stroh gepackt, und zwar so gut und fest, daß auf der Reise selten etwas davon beschädigt wird.
Bekanntlich ist dies Porzellan gar nicht schön, sondern plump und dick, und die Malerei taugt vollends nicht.
In diesen Stücken kommt es also mit dem Chinesischen, das von Kanton gebracht wird, sehr überein, es hat aber doch den Vorzug vor diesem, daß es von der Hitze, so gar von glühenden Kohlen, nicht leicht springt.
-- Folgende Sachen dürfen, einem sehr strengen Verbote gemäß, gar nicht, weder von Privat- Personen, noch von der Compagnie, ausgeführt werden:
Japanisches Geld, Japanische Landkarten und Risse von Städten, und Japanische Bücher, besonders solche, die Nachrichten vom Lande und dessen Regierung enthalten; ferner alle Arten von Waffen und Gewehr, insonderheit aber ihre vortrefflichen Säbel, die an Güte und Stärke, so wie an Wert, alle Säbel, die sonst irgendwo verfertigt werden, übertreffen.
-- Die Waren, welche dies Jahr von Particuliers gekauft und mitgenommen wurden, bestanden meistens in großen braunen irdenen Kruken, worin sich das Wasser gut hält; Soja in irdenen Gefäßen; Sak·e; Fächern; Japanischen seidenen weiten oder Schlafröcken; lackierter Arbeit von verschiedener Art; grobem und feinem gema·lten und weißen Porzellan; schmalen seidenen Zeugen und Sowas-Arbeit; auch feinem, in papiernen Paketen pfundweise eingepacktem, Reiße.
Unter den Wa·ren, welche die Offiziere dies Jahr zum Verkaufe nach Japan brachten, war besonders Kampfer, feines Rohr, Schildkröten-Schalen, Hörner von Einhornfischen ( Monodon monoceros ) oder so genanntes Einhorn ( Unicornu verum ), Glaswerk, große und kleine Taschenuhren, Chitze, Safran, Theriak, Lakritz, Ninsiwurzel, und Nürnberger Arbeit, als Spiegel und dergleichen.
Auch hatten sie Holländische Bücher aus verschiedenen Wissenschaften mitgebracht; diese wurden aber nicht so wohl in der gewöhnlichen Auktion verkauft, als vielmehr mit ansehnlichem Gewinn an die Dolmetscher gegen andere Sachen vertauscht.
Wenn alle von den Holländern mitgebrachte, so wohl der Compagnie, als Privat-Personen gehörige Waren visitiert, und nach den Packhäusern gebracht sind, und den Kaufleuten im Lande Nachricht davon gegeben ist, so wird mit dem Verkaufe der·selben der Anfang gemacht.
Vor diesem wurden die Waren in öffentlicher Auktion verkauft.
Jetzt geschieht es auf folgende Art:
Die Kaufleute besehen im Hause des Gouverneurs zu Na·gasaki Proben von allen Wa·ren, und tun darauf ihr Gebot, so wohl in Ansehung der Quantität, die sie haben wollen, als des Preises.
Hernach kommen sie selbst oder ihre Commissionaire nach der Insel, um sie mehrere Tage hindurch in den Packhäusern noch genauer in Augenschein zu nehmen.
Darauf zeigen gewisse dazu ernannte Kommissarien den Holländern ohne zu fragen, was sie für ihre Waren begehren, an, wie viel sie für jede Sorte geben wollen.
Das erste Gebot pflegt sehr geringe zu sein: kann es nicht angenommen werden, so wird zum zweiten Ma·l etwas mehr geboten.
Wird auch dieses geweigert, so bieten sie zum dritten Mal.
Ist der Verkäufer hiermit noch nicht zufrieden, so wird gefragt, was er für seine Ware verlangt.
Dieser pflegt alsdann vorzuschlagen, damit die Käufer noch etwas abdingen können.
Ist es nun den Japanern darum zu tun, so wird gemeiniglich von ihnen noch etwas zugelegt, und von jenem etwas abgelassen.
Wenn nicht, so wird die Ware entweder bis zum folgenden Jahre aufbewahrt, oder nach Batavia zurück genommen.
Die Japaner bieten allezeit nach Mas und nicht nach Katje, zum Exemp·el für ein Mas Einhorn acht Mas Silber, und dergleichen.
Nach geschlossenem Handel werden die Wa·ren gewogen und nach der Stadt gebracht, wo jene Aufkäufer sie an die Kaufleute im Lande teuer wieder verkaufen.
Dieser öffentliche Verkaufe heißt Kambang, welches ungefähr so viel als bei uns Markt bedeutet. --
Einhorn wurde dies Jahr auf dem Kambang ziemlich teuer verkauft.
Vor diesem wurde es gewöhnlich heimlich herein gebracht, und mit unglaublichem Vorteil abgesetzt.
Die Japaner haben eine übertriebene Meinung von dem medizinischen Nutzen desselben in Verlängerung des Lebens, Stärkung der Lebensgeister und des Gedächtnisses, und Heilung aller Krämpfe.
Dieser Handelszweig ist den Holländern erst vor einiger Zeit, und zwar durch einen Zufall bekannt geworden.
Ein nach Europa zurück gegang·ner Chef des hiesigen Handels schickte einem seiner Freunde unter den Dolmetschern nebst anderen Seltenheiten ein großes und schön gewundenes Grönländisches Einhorn, und dieser Mann wurde durch den Verkaufe desselben ein ungemein reicher Mann.
Seit dieser Zeit haben die Holländer aus Europa alles nur aufzutreibende Einhorn verschrieben, und in Japan sehr viel darauf gewonnen.
Im Anfange wurde jedes Katje oder 5/4 Pfund für 100 Kobang oder 600 T·aler verkauft, hernach ist der Preis allmählich bis 70, 50 und 30 Kobang gefallen.
Da dies Jahr der weite Rock des Kapit·äns abgelegt werden mu·ßte, und nicht heimlich eingebracht werden konnte, sah man sich genöt·igt, alles auf dem Kambang zu verkaufen, da jedes Katje zu 136 T·aler angebracht wurde, 1 Mas Japanisches Silber für 8 Mas und 5 Coederyn Einhorn gerechnet.
Konnte man auf dem Schiffe ein oder anderes Einhorn heimlich verkaufen, so wurde es mit 15 bis 16 Kobana bezahlt.
Die 37 Katje, 4 T·eil und 6 Mas Einhorn, die ich mitgebracht hatte, wurden mir daher mit 5071 T·eil und 1 Mas gut bezahlt, und ich kam dadurch in Stand meine vorher gemachten Schulden zu bezahlen und zugleich auf meine Lieblingswissenschaft hier 1200 T·aler zu verwenden.
Die Ninsiwurzel, welche bei den Japanern Nisii und bei den Chinese·n Som heißt, wird hier nicht weniger teuer bezahlt.
Die Chinese· sind die einzigen, welche die echte und unverfälschte Sorte davon hierher bringen.
Sie wächst im nördlichen Teile von China, hauptsächlich in Corea.
Eine unechte Gattung bringen die Holländer nicht selten her.
Diese wird gebraucht, die echte zu verfälschen und zu durchmengen.
Man sagt, daß die Franzosen sie aus Amerika nach China bringen, und vielleicht ist es die Ginsengwurzel.
Die echte Ninsi wurde dies Jahr das Katje für 100 Kobang verkauft, wenn sie groß und von alten Wurzeln war.
Die unechte, wovon die besten Stücke die zw·iegespaltenen und weißen sind, ist hier als Kont·erbande scharf verboten; sie darf für keinen Preis verkauft, sondern muß, um allem Unterschleife· und Betruge vorzubeugen, ganz und gar verbrannt werden.
Das Kambang-Geld, oder die Summe, welche man für die gleichsam auf dem Markte verkauften Waren zu gut hat, wird nie in ba·rer Münze ausgezahlt, ( denn Geld darf nicht aus dem Lande gebracht werden ), sondern man assigniert nur darauf, und zieht Wechsel auf alles, was man nicht nur das Jahr über, sondern auch hernach, auf dem Markte der Insel kauft.
Dies·· Kambang-Geld ist, wie man es zu nennen pflegt, viel leichter, oder am Wert geringer, als ba·res Geld, so daß man mit diesem Gelde, das man assigniert, alles beinahe doppelt bezahlen muß.
Alle durch solche Assignationen gemachte Kammbang-Rechnungen werden nicht eher, als wenn die Japaner Neujahr haben, bezahlt.
Ehe die Schiffe absegeln, wird jedes Rechnung aufgesetzt, und im Kollegium der Dolmetscher vorgezeigt und akzeptiert, worauf die Bücher abgeschlossen werden.
Alles was man nach Neujahr nötig hat, nimmt man auf Kredit für das ganze folgende Jahr.
Wenn die Holländer hier nicht für bares Geld kaufen oder verkaufen, so ist ihr Handel nicht viel anders als ein Wa·ren-Tausch.
Zu diesem Ende wird vierzehn Tage vor Musterung des Schiffs und seiner Abreise nach Papenberg gleichsam ein Markt gehalten, da gewisse Kaufleute mit Erlaubnis des Gouverneurs und gegen eine gewisse Abgabe ihre Waren dahin bringen und in aufgeschlagenen Buden zu Kauf haben.
Der Chef der Holländischen Handlung wird jährlich abgewechselt, so daß jedes Jahr einer von Batavia ankommt, und einer dahin zurück reiset.
Vor diesem, da die Handlung noch einträglicher war, machte ein Chef die Reise hierher selten mehr als zweimal; jetzt kann er diese gefährliche Fahrt wohl dre··y- und mehrmals machen, ohne dennoch so große Reicht·ümer, als ehemals, sammeln zu können.
Herr Feith, der dies Jahr hierher kam, machte jetzt als Chef seine vierte Reise; diesmal war er Herrn Armenaults Nachfolger.
Außer dem Chef bleiben nach Abgang der Schiffe zwölf bis dreizehn Europäer, die Sklaven nicht gerechnet, hier, und von diesen machen drei die Reise nach dem Hofe des Kaisers zu Jedo.
Die Chinese· haben seit den ältesten Zeiten nach Japan Handel getrieben, und sind vielleicht das einzige Asiatische Volk, das dies je getan hat.
Vor Zeiten liefen sie mit ihren Fahrzeugen im Hafen Osaka ein, so gefährlich er auch seiner Klippen und Sandbänke wegen ist.
Die Portugiesen lehrten sie zuerst den Weg nach Nagasaki, wo sie nunmehr allezeit einlaufen müssen.
Anfangs stieg die Zahl ihrer Kauffahrtey-Schiffe auf hundert bis zwei hundert, davon jedes mit fünfzig Mann und d·rüber bemannt war.
Obgleich die Chinese· die nächsten Nachbaren der Japaner sind, unterscheiden sie sich doch in verschiedenen Stücken von ihnen.
Jene tragen Busaronen, oder ein weites Wams und weite lange Hosen; diese gehen allezeit in weiten Röcken wie unsere Schlafröcke.
Jene brauchen Stiefeln von Leinwand und Schuhe mit Oberleder; diese gehen mit bloßen Beinen, und haben nur Socken und Sohlen an.
Ihrer beider Sprache ist eben so wesentlich verschieden, als ihre Grund-Religion.
Dagegen sind sie einander an Farbe und Bildung gleich; sie schreiben auf Eine Art, und haben mehrere Religions-Sekten und Sitten gemein.
Auch sind von alten Zeiten her Auswanderungen von China nach Japan geschehen, besonders nach den südlichen Inseln, die Liquejo heißen, und unter Japanischer Herrschaft stehen, aber doch dem Kaiser in China jährliche Geschenke geben.
Die Freiheit, deren sie hier ehema·ls im Handel genossen, ist ebenfalls jetzt sehr eingeschränkt, seitdem man sie im Verdacht hat, sie möchten den katholischen Missionairen in China ergeben sein, und seitdem sie die Unvorsichtigkeit begangen haben, in China gedruckte, katholische Bücher nach Japan zu bringen.
Heutiges Tages werden sie eben so argwöhnisch und strenge, und in einigen Rücksichten noch strenger, als die Holländer behandelt.
Man schließt sie auf eine kleine Insel ein, und visitiert sie genau, wenn sie kommen und weggehen.
Indessen haben sie den Vorzug vor den Holländern, daß sie in der Stadt zur Verrichtung ihres Gottesdienstes einen Tempel haben und besuchen dürfen, auch zu täglichen Ausgaben Japanische Münze haben, weswegen sie auch am T·ore das, was sie zu ihrem Unterhalte gebrauchen, selbst kaufen können.
Wenn ein Fahrzeug von China hier angekommen, und im Hafen vor Anker gegangen ist, werden alle Leute, die es an Bord hat, ans Land gebracht, und sie dürfen sich von der Zeit an mit dem Schiffe gar nicht eher wieder befassen, als bis alles zur Abreise fertig ist.
Die Japaner laden selbst alles aus, und bringen hernach das Schiff näher ans Land, wo es während der Ebbe ganz trocken auf dem Grunde liegt.
Im folgenden Jahre laden sie ihnen andere Waren wieder ein.
Den Chinesen wird nicht verstattet, eine Reise an den Kaiserlichen Hof zu machen.
Hierdurch ersparen sie ansehnliche Summen, welche die Holländer teils auf der Reise, teils zu Geschenken an den Hof und die Vornehmeren anwenden müssen.
Japanische Dolmetscher haben sie bei ihrer Handlung eben so nöt·ig, als die Holländer, weil ihre Sprache von der Japanischen so sehr abweicht, daß beide Völker einander nicht verstehen.
Die Chinese· dürfen zwar eine doppelt so große Summe, als die Holländer, hier verhandeln; allein da ihre Reise hierher weder so weit noch so gefährlich ist, so hat man sie auch genöt·igt, zum Vort·eil der Stadt Nagasaki viel mehr beizutragen, als jene.
Sie müssen an 60 Prozent Fannagin oder Blumengeld bezahlen.
Zoll und andere Abgaben fordert man aber auch von ihnen nicht.
Ihre Waren, welche gemeiniglich auf siebzig Schiffen hierher gebracht werden, verkaufen sie jährlich zu drei verschiedenen Malen.
Der erste Markt ist im Frühlinge, da sie die Ladung von zwanzig; der zweite im Sommer, da sie die von dreißig; und der letzte im Herbste, da sie die von den übrigen zwanzig Schiffen verkaufen.
Kommen in einem Jahre mehr, als so viele Schiffe, so müssen die überzähligen zurück segeln, ohne einmal etwas ausladen zu dürfen.
Der größte Handel der Chinese· besteht in roher Seide, und verschiedenen Drog·en, die zu Medikamenten eingebracht werden, als Ninsiwurzel, Terpent·in, Myrrhe, Kalumbakholz; ingleichen Zink nebst einigen gedruckten Büchern, die aber erst die Zensur zweier Gelehrten passieren müssen, ehe sie verkauft werden.
Obgleich ihre Reisen hierher weit weniger kostbar sind, als die der Holländer, und sie auch nicht nötig haben, hier einen Directeur und andere Bedienten zum Behuf der Handlung zu halten, so ist doch ihr Gewinn wegen der mehreren Prozente, die ihnen abgezogen werden, viel geringer, als der Gewinn der Holländer.
Und da sie nunmehr auch kein bares Geld mitnehmen dürfen, müssen sie ebenfalls Japanische Waren aufkaufen, um sich bezahlt zu machen, als: Kupfer, lackierte Arbeit und dergleichen.
Wenn ihre Fahrzeuge die völlige Ladung haben und zur Abreise fertig sind, werden sie von einer Menge Japanischer Wachs·chiffe nicht nur aus dem Hafen, sondern auch eine gute Strecke weit in die offene See begleitet, um zu hindern, daß sie ja nichts von den Wa·ren, die sie unverkauft wieder mitnehmen müssen, an Schleichhändler verkaufen können.
Die Chinesischen Fahrzeuge sind dünn und leicht gebaut, sehr hoch und mit noch höheren Galerien versehen, die an den Enden, besonders am Vordert·eile, sehr in die Höhe ragen.
Nach hinten sind sie sehr offen.
Steuer und Segel sind groß und unbehilflich.
Unter den Drog·en, welche die Chinese· als Arzneimittel hierher bringen, ist auch etwas, wovon die Japaner glauben, es sei des Sommers ein kriechender Wurm, des Winters aber ein Gewächs.
Selbst die Dolmetscher stehen in diesem Wahn.
Zuerst verschaffte ich mir eine Abbildung davon, und hernach die Drogue selbst.
Da sah ich denn deutlich, daß es nichts anders war, als eine Schmetterlings-Larve, die gegen die Zeit ihrer Verwandlung in eine Puppe, in die Erde gekrochen war, und sich da an die Wurzel eines Gewächses fest gesetzt hatte.
Zweite Abteilung.
Reise von Dezime nach der Kaiserlichen Residenz-Stadt Jedo.
Die Gesandtschaft selbst macht die Reise nach Jedo zu Lande.
Ein großer Teil Sachen aber wird zur See nach Simonoseki, Fiogo und anderen Orten geschickt.
Wir luden daher in ein ziemlich großes Fahrzeug verschiedene Kisten mit Wein auf Bouteillen, Liqueuren, Bier auf Bouteillen, allerlei Hausgerät· und einige leere Kisten zum Einpacken der im Lande zu kaufenden Handelswa·ren.
Dies·· Fahrzeug sollte zuerst nach Simonoseki gehen, und nach unserer Ankunft da·selbst, auch unsere Personen nach Fiogo überführen.
Hierauf besorgten wir die mitzunehmenden Geschenke, die in Tuch von verschiedener Farbe und Feinheit, in Chitsen, seidenen Zeugen und dergleichen bestanden.
Diese Geschenke waren für den regierenden weltlichen Kaiser, den Kronprinzen, die Reichsrät·e und andere vornehme Herren am Hofe bestimmt.
Wir packten sie in große Kasten; wagten es aber nicht· sie Wind und Wellen Preis zu geben, sondern sie mu·ßten den ganzen Weg eine Strecke von 320 Meilen getragen werden.
Den 25. Februar ging unser Chef, von einigen Supercargeuren, Assistenten und Dolmetschern begleitet, nach der Stadt, um vom Gouverneur Abschied zu nehmen.
Einige Tage darauf wurden unserer aller, welche die Reise mitmachen sollten, Kasten und Koffer, die Medizin-Kiste nicht ausgenommen, auf der Insel visitiert, und so gleich hernach von unseren Zimmern nach einem Packhause gebracht, wo sie bis zum Tage der Abreise versiegelt stehen blieben.
Den 4. März 1776 begab sich die Ambassade von der Insel Dezime auf den Weg.
Der 15. oder 16. Tag im ersten Monate des Japanischen Jahres, ist zum Antritt dieser Reise ein für allemal fest gesetzt.
Holländer, welche sie machten, waren nur drei: der Ambassadeur als Chef der Handlung, Herr Feith; ich als Doktor oder Legations-Medikus; und ein Sekret·är, Namens Köhler.
Der übrige Teil unserer ansehnlichen beinahe aus zwei hundert Menschen bestehenden Gesellschaft waren alle Japaner: Beamte, Dolmetscher, Bediente, Aufwärter.
Ein Banjos war Abseiten des Gouvernements zu Na·gasaki Anführer der ganzen Reise-Gesellschaft, und hatte den Befehl in allen Stücken.
Er wurde in einem großen Norimon getragen, und vor ihm her trug man eine Pike zum Zeichen seiner Würde und Befehlshaberschaft.
Zur Ausführung seiner Befehle waren verschiedene Unter-Banjosen verordnet.
Der oberste Dolmetscher ( gemeiniglich ist dies ein bejahrter Mann ) wurde in einem Kango getragen.
Dieser ist auf der Reise Verwalter der Kasse, besorgt und veranstaltet alles was zur Reise gehört, bezahlt im Na·men der Holländischen Compagnie alle Kosten, und zwar meistenteils mit so genauer Sparsamkeit und Vorsicht, daß er selbst dabei ansehnlich gewinnt, und eine solche Reise allezeit für sehr einträglich gehalten wird.
Um das Essen für den Ambassadeur und die an seiner Tafel essenden Holländer zuzurichten, gehen zwei Japanische Köche von der Faktorei mit.
Ferner werden sechs Japanische Bediente, die Holländisch sprechen, zur Aufwartung für die Holländer mitgenommen, außer denjenigen, welche der Gouverneur zu ihrer Bedienung mitschickt, die aber die Holländische Sprache nicht verstehen.
Die Köche reisten allezeit eine Meile voraus, um das Essen fertig zu haben, wenn wir in der Herberge ankämen.
Sie nahmen zugleich den nöt·igen Proviant, einen Feldtisch, drei Feldstühle, Tischtuch, Servietten und Tischgerät· mit, welches alles wir in Ordnung fanden, so wohl wenn wir zu Mittage als zu Abend eintrafen.
Mit den Köchen gingen außer den Kerlen, welche diese Sachen trugen, einige Schreiber, um in unserem Logis das Nötige für die ganze Suite zu besorgen, und die Ausgaben anzuschreiben.
Der Ambassadeur, der Arzt und der Sekret·är, reisten sämtlich in großen, schönen, lackierten Norimon.
Zu Kämpfers Zeiten mu·ßten die beiden letzteren reiten, und Kälte, Regen und Wind sich gefallen lassen.
Die Norimon oder Portchaisen sind aus dünnen Brettern und Bamborohr verfertigt, länglich viereckig, und so wohl vorn als zu beiden Seiten mit Fenstern versehen.
Die Seitenfenster sind in der Tür befindlich, deren auf jeder Seite eine ist.
Über die Decke geht eine lange eckige Stange, womit dieser Tragsesse··l von den Trägern auf der Schulter getragen wird.
Er ist so geräumig, daß man mit Bequemlichkeit darin nicht nur sitzen, sondern auch, wiewohl mit etwas zusammen gezogenen Füßen, liegen kann.
Auswendig ist er mit mancherlei Zier·at· geschmückt, und inwendig mit Sam··t und seidenen Stoffen aufs kostbarste überzogen.
Auf dem Boden liegt eine, mit Sam··t überzogene Matratze.
Hinten und auf beiden Seiten hängen längliche ebenfalls mit Sam··t überzogene Kissen.
Auf dem Sitze liegt ein rundes, in der Mitte mit einem Loche versehenes Polster.
Auch findet man eine los liegende dünne Decke, gleichfalls von Sam··t, oder anderem kostbaren Zeuge, zu beliebigem Gebrauch.
Vorn sind ein oder zwei Bretter, um Schreibkasten, einige Bücher und andere Kleinigkeiten hinzusetzen.
Die Seitenfenster kann man niederlassen, wenn man frische Luft schöpfen will; und will man nicht gesehen werden, so kann man sie mit seidenen Gardinen und einem Rouleau von Bamborohr zumachen.
In dieser Sänfte reiset man mit vieler Bequemlichkeit, und das lange Sitzen darin ermüdet selten.
Die Zahl der Träger, welche sie auf ihren Schultern tragen, richtet sich nach Stand und Würde dessen, der darin sitzt: ihrer sind von sechs bis zwölf, und darüber; sind ihrer mehrere, so gehen einige los zu beiden Seiten, um sich von Zeit zu Zeit abzulösen.
Wenn mehrere zugleich tragen, so singen sie oft dazu, um alle gleichen Schritt zu halten.
Diejenigen von unseren Sachen, die nicht zu Schiffe weggeschickt waren, wurden t·eils von Pferden, t·eils von Leuten getragen, nämlich unsere kleinen Kleider- Koffer, Leuchten im Dunk·len zu gebrauchen, ein Vorrat· Wein zum täglichen Gebrauche, Bier und dergleichen, nebst einem Japanischen Gerät·e zu Theewasser, worin man dasselbe so gar während des Marsches kocht, und immer so oft man davon gebrauchen will, zur Hand haben kann.
Wir Europäer bedienten uns indessen selten dieses den Magen erschlaffenden Getränks, und tranken lieber ein Glas roten Wein oder Holländisches Bier, von welchen beiden wir stets eine Bouteille bei uns führten, die wir, nebst einer länglichen lackierten Büchse, worin ein eben so längliches doppeltes Butterbrot steckte, zu den Füßen in unseren Norimon stehen hatten.
Jeder wer hier im Lande reiset, führt allezeit sein Bett mit sich; dies mu·ßten auch wir auf der ganzen Hin- und Herreise tun.
Und da zur Behauptung des Ansehens der Holländischen Compagnie, die Pracht in allem groß sein muß, mußten auch unsere Bettdecken, Kissen und Matratzen mit dem kostbarsten durchbrochenen Sam··t und seidenem Stoffe überzogen sein.
Die Japaner, welche entweder zu Fuß gingen, oder den Weg zu Pferde machten, waren mit einem kegelförmigen, unter dem Kinn fest gebundenen Hute; einem Fächer, der zugleich zum Wegweiser gemacht war; einem Sonnen- oder Regenschirme; und zum T·eil mit einem Regenmantel versehen, der aus in Öl getränktem Papier verfertigt, sehr weit, und wie eine Feder leicht war.
Die, welche zu Fuß wandern mu·ßten, als: Knechte, Aufwärter und dergleichen, hatten sich auch mit dünnen Gamaschen und verschiedenen Paaren stroherner Schuhe versorgt, und ihre weiten, unseren Schlafröcken ähnliche, Röcke aufgeschürzt.
Diese aus so sehr vielen Menschen bestehende, und auf so ungleiche Art ein·her ziehende zahlreiche Karawane, gab in der T·at einen schönen Anblick.
Uns Europäern war die Reise gar angenehm und behaglich.
Allenthalben begegnete man uns mit eben der Achtung und Ehrenbezeigung, wie den Großen des Landes selbst.
Dazu sorgte man so für unsere Sicherheit in jeder Rücksicht, daß uns unmöglich ein Unfall begegnen konnte, und man bediente uns so, daß wir uns um nichts mehr zu bekümmern hatten, als ein Kind, das an der Mutter Brust liegt.
Unsere ganze Beschäftigung bestand darin, zu essen, zu trinken, zu schlafen, uns aus- und anzuziehen, zu unserem Vergnügen zu lesen oder zu schreiben, und uns tragen zu lassen.
Als wir bei der Brücke, welche die Stadt Nagasaki mit der Faktorei verbindet, an die Wache kamen, wurden wir sehr genau visitiert, unsere Koffer und andere Sachen aber, die vorher untersucht und versiegelt waren, gingen jetzt frei durch.
Zugleich wurden wir von den auf der Faktorei befindlichen Holländern, und denjenigen Japanern, welche da·selbst im Dienst standen, oder etwas zu tun hatten, und eine große Anzahl ausmachten, durch die Stadt begleitet.
Die letzteren gaben uns bis zu einem draußen vor der Stadt stehenden Tempel das Geleit, wo wir eine Weile ausruh·ten, und unsere muntere Gesellschaft mit Sak·e traktierten.
Als wir hernach unsere Reise von hier weiter fortsetzten, hatten alle diese Japaner, welche sich nun von uns trennen sollten, sich zu beiden Seiten des Weges, den wir zu nehmen hatten, mehr als eine halbe Meile in die Länge, haufenweise, nach Stand, Rang und Würden, hingestellt, welches nicht nur ungemein schön aussah, sondern von uns auch mit Recht als die größte Ehre angesehen wurde.
Es waren die Ottone der Stadt und der Insel, Ober- und Unter-Dolmetscher, nebst Dolmetscher-Lehrlingen, Ober- und Unter-Compradore, Ober- und Unter-Banjosen, Kuli und viele andere, die mit den Holländern in einiger Verbindung standen.
Am ersten Tage reisten wir über Fimi und Jagami, bis Isafaga, wo wir das erste Nachtlager bekamen.
Dieser Weg betrug sieben Meilen.
Ohne Zweifel sind hier Japanische Meilen gemeint, ob aber größere, deren vierzig; oder kleinere, deren drei und dreißig und ein Drittteil auf einen Grad des ·Äquators gehen, kann ich, in Ermangelung einer Charte von Japan, nicht bestimmen, vermut·lich sind es die kleineren, weil nach diesen gewöhnlich gerechnet wird.
A. d. übers······.
Zu Jagami, wo wir zu Mittag aßen, wurden wir von unserem Wirt·e auf eine so höfliche und dienstfertige Art aufgenommen, als ich es bisher an keinem Orte der Welt erlebt hatte.
Es ist hier zu Lande allgemeine Sitte, daß der Wirt· den Reisenden eine Strecke entgegen kommt, sie mit den tiefsten Ehrenbezeigungen willkommen heißt, und darauf sich geschwind wieder nach Hause begi·bt, um seine ihm nachkommenden Gäste eben so ehrerbietig in Empfang zu nehmen.
Als wir im Hause angekommen waren, brachte man uns auf einem kleinen niedrigen viereckigen Tische ein unbedeutendes Geschenk, darauf T·ee, und Tobak und Pfeifen; die letzteren gebrauchten wir nicht.
Dann führte man uns in die für uns zurecht gemachten Zimmer, wo wir unseren Tisch gedeckt fanden, unser Glas Branntwein nahmen, unser Mittagsessen und unseren Kaffee uns gut schmecken ließen, dann, so viel unserer rauchten, unsere Pfeifen ansteckten, und uns wieder auf den Weg machten.
Hier bekamen wir auch auf Rechnung der Compagnie fünfzig Japanische T·eil, welche ungefähr eben so viel Holländische T·aler betragen, um damit die kleinen Ausgaben zu bestreiten, die einem jeden von uns besonders bei vorkommenden Gelegenheiten unterwegs zustoßen möchten, und so genau berechnet waren, daß davon nichts übrig bleiben konnte.
Dies war die erste Japanische Münze, die in unsere Hände kam.
Die erste Ausgabe bestand in Neujahrsgeschenken an unsere Aufwärter und Knechte auf Dezime, und auch an unsere Norimons-Träger, welche für meinen Teil über zehn Taler betrugen.
Am folgenden Tage gingen wir über Omura nach Sinongi, wo wir übernachteten.
Heute waren wir acht Meilen gereist.
Als Kämpfer im Jahr 1691 diese Reise machte, nahm die Gesandtschaft einen anderen Weg nach Sinongi, nämlich über den Meerbusen bei Omura.
Um diesem auszuweichen, nahmen wir jetzt den Umweg über Isafaja, jedoch ohne von da, wie Kämpfer 1692 bei seiner zweiten Reise, über die große Bucht bei Simabara zu segeln.
Am Tage darauf kamen wir nach einem Wege von zehnthalb Meilen über Orissino, Takkiwo, Swota, Oda, nach dem Orte unseres Nachtlagers Otsinsu.
Zu Orissino ist ein schwefelhaltiges warmes Bad.
Wir besahen es.
Es ist siedend heiß, umher eingeschlossen, und mit einem schönen und bequemen Hause für die Kranken, welche es gebrauchen, versehen.
Das heiße Wasser wird nach verschiedenen Stellen abgeleitet und verteilt, wo die Kranken sitzen, und selbst, so wohl heißes, als kaltes Wasser, welches letztere durch Kunst hierher getrieben wird, für sich abzapfen können.
Außerdem sind verschiedene Einrichtungen vorhanden, nicht nur nach dem Baden sich niederzulegen und auszuruhen, sondern auch spazieren zu gehen.
Alles ist hier sehr nett und reinlich.
S··wota ist der sehr großen Kruken wegen, die da verfertigt werden, ( gewiß die allergrößten in der Welt ), merkwürdig.
Sie sind von braunem Ton, sehr gut gebrannt, und so groß, daß sie mehrere Zuber enthalten.
Die Holländer kaufen jährlich eine Menge davon, und nehmen sie mit nach Batavia, wo sie, so wohl als an anderen Orten in Ostindien, mit Vort·eil verkauft, und, Wasser darin stehen zu haben, gebraucht werden.
Das zum täglichen Getränk bestimmte Wasser hält sich darin kalt, und schlägt alle Unreinigkeit völlig nieder; wird also durch den abge·sonderten Bodensatz auch reiner und gesunder.
Unser bisheriger Weg war sehr gebirgig, steinig· und beschwerlich.
Nun aber kamen wir in die Provinz Fisen, und hier ist das Land viel fruchtbarer, schöner, stärker bewohnt und volkreicher.
Die Dörfer liegen dichter bei einander, sind sehr groß und lang, und nicht selten sind zwei, deren jedes eine Meile lang ist, so nahe bei··sammen, daß nur ein Flu·ß, eine Brücke oder dergleichen sie trennt.
Das Land ist allenthalben vortrefflich angebaut, und man sieht die schönsten Reiß- und andere Felder.
Die Leute, besonders das weibliche Geschlecht, sind in dieser Landschaft kleiner, als in der vorigen.
Die verheirat·eten Frauen entstellen sich, da sie sonst wohlgebildet, und zum T·eil schön sind, hier doch bis zu einem hohen Grade von Hä·ßlichkeit dadurch, daß sie alle Haare aus den Augenbraunen gerissen haben.
Dies soll ein Zeichen des verheirat·eten Standes sein, so wie zu Nagasaki schwarze Zähne es sind.
Übrigens ist diese Provinz ihres schönen und kostbaren Porzellans wegen sehr bekannt.
Verschiedenes davon hatte ich schon in der Marktzeit auf der Holländischen Faktorei gesehen; jetzt hatte ich Gelegenheit, mich näher danach zu erkundigen.
Es wird aus einer ganz weißen T·onerde gemacht, die an sich selbst schon sehr fein ist, aber dennoch mit der größten Mühe unbeschreiblich gut bearbeitet wird, so daß die davon verfertigten Sachen durchsichtig, schneeweiß und über die Maße schön werden.
Am folgenden Tage passierten wir den ziemlich großen Fluß Kassanga, und die Städte: Sanga, die anderthalb Meilen lang ist, Fiosabara, Kansaki, Nakabara und Todoriki, worauf wir nach einer Tagereise von neun Meilen zu Taisero eintrafen, wo wir das Nachtlager nahmen.
Kämpfer erzählt: zu seiner Zeit habe man es für Unglück bringend gehalten, und es sei verboten gewesen, in dieser Stadt zu übernachten, weil einmal auf einer solchen Reise der Banjo·s und der Ober-Dolmetscher hier in Streit gekommen, wobei jener diesen getötet, und dieser hernach sich selbst auch entleibet habe.
Sanga ist die Hauptstadt dieser Landschaft.
Sie hat ein Schlo·ß, wo der Fürst derselben residiert, Wall und Graben, und an den T·oren Wache.
Sie ist, wie die meisten Städte, ordentlich gebaut, und ihre Straßen sind, wie auch fast allenthalben, gerade und breit.
Auch hat sie verschiedene Wasserkanäle, die ganz durch sie hingehen.
Den 8. März reisten wir ungefähr zehn Meilen bis zu der Stadt Itska.
Der Weg ging verschiedene große und kleine Dörfer vorbei, und über sehr hohe Berge.
Zuerst kamen wir nach Varda, von da nach Jamayo, und über einen hohen Berg nach Fiamits.
Wir rasteten hier auch eine Zeit lang, traktierten uns und die Japanischen Beamten mit Sak·e, machten der Wirt·in ein Geschenk an Geld von sieben Mas und fünf Konderyn, welches an diesem Orte so hergebracht ist, und reisten weiter bis Utsini.
Während wir heute unsere Reise in der Landschaft Tsikudsen fortsetzten, wurden wir von einem Beamten begleitet, den der Fürst derselben uns entgegen geschickt hatte, um uns eine glückliche Ankunft zu wünschen, und uns durch sein Land das Geleit zu geben.
So verachtet der Europäer auf ihrer Faktorei, und so schlecht alle Ausländer in den Augen der Japaner sind, mit so vorzüglicher Höflichkeit und Dienstfertigkeit begegnet man auf der Reise nach Hofe und zurück der Holländischen Ambassade.
Man beweiset ihr eben die Achtung und Ehrerbietung, die den eigenen Befehlshabern des Landes erzeiget wird, wenn sie ihre jährliche Reise zum Kaiser, und von da zurück machen.
Wenn wir an der Grenze einer Provinz ankamen, kam uns, wie diesmal, allezeit ein von seinem Herrn abgeschickter Beamte entgegen, der uns nicht nur in dessen Namen allen erforderlichen Beistand an Leuten, Pferden, Fahrzeugen u. dgl. anbot, sondern uns auch bis an die andere Grenze begleitete, wo er von uns Abschied nahm, und von einem anderen abgelöst wurde.
Die geringen Leute erzeigten uns eben die untertänigen Ehrfurchtserweisungen, als dem Fürsten, und bückten sich mit der Stirn bis auf den Erdboden, kehrten uns auch wohl den Rücken zu, um zu erkennen zu geben, ihre Niedrigkeit sei nicht wert·, uns anzusehen.
Von Ut·sini reisten wir über den Flu·ß Nagata, durch die Städte Koijanossa und Kurosakki nach Kokura, wo wir bis folgenden Nachmittag blieben, -- zusammen zehn····thalb Meilen.
Kokura ist eine große und reiche Handelsstadt, wird auch zu den großen Städten des Reichs gerechnet.
Ihr Flor beruhet auf dem sehr ansehnlichen Handel, der hier getrieben wird.
Der Hafen ist indessen jetzt so seicht, daß nur kleine Fahrzeuge und Böte an die Stadt kommen können.
Die Stadt ist eine Japanische Meile lang, macht ein längliches Viereck, und wird von einem durch die Straßen nach der See fließenden Flusse durchschnitten.
Die Tore haben militärische Wachen, die von Offizieren kommandiert werden.
An dem einen Ende der Stadt, und zwar am Flusse, liegt das Schlo·ß des Befehlshabers oder Fürsten der Landschaft Kokura, das sehr schön, und nach Landesart gut befestigt zu sein scheint, mit Gräben und Mauern umgeben ist, und durch einen hohen Turm beschützt wird.
Gern hätten wir die Stadt in näheren Augenschein genommen, allein wir bekamen nicht die Erlaubnis, darin herum zu gehen.
Ehe wir an diesem Orte ankamen, wurden wir im Namen des Fürsten von zwei jungen Edelleuten, die er uns vom Schlosse entgegen schickte, empfangen und nach unserem Quartier begleitet.
Wir logierten hier sehr gut.
So wohl hier als auf der ganzen Reise wurden wir in die hinteren Zimmer des Hauses, welches hier zu Lande den schönsten und vornehmsten Teil desselben ausmacht, quartiert.
Eben so bemerke ich hier ein für allemal, daß, da die Japaner in ihrem ganzen Hause gar keine Möbeln, mithin auch keine Bettstellen haben, unsere Matratzen und Betten auf den Fußboden, der allezeit mit dicken Strohmatten bedeckt ist, gelegt wurden.
Die Japaner von unserem Gefolge lagen des Nachts eben so auf dem Fußboden, hatten aber keine Kopfkissen, sondern statt deren ein längliches Stück lackiertes Holz, das sie unter den Kopf legten.
Einem alten Herkommen gemäß bekam hier der vom Statthalter zu Nagasaki zu unserer Aufwartung mitgegebene· Diener ein Trinkgeld von ein T·eil, fünf Mas, oder ungef·ähr ein und einen halben T·aler.
Unter anderen in diesen Gegenden häufig anzutreffenden Bäumen und Gewächsen, als: der gemeinen Fichte ( Pinus sylvestris ), dem Indianischen Felsenkraute ( Azalea Indica ), der Indianischen Wucherblume ( Chrysanthemum Indicum ), fand ich hier auch einen Baum, der den Na·men Aukuba führt, und einen anderen, den man Nandina nennt, und von welchen beiden man glaubt, daß sie dem Hause Glück bringen.
Gegen Abend fuhren wir mit einer Jacht drei Meilen weit über den Meerbusen nach Simonoseki, wo wir in einem Wirt·shause übernachteten.
Zwischen diesem Orte und Kokura liegt eine niedrige längliche Klippe, die bei flachem Wasser und zur Zeit der Ebbe nur ein wenig über das Wasser hervor steht, von der Flut· aber ganz bedeckt wird.
Man erzählt, an dieser Klippe sei ein Fahrzeug, das den Kaiser Taiko übersetzen sollen, gescheitert und verunglückt; der Kaiser sei zwar gerettet worden, der Schiffer aber habe sich nach Japanischer Sitte den Bauch aufgeschnitten, um sich selbst zu strafen.
Zum Andenken dieses Unglücks habe man nachmals auf der Klippe einen viereckigen gehauenen Stein, ungefähr eine Elle hoch, aufgestellt.
Simonoseki liegt an dem einen Ende von Nippon, der größten von allen Inseln dieses Reichs, auf welcher beide Hauptstädte desselben liegen.
Die Stadt ist zwar keine Fürstliche Residenz, auch keine der größten im Lande, aber doch sehr blühend und ansehnlich.
Dies hat sie ihrer Lage zu danken.
Sie hat einen sehr berühmten Hafen, der ungemein häufig besucht wird:
man sieht oft zwei bis drei hundert Fahrzeuge von verschiedener Größe vor Anker liegen.
Gewöhnlich laufen alle die, welche von den westlichen Küsten des Reichs nach den östlichen, und umgekehrt, segeln, hier ein, entweder um Wa·ren abzuholen, oder bei widrigem Winde und Sturme sicher zu liegen.
Wegen der fast aus allen Orten und Provinzen des ganzen Reichs hierher zusammen strömenden Menge Menschen ist Handel und Verkehr hier sehr groß.
Man findet daher hier auch eine große Menge Waren, die aus anderen Landschaften zum Verkaufe hierher gebracht werden, und welche man in anderen Städten und Häfen nicht immer findet:
denn jeder Handelsort handelt hauptsächlich nur mit den Waren und Produkten, die er selbst, und die Provinz, worin er liegt, hervorbringt und verfertigt.
Wir bestellten jetzt zu unserer Rückkunft, t·eils zu eigenem Gebrauch, t·eils zum Verkaufe, außer anderen Wa·ren, Reiße, der in dieser Gegend ganz vorzüglich gut ist, und Kohlen, die man zur Feuerung im Winter und zum Essenkochen gebraucht.
-- Daß es an einem Orte wie dieser, nicht an öffentlichen Mädchenhäusern fehle, wird man leicht glauben.
Wir Holländer hatten nicht die Erlaubnis sie zu bes·eh···en, sondern wenn wir, nach erhaltener Freiheit, in der Stadt spazieren gingen, wurden die Tore zu den Straßen, wo sie stehen, sorgfältig verschlossen.
Am Strande sammelt man in dieser Gegend eine Art Watt ( Ulva ), die hier Awa Store heißt.
Sie wird getrocknet, über Feuer geröstet, und zu einem sehr feinen Pulver zerrieben, und mit gekochtem Reiße, bisweilen in der Misosuppe gegessen.
Von Simonoseki geht zwar zu Lande ein Weg nach Jedo; wir bedienten uns dessen aber nicht, weil er gebirgig und beschwerlich ist, sondern zogen die Wasserreise vor.
Zu diesem Ende begaben wir uns den 10. März an Bord eines großen, 90 Fuß langen, Japanischen Fahrzeuges.
Dies·· Schiff wird zur Überfahrt der Ambassade nach Fiogo, für Rechnung der Compagnie, jährlich für 480 Taler gemiet·et, und zwar zu einer Reise von etwa 130 kleinen Seemeilen, die bei gutem Winde bisweilen in Zeit von acht Tagen zurück gelegt werden.
Ein ähnliches Fahrzeug führte einen Teil der Bagage und des Gefolges.
Wir logierten uns in die Kajüte.
Unser Banjos bekam sein abgeteiltes Zimmer auf einer, und wir Holländer die andere größere Seite.
Diese war auch in zwei Gemächer vert·eilt: eine ganz kleine Schlafkammer für den Ambassadeur, und ein größeres für mich und den Sekret·är, welches zugleich zum Speisesaale gebraucht wurde.
Die übrigen Gemächer im Schiffe nahmen die Dolmetscher und andere ein.
Wir segelten sechs und dreißig Meilen bis Kamiro, von da wir weiter gingen, aber nach einer Fahrt von sieben Meilen widrigen Wind bekamen, und uns deswegen bei Nakassima vor Anker legen mu·ßten.
Allein da dieser Wind nicht nur anhielt, sondern auch Sturm entstand, sahen wir uns genöt·igt unsere Anker wiederum zu lichten, und ganze vierzehn Meilen bis Kaminoseki zurück zu segeln, um in den dasigen bequemeren und sichereren Hafen einzulaufen.
Hier mu·ßten wir gegen drei Wochen zubringen, ehe wir günstigen Wind bekamen, und die Reise fortsetzen konnten.
Diese ganze Zeit waren wir beständig auf dem Schiffe, hatten aber doch verschiedene Ma·l Gelegenheit, ans Land zu gehen, und uns in den Wirtshäusern und Tempeln umzusehen.
Es war jetzt auf dem Schiffe so kalt, daß wir in den Zimmern einhei··zen mußten, und doch Schnupfen und andere Erkältungen davon trugen.
Die Japaner vertrieben sich die Zeit mit allerhand Spielen.
Meine Freunde unter ihnen beschäftigte ich t·eils mit medizinischen Vorlesungen, t·eils mit Erkundigungen nach dem Lande, der Regierung, der Haushaltung, der Sprache und dergleichen.
Die Sprache studierte ich besonders fleißig, und bereicherte jetzt sehr mein schon angefangenes Wörterbuch.
Die Küsten, welche wir bisher vorbei gefahren waren, sind überall bergig, dennoch aber aufs höchste angebaut.
Die Berge sahen meistens wie schöne Gärten aus.
Zu Kaminoseki und zu Simonoseki bemerkte ich, daß die öffentlichen Beamten zum T·eil zwei Säbel, zum T·eil aber nicht mehr als einen tragen dürfen: jene heißen Samrai, diese Tjonen.
In beiden Städten haben auch junge Leute aus der Bürgerschaft, wirkliche Bürgersöhne, bei dem Bürgermeister auf eine gewisse Zeit die Aufwartung.
Sie werden Kodom genannt, sind wohlgekleidet, und tragen, wie Personen in öffentlichen Ämtern, lange Beinkleider.
Nach Verlauf einer gewissen Zeit werden sie von anderen abgelöst.
Endlich nach langem Harren machte sich ein günstiger Wind auf, und wir konnten weiter unter Segel gehen.
Wir fuhren bis Dsino Kameru, wo wir wieder still lagen.
Allenthalben sahen wir, so wie auf der bisherigen Reise, uns von großen und kleinen Inseln umgeben, zwischen denen wir hinschifften, und womit diese ganze Gegend besäet ist.
In allen diesen Fahrwassern trafen wir auch mehrere Arten wilde Enten, besonders die Federkappe ( Anas galericulata ) an.
Sie versammeln sich bei schönem Wetter in solcher Menge, daß man sie in der Ferne für große Inseln ansehen sollte, und scheuen sich weder vor Schiff noch vor Menschen, so gar nicht einmal, wenn man unter sie schießt.
Hier, und wo wir uns sonst vor Anker legten, unterließen unsere Japaner nicht, sich ans Land setzen zu lassen, und zu baden.
Unsere Fahrt ging zwischen unzähligen Inseln, und durch einen engen Kanal zwischen zwei großen Landschaften, weiter bis Materei.
Der Hafen daselbst ist geräumig und sicher, und liegt daher immer voll Schiffe in großer Menge.
Man fischet hier eine Art Austern, Sigaki genannt, die sehr gut schmecken.
Nach einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise von sechs und zwanzig Tagen langten wir endlich, da wir die letzte Zeit sehr guten Wind hatten, zu Fiogo an.
Dieser Ort liegt ungefähr zehn Meilen, oder dreizehn Seemeilen von Osaka, an demselben Meerbusen, und zwar schräge gegen über.
Er hat einen großen ins Land hinein gehenden Hafen, der gleichwohl auf der Süd-Seite offen und daher von Natur unsicher und gefährlich ist.
Er ist dies aber nicht mehr, sondern vielmehr sehr sicher und brauchbar, seitdem der Kaiser Feki mit unglaublicher Mühe, Arbeit und Kosten, selbst mit Verlust einer Menge Leute, die dabei ums Leben gekommen sind, dem Übel abgeholfen hat.
Dieser Kaiser ließ auf der Süd- Seite des Hafens einen hohen Damm anlegen, um den Anlauf der Wellen abzuhalten, der wie eine lange schmale Sandbank aussieht, und eben nicht tief unter dem Wasser liegt.
Mehrere hundert Schiffe hatten jetzt mit uns ihre Zuflucht hierher genommen.
Dieser Hafen ist auch desto wichtiger, da das Fahrwasser nach Osaka seicht ist und von großen Fahrzeugen nicht befahren werden kann.
Die Stadt liegt eben so als Nagasaki, längs am Strande des Hafens, und am Fuße der hinterwärts empor steigenden Berge, und ist ziemlich groß und schön.
Der Zusammen··flu·ß von Menschen ist ansehnlich.
Kämpfer reiste mit seiner Karawane in kleinen B·öten von Fiogo nach Osaka.
Wir aber wählten den Landweg über Fiogo nach Isinomia und Amagasaki, eine befestigte Stadt an der Seeküste, nach Kansaki, einem Dorfe, das an der Mündung eines großen Flusses liegt.
Dieser Weg betrug drei Meilen.
Von Kansaki ließen wir uns nach dem Ausflusse des großen Flusses, welcher durch die Stadt Osaka ins Meer läuft, drei Meilen weit in B·öten übersetzen.
Unser zukünftiger Wirt· kam uns in einem Boote entgegen, und begleitete uns den Strom hinauf durch die Vorstädte, die am Strande liegen, und die man vor den vielen hundert hier sich aufhaltenden Fahrzeugen kaum sehen kann.
Wir passierten verschiedene Brücken, T·ore und auf beiden Seiten liegende Wachhäuser, und merkten nunmehr, daß wir in der Stadt selbst waren.
Hier fanden wir vortreffliches Logis und eben so erwünschte Aufnahme.
Unser Wirt· kam, in seinem festlichsten Anzuge, mit dem heitersten Blicke und den ehrerbietigsten Gebärden, so gleich herein, um uns durch den Dolmetscher zur Beendigung der langweiligen und lästigen Seereise Glück zu wünschen.
Er hatte einen Bedienten bei sich, der einen gewöhnlichen kleinen viereckigen Tisch hinsetzte, worauf ein, ebenfalls aufs schönste geschmücktes, Geschenk lag.
Dies bestand in einigen Apfelsinen, von gewöhnlicher Größe, aber sehr dicker Schale, einigen Mikan oder kleinen Apfelsinen mit dünner Schale, und einigen gedörrten Feigen oder Kaki.
Oben auf lag ein zusammen gelegtes, mit roten, vergoldeten papiernen Fäden umwundenes Papier, an dessen Enden ein Streife von Tank ( Fucus ) fest geklebt war.
Umher lagen einige, auch aus Tank geschnittene kleine Würfel.
Dies alles gehört zum Zeremoniell, und bezeichnet die größte Achtung gegen die ankommenden Fremden.
Zu Abend bekamen wir unter anderen Gerichten eine Art Fisch, die man hier Abrahme nenn·t, und von sehr gutem Geschmacke ist.
Das erste, was wir zu tun hatten, war: dem Schiffs-Capitain, welcher uns mit dem großen Fahrzeuge glücklich bis Fiogo gebracht, und nebst einigen von der Besatzung hierher begleitet hatte, unsere Dankbarkeit zu beweisen.
Für mich mu·ßte ich ihm sechs T·eil, und den Matrosen sieben Mas, fünf Konderyn bezahlen.
Auch mußte, dem Gebrauche gemäß, hier jeder von uns den Leuten, welche unsere Norimon in Verwahrung gehabt hatten, sechs T·eil, und den vom Gouverneur uns mitgegebenen Bedienten gleichfalls sechs T·eil bezahlen.
Zusammen belief sich dies auf sechzehn Taler.
Zu Osaka hielten wir uns nur einen Tag und Nacht auf.
In dieser Zeit besuchten uns verschiedene Kaufleute, bei denen wir, nach Mustern, die sie bei sich hatten, allerlei Sachen bestellten, die zu unserer Wiederkunft fertig sein sollten, namentlich nachgemachte und überfirni·ßte Insekten von Kupfer und Holz, verschiedene Arten Fächer, Papier zum Schreiben und zu Tapeten, und dergleichen mehr.
Osaka ist eine von den so genannten fünf Reichsstädten, die dem weltlichen Kaiser gehören, im Na·men desselben von zwei Statthaltern regiert werden, welche ein Jahr ums andere nach Hofe reisen, und die dann wieder ein Jahr ums andere die Regierung verwalten.
Zugleich ist sie eine von den größten Handelsstädten des Reichs, wozu ihre bequeme Lage an der Seeküste und beinahe mitten im Lande viel beiträgt.
Wegen der unglaublich großen Zufuhr aller Sachen aus allen Gegenden des Reichs sind hier die E·ßwaren wohlfeil.
Die reichsten Kaufleute und Künstler haben sich hier niedergelassen.
Der Flu·ß Jedogawa, auf dem wir die Stadt hinein segelten, fließt durch die Straßen, und wird durch Gräben in verschiedene Arme vert·eilt.
Sie hat beinahe eine Meile im Umfange ins Gevierte, ist nach hiesiger Art wohl befestigt, und hat eine starke Zitadelle, die seitwärts neben der Stadt liegt.
Über den Flu·ß gehen nicht nur kostbare Brücken von Japanischem Zedernholz, sondern ihrer sind auch sehr viele, und einige von ungemeiner Länge, fünfzig bis sechzig Faden lang.
Fast in allen Häusern besteht die Vorderseite des untersten Stockwerks entweder aus Werkstätten, die nach der Straße offen sind, oder aus großen Kaufmannsbuden, wo allerlei Waren ausgehängt sind, und Käufer anlocken.
Viele Reiche lassen sich hier nieder, um hier ihr Geld zu verzehren, weil diese Stadt der angenehmste Aufenthaltsort im ganzen Lande ist.
Sie ist in Japan, was Paris in Europa ist.
Man kann hier alles mögliche Vergnügen haben.
In der Festung haben die Stadt-Gouverneure nichts zu befehlen.
Sie hat zwei besondere Gouverneure oder Kommandanten, die sich auch ablösen, und zwar alle drei Jahr, in der Stadt aber auch nichts zu sagen haben.
Einer von ihnen hält sich allezeit bei Hofe auf, und, wenn er herunter reiset, um seinen Vorgänger abzulösen, wird dabei der Umstand gar sorgfältig beobachtet, daß sie mit einander nicht sprechen dürfen; sondern wenn der eine einzieht, muß der andere ausziehen, und sich unverzüglich zum Kaiser verfügen, um von seiner Verwaltung Rede und Antwort zu geben.
Weil wir von Osaka nach Miako dreizehn Meilen hatten, mu·ßten wir uns den 9. April des Morgens sehr früh auf den Weg begeben.
Wir wurden deswegen noch vor Tage in aller Eile geweckt, tranken eine Tasse Kaffee, machten unser Frühstück-Butterbrot zurecht und setzten uns in unsere Sänften.
Die Japaner gingen mit einer Menge brennender Fackeln und unter beständigem Singen voran.
Unterweg··s hielten wir verschiedene Ma·l still, um auszuruhen, und Erfrischungen oder das Mittagsessen zu uns zu nehmen; in den Dörfern Morikuts, Firakatta und Fusimi, und in der Stadt Judo.
Diese Dörfer sind von ungeheurer Größe; Fisimi ist drei Meilen lang, und erstreckt sich ganz bis an die Kaiserliche Hauptstadt Miako, wovon sie wie eine Vorstadt angesehen werden konnte.
Judo ist eine kleine, aber nette und an Wasser sehr reiche Stadt.
Ihre Brücke ist eine der größten im Reiche: ihre Länge beträgt vier hundert Schritt.
Sie wird durch ein an der Seite liegendes festes Schlo·ß, wo zugleich ein Fürst residiert, beschützt.
Außer in Holland habe ich keine so angenehme Reise als diese gemacht, so schön, reizend und bezaubernd ist das Land.
Die Menge seiner Einwohner und seine Kultur übertrifft alle Beschreibung.
Das ganze Land ist zu beiden Seiten, so weit das Auge reicht, nichts anders als ein einziges fortgehendes fruchtreiches Feld, und unsere ganze heutige Reise ging durch Dörfer, wovon das eine aufhört, wo das andere anfängt, und die an der ganzen Landstraße hin liegen.
Auf dem Flusse Miaco halten sich Pelikane, die in den Fichten am Wege ihre Nester haben, wie auch wilde Enten und andere Vögel in Menge auf, obgleich das Ufer ihnen keinen ruhigen Wohnplatz gewähret, sondern allenthalben bewohnt und angebaut ist.
In meiner Hoffnung aber, auf einer so weiten Reise, in einem Lande, wohin so selten Europäer kommen, eine Menge seltener und unbekannter Gewächse zu sammeln, fand ich mich gar sehr betrogen.
Auf den meisten Äckern, die gegenwärtig besäet standen, konnte ich nicht den kleinsten Halm Unkraut entdecken, fast auf keinem einzigen in der ganzen Provinz.
So genau jätet man alles Unkraut aus.
Zu Miaco wurden wir im oberen Stockwerke des für uns bestimmten Hauses einquartiert, welches sonst in Japan nicht zu geschehen pflegt.
Jetzt öffneten wir auch unsere großen Koffer, um weiße Wäsche und andere Kleidungsstücke, nebst nöt·igem Proviant zu dem noch rückständigen Teile der Reise heraus zu nehmen.
Der oberste Dolmetscher händigte uns hier eine Summe Geldes in neuen Kobang ein, um davon auf der Reise nach Belieben Gebrauch machen zu können.
Ich und der Setretair bekamen jeder drei hundert Taler, die wir aber hernach zu Nagasaki von unserem Kambangs-Capitale ersetzen mu·ßten.
Bei den Kaufleuten, welche Erlaubnis hatten, uns zu besuchen, bestellten wir zu unserer Zurückkunft allerlei Handelswa·ren, als Sowa-Arbeit, Fächer, lackierte Sachen und dergleichen.
Während unseres hiesigen Aufenthalts hatten wir Audienz bei dem Oberrichter und den beiden Gouverneuren der Stadt, welche alle von der Holländischen Compagnie mit Geschenken bedacht wurden.
Wir wurden in unseren Norimon nach ihren Pal·ästen getragen, und daselbst mit grünem T·ee, Tobak und Zucker-Backwerk regaliert.
Miaco ist nicht allein die älteste Hauptstadt des Reichs, und der Wohnsitz des Dairi, oder des geistlichen Kaisers, sondern auch die größte Handelsstadt im ganzen Lande.
Der Dairi hat sein Residenz-Schloß und seinen Hof gleichsam in einem besonderen Quartier der Stadt, das an sich selbst schon eine ansehnliche Stadt ausmacht, und mit Wassergräben und steinernen Mauern umgeben ist.
Wir hatten nicht das Glück, sie anders als von weitem zu bese·hen.
Die Lage der Stadt ungefähr mitten im Lande verschafft ihr den ungemein großen Vort·eil der vorzüglichen Handlung.
Sie erstreckt sich auf einer großen Ebene ungefähr eine Deutsche Meile in der Länge und eine halbe Meile in der Breite.
Die meisten und geschicktesten Handwerker, Fabrikanten und Künstler und die angesehensten Kaufleute haben sich hier se·ßhaft niedergelassen.
Alles was man will, kann man hier zu Kauf haben, besonders lackierte Sachen, Sam··te, seidene Zeuge, Gold- und Silberstoffe, Arbeit von Gold, Silber und Kupfer; Sowa; Kleider und die vortrefflichsten Waffen.
Das an sich schon vortreffliche Japanische Kupfer wird hier geläutert und veredelt, nachdem es bei den Gruben nur geröstet und geschmolzen worden ist.
Alles Geld wird hier geprägt.
Und da nur am Hofe des Dairi, gleichsam als auf einer Reichs-Akademie, Literatur und Gelehrsamkeit kultiviert werden, so werden hier auch alle Bücher gedruckt.
Den 14. April verließen wir Miaco und kamen über Keagi, Jako Tjaja, Fasiri, Isiba oder Oits, ·Zet·a und Skinowa nach Kusats, wo wir das Nacht- Logis nahmen: eine Tage·reise von etwas mehr als sieben Meilen.
Oits liegt an einem Lands·ee gleiches Namens, der gegen seine Länge von vierzig Japanischen Meilen sehr schmal ist.
Wenn man alten Erzählungen glauben kann, so ist derselbe in Einer Nacht durch ein Erdbeben, das diese ganze Strecke Landes einstürzen gemacht·, entstanden.
Er befördert gar sehr den Transport der Waren aus den umliegenden Gegenden nach Miaco.
Auch ist er deswegen merkwürdig, daß Lachse sich darin aufhalten, welche Art Fische sonst in ganz Ostindien so außerordentlich selten ist.
Die größten wogen ungefähr ein halbes Ließpfund.
Auf unserer ferneren Reise trafen wir noch an mehr Orten Lachs; wir ließen daher verschiedene räuchern, um sie bei unserer Zurückkunft mitzunehmen; diese kamen aber weder an Größe und Fett, noch in Ansehung der Art, wie sie geräuchert waren, den Europäischen gleich.
Kusats ist nur ein Dorf, aber von fünf hundert Feuerstellen.
Bei ·Zet·a kamen wir über eine sehr lange Brücke, die auf einer kleinen, nahe nach der einen Seite liegenden Insel ruhet, etwa 350 Schritte lang, nach Japanischer Art schön gebaut, und mit Geländer versehen ist.
Am folgenden Tage hatten wir elf Meilen zu machen, und zwar durch die große reiche und fruchtbare Provinz Omi.
Hier liegen die Städte und Dörfer ganz dicht an einander.
Die merkwürdigsten, welche wir passierten, waren Menoki, Issibe, Nasumi, Isami, Minakuts, Ono, Matsu, Fitsjoma, Inofana Sawa und Sakanosta.
Minakuts ist eine ansehnliche Stadt.
So wohl hier als vorher an verschiedenen Orten, waren Kranke aus den umliegenden Gegenden angekommen, um sich gegen ihre chronischen Krankheiten von dem Holländischen Arzte Rat· und Medizin geben zu lassen.
Bei vielen bestand das Übel entweder in Verhärtung der Drüsen und offenen Krebsschäden, oder in venerischen Symptomen, die zu sehr überhand genommen hatten.
Gegen Abend kamen wir in die Landschaft Isi, und zwar durch verschiedene am Wege liegende, sehr lange und fast an einander stoßende Dörfer nach der zu unserer Nacht-Herberge bestimmten Stadt Seki.
Die heutige Reise war nicht weniger angenehm, als die gestrige.
Denn auch diese Provinz ist dicht bewohnt, fruchtbar und volkreich.
Nur schlimm, daß wir hier, so wie überall in den Dörfern, den Geruch des gesammelten Urins und Unrats auszustehen hatten, der alles Vergnügen verbitterte, und uns zwang, die Fenster in unserem Norimon fast immer zuzuhalten.
Den Tag darauf legten wir zehn Meilen zurück.
Nachdem wir durch Nosin, Kamirujammi, Moirinosta, Sono, Tjakusi, Sutski, Ojiwaki, die ansehnliche Stadt Jokaits, Tomida und Matsdera gekommen waren, trafen wir gegen Abend zu Kwana ein, wo wir in einem schönen und bequemen Logis die Nacht zubrachten.
Bei Jokaits waren wir wieder an der Küste, in deren Nähe wir hernach fast ganz hin bis Jedo blieben.
Auf diesem Wege aber hatten wir viele große und gefährliche Flüsse zu passieren, über welche man wegen ihres starken Anschwellens in den Regenzeiten keine Brücken hat anlegen können, durch welche daher Reiter, Lastt·iere, Träger und Fußgänger hindurch müssen.
Nicht weit von Jokaits bekamen wir unterwegs drei Bettelnonnen zu Gesellschafterinnen.
Bei jedem unserer Norimon ging eine her, um von uns Holländern Geld zu bekommen.
Sie begleiteten uns mehrere Stunden lang, und bettelten unaufhörlich, obschon sie so gleich zu Anfange eine artige Gabe in Silbermünze empfangen hatten.
Sie waren nett und reinlich gekleidet; aber mit ihrem ungestümen und hartnäckigen Betteln fielen sie uns sehr zur Last.
Wir wechselten daher ein Goldstück, um von der kleinen Kupfermünze eine Partei zu bekommen, die durch ein in der Mitte befindliches viereckiges Loch auf eine Schnur gereiht wird, und Seni heißt.
Hiervon teilten wir von Zeit zu Zeit ein Paar Stücke aus, und nun konnten wir_es aushalten.
Die Mädchen waren von sechzehn bis achtzehn Jahr alt, und ihr Betragen, das eigensinnige Betteln ausgenommen, anständig.
Unsere Dolmetscher beschrieben sie uns als Töchter von Bergpriestern, einer Art Mönche, die den Namen Jammabo haben, und sagten uns, ihr vornehmster Erwerbe sei das Betteln, sie seien verbunden, von ihren Almosen eine jährliche gewisse Abgabe an den Tempel zu Isi zu erlegen, ihre Sittsamkeit und Keuschheit sei aber nicht so groß, als sie uns vorkomme.
Kwana ist eine ansehnliche, große und stark befestigte Stadt in der Landschaft Owari, einer der reichsten und bedeutendsten unter den Fürstlichen Provinzen des Reichs.
Sie hat zwei Zitadellen, und ist mit Mauern und Gräben eingeschlossen.
Die Zitadellen haben hohe Türme, die einen schönen Anblick geben.
So wohl in diesen als in den Stadtmauern sieht man allenthalben kleine längliche Öffnungen, die zu Schießscharten dienen, um mit ihren Pfeilen, vor den feindlichen Schüssen sicher, hindurch zu schießen.
Am folgenden Morgen fuhren wir über den Meerbusen, sieben Seemeilen weit, nach Mia.
Diese Seereise war eine der sonderbarsten.
Zu Kwana hatten wir uns mit unserem Gefolge und Gepäcke· in große Fahrzeuge eingeschifft.
Als wir aber dem Hafen bei Mia nahe kamen, fanden wir ihn so untief, daß wir uns in kleine B·öte begeben mußten, um weiter zu kommen.
So klein diese auch waren, konnten wir damit doch auf keine andere Art zur Stadt gelangen, als da·ß jedes Boot von zwei Kerlen auf dem wenigen Wasser, das über dem Moder stand, mit den Händen fortgezogen werden mu·ßte.
Mia hat daher, ob es gleich an einer bu·kt der See liegt, einen elenden, so wohl für kleine als große Fahrzeuge wenig brauchbaren Hafen, wiewohl deren dessen ungeachtet eine ziemliche Menge vor Anker lag.
Wälle oder andere Befestigungswerke hat die Stadt nicht.
Sie ist aber sehr volkreich und hat großes Verkehr.
Auch hat sie das Besondere, daß die mittelste Straße außerhalb der Stadt selbst, noch zwei Meilen weit an einem großen Flusse bis nach der Stadt Nangaja hinläuft.
Diese letztere ist befestigt und die Hauptstadt in der Provinz Owari.
Von Mia ging unsere Reise durch Kassadera, Marumi, Singo und Imo Kawa, nach Tjiriu, und von da am folgenden Tage unter Usida, Ofama, Jafagi, Okasaki, Kaginoies, Fusikowa, Motosiku, Akasaki, Goju, Djokasen und Jootsia nach Josida: welches ungefähr e·lf Meilen ausmacht.
Okasaki liegt schon in der Provinz Mikawa, und ist eine Festung.
Über den bei der Stadt vorbei fließenden Flu·ß geht eine sehr merkwürdige Brücke, die für die längste im ganzen Reiche gehalten wird.
Sie ist 158 Klaf·ter lang, von Holz gebaut, und soll 30000 Kobang oder 300000 Taler gekostet haben.
In der sehr starken, und mit hohen Türmen und Mauern prangenden Zitadelle residiert der Fürst dieser Landschaft.
In dieser Gegend ist das Land gebirgig.
Die Ebenen und Täler zwischen den Bergen sind gleichwohl vortrefflich angebaut.
Jetzt pflanzte man den Reiße um.
Die See wirft an diesen Küsten Zuckertang ( Fucus saccharinus; Japanisch komm oder Kobu ) aus, der sehr breit und lang ist.
Den 19. April reisten wir, fünf Meilen weit, durch Imuri, Ftagawa, Jetsuri jama mure, Siraska und Moto Siraska und Array.
Array ist eine kleine offene Stadt, dicht an einem Bus·en des Meers.
Wenn der Grund desselben so gut als seine Gestalt und Lage ist, so muß er den besten und sichersten Hafen abgeben, der sich gedenken l·äßt; und wenn dieser zugleich auf Europäische Art befestiget würde, müßte er ganz unüberwindlich werden.
Übrigens ist dieser Ort deswegen merkwürdig, weil hier die Waren und andere Sachen aller Reisenden, besonders der Fürsten der Provinzen, wenn sie zum Kaiser reisen, visitiert werden.
Dies geschieht von dazu bestellten Kaiserlichen Beamten, die besonders genau dahin sehen müssen, daß keine Frauenspersonen, und keine Waffen durchpassieren, wodurch Unruhe im Lande entstehen könnte.
Unser Gepäcke wurde jedoch nur ganz gelinde untersucht, worauf wir jenen Beamten unseren Besuch machten.
Von hier nahmen wir unseren Weg, ungefähr eine Meile weit, in flachen B·öten, über die bu·kt, zu der gegen über liegenden Stadt Maisaki, darauf durch Sinowara, Nimbutsdo, Tammamats, eine große und ansehnliche Stadt, Tinsjemmats, in B·öten über den Flu·ß Tindingawa, durch Ikeda, Daisoin nach Mitske, wo wir zu Nacht blieben; ferner über Mikano, Fukuroi, Nakuri, Firagowa, Kakegawa, eine große und befestigte Stadt, Jamma Fano, Nissaka, Kikugawa, Komaja, und den Flu·ß Ojingawa nach Simada, einem ungefähr eine Viertelmeile langen Dorfe, welches zusammen gegen sechzehn Meilen ausmachte.
Der Flu·ß Ojingawa ist für Reisende einer der gefährlichsten.
Er schwillt nicht nur während der Regenzeit, wie andere, sehr hoch an, sondern sein Lauf nach der See hinab ist auch unglaublich schnell, und der Boden alsdann oft mit großen Steinen bedeckt, die der reißende Strom von den Bergen herunter gewälzt hat.
Bei allen denjenigen großen Flüssen, über die man keine Brücken hat anlegen können, hat die Regierung Anstalt getroffen, daß Reisende entweder in B·öten übergesetzt, oder von dazu bestellten Leuten hindurch getragen werden.
Bei der gefährlichen Stelle, die wir jetzt zu passieren hatten, und wo weder Brücke noch Boot gebraucht werden kann, ist diese Vorsorge verdoppelt.
Hier sind Leute in Menge bestellt, die nicht nur den Grund genau kennen, sondern auch durch Übung gelernt haben, die Reisenden sicher durchzutragen.
Ihre Bezahlung steht mit der verschiedenen Höhe des Wassers, mithin auch der jedesmaligen Gefahr, im Verhältnisse.
Sie müssen aber auch mit ihrem Leben vor alles Unglück stehen.
Man bleibt in den Norimon sitzen, und wird so durchgetragen.
Für uns hatte dies etwas ganz schreckliches, obwohl das Wasser jetzt eben nicht hoch war, sondern den Trägern nur etwas über die Knie ging.
Mehrere Kerl trugen den Norimon auf beiden Seiten, und neben diesen gingen andere, um sie zu unterstützen, damit sie von der Gewalt und dem reißenden Laufe des Stroms nicht fortgetrieben würden.
Als wir glücklich hindurch waren, teilte jeder von uns zwei Schnüre mit aufgereih·ter Kupfermünze unter unsere Träger aus.
Zu Simada verweilten wir zwei Tage und Nächte.
Darauf kamen wir durch verschiedene Dörfer, als: Getto, Fusida, Awuni, Okabe, Utsnoja und Mariko, dann über den Flu·ß Abikawa durch Futsjo und Guridama, nachdem wir an diesen Tagen über zehn Meilen gereist waren.
Am folgenden Tage mu·ßten wir uns sehr früh auf den Weg begeben, weil wir dreizehn Meilen zurück zu legen hatten.
Wir reisten über Jesero nokaits, Okits no frasawa, Jui, Kambara, den großen Fluß Fusikowa in B·öten, Moto itsiban oder Siro Sak·e, Josiwaro, Kasiwabara, Ipomats, Farra, Numatso und Kisigawa nach Misima.
Bisher waren wir an der Küste hingereist; bei Farra aber entfernten wir uns davon.
Hier fängt eine sehr gebirgige Gegend an, durch welche unser Weg ging.
Auch ist das Land hier reicher an Fichten und anderen Baumarten.
Der Flu·ß Fusikowa ist ungemein gefährlich, und man kann nur an einer Stelle überkommen.
Er ist etwas tief; besonders aber ist er sehr breit und von so schnellem Lauf, daß die Ruderer mit aller Macht das Boot kaum schräg überbringen können.
Bei Josiwara waren wir dem Berge Fusi so nahe, als wir ihm auf unserer Reise kommen konnten.
Seine Gipfel hatten wir schon vor mehreren Tagen erblickt.
Er ist der höchste Berg im ganzen Lande, und fast das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt, daher seine weiße Spitze weit über die Wolken hervor scheint.
Die Japaner schätzen seine ganze Höhe auf sechs Meilen.
Seine Gestalt ist wie ein Rhinozeroshorn oder wie ein Zuckerhut, indem der Fuß sehr dick und breit, der übrige Teil aber sehr spitzig ist.
Die Landeseinwohner glauben, der Gott des Windes habe auf diesem Berge seine Residenz.
Wenn sie ihn besuchen, bringen sie gewöhnlich zwei Tage auf der Hinaufreise zu.
Die Herunterreise geschieht gemeiniglich nicht so langsam, bisweilen so gar in Zeit von einigen Stunden, da sie denn sich gewisser dazu eingerichteter kleiner Schlitten bedienen, die aus Stroh gemacht sind, und vor den Leib gebunden werden.
Auf dieser Reise sahen wir am Wege verschiedene Knaben, die auf dem sandigen Boden ein Rad schlugen, und uns auf diese Weise eine ganze Strecke begleiteten, um Geld von uns zu bekommen, das wir ihnen denn auch in kleiner kupferner Münze hinwarfen.
Heute kamen wir nicht eher, als spät am Abend in voller Dunkelheit, mit Leuchten und Fackeln in unserem Nacht-Quartiere an.
Am folgenden Tage stand uns eine beschwerliche Reise über die so genannten Fakonie- Berge bevor.
Oben ruh·ten wir aus, und den ganzen Nachmittag gebrauchten wir, auf der anderen Seite wieder hinunter zu kommen.
Auf dieser Reise ließ ich mich selten tragen, sondern so oft es sich tun ließ, ging ich die mit Büschen und wilden Bäumen reichlich bewachsenen Anhöhen zu Fuß hinauf: die einzigen, die ich außer denen um Nagasaki, habe besuchen und darauf botanisieren können.
Aber in eben demselben Verhältnisse, als ich meinen Trägern die Last erleichterte, machte ich den Dolmetschern, besonders den Unterbedienten, die mir wechselsweise auf dem Fuße nachgehen mu·ßten, die Reise lästig.
Ich hatte zwar nicht die Erlaubnis, mich weit vom Wege zu entfernen, weil ich mich aber auf den Afrikanischen Gebirgen vorhin so gut geübt hatte, die Klippen hinauf zu laufen, machte ich vor meinen, manchma·l ziemlich ängstlichen und keuchenden Begleitern, oft artigen Vorsprung, und gewann dadurch Zeit, eine ziemlich große Menge der seltensten Gewächse, die in Blüt·e gekommen waren, zu sammeln und in mein Schnupftuch zu legen.
Auch in dieser gebirgigen Gegend war das Land an vielen Stellen sehr gut angebaut und bewohnt.
Von der Höhe des Berges kamen wir zuerst in das Dorf Fakonie.
Hier aßen wir zu Mittag, bestellten zu unserer Zurückkunft einige lackierte Sachen und andere Handelswa·ren, und besahen diese, so hoch auf einem weitläufigen Berge liegende schöne Stelle.
Unter anderen ist hier ein ziemlich großer und fischreicher Landsee mit einer mitten darin belegen·· Insel; er hat süßes Wasser und unter anderen Fischarten auch Lachse, von denen wir nicht nur aßen, sondern auch eine Partei zum Räuchern bestellten, die wir mitnehmen wollten, wenn wir wieder durchreisten.
Strömlinge, diese in der Ost-See allenthalben, sonst sehr selten, vorhandene Heringsart, wovon Kämpfer erzählt, daß sie auch hier befindlich sei, hatte ich nicht Gelegenheit zu sehen.
Das Dorf liegt am Ufer des Sees, welcher auf allen Seiten von Bergen umgeben ist.
Es besteht aus wenigstens hundert und fünfzig Häusern, ob es gleich so hoch hinauf liegt, daß das Erdreich umher wenig gebaut werden kann.
Der See soll eine Meile lang und eine Viertelmeile breit sein; mir kam er an einigen Stellen höchstens zwei Büchsenschüsse breit vor.
Er soll durch Erdbeben entstanden sein, dergleichen im ganzen Lande, besonders im nördlichen Teile, durchgängig und oft verspürt werden.
Dies ist um so viel glaublicher, da noch vom Boden des Sees durch Taucher große, ehemals mit dem Lande selbst niedergesunkene Zedernbäume sind herauf geholt worden.
Unter den schönsten und größten Bäumen, die ich hier sah, war der prächtige und unvergleichliche Lebensbaum ( Thuja dolabrata ), der allenthalben am Wege gepflanzt war.
Ich halte ihn für den schönsten von allen Nadelbäumen, nicht nur wegen seiner Höhe und seines geraden Stamms, sondern auch wegen seiner Nadeln oder Blätter, die beständig auf der oberen Seite grün, und auf der unteren silberweiß sind.
Da ich ihn nicht in Blüt·e, auch keine Zapfen davon mit Samen fand, gab ich mir alle Mühe, durch die Dolmetscher und andere meiner Freunde mir etwas Samen und lebendige Pflanzen zu verschaffen, die ich hernach nach Holland geschickt habe.
Er hat weißes und weiches Holz, woraus die Japaner Zahnbürsten machen, womit man die Zähne scheuert und reiniget, ohne den Zähnen selbst oder dem Zahnfleische im geringsten zu schaden, und welche eben so häufig, als Schwefelsticken verkauft werden.
-- Die Berberis- oder Saurachstaude ( Berberis ), so wohl die gewöhnliche ( vulgaris ), als die Kretische ( Cretica ) wächst hier und stand jetzt in Blüt·e.
An der Osiris ( Osiris Iaponica ) fand ich einen sonderbaren Busch.
Sie hat verschiedene kleine Blumen mitten auf den Blättern; eine in der Natur sonst so seltene Erscheinung.
-- In den Gebüschen trifft man häufig die rauhe Deuzie ( Deozia scabra ) an, einen Strauch, der so starre Blätter hat, daß die Tischler ihn allgemein wie Winter Kannenkraut gebrauchen, damit zu bohnen.
-- Da in diesem nördlichen und gebirgigen Teile von Japan das Land beträchtlich kalt ist, gibt es hier verschiedene Arten Bäume und Sträucher, die sonst in Europa zu Hause sind, wiewohl mir die Gattungen größtenteils neu waren.
So fand ich hier verschiedene Arten Eichen, einige Gattungen der Preiselbeere ( Vaccinium ), Schwelken ( Viburnum ), Maßholdern ( Acer ), und eine wilde Art Birnen ( Pyrus Iaponica ).
In den Gärten so wohl hier, als in verschiedenen anderen Gegenden traf ich auch mancherlei Gewächse an, die t·eils zu Hecken gebraucht, t·eils um ihrer schönen Blumen Willen gezogen wurden.
Dahin rechne ich verschiedene neue Gattungen der Schwelken ( Viburnum ), so wohl mit gewöhnlichen als doppelten Blumen ( Flores radiati ), wovon einige völlig so aussahen, als der Schwedische so genannte Schneeballen-Strauch, oder der gemeine Schwelken ( Opulus ).
Vom Spierkraute ( Spirea ) wird das chamanderblättrichte ( chamaedrifolia ) und das gekerbte ( crenata ) zu Hecken gebraucht, wo es mit seinen schneeweißen Blumen sehr zum Zier·at· gereicht.
Den dreiblättrigen Citronbaum ( Citrus trifoliata ), welcher ganz steife und fingerlange Zacken hat, braucht man nicht so häufig zu diesem Behuf.
Er blüh·te jetzt, obgleich die Zweige noch ganz kahl waren, und die Blätter kaum angefangen hatten, sich zu zeigen.
Die Frucht soll laxieren.
An Schönheit übertrifft nichts die prächtigen, und diesem Lande eigenen Maßholdern oder Ahornbäume ( Acer dissectum, Iaponicum, palmatum, septemlobum, pictum und trifidum ) die hier gezogen werden.
Sie fingen nun erst an· ihre Blumen zu zeigen.
Ich mu·ßte nur daher zu meiner Rückreise kleine, in Töpfe gesetzte Pflanzen davon bestellen, und diese hernach mit unglaublicher Mühe und Behutsamkeit, auch ansehnlichen Kosten, nach Nagasaki mitnehmen.
-- Die schöne blumenprangende Gardenie ( Gardenia florida ), die ich hier so wohl mit doppelten als einfachen Blumen sah, und welche man anderwärts so selten antrifft, wird ebenfalls, wiewohl nur von sehr vornehmen Leuten in ihren Prachtgärten zu Hecken benutzt.
Die Samenkapseln davon werden in den Krambuden verkauft, und zu gelber Farbe gebraucht.
In den Gärten bauet man hin und wieder auch Drachenwurz ( Arum dracontium ), Schlangenkraut ( Dracunculus ) und Zehrwurzel ( Dracontium polyhyllum ), wie auch essbaren Aron ( Arum esculentum ).
Die Wurzeln von allen diesen Gewächsen sind sehr scharf.
Die von der Zehrwurz wird von liederlichen Weibspersonen gebraucht, die Frucht abzutreiben; aber die von der essbaren ist, wenn sie von ihrer Schärfe gereinigt, und in Stücke geschnitten wird, eine gute und nahrhafte Speise.
Die Blumen der Zehrwurz sind groß, und haben einen Leichengeruch.
Zypressen oder so genannte Zedern ( Cupressus Iaponica ) wachsen in diesen Gegenden, und auch in den meisten übrigen Provinzen im Überflu·ß; nirgends aber finden sie sich, wie ich glaube, schöner und in größerer Menge.
Sie sind ohne Zweifel die schlanksten, geradesten und höchsten von allen Nadelbäumen.
Der Stamm geht in ganz gerader Linie in die Höhe.
Das Holz widersteht lange der Fäulnis, und wird nicht nur zu Schiffen, Brücken, und anderen Wasserbau·en gebraucht, sondern man macht auch allerhand große und kleine Tischlerarbeit daraus, die lackiert durch den Lackfirnis noch alle Adern zeigen.
Wenn es nun eine Zeit lang in die Erde gegraben und vom Wasser ganz durchdrungen wird, so bekommt es eine bläuliche Farbe; wird es alsdann mit dur··sichtigem Lack überzogen, so nimmt es sich vorzüglich schön aus.
Es wird von hieraus in Menge in die übrigen Provinzen verführt.
In den bergigen Gegenden um Fakonie traf ich eine Art langer schmaler Eidechsen ( Lacerta Iaponica ) sehr häufig an.
Die Dolmetscher hielten sie für einen Meerstint ( Stincus marinus ), und die Japaner nennen sie in ihrer Sprache Sansjo no iwo.
Auch sah ich sie fast in allen Kramladen zu Kauf hängen.
Man trocknet sie, steckt eine hölzerne Pinne durch den Kopf, und reihet mehrere darauf.
Sie werden zu Pulver gestoßen und als ein stärkendes Mittel, wie auch gegen die Lungensucht, und bei Kindern gegen die Würmer gebraucht.
Endlich verließen wir diese schöne Stelle und reisten den Berg hinunter.
Ich ermangelte nicht, Blumen und Samen von den am Wege stehenden Gewächsen und Sträuchern fleißig aufzusuchen und zu sammeln.
Unterwegs sahen wir sehr viele, von den Einwohnern zum Nutzen und zur Bequemlichkeit auf ihren Höfen und Äckern angelegte Wasserfälle und Wasserleitungen aus dem See.
Ehe wir am Fuße des Berges anlangten, kamen wir bei einer Kaiserlichen Wache an, die uns in Gegenwart der dabei angestellten Kaiserlichen Bevollmächtigten, genau visitierte.
Dies ist die zweite Wache, welche Reisende, die aus den westlichen Landschaften nach Jedo wollen, passieren müssen.
Die Lage und Beschaffenheit des Landes in dieser Gegend ist von der Art, daß man gar keinen anderen Weg als diesen nehmen kann, sondern durchaus über den Berg Fakonie und durch diesen engen Paß, der nicht nur bewacht, sondern auch mit T·oren verschlossen wird, reisen muß.
Die Obliegenheit der Beamten ist besonders, genau dahin zu sehen, daß keine Waffen durch diesen Paß in den nord-östlichen Teil des Reichs, worin Jedo liegt, und keine Frauenspersonen, besonders solche nicht, die als Unterpfänder der Redlichkeit ihrer Männer in der Verwaltung ihrer Ämter, und ihrer Treue als Untert·anen des Kaisers, zu Jedo beständig in Verwahrung gehalten werden, aus diesem in den anderen Teil gebracht werden.
Dieser Platz ist daher gleichsam eine Vormauer des nördlichen Teils, und der Hauptstadt.
Die Reisenden müssen hier ihre Pässe vorzeigen; haben sie keine bei sich, so werden sie angehalten und nicht durchgelassen.
Nunmehr kamen wir durch die Dörfer, Fat·a, Kawa Bat·a, Jomoto und Kasamats.
Zu Odowara blieben wir die Nacht, nachdem wir fünf Stunden gereist waren.
Nicht weit von Jomoto soll, nach dem Berichte der Dolmetscher, ein warmes Bad sein.
Hernach kamen wir zu einem großen, schnell fließenden Flusse, Namens Sackkawa, über den wir in platten B·öten mit dünnen Böden, fuhren.
Von da reisten wir durch Misawa, Kosinksif, Koiso, Firaska, über den Flu·ß Banningawa, durch Nango, Kwada, die Stadt Fusisawa, die an dem Flusse gleiches Na·mens liegt, und Fukanosikos nach der Stadt Totska, in allem elf· Meilen.
In Totska übernachteten wir.
Bis Fusisawa ging der Weg längs der Küste hin.
Der Banningawa ist einer von den größeren Flüssen.
Er fließt sehr stark und ist gefährlich.
Eine Brücke hat man gar nicht anlegen können.
Man lä·ßt sich in eigentlich dazu eingerichteten flachen B·öten übersetzen.
Hier endigen sich die gebirgigen Gegenden; dagegen öffnete sich uns eine Ebene, die weiter reichte, als das Auge sehen konnte.
Totska liegt von der Seeküste entfernt.
Das Land bildet hier eine ins Meer hervor springende sehr bergige Ecke.
Wir kamen aber bald wieder an die Küste, in deren Nähe wir bis zur Hauptstadt blieben.
Unsere letzte Tagereise machten wir den 27. April, da wir ungefähr zehn Meilen bis Jedo hatten.
So wohl heute als gestern ging der Weg durch ein sehr volkreiches und kultiviertes Land, wo Städte und Dörfer fast durchgängig in einer ununterbrochenen Reihe fortgehen, und wo große Scharen Reisende auf einander stießen.
Wir passierten Sinamo, Odagaia, Kanagawa, Surumi, Kawasakki, den Flu·ß Rokogawa, Omuri, Obotoki, Okido und Sinagawa.
Die hiesige Küste hat hie· und da Vorrat· an Austern und eine große Menge mancher anderer Arten ausgeworfener Conchylien, wovon ich aber keine bekommen konnte.
Auch sammelt man hier so wohl grüne als bräunliche Seegewächse aus den Geschlechtern des Tangs ( Fucus ) und des Watts ( Ulva ).
Man gebraucht sie zum Essen, ob sie gleich an sich sehr zäh sind.
Man spült sie wohl ab, daß das Salzige, der Sand und andere Unreinlichkeiten abgehen, schneidet sie in kleine Stücke, wäscht diese nochmals, und han·t·iert sie so lange, bis sie in kleinen Kuchen zubereitet und gegessen werden können.
Sinagawa und Takanawa sind zwei Vorstädte von Jedo.
Die erstere fängt ganze zwei Japanische Meilen von der Stadt selbst an, und läuft an der Seeküste hin.
Wir rasteten hier eine gute Stunde, erfrischten uns mit etwas Speise und Trank, und ergötzten uns an der schönen Aussicht, welche die größte Stadt des Reichs, die ohne Zweifel auch die weitläuftigste auf dem ganzen Erdboden ist, mit ihrem schönen Hafen uns gewährte.
Der Hafen ist indessen außerordentlich untief und schlammig.
Die größten Fahrzeuge liegen bisweilen volle fünf Meilen von der Stadt vor Anker; die weniger großen zwei Meilen, und die kleinen, nebst den B·öten in verschiedenen Reihen neben einander zu vielen Hunderten, je nachdem sie groß und schwer sind, näher oder weniger nahe.
Diese Seichtheit des Hafens sichert die Stadt zwar vor feindlichen Angriffen zur See, legt aber dem Transport der Wa·ren von anderen Orten unübersteigliche Hindernisse in den Weg.
Mit eben so neugierigen Augen, als wir die Stadt, den Hafen und die umliegende Gegend ansahen, wurden wir von den Japanern betrachtet.
Diese strömten von allen Seiten herbei, und formierten um uns, die wir in den Norimon eingeschlossen waren, ein ganzes Lager.
So gar befand sich vornehmes Frauenzimmer darunter, das sich in Norimon hatte hertragen lassen, und recht ungeduldig zu sein schien, wenn wir unsere Rouleaus bisweilen niederließen.
Diese Sänften, so wie sie rund um uns her auf der Erde standen, schienen ein kleines Dorf für sich auszumachen, dessen kleine tragbare Häuser nach einer kleinen Weile verschwanden.
Als wir die aus einer einzigen Straße bestehenden Vorstädte Sinagawa und Takanawa zurück gelegt hatten, merkte ich an der Wache, der größeren Menge Menschen in den Straßen, der Stille unseres Gefolges und dem ordentlicheren Gange unserer Träger, daß wir in der Hauptstadt selbst angelangt waren.
Nicht lange darauf kamen wir über eine Brücke, die Niponbas heißt, einige und vierzig Klaf·ter lang ist, und von welcher die Wege nach allen übrigen Städten im ganzen Reiche abgemessen sind.
Nachdem wir vor den Wachhäusern beim Eingange in die Stadt vorbei······· waren, ging der Weg eine gute Stunde lang durch eine große und breite Straße, ehe wir in der gewöhnlichen Herberge der Holländischen Ambassade eintrafen.
Hier wurden wir durch die Hintertür hinein, und darauf durch einen schmalen Gang nach dem anderen Ende des Hauses getragen.
Der erste Eintritt schien uns nicht viel großes und schönes zu versprechen.
Als wir aber die Treppe hinauf waren, fanden wir unsere Zimmer ziemlich nett, obgleich nicht so anständig, als ich sie in Rücksicht auf eine förmliche auswärtige Ambassade erwartet hatte.
Ein großes Zimmer machte unser Vorzimmer, unseren Audienz-Saal und unseren Speise·saal aus.
Außer diesem stand nur noch eine besondere Kammer für den Ambassadeur, eine andere, die abgeschaut werden konnte, für den Doktor und den Sekret·är, und ein kleines Gemach zum Baden, bereit.
Dies war alles, was wir zu unserer Bequemlichkeit hatten, und damit mu·ßten wir uns die ganze Zeit über begnügen.
Die Aussicht ging nach einer kleinen Gasse, die selten leer von Jungen war, welche beständig jauchzten, und schrien, so bald sich nur einer von uns sehen ließ, und bisweilen so gar an den Wänden der gegen über stehenden Häuser hoch hinauf kletterten, um uns zu sehen.
So hatten wir denn mit Gesundheit und Vergnügen unsere weite Reise vollendet, und waren wohlbehalten in der, ganz im östlichen Teile des Landes liegenden Hauptstadt des ganzen Reichs angekommen.
Niemand als der Sekretär war krank gewesen; ihn hatte auf den Wasserreisen das Podagra geplagt.
Die Provinzen, durch welche wir gereist waren, waren vierzehn.
Omura, Fisen, Tsikungo, Tsikudsen, Buds·en, Jammasiwo, Omi, Isi, Owari, Mikawa, Tootomi, Surunga, Sagami und Musafi.
Außer diesen waren wir zur See an den Küsten von acht anderen hergefahren: Nagatto, Suwo, Aki, Bingo, Bitsju, Bidsen, Farima und Sidsju.
Unser Weg war an einigen Orten von demjenigen verschieden, welchen die Gesandtschaft zu Kämpfers Zeiten nahm.
Auch wurde hie· und da ein anderer Ort zum Ausruhen und zum Mittagsessen gebraucht, als damals.
Die Wasserreise, welche beinahe einen ganzen Monat· dauerte, hielt uns ungewöhnlich lange auf, und machte, daß wir zu Jed·o später eintrafen, als je vorhin geschehen sein mag.
Mir verschaffte dieser Umstand aber den Vorteil, daß der Frühling mehr zu Ende ging, und der Sommer näher heran rückte, und daher mehr Bäume und Gewächse in Blüt·e standen, als ich sonst Gelegenheit gehabt haben würde zu sehen und zu sammeln, wenn die Reise um einen Monat kürzer gewesen, und wir also auch um einen Monat früher nach Na·gasaki zurück gekommen wären.
Unterwegs hatte ich verschiedene von den Fürsten oder Befehlshabern des Landes, so wohl von den größeren und reicheren, als kleineren, mit einem angeme·ßenen Gefolge auf ihrer jährlichen Reise nach der Hauptstadt und dem Kaiserlichen Hofe gesehen.
Wenige zurück kommende von ihnen begegneten uns; die meisten reisten hin.
Vor denen, welche von großem Ansehen waren, mu·ßten wir, indem sie vorbei zogen, still halten, wenn wir nicht vorher eine Herberge hatten erreichen können.
Wenn dann ihre Suite sehr groß war, hatten wir gewöhnlich auch den Verdruß, daß wir uns mit den schlechteren Logis behelfen mu·ßten, besonders, wenn es sich traf, daß wir in solchen Gegenden zusammen stießen, wo nur kleine Dörfer vorhanden waren.
Ja so gar trug es sich einmal zu, daß wir in einer Stadt das schon Bezogene Quartier wieder räumen, und uns nach einem vor der Stadt stehenden Tempel verfügen, und da·selbst zwei Tage still liegen mußten, ehe wir genug Träger, Pferde und andere Notwendigkeiten zur Fortsetzung unserer Reise bekommen konnten.
Nicht selten besteht die ganze Reisegesellschaft eines solchen Fürsten aus mehreren hundert, ja wohl aus ein bis zwei tausend Mann.
Dies ganze Heer zieht in förmlicher Ordnung einher.
Sie haben eine Menge Gepäcke bei sich, das t·eils von Menschen, t·eils von Pferden getragen wird.
Ihre Wappen und Fürstlichen Insignien werden allezeit vor ihnen hergetragen, einige in ziemlicher Entfernung, andere dicht vor ihren Norimon.
Gemeiniglich werden auch ein oder zwei schöne Handpferde vor ihnen hergeführt.
Einige hatten auch einen oder mehrere, zur Jagd abgerichtete Falken bei sich, die an einer um den Fuß gebundenen Kette auf dem Arme getragen wurden.
Ferner wurden in der Nähe ihrer Sänften verschiedene große und kleine Kisten, Betten, Theege·räth; ja so gar von besonderen Bedienten Sonnenschirme, Fächer, Hut, Pantoffeln und dergleichen getragen, um alles so gleich bei der Hand zu haben.
Wo sie durchkamen, entstand tiefe und allgemeine Stille: die Leute auf und an den Wegen legten sich nieder, den Kopf gegen die Erde geneigt, um ihre Ehrfurcht zu erkennen zu geben.
Die Norimon-Träger trugen die Livree ihres Herrn, und alles war mit dem Wappen desselben bezeichnet.
Wenn sie uns vorbei passierten, hatten sie gemeiniglich die Gardinen niedergelassen.
Nur hie· und da einer hatte die Höflichkeit, sie aufzuziehen, und im Vorbeigehen uns zu grüßen.
Einige waren gar so artig, daß sie jemanden von ihrem Hofstaate zu uns schickten, und uns Glück wünschen ließen.
Waren wir aber vorher an einem Orte angekommen, so hatten wir Gelegenheit, in einem für uns dazu bestellten Hause an der Hauptstraße den ganzen Zug vorbei kommen zu sehen.
Die Gardinen waren alsdann gewöhnlich aufgezogen, und wir sahen den Fürsten in seinem Norimon sitzen, aber an Farbe und Ansehen allen anderen Leuten völlig gleich, auch eben so gekleidet, und ohne seinen großen Hofstaat und prächtigen Aufzug von anderen nicht zu unterscheiden.
So höflich wir auch, wenn wir an der Grenze des Gebiets eines solchen Fürsten ankamen, in ihrem Namen von besonders dazu abgeschickten Personen empfangen und komplimentiert wurden, so hatten wir doch nirgends Erlaubnis, einen von ihnen zu besuchen, wenn wir gleich durch seine Residenz-Stadt reisten.
Eben so wenig bekamen wir von ihnen Besuch.
Jenes konnte deswegen nicht geschehen, weil es uns ansehnliche Geschenke gekostet haben würde.
Denn nach der Sitte des Landes müssen allezeit kostbare Geschenke voraus geschickt werden, ehe der Besuch abgestattet wird.
Das letztere hat auch seine Ursachen.
Einmal ist es verboten, um zu verh·üt·en, daß die Holländer mit den Fürsten im Reiche keine Bekanntschaft machen, die vielleicht in einer oder anderer Rücksicht demselben nacht·eilig sein könnte.
Dann lä·ßt aber auch ihre eigene Hoheit es nicht zu; sie würden sich, wenn es geschehen sollte, in ihrer ganzen Hofpracht zeigen müssen.
Dessen ungeachtet widerfuhr uns doch einmal die eben so seltene als unvermutete Ehre, daß wir an einem Abend in unserem Logis von einem dergleichen Landesfürsten einen Besuch erhielten.
Er kam aber inkognito, und hatte nur zwei seiner Hofleute bei sich.
Er blieb eine gute Weile, sprach mit uns von allerhand Dingen, und schien eben so neugierig zu sein, als er ein artiger und höflicher Herr war.
Alles was wir von Europäischen Sachen bei uns hatten, besah er sehr genau und mit vieler Aufmerksamkeit, und er blieb mit seiner Unterredung nicht bei Japanischen Gegenständen stehen, sondern lenkte sie auch auf Europäische Materien.
Auf der ganzen Reise hatten wir nur wenig Regen.
Die Kälte war auch erträglich, ob wir gleich bisweilen in unseren Zimmern einhei·zen mu·ßten.
Unsere Japaner hielten die Kälte besser, als das regnige Wetter aus, weil sie beständig mit bloßem Kopfe und nackten Füßen gingen.
Wenn es stark regnete, machten sie sich sehr ungern auf den Weg.
Dritte Abteilung.
Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo.
Gleich anfangs nach unserer Ankunft zu Jedo bekamen wir täglich Besuch von vielen Japanern.
Wir selbst hatten nicht anders Erlaubnis auszugehen, als zur Audienz.
Aber auch uns zu besuchen, hatte niemand die Freiheit als die, welche sie von der Regierung ausdrücklich erhalten hatten.
Anfänglich machten uns nur vornehme Herren und Gelehrte die Visite; hernach fanden sich auch Kaufleute und andere ein.
Die allerersten waren fünf Ärzte und zwei Astronomen, die nach empfangener Erlaubnis vom Reichsrate, auf eine sehr feierliche Weise kamen, um ihre Freude über unsere Ankunft zu bezeugen.
Der Ambassadeur, ich und der Sekret·är, nebst unseren Dolmetschern und den übrigen Japanischen Ober- Bedienten von unserer Gesellschaft, nahmen sie in unserem Saale an, und unterredeten uns mit ihnen verschiedene Stunden lang.
So bald die Komplimente und das gewöhnliche allgemeine Gespräch vorbei waren, wandten alle sich mit ihren Fragen fast ganz allein an mich.
Sie hielten mich für bewandert in den Wissenschaften, worin sie über manche Materien Erläuterung wünschten.
Die beiden Sternkundigen hießen Sakaki Bonsin und Subokawa Sulo, und waren ernsthafte, etwas bejahrte Männer.
Ihre Erkundigungen betrafen meist die Verfinsterungen, welche sie, wie ich merkte, nicht auf Minuten, oft nicht einmal auf Stunden ausrechnen konnten.
Da unsere Fragen und Antworten allezeit durch den Mund der Dolmetscher gehen mu·ßten, trat nicht selten der Fall ein, daß wir einander nicht deutlich verstehen konnten.
Dazu kam, daß ich selbst nicht solche astronomische Kenntnisse besaß, als ich wünschte, und daß weder sie noch ich Bücher zur Hand hatten, die uns hätten behilflich sein können.
Mit den Ärzten war die Unterredung viel leichter.
Zwei von ihnen verstanden selbst das Holländische etwas, und die Dolmetscher sind überall in der Arzneiwissenschaft nicht unerfahren.
Die Ärzte will ich doch näher beschreiben.
Einer hieß Okada Jeosin, ein Mann über siebzig Jahr.
Er führte meist immer das Wort.
Unter anderen verlangte er vom Krebs, Beinbruch, Nasenbluten, Geschwüren, Phimos·e, Wunden im Halse, Zahnschmerzen und der goldenen Ader vieles zu hören.
Ihn begleitete gewöhnlich ein junger Mann, Kuri·suki Dofa.
Zwei andere, Amano Reosjun, und Fokusmoto Dosin verhielten sich gemeiniglich nur als Zuhörer.
Diese vier wiederholten ihren Besuch nicht oft, legten ihn auch in der Folge nicht feierlich, sondern privatim bei mir ab.
Zwei andere aber kamen nicht nur alle Tage zu mir, sondern blieben auch zum öfteren spät in der Nacht, um sich von mir in der Physik, Ökonomie, besonders aber in der Botanik, Chirurgie und Medizin, Wissenschaften, die sie sehr liebten, unterrichten zu lassen.
Einer von ihnen, Namens Katfragawa Fosju, war Leibarzt des Kaisers, dessen Wappen er auch auf seinen Kleidern trug, ein ganz junger lebhafter Mann, ein guter Kopf und dabei von gutem Gemüt·s-Charakter.
In seiner Gesellschaft war allezeit einer seiner Freunde, Nakagawa Sunnan, etwas älter, und Leib-Medikus im Dienste eines der vornehmsten Fürsten des Landes.
Beide, insonderheit der letztere, sprachen das Holländische ziemlich gut, und besaßen einige Einsicht in die Mineralogie, Zoologie und Kräuterkunde, und überhaupt in die Naturgeschichte, die sie teils Chinesischen und Holländischen Büchern, teils den Holländischen Ärzten, die ehemals hier gewesen waren, zu verdanken hatten.
Sie waren beide unbeschreiblich freundschaftlich, dienstfertig und lernbegierig.
Sie suchten mich um so viel mehr zu benutzen, da sie bei mir Kenntnisse, die sie vorher bei anderen vermißt hatten, zu finden glaubten, und da lange vor unserer Ankunft durch die Dolmetscher das Gerücht sich hierher verbreitet hatte: dies Jahr würde ein Holländischer Doktor nach Jedo kommen, der gelehrter wäre, als die, freilich oft sehr unwissenden, Feldschere, die man hier zu sehen gewohnt ist.
Diese bereits zum Voraus gefa·ßte gute Meinung von mir wurde durch die vortrefflichen chirurgischen Instrumente, welche ich von Paris und Amsterdam mitgenommen hatte, noch mehr erhöhet.
Manchmal wurde mir ihr unablässiges Fragen wirklich zur Last, dies abgerechnet aber brachte ich in ihrer Gesellschaft viele angenehme, unterhaltende, mit unter für mich so gar lehrreiche Stunden zu.
Sie brachten oft, bald zum Geschenk, bald zum Bes·eh···en, kleine Sammlungen von Drog·en, Mineralien und frischen Kräutern, t·eils mit, t·eils ohne Blüt·e mit.
Die Kräuter trocknete und verwahrte ich.
Sie lehrten mich ihre Japanischen Na·men, und den Gebrauch, den man hier zu Lande davon macht; ich sie dagegen die Lateinischen und Holländischen Benennungen, und den zweckmäßigeren Gebrauch, den die Europäer davon machen.
Ihre Hauptbücher in der Botanik waren Jonstons historia naturalis und Dodon·äus Herbarium; in der Medizin, Woyts Schatzkammer, die sie von den Holländern gekauft hatten.
In der Wundarz·neikunst gebrauchten sie die Holländische Übersetzung vom Heister.
Ich verkaufte ihnen außer anderen Büchern auch eine sehr schöne Ausgabe von Muntings Kräuterbuche.
Die hiesigen Ärzte unterschieden sich übrigens von anderen Leuten dadurch, daß sie entweder alles Haar auf dem ganzen Kopfe, oder ganz und gar nichts davon abgeschoren hatten; bekanntlich scheren sonst die Japaner einen T·eil des Haars ab.
Wir waren nicht lange zu Jedo gewesen, als wir unter die Leute von unserem Gefolge ansehnliches Trinkgeld aust·eilen mu·ßten.
Unser Aufwärter bekam vier T·aler, die Norimon-Träger drei, die Handlanger bei den Norimon auch drei, und zwei andere Bediente drei T·aler, 7 Mas, 5 Konderin.
Mai war zu unserem Audienz-Tage angesetzt.
Die Bestimmung dieses Tages geschieht nie vor der Ankunft zu Jedo.
Früh Morgens waren wir schon fertig, in unserem besten Schmuck uns, nach reichlich geno·ßenem Frühstück in unsere Norimon zu setzen, und uns nach dem Kaiserlichen Palaste tragen zu lassen.
Wir hatten Europäische Kleidung an, aber von kostbaren seidenen Stoffen, und entweder mit Silber durchwirkt, oder mit goldenen Tressen besetzt.
Auch gehört· zur Festlichkeit des Tages, daß wir den Degen, und einen sehr weiten, schwarzen seidenen Mantel, den gewöhnlichen Predigermänteln ähnlich, anlegten.
Die sämtlichen Geschenke, so wohl für den Kaiser, als den Kronprinzen, die Reichsrät·e und übrigen Beamten, waren bereits hingeschickt, und in den Zimmern, wo wir Audienz haben sollten, an den Seiten in Ordnung gelegt.
Eine ziemliche Weile wurden wir durch die Stadt getragen, ehe wir in denjenigen Teil derselben kommen, der die Residenz des Kaisers enthält.
Dieser macht an sich selbst schon eine ansehnliche Stadt aus, und hat fünf Meilen im Umkreise.
Er enthält den Palast des Kaisers und den des Kronprinzen, welche durch breite Gräben, Mauern, Tore und andere Befestigungswerke von einander abgesondert sind.
In der äußeren Zitadelle, welche die größte von allen ist, sind große, schöne Straßen, mit hübschen und großen Häusern, welche den Fürsten und Prinzen des Reichs, den Reichsrät·en und anderen hohen Staats- und Hofbeamten gehören, und worin auch die zahlreichen Familien derselben, die ebenfalls das ganze Jahr über sich am Hofe aufhalten müssen, wohnen.
Beim ersten T·ore sahen wir schon eine sehr starke Wache; die aber beim zweiten besteht täglich aus tausend Mann.
Ehe wir in dieses T·or kamen, stiegen wir aus.
So bald wir hindurch waren, wurden wir in ein Zimmer geführt, wo wir eine ganze Stunde warten mu·ßten, ehe wir uns in den eigentlichen Palast des Kaisers begeben durften.
Endlich bekamen wir denn Erlaubnis, uns demselben zu nähern.
Wir gingen durch eine lange Reihe bewaffneter und gut gekleideter Soldaten, die zu beiden Seiten bis an die Schloßt·üre aufgestellt waren.
Das eigentliche Kaiserliche Schlo·ß steht auf einer Anhöhe, hat zwar nur ein einziges Stockwerk, ist aber doch viel höher als andere Häuser, und nimmt einen sehr großen Platz ein.
Man führte uns so gleich in ein Vorgemach, wo wir abermals eine gute Stunde warten mu·ßten.
Die Japanischen Ober-Bedienten von unserem Gefolge setzten sich an der einen, und die Holländer nebst den Dolmetschern an der anderen Seite.
Wir Holländer mu·ßten uns ebenfalls auf Japanische Art setzen.
Das war uns nun zwar äußerst lästig; als wir es aber nicht länger aushalten konnten, warfen wir die Füße auf die Seite, und bedeckten sie mit unseren großen Mänteln, die uns hierbei gar wohl zu Statten kamen.
Die Zeit, da wir hier warten mu·ßten, wurde uns gar nicht lang, weil immer eine sehr große Menge Menschen herein und heraus strömte, um uns in Augenschein zu nehmen, und mit uns zu sprechen.
So gar einige von den Fürsten des Reichs besuchten uns.
Zwar kamen diese inkognito, wir konnten aber doch aus dem Gemurmel, das in den inneren Zimmern anfangs auf einige Augenblicke entstand, und aus der Stille, die darauf folgte, allezeit merken, daß es ein Fürst war, der herein kam.
Ihre Neubegierde in allen Dingen ging sehr weit; am stärksten aber äußerte sie sich in Ansehung unserer Art zu schreiben.
Man bat uns daher, entweder auf ein Stückchen Papier, oder auf ihre Fächer etwas zu schreiben.
Einige zeigten uns auch Fächer, worauf Holländer vorher etwas geschrieben, und die sie als eine große Rarität sorgfältig aufgehoben hatten.
Endlich kam der Augenblick, da der Ambassadeur Vortritt haben sollte.
Die Zeremonie hierbei war von derjenigen ganz verschieden, die vor hundert Jahren zu Kämpfers Zeit gebräuchlich war.
Der Ambassadeur wurde in das Zimmer des Kaisers geführt.
Wir Übrigen blieben auf unseren Plätzen, bis er nach einer kleinen Weile zurück kam.
Nach seiner Zurückkunft mu·ßten wir wieder eine ziemliche Zeit im Vorgemache verweilen, um Besuche und Fragen von verschiedenen Hofleuten anzunehmen, bei deren Ankunft verschiedene Ma·l ein allgemeines und tiefes Stillschweigen entstand.
So gar der Kaiser selbst fand sich auf diese Art inkognito bei uns ein, um die Holländer und ihre Kleidertracht genauer zu bes·eh···en.
Unsere Dolmetscher und Japanischen Ober-Bedienten hatten sich alle Mühe gegeben, durch ihre Freunde von allem Nachricht einzuziehen, und durch sie wu·ßten wir denn auch alles.
Der Kaiser ist ein Mann von mittlerer Größe und starker Leibes-Constitution, und schien ein Alter von einigen und vierzig Jahren zu haben.
Als endlich alle Besuche vorübe···r waren, bekamen wir Erlaubnis, verschiedene Zimmer im Palaste, und selbst das Audienz Zimmer zu bes·eh···en.
Der Ambassad·eur war aus dem Vorzimmer über eine lange, mit Brettern belegte Diele hinein geführt worden, worauf sich eine große Schie·btüre geöffnet hatte.
Das innere Zimmer besteht gleichsam aus drei Zimmern, von denen das eine immer eine Stufe höher, als das andere ist.
Jedes hat eine Länge von ungefähr zehn Schritten, so daß der Abstand zwischen dem Kaiser und unserem Gesandten etwa dreißig Schritt betragen mochte.
In dem innersten nämlich befindet sich der Kaiser bei der Audienz und zwar stehend, nebst dem Kronprinzen, der ihm zur Rechten steht.
An der rechten Seite dieses Zimmers ist ein großer Saal, dessen Fußboden mit hundert Matten bedeckt ist, wovon er auch der Hundert-Mattensaal heißt.
Er hat drei hundert Ellen in der Länge, und hundert und fünfzig in der Breite, und ist für die höchsten Beamten, Räte und Fürsten des Reichs bestimmt, die bei solchen feierlichen Gelegenheiten alle nach Rang und Würden ihre Plätze in demselben einnehmen.
An der linken Seite im Audienz-Zimmer selbst standen die Geschenke teils aufgestellt, teils in Haufen gelegt.
Die ganze Audienz besteht übrigens bloß darin, daß der Ambassadeur, so bald er ins Zimmer getreten ist, auf die Knie niederfällt, die Hände auf die Matte legt, und den Kopf gegen die Erde beugt, alles auf gleiche Art, als die Japaner selbst ihre Untert·änigkeit und Ehrerbietung bezeugen.
Darauf steht er auf, und wird genau den vorigen Weg ins Vorgemach zurück geführt.
Die übrigen Zimmer, welche wir besahen, hatten keine Möbeln.
Der Fußboden war mit großen und sehr weißen Strohmatten belegt; die Leisten und Türen schön lackiert und der Beschlag sehr stark vergoldet.
Wie wir uns allenthalben umgesehen hatten, wurden wir in den Palast des Kronprinzen geführt, der gleich neben dem Kaiserlichen steht, und nur durch eine Brücke davon getrennt wird.
Hier wurden wir von Seiten des Kronprinzen, der jetzt nicht zu Hause, sondern noch beim Kaiser war, entgegen genommen und komplimentiert, und darauf wieder zu unseren Norimon begleitet.
Der Tag war schon groß·enteils verstr·ichen, und uns hungerte sehr, weil wir seit dem Frühstück nichts genossen hatten.
Nichts desto weniger mu·ßten wir heute noch bei allen Reichsrät·en, so wohl den sechs ordentlichen, als den sechs außerordentlichen, und zwar in eines jeden eigenem Hause, Besuch ablegen.
Da indes··sen diese Herren noch nicht vom Hofe zurück gekommen waren, wurden wir von ihren Bevollmächtigten auf die artigste und höflichste Weise empfangen, und auch von ihren Damen und Kindern in Augenschein genommen.
Jede Visite währte eine halbe Stunde.
Meistens wurden wir in einem großen Saale angenommen, und zwar auf einem solchen Platze, daß man uns durch dünne Gardinen von allen Seiten sehen konnte, ohne daß wir jedoch das Glück haben konnten, die Schönheiten des Hofes zu sehen.
Nur einmal waren wir so glücklich, daß die Damen sich sehen ließen, die Gardinen weggezogen, und wir so gar ersucht wurden, weiter ins Zimmer hervor zu treten.
Gewöhnlich wurden wir von zwei vornehmen Beamten empfangen, allenthalben aber mit gekochtem grünen T·ee, Tobak und Konfekt bewirt·et, welches alles auf besonderen kleinen Tischen, und für jeden besonders, vorgesetzt wurde.
Bisweilen tranken wir von dem T·ee eine Tasse; den Tobak aber rührten wir nicht an, und den Konfekt nahmen unsere Dolmetscher mit nach Hause.
So langweilig es war, sich so von einem Hause zum anderen tragen zu lassen, so hatte ich doch unterwegs einen Anblick, der so groß und schön war, daß er mir immer lebhaft vorschweben wird.
Von einer Anhöhe, wo wir still hielten, übersah ich die ganze unerme·ßliche Stadt, deren Umfang, nach Angabe der Japaner, ein und zwanzig Meilen, das ist ungefähr eben so viele Stunden zu gehen beträgt.
Jetzt war es Abend, und wir kamen müde und hungrig in unserem Quartiere wieder an.
Am folgenden Tage mu·ßten wir die so genannten Tempelherren, die beiden Gouverneure der Stadt und die beiden Kommissarien über die Fremden, besuchen.
Hierauf gingen nur wenige Tage hin, als wir beim Kaiser und dem Kronprinzen schon unsere Abschieds-Audienz bekamen.
Sie ging den 23. Mai in größter Eile, und zwar nur in Gegenwart ihrer dazu verordneten Räte vor sich.
Die folgenden Tage wandten wir dazu an, die Geschenke entgegen zu nehmen, und uns zu der bevor stehenden Abreise anzuschicken.
Die weiten seidenen Röcke ( die Holländer nennen sie Schlafröcke ), welche der Kaiser und der Kronprinz schenken, werden bei der Abschieds-Audienz ·übergeben; die Geschenke der ·übrigen Großen aber nach dem Logis der Holländer geschickt.
Jeder von den ordentlichen Reichsrät·en schenkt am Tage nach der Abschieds-Audienz zehn solche Japanische Talare, jeder von den außerordentlichen sechs; jeder Tempelherr fünf, jeder Gouverneur fünf, jeder Kommissarius und der Statthalter von Na·gasaki zwei.
Sie sind von dem feinsten Japanischen seidenen Zeuge gemacht, sehr weit, reichen bis auf die Füße, haben große weite Ärmel nach Japanischer Art, und sind t·eils mit seidenen, t·eils baumwollenen Watten ausgestopft.
Unser Banjos bekam deren zwei, ich und der Sekretär jeder auch zwei, und der Gesandte behielt für sich vier.
Das Zeug ist entweder schwarz, oder auf verschiedene Art geblümt.
Die übrigen blieben für die Ostindische Compagnie, und wurden für jede in Europa befindliche Kammer derselben eingepackt, und hernach von Batavia nach Holland geschickt.
Die Witterung war während der sechs und zwanzig Tage unseres Aufenthalts zu Jedo nicht die beste.
Die meiste Zeit hatten wir feuchtes, und am Tage trübes Wetter; manchmal Staubregen, manchmal starken Regen, entweder Vormittags oder Nachmittags.
So ungeheuer groß und weitläufig die Stadt Jedo ist, eben so volkreich ist sie auch.
Besonders strömt hier eine unzählige Menge Fremder aus allen Teilen und Gegenden des Reichs zusammen.
Jede Haushaltung hat zwar ihr eigenes Haus, und die Häuser sind nur ein oder zwei Stockwerke hoch; indessen wohnen doch viele bei einander, und packen sich in ein Haus zusammen.
Nach der Gasse sind allezeit Werkstätten und Buden.
Vor jenen hängt gemeiniglich ein großes Laken, das sie entweder ganz oder doch zum T·eil verdeckt, damit man von der Straße nicht gut sehen möge, was gearbeitet wird.
In den Kaufmannsläden aber sieht man Muster und Proben beinahe von allem, die so gleich vorgezeigt werden.
Die Straßen, wenigstens die vornehmsten, sind sehr lang und breit; die Breite beträgt oft vierzig bis fünfzig Ellen.
Die Stadt wird, wie Nagasaki, von zwei einander wechselsweise ablösenden Gouverneuren, einigen Bürgermeistern, und vielen Ottone, das ist Aufsehern oder Vorgesetzten, deren über jede Straße einer ist, regiert.
Die Häuser sind, wie in anderen Städten, mit Dachpfannen gedeckt; die obere Etage wird selten bewohnt.
Die Fürsten und Prinzen des Landes haben nicht nur in der ersten Zitadelle ihre gewöhnlichen Palais für ihre Familien, sondern auch in der Stadt selbst in verschiedenen Gegenden eigene Häuser, um bei Feuersgefahr allezeit eine gewisse Zuflucht zu haben.
In allen Japanischen Städten sind vortreffliche Feueranstalten, und überhaupt die besten Anstalten zur Verhütung von Unglücksfällen.
Allenthalben sind sichere, aufmerksame und hinreichende Nachtwachen vorhanden, die schon früh des Abends, so bald es nur dunkel wird, umher gehen, und sich die Nacht hindurch vielfältig hören lassen.
Zu Jed·o sind diese Wachen doppelt.
Die eine zeigt nur an, was die Uhr ist.
Dies geschieht vermittels· zweier Stücken Holz, die gegen einander geschlagen werden, und dies Schlagen tun sie fast in einem fort, fast bei jedem Hause; die beiden letzten Schläge folgen dicht auf einander, zum Zeichen, daß man nicht mehr zu erwarten hat.
Solcher Wachen sind beinahe für jede Straße eine.
Die andere ist die eigentliche Brandwache.
Man kennt sie daran, daß sie einen geklobenen Bamb·o-Stock, oder eine, oben mit einem Ringe versehene eiserne Stange auf der Straße hinter sich her schleppt, welches einen eigenen sehr unangenehmen Laut gibt.
Am Ende einer jeden Straße, da, wo sie mit Toren verschlossen werden kann, ist allezeit eine hohe Leiter, wo die Wache hinauf steigen kann, um zu sehen, ob irgendwo Feuer ist.
Oben auf jedem Hausdache ist ein mit einem Geländer eingeschlo·ßener vierseitiger Platz, wo jederzeit ein Gefäß mit Wasser steht, das bei entstehender Feuersbrunst so gleich zur Hand ist.
An sehr vielen Stellen sind in der Nähe der Häuser Feuerfreie steinerne Packhäuser aufgebaut, wo Waren und Möbeln sicher hingebracht werden können.
An den Seiten der·selben sind mehrere eiserne Haken eingemauert, an denen man nasse Matten aufhängen kann, um die Verbreitung des Feuers zu hindern.
Da die Häuser leicht Feuer fangen, trägt es sich hier oft zu, daß eine Feuersbrunst entsteht, und ganze Reihen von Häusern und Straßen in die Asche legt.
Während unseres hiesigen Aufenthalts kam einigema·l Feuer aus, das aber geschwind gedämpft wurde.
Unser Ambassadeur erzählte aber von einem schrecklichen Brande, der sich bei seiner Anwesenheit im Jahr 1772 zugetragen hatte.
Das Feuer brach des Mittags aus, dauerte bis den anderen Tag Abends um acht Uhr, und griff so weit um sich, daß eine Strecke von sechs Meilen in die Länge und drei in die Breite ver··heert wurde.
Bei dieser Gelegenheit brannte das Haus, wo die Holländische Gesandtschaft zu logieren pflegt, auch ab, und die Holländer mußten sich in einer Nacht dreimal nach einem anderen Hause, und zuletzt nach einem Tempel begeben.
Unter anderen Merkwürdigkeiten, die man uns zu Jedo zeigte, war auch ein junger Wolf, der in den nördlichsten Gegenden gefangen, und als ein seltenes Tier hierher gebracht war.
Die Leute in der Stadt kannten dies Tier gar nicht, und man machte uns eine so wunderliche Beschreibung davon, daß unsere Neugier, es zu sehen, sehr hoch gespannt wurde.
Wir gingen dahin, wo das sonderbare Tier zu sehen war, und siehe, es war ein kaum halb ausgewachsener Wolf.
Lustig war es zu sehen, wie sorgfältig man das arme Tier, dem selbst weit mehr bange war, als daß es gefährlich sein konnte, um den Leib und an den Füßen fest gebunden hatte.
Als ich erzählte, solche Tiere liefen in meinem Vaterlande scharenweise umher, würden sehr groß und täten viel Schaden, wurde den Japanern gar Angst.
Eines Tages kam eine von ihrem Manne versto·ßene Frau, nach dazu erhaltener Erlaubnis, zum Ambassadeur, um zu betteln.
Sie hatte sich alle Haare ganz abscheren lassen, und ging mit völlig kahlem Kopfe, ohne ihn mit irgend etwas zu bedecken: ein gar seltsam auffallender Anblick.
Man sagte uns, dies geschehe allezeit, wenn eine Frau aus einer oder der anderen Ursache von ihrem Manne geschieden worden ist.
Die beiden Hof-Medici, meine lieben Schüler, die mich fast täglich besuchten, hatten durch meine unverdroßene Bemühung so wohl, als durch eigenen ununterbrochenen Fleiß in der Arzneikunst, besonders demjenigen T·eile derselben, der die Krankheiten kennen und beurteilen lehrt, ansehnliche Fortschritte gemacht.
So gar hatten sie durch Benutzung meines Rat·s angefangen, bei ihren Patienten solche Mittel, als wir Europäischen ·Ärzte gebrauchen, und wovon sie sich einen kleinen Vorrat· verschafft hatten, anzuwenden, um dadurch glückliche Kuren zu verrichten.
Da es nun bekannt wurde, daß ich es sehr oft war, der die zu gebrauchenden Mittel vorschrieb, so wurde ich auch einmal in Betreff eines sehr vornehmen Patienten am Kaiserlichen Hofe, um Rat gefragt.
Als ich aber wünschte, von dem Geschlecht·, Alter und anderen einem Arzte zu wissen nöt·igen Umständen des Kranken benachrichtiget zu werden, benahm man sich so geheimnisvoll, daß es mir unmöglich war, etwas zu verordnen.
Bekanntlich lassen die Vornehmen sich äußerst selten vor den eigenen Einwohnern ihres Landes sehen, noch viel weniger von Fremden, und die zur Kaiserlichen Familie gehörigen Personen sind oft so unbekannt, daß sehr wenige Leute im ganzen Reiche den Namen des regierenden Kaisers eher, als nach seinem Tode, zu wissen bekommen.
Anfangs drang ich zwar darauf, mit dem Kranken selbst zu sprechen, und ihm die nötigen Fragen zu tun.
Der Gefahr wegen, worin derselbe war, wäre mir dies vielleicht auch geglückt.
Allein man hätte doch dabei die Vorsicht beobachtet, mich nur im nächsten Zimmer bleiben zu lassen, und dabei noch die Gardinen vorzuziehen.
Ich hätte ihn also doch weder sehen, noch nach dem Pulse fühlen können.
Da mir also jenes nichts geholfen haben würde, nahm ich den Ausweg, durch die Dolmetscher und meine Schüler ganz von fern die Umstände zu erforschen, welche ich schlechterdings wissen mu·ßte.
Darauf konnte ich denn endlich Diensame Mittel verordnen, und der vornehme Patient, der, so viel ich aus allen Umständen schließen konnte, eine von den Kaiserlichen Prinzessinnen war, wurde sehr bald wieder hergestellt.
Vor meiner Abreise ersuchten mich meine, in der Europäischen Praxis nun ziemlich unterwiesenen und geübten Schüler, um ein schriftliches Zeugnis von dem geno·ßenen Unterrichte und ihren ·Pr··ogressen.
Ich gab es ihnen, und zwar in Holländischer Sprache.
Sie wurden so erfreuet, und zugleich so stolz darauf, daß gewiß weder ich, noch irgend ein anderer so eben cr··eirter Doktor, uns auf unseren herrlichen Doktor-Hut und das gedruckte Diplom mehr zu gut getan haben.
Ich hatte das Glück gehabt, mir ihre Liebe und Freundschaft in so hohem Grade zu erwerben, daß sie nicht nur gegen meine Kenntnisse und das Wohlwollen, womit ich sie unterrichtete, Hochachtung hegten, sondern mir auch mit dem wärmsten Herzen zugetan waren, und über meine Abreise betrübt wurden.
Ich habe auch hernach verschiedene Jahre hindurch so wohl mit ihnen, als mit meinen Freunden unter den Dolmetschern, nicht allein Briefwechsel unterhalten, sondern ihnen auch verschiedenes, was ihnen angenehm sein konnte, zum Geschenke geschickt, und dagegen allerlei Samen für den botanischen Garten zu Upsala, und verschiedene merkwürdige Sachen für die akademische Naturalien-Sammlung zurück erhalten.
Unter den Gewächsen und Bäumen, die ich zu Jedo sah, und die ich anderwärts im Lande nicht gesehen hatte, waren folgende: schwarze Wal·nüsse ( luglans nigra ); echte Kastanien ( Fagus castanea ), die ich doch hernach zu Miako antraf; der wahre Alant ( Inula helenium ), dessen aromatische· Wurzel zur Stärkung des Magens gebraucht wird, und unsere gewöhnliche Tanne oder Rot·tanne ( Pinus abies ), wovon ich auf dem Wege nach der Kaiserlichen Burg verschiedene Bäume ansichtig wurde.
Auch zeigten mir die Dolmetscher eine Wurzel, vermutlich von einer Art Far··nkraut ( Filix ), welche sie Jaboki nannten, und die quer durchschnitten eine sternartige Figur zeigt, die von ihnen für etwas besonderes gehalten wird.
Ehe ich mich von Jedo trennte, konnte ich nicht umhin, zu erfahren zu suchen, t·eils was wenige Japaner selbst erfahren, den Na·men des Monarchen, dessen Hof zu besuchen ich die seltene Ehre genossen hatte; t·eils die Na·men der sämtlichen, so wohl geistlichen als weltlichen Regenten, welche seit Kämpfers Zeit dies gesegnete Land, dies glückliche Volk beherrscht haben.
Die Schwierigkeiten hierbei kannte ich, und an jedem anderen Orte als hier, wo meine vertrauten Freunde mir dazu behilflich sein konnten, wäre es mir durchaus unmöglich gewesen, einige Kunde davon zu bekommen.
Ich hielt mich daher für nicht wenig glücklich, und bildete mir gar viel darauf ein, als ich einige Tage vorher, ehe wir die Hauptstadt verließen, ein Verzeichnis erhielt, das für kein Geld zu bekommen ist.
Minamoto no Je Faru Koo ist der Nahme des damals regierenden weltlichen Kaisers oder Kubo, der zugleich vom Dairi, welchem es zukommt höhere Titel zu ert·eilen, folgende Be··i··n·amen bekommen hat:
Sjo ji· tsi·· ji· naij daijsin Sakonje no taij sio Zeij ji· taij Schogun.
Minamoto ist der Familien- Nahme, Je Far der persönliche Nahme, und Koo heißt Herr, wird aber nur hohen Personen beigelegt, ungef·ähr wie das Französische Seigneur.
Sein Alter war damals drei und vierzig Jahr.
Der Kronprinz hieß Minamoto no Je Moto Koo, und mit dem vom Dairi ihm beigelegten Titel:
Su nie·ji daijnagon; er war etwa zwölf Jahr alt.
Vierte Abteilung.
Rückreise von Jedo nach Dezime.
Unsere Abreise von Jedo war auf den 25.
Mai angesetzt.
An diesem Tage mu·ßten wir sie auch unabänderlich antreten, weil der 13. Siguats, oder der 30.
Mai, zur Reise des Kaisers nach dem Tempel zu Niko bestimmt war.
Dieser Tempel ist sehr groß, liegt sechs und dreißig Meilen von Jedo ostwärts, und jetzt sollte daselbst ein großes Fest gefeiert werden.
Schon vor drei Jahren hatte man diese Reise vorgenommen, es wurden auch bereits große Anstalten dazu gemacht; sie war aber von einem Jahre zum anderen aufgeschoben.
Da so wohl der Monarch, als alle Fürsten im Reiche, völlig eben so gekleidet sind, und ihr Haar eben so tragen, als alle andere Einwohner des Landes, auch weder durch Thron, Juwelen, noch dergleichen etwas sich auszeichnen, mithin von anderen gar nicht unterschieden werden können, so haben sie ein anderes Mittel ausfindig gemacht, sich zu unterscheiden.
Dies besteht darin, daß sie nach Verhältnis ihres Standes und ihrer Würde auf Reisen und bei feierlichen Gelegenheiten sich von einem ungeheuer großen Gefolge von Beamten, Bedienten mancherlei Art und anderen Leuten, die um sie herum wimmeln, sehen lassen.
Kein Wunder daher, wenn zur Reise des obersten Landes-Regenten ungewöhnlich große Zurüstungen gemacht wurden.
An den Landstraßen sollten neue Häuser gebaut werden, um darin am Tage auszuruhen und des Nachts zu logieren.
Alle nur er·sinnliche Bedürfnisse und Bequemlichkeiten sollten an Ort und Stelle vorher in völliger Bereitschaft sein.
Jeder sollte so wohl vorher als während der Reise auf seinem Posten äußerst aufmerksam sein.
Während der Abwesenheit des Kubo sollte die Kaiserliche Zitadelle dem Fürsten der Landschaft Mito, und die Regierung zugleich einigen Reichsrät·en anvertrauet werden.
Über das ganze Land war bereits der Befehl ergangen, allenthalben die genaueste Sorge zu tragen, da·ß Feuersbrunst, Aufruhr und anderen Unglücksfällen vorgebeugt würde.
Die zur Bestreitung der Kosten dieser Reise angeschlagene Summe belief sich auf 280,000 Kobang, oder 1,680,000 T·aler.
Ein Teil dieses Geldes wurde unter die Reichsrät·e, Landdes-Befehlshaber und andere, welche mitreisen sollten, verteilt.
Die Reise selbst sollte in drei Tagen zurück gelegt werden; den ersten Tag nach der Ankunft Ruhetag sein; am 17. Siguats oder den 3. Juni·s das Fest gefeiert werden, und Tages darauf die Rückreise den Anfang nehmen.
Bei unserer Abreise von Jedo sahen wir bereits zahlreiche Vortruppen jenes Heers vorauf ziehen.
Drei Tage vor des Kaisers Abreise aber fangen solche Scharen an, in großer Menge nach einander abzugehen, und am letzten Tage vorher geschieht es so häufig, daß jede halbe Stunde ein neuer Haufen abgeht, welches bis fünf Uhr des anderen Morgens währt, da der Kaiser mit dem Kronprinzen selbst sich auf den Weg macht.
Unter dieser unzählbaren Menge Leute sind auch verschiedene alte Männer, Bettler und Büttel.
Man nimmt so gar Särge mit, damit es unterwegs auch hieran nicht fehlen möge.
Mai 1776, Morgens früh, traten wir also unsere Rückreise nach Nagasaki an.
Wir machten sie meistens auf dieselbe Art, und auf demselben Wege, als die Hinreise.
Gewöhnlich bedienten wir uns auch wieder der vorigen Herbergen, so wohl zum Mittagsessen, als zum Nachtlager.
Nur selten richteten wir es anders ein.
Zu Totska kauften wir verschiedene schöne, obwohl kleine, flache Kasten mit Conchylien, die sehr sauber und zierlich auf gekratzte Baumwolle gelegt waren.
Dergleichen kaufen die Holländer hier zu Lande sehr viele auf, entweder um sie hernach mit Vort·eil wieder zu verkaufen, oder sie als Seltenheiten aus einem so entfernten Reiche ihren Freunden und Verwandten in Europa zuzuschicken.
Die Conchylien waren alle mit Reißleim an die Baumwolle befestigt, damit sie nicht abfallen sollten.
Ich pflückte aber doch alle die darunter aus, die bisher in Europa unbekannt, oder sehr selten waren, und die jetzt in der Sammlung der Universität zu Upsala aufbewahrt werden.
Unterweg·s besahen wir einen Fichtenbaum ( Pinus sylvestris ), dessen Zweige sich horizontal ausgebreitet hatten, und gleichsam ein Laubendach formierten, darunter man spazieren gehen konnte.
Ähnliche Fichten hatte ich zwar vorher schon an verschiedenen Orten gesehen, aber keine von so großem Umfange, als diese, deren Zweige sich über zwanzig Schritt in die Länge ausbreiteten, und von untergesetzten Pfählen unterstützt wurden.
Mai reisten wir über das hohe Gebirge Fakonie, wo es uns eben so, als auf der Hinreise erging.
Zu Fa·konie aßen wir zu Mittag, bekamen und bezahlten, was wir vorher da bestellt hatten, und zogen darauf das Gebirge auf der anderen Seite hinab.
Zu Misima sah ich eine Art Vanille ( Epidendrum monile ), ein parasitisches Gewächs, das die Wurzeln nicht in die Erde treibt, in Bündel gebunden, und draußen vor den Häusern aufgehängt.
Auf diese Art dauert dasselbe ohne Wasser und irgend die mindeste Nahrung nicht nur verschiedene Jahre lang aus, sondern wächst und blühet so gar noch.
Auch zieht man hier vollblühenden Farren ( Acrostichum bastatum ) zum Vergnügen in Töpfen, so schwer sich auch diese Gattung Gewächs in Europa verpflanzen lä·ßt.
Den hohen Berg Fusi betrachteten wir, als wir vorbei kamen, noch genauer als das vorige Ma·l.
Sein Fuß scheint besonders auf einer Seite sehr allmählich herab zu gehen.
Die Spitze erschien jetzt sehr hoch und schneeweiß über die Wolken erhaben.
Zu Nissaka mu·ßten wir, wegen der Menge Leute, die mit den reisenden Fürsten eintrafen, ganze drei Tage verweilen.
In diesen Gegenden wachsen Wassernüsse oder schwimmende Stachelnüsse ( Trapa natans ) allenthalben auf den Reißfeldern.
Die schwarzen Wurzeln der·selben werden, in Suppe gekocht, sehr häufig gegessen, ob sie gleich herbe und unangenehm schmecken.
-- In den Krambuden sah ich vielfältig Zapfen von Erlenbäumen ( Betula alnus ) zu Kauf hängen.
Auf meine Frage, wozu man sie gebrauche, bekam ich zur Antwort, man bediene sich ihrer, schwarz zu färben.
-- Zu Hecken braucht man hier durchgängig eine eigene Art Bocksdorn ( Licium Iaponicum ), einen kleinen, schön ins Auge fallenden Strauch.
-- Fast vor allen Häusern sah ich Indianisches Felsenkraut ( Azalea Indica ) in der schönsten Blüt·e stehen; die Blumen haben verschiedene Farben und sehen über die Maße schön aus.
-- Hin und wieder traf ich auch Zwergpalmen von der hohen Art ( Chamaerops excelsa ) an.
Sie haben mehr als Mannshöhe.
Aus der, den Stamm umgebenden netzförmigen Rinde werden Besen gemacht, die zum Verkaufe umher getragen, und allgemein zum Fegen gebraucht werden.
-- Die hiesigen Mispeln ( Mespilus Iaponica ) fingen nun an, reife Früchte zu bekommen.
Sie schmecken wie andere Mis·peln, und zerschmelzen im Munde.
An heißen Tagen löschen sie vortrefflich den Durst. --
An vielen Orten sah ich lang·ährige Faseln ( Dolichos polystachyos ), eine Art Erbsen, die wie große Türkische Bohnen an Stangen hinauf ranken, in Gestalt von Lauben gezogen, wozu sie ungemein brauchbar sind.
Die sehr schön sich ausnehmenden Blumen, welche jetzt aufbrachen, hängen an langen Stielen herunter, und tun sehr gute Wirkung. --
Sehr häufig bau·et man in dieser Gegend morgenländischen Sesam ( Sesamum Orientale ).
Aus dem Samen davon, so klein er auch ist, schlägt man Öl, das so wohl hier, als in anderen Ostindischen Ländern, allgemein an Speisen und zu anderem Behufe gebraucht wird.
Zu Futju kauften wir verschiedene große und kleine Körbe, auch Schränke mit Schubladen, alle aus Fäden von Rohr aufs feinste und schönste geflochten.
Bei der jetzigen regnerischen Jahr·szeit hatten wir von einer Art Mücken ( Culex irritans ) viel auszustehen, die uns besonders des Nachts so beunruhigten, daß wir oft nicht schlafen konnten.
Wir sahen uns daher in der Notwendigkeit, uns Gardinen von dünnem grünen Zeuge anzuschaffen, die hier durchgängig zum Schutz gegen das blutsaugende Ungeziefer gebraucht werden.
Diese Gardinen sind sehr weit, werden an der Decke des Zimmers fest gebunden, und um das ganze Bette so ausgebreitet, daß an den Seiten gar keine Öffnung bleibt.
Sie sind sehr bequem auf Reisen mitzunehmen, und so dünne, daß sie den freien Durchgang der Luft im mindesten nicht hindern.
Nachdem wir uns nunmehr hinlänglich ausgeruh·t hatten, begaben wir uns den 4. Junis wieder auf den Weg.
Zwischen Jedo und Miako sahen wir hie· und da an den Landstraßen Bettler, die, und zwar meistens an den Füßen, gebrechlich waren.
Dies war mir ein gar ungewohnter Anblick, da gebrechliche Leute in diesem Lande sehr selten sind.
Auch traf ich in diesen Gegenden rote und triefende Augen sehr häufig an, besonders bei armen Leuten, so wohl Alten, als kleinen Kindern.
Diese Krankheit kommt hauptsächlich von zwei Ursachen her: dem Kohlendampfe in den Häusern, und dem Gestank·, den die in allen Dörfern bei jedem Hause befindlichen Urintöpfe von sich geben.
In der Gegend von Miako wächst eine eigene Gattung Corchorus ( Corchorus Iaponicus ), in der Landessprache Jamma Buki, wild.
Er hat doppelte, sehr schöne Blumen.
Getrocknet und zu Pulver gerieben, werden diese gegen Blutflüsse gebraucht; um Nasenbluten zu stillen, wird das Pulver durch eine Federspule in die Nase geblasen. --
Auch trifft man hier eine Art Gagelbäume ( Myrica ) an, welche die Einwohner Nage nennen, und deren Holz sehr weiß und fein ist, und zu Kämmen und dergleichen gebraucht wird.
Ein anderer Baum, aus dessen Holz auch Kämme gemacht werden, nennen die Japaner Fjun no Chi.
Unsere Dolmetscher verschafften sich hier verschiedene Stinkkäfer von der Gattung, die den Na·men Feuerglut· ( Buprestis ignita ) führt, womit sie mir ein Geschenk machten.
Die Japaner nennen sie Tamma Musi.
Zu Miako hielten wir uns einen Tag und zwei Nächte auf: hier machten wir so wohl dem Kaiserlichen Hofmarschall, oder dem so genannten Oberrichter, als den beiden Gouverneuren der Stadt, die Aufwartung.
Wir wurden von ihnen eben so, als von den Großen zu Jedo empfangen.
Der Hofmarschall erwidert die Geschenke, welche er bekommt, mit fünf großen Japanischen Kleidern.
Die Statthalter aber geben dem Ambassadeur statt dessen nur eine Summe Geldes in Silbermünze, jeder die Summe von ein und zwanzig T·alern.
Dies Geld ist auf die hier zu Lande gebräuchliche besondere Art in ein längliches Stück Papier gewickelt, das hernach zusammen geleimt, und wo bisweilen auf einer, bisweilen auf beiden Seiten, aufgeschrieben wird, wie viel darin ist.
Solche Geschenke in Silbergeld sind hier etwas gewöhnliches.
Das Geld kommt oft unmittelbar aus der Münze, und geht in dem Pakete erst durch viele Hände.
Der Münzmeister, welcher den Wert des Päckchens darauf schreibt, ist für denselben verantwortlich.
Nachmittags hatte ich einen Privat-Besuch vom Leibarzte des Dairi oder geistlichen Kaisers, einem Manne von mittleren Jahren.
Ogino war sein Familien-Name, je no Sakon sein Vornahme, und Saffioge ein vom Dairi ihm beigelegter Ehren-Titel.
Er hatte verschiedene, meistenteils frisch gepflückte Kräuter bei sich, deren Nutzen er zu wissen wünschte.
Unser Gespräch geschah durch Dolmetscher.
Er erstaunte aber nicht wenig, als ich einmal die Namen der Gewächse, um sie ihm desto zuverlässiger anzugeben, mit Japanischen Buchstaben aufschrieb.
Auf der Herreise von Jedo wird den Holländern allezeit mehr Freiheit, als auf der Hinreise verstattet.
Wir bekamen auch die Erlaubnis, zu Miako verschiedene der größten, prächtigsten und die schönste· Lage habenden Tempel zu bes·eh···en.
Die Tempel liegen nirgends in den Städten selbst, sondern am Abhange der Berge und auf den Anhöhen draußen vor der Stadt, und haben die reizendste Aussicht.
Bei den hiesigen Tempeln sah ich durch Kunst angelegte Teiche, worin die Mönche verschiedene lebendige schwarze Schildkröten zu ihrem Vergnügen hielten.
Der Tempel des Daibud ist unter allen der größte und merkwürdigste.
Er ruhet auf sechs und neunzig Pfeilern und hat verschiedene Eingänge, die zwar sehr hoch, aber dabei schmal sind.
Das Gebäude besteht gleichsam aus zwei Stockwerken, die in einander laufen, und hat daher ein doppeltes Dach, wovon das obere durch unterschiedliche, über ein Klafter im Umfange habende, angemalte Pfeiler unterstützt wird.
Der Fußboden ist, ( welches mir vorher nirgends vorgekommen war ), mit viereckigen Marmorsteinen belegt.
Schade, -- denn weiter fehlte hier nichts -- daß die Japaner nicht so viel von der Baukunst verstehen, einem so großen und prächtigen Gebäude hinreichendes Licht zu verschaffen.
Das Bild des Gottes steht beinahe in der Mitte.
Sein Anblick erregt zu gleicher Zeit Entsetzen und Ehrfurcht: Entsetzen durch seine Größe, die schwerlich in der ganzen Welt ihres gleichen hat; Ehrfurcht, in Ansehung der Betrachtungen, die man dabei anzu··stellen Gelegenheit bekommt.
Die Figur ist sitzend, und zwar auf Indianische Art, die Füße kreuzweise nach vorn gelegt.
Die Statue steht ungefähr ein Klafter hoch von der Erde, und ist vergoldet.
Die Ohren sind lang, das Haar gekräuselt, die Schultern nackt, der Leib mit einem Schleier bedeckt, die rechte Hand aufgehoben, und die linke mit der Seite gegen den Unterleib anliegend.
Die Möglichkeit der Größe kann man sich nicht vorstellen, ohne es zu sehen.
Auf der flachen Hand können, wenn es wahr ist, was die Dolmetscher versicherten, sechs große Personen auf Japanische Art, die Fersen unter das Gesäß gesteckt, geräumig sitzen.
Die Figur scheint indessen ziemlich proportioniert, ob sie gleich so breit ist, daß die Schultern von einem Pfeiler zum anderen reichen, die dem Augenmaß· nach fünfzehn bis sechzehn Ellen von einander abstehen.
Das Götzenbild so wohl, als die es verehrende Sekte leiten ihren Ursprung aus Indien her.
Die Kenntnis desselben ist vermutlich zuerst aus Siam, China, oder einem anderen Ost·indischen Lande, in jenen Zeiten, da nicht nur Fremde in Japan, sondern auch die Japaner mit eigenen Schiffen in anderen Ländern freien Handel treiben durften, hierher gekommen.
Ich war von der Größe dieses ungeheuren Bildes noch ganz betäubt, als wir in einen anderen Tempel geführt wurden, der beinahe eben so majestätisch und bewundernswürdig, als jener, ist.
Seine Höhe und Breite ist zwar nicht außerordentlich, aber die Länge auffallend groß.
Er ist dem Quanwon heilig.
Das Bild dieses Gottes, nebst den Bildern aller seiner Untergötter und dienstbaren Geister, stehen in unglaublicher Anzahl in diesem Gebäude umher gestellt.
Mitten unter ihnen sitzt der Quanwon, mit sechs und dreißig Händen ausgerüstet.
Die nächsten Plätze um ihn her nehmen, aber gleichsam in einem für sie besonders abgeteilten Raume, sechzehn Helden ein, deren Statuen von übermenschlicher Größe, aber doch kleiner als die Statue des Hauptgottes sind.
Zu beiden Seiten zunächst stehen in zwei Reihen vergoldete Götterbilder, jedes mit zwanzig Händen.
Weiterhin sieht man auf beiden Seiten, ebenfalls in Reihen, Götterfiguren von gewöhnlicher Menschengröße, die ganz dicht bei einander stehen, und deren Menge ich hätte zählen müssen, um sie zu bestimmen.
Die nach vorn stehenden sind kleiner, und die hinteren werden von Reihe zu Reihe größer, so daß man alle zwölf Reihen sehr gut sehen kann.
Auf den Händen und Köpfen aller dieser Statuen stehen wieder kleinere Götterbilder.
Die ganze Anzahl soll drei hundert drei und dreißig tausend drei hundert drei und dreißig betragen.
Zu Fusimi setzten wir uns kurz vor Sonnen Untergang in kleine B·öte, und fuhren den Flu·ß hinunter nach Osaka, wo wir nach einer angenehmen Nachtreise am folgenden Morgen ankamen.
Zu Osaka hielten wir uns zwei Tage auf.
Hier war es, wo wir auf der ganzen Reise das meiste Vergnügen genossen.
Wir besahen mehrmals in unseren Norimon die Stadt, wohnten den Schauspielen bei, sahen den Balletten zu, und nahmen mancherlei Merkwürdigkeiten, woran diese Stadt einen Überflu·ß hat, in Augenschein.
Welche ich für meine Person am meisten schätzte, waren Sammlungen von Japanischen Gewächsen in einem wohl eingerichteten Garten, Sammlungen sehr vieler einheimischer Vögel und das Schmelzen des Kupfers in Stäbe.
Die Komödien der Japaner sind lustig, aber so sonderbar, daß ich sie beinahe ungereimt nennen möchte.
Die Dolmetscher mu·ßten sie mir ausdeute··n.
Die meisten haben Liebeshändel oder Heldent·aten zum Gegenstande.
Die Schauspieler schienen in ihrer Art ihre Rollen gut zu spielen; die Bühne aber war sehr klein und eng.
Die Tänze werden meistens von Kindern beiderlei Geschlechts aufgeführt, deren jedesmal zwei, auch wohl mehrere zusammen tanzen.
Sie haben mit unseren Kontre·tänzen einige Ähnlichkeit, und stellen ungefähr eben dergleichen vor, als die Komödien.
Die Tanzenden beugen den Körper auf hunderterlei Art, und richten sich dabei allezeit nach der Musik oder dem Gesange, womit der Tanz begleitet wird.
Die prächtige und kostbare Art, wie sie, besonders die Mädchen, und zwar nach Gewohnheit des vornehmen Frauenzimmers, mit fast unzähligen, sämtlich von dem feinsten und dünnsten seidenen Zeuge gemachten, weiten Gewändern, die sie eins über das andere ziehen, gekleidet sind, ist das, was dabei am schönsten ins Auge fällt.
Weil aber diese Kleider so außerordentlich dünn und leicht sind, kann man ihre Menge, die oft zu zwanzig, dreißig und darüber steigt, nicht bemerken.
Während des Tanzens ziehen sie, t·eils weil ihnen warm wird, t·eils um ihre Kleiderpracht zu zeigen, ein Gewand nach dem anderen oberwärts aus, so daß ein ganzes Dutzend von dem Gürtel, womit sie um den Leib fest gebunden sind, herab hängt, ohne sie in ihren schnellen Wendungen zu hindern.
Die Vogel·sammlungen sind in der so genannten Vogel·straße befindlich.
Man hat hier eine große Menge Vögel aus allen Gegenden zusammen gebracht.
Sie werden teils für Geld gezeigt, teils zu Kauf geboten.
Der botanische Garten liegt in der Stadt.
Er ist ziemlich gut eingerichtet, hat aber keine Orangerie.
Es werden darin allerhand Gewächse, Bäume, Sträucher und Stauden, die man aus anderen Provinzen hierher gebracht hat, aufbewahrt oder gezogen.
Ich ermangelte nicht, für so viel Geld, als ich darauf verwenden konnte, von den seltensten Sachen, besonders Bäume und Sträucher in Töpfe gepflanzt, auszusuchen und zu kaufen.
Dahin rechne ich die schönsten Arten von den prächtigen Ahornbäumen, die in diesem Lande wachsen, und zwei von der eben so raren, als auszuführen scharf verbotenen, Sagupalme ( Cycas revoluta ), einem Palmbaume, auf den die Japaner um seines Sagu ähnlichen und sehr nahrhaften Marks Willen, so großen und übertriebenen Wert· setzen, und nicht wissen, daß er auch in China anzutreffen ist.
Alle diese ließ ich in einen großen hölzernen Kasten pflanzen, über welchen Bogen oder Spriegel gestellt, und von Bindfaden eine Bedeckung geflochten wurde, damit sie auf keine Art Schaden nehmen konnten.
Diesen Kasten schickte ich zu Wasser nach Nagasaki, von da er in Gesellschaft eines anderen Kastens, der auf der Faktorei in Ordnung gebracht wurde, nach Batavia, und hernach weiter nach Amsterdam, als eine Lieferung für den dasigen medizinischen Garten abging.
Das Schmelzen des Kupfers verrichtete man in diesen Tagen lediglich um unsertwillen, damit wir es, auf mein inständiges Bitten, das unser Chef so wohl, als unsere Japanischen Anführer unterstützt hatten, möchten zu sehen bekommen.
Die Methode dabei ist weit einfacher, als ich mir vorgestellt hatte.
Die Schmelzhütte ist zehn bis zwölf Ellen weit.
An einer von den Wänden geht eine Mauer mit einem Schornsteine, wie eine Nische in die Höhe.
Unten in dieser Vertiefung, mit dem Fußboden gleich, ist ein Herd, worauf das Erz mit Hilfe von Handblasebälgen vor unserer Ankunft geschmolzen war.
Gegen über ist im Fußboden, der da aber nicht belegt ist, ein etwas längliches, ungefähr eine halbe Elle tiefes Loch gegraben.
Über dieses liegen der Länge nach zehn vierseitige eiserne Stangen, und zwar nur einen Finger breit von einander, und mit der Schärfe einer Seite in die Höhe stehend.
Über die Stangen ist ein Stück Segeltuch gezogen, das zwischen denselben eingedrückt ist.
Über das Segeltuch wird Wasser gegossen, das einen Zoll hoch steht.
Darauf wird das geschmolzene Erz mit eisernen Kellen aus der Herdgrube genommen, und in die jetzt beschriebene Form gegossen.
Auf diese Art gießt man zehn bis zwölf Stangen oder Stäbe von der Länge einer Viertelelle auf einmal.
So bald man diese heraus genommen hat, fährt man mit dem Gießen fort.
Zwischen·durch gießt man von neuem kaltes Wasser auf.
Auf diese Art Kupfer in Wasser zu gie·ßen, ungefähr so, als man bei uns in Schweden über zarte kranke Kinder Blei zu gie·ßen pflegt, hat man bisher in Europa nicht gewu·ßt, eben so wenig, daß das Japanische Kupfer eben davon seine hohe und glänzende Farbe hat.
Ich war zugleich so glücklich, durch Vorschub meiner Freunde, der Dolmetscher, einen Kasten zum Geschenk zu bekommen, worin so wohl auf jene Art gegoßenes reines Kupfer, als auch Stufen von jedem vorher damit genommenen Prozesse, als rohen Kupferkies mit seiner Erdart ( Matrix ), Proben von Rostbrennen oder Rösten, dem ersten und zweiten Schmelzen, und dergleichen, lagen.
Diesen Kasten schickte ich in der Folge nach Schweden, als ein Geschenk für das Mineralien-Kabinett der Universität zu Upsala, und machte meinem ehemaligen verehrten und geliebten Lehrer, Herrn Bergmann, dadurch eben so große Freude, als bei meiner Zurückkunft durch die Nachricht vom Gießen des Kupfers in Wasser.
Hernach besahen wir auch eine Menge gego·ßenes Kupfer, nicht nur von dem, das auf die beschriebene Art in Stäbe gegossen, und in dieser Form an die Holländer und Chinese· verkauft, sondern auch solches, das in große und kleine, viereckige und runde, dicke und dünne Stücke zu Kesseln, Pfannen und anderem Hausgerath gegossen wird.
Wir besahen auch die hiesigen Tempel, und hatten bei beiden Ober-Befehlshabern der Stadt Vortritt.
Unter anderen kaufte ich hier eine Part·ei Moxa, von verschiedener Feinheit und Güte.
Der allerfeinste ist weiß, und wird hier zu Lande allgemein als ein brennendes Arzneimittel ( Causticum ) gebraucht, um Krankheiten zu heilen oder vorzubeugen.
Der grobe ist braun, und man braucht ihn statt Zunder.
Beide Arten werden von gemeinem Beifuß ( Artemisia vulgaris ), nämlich von dem Rauhen und Wolligen, womit die Blätter besetzt sind, gemacht.
Die Blätter werden im Juni·s gesammelt, darauf getrocknet und bis zu weiterer Bearbeitung aufbewahret.
Wenn man den Moxa bereiten will, werden sie so lange gestoßen, geklopft und gerieben, bis das Fasrige sich abge·sondert hat, und man das Rauhe ganz rein bekommt.
Es gibt verschiedene Feldscher··, die sich nur mit diesem brennenden Mittel befassen, und sorgfältig studieren, wenn, wie, an welchen Stellen des Körpers, und gegen welche Krankheiten und Übel dasselbe anzuwenden ist.
Es fängt sehr leicht Feuer und brennt allmählich ab.
Wenn daher ein kleiner Tüpfel davon irgendwo auf den Körper gelegt, und angezündet wird, brennt er eine ziemlich große und tiefe Wunde hinein, die einige Zeit hernach die dahin ziehenden Feuchtigkeiten und Säfte heraus fließen lä·ßt.
Auf dem Rücken wird dies so allgemein gebräuchliche Mittel am öfte·sten appliziert, und ungeachtet es wenig Krankheiten gi·bt, gegen die man es nicht gebraucht, so tut es doch die beste Wirkung gegen Gicht und Erkältungen.
Kein Alter, kein Stand, kein Geschlecht ist von der Notwendigkeit des Gebrauchs desselben ausgenommen.
Dieser Teil unserer Reise gab mir auch zu verschiedenen in die Botanik einschlagenden Bemerkungen Gelegenheit.
Hier sind einige davon.
Die seeblumenartige Zotenblume ( Menyanthes nymphoides ), das ganze Gewächs mit Blättern und Blüt·e, macht man hier in Salzlake ein, und braucht es, wie eingemachte Gurken, als Salat.
Aus Buchsbaum, der überall im Lande wächst, verfertigt man Kämme, die lackiert und vom Frauenzimmer zum Zier·at· im Haar getragen werden.
-- Die Nelumbo-Pflanze ( Nymphaea nelumbo ) wächst an verschiedenen Orten im Wasser, und wird ihrer Schönheit wegen als ein heiliges und den Göttern angenehmes Kraut angesehen.
Man sieht auch wirklich die Götter oft so abgebildet, daß sie auf den großen Blättern derselben sitzen. --
Das anisartige Illicium ( Illicium anisatum ) wird hier durchgehends für einen giftigen Baum ausgegeben.
Man wollte sich gar nicht überzeugen, da·ß er den·selben echten Sternanis ( Anisum stellatum ) hervor bringe, den die Japaner jährlich von den Chinesen kaufen.
Die Körner werden indessen hier zu Lande nicht gut reif, haben auch keinen so starken und angenehmen Gewürzgeschmack, als die, welche man gewöhnlich in unseren Apotheken findet.
Den Baum selbst schätzt man hier übrigens sehr hoch, pflanzt ihn, besonders bei den Tempeln, weil man glaubt, die Götter lieben ihn sehr, und Zweige davon stehen fast allezeit mit anderen Blumen in großen Blumentöpfen in den Tempeln.
-- Aus der Frucht der gemeinen Melia oder Zederach ( Melia azedarach ) wird auf nämliche Art als aus dem Samen vom unechten Firnißbaume ( Rhus succedanea ) Öl gepre·ßt, das wie Talg hart, und zu Licht gebraucht wird.
Den 15. Junis reisten wir weiter nach Fiogo.
Hier schickten wir uns zu der bevor stehenden weiten Seereise an, und schifften uns auf das gewöhnliche große Fahrzeug ein, das uns nach Simonoseki bringen sollte.
Diesmal ging die Fahrt glücklich und geschwind von statt··, und nach einigen Tagen kamen wir in diesem Hafen wohlbehalten an.
Zu Fiogo bekamen unsere Aufwärter bei den Norimon für ihre Mühe von uns 1 T·aler 5 Ma·s, und zu Fiamits Loge die Wirtin, nach hergebrachter Gewohnheit, 7 Ma·s 5 Konderyn, nachdem sie uns mit Sak·e traktiert hatte.
An den jetzigen Sommerabenden genossen wir oft das Vergnügen eines der schönsten Anblicke in der ganzen Natur.
Ich meine den hiesigen leuchtenden Käfer ( Lampyris Iaponica ).
Dies·· Insekt hat am Steiße zwei kleine Blasen, die einen bläulichen, phosphoreschen Schein, wie die Europäischen Scheinkä·fer, von sich geben.
Es unterscheidet sich aber von dem letzteren dadurch, daß es geflügelt ist und frei umher fliegt, dagegen dieser keine Flügel hat, und in den Wachholder-Sträuchen still liegt.
Sie flogen zu Tausenden herum, einige höher, andere niedriger, und das Ganze stellte einen von unzähligen funkelnden Sternen schimmernden Himmel dar.
Ehe wir nach Nagasaki kamen, wurden unsere Koffer versiegelt, damit sie undurchsucht nach dem Packhause gebracht werden konnten.
Wir selbst aber, nebst unseren Portchaisen, und was wir sonst bei uns hatten, wurde genau visitiert.
Ich hatte zwar eben nicht viel verbotene Sachen bei mir, wollte aber doch die seltenen Münzen und Landkarten, die ich mir mit so vieler Mühe und Beschwerden verschafft hatte, ungern missen, auch nicht gern jemanden dadurch unglücklich machen.
Die Karten steckte ich daher unter andere Papiere, die dicken Münzen beklebte ich rund umher mit Pflaster, und die dünnen verwahrte ich in meinen Schuhen, und so kam ich glücklich durch.
Den 30. Junis 1776 langten wir denn im besten Wohlsein auf unserer Faktorei endlich wieder an.
Wir schenkten jedem unserer Aufwärter 1 Teil·· 5 Ma·s, und wurden von unseren Freunden mit der lebhaftesten Freude empfangen.
Die Reise hatte wider alle Gewohnheit sehr lange gewährt, und man hatte uns zu Dezime schon eine geraume Zeit mit Sehnsucht erwartet.
Fünfte Abteilung.
Manches von dem, was sich auf die natürliche Beschaffenheit dieses Landes, auf Denkungsart, Lebensweise, Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Einwohner, und auf die Japanische Sprache bezieht, ist im Vorhergehenden bei Gelegenheit meiner Reisebemerkungen bereits vorgekommen, worauf ich hier verweise.
Das übrige will ich jetzt nachholen, und um besserer Ordnung und Übersicht Willen unter einige allgemeine Rubriken ordnen.
Erster Abschnitt.
Von der natürlichen Beschaffenheit des Landes.
Japan liegt auf der Ost-Seite von Asien, ist von diesem Weltt·eile ganz und gar getrennt, und besteht aus drei großen, und vielen kleinen Inseln.
Es erstreckt sich vom 30. bis zum 41. Grade nördlicher Breite, und vom 143. bis zum 161. Grade der Länge, nach dem Meridian von Teneriffa gerechnet.
Es liegt mithin so viel östlicher als Stockholm, daß man dort Sonnen Aufgang und Mittag acht Stunden früher als hier hat.
Die meisten Europäer nennen dies Land Japan oder Japon.
Die Einwohner selbst nennen es Nippon oder Ni·fon.
Die Chinese· Sippon oder Jepuen.
Die Japanischen Inseln sind in älteren Zeiten nicht ganz unbekannt gewesen.
Man glaubt, Japan sei das Land, wovon Marcus Paulus Venetus von den Chinesen unter dem Namen Zipangro reden hörte.
Unter den Europäischen Nationen sind die Portugiesen die ersten, die es entdeckt und da gelandet haben.
Anton de Mota, Franz Zeimoto und Anton Peixota wurden auf einem großen Chinesischen Fahrzeuge, das von Siam nach China gehen sollte, durch Sturm an die Küsten dieses Landes geworfen.
Nach ihrer Zurückkunft nach China und erhaltener Nachricht von diesem Vorfalle wurden nachher andere Portugiesen, nebst Missionarien dahin geschickt.
In welchem Jahre jene Entdeckung gemacht sei, ist nicht völlig ausgemacht.
Einige behaupten, im Jahr 1535, andere 1542, andere 1548, andere noch später.
Das ganze Land besteht fast aus nichts anderem, als Bergen und Tälern.
Große Ebnen bekommt man selten zu sehen.
Die Küsten sind rund umher mit Bergen und Klippen, und einem unruhigen, stürmischen Meere umgeben.
Die meisten Häfen sind den Europäern ganz unbekannt, und die wenigen bekannten entweder mit einer Menge Klippen angefüllt, oder seicht und voll Sand, so daß die Einfahrt sehr gefährlich ist.
Die Berge sind von sehr verschiedener Höhe.
Einige hängen in Gebirgsreihen zusammen, andere liegen einzeln und zerstreut.
Etliche sind auch Vulkane.
Ein großer Teil von ihnen ist mit Wald bewachsen.
Andere, die nicht eine allzu steile Lage haben, sind in Absätzen, einem über dem anderen, nicht selten bis oben auf dem Gipfel angebaut.
Der Fusi ist einer der höchsten.
Das Erdreich ist in T·älern und eb·nen Gegenden verschieden.
Meistens besteht es aber aus Lehm oder Sand, oder einem Gemische von beiden.
Im allgemeinen kann man zwar mit Recht behaupten, daß der Boden sehr unfruchtbar ist; allein durch Arbeit, Dung, Wärme und hinlänglichen Regen wird er in hohem Grade fruchtbar gemacht.
Erdbeben verspürt man in Japan nicht selten.
Während unseres Aufenthalts zu Jedo zeigte sich dergleichen verschiedenemal, wiewohl sehr gelinde.
Die Hitze ist im Sommer sehr stark, und würde unerträglich sein, wenn die Seewinde sie nicht milderten.
Eben so ist auch die Kälte des Winters sehr streng, wenn Nord-Wind und Nord-Ost-Wind wehet.
Man fühlt sie indessen allezeit stärker, als sie nach der Anzeige des Thermometers wirklich ist; denn der heftige kalte Wind schneidet wie Pfeile von Eis durch den Körper.
Die Witterung ist das ganze Jahr hindurch sehr unbeständig.
Regen fällt im Überflusse.
Es regnet fast das ganze Jahr, besonders aber in den so genannten Regenmonaten ( Satsuki ), die mitten im Sommer einfallen.
Gerade dieser Überflu·ß von Regen aber ist die Ursache der Fruchtbarkeit, und der davon herrührenden starken Volksmenge.
Gewitter sind nicht selten; Stürme und Orkane sehr häufig.
Ich stellte während meines Aufenthalts in Japan sorgfältige thermomet·rische Beobachtungen an.
Da dergleichen meines Wissens bisher niemand bekannt gemacht hat, und sie das Klima dieses Landes genau kennen lehren, glaube ich, die Mitteilung derselben werde demjenigen T·eile meiner Leser, welchen es um eine genaue Kenntnis des Landes zu tun ist, nicht unangenehm sein.
Sie sind größtent·eils auf der Insel Dezime bei Nagasaki, welches die südlichste Stadt ist; einige aber auch auf der Reise und zu Jedo gemacht:
ich werde diesen Unterschied in der Tabelle bemerken.
Das dabei gebrauchte Thermometer ist ein in 112 Grade eingeteiltes und den Gefrier-Punkt beim 32. Grade anzeigendes Fahrenheittisches, mit doppeltem Glas und Quecksilber, das bei der geringsten Veränderung seinen Stand verändert.
Ich hatte es allezeit draußen vor dem Fenster meines Zimmers an der Mauer, und zwar auf der Nord-Seite, in freier Luft hängen.
Zu Nagasaki war die größte Hitze im August 98, und die stärkste Kälte im Januar des Abends 35 Grad.
Die Kälte trat, wie alle bezeugten, dies·· Jahr später, als andere Jahre, ein, und hielt auch kürzere Zeit an.
Wir heizten daher auch unsere Zimmer später als gewöhnlich.
Ein Barometer hatte ich nicht, konnte also damit auch keine Observationen anstellen.
Ost-, Nord-, und Nord-Ost-Wind, welche hier Landwinde sind, sind sehr kalt.
Süd-, West-, und Süd-West-Wind, die von der See herkommen, sind allezeit wärmer, und so bald es regnet, ist die Witterung milder.
Im Sommer wehet zu Nagasaki fast jeden Nachmittag Süd-Wind, welcher erfrischend ist; des Nachts und Morgens hingegen Ost- Wind.
Wenn des Abends Nebel aufsteigt, und Wolken sich sammeln, so fällt die Nacht darauf gemeiniglich Regen; steigt aber der Nebel des Morgens auf, so wird am Tage schönes Wetter.
Wenn im Winter die Luft in Osten und Süden trübe ist, so folgt gewöhnlich Regen mit starkem Wind und Sturm; aber wenn es in Westen und Norden aufklärt, wird schönes Wetter.
Im Dezember und Januar zeigte sich ein Paar Mal in der Luft feiner Schnee, der auf Dezime eher schmolz, als er zur Erde kam.
Sonst fällt manchen Winter viel Schnee, der einige Zeit liegen bleibt.
Blitz, Donner und Gewitterregen hat man bisweilen im Junis und Julius, meist aber im August und September, so wohl des Abends, als ganze Nächte hindurch.
Hier ist die ganze Folge meiner Beobachtungen.
An merkwürdigen Naturalien hat Japan keinen Mangel.
Verschiedener Bäume, Kräuter und anderer Gewächse; einiger Fische und anderer Tiere, wie auch des Kupfers, habe ich oben in der Beschreibung meiner Reise bei vorkommenden Gelegenheiten erwähnt.
Jetzt will ich, außer einigen anderen Naturalien, die hauptsächlichsten Mineralien mit ihren Japanischen Namen anführen.
Diese und noch mehrere brachten mir die Japaner zu Jedo.
Golderz von Sima·, Japanisch Kein Nabe.
Asbest, eine unreife Art: Isiwatta, Kupferkies von Simotske aus dem Berge Asjo: Asjo jamma.
Aus China hierher gebrachtes Kupfererz:
Simoo Seki; es enthält Schwefel in Menge, und das daraus gebrannte Pulver wird gegen den Husten gebraucht.
Weiße, vielleicht feuerfeste, Porcellainerde:
Fak Sekisi. ( Diese nebst vielen anderen Mineralien vom Kap, auch Bezoar, und verschiedene Edelsteine, habe ich hernach Herrn Professor Bergmann geschickt, und sie werden im Kabinett der Universität zu Upsala aufbewahrt ).
Weißer, weicher und feinfasriger Asbest, Sekima, der gesponnen und woraus Zeug gewebt wird.
Rot·er Arsenik, Owoo oder Kyquan Seki.
Gelber Schneckensand: Awa, Sna.
Fleischfarbener, sehr schöner Speckstein: Sakusekis oder Isuwatta.
Bimsstein: Karuisi.
Spat·artiger Tropfstein: Tsurara isi.
Pulverisierter Zinnober: Sju.
Runder Quarzstein: Tsugaro isi von Tsugara, woher er kommt, genannt.
Weißer Marmor: Nikko isi oder Nikkorosik.
Bleiglanz mit Kupferkies:
Feines Bergöhl von Sinam: Kesoso no Abra.
Salpeter: Siro Jinso.
Aus der Erde beim warmen Bade zu Boosa gekochtes Brunnensalz ( Soll fontanum ).
Versteinerungen von Blättern ( Phytolithos lithophyllum ) vom Berge Fakonie: Konofa isi.
Versteinerungen von Röhrenkorallen ( Tubiporus ): Luukuv Sangodu.
Versteinerter Meer·s·chwamm ( Spongia ): Uniwatta.
Ästige Hornkorallen ( Gorgonia ramosa ): Umemats.
Rote Korallen ( Corallia rubra ) von Kamaku: Sangodin; eben dergleichen von Sangami: Sangosju.
Eine dicke rote Punktkoralle ( Millepora ) von der Insel Sjosusima in der Provinz Sannoki: Djukuts.
Folgende Conchylien: die Falte ( Anomie plicatella ):
Seki Jen; der Papiernautilus ( Argonaut· Argo ): Tako sun·e aus Jot·sijo; der Schlangenkopf ( Cypraea Mauritanica ): Kino kui.
Von Insekten: ein eigene Art Sandläufer ( Cicindela Iaponica ), von Osi: Hammao; der Erdvielfuß ( Iulus terrestris ): Jasude; der Kellerwurm ( Oniscus asellus ):
Saori kose, welches so viel heißt, als Hausungeziefer; die Seeassel ( Oniscus Oceanicus ): Funa Muse, daß heißt Seeungeziefer: Ferner ein Seepferdchen ( Hippocampus ):
Der Achtfuß, eine Art Blackfisch ( Sepia octapodia ); er wird häufig gefangen, getrocknet, und allgemein gegessen, er heißt Ika.
Eine Gattung Fische, mit roten Floßfedern, aus den Bächen im Gebirge Fakonie; man nennt ihn Jamamo; pulverisiert soll er bei Brustkrankheiten des weiblichen Geschlechts gute Dienste tun.
Kamme.
Rogen von einem gewissen großen Fische, der gesalzen, platt gepre·ßt und getrocknet, zum Reißbrei gegessen wird: Karasumo.
Verschiedene Gattungen Seiten·schwimmer oder Flundern ( Pleuronectes ): Kali, Makotje, Niga kotje und Isaka kotje.
Zweiter Abschnitt.
Beschaffenheit und Charakter der Japaner.
Die Japaner sind gut gewachsen, geschmeidig und behende, und haben starke Gliedmaßen, wiewohl sie den nördlichen Einwohnern Europa's an Stärke nicht gleich kommen.
Die Mannspersonen sind nicht sehr groß, auch nicht sehr klein, gewöhnlich auch nicht fett und dick; nur selten sah ich einen, der etwas Fett hatte.
Die Farbe der Japaner ist durchgängig gelblich, doch so, daß sie bei einigen ins Braune, bei einigen ins Weiße fällt.
Geringe Leute, die des Sommers bei ihrer Arbeit mit dem ober··en Teile des Körpers nackt gehen, werden von der Sonne gebrannt und dadurch braun.
Das vornehme Frauenzimmer aber, welches selten in die freie Luft geht, ohne bedeckt zu sein, ist völlig weiß.
Die Augen unterscheiden dies Volk, eben so wie die Chinese·, von allen anderen Völkern, und man kann sie so gleich daran kennen.
Sie haben nicht die Ründe, wie bei anderen Nationen, sondern sind länglich schmal, liegen tiefer und haben immer gleichsam etwas liebäugelndes, sehen übrigens dunkelbraun oder vielmehr schwarz aus.
Das Augenli·d bildet mit dem großen Augenwinkel eine tiefe Furche; dies gibt ihnen das Ansehen von Scharf·sichtigkeit, und ist hauptsächlich das, was sie, wie ich eben gesagt habe, auf eine so merkliche Art auszeichnet.
Die Augenbraunen sitzen auch etwas höher, als bei anderen Menschen.
Der Kopf ist bei den meisten groß; der Hals kurz; das Haar schwarz, dick und von Öl glänzend; die Nase zwar nicht platt, aber doch etwas dick und kurz.
Die Schilderung des Charakters der Nation enthält im allgemeinen folgende Züge: verständig und vorsichtig, frei, Gehorsam und höflich, neugierig, fleißig und in Handarbeit geschickt, sparsam und nüchtern, reinlich, gut gesinnt und freundschaftlich, aufrichtig und gerecht, ehrlich und treu, argwöhnisch, abergläub·ig, hochmüt·ig und stolz, unversöhnlich, tapfer und unüberwindlich.
Verstand und gesetztes Wesen zeigen die Japaner bei allem, was sie tun.
In Kenntnissen, Einsicht, Kultur und Aufklärung haben sie es so weit gebracht, als es ohne Gelehrsamkeit, Wissenschaften und schöne Künste, deren Strahlen freilich noch nicht bis zu diesem Volke hingedrungen sind, möglich ist.
Zu den aufgeklärte·sten Nationen kann man sie freilich nicht rechnen.
Aber wenn man sie den so genannten wilden Nationen be··izählen wollte, so würde man ihnen großes Unrecht tun.
Vielmehr verdienen sie unter den gesittetsten einen Platz.
Ihre jetzige Regierungsform, die Einrichtung und Art ihres Handels mit den Ausländern, ihre Künste und Handwerke, ihr Überfluß an allem Notwendigen, und so manches andere, sind unwidersprechliche Beweise ihres Verstandes, ihrer Klugheit, und ihrer ernsthaften und reellen Denkungsart.
Nie findet man unter ihnen eine Spur von der kind·ischen Eitelkeit und albernen Putzlust, die man bei anderen Asiatischen und Afrikanischen Völkern so häufig antrifft, welche sich mit Muscheln, Glaskorallen, blanken Metallblättchen, und dergleichen schmücken.
Eben so wenig aber kennen sie den unnützen und nur glänzenden Schmuck und Prunk der Europäer mit Gold, Silber, Juwelen und was mehr dahin gehört.
Auch ahmen sie in keinem Stücke ausländischen Luxus nach, sondern machen aus einheimischen Produkten hübsche Kleider, wohl·schmeckende Gerichte und vortreffliche Waffen.
Freiheit ist das Leben der Japaner; keine solche, die in Ungebundenheit, Mut·willen und Eigengewalt übergeht, sondern die durch Gesetze auf die gehörige Art eingeschränkt ist.
Viele glauben zwar, der gemeine Mann in Japan sei nichts anders, als Sklave einer despotischen Regierung, weil die Gesetze sehr streng sind.
Aber ein Knecht, der sich auf ein Jahr bei einem Herrn vermietet, ist darum kein Sklave und ein Soldat, der auf gewisse, oft viele Jahre, gemietet und viel schärfer gehalten wird, ist ebenfalls darum kein Sklave, ob er gleich den strengsten Befehlen seiner Vorgesetzten gehorchen muß.
Die Japaner hassen und verabscheuen den unmenschlichen Sklavenhandel der Holländer und die unbillige Behandlung ihrer Sklaven.
Die Freiheit und Rechte nicht nur der Vornehmen, sondern auch der Niederen werden durch die Gesetze geschützt, und die außerordentliche Strenge und unfehlbare Ausübung der Gesetze hält jeden in den gebührenden Schranken.
In Rücksicht auf Ausländer ist keine Nation in ganz Indien, die so eifersüchtig über ihre Freiheit wacht, als diese.
Auch ist keine so frei von Beeinträchtigung, Betrügerei, Zwang und Gewaltt·ätigkeit anderer Völker.
Die in diesem Betracht genommenen Maßregeln haben auf den Erdboden nicht ihres gleichen.
Denn seitdem allen Einwohnern ohne Unterschied bei Lebensstrafe verboten ist, aus dem Reiche zu gehen, ist kein Japaner im Stande hinaus zu kommen.
Eben so wenig ist irgend einem Fremden erlaubt, ins Land herein zu kommen, außer einigen wenigen Holländern und Chinesen, die, wie die Leser bereits wissen, gleichsam in einem Civil-Arrest gehalten werden.
Sonst hat fast ein jeder jemanden zur Bedienung und Aufwartung im Hause, der, wenn der Herr ausgeht, mitgehen, und Mantel, Schuhe, Regenschirm, Laterne und dergleichen tragen muß.
An Höflichkeit und Untert·änigkeit haben die Japaner wenige ihres Gleichen.
Gehorsam und Unterwürfigkeit gegen Eltern und Obrigkeit werden den Kindern schon in den ersten Jahren eingeprägt, und die Alten in jedem Stande gehen ihnen hierin mit dem besten Beispiele stets vor.
Daher kommt ···auch, daß die Kinder hier selten gescholten oder mit körperlichen Züchtigungen bestraft werden.
Die Geringeren erweisen den Vornehmeren und ihren Vorgesetzten tiefe und feierliche Verbeugungen, und gehorchen blindlings und ohne Vorbehalt. Ihres gleichen grüßen sie allezeit, so wohl wenn sie einander begegnen, als auch beim Weggehen, sehr höflich.
Gewöhnlich bücken sie sich mit dem ganzen Körper so, daß der Kopf sich vorwärts senkt, und legen die Hände entweder gegen die Knie, oder unterhalb der Knie an den Beinen hinunter, ja wohl gar bis auf den Fuß hinab, je nachdem mehr oder weniger tiefe Ehrerbietung bewiesen werden muß.
Je tiefer diese sein muß, desto mehr wird auch der Kopf zur Erde gebogen.
Wenn jemand sie anredet, oder sie jemanden etwas hingeben oder überreichen, geschieht es allezeit mit einer solchen Verbeugung.
Begegnet ein Geringerer einem Vornehmeren auf der Straße, so bleibt er in jener Stellung so lange stehen, bis dieser vorbei ist.
Begegnen zwei, die sich gleich sind, einander, so stehen beide still und machen ebenfalls das oben beschriebene Kompliment, und gehen darauf einander ein wenig in krummer Stellung vorbei.
Wenn sie in ein Haus kommen, so fallen sie auf die Knie und bücken sich, mehr oder weniger tief, mit dem Kopfe; und ehe sie aufstehen um wegzugehen, machen sie wieder dieselbe Verbeugung. --
Bei aller ihrer Höflichkeit haben die Japaner aber doch die unartige Gewohnheit, in jedermanns Gegenwart ohne Zurückhaltung, so oft es ihnen ankommt, aus dem Magen aufzustoßen und zu rülpsen; dies wird bei ihnen, die sonst in ihrem Betragen so gesittet, als irgend ein kultiviertes Volk, sind, für gar nichts unanständiges gehalten.
Die Neugier geht bei den Japanern sehr weit.
Was die Europäer mitbringen und bei sich haben, besehen sie so genau, als möglich ist.
Sie erkundigen sich nach allem, und werden durch ihre Fragen sehr lästig.
Bei den Audienzen können sie sich an den Holländern nicht satt sehen: sie besehen sie unablässig vom Kopf bis zu den Füßen, und alles was sie an sich haben, Hut, Degen, Kleidung, Knöpfe, Tressen, Uhr, Stock, Ringe und so weiter; sie bitten sie, in ihrer Gegenwart zu schreiben, weil sie ihre Buchstaben, und ihre ganze Art zu schreiben zu sehen wünschen.
Eben so wi·ßbegierig sind auch in Ansehung dessen, was sich auf die Wissenschaften bezieht, die Gelehrten unter ihnen.
Und da sehen sie denn den Leibarzt der Gesandtschaft als den einzigen Gelehrten unter den sich hier aufhaltenden Holländern, und als das Orakel an, das ihnen über alles, was sie wissen wollen, Erläuterung geben kann.
Dieser wird denn auch nicht nur auf der Insel Dezime, sondern auch auf der Hofreise und zu Jedo, von ihnen mit Fragen stets gequält.
Hauptsächlich betreffen ihre Fragen Gegenstände aus der Mathesis, Geographie, Physik, Pharmazie, Zoologie, Botanik und Medizin.
Die Japaner haben viel natürliche Geschicklichkeit, alle Arten Handarbeit leicht zu lernen, und sehr gut zu machen; auch sind sie darin sehr erfinderisch.
An Industrie, Fleiß und Arbeitsamkeit übertreffen sie die meisten anderen Völker.
Sie schränken sich aber auf das Nötige und Nützliche ein.
Ihre Kupfer- und Metallarbeit ist schön.
Was sie von Holz verfertigen, ist sauber und dauerhaft.
Ihre vorzüglich gut gehärteten Säbelklingen, und ihre schöne lackierte Arbeit tun es allem zuvor, was man in anderen Ländern von dergleichen bisher hat zum Vorschein bringen können.
Wie viel Sorgfalt, Mühe und Fleiß der Landmann und Bauer auf die möglichste Kultur und Bearbeitung seines Feldes wendet, wie erfinder·isch und unverdrossen er in diesen Stücken ist, kann schlechterdings niemand glauben oder sich vorstellen, als wer es selbst sieht.
Sparsamkeit und Häuslichkeit haben in diesem Lande gleichsam ihren Wohnsitz.
Sie ist die allgemein geschätzte Tugend, nicht nur am Hofe und in den Palästen der Großen, sondern auch in der niedrigsten Hütte.
Sie macht denn auch, daß der ärmere mit seiner wenigen Habe zufrieden ist, und der Reiche seinen Überflu·ß nicht in Unmäßigkeit und Wollust verschwendet.
Sie macht aber auch eben dadurch, daß man, was in anderen Ländern Teuerung und Hungersnot heißt, gar nicht kennt, und daß in diesem so großen und volkreichen Lande äußerst selten ein Notleidender oder ein Bettler angetroffen wird.
Im allgemeinen sind die Japaner weder geizig noch habsüchtig.
Vor Fressen und Saufen haben sie Abscheu.
So wie sie das Land nicht zum Tobak und anderen unnützen Gewächsen verschwenden, verbrauchen sie auch ihr Getreide nicht durch so genannte Veredlung zu starken Getränken.
Reinlich und sauber sind die Japaner in hohem Grade.
Sie beobachten diese Tugend nicht nur in Rücksicht auf ihren Körper, sondern auch in ihren Häusern, in ihrer Kleidung, in ihren Geräten, im Essen und Trinken und allen übrigen Stücken.
Sie waschen und baden sich nicht etwa einmal in der Woche, sondern jeden Tag; und zwar bedienen sie sich dazu warmer Bäder, die täglich in jedem Hause, und auch für wenig Geld in allen Wirt·shäusern für die Reisenden bereitet werden.
Von der guten Gemüt·s-Beschaffenheit und der freundschaftlichen Denkungsart der Japaner habe ich selbst oft mit Bewunderung sehr viele Beweise erfahren.
Ich konnte dergleichen um so viel weniger erwarten, da sie immer mehr Ursache haben, die hier handelnden Europäer, ihres schlechten Betragens und ihrer feinen Betrügereien wegen, aufs möglichste zu verachten, zu hassen, und gegen sie vorsichtig zu sein.
Der Japaner ist zwar stolz, aber gut; mit Sanftmut· und Freundlichkeit lä·ßt er sich lenken und bewegen; Drohungen aber und Trotz wirken auf ihn nicht.
Die Gerechtigkeit wird im ganzen Lande sehr heilig gehalten.
Der Monarch beeinträchtigt keinen seiner Nachbaren.
Man hat in der ganzen Geschichte weder älterer noch neuerer Zeiten kein Beispiel, daß je ein Japanischer Regent ein fremdes Land angegriffen, oder Lust sein Reich zu erweitern gezeigt hätte.
Zwar sind die Jahrbücher der Japaner voll von Heldentaten, aber nur zur Verteidigung des Vaterlandes gegen auswärtige Gewalt, oder gegen Aufruhr in seinen eigenen Grenzen.
Da·ß Länder erobern etwas Großes, und Taten in Kriegen, die um zu erobern geführt werden, etwas Rühmliches seien, davon haben sie keinen Begriff.
Sie bleiben in diesem, so wie in allen anderen Stücken bei der Denkungsart ihrer Vorfahren, und nehmen auch jene Sitte von anderen Völkern nicht an.
Möchten doch die Beherrscher unseres Europa sich von ihnen nicht länger beschämen lassen!
Sie haben aber auch nie von ihrem Lande sich etwas wegnehmen lassen, und würden es auch jetzt nicht tun.
Eben so herrscht Gerechtigkeit in allen ihren Gerichten.
Alle Rechtssachen werden sehr bald, ohne Weitläufigkeit und ohne Intrig·e abgemacht.
Die Person wird nicht angesehen.
Aber auch gegen die Europäer beobachten sie Gerechtigkeit.
Ihre Traktaten, Vergleiche und Verbindungen mit ihnen, heben sie nicht auf, gehen nicht ein Haar breit davon ab, ändern keinen Buchstaben daran, sofern nicht die Europäer selbst Anlaß und Ursache dazu geben.
Eben so allgemein trifft man Redlichkeit und Treue an.
So wenig als in diesem Lande wird wohl in keinem anderen Diebstahl begangen; man hört kaum davon.
Räuberei ist vollends etwas ganz unbekanntes.
Die Europäer sind auf ihrer Reise durch das Land so sicher, daß sie auf die Sachen, welche sie bei sich haben, fast gar nicht Acht geben.
Indessen mu·ß ich doch sagen, da·ß die geringen Leute, wenigstens auf der Faktorei, es für keine Sünde halten, den Holländern Kleinigkeiten, besonders an Zucker und Kupfer, indem diese Waren von und nach der Schiffsbrücke gebracht werden, wegzumausen.
Argwöh·nisch sind die Japaner sehr.
Es ist aber wahrscheinlich, daß sie es nicht zu allen Zeiten in solchem Grade gewesen sind.
Vermutlich haben die vorigen innerlichen Unruhen und Kriege, noch mehr aber die Betrügereien der Europäer diese Unart, die jetzt, wenigstens im Handel und Wandel mit den Holländern und Chinesen ohne Grenzen ist, bei ihnen hervor gebracht und vergrößert.
Auch Aberglaube herrscht unter diesem Volke so allgemein und in so hohem Grade, als vielleicht unter keinem anderen.
Dies rührt von ihrer Unwissenheit in den meisten Wissenschaften, und von den verkehrten und ungereimten Begriffen und Grundsätzen her, die ihre Religion und ihre unwissenden Priester ihnen einprägen.
Beweise des Aberglaubens geben sie in reichem Maße an ihren Festen, bei ihrem Gottesdienste·, bei ihren Gelübden, beim Gebrauche ihrer Arzneimittel, bei der Wahl glücklicher und der Vermeidung unglücklicher Tage, und dergleichen mehr.
Stolz und hoher Dünkel ist ein Hauptfehler dieser Nation.
Sie glauben eben den heiligen Ursprung von den Göttern, Himmel, Sonne und Mond zu haben, den sich mehrere Asiatische Völker zueignen.
Kein Wunder, wenn sie ··wähnen, etwas mehr als andere Menschen zu sein, und wenn sie besonders die Europäer sehr geringe achten.
Ertrüge ein Japaner auch jede andere Beleidigung, so würde er doch Stolz an anderen nicht ertragen können.
Stolz und Hochmut· waren es, welche die Portugiesen aus dem Lande verjagten, und sie sind es auch, welche dem Holländischen Handel hier mit der Zeit vielleicht ein Ende machen werden.
Da·ß das Japanische Volk nie, auch nicht einmal in den ältesten Zeiten, von irgend einer auswärtigen Macht besiegt oder unterjocht gewesen ist, weiß man.
Aber in ihren Geschichtsbüchern liest man auch von ihrer Tapferkeit und ihrem unbesiegbaren Mut· solche Erzählungen, die man weit eher für Fabeln, als für wirkliche T·ats·achen zu halten Ursache hätte, wenn man nicht in späteren Jahrhunderten redende Beweise davon hätte.
Als die Tataren zum ersten Mal, im Jahr 799, mit einem unzählbaren Heere einen Teil von Japan überschwemmt hatten, und die Japanische Flotte durch einen heftigen Sturm verunglückt und in einer einzigen Nacht ganz ruiniert war, brach am folgenden Tage der Feldherr der Japaner auf, griff die zahllose und mut·ige Armee der Feinde an, und richtete sie so ganz zu Grunde, daß auch nicht ein Mann am Leben blieb, der hätte zurück gehen und von einer so unerhörten Niederlage die Nachricht überbringen könn·en.
Eben so groß und eben so ehrenvoll war der Sieg der Japaner im Jahr 1281, als sie von den Tataren, die 240,000 Mann stark waren, zum anderen Mal angegriffen wurden.
Die Vertreibung der Portugiesen und die zugleich geschehene Ausrottung der christlichen Religion im Anfange des siebzehnten Jahr Hunderts haben sie so vollkommen bewerkstelliget, daß man heutiges Tages kaum eine Spur ihres ehema·ligen Daseins findet.
Der Krieg mit ihnen, und die Verheerung wurden vierzig Jahr lang fortgesetzt.
Mehrere Millionen Menschen wurden in dieser Zeit aufgeopfert; allein bei der letzten Belagerung verloren 37000 das Leben.
Diese Siege sind gleichwohl nicht die einzigen, welche der Japaner Mut und Tapferkeit verbürgen.
Folgendes Beispiel ist noch auffallender.
Im Jahr 1630 kam ein kleines Japanisches Fahrzeug nach Formosa, um da Handel zu treiben.
Die Insel gehörte damals der Holländischen Compagnie.
Der Gouverneur Peter Nuytz behandelte die mit dem Schiffe angekommenen Japanischen Kaufleute sehr übel.
Nach ihrer Zuhausekunft beklagten diese sich bei dem Fürsten ihrer Landschaft, über die nicht nur ihnen, sondern auch ihm selbst, dadurch widerfahrene Beleidigung und Beschimpfung.
Der Fürst wurde zwar hierüber desto mehr aufgebracht, da es verachtete Fremde waren, die dergleichen ausgeübt hatten, glaubte sich aber nicht im Stande· sich zu rächen.
Seine Leibwache redete ihn darauf also an: Wir halten uns nicht für würdig, deine Person länger zu bewachen, sofern wir nicht Erlaubnis bekommen, deine Ehre wieder herzustellen.
Nichts als das Blut der Frevler kann diesen Schandfleck wegwaschen.
Befiehl nur, und wir wollen dem Bösewicht den Kopf abhauen, oder ihn lebendig hierher bringen, damit er nach deinem Gutbefinden und seinem Verdienste bestraft werde.
Unserer sieben sind genug.
Weder die Gefahr der See, noch die Stärke der Zitadelle, noch die Anzahl seiner Wache soll ihn vor unserem Zorne sicheren.
-- Der Fürst willigte ein.
Sie entwarfen einen klugen Plan, zogen ab und kamen auf Formosa an.
Hier baten sie um Vortritt beim Statthalter.
Kaum waren sie in seinem Zimmer, als sie alle zugleich die Säbel zogen, ihn gefangen nahmen und unverzüglich nach ihrem Schiffe brachten.
Dies geschah am hellen Tage, im Angesicht der Wache und aller Leute im Palaste, ohne daß jemand es wagte sich zu regen, um seinen Herrn zu befreien.
Der Gouverneur war keinen Augenblick am Bord gewesen, als sein Kopf mitten von einander gespalten wurde. -- Kämpfer erzählt diese Geschichte auch.
Kennt man den Stolz, die Gerechtigkeitsliebe und den Mut· der Japaner, so verwundert man sich gewiß nicht, daß sie, wenn sie beleidigt worden sind, ganz unversöhnlich gegen ihre Feinde sind.
Dies geht so weit, daß sie jede Beleidigung dem anderen beständig, wäre es auch noch so lange, nachtragen.
Nichts kann sie aussöhnen.
Aber sie lassen ihren Groll nicht in Hitze ausbrechen, sondern wissen ihn unter einer unnachahmlichen Kaltblütigkeit zu verbergen, und auf Gelegenheit, wo sie sich rächen können, zu lauern.
Nie habe ich unter irgend einem Volke Menschen gesehen, die der Leiden·schaft des Zorns so wenig unterworfen sind, als sie.
Man kann fast sagen, daß sie nie hitzig werden.
Man mag sie schelten, schmähen, ihre Ehre beleidigen, so sehr man will: sie antworten nicht ein einziges Wort, sondern geben nur durch ein langsames ä ä gleichsam ihr großes Befremden zu erkennen.
Aber so schweigend fass·en sie gegen den anderen den bittersten Ha·ß, der hernach weder durch Gutmachen der Beleidigung, durch Schadenersetzung, durch Wiederherstellung der Ehre, noch durch die Länge der Zeit, noch durch veränderte Umstände jemals ausgelöscht werden kann.
Sie pflegen daher ihrem Feinde nicht leicht durch ein unhöfliches Wort oder eine unhöfliche Miene zu nahe zu kommen, sondern vielmehr durch verstellte Freundschaft so wohl ihn als andere zu täuschen, bis früh oder spät sich eine Gelegenheit zeigt, wo sie ihm beträchtlichen Schaden oder großes Unglück zu··fügen können.
Sonst mu·ß ich hier noch eine Untugend der Japaner rügen, ich meine die Unzucht.
Diese scheint unter ihnen allgemein zu herrschen.
Die Schamhaftigkeit steht in geringem Wert bei ihnen.
Selbst das weibliche Geschlecht übt diese Tugend wenig aus.
Selten bekümmern sie sich darum, sich zu bedecken, wenn sie sich baden, selbst dann nicht, wenn es auf offenen Plätzen geschieht.
Auch nicht einmal ··zu Nagasaki tun sie es an solchen Stellen, wo sie von den Holländern gesehen werden können und wo diese vorbei kommen.
Dritter Abschnitt.
Häuser und Haus·····gerät.
Die Häuser der Japaner sind von Fachwerk und weiß übertüncht, und sehen daher von außen völlig wie steinerne Gebäude aus.
Ihre Bauart ist ganz besonders.
Das Holz hat nur senkrechte und horizontale Richtung; schräg, wie sonst bei Fachwerk zu geschehen pflegt, ist nichts davon angebracht; es besteht daher bloß aus Solen, Balken, Riegeln und Stendern.
Diese alle sind viereckig und nicht dick.
Die Fächer zwischen denselben werden mit Bamborohr zugeflochten, und dieses mit Mörtel, von Lehm, Sand und Kalk beworfen und ···kleibt.
Die Mauern oder Wände werden daher eben nicht dick.
Jedes Haus nimmt einen ansehnlichen Raum ein.
Im Hause selbst hat man gar keine Zwischenwände.
Es wird bloß von den Ste·ndern unterstützt.
Zwischen diesen sind an der Decke und dem Fußboden andere Querhölzer, mit eingehauenen Vertiefungen oder langen schmalen Einschnitten angebracht, die zur Abt·eilung der Zimmer dienen.
Anfangs macht also das ganze Haus ein einziges Zimmer aus, daß sich vermittels· dieser Querhölzer durch überzogene Rahmen, oder einzelne, kleine, leichte Wände, die nach Belieben eingesetzt, weggenommen oder hinter einander geschoben werden können, in mehrere abt·eilen läßt.
Diese Rahmen bestehen aus lackierten hölzernen Leisten, die mit dickem, mit Farbe überstrichenem und daher undurchsichtigem Papiere überzogen werden, und in jene Vertiefungen sehr bequem und nett einpassen.
Dergleichen Zimmer wurden für uns und unser Gefolge auf der Reise oft abget·eilt, und wenn wir zum Speisen oder anderen Behufe ein größeres Zimmer gebrauchten, wurden jene Rahmwände weggenommen, und hernach, wenn es nöt·ig war, wieder eingesetzt: eine Arbeit, die in einem Augenblick verrichtet ist.
Man kann zwar nicht sehen, was in den angrenzenden Zimmern geschieht; aber doch meistens sehr gut hören, was gesprochen wird.
Die Decke der Zimmer ist getäfelt, besteht aus dicht in einander gefügten Brettern, und fällt ziemlich gut ins Auge.
Die Häuser werden mit Ziegeln und Dachpfannen gedeckt, die auf eine ganz eigene Art gemacht, sehr dick und schwer sind.
Schlechte Häuser deckt man aber gewöhnlich nur mit Schindeln, die man gemeiniglich mit einer Menge Steine belegt, welche die Schindeln fest halten und dem Dache die nöt·ige Schwere geben.
Das Dach steht allezeit weit über dem Hause hervor, und wird oft mit einem besonderen kleinen Dache vermehrt, das über einem schmalen ausgebauten Gange oder einer Gal·erie draußen vor den Fenstern hingeht.
Von diesem kleinen Dache gehen nach inwendig und niederwärts einige vierseitige hölzerne Leisten, zwischen welche man von Binsen gemachte Jalousie-Matten hängt, die aufgezogen und niedergelassen werden können, und verhindern sollen, t·eils daß die Vorbeigehänden nicht ins Haus hinein sehen, t·eils hauptsächlich aber, daß der Regen nicht an die papiernen Fenster kommen kann.
In den Dörfern und kleinen Städten sind die Häuser auf den Seiten, besonders die Hinterseite, ebenfalls mit Schindeln, und zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz schmale und dünne hölzerne Leisten zusammen gehalten werden, und das Eindringen des Regens in der Wand verhüten.
Fenster sind in jedem Zimmer zwei oder mehrere.
Sie fangen beinahe unter der Decke an, und gehen bis auf eine Elle vom Fußboden hinab.
Sie bestehen aus leichten Rahmen, die man ausnehmen, einsetzen und in zwei, zu diesem Ende in den Querhölzern und Riegeln oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Einschnitten vor einander schieben kann.
Diese Rahmen sind durch Leisten oder Sprossen in kleine Parallelogramme, deren bisweilen an vierzig sind, eingeteilt.
Auf der auswendigen Seite sind diese kleinen Fächer, die gleichsam die einzelnen Fensterscheiben ausmachen, mit feinem weißen Papier überzogen, das selten oder niemals mit Öl getränkt wird, und zwar einen guten Teil des Tageslichts durchlä·ßt, aber alle Aussicht benimmt, weil man nicht durchsehen kann.
Gläserne Fenster werden nicht gebraucht, eben so wenig als man Perlenmutter oder Glimmer dazu nimmt.
Der Fußboden ist allezeit mit Matten bedeckt, die aus feinen Bin·sen ( Iuncus ) geflochten, mit Reißstroh ausgefüllt, drei bis vier Zoll dick und im ganzen Lande von einerlei Größe, nämlich ein Klafter lang und ein halbes Klafter breit, und an den beiden längeren Seiten mit dünnem, blauem oder schwarzem Bande eingefaßt sind.
Nur im Kaiserlichen Schlosse zu Jedo sah ich Matten, die größer als die gewöhnlichen waren.
In den Häusern der geringen Leute ist der vordere oder äußere Teil des Zimmers nicht mit Matten belegt, sondern dient zur Diele oder zum äußeren Vorzimmer, wo man die Schuhe absetzt; darauf folgt ein erhöh·ter Fußboden, der mit Matten bedeckt ist, das Wohnzimmer ausmacht, und durch Rahmwände in mehrere abgeteilt werden kann.
Inwendig im Hause werden so wohl die Wände als das Dach mit schönem dicken Papier überklebt, worauf mancherlei Blumen gedruckt sind.
Diese Tapeten sind grün, gelb oder weiß; bisweilen ist auch Silber und Gold darauf angebracht.
Der Leim, welchen sie dazu brauchen, besteht aus einem dünnen Brei von Reiße.
Da der Rauch des Winters die Tapeten sehr verdirbt, so klebt man alle drei bis fünf Jahr neue auf.
Die Häuser sind sehr geräumig, allein niemals mehr als zwei Stockwerke hoch, wovon aber gewöhnlich nur das untere bewohnt wird.
Im oberen wohnt selten jemand, sondern es wird als Boden, oder dergleichen gebraucht, um allerhand Sachen hinzusetzen oder zu verwahren.
Es ist auch gemeiniglich niedriger.
Die Häuser der Reichen und Vornehmen unterscheiden sich zwar durch Größe, Ansehen und Schönheit, sind aber doch nicht über zwei Etagen oder zehn Ellen hoch.
In den Häusern der Kaufleute und Handwerker macht der an der Straße liegende Vordert·eil gewöhnlich die Bude oder Werkstätte aus.
Darauf folgt die Küche und die Stuben für die Dienstboten.
Der nach dem Hofe gehende Teil ist eigentlich der, welcher bewohnt wird.
Die dicht an den Hof stoßenden Zimmer werden für die vornehmsten und bequemsten gehalten, weil sie von dem Geräusche und Lärmen auf der Straße am weit·sten entfernt sind; zugleich sind sie die schönsten.
Sie haben die Aussicht und auch eine Tür nach einem mit verschiedenen Bäumen, Büschen, Gewächsen und Blumentöpfen besetzten Hofe oder leeren Platze, der nach Umständen groß oder klein, auch wohl in der Mitte mit einem kleinen Berge geziert ist.
Aus diesen Ursachen werden die hintersten Zimmer allema·l den Fremden eingeräumt.
Sie waren es daher auch, wo wir auf der Reise und zu Jed·o logiert zu werden die Ehre hatten.
Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum Baden eingerichtetes, und mit den dazu nötigen Wannen und Gerätschaften versehenes Zimmer hat.
Es liegt gewöhnlich an der Seite des Hofes.
In besseren Häusern, wo besondere Zimmer für Fremde sind, ist dicht bei denselben eine kleine Bades·tube für diese befindlich, wo sie sich baden können, wenn sie Lust haben.
In derjenigen Abteilung des Hauses, welche die Küche vorstellt, ist kein anderer Herd, als ein großes viereckiges Loch, das im Fußboden, oft gerade in der Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der nämlichen Fläche mit den umher liegenden Matten, belegt ist.
Der Kohlenrauch macht das Haus schwarz, weil es keinen anderen Schornstein, als nur ein Loch im Dache hat; und die Nähe der Fußboden-Matten verursacht oft Schaden und Unglück, wenn die Leute sich mit dem Feuer nicht sehr in Acht nehmen.
Bei jedem Hause ist in einem kleinen abgesonderten Gebäude ein Abtritt befindlich.
Dieser besteht aber bloß aus einer im Fußboden angebrachten länglichen Öffnung, auf welche die Japaner sich setzen.
An der Wand ist eine Art Lade oder Kasten, der schräge herunter geht, unten ein Loch hat, und worin sie ihr Wasser abschlagen.
Nahe dabei findet man allezeit ein porzellanenes Geschirr mit Wasser, womit sie sich, wenn sie ihr Geschäft verrichtet haben, jedesmal die Hände waschen.
In verschiedenen Städten, zum Beispiel zu Jedo, ist bei jedem Hause auch ein steinernes Packhaus angelegt, das feuerfrei ist, und wo sie bei Feuersgefahr ihre Sachen hinbringen.
Die Häuser der Japaner haben, wie man schon aus dieser Beschreibung sehen kann, nicht das Ansehen, auch nicht die Bequemlichkeit als die Häuser der Europäer.
Die Zimmer sind nicht so hell und heiter, und im Winter nicht so warm.
Auch sind die Häuser selbst weder so sicher vor Feuer, noch so dauerhaft.
Da·ß sie sich so wohl von innen als von außen sehr schlecht ausnehmen, daran sind hauptsächlich die nur halb durchsichtigen papiernen Fenster Schuld.
Die öffentlichen Gebäude, als Tempel und Pal·äste, sind zwar größer und ansehnlicher, aber alle von einerlei Bauart.
Die mit verschiedenen, eine ganz eigene Gestalt habenden, Türmen gezierten Dächer machen ihre größte Schönheit aus.
Die Städte sind zum Teil sehr groß, zum Teil auch mit Wällen und Gräben umgeben, und mit einer Zitadelle und Türmen versehen, besonders wenn ein Fürst darin seine Hofhaltung hat; alle aber haben T·ore.
Der Umfang der Hauptstadt Jedo, welche an Größe der Stadt Peking den Vorzug beinahe streitig macht, wird zu ein und zwanzig Stunden Weges zu Fuß angegeben, welches ungef·ähr eben so viel Französische Meilen beträgt.
Doch ich erinnere mich, hiervon, und von anderem, was die Städte dieses Landes betrifft, in der Erzählung meiner Reise bereits Nachricht gegeben zu haben.
Eben dies gilt von den Dörfern, von welchen ich hier also nur noch zwei Bemerkungen nachholen will.
Sie unterscheiden sich von den Städten lediglich dadurch, da·ß sie offen sind, und nur eine einzige Straße haben.
Ihre Länge ist oft unglaublich.
Die meisten sind eine Viertelmeile lang.
Bei einigen gebraucht man gar mehrere Stunden Zeit, um zu Fuß hindurch zu kommen.
Manchmal liegen sie auch so nahe bei einander, daß nur eine Brücke, ein Fluß, oder der Nahme sie unterscheidet.
In den Dörfern steht der zu jedem Hause gehörige Abtritt allezeit an der Straße zur Seite des Wohnhauses.
Er ist unten offen, und unter demselben ist an der Straßenseite ein großes irdenes Geschirr in die Erde gegraben, wo jeder Vorbeigehände sein Wasser hinein lassen kann.
Der von diesem gesammelten Urin, dem was sonst im Abtritte sich sammelt, und auch von dem was aus der Küchengosse hinein fließt ( dies alles sammelt man hier zu Lande mit vieler Sorgfalt zum Düngen des Ackers ), entstehende Gestank ist des Sommers an heißen Tagen so stark und unausstehlich, daß kein Zustopfen der Nase und keine Wohlgerüche dagegen helfen.
Die Einwohner haben sich daran gewöhnt, aber er ist auch den Augen höchst schädlich.
Da·ß so viele, besonders alte Leute, mit roten, wunden und triefenden Augen geplagt sind, kommt hauptsächlich von den scharfen Ausdünstungen jener Sammlungen her.
Das gestehe ich inzwischen gern, daß dieser Gestank und die haushälterische Mühe und Sorgfalt, welche man anwendet, das alles aufs genaueste zusammen zu sammeln, durch den Ertrag des Ackers reichlich belohnt wird.
Camine und Stubenöfen kennt man im ganzen Lande nicht, obwohl die Kälte strenge ist, und die Einwohner nöt·igt, vom Oktober bis zum Ende des Märzes die Zimmer zu heizen.
Dies Heizen der Zimmer geschieht vermittels· kupferner Töpfe, von unterschiedlicher Größe, mit breitem überstehenden Rande, die unten mit Mörtel oder Asche angefüllt werden, worauf man gut gebrannte Kohlen legt, die man alsdann anzündet.
Den Topf stellt man entweder mitten ins Zimmer, oder an eine Seite, und die Japaner setzen sich um denselben her.
Weil die Wände nicht dicht sind, müssen sie mehrmals des Tages auf diese Art einhei·zen, oder auch das Kohlenfeuer den ganzen Tag über unterhalten.
Diese Art des Heizens führt aber mancherlei Unbequemlichkeiten mit sich.
Oft dunsten die Kohlen.
Von dem aufsteigenden Kohlendampfe wird das Zimmer sehr schwarz.
Den Augen schadet der Rauch auch.
So einfach die Bauart der Japaner ist, so einfach ist auch ihr Ameublement, oder vielmehr, sie haben gar keine Möbeln.
Ihre Zimmer und Häuser entbehren mithin auch des Ansehens und Schmucks, den hübsche Möbeln geben.
Aber auch die Leute selbst entbehren dadurch manche Bequemlichkeit.
Schränke, Kommoden, Bureaux, Sofa, Betten, Tische, Stühle, Uhren, Spiegel oder dergleichen findet man in keinem Zimmer.
Die meisten von diesen Dingen sind ihnen unbekannt.
Die weichen Strohmatten auf dem Fußboden dienen ihnen statt Betten und Stühle.
Eine weiche mit Baumwolle ausgestopfte Matratze wird über die Matte ausgebreitet, wenn sie schlafen gehen wollen.
Unter den Kopf legen sie ein längliches Stück lackiertes Holz.
Anstatt der Decke gebrauchen sie ihren weiten Talar.
Bei dieser Art zu schlafen kommt ihr Haar des Nachts nicht in Unordnung, und des Morgens sind sie in dem Augenblicke, da sie aufstehen, auch gekleidet; denn den weiten Rock können sie in einem Hui anziehen und zubinden.
Beim Sitzen sind ebenfalls die Matten und ihre Fersen ihr Stuhl.
Denn sie setzen sich auf die Matte nieder, und legen die Füße unter das Gesäß.
Hierdurch unterscheiden sie und die Chinese· sich von den meisten anderen Ost·indischen Völkern, die, wenn sie sitzen, die Beine und Füße kreuzweise vor sich liegen haben.
Beim Essen wird für jede Person ein kleiner viereckiger, eine halbe Elle langer und breiter, und vier Zoll hoher Tisch hinein gebracht und hingesetzt, auf welchem statt der Gabel ein kleines hölzernes Stift, oder keins liegt, und worauf von jedem Gerichte eine Portion in lackierten hölzernen Näpfen, die mit einem Deckel zugedeckt sind, befindlich ist.
Was sie von Schränken, Kisten, Laden, Koffern und dergleichen haben und gebrauchen, steht alles im Packhause oder in be- sonder·n Zimmern.
Bei ihrer Toilette brauchen sie kleine Schränke mit mehreren Schubladen.
Ein solcher Schrank ist eine halbe Elle lang und wenig über eine Viertel·elle hoch.
Unserem Ambassadeur wurde zu Jedo ein dergleichen Schrank, und zwar von so genannter alter Lackierung ( vieux Lacq ) zu Kauf gebracht.
Er war weit besser lackiert, als heute zu Tage geschieht, und die Blumen darauf waren sehr erhoben, welches sich ungemein schön ausnimmt.
Dergleichen Arbeit bekommt man jetzt selten zu sehen, noch seltener zu Kauf.
Aber jenes Stück ·erstehen hieß so viel als es mit Gold aufw·ägen.
Man forderte siebzig Kobang, das ist vier hundert und zwanzig Taler dafür.
So sehr es alle neuere Arbeit dieser Art hinter sich zurück ließ, dünkte mir doch der Unterschied des Preises zu groß.
Spiegel paradieren zwar nicht in den Zimmern, aber beim Nachttische werden sie allgemein gebraucht.
Allein die Japanischen Spiegel sind nicht von Glas, sondern werden aus Metall, und zwar einer Komposition von Kupfer und Zink, gegossen, und sehr gut poliert.
Man hat sie von sehr verschiedener Größe.
Ein solcher Spiegel wird auf einem schief herab gehenden hölzernen Gestelle befestigt, und das schöne Geschlecht kann seine Rei·ze darin vollkommen so gut, als in einem Europäischen gläsernen Spiegel, beschauen.
In den Häusern braucht man vielfältig Schirme, die vier Ellen hoch, und um der Bequemlichkeit Willen so eingerichtet sind, daß sie mehrere Ma·l zusammen geklappt werden können.
Man setzt sie vor die Schlafstellen, wenn mehrere in einem Zimmer schlafen; verdeckt damit im Zimmer, was nicht in die Augen fallen soll; teilt die Zimmer damit ab; setzt sie vor die Fenster, um die Zugluft abzuhalten; stellt sie des Winters um den Feuertopf, damit die Wärme mehr bei einander bleibe; und wozu man sonst Schirme gebraucht.
Man hat sie groß und klein.
Manche sind recht schön angemalt, oder mit bemaltem dickem Papier überzogen.
Meistens sind sie aus sechs besonderen Rahmen zusammen gesetzt, deren jeder eine Elle breit ist.
Vierter Abschnitt.
Die Japanische Kleidertracht verdient mehr, als die in irgend einem Lande, den Namen einer National-Kleidung.
Sie unterscheidet sich nicht allein von der Tracht aller übrigen Völker und Menschen, sondern ist auch eine und dieselbe bei allen Einwohnern, vom Monarchen bis zum geringsten Untert·an; gleich bei beiden Geschlechtern; und, welches fast alle Glaubwürdigkeit übersteigt, seit dritthalb tausend Jahren ganz unverändert.
Der Hauptanzug ist durchgängig bei allen und jeden Japanern, von jeglichem Stand, Geschlecht und Alter, ein langer und weiter Talar, der unseren Schlafröcken ähnlich ist.
( Die Holländer nennen ihn auch einen Schlafrock ).
Die Vornehmen und Reichen tragen ihn vom feinsten seidenen, die Armen und Geringen von baumwollenem Zeuge.
Beim weiblichen Geschlecht· reicht er bis auf die Füße, beim männlichen nur bis auf die Fersen.
Zu Fuß Reisende, das Militär, und Arbeitsleute schürzen ihn entweder auf, oder tragen ihn so kurz, daß er nicht weiter als an die Knie geht, um bequemer gehen, ihren Dienst verrichten und arbeiten zu können.
Die Mann·spersonen nehmen gemeiniglich einfarbiges Zeug dazu, die Frauenspersonen geblümtes, und nicht selten mit hinein gewirkten goldenen Blumen.
Im Sommer trägt man diese Röcke entweder ungefüttert, oder bloß mit dünnem Unterfutter; des Winters, um der Kälte Willen, mit baumwollenen oder seidenen Watten ganz dicht ausgestopft.
Die Mann·spersonen ziehen selten viele über einander; die Frauenspersonen aber haben oft dreißig bis fünfzig, ja wohl noch mehr zugleich an, immer einer über den anderen, jedoch alle so dünn, daß sie zusammen kaum vier bis fünf Pfund wiegen.
Das unterste dieser Gewänder vertritt die Stelle des Hemdes, und ist deswegen entweder weiß oder bläulich, gewöhnlich dünn und durchsichtig.
Sie alle werden rund um den Leib, und zwar um die Weichen, mit einem Gürtel befestigt, der beim männlichen Geschlecht ungef·ähr eine Hand, beim weiblichen hingegen beinahe eine halbe Elle breit ist, und solche Länge hat, daß er wenigstens zweimal um den Leib geht, und in einen Knoten mit großen Schleifen bequem zusammen geknüpft werden kann.
Der Knoten mit der Schleife ist, zuma·l beim Frauenzimmer, von ansehnlicher Größe, und man kann zugleich daran sehen, ob eine Frauensperson verheiratet oder unverheiratet ist; denn bei diesen sitzt er hinten auf dem Rücken, bei jenen aber vorn vor dem Leibe.
In diesen Gürtel stecken die Mannspersonen den Säbel, den Fächer, die Tobakspfeife, den Tobaksbeutel und die Arzneidose.
Am Halse ist der Habit allezeit rund ausgeschnitten, ohne Kragen, und vorn offen, so daß der Hals bloß ist, mit dem sie auch beständig bloß gehen, ohne je ein Halstuch oder dergleichen zu gebrauchen.
Die Ärmel sind sehr unförmlich und über alle Maße weit, die Weite beträgt eine halbe Elle.
Vorn bei der Öffnung sind sie zur Hälfte zusammen genäht, so daß sie unterwärts einen Beutel formieren, der ihnen statt einer Tasche dient, Papier und andere Sachen, die nicht schwer sind, hinein zu stecken, und wo sie auch bei kaltem Wetter die Hände hinein stecken.
Vorzüglich sind sie bei jungen Mädchen lang, bei denen sie oft bis auf die Erde hängen.
So ohne Unterschied allgemein diese Tracht im ganzen ist, findet doch, in Rücksicht auf Geschlecht, Alter, Stand und Lebensart, einige, wiewohl nicht beträchtliche, Verschiedenheit dabei Stadt.
Geringe Leute, Arbeiter, Fischer, Matrosen und dergleichen sieht man oft, wenn sie ihre Arbeit verrichten, ganz oder halb nackt.
Im ersteren Falle haben sie weiter nichts als einen Gürtel um den Leib, der die Geschlechtsteile einschließt und bedeckt, von da zwischen den Beinen hindurch nach hinten geht, und auf dem Rücken fest gemacht wird.
Die Mannspersonen von besserem Stande tragen, wenn sie ausgehen, außer diesen langen Talaren, auch noch ein kurzes Obergewand und eine Art Beinkleider.
Jenes ziehen sie über die langen Talare.
Am Halse und an den Armen ist es eben so zugeschnitten und gemacht, als diese.
Es reicht aber bloß bis auf den Unterleib, und hier wird es nicht mit einem Gürtel, sondern vorn und oberwärts mit einem Bande zusammen gebunden.
Das Zeug dazu ist so dünn, als Flor, und gewöhnlich von schwarzer, bisweilen von grüner Farbe.
Wenn sie zu Hause kommen, wie auch in ihren Amtszimmern, wenn keine Vorge·setzte oder höhere Beamte zugegen sind, nehmen sie diesen Oberhabit ab, und legen ihn nett zusammen.
Die Hosen sind von einer eigenen Art Zeug, das weder von Seide noch Baumwolle, sondern von einer Gattung Hanf gemacht wird, und zwar fein und dünn, aber zugleich sehr dicht ist.
Sie haben mehr Ähnlichkeit mit einem Frauenzimmer-Rocke als mit Manns-Beinkleidern.
Unten bei den Füßen an der inwendigen Seite sind sie zusammen genäht, aber an bei····den Seiten, zwei Drittteil ihrer ganzen Länge, offen gelassen.
Sie reichen ganz bis an die Knöchel, und oben bis an die Weichen, wo sie mit einem Bande, das so wohl von vorne als von hinten um den Leib gewickelt wird, befestigt werden.
An dem Hinterteile dieser so genannten Beinkleider ist ein dreieckiges dünnes Brettchen, kaum eine Vierte·lelle lang, und mit eben dem Zeuge überzogen, eingenäh·t, das über dem gedachten Bande am Rücken hinauf steht.
Sie sind von Farbe entweder braun gestreift oder grün, bisweilen auch wohl schwarz.
Einige sah ich auch von Sukkotas, einem Bengalischen Zeuge.
Unterhosen unmittelbar am Körper werden selten anders als auf Reisen, und vom Militär gebraucht.
Auch haben die Japaner eine Art festlichen Kleides, daß sie Kompliment-Kleid nennen.
Dies wird aber bloß bei solennen Gelegenheiten gebraucht, wenn die Subordinierten ihren höheren Vorgesetzten aufwarten, oder wenn man bei Hofe erscheint.
Es wird über die gewöhnlichen weiten Talare angelegt, und besteht aus zwei, von einerlei Art Zeug verfertigten Stücken.
Das untere Stück sind die eben beschriebenen langen Hosen, die aber alsdann gemeiniglich von blauem Zeuge mit gedruckten weißen Blumen sind.
Das obere, welches hauptsächlich das Eigene dieses Oberkleides ausmacht, ist ein Wam·s oder eine Jacke, die dem oben beschriebenen kurzen Obergewande nicht sehr unähnlich ist, und mit unseren Schifferwämsen vergl·ichen werden kann, aber hinten über den Schultern zu beiden Seiten weit hervor steht, so daß der Japaner darin ein gar breits·chultriges Ansehen hat.
Alle diese Kleidungsstücke, die Beinkleider ausgenommen, die von Hanfleinwand sind, bestehen t·eils aus seidenem, t·eils aus baumwollenem Zeuge, t·eils aus einer Art Leinwand, die aus einigen Gattungen Nessel verfertigt wird.
Die Vornehmen tragen die feinsten seidenen Zeuge, die an Feinheit und Dünne alles übertreffen, was Europa und das übrige Indien aufzuweisen haben.
Die Holländer würden diese Stoffe ohne Zweifel auch kaufen und nach Europa schicken, wenn sie nicht so sehr schmal, folglich zu Europäischen Kleidungsstücken unbrauchbar wären; nur wenige sind eine halbe Elle breit.
Die geringen Leute nehmen baumwollenes Zeug, das hier zu Lande in der größten Menge verfertigt und wohlfeil verkauft wird.
Bisweilen, wiewohl nur als eine gar ungemeine Seltenheit, machen die Japaner eine Art Zeug aus der Rinde des Papier-Maulbeerbaums ( Morus papyrifera ), ( der nämliche Baum, woraus sie ihr Papier machen ), das entweder auf dieselbe Art als Papier verfertigt, oder auch gesponnen und gewebt wird.
Dies letztere ist ganz schneeweiß, sehr fein, sieht wie baumwollenes Zeug aus, und wird dann und wann von den Damen zur Kleidung gebraucht, aber nur zum Staat als etwas sehr rares.
Stark ist es eben nicht; gewaschen kann es zwar werden, aber das muß mit vieler Behutsamkeit geschehen.
Das Garn dazu wird aus den Fäden oder Fasern der Rinde gesponnen.
Die erstere Art ist wirklich eine Art dicken Papiers, bräunlich, und entweder mit einzelnen schmalen dunklen Streifen, oder mit Blumen bedruckt.
Es ist auch selten.
Mehrere Stücke, etwas über eine halbe Elle lang und breit, werden sehr sauber zusammen geklebt und Talare daraus gemacht.
Es wird aber nur von sehr bejahrten Männern als eine Art Ehrenkleid getragen, und zwar bloß im Winter, da man nicht schwitzt, und auswendig über einem oder zwei anderen Talaren.
Für jüngere Personen ist der Gebrauch verboten.
Stark ist diese Gattung Zeug auch nicht.
Von dieser Tracht der Japaner kann man überhaupt rühmen, da·ß sie sehr weit, und mit dem Unterfutter auch sehr warm ist; da·ß man sie sehr geschwind aus: und anziehen kann: sich auszukleiden, braucht es nichts weiter, als den Gürtel aufzulösen und die Arme einzuziehen, da fällt der ganze Anzug von selbst nieder; da·ß sie kein Gliedmaß, keinen Teil des Körpers zwingt, spannt oder drückt; kurz, da·ß sie unbeschreiblich bequem ist; da·ß jeder Anzug beinahe jedem pa·ßt; da·ß beim Machen fast gar nichts vom Zeuge abfällt und verloren geht; da·ß die Verfertigung weder viel Kunst noch viel Arbeit erfordert.
Dagegen hat sie aber auch das Unangenehme und Schlimme, daß sie beim Gehen, auf Reisen, wenn der Wind wehet, bei schlimmen Wetter, und bei den meisten Arbeiten und Verrichtungen unbequem und hinderlich ist.
Da die Kleider bis auf die Füße reichen, folglich die Beine hinlänglich warm halten, so gebrauchen die Japaner keine Strümpfe.
Geringe Leute, wenn sie zu Fuß weite Wege gehen oder reisen, auch die Soldaten, deren Kleidung nicht so lang ist, tragen baumwollene Stiefel·etten oder Gamaschen.
Zu Nagasaki und in den umliegenden Gegenden gehen verschiedene Leute während der größten Winterkälte mit Socken von Hanf mit Sohlen von baumwollenem Zeuge, um die Füße vor Erfrierung zu schützen.
Diese binden sie um die Knöchel fest.
Für die große Zehe nähen sie ein besonderes Stück ab, um die gewöhnlichen Schuhe überziehen zu können; jener steckt alsdann in seinem eigenen, zur übrigen Socke gehörigen Futterale.
Die Schuhe, oder richtiger Pantoffeln, sind von dem ganzen Anzuge der Japaner das unansehnlichste und elendeste, und doch werden sie von jedermann, Armen und Reichen, Hohen und Niedrigen getragen.
Gewöhnlich sind sie von Reißs·troh, für die Vornehmen auch wohl von fein zersplittertem dünnen Rohr, geflochten.
Man kann sich leicht vorstellen, daß sie gar nicht stark sind.
Sie bestehen bloß aus einer Sohle, ohne Oberleder und Hinterteil.
Vorn geht ein Bügel quer überhehr, der mit Leinwand gefuttert, und einen Finger dick ist.
Von der Spitze des Schuhes bis zu diesem Bügel geht ein rundes Band, das zwischen der großen und zweiten Zehe zu sitzen kommt, und den Schuh am Fuße fest hält.
Da die Schuhe ohne Hinterteile sind, klappen sie, wenn man geht, wie Pantoffeln.
Auf Reisen, oder wenn sie sonst weite Wege zu gehen haben, machen sie drei, von Stroh gewundene, Bänder daran, womit sie sie an den Füßen und Beinen fest binden, damit sie nicht abfallen.
Damit diese Bänder den Rest oder Oberteil des Fußes nicht scheuern mögen, legen sie auch wohl einen Lappen Leinwand darunter.
Manche nehmen auf Reisen ein oder mehrere Paar Schuhe mit, um neue anziehen zu können, wenn die anderen abgenutzt sind.
Sonst findet man in allen Städten und Dörfern Schuhe die Menge und für wohlfeilen Preis zu Kauf, besonders unglaublich viele in solchen, selbst den kleinsten, wo die Landstraßen durchgehen.
Man kauft das Paar für einige Kupferpfennige ( Seni ).
Wenn es regnet oder der Weg kot·ig ist, werden diese Schuhe nicht nur bald durchnä·ßt, und verursachen nasse Füße, sondern nutzen sich auch sehr geschwind ab.
Man sieht daher am Wege eine Menge unbrauchbar gewordene und von Reisenden abgelegte Schuhe liegen, besonders an Bächen, wo sie sich beim Umziehen die Füße waschen konnten.
Bei Regen und schmutzigem Wetter tragen die geringen Leute, um, ohne daß die Füße unrein werden, gehen zu können, statt dieser hölzerne Schuhe oder Halschen, die aus einem hohen Stück Holz bestehen, das unten in der Mitte ausgehöhlt, und oben mit einem Bügel und einem Bande für die großen Zehe versehen ist.
Einige brauchen diese Halschen auch wie Kalaschen oder Oberschuhe; sie befestigen nämlich die gewöhnlichen strohernen Schuhe in denselben; und treten so hinein.
Im Hause geht der Japaner nie mit Schuhen, sondern allezeit barfuß, um die hübschen Fußboden-Matten nicht unrein zu machen.
Wenn er ins Haus kommt, tritt er seine Schuhe aus, und setzt sie auf die Diele, oder auf eine bei der Haustür stehende Bank, lä·ßt sie sich auch wohl von einem Bedienten oder Mädchen abnehmen.
Die Holländer tragen ebenfalls, so lange sie in Japan sind, da sie bisweilen bei Japanern Besuch abzulegen haben, auch ihre eigenen Zimmer auf der Faktorei mit solchen Matten belegt sind, keine Europäische Schuhe, sondern an ihrer Stelle rot·e, gr·üne oder schwarze Pantoffeln, die sie beim Eintritte ins Haus ablegen können.
Strümpfe tragen sie aber doch, und über dieselben baumwollene Schuhe mit Schnallen, die in Japan gemacht werden, und so oft es nöt·ig ist, gewaschen werden können.
Um das Waschen nicht nöt·ig zu haben, lassen einige sie sich von Atlas machen.
Die Art das Haar zu tragen ist bei diesem Volke eben so sehr von der Sitte anderer Völker unterschieden, und zugleich bei allen fast ohne Ausnahme gleich, als der Anzug.
Die Mannspersonen scheren den Kopf vorn von der Stirn bis hinten in den Nacken, doch so, daß sie bei den Schläfen und im Nacken etwas Haar sitzen lassen.
Diese wenigen Haare schmieren sie stark mit Öl, streichen sie am Kopfe hinauf, und binden sie oben auf dem Kopfe mit einem mehrmals umgewundenen weißen papiernen Faden zusammen.
Oberhalb dieses Gebindes oder Wulstes lassen sie sie einen Finger lang stehen; das übrige schneiden sie gerade ab, kleben es mit Öl wohl zusammen, und krümmen es so, daß die Spitze dieses kurzen Zopfs gegen die Scheitel zu stehen kommt, wo sie es mit dem nämlichen Faden in dieser Lage einmal umbinden und befestigen.
Diese Frisur nehmen sie sorgfältig in Acht, und damit die wieder wachsenden Haarstumpfen ihren kahlen Kopf nicht verunstalten mögen, scheren sie sie alle zwei Tage von neuem ab.
Priester und Ärzte, auch die Knaben, ehe sie mannbar werden, sind die einzigen, welche hierin eine Ausnahme machen.
Die Ärzte und Priester scheren den ganzen Kopf und gehen ganz kahl, wodurch sie denn freilich sich von allen anderen Ständen unterscheiden.
Die Knaben hingegen lassen alles Haar wachsen, bis die Zeit kommt, da sie sich scheren müssen, nämlich wenn der Bart anfängt sich zu zeigen. --
Das weibliche Geschlecht behält das Haar ebenfalls, und zwar beständig.
Nur Gesch·iedene Frauen scheren es ab, die dann mit ihrem kahlen Kopfe gar hä·ßlich aussehen.
Die Frauenspersonen streichen das Haar, mit Öl und schleimigen Sachen stark durchgeschmiert und glatt gemacht, von allen Seiten dicht am Kopfe in die Höhe, und zwar entweder ganz nett und einfach, oder auf den Seiten gleichsam wie Flügel ausgezogen.
Darauf binden sie die Enden mitten auf dem Kopfe um einen Knoten fest, beinahe eben so, als die Bauerdirnen in Schweden.
Durch die Seitenflügel unterscheiden sich an machen Orten die Unverheirat·eten von den verheirat·eten.
Vorn vor jenem Haarwulste stecken sie einen breiten Kamm ein, der bei geringen Leuten von Holz, bei den Reichen von Schildkröten·schale gemacht ist.
Die Reichen brauchen außerdem verschiedene andere Zier·at·en von Schildkrötenschal·e, die sie durch den Wulst hindurch stecken, tragen auch einige wenige Blumen im Haare, und dies macht ihren ganzen Kopfschmuck aus, ohne daß sie Perlen und Juwelen gebrauchen.
Ihre Ohren mit Ringen und anderem Gehänge zu schmücken, so eitel sind sie noch nicht.
Den Kopf bedecken die Japaner niemals, weder mit Hüten noch Mützen, weder gegen die Kälte, noch gegen die Sonnenhitze.
Nur auf Reisen gebrauchen sie einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binsen kegelförmig geflochten ist, und mit einem Bande unter dem Kinne fest gebunden wird.
Ein solcher Hut ist sehr dünn und leicht.
Auch die Fischer brauchen dergleichen.
Verschiedene reisende Frauenspersonen, die uns unterweg·s begegneten, hatten Mützen auf, die wie tiefe Suppenschalen aussahen, von Zeug, das mit Gold durchwirkt war, gemacht, und über den Kopf gestülpt waren.
An einigen Orten trägt das weibliche Geschlecht im Winter gegen die Kälte eine gar besondere Art Mützen, die den Kopf vorn bedecken, an beiden Seiten ausstehen und unterm Kinne zugebunden werden.
Sie werden von weißen seidenen Watten verfertigt, mit Kleister bestrichen und ganz glatt gemacht.
Ich habe aber nicht finden können, wie sie im Stande sind zu wärmen.
Durchgängig bedient man sich eines Sonnen- und Regenschirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Sonnenstrahlen und den Regen zu schützen.
Auf Reisen, so wohl zu Fuß, als zu Pferde, gebraucht man auch häufig einen Regenmantel.
Dieser ist weit und kurz, von dickem, durch Ö·l gezogenem Papier, und von derselben Gestalt, als der Talar.
Dergleichen Mäntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn sie mit ihren Herren reisen; und ich und meine Gefährten mu·ßten auf unserer Jedoer Reise unseren Aufwärtern, als wir durch den Ort kamen, wo sie verfertigt werden, mit solchen auch ein Geschenk machen.
Sie halten allen Regen ab, und sind unglaublich leicht, werden auch nicht, wie die Europäischen Mäntel· und Oberröcke, vom Regen schwerer.
Geringe Leute, die sich einen solchen Mantel nicht anschaffen können, hängen eine stroherne Matte über den Rücken, die entweder glatt, oder aus wendig von den hervor stehenden und herunter hangenden Enden Stroh rauh sind.
Auf ein oder mehrere Kleidungsstücke, besonders auf das Obergewand, lä·ßt der Japaner allezeit sein Wappen setzen.
Es wird entweder auf den Ärmeln oder zwischen den Schultern angebracht.
Die Absicht hierbei ist, damit niemand sie stehlen oder umtauschen möge, welches sonst sehr leicht würde geschehen können, da die Kleidung an Zeug, Gestalt und Größe sich so gleich ist.
Wenn man eine Menge Leute beisammen sieht, fallen diese Wappen auf den Kleidern gar sonderbar in die Augen.
Stadt der Schnupftücher brauchen die Japaner allezeit ein Stück feines, weiches Schreibpapier, das sie zu dem Ende immer bei sich tragen.
Dieses Papiers bedienen sie sich auch, den Mund, die Finger, und den Schweiß, im Gesichte, unter den Armen und am Leibe, abzuwischen.
Fächer gebraucht man hier zu Lande allgemein.
Jedermann hat beständig einen Fächer bei sich.
Man steckt ihn auf der linken Seite in den Gürtel, und zwar hinter den Säbel, so daß das offene Ende oben heraus steht.
Man kühlt sich damit, wenn man heiß wird; und wenn man im Sonnen·schein ausgeht, hält man ihn vor die Sonne.
Man zeichnet auch wohl dies oder jenes auf dem Fächer, wie in einer Schreibtafel, an.
Oft haben sie, wenn sie reisen, ihre ganze Reise-Route darauf stehen.
Das unverheiratete Frauenzimmer schminkt sich auch wohl.
Vorzüglich tun es die Mädchen in den öffentlichen Häusern zur Erhöhung ihrer Reize.
Sie gebrauchen dazu eine rote Farbe, die Bing heißt, und in kleinen runden porzellanenen Schälchen verwahrt wird.
Sie schminken aber nicht, wie das schöne Geschlecht in Europa, die Wangen, sondern die Lippen.
Ist die Farbe sehr dünn, so werden die Lippen rot·; wird sie aber dick aufgetragen, so werden sie violett, und das wird hier für eine größere Schönheit gehalten.
Ich untersuchte die Schminke, und fand, daß sie aus der gewöhnlichen Saflorblume ( Carthamus tinctorius ) präpariert wird.
Das verehelichte Frauenzimmer unterscheidet sich hauptsächlich durch die schwarzen Zähne.
Sie wenden viel Mühe an, und halten manchmal viel aus, um sie schwarz zu färben, und diese Schönheit -- denn dafür gelten hier die schwarzen Zähne, und zwar sehr -- vor den unverheirateten voraus zu haben.
Ich gestehe aber gern, daß mir ein weiter Mund mit schwarzen, glänzenden Zähnen, gar hä·ßlich und widrig erschien.
Die Schwärze, welcher sie sich dazu bedienen, heißt Obaguro oder Kanne, und wird aus Urin, Eisenfeilspänen und Sak·e bereitet.
Sie ist stinkend und fressend.
Sie fri·ßt sich so stark in die Zähne hinein, daß sie in Zeit von mehreren Tagen nur mit Mühe abgeschabt und abgewaschen werden kann.
Zahnfleisch und Lippen müssen während des Bestreichens sorgfältig bedeckt werden, sofern sie nicht ganz blau davon werden sollen.
Einige machen von diesem Schmuck schon Gebrauch, so bald sie Freier bekommen oder Verlobung halten.
Noch ein anderes Unterscheidungszeichen der Frauen, das sie noch ärger entstellt, als jenes, besteht darin, daß sie alle Haare aus den Augenbraunen ausgezogen haben.
Man kann nicht glauben, wie sehr hierdurch selbst das schönste Gesicht verliert.
Fünfter Abschnitt.
Münzen und Gewicht.
Das Japanische Gewicht ist so eingeteilt, daß ein Pickel 125 Pfund, ein Katje 16 T·eil, ein T·eil 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn macht.
Das Geld wird im Handel und Wandel auf eben die Art gerechnet, so daß ein Teil··, der ungefähr einem Holländischen T·aler gleich kommt, 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn enthält.
Man rechnet aber im gemeinen Leben nicht nach Teil, sondern nach Mas, und sagt statt 1 Teil, 10 Mas; statt 10 Teil, 100 Mas; statt 100 Teil, 1000 Mas, und so weiter.
Diese Art, das Geld zu berechnen, ist der Schwedischen Rechnung nach T·alern Silbermünze und T·alern Kupfermünze; die andere nach T·eil, unserer Rechnung nach Reichstalern und Scheidemünze, ähnlich.
Repräsentierendes oder Papiergeld kennt man in Japan gar nicht.
Man hat nur bare klingende Münze, welche die Regierung schlagen und den Wert darauf setzen lä·ßt.
Das Silbergeld ist aber, wenn es zu gleichem Wert geprägt ist, doch an Größe und Schwere nicht immer gleich.
Die Kaufleute wagen es daher allezeit, ehe sie es annehmen.
Die Münzen sind von Gold, Silber, Kupfer und Eisen.
Ich bediente mich nicht nur der Gelegenheit, von allen jetzt gangbaren und gewöhnlichen Münzsorten einige Stücke mitzunehmen, sondern es gelang mir auch, durch die Dolmetscher und Ärzte mir alle alte· und seltene Sorten zu verschaffen.
Zu den gangbarsten Arten, und zwar den goldenen, gehören zuvörderst die neuen Kobang.
Dies sind längliche, an beiden Enden geründete und platt geschlagene Goldstücke, ungefähr zwei Zoll lang, etwas über einen Zoll breit, und nicht viel dicker als ein Schwedischer oder Deutscher Kupferpfennig.
Von Farbe sind sie hellgelb.
Auf der einen Seite sind sie mit eingeprägten abgebrochenen Querstrichen, und an beiden Enden mit der Figur der kleineren viereckigen Münze, die den Na·men Itjib führt, und die ich so gleich beschreiben werde, bezeichnet.
Auf der anderen Seite sieht man in der Mitte einen zirkelrunden Stempel mit erhobenen Buchstaben, und an dem einen Ende zwei dergleichen kleinere, die auf jedem Stücke verschieden sind.
Diese Münze gilt 60 Mas oder 6 T·aler.
Die eben gedachte kleinere goldene Münze, Itjib, nennen die Holländer Boontjes ( Bohnen ).
Sie ist von bl·assem Golde, länglich viereckig und flach, etwas dicker als ein Kupferpfennig.
Das Gepräge besteht auf einer Seite aus vielen erhobenen Buchstaben, und auf der anderen aus zwei erhobenen Blumen und einer mondförmigen Figur.
Ihr Wert ist 5 Mas oder ¼ Kobang.
Unter den Silb·ermünzen bemerke ich zuerst den Nandio Gin.
Er ist ebenfalls länglich viereckig, von der Dicke eines Spezies-T·alers einen Zoll lang und einen Zoll breit, von feinem Silber.
In den Rand selbst sind Sternchen eingedruckt, und um den Rand herum geht eine Reihe erhobener Punkte.
Die eine Seite ist überall mit erhobenen Buchstaben bezeichnet, von der anderen ist die untere und zugleich größere Hälfte mit erhobenen Buchstaben angefüllt: auch zeigt sie eine doppelte mondförmige Figur.
Diese Münze ist nur auf der Insel Nippon, besonders in den Hauptstädten des Reichs, Gänge.
Die im Handel und Wandel allgemein gebräuchlichen Sorten sind die Itagame und Kodama.
Dies sind unförmliche Silberklumpen von sehr verschiedener Größe, Gestalt und Wert.
Die ersteren unterscheiden sich jedoch von den letzteren dadurch, daß jene länglich, und diese rundlich, gewöhnlich dick, selten flach, sind.
Von Farbe sehen sie wie Blei aus.
Sie sind mit Buchstaben, aber auf mancherlei Art, bezeichnet.
Auf einigen sieht man das Bild des Gottes des Reicht·ums, und diese heißen Daikokvs ganne.
Diese nebst den übrigen Japanischen Münzen habe ich in einer, in der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, im Jahr 1779 gehaltenen Rede ausführlicher beschrieben, wo auch Abbildungen davon beigefügt sind.
Seni nennen die Japaner ihre kupfernen, messingnen und eisernen Münzen.
Man kann sie mit Europäisch·en Kupferpfennigen vergleichen.
Sie sind aber ungleich an Größe, Wert und Ansehen.
Darin kommen sie jedoch überein, daß sie alle gegossen, in der Mitte mit einem viereckigen Loche, wodurch man sie auf eine Schnur reihen kann, versehen sind, und einen breiten Rand haben.
Die Sjumon Seni gelten 10 gewöhnliche Seni, oder ½ Mas, fangen aber schon an selten zu werden.
Die Simonie Seni gelten 4 gewöhnliche Seni, sind von Messing, beinahe so groß als ein acht gute Groschen-Stück, aber dünn, und bloß auf der Insel Nippon gebe; sie zeichnen sich durch ihre gelbe Farbe und die auf der unteren Seite befindlichen erhobenen Bogen aus.
Die gewöhnlichen Seni sind von der Größe eines Pfennigs, und von rotem Kupfer; 60 machen 1 Mas.
Die Doosa Seni sind von Eisen gegossen, so groß und von gleichem Wert, als die vorher gehenden, sehen auch eben so aus, sind aber so spröde, daß sie leicht zerbrechen oder entzwei fallen.
Nahe bei der Stadt Nagasaki ist eine Münze, wo dergleichen gegossen werden.
Jetzt komme ich zu den ehemals gangbaren, heutiges Tages seltenen Arten.
Die alten Kobang sind von feinem Golde, brandgelb von Farbe, und etwas breiter als die neuen, übrigens mit diesen von einerlei Gepräge.
Sie gelten 10 T··eil oder ungefähr 10 Taler.
Die alten Itjib sind etwas länger, breiter und dicker als die jetzt gebräuchlichen, von blassem Golde, und gelten 22 Mas, 5 Konderyn.
Es gibt auch kleinere, die ungemein rar sind; diese sind kürzer, schmaler und dünner, als die gewöhnlichen, auch von höherer Farbe, und sind 11 Mas, 2 Konderyn, 2 Kassie wert.
Kosju kein, Kosju bang oder Kosju Itjib, Nisin und Sunak sind Namen kleiner goldener, an Größe, Gestalt und Wert· sehr ungleicher Münzen.
Sie sollen ehemals in der Landschaft Kosju geschlagen, und davon benannt sein.
Sie sind von sehr hellgelbem Golde, platt, auf beiden Seiten mit Stempeln, auf der einen mit zweien, auf der anderen mit vieren, versehen.
Ich erhielt davon vier runde und ein viereckiges Stück, die alle das mit einander gemein haben, daß der obere Stempel auf der einen Seite, und die beiden zur Rechten auf der anderen gleich sind.
Der untere Stempel auf der einen, und die beiden zur Linken auf der anderen Seite hingegen sind verschieden.
Die runden sind inwendig um den Rande mit erhobenen Punkten bezeichnet.
Ihr Wert ist von 2 bis 12 Mas.
Unter den silbernen bemerke ich die Geomom· Gin.
Diese sind länglich viereckig, beinahe zwei Zoll lang und halb so breit, von der Dicke eines Spezies-T·alers, von grobem Silber, und haben abgestumpfte Ecken.
Auf dem Rande sieht man verschiedene Sternchen eingedruckt, inwendig um denselben auf beiden Seiten eine schmale Vertiefung.
Auf beiden Seiten befindet sich in der unteren größeren Hälfte eine Erhöhung, die so aussieht, als wenn ein Nandiogin hinein gelegt wäre, und worauf man einen großen Stempel mit erhobenen Buchstaben erblickt.
Die andere kleinere Hälfte ist auf einer Seite ohne alles Gepräge; auf der anderen zeigt sie zwei Reihen Punkte, zwei gerade Querstriche, und zwischen denselben ein geschlungenes Band, alles erhoben.
Diese Münze wird auf 5 Ma·s geschätzt, und soll vor diesem in den Hauptstädten Gänge gewesen sein.
Sechster Abschnitt.
Zeitrechnung und Feste.
Das Jahr teilen die Japaner nach dem Lauf des Mondes ein.
Einige Jahre bestehen daher aus zwölf, andere aus dreizehn Monaten.
Das neue Jahr fängt entweder im Februar oder im März; ihre Zeitrechnung aber mit dem Jahr 660 vor Christi Geburt, an.
Die zwölf himmlischen Zeichen haben sie auch, aber unter anderen Namen, als die Europäer.
Sie heißen bei ihnen, wie folget:
1. Eine, Ratze.
4. Au, Hase.
5. Tat·_es, Drache.
8. Titsuse, Widder. 9. Saar, Affe. 10. Torri, Hahn.
11. In, Hund. 12. J, Bär.
Von diesen himmlischen Zeichen werden gewisse Jahre benannt.
Die Monat·e kommen des ungleichen Mondeslaufs wegen, mit den unsrigen niemals vollkommen überein.
Sie haben ihre eigenen Namen, und zwar von ihrer Zahl.
Da die Holländer während ihres hiesigen Aufenthalts sich so wohl nach dem Europäischen, als nach dem Japanischen Kalender zu richten genöt·igt sind, müssen sie sich jährlich einen aus beiden zusammen gesetzten Kalender aufsetzen, der das Verhältnis beider Zeitrechnungen darstellt.
Hier ist ein ganz kurzer Auszug aus einem solchen Kalender, woraus man zugleich die Namen der Monat·e sehen kann.
Die Monat·e werden demnach so gezählt: der erste, der zweite, der dritte, und so weiter bis den zwölften, und die Jahre haben nicht gleich viele Tage.
Das zweite oder dritte Jahr ist allezeit ein Schaltjahr, deren in neunzehn Jahren sieben einfallen.
Wochen haben die Japaner nicht, sondern der Erste und Fünfzehnte in jedem Monat·e sind Ruhetage.
An diesen Tagen arbeitet kein Handwerksmann; selbst die öffentlichen Dirnen kaufen sich an denselben frei, und halten es für einen großen Schimpf, wenn sie alsdann genöt·igt werden, Mannspersonen anzunehmen.
Tag und Nacht werden nur in zwölf Stunden abgeteilt.
Hierbei richten sie sich das ganze Jahr hindurch nach dem Auf- und Untergange der Sonne.
Wenn die Sonne aufgeht, zählen sie sechs Uhr, und wenn sie untergeht, ebenfalls 6. Mitternacht und Mittag ist allezeit 9 Uhr.
Die Zeit wird nicht mit Uhren oder Stundengläsern, sondern mit brennenden Lunten abgemessen, die wie Stricke gedreht, und in einem bestimmten, durchgängig gleichen Abstande, mit Knoten versehen sind.
Die Zeit, da eine solche Lunte von einem Knoten zum anderen wegbrennt, zeigt eine gewisse Zeit an.
Ist sie nun bis zu einem Knoten weggebrannt, so wird es bei Tage mit gewissen Schlägen an den Glocken auf den Türmen ihrer Tempel, des Nachts aber durch Zusammenschlagen zweier Hölzer von den herum gehenden Nachtwächtern, angezeigt.
Man bedient sich aber auch wohl noch einer anderen, gar besonderen Methode.
Man füllt eine Lade, die eine halbe Elle lang, und ungefähr halb so breit ist, mit Asche an; macht in die Asche feine Reifen, oder Kanäle, von einem Ende zum anderen und so wieder zurück in mehreren Windungen.
In diese ganz durch fortlaufenden Furchen streuet man feines Pulver von der Rinde des Skimmibaums ( anisartiges Illicium, Illicium anisatum ), und macht Abteilungen für die Stunden.
Der Deckel wird fest zugemacht, aber ein kleines Loch gelassen, wodurch die Luft einziehen kann, um das Feuer zu unterhalten.
Darauf wird das Pulver angezündet, das langsam und sich immer gleich wegbrennt.
So oft es bis zu einer Abteilung weggebrannt ist, wird es auf die angeführte Art durch Glockenschläge oder Zusammenschlagen zweier Stücken Holz zu erkennen gegeben.
Besonders bedienen die Nachtwachen an vielen Orten sich dieser Pulver-Uhr.
Das Alter der Kinder wird so berechnet, daß das Jahr, worin sie geboren sind, für voll gilt.
Am Ende des Jahr·s ist also jedes in dem·selben zur Welt gekommene Kind, und wenn es auch erst in den letzten Tagen des letzten Monats geboren ist, ein Jahr alt.
An den beiden mittelsten, und auch an den beiden letzten Tagen des Jahr·s, folglich alle halbe Jahr, müssen alle Rechnungen abgeschlossen, und nebst allen anderen Schulden und Forderungen, bezahlt werden.
Alsdann wird von neuem bis zum nächsten allgemeinen Abrechnungs- und Zahlungs-Termin, das ist auf ein halbes Jahr, Kredit gegeben.
Wer im Termine seine Rechnung, Forderung oder ausstehende Schuld nicht bezahlt bekommen hat, hat hernach kein Recht, sie weiter zu fordern.
Glücklich ein Volk, das beim Anfange jedes halben Jahrs ganz schuldenfrei ist!
Am Neujahrstage wünscht jedermann, in seinem festlichen, blau und weiß gestreiften Anzuge, dem anderen Glück.
Man geht mit seiner Familie umher, und legt Gratulations-Besuche ab.
Gewöhnlich wird der ganze erste Monat dazu angewandt; so viele Visiten haben die Japaner bei dieser Gelegenheit zu machen.
Diese ganze Zeit ist zugleich dem gesellschaftlichen Vergnügen gewidmet.
Einige Tage nach Neujahr wird die Zeremonie verrichtet, daß die Japaner das Kr·uzifix und das Bild der Jungfrau Maria mit Füßen treten.
Beide sind von Kupfer gegossen, und etwas weniger, als eine halbe Elle lang.
Die Absicht bei dieser Handlung ist, Abscheu und Ha·ß gegen die christliche Religion und gegen die Portugiesen, die sie ehemals in diesem Lande predigten, und allgemein machen wollten, einzuprägen und zu unterhalten, wie auch zu erforschen, ob etwa noch ein Überbleibsel von Anhänglichkeit an dieselben bei irgend jemand anzutreffen sein möchte.
Indessen geschieht dies nur in denjenigen Gegenden, wo die Christen vor Zeiten sich am meisten aufhielten.
Zu Nagasaki dauert diese Zeremonie vier Tage.
Hernach werden die Bilder nach den umliegenden Orten, wo ein gleiches damit geschieht, und zuletzt wieder nach Nagasaki gebracht, und da bis zum folgenden Jahre verwahrt.
Jedermann, bloß den Gouverneur mit seiner Suite und Bedienung ausgenommen, so gar die kleinsten Kinder müssen dabei zugegen sein.
Da·ß aber auch, wie einige behaupten wollen, den Holländern zugemutet werde, Teil daran zu nehmen, und mit auf die Bilder zu treten, ist nicht wahr.
Gewisse Aufseher sind dabei verordnet, welche die Einwohner nach ihren Bezirken von Haus zu Haus zusammen rufen, wenn alle beisammen sind, in gehöriger Ordnung ihre Namen aufrufen, und bei der Handlung selbst dahin sehen, daß alles richtig zugehe.
Die Erwachsenen treten von einer Seite zur anderen über die Bilder weg; die Kinder werden unter den Armen aufgehoben, und mit den Füßen darauf gestellt.
Unter den Holländern sind äußerst wenige, die diese Feierlichkeit je gesehen hätten.
Von den jetzt auf der Insel befindlichen Offizieren war nur ein einziger, der einmal Gelegenheit gehabt hatte, im Vorbeigehen, als er vom Chef an den Gouverneur, um etwas, die Zur·üstung zur Jedoer Reise betreffend, zu bestellen, nach der Stadt geschickt war, etwas davon zu sehen.
Die Feier des siebenten Tages ist in Japan unbekannt.
Sie haben aber verschiedene andere jährliche Feste, die zum Teil einen, zum Teil mehrere Tage nach einander, währen, und die sie als gottesdienstliche Tage feiern.
Die merkwürdigsten Festtage, welche in der Zeit meines hiesigen Aufenthalts im Jahr 1776 einfielen, sind folgende.
Den 5. Goguats, oder 20. Junis, das Belangfest.
Den 7. Sitsguats, oder 20. August, das Sternenfest.
Den 13., 14. und 15. desselben Monats, oder den 26., 27. und 28. August, das große Leuchtenfest.
Den 7., 8. und 9. Kuguats, oder den 18., 19. und 20. Oktober das Fest Matsuri.
Den 1. Fatsguats oder den 13. September fiel der Japanische Jahrmarkt ( Fassack ) ein.
Den 15. Kuguats nahm der Holländische Markt den Anfang.
Siebenter Abschnitt.
Übrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner.
In diesem Kapitel liefere ich eine allgemeine Nachlese von dem, was ich von den Einrichtungen, Sitten und Gebräuchen der Japaner, in Rücksicht auf ihr h·äusliches und Privat-Leben bemerkt, aber im Vorhergehenden noch nicht angeführt habe.
Der Leser wird sich erinnern, daß vieles hierher gehörige bereits unter den vorher gehenden Rubriken, teils in meiner Reisebeschreibung selbst, vorgekommen ist.
Hierauf mu·ß ich mich also jetzt beziehen und den Leser verweisen.
Was ich von Regierung, Staatsverfassung, Ackerbau, Künsten, Gelehrsamkeit der Japaner noch nachzuholen habe, dem habe ich in besonderen, noch folgenden Kapiteln seinen Platz angewiesen.
Ich fange mit den eigentümlichen Namen der Japaner an.
Jede Familie, und jede Person hat ihren eigenen Namen.
Diese werden aber ganz anders gebraucht, als in Europa.
Der Familienname, oder was man bei uns den Zunahmen nennt, bleibt bei jeder Familie und allen ihren Nachkommen jederzeit unverändert.
Im gemeinen Leben und im Umgange aber wird er nie gebraucht, sondern nur alsdann, wenn man etwas unterschreibt, da man zugleich gewöhnlich sein Siegel beisetzt.
Auch das ist etwas besonderes, daß der Zunahme nicht zuletzt, sondern allezeit voran, der Vornahme aber nach demselben gesetzt wird.
Der Vornahme ist es, womit der Japaner allezeit angeredet, benannt und gerufen wird, und diesen ver·ändert er in seinem Leben verschiedene Mal.
Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, bekommt es von seinen Eltern einen gewissen Namen.
Ist es ein Sohn, so behält er ihn, bis er mannbar wird; alsdann verändert er ihn.
Bekommt er ein Amt oder eine Bedienung, so wird abermals eine Veränderung damit vorgenommen.
So oft er zu höheren Stellen hinauf rückt, geschieht wieder eine Vertauschung.
Einige, besonders die Kaiser und Fürsten, bekommen so gar nach dem Tode einen neuen Namen.
Beim weiblichen Geschlecht ist der Vornahme nicht so vielen Veränderungen unterworfen.
Den Mädchen geben die Eltern oft den Namen von einer schönen Blume.
Diejenigen, welche mit hohen Würden und Ämtern bekleidet werden, bekommen beim Antritte derselben vom Dairi, oder dem geistlichen Kaiser, prächtig klingende Titel.
Auch anderen sehr vornehmen Personen ert·eilt derselbe verschiedene Ehren-Namen.
Wie die Japaner sitzen, und wie sie essen, habe ich oben schon erzählt.
Ihre gewöhnliche Ordnung in Ansehung des Essens ist die, da·ß sie dreimal des Tages essen.
Ein·s ihrer gewöhnlichsten Gerichte ist Misosuppe mit Fischen und Zwiebeln gekocht.
Wenn sie auf der See sind, schlachten sie kein Tier: dies rührt von einem sonderbaren Aberglauben bei ihnen her.
Auf unserer Seereise besorgten die Japaner daher zwar, so oft sie ans Land gingen, daß Gänse, Enten und Hühner für uns geschlachtet, und für unseren Tisch zugerichtet wurden.
Wollten wir aber in der Zwischenzeit nicht ohne Braten von Geflügel sein, so mu·ßte ich das Geschäft übernehmen, dasselbe zu schlachten.
Die Japaner trockenen viele von den, ihrem Lande eigenen Früchten; viele machen sie aber, auf eine, so viel ich weiß, nur bei ihnen und den Chinese·n gebräuchliche Art, mit Gäste oder Sakkihefen ein.
Jene nennen sie Mebos, diese Menaratski.
Me bedeutet Frucht, Obst; Nara ist der Nahme der Stadt, wo die Früchte am häufigsten und besten auf diese Art eingemacht werden; Suki heißt einmachen.
Zum Einmachen nimmt man entweder ganze Früchte, oder man schneidet sie, wenn sie groß sind, in Scheiben.
Man braucht dazu den Gäste oder Barm, den der gegorene Sak·e oder Reißtrank gibt, dessen Säure die Frucht durchdringt, ihr einen gewissen Geschmack gibt, und sie ein ganzes Jahr und noch länger gut erhält.
Besonders macht man eine Art großer Gurken, die Konomon heißen, in großer Menge auf diese Weise ein, die hernach in kleinen Fässern verführt, und wie bei uns die Gurken zum Braten und dergleichen gegessen werden: sie schmecken auch beinahe eben so, als unsere eingemachten Gurken.
Die Japaner haben eine Art Nudeln, die sie Laxa nennen.
Sie bestehen aus Fäden, die ganzer zwei Ellen lang sind, zusammen gerollt und fast allenthalben im Lande verkauft werden.
Sie werden von Weitzen- oder Buchweizen-Mehl gemacht, und nach dem Gewichte verkauft.
Die letzteren haben den besonderen Namen Sabakiri.
Man schneidet die Fäden in Stücken, und tut sie zu einer Art Suppe, die davon einen angenehmen Geschmack bekommt, etwas zähe oder schleimig wird, und sehr nahrhaft ist.
Die Nudeln lösen sich jedoch in der Suppe nicht ganz auf.
·Ißt man dies·· Gericht mit Zwiebeln und Frikadellen von Fischen, so heißt es Niomen; t·ut man aber statt dessen Pfeffer und Soja hinzu, so bekommt es den Namen Somen.
In allen Wirtshäusern und Herbergen, so gar auf dem Lande, findet man eine Art Kuchen von Reißmehl, die bisweilen grün gefärbt sind, zu Kauf.
Die Reisenden, besonders die Norimon-Träger, pflegen sie gern zu kaufen, und zum T·ee zu essen.
T·ee trifft man auch allenthalben zum Dienst der Reisenden an.
Den Zuckertang ( Fucus saccharinus ), den die See so in Menge auswirft, brauchen die Japaner häufig zum Essen, so zähe er auch zu sein schein·t.
Er wird vorher getrocknet, und von Sand, Salz und anderer Unreinlichkeit gesäubert.
Besonders wird er bei solcher Gelegenheit gegessen, da man sich beim Sak·e lustig hält.
Man schneidet ihn in Stücke, kocht ihn, wodurch er viel dicker wird, und tut ihn zu anderen Speisen.
Bisweilen wird er aber auch roh gegessen, nachdem man das Äußere abgeschabt hat, da er dann ganz weiß aussieht.
In diesem Falle schneidet man ihn gewöhnlich in Streifen, die zwei Zoll lang und einen Finger breit sind, wickelt eine Part·ei davon vierseitig zusammen, und bindet einen feineren Streife von eben dem Tang, eine Linie breit, und drei Zoll lang, herum.
Diese Päckchen werden entweder mit oder ohne Sansjo ( Pfefferfagara, fagara piperita ) gegessen.
Die kleinen Tische, worauf die Geschenke präsentiert werden, belegt man auch mit dergleichen kleinen Bündeln Tangstreifen, die zu halben und ganzen Stiegen darauf umher liegen.
Das den Geschenken beizufügende so genannte Kompliment-Papier wird auch an beiden Enden mit einem Streife· von diesem Tang geziert, der einen Zoll breit und eine Viertelelle lang ist, und darauf fest geklebt wird.
Zum Waschen des leinenen und baumwollenen Zeuges braucht man hier keine Seife, sondern Mehl von einer Art Bohnen, die, wenn sie sehr fein gemahlen werden, einen ungemein weißen Puder geben.
Die Zimmer erleuchtet man teils mit Lichten, teils mit Lampen.
Jener bedient man sich aber doch nur selten; die letzteren sind fast durchgängig gebräuchlich.
Die Lichte· sind klein, eine Viertelelle lang, oben einen Zoll dick, werden aber nach unten allmählich dünner, haben also gerade die umgekehrte Gestalt, als unsere Talg- und Wachslichte.
Der Docht besteht aus zusammen gewickeltem Papier, das auswendig mit anderem weißeren und feineren Papier spiralförmig umwunden ist.
Unten ist ein Loch, so groß, daß das Licht damit auf eine eiserne Spitze gesteckt werden kann, die auf einem Leuchter befestigt ist.
Die Materie, wovon diese Lichte gemacht werden, ist ein Öl, das aus dem Samen des Firnißbaums ( Rhus ···Nix, succedanea ) gepreßt oder gekocht wird.
Der Baum heißt Fas·e noki, wächst in verschiedenen Provinzen, und gibt eine Menge Samen.
Kauft man diese Lichte frisch, so sind sie inwendig etwas weiß oder vielmehr gelblich, und mit einer weißen Rinde überzogen.
Das Öl erstarret durch die Kälte der Luft, und bekommt eben die Konsistenz als Talg, ist mithin so hart als Wachs.
Diese Lichte brennen gut, rinnen und lecken aber wie Talglichte.
Wenn sie verkauft werden, sind sie sehr nett in Papier eingewickelt, das unten zusammen gelegt, oben um den Docht gewunden, von da an aber noch ein Paar Zoll hoch und offen ist, und völlig wie eine lange Rakete aussieht.
-- In den Lampen brennt man Senföhl und Öl von der Dryandra cordata.
Unter den Geschenken, welche der Fürst der Landschaft Jetsigo, wo der Firnißbaum in sehr großer Menge wächst, und die fast das ganze Land mit dem ··Öl versorgt, dem Kaiser mitbringt, sind hundert solche Lichte, einen Fuß lang, und so dick als ein Mannsarm, mit verhältnismäßigem Dochte.
Diese Ehren-Lichte werden nur zweimal im Jahre an gewissen Festtagen im Kaiserlecken Pal·ast gebrannt.
So schwer es auch ist, ein solches Licht zu bekommen, war ich doch so glücklich, eins habhaft zu werden, das bei solcher Gelegenheit gebrannt hatte.
Das ··Öl desselben schien nicht nur weißer, sondern auch fester zu sein, als in den gewöhnlichen Lichten, die man kauft, und die bald weich und braun werden.
Feuer schlägt man hier mit Feuerstahl, das gemeiniglich sehr klein ist, und einem ohne Kunst gebrochenen Steine von grünlichem Quarz.
Zum Zunder dient das Rauhe von den Blättern des Beifußes ( Artemisia vulgaris ), woraus eine bräunliche Wolle gemacht wird, die leichter als Moxa Feuer fängt.
Übrigens bedienen sie sich kurzer Schwefelsticken, die einen Finger lang, und verhältnismäßig sehr breit, an den Enden quer abgeschnitten und in Schwefel getunkt sind.
Sie werden in Bündel zusammen gebunden und in einen halben Zirkel gebogen.
Das Heizen der Zimmer habe ich oben beschrieben.
Zum Versiegeln gebrauchen die Japaner kein Lack, sondern sie drehen und winden etwas Papier um das, was versiegelt werden soll, und knüpfen es so zu, daß sie sehr leicht merken können, ob man es losgemacht hat.
Auf diese Art werden selbst die Packhäuser auf Dezime, dicht beim Schlosse versiegelt, auf dessen Verschließung sie sich weit weniger verlassen, als auf ihr elendes, aber künstliches, Papiergebinde.
Seile und Stricke, selbst starke Schiffstaue, machen die Japaner nicht von Hanf, sondern von Nesseln, die in Menge, von ansehnlicher Größe, und von mehreren Arten auf den Bergen stehen.
Die Gattungen, welche die Seiler am meisten brauchen, sind die schneeweiße ( Urtica nivea ), und eine, die ich nur hier gefunden habe, ( Iaponica ).
Der Bast, gehörig bearbeitet, gibt so feines Garn, daß auch Leinwand davon verfertigt werden kann.
Die Oehlpressen, welche man hier zu Lande gebraucht, bestehen aus zwei auf der Erde liegenden Blöcken, zwischen welchen die Körner zerquetscht und das Öl heraus gepre·ßt wird.
Der eine dieser Blöcke ist fest und unbeweglich.
Der andere wird mit stufenweise stumpferen Keilen, die mit einem sehr langen hölzernen Schlägel niedergeschlagen werden, gegen jenen getrieben.
An der Seite läuft das ··Öl heraus, und in ein darunter stehendes Gefäß.
Beim Schnupfen, den man wegen der häufigen Abwechslung kalter und warmer Luft in diesem Lande gar leicht bekommen kann, nehmen die Japaner ganz feinen Schnupftobak, der dem Spaniol ähnlich ist.
Sie bekommen ihn von den Chinesen, die ihn in kleinen durchsichtigen grünen Flaschen hierher bringen.
Auf ihre Möbeln, Hausgerät· und andere Sachen setzen die Japaner ihr Wappen, wie ich dergleichen oben schon von ihren Kleidungsstücken erzählt habe.
Jeder kennt daher das Seinige so gleich, und Diebe können gestohlene Sachen nicht gut verkaufen.
Alles Kartenspiel ist bei den Japanern scharf verboten.
Sie lieben diesen Zeitvertreib auch nicht.
Auf dem Schiffe wurde ich einige Mal gewahr, daß sie Gebrauch davon machten.
Auf dem Lande aber habe ich es niemals gesehen.
Ihre Karten sind von dickem steifen Papier gemacht, zwei Zoll lang, und einen guten Zoll breit.
Zu einem Spiele gehören fünfzig, die auf der Hauptseite verschieden bezeichnet, auf der unrechten Seite aber alle schwarz sind.
Sie legen die Karten in Haufen, mehrere auf einander; darauf kehren sie die Karten um, und sehen zu, welche gewonnen hat.
Ein anderes Japanisches Spiel lernte ich auch auf der Seereise kennen, das mit unserem Gänsespiele Ähnlichkeit hat.
Sie legen einen Bogen starkes Papier, worauf verschiedene viereckige, mit allerlei Figuren bezeichnete, Fächer abget·eilt sind, vor sich hin.
Darauf werfen sie der Reihe nach einen Würfel, und jeder Spieler hat ein Hölzchen oder etwas anderes, womit er in den Fächern seinen Wurf bemerkt.
Die Japaner haben ein musikalisches Instrument, das in Ansehung des Klanges und der Einrichtung einer Zither oder einer Davids-Harfe ähnlich ist.
Es ist einen Fuß lang und hat dreizehn Saiten.
Nach Orientalischer Sitte besuchen die Japaner weder einander, noch die Holländer, ohne ein Geschenk voran zu schicken.
Dergleichen Geschenke werden mehr gegeben, weil es Mode ist, als um ihres Werts Willen, der oft sehr gering ist.
Nicht selten bestehen sie in Kleinigkeiten, zum Exemp·el einem frischen Fische oder dergleichen.
Allezeit aber werden sie auf eine feierliche Art geschickt, auf einem besonders dazu verfertigten Tische, mit Papier, das nach einer gewissen Form zusammen gelegt ist, umwunden, und dergleichen.
Als einige Fürsten, oder Ober-Landesbefehlshaber, im Hafen vor Nagasaki unser Schiff besuchten, um es zu besehen, schickte jeder von ihnen dem Kapit·än vorher ein Geschenk zu, das in einem Fass Sak·e und einigen gedörrten, gefleckten Blackfischen ( Sepia ), einer Art Fische, die von den Japanern und Chinesen häufig gegessen werden, bestand.
Es gibt aber auch verschiedene andere Gelegenheiten, da es nicht nur Gebrauch, sondern so gar Pflicht ist, dem anderen dergleichen Geschenke zu schicken.
Es wird auch das so genannte Compliment- Papier beigelegt, das auf eine ganz eigene Art zusammen gelegt und umwunden wird.
Die Zinsen von geliehenem Gelde sind bei dieser Nation, wie bei den Chinesen, hoch; oft betragen sie achtzehn bis zwanzig vom Hundert.
In Japan weiß man von der Vielweiberei nichts.
Diese hält er aber auch nicht, wie die Chinese· tun, im Hause eingesperrt, sondern sie hat die Freiheit, nicht nur in Gesellschaft von Mannspersonen zu sein, sondern auch allenthalben auszugehen.
Bei Beschreibung meines Aufenthalts zu Nagasaki habe ich bereits etwas von dasigen öffentlichen Mädchenhäusern gesagt.
Dergleichen Häuser hat man nicht nur in allen großen Städten und in allen Handelsplätzen, sondern auch bei allen Seehäfen, wäre es auch in den kleinsten Dörfern.
Sie werden gar nicht als Wohnplätze der Liederlichkeit, oder als unanständige Orte angesehen.
Selbst Leute von gutem Ruf besuchen sie, wenn sie ihre Freunde mit Sak·e traktieren wollen.
Überhaupt betrachten die Japaner die Unzucht nicht als ein Las·ter, am wenigsten wenn sie an Orten getrieben wird, die unter dem Schutze der Gesetze und der Regierung stehen.
Gemeiniglich sind diese Häuser die schönsten und prächtigsten, und nicht selten sind sie an die Tempel der Gottheiten gebaut.
An einem so kleinen Orte, als D·sino Kameru, waren nicht weniger als fünfzig öffentliche Mädchen.
Zu Kaminoseki sind zwei solcher Häuser, die derma·len zusammen mit achtzig Mädchen besetzt waren.
Zu Mit·erai trifft man der Häuser so gar vier, und zwar sehr wohl konditionierte, an.
Diese, jetzt über das ganze Land ausgebreitete Einrichtung ist aber nicht immer gewesen, sondern erst zur Zeit der einheimischen Kriege entstanden, als der weltliche Kaiser, damals oberster Befehlshaber der Kriegsmacht, dem Dairi die Kaiserliche Gewalt und Autorität, diejenige ausgenommen, welche er in Religionssachen noch hat, entri·ß und an sich brachte.
Der Dairi wurde damals gezwungen, in sehr zartem Alter mit seiner Pflegemutter und seinem Hofstaate zu entfliehen.
Sie nahmen den Weg nach Simonos·eki.
Seine Bedienung bestand, wie sie noch jetzt tut, ( denn er wird für so heilig gehalten, da·ß keine Mannsperson ihm nahe kommen darf ), lediglich aus Personen des anderen Geschlechts.
Auf der Flucht über die See sprang die Pflegemutter, als die Feinde ihr nachsetzten, mit ihm ins Wasser, und ertrank.
Das Frauenzimmer von seiner Bedienung kam nach Simonoseki; weil diese Leute aber nicht zu leben hatten, sahen sie sich genötigt, auf eine unan··ständige Art ihren Unterhalt zu erwerben.
Dies ist, wie viele, unter anderen die Dolmetscher, bei denen ich mich ausdrücklich da·nach erkundigte, mich versichert haben, der erste Ursprung solcher öffentlichen Häuser, die sich während der vieljährigen Fortdauer der Unruhen und bürgerlichen Kriege allmählich weiter und weiter erstreckt haben.
Die in jenen Häusern befindlichen Frauenspersonen haben aber nicht allenthalben gleiche Namen, auch nicht gleiche Achtung.
Zu Simonoseki heißen sie noch jetzt Jorussi, welches der Nahme ist, den die Beischläferinnen des Dairi, deren, außer seiner rechten Gemahlin, zwölf sind, ehemals führten, und noch heutiges Tages führen.
An anderen Orten kennt man sie meistens unter der Benennung K·iese oder Käse, welches so viel heißt, als ein t·eils aufrecht, t·eils umgekehrt stehendes Schlo·ß ( chateau ), und anzeigen soll, daß sie von der Ehrbarkeit zur Unzucht übergegangen sind.
Die von der niedrigeren Gattung, welche jedermann für den geringen Preis von acht Konderyn zu Dienst· sind, nennt man Faifats; eine Benennung, die von dem Worte Fai Gin herkommt, das eine ehemals gebräuchliche Münze von sehr schlechtem Silber, und dem Wert·e eines Konderyn, bedeutet.
Die ····schlechtste Art der für Geld feilen Personen heißt Ofiakv.
Diese gehen umher und betteln, und zeigen sich für eine unbedeutende Kleinigkeit.
Sie sollen ihren Namen von einer Weibsperson bekommen haben, die unklug und zugleich sehr liederlich gewesen.
-- Wenn Eltern mehr Töchter haben, als sie ernähren können, verkaufen sie sie früh, oft schon im fünften Jahre, an den Inhaber eines öffentlichen Hauses.
Hier dienen sie in den Jahren der Kindheit als Dienstmädchen und Aufwärterinnen, besonders als Aufwärterinnen der eigentlichen Mädchen des Hauses, deren jede eins solcher jungen Mädchen zu ihrer eigenen Aufwartung hat.
Sind sie nun zwölf bis sechzehn Jahr alt, so werden sie mit vieler Feierlichkeit, oft auf Kosten derjenigen, welcher sie bisher aufgewartet haben, für frei von Aufwartung und geringeren Verrichtungen erklärt, und zu förmlichen Damen des Hauses eingeweiht.
Das sonderbarste ist, daß diese Mädchen, wenn sie in dem Hause, wohin sie in ihrer Kindheit verkauft worden, gewisse Jahre in beiden Eigenschaften gedient haben, ihre völlige Freiheit wieder bekommen, im geringsten nicht als entehrt angesehen, sondern so gar hernach oft auf eine sehr honette Art verheiratet werden. --
So allgemein diese Einrichtung und Sitte im ganzen Lande ist, und so wenig die Einwohner überhaupt sich etwas arges dabei denken, haben doch verschiedene Männer von Verstand und Grundsätzen mir gestanden, daß sie sie für unanständig und der Ehre der Nation nacht·eilig hielten.
Kinder trifft man allenthalben, in Städten und Dörfern, in Menge an.
Durchgängig habe ich bemerkt, daß die Eltern sie zwar früh zu strengem Gehorsam gewöhnen, aber übrigens sie fast bloß mit guten Worten und Zureden regieren.
Scheltworte oder harte Verweise habe ich selten gehört, und Stöße, Schläge und Gebrauch der Rut·e fast niemals gesehen.
In den Schulen lesen alle Kinder zugleich, und zwar sehr laut; das gibt ein Geschrei, daß man, wenn man hinein geht, in Gefahr ist, das Gehör zu verlieren.
Wie sehr die Japaner auf Reinlichkeit ihres Körpers sehen, habe ich schon einige Mal erwähnt.
Kein Tag geht hin, da sie sich nicht baden und ganz rein waschen, sie mögen zu Hause oder auf Reisen sein.
Nicht nur in Privat-Häusern, sondern auch in allen Wirtshäusern und Herbergen, in Städten und auf dem Lande, sind kleine Badstuben angelegt.
Jeder kann also, an jedem Orte, auch wo er nicht zu Hause gehört, auch jeder, der keine eigene Badstube hat, kann sich, so oft er will, für Geld baden.
Arme Leute bezahlen nur ein Paar Pfennige; allein da mehrere von ihnen dasselbe Wasser gebrauchen, ohne daß jeder frisches bekommt, stecken sie einander gar oft mit Krätze und anderen ansteckenden Krankheiten an.
An warmen Bädern hat das Land Überflu·ß.
Die Einwohner bedienen sich ihrer auch häufig gegen venerische Krankheiten, Lähmung der Glieder, Krätze, Rheumatismen und dergleichen.
Die Landstraßen sind in allen Provinzen das ganze Jahr hindurch in gutem Stande; sie sind breit, und mit Gräben versehen, damit das Wasser ablaufen kann.
Besonders aber gegen die Zeit, da die Ober-Landesbefehlshaber, wie auch die Holländer, ihre jährliche Reise nach Jedo vornehmen müssen, in vortrefflichen Stand gesetzt.
Sie werden alsdann nicht nur mit Sand beschüttet, sondern auch kurz vor der angesagten Ankunft solcher hohen Reisenden mit Besen gefegt, aller Pferdemist, Kot· und alles andere Unreine sorgfältig weggeschafft, und bei heißem Wetter, wenn es stäubt, wird reichlich Wasser gesprengt.
Auch ist die Ordnung gemacht, welche auch genau beobachtet wird, daß die, welche nach Jedo, oder die dahin führenden Straßen, hinauf reisen, sich zur linken, und die, welche hinunter reisen, zur rechten Seite halten müssen, damit keiner dem anderen begegne, ausweichen dürfe, oder Aufhalt, Ungelegenheit und Streitigkeit verursache.
abermals eine von den Japanischen Polizei-Anstalten, die man in Europäischen Ländern nachahmen sollte.
Da man gar kein Fuhrwerk mit Rädern gebraucht, halten sich die Wege sehr lange gut.
Zum Vergnügen der Reisenden sind sie an vielen Stellen zu beiden Seiten mit Bäumen und Gesträuch bepflanzt, die zum Teil sehr schöne Hecken geben.
Ich habe dergleichen Hecken so gar von Theestauden gesehen.
Meilenzeiger sind jede Meile angebracht.
Sie zeigen nicht nur, wie weit man gereist ist, sondern auch, wohin der Weg geht.
Die Meilen im ganzen Lande werden alle ohne Unterschied von einem einzigen Punkte an gezählt, nämlich von Niponbas, oder der über dem Flu·ß in der Hauptstadt Jedo liegenden Brücke.
Bei Scheidewegen stehen ähnliche Pfähle, die jeden Weg genau bezeichnen.
Man reiset bei diesen Einrichtungen und Anstalten im ganzen Lande sehr bequem, und ohne Gefahr, zu verirren; nicht zu gedenken, daß man auch so sicher, als vielleicht in keinem anderen Lande reiset.
Die Pferde beschlägt man in Japan nicht mit Eisen, sondern statt dessen zieht man ihnen Pantoffeln oder kleine Schuhe von Stroh an.
Diese werden um die Knöchel mit einem von Stroh geflochtenen Bande fest gebunden.
Sie schützen den Fuß gegen die Steine, und sicheren ihn auch auf glattem und schlüpfrigem Wege vor dem Ausgleiten.
Weder Postwagen, noch irgend eine andere Art Wagen oder Fuhrwerk mit Rädern, gebraucht man, wenn man reiset.
Wer Geld hat, reitet, oder lä·ßt sich in Sänften, die Kango oder Norimon heißen, tragen.
Wer ein·s von beiden nicht bezahlen kann, mu·ß zu Fuß gehen.
Daher sind denn auch die Landstraßen immer mit einer Menge Fußgänger angefüllt.
Den Reiseanzug solcher Leute habe ich im Vorhergehenden schon beschrieben.
Hier füge ich nur noch hinzu, was oben anzumerken vergessen worden, daß sie häufig lange Schifferhosen, oder bis auf die Waden herab gehende leinene Beinkleider tragen, und daß die Gamaschen auch wohl, wie bei uns, an den Seiten zugeknöpft werden, anstatt daß andere sie fest binden; wie auch, daß die Soldaten auf dem Marsche die langen Hosen um die Mitte der Lenden fest binden.
Die zu Pferde machen oft eine gar seltsame Figur.
Manchmal sieht man mehrere Personen, oft eine ganze Familie, auf Einem Pferde.
Der Mann sitzt in der Mitte, aber ganz oben auf dem Sattel, so daß er die Beine am Halse des Pferdes herunter hängen läßt; die Frau an einer Seite in einem am Sattel fest gemachten Korbe; und ein oder mehrere Kinder auch in einem Korbe an der anderen Seite; ein Mensch geht voran und leitet das Pferd am Zügel.
Die Portchais·en, worin Begüterte sich tragen lassen, sind von verschiedener Größe und Pracht, wie es eines jeden Rang mit sich bringt.
Sie koste··n daher auch nicht alle gleich viel.
Die schlechtesten sind klein, so daß man mit den Füßen unter dem Gesäß darin sitzen muß, zu allen Seiten offen, mit einem kleinen Dache versehen, und werden von zwei Kerlen getragen.
Darauf folgen die Kango oder Kago, die ganz bedeckt und an den Seiten auch eingeschlossen, aber beinahe viereckig und nicht prächtig sind.
Die größten und schönsten heißen Norimon, sind länglich, werden von den vornehmen Beamten gebraucht, und von mehreren Personen getragen, die t·eils vorn, t·eils hinten, und zwar hinter einander, gehen.
Das Tragen geschieht vermittels· einer an der Decke befestigten Stange, die sie auf den Schultern liegen haben.
In allen Städten und Dörfern trifft man bei den Wirt·shäusern eine Menge Leute an, die ihre Dienste zum Tragen anbieten.
Solche Träger können das Tragen und Gehen lange aushalten.
Gewöhnlich legen sie in einer Stunde eine Japanische Meile, und an einem Tage deren zehn bis zwölf zurück.
Auf gleiche Art werden auch die meisten Sachen und Waren hier zu Lande transportiert; die Träger tragen sie ebenfalls an einer Stange, die auf den Schultern liegt. --
Sie haben auch noch eine andere Art, die Norimon zu tragen, die aber nur in großen Städten und bei feierlichen Gelegenheiten üblich ist, zum Exemp·el wenn zu Jedo die Fürsten sich nach dem Kaiserlichen Palaste tragen lassen.
Die Norimon werden alsdann nicht auf den Schultern, sondern mit den Händen, und zwar so hoch als nur irgend möglich, und von jedem der Träger nur mit Einer Hand, getragen.
Die andere Hand strecken sie horizontal aus, und im Laufen werfen sie die Fersen hoch in die Höhe.
Sie laufen dabei nämlich so schnell als sie können; und ein solcher Norimon fliegt wie ein Pfeil vorbei.
Nur zu Miako und in der umliegenden Gegend, sonst aber nirgends, wird ein Fuhrwerk mit Rädern gebraucht, das aus einer Art Karren besteht.
Ein solcher Karren ist niedrig und klein, und hat drei Räder, zwei wie bei uns auf den Seiten, und eins vorn.
Die Räder sind aus einem ganzen, mit der Säge abgeschnittenen, Stück Holz gemacht, und rund umher liegt, statt eines eisernen Beschlages, ein Tau oder dergleichen, damit sie nicht abgenutzt werden.
In der Stadt selbst, und in den Dörfern nahe bei der Stadt, sind diese Karren größer und plumper, bisweilen nur mit zwei Rädern, und werden von einem Ochsen gezogen.
Einige sind auch denen, die wir in Europa haben, ähnlich, und haben Räder mit Naben und Speichen, aber ohne Beschlag, also sehr zerbrechlich.
Auf den Landstraßen darf mit solchen Karren nur an Einer Seite gefahren werden, die daher auch ganz ausgefahren und verdorben ist.
Auch ist die Ordnung gemacht, daß die, welche mit ihrem Karren zur Stadt wollen, des Vormittags, und die, welche zurück fahren, des Nachmittags fahren müssen, damit keiner dem anderen begegne.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, mir eine allgemeine Anmerkung zu erlauben.
Sie betrifft die mancherlei vortrefflichen öffentlichen Anstalten und Einrichtungen, woran dies Land, dessen Einwohner wir gleichwohl auf einer niedrigen Stufe der Kultur unter uns betrachten zu müssen glauben, so manches Europäische· Land weit übertrifft.
Alles zeugt von Überlegung und Ordnung.
Wie manches vermi·ßt man in unseren Staaten, das hier schon seit Hunderten von Jahren anzutreffen ist?
Man sieht recht deutlich, daß alles auf einen nützlichen Zweck abzielt.
Nichts geschieht hier zum äußeren Schein, nichts um zu glänzen, nichts um zu prahlen und groß zu tun, nichts um Aufsehen zu machen, so gar nichts um seinen Namen bei der Nachwelt zu verewigen.
Kein Regent, kein Minister, kein Befehlshaber, kein Beamter überliefert das, was er Gutes stiftet, einrichtet, bauen oder machen lä·ßt, durch Denkm·äler, mit seinem Namen und einer prächtigen Inschrift versehen, den Nachkommen als sein Werk.
Folgendes hohle ich noch nach, ob es gleich hier nicht an seiner Stelle steht.
Zu Jed·o schenkte mir einer meiner Freunde einen großen kalkartigen Stein, dergleichen man, wie sie sagten, im Magen der Pferde, in d·asiger Gegend, und zwar nur solchen, die auf dem Stalle gehalten werden, antrifft.
Von seiner Entstehung oder Erzeugung wu·ßte man mir aber keine Nachricht zu geben.
Hernach bekam ich auch ähnliche kleine Steine, die platt sind, und keinen Kern ( nucleus ) in sich schließen.
Jener große besteht aus Blättchen ( lamellae ), ist sehr dicht, und hat beinahe die Größe eines Kindskopfs.
Ich vermute, daß das Wasser um Jedo, womit man die Pferde tränkt, Kalk enthält, und ihr Stillstehen im Stalle zum Wachstum der Steine beiträgt.
Die Holländer nennen solche Steine Paerdesteen ( Pferdestein ).
Achter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Die Japanische Sprache ist wegen ihrer sehr großen und mannigfaltigen Verschiedenheit von allen Europäischen Sprachen ungemein schwer zu lernen.
Sie wird zwar, wie die Chinesische, in auf- und niedergehenden Reihen geschrieben; aber die Buchstaben sind von den Chinesischen weit unterschieden.
Auch beide Sprachen dieser so nahe bei einander wohnenden Völker selbst sind so verschieden, daß sie einander ohne Dolmetscher nicht verstehen.
Das Chinesische wird indessen in Japan häufig gelesen und geschrieben, und wie die gelehrte Sprache angesehen, die sie nebst verschiedenen Wissenschaften von den Chinese·n angenommen haben.
Aller dieser Schwierigkeit ungeachtet, gab ich mir, so lange ich mich in diesem Lande aufhielt, viel Mühe, von meinen besten Freunden unter den Dolmetschern das Japanische verstehen, etwas sprechen, und auch ein wenig schreiben zu lernen.
Ich mu·ßte dies aber sehr heimlich tun, so wohl um ihrer, als um meiner eigenen Sicherheit Willen.
Hauptsächlich ließ ich dies Studium vor der Jedoer Reise mein Geschäft sein, weil ich auch glaubte, auf der Reise und zu Jedo guten Nutzen davon haben zu können.
Unter anderen Bemühungen, meinen Zweck zu erreichen, schrieb ich die Worte, wenn ich sie gelernt hatte, auf, und setzte mir durch Hilfe des oben angeführten Japanischen Wörterbuchs ein kleines Vocabeln-Buch auf.
Anfangs bildete ich mir ein, die hiesigen Holländer würden mir hierbei sehr zu Statten kommen können, zuma·l da verschiedene von ihnen doch so viel sprechen konnten, daß sie im Stande waren, sich von Dingen, die am meisten vorkommen, verständlich auszudrücken.
Aber leider war keinem von ihnen je eingefallen, ein Wort aufzuschreiben, noch weniger, sich eine Art Wörter-Verzeichnis zu machen, oder über das Eigentümliche der Sprache nachzudenken.
Mir deucht, in einer Zeit von zwei hundert Jahren hätte wohl, wäre es auch nicht zum Gebrauch der Sprachforscher, sondern bloß zum Nutzen derer, die sich hier einige Jahre aufhalten müssen, ein Japanisches Wörterbuch geliefert werden könn·en, wären nicht Mangel an Geschicklichkeit bei einigen, und Unt·ätigkeit bei anderen, das Hindernis gewesen.
Einige halten sich hier nur eine kurze Zeit auf; andere denken nichts als Geld und Gewinn; den meisten schmeckt die Tobakspfeife so schön, daß sie die edle Zeit, über deren Langweiligkeit sie doch so oft klagen, mit keiner besseren Beschäftigung, als dem Rauchen, auszufüllen wissen.
Ich glaube manchem einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich hier einen Auszug aus meinem Vokabularium einrücke.
Vorher aber ein Paar allgemeine Anmerkungen, einige Besonderheiten der Sprache betreffend.
Die in den Europäischen Sprachen vorkommenden Diphthongen, die Vokalen ä, ö, ü, die Buchstaben L ( wenigstens lautet dieser mit R fast gleich ), P und Sch haben die Japaner nicht.
Mit Vokalen fangen wenige Wörter, mit E fängt kein Wort an.
Viele Buchstaben werden so ausgesprochen, daß man ihren Laut mit den Buchstaben der abendländischen Sprachen nicht genau bezeichnen, sondern einen und denselben Buchstaben auf mehr als eine Art schreiben kann, z. E. bossu, fossu, hossu; tusi, tsusi, tsjusi; fisa, fissja; suru, tsuru; soru, suru; dsi, dji, tsi; fa, ha; fahre, warri; ge, ke; jovi, Sofi; joka, jucke; kam·, game; je, ji; odossu, osossu; skui, tsikui; u. d. gl.
Manches Wort hat mehr als Eine Form, wovon unten sehr viele Beispiele vorkommen werden.
Man sehe z. E. fahre, böse.
Der Infinitivus des Verbi endigt sich gewöhnlich auf u, oder oru, nach einigen Konsonanten auch auf v oder f.
Die Art, Nomen mit Nomen, und Nomen mit Verbum zusammen zu setzen, nebst mehreren Eigentümlichkeiten der Sprache, lassen sich aus dem Wörter-Verzeichnisse selbst leicht abstrahieren.
Das hat übrigens die Japanische Sprache mit anderen gemein, daß nicht nur manche, gleich oder beinahe gleich lautende Wörter mehrere ganz verschiedene Bedeutungen haben, sondern daß auch für Einen Begriff oft mehrere ganz unterschiedene Wörter vorhanden sind.
Hier folgt die Probe eines Japanischen Wörterbuchs, zwar in alphabetischer Ordnung, aber doch zugleich, so viel möglich, nach der Abstammung und Verwandtschaft der Wörter eingerichtet.
Inhalt von des zweiten Bandes zweitem Teil.
Erste Abteilung.
Erster Abschnitt.
Von der Staatsverfassung, Polizei, Gesetzen und Rechtspflege in Japan, nebst einigen anderen hierher gehörigen statistischen Nachrichten.
Regierung des weltlichen Kaisers oder des Kubo.
Kurze Geschichte der verschiedenen Regierungsveränderungen in Japan und des Ursprungs der Regierung eines so genannten geistlichen Kaisers, oder des Dairi.
Namen und Folge der Kubo seit Kämpfers Zeit.
Reichsrat oder Staatsrat.
Einkünfte des Kubo.
Regierung des Dairi als Oberhaupts in Religion· und gottesdienstlichen Sachen.
Heiligkeit und Verehrung desselben.
Seine Residenz, Hofstaat und Gemahlinnen.
Akademie an seinem Hofe.
Einkünfte und Gerechtsame des Dairi.
Jährliche Gesandtschaft des Kubo an ihn.
Namen und Folge der Dairi seit Kämpfers Zeit.
Ordnung und Polizei in den Städten.
Stadtobrigkeiten und städtische Bediente, Feuerlöschanstalten, Polizei in den Wirt·shäusern, äuß·re Einrichtung der Städte.
Einrichtung der Dörfer.
Verschiedene andere öffentliche Einrichtungen im Lande.
Amtseid der öffentlichen Beamten.
Strenge und unpartei·ische Handhabung der Gesetze.
Lebens- und andere Strafen; Strenge derselben.
Gefängnisse.
Richtplätze.
Viele Gesetze ohne angedroh·te Strafe.
öffentliche Kundmachung der Gesetze.
Abgaben an den Kubo und an die Landschaftsfürsten.
Allgemeine Anmerkungen über die Einrichtungen in Japan.
Zweiter Abschnitt.
Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht.
Geistliches Oberhaupt.
Abbildung der Götter.
Priester.
Gottesdienst.
Wallfahrten nach einigen besonders heiligen Tempeln.
Die beiden Hauptreligionen.
Die Religion Sinto: Grundsätze derselben; Tempel, Gottesdienst, Priester der Sintoisten.
Die Religion Budsdo und deren Eigentümliches.
Geistliche Orden; Orden der Blinden; Bergmönche; Nonnenklöster; Ordensoberhäupter.
Prälaten.
Religiöse Gelübde.
Feste und Feiertage: monatliche Feste; Neujahrsfest; andere jährliche Feste; das Laternen- oder Lampenfest; das Fest Matsuri.
Beerdigung und Verbrennung der Toten; Trauer um die Verstorbenen.
Philosophen und Sittenlehrer: Sittenlehre des Confucius.
Geschichte der Einführung, Ausbreitung und Vertilgung des Christent·ums.
Dritter Abschnitt.
Zustand der Wissenschaften, Künste und dergleichen in Japan.
Schlechter Zustand der Wissenschaften.
Vaterländische Geschichte.
ökonomische Wissenschaften.
Astronomie.
Medizin: Ärzte; Wundärzte; Brennen mit Moxa; Stechen mit Nadeln; Behandlung innerlicher Krankheiten; Aderlassen; gewöhnliche Krankheiten:
Kolik, triefende Augen, Diarrhöe und rote Ruhr, Kinderpocken, besondere Art Friesel, venerische Krankheiten und deren Behandlung: Rechtsgelehrsamkeit.
Kriegswissenschaft. Buchdruckerkunst; Beschreibung einiger gedruckten Japanischen Bücher.
Kupferstecherkunst.
Feldme·ßkunst; geographische und topogra·hische Karten.
Schreibkunst: Dichtkunst.
Musik.
Schau·spiel·kunst; Be·schreibung der Schau·spiele und Theater.
Tanzkunst; pantomimische Tänze.
Akademie und Universität am Hofe des Dairi.
öffentliche Schulen.
Manufactur- und Kunstarbeiten; Handwerker.
Lackierte Arbeit; Zubereitung des Lackfirnis.
Uhrmacherkunst.
M·öbeln.
Steuermannskunst.
Vierter Abschnitt.
Von der Landwirtschaft, besonders dem Ackerbau der Japaner.
Vorzüglicher Flor des Ackerbaues, und die Ursachen, welche ihn so sehr befördern; Zustand des Landmanns und Bauers; Sorgfalt jeden Fleck Erde zu bestellen.
Wässerung der Reisfelder.
Sammlung aller Arten Dung, und Art zu düngen.
Gänzlicher Mangel an Unkraut.
Umgraben und Pflügen.
Bestellung der Reisfelder; Reisernte und Dröschen des Reiße·; Buchweizen; Weizen; Gerste.
Einteilung der Äcker in schmale Beete.
Bes··äung des Stoppelfeldes.
Rübsamen.
Dröschen des Getreides.
Bohnen, Sojabohnen, Erbsen, Linsen und verschiedene andere Feldgewächse.
Gartengewächse, Baumzucht, Gewürzgewächse, Hopfen, Bäume und Blumen zur Zierde.
Färbekräuter.
Firnis- Fichten, Zedernbäume, Bambosrohr, Kampferbäume, Bereitung des Kampfers.
Theestauden; Pflücken und Trockenen der Theeblätter.
Fischerei.
Fünfter Abschnitt.
Blühender Zustand des inländischen Handels.
Gegenstände des Japanischen Handels.
Kramwaren und Krambuden.
Handel mit den Chinese·n.
Geschichte des vorma·ligen Handels der Portugiesen mit den Japanern.
Anfang, ehemaliger Flor und allmähliche Abnahme des holländischen Handels nach Japan.
Sechster Abschnitt.
Von den Waffen; den Speisen und Getränken der Japaner; wie auch noch Verschiedenes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Mü·nzen, Kleidungen und dergleichen.
Bogen und Pfeil; Schießgewehr; Kanonen; Säbel; deren Vortrefflichkeit und Art den Säbel zu tragen.
Reis statt Brots, Misosuppe, Fische, Federvieh.
Suppen und Brühen; Sojabrühe; Be·reitung der Soja; verschiedene Öle statt Butter; tägliche Zeiten des Essens; Art die Speisen vorzusetzen; Ordnung der Gerichte und Art zu essen.
Sake; Tee; Art diese zu trinken.
Gebrauch des Rauchtoba·ks; Art zu rauchen; Pfeifen und dergleichen.
Art zu Wägen mit Schnellwagen.
Große goldene Münzen; Abbildung des Gottes des Reicht·ums; Aufreihen des kleinen Kupfergeldes auf Schnüre; chinesische Pfennige.
Pet·schaf·te; Art zu untersiegeln; Buchdruckerschwärze.
Lampenöl.
Siebenter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Verwechselung der Buchstaben.
Gleichlautende Wörter.
Zusammengesetzte Verba.
Verbindung zweier Substantiven.
Zahlwörter.
Ausländische Wörter.
Konjugation und Gebrauch der Verba; Formierung ganzer Sätze.
Achter Abschnitt.
Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrichten.
Säuget·iere; Vögel, Amphibien; Fische; Insekten; Konchylien; Würmer.
Gold; Silber; Kupfer; Eisen; Bernstein; Schwefel; Steinkohlen; Agat.
Zweite Abteilung.
Aufenthalt auf Dezime nach der Zurückkunft von Jedo bis zur Rückreise nach Batavia.
Botanische Spaziergänge um Nangasacki und dabei gemachte Bemerkungen.
Ankunft der holländischen Schiffe.
Trauer um den verstorbenen Fürsten von Owari.
Ankunft des neuen Kaiserlichen Gouverneurs von Nangasacki.
Rückreise nach Batavia.
Dritte Abteilung.
Zweiter Aufenthalt zu Batavia vom 4ten Junis bis 5ten Julius 1777.
Erster Abschnitt.
Aufenthalt zu Batavia, und erste Reise in das Innere von Java.
Rückkunft des Verfassers nach Batavia.
Große Mortalität daselbst.
Von dem Verfasser mitgebrachtes Verzeichnis der Japanischen Regenten.
Abhandlungen der gelehrten Gesellschaft zu Batavia.
Regnichtes Wetter in diesen Monaten.
Neujahrstag der Chinese·.
Reise ins Innere des Landes.
Cheribon; Vulkane in dieser Gegend; Erdbeben.
Veränderung der Passatwinde seit mehreren Jahren.
Versorgung des Schiffs mit schlechtem Zucker.
Samarang; Statthalter daselbst.
Fieber-Krankheit des Verfassers.
Indische Feigenbäume.
Brennesselstrauch.
Hütte von Bamborohr.
Tanzlustbarkeit der Javaner.
Menge von Mücken.
Pflanzen und Gewächse in dieser Gegend, die medizinischen Nutzen haben.
Kränze zum Putz von Nachtblumen.
Beschreibung der Kaffeeplantagen.
Gelegenheit für den Verfasser, den Star zu stechen.
Resident van der Beeck.
Nachtquartier bei einem java··schen Fürsten.
Abnahme des Wassers an dieser Küste.
Seeräuber.
Zweiter Abschnitt.
Fernerer Aufenthalt zu Batavia, und zweite Reise ins Innere des Landes.
Dienst auf dem Krankenschiffe.
Reise nach dem warmen Bade und den blauen Bergen.
Warmes Bad; Beschreibung desselben.
Europäische und javanische Gewächse.
Seltsame Art Affen.
Pandogede; Berge daselbst.
Inschrift auf einem Steine.
Berg, in dessen Höhlen die Schwalben nisten, welche die indianischen Vogelnester bauen.
Mahlzeit bei einem Japanischen Landesobersten.
Merkwürdiges Echo.
Aufenthalt der Chinese· unter den Javanern.
Schuh und Stiefel der Chinese·.
Große Zahl der Verstorbenen im Hospitale zu Batavia.
Veranlassung der Wegreise des Verfassers.
Unordentliches Leben der Europäer zu Batavia.
Europäer in Java vor den Holländern.
Java··sche Produkte, die exportiert werden.
Noch etwas von Javaschen Münzen.
Vierte Abteilung.
Reise von Batavia nach Ceylon und Aufenthalt daselbst, vom 5ten Julius 1777 bis den 6ten Februar 1778.
Erster Abschnitt.
Beschreibung der Reise nach Ceylon und des Aufenthalts daselbst, wie auch einiger Reisen in diesem Lande.
Abreise von Batavia; Anjer; Wasser daselbst.
Pisang.
Spanische Rohre.
Handelswaren der Schiffsoffiziere.
Gefahr· auf eine Sandbank zu geraten.
Bekanntschaften und Landsleute des Verfassers zu Columbo; Beschreibung der Stadt.
Botanische Spaziergänge.
Lustschlo·ß des Gouverneurs.
Zwei Reisen nach Mature. Weg dahin, Mangel an Brücken.
Häuser zum Einkehren an der Landstraße.
Verschiedene Forts.
Barbarei.
Malabarische Krankheit.
Graf Ranzow; Edelsteine.
Abgesandte vom Kaiser zu Candy und an ihn.
Feier der Installierung des bataviaschen Generalgouverneurs.
An·erbieten nach Cochin zu reisen.
Reise nach Negumbo. Affenstein.
Einige Vorfälle zu Columbo.
Zweiter Abschnitt.
Zoologische Merkwürdigkeiten, besonders vom Elefanten.
Ochsen.
Elefanten.
Art sie zu fangen und zu zähmen.
Besichtigung, Messung und Verkaufe der·selben.
Gemüt·sart und Nahrung des Elefanten.
Ihr Fange durch zahme Weibchen.
Leichtigkeit sie zu regieren.
Empfindlichkeit des Rüssels.
Unbändigkeit der kapschen Elefanten.
Ameisenfresser.
Ceylon·sche Meerkatzen.
Eichhörnchen.
Stachelschweine.
Schlangenbeschwörer.
Perlenfischerei.
Dritter Abschnitt
Vorzug des Ceylon·schen Kaneels.
Gegend wo die besten wachsen.
Gutes Fortkommen der Kaneelplantagen; bisherige Versuche damit.
Bestes Erdreich für die Zimmetbäume.
Kaneelstöcke.
Jährliches Sammeln des Kaneels.
Kaneelwälder.
Vorgesetzte· der Kaneels·chäler.
Verrichtung des Schälens.
Echte und unechte Kaneelbäume; neun verschiedene Arten derselben.
Sorgfältige Untersuchung der Güte des Kaneels durch die Ärzte.
Kennzeichen der Güte und der Verdorbenheit.
Während des Transports nach Europa verdorbener Kaneel.
Kaneelöl; Destillierung desselben.
Vierter Abschnitt.
Andere botanische Nachrichten, besonders von der Brotfrucht.
Brotfrucht.
Zwei Arten davon.
Beschreibung des Baums.
Art sie zu essen, teils roh, teils zubereitet; teils reif, teils unreif.
Fünfzehn verschiedene Gerichte und Zubereitungsarten des Fleisches, der Kerne und der Häute, gekocht, gebraten, gebacken, eingemacht, getrocknet; Konfekt und Brühen.
Bemühung des Verfassers, Wurzeln und Kerne, gepflanzt und ungepflanzt mit nach Europa zu bringen.
Kokoswälder; Kokosbäume; Blätter als Leitern gebraucht; Nüsse; Öl davon; Seile und Taue aus den Fasern um die Nüsse.
Gebrauch des Holzes zu Pfählen.
Maledivische Kokosnüsse oder Seekalappen.
Areka···bäume.
Melanzanäpfel.
Gebrauch verschiedener ceilon·scher Früchte, besonders der Panningai.
Klapperschoten.
Fischkörnermohnsaamen.
Oster·luzei.
Eibisch. --
Bei jedem dieser Gewächse und Bäume der medizinische Gebrauch. S. 205 bis 209.
Kartomom.
Hecken von Jarrokbäumen.
Lackkroton.
Weinpalme und Talpatbaum; Gebrauch der Blätter zu Schirmen.
Götzenfeigenbaum.
Prächtige Blumen.
Fünfter Abschnitt.
Von den Edelsteinen und anderen Mineralien in Ceylon.
Edelsteine.
Rot·er Turmalin.
Weißer Kristall.
Amethist.
Wass·ersapphir.
Gelber Kristall.
Brauner Kristall.
Hyazinth.
Grüner Turmalin.
Schwarzer Kristall.
Kaneelstein.
Blauer Saphir.
Grüner Saphir.
elektrischer Turmalin. --
Bei jedem die Eigenschaften und der Gebrauch der Edelsteine. S. 214 bis 223.
Verkaufe der Edelsteine: unechte und falsche.
Orte wo sie gegraben werden.
Art des Grabens und Waschens.
Verpachtung und Wiederverkauf des Rechts sie zu graben.
Schleifen der Edelsteine.
Eisen·erz.
Wasserblei.
Stahlstein. S. 226.
Sechster Abschnitt.
Allerlei andere Nachrichten von Ceylon; Einwohner, Religion, Sitten und Gewohnheiten, Sprache, Mü·nzen und dergleichen betreffend.
Gebiet der Holländer und des Kaisers zu Candy.
Einführung und Fortdauer der christlichen Religion.
Jährliche Ankunft eines Mission·ärs von Trank·bar, um lutherischen Gottesdienst zu halten.
Heidentum in Ceylon; Verehrung des Buddha; Opfer: Götterbilder.
Mohammedanischer Gottesdienst der Mohren.
Buchdruckerei zu Columbo; daselbst gedruckte Bücher.
Art zu reisen; Palankine.
Goldene Halsketten der vornehmen Ceyloner.
Kleidung der Mohren; Turban; große goldene Ohrgehänge.
Feinheit der baumwollenen Zeuge.
Gegengifte; Schlangenstein; dessen Verfertigung und Gebrauch.
Borassus- und Talpattblätter statt Papiers.
Art darauf zu schreiben: Griffel; Bücher.
Ceylon·sche und malabarische Sprache; Zahlwörter der letzteren.
Münzen: zylinderförmige silberne; Rupien und Pagoden.
Goldene und silberne Scheidemünzen.
Bleierne und kupferne Münzen.
Fünfte Abteilung.
Rückreise nach Schweden vom 28sten Januar 1778 bis den 14ten März 1779.
Erster Abschnitt.
Reise von Ceylon nach Holland.
Untersuchung der Sklaven wegen Pocken und Masern.
elektrisches Feuer oben um die Maste.
Leuchtwürmer.
Regenbogen auf der Oberfläche des Wassers.
Wasserziehende Wirbel.
Malacaßvögel.
Zerstörung der jungen Brotfruchts·chösslinge.
Venerische Krankheiten auf dem Schiffe.
Ankunft bei Cap. Besuch in der Stadt.
Sonderbarer Vorfall mit einem afrikanischen Zwiebelgewä·chse.
Verschönerung und Erweiterung der Stadt.
Schlechte Ernte und Teuerung im Lande.
Ein englischer Gärtner.
Von den Offizieren mitgenommene Waren.
Abreise von Cap. Paviane auf dem Schiffe.
Absonderung des Kommandeurs·chiffes.
Enten- und Gänsemuscheln.
Insel St. Helena.
Ascensionsinsel.
Die Sonne im Scheitelpunkte.
Schwimmender Tang; Seegraskriecher. Kap Lizard.
Konvoi von Kriegsschiffen.
Zerstörung aller mitgenommenen Bäume.
Grausame Behandlung eines Schiffschirurg··.
Stein in der Blase eines Schweins.
Zweiter Abschnitt.
Aufenthalt in Holland und zu London, und Reise nach Schweden.
Amsterdam.
Van der Meulens Vögel- und Insekten·sammlung.
Van der Poll, van der Deutz und ten Haften, und deren Pflanzungen seltener Bäume; japanische Bäume und Stauden.
Insecten- und Tier·sammlung zu Harlem.
Abhaltung der Winters·chmetterlinge von den Bäumen.
Lyonets Kabinett.
Banks: dessen Herbarium.
Andere merkwürdige Sammlungen.
Kämpfers Handschriften und Kräutersammlung.
Botanische Gärten um London.
Mi·ß Lees Insekten·sammlung.
Banks Sammlung von Gewächsen von den Südseeinseln, und naturhistorische Bibliothek.
Rückreise nach Amsterdam.
Reise nach Stralsund.
Reise nach Ystad.
Karl Peter Thunbergs Reisen.
Zweiten Bandes zweiter Teil.
Beschlu·ß der Nachrichten von Japan und den Japanern.
Rückkunft des Verfassers nach Batavia und Reise in das Innere der Insel Java.
Reise nach der Insel Ceylon und Aufenthalt daselbst.
Rückreise nach Schweden.
Erste Abteilung.
Fernere allgemeine Bemerkungen und Nachrichten, Japan und die Japaner betreffend zu Ergänzung der im Vorhergehenden bereits mitgeteilten.
Erster Abschnitt.
Staatsverfassung, Polizei, Gesetze und Rechtspflege in Japan, nebst einigen anderen statistischen Nachrichten von diesem Reiche.
Japan ist bekanntlich auf allen Seiten von Wasser umflossen, und besteht aus drei großen, und einer zahlreichen Menge kleiner Inseln.
Alle diese werden in sieben Teile, und diese wieder in acht und sechzig Landschaften, und in sechs hundert und vier Gerichtsbezirke eingeteilt.
Jetzt ist der Kubo, oder der sogenannte weltliche Kaiser, Herr dieses ganzen Landes, und unter ihm regieret ein Prinz oder Fürst in jeder Landschaft.
Die größeren von diesen Fürsten heißen Daimio, und die kleineren, Siomio.
Wenn einer von ihnen einen Fehler begeht, hat der Kaiser das Recht ihn abzusetzen, auf eine Insel zu verweisen, oder selbst am Leben zu strafen.
Alle diese Fürsten sind schuldig, jährlich eine Reise nach Hofe zu machen, sich daselbst sechs Monat· lang aufzuhalten, und ihre ganze Familie, zum Unterpfande ihrer Treue dort allezeit wohnen zu lassen.
Im ersten Teile dieses Bandes habe ich Gelegenheit gehabt, dieser Reisen umständlicher zu erwähnen.
Der Fürst selbst residiert in der ihm anvertrauten Provinz, und ist dem Kaiser, in Rücksicht auf seine Provinz sowohl, als auf sein persönliches T·un und Lassen verantwortlich.
Ihm gehören die sämtlichen Einkünfte aus seiner Provinz; davon muß er aber auch seinen Hof, seine Kriegsmacht, die Landstraßen und dergleichen unterhalten, und seine jährliche Hofreise, mit einem der Größe und Beträchtlichkeit seines Gouvernements angeme·ßenen Staat und Prunk, bestreiten, desgleichen ansehnliche Geschenke mit nach Hose bringen.
Die Städte, wo solche Fürsten ihre Hofhaltung haben, sind meistens von bedeutender Größe, liegen an einem Hafen oder großen Flusse, und sind mit Wall und Graben umgeben.
Das Schlo·ß des Fürsten liegt gewöhnlich an einem Ende der Stadt; es ist von weitläuftigem Umfange, von Mauern und Gräben eingeschlossen, mit starken Toren versehen, und mit hohen Türmen geziert.
Gemeiniglich besteht es, wie das Schlo·ß des Kaisers zu Jedo, aus drei Abteilungen, deren jede für sich gut befestigt, und wovon die innerste für den Fürsten selbst; die zweite für den vornehmeren Hofstaat, und die erste, oder äußere, für das Militär und die geringeren Hofbedienten ist.
In Ansehung des Schlosses und Hofes des weltlichen Kaisers verweise ich auf dasjenige, was ich bei Gelegenheit meines Aufenthalts in Jedo davon gesagt habe.
Der Kubo genießt, außer den ansehnlichen Geschenken die jeder Fürst von den Produkten seiner Landschaft ihm jährlich bringen muß, noch besondere Einkünfte aus einigen sogenannten Kaiserlichen Provinzen, die man Kron- oder Domanialprovinzen nennen könnte, und deren fünf sind, desgleichen aus einigen Kaiserlichen Städten, die von Gouverneuren oder Bu·gio regiert werden.
Die Abgaben werden in Produkten und Waren jeder Landschaft oder Stadt abgetragen.
Die fünf Kaiserlichen Kronländer liefern 148 Man· und 1200 Kokf Reis, welches ungefähr 44 Billionen und 400 Millionen Säcke ausmacht.
Das Man hält 100,000 Kokf, ein Kokf 300 Balis oder Säcke, und jeder Sack über ein Ließpfund.
Die Einkünfte aus ganz Japan belaufen sich wenigstens auf 2328 Man, 6200 Kokf.
Der Kaiser ist zwar der oberste Herrscher, doch lenkt er das Ruder der Regierung nicht allein, sondern gemeinschaftlich mit einem Staatsrat·, der aus sechs, gewöhnlich etwas bejahrten und vorzüglich verständigen, Männern besteht.
In den ältesten Zeiten, welche in Dunkel und Ungewi·ßheit eingehüllt sind, scheint Japan, wie andere Länder, von Hausvätern oder kleineren Fürsten regiert worden zu sein, die sich hernach unter Ein Oberhaupt vereinigt haben.
Die zuverlässige Geschichte von den Japaneschen Regenten nimmt mit dem Jahr 660. vor Christi Geburt ihren Anfang, da die Regierung einem gewissen Syn Mu, aus einem angesehenen Geschlecht·, das den Namen Tensio Dai sin führte, ·übergeben wurde.
Dieser Syn Mu ist der erste Stifter der Monarchie in Japan, er hat eine richtige Zeitrechnung eingeführt, welche der Aere Nin O den Namen gegeben hat, und sowohl die Regierungsform und Verfassung selbst, als auch die Gesetze verbessert.
Die Regenten aus diesem Stamme hießen gewöhnlich Dairi, selten Mikad·o, Dai, Tai, Tense oder Oo.
Hundert und neunzehn Dairi haben bis zur Zeit meines Aufenthalts in diesem Lande, nach einander den Thron bestiegen, doch ist ihre Macht und Gewalt, in drei verschiedenen Zeitperioden, sehr verschieden gewesen.
Bis 1142. regierte der Dairi, ohne alle Mitwirkung, allein und unumschränkt.
Von jener Zeit an, bis auf das Jahr 1585. war die weltliche Macht zwischen diesem ältesten und rechtmäßigen Beherrscher des Reichs, und dem sogenannten weltlichen Regenten, oder General·issimus über die Armee, geteilt.
Endlich von 1585. an, hat sich seine Gewalt nur auf das erstreckt, was Religion und Gottesdienst, oder wenn ich so sagen kann, die Kirche, betrifft.
Der unumschränkten Monarchen aus dem Geschlecht· der Dairi, waren bis 1142. sechs und siebzig gewesen.
In diesem Jahre entstanden innerliche Unruhen zwischen den Fürsten oder Unterregenten der Provinzen, welche unglückliche, bürgerliche Kriege zur Folge hatten.
Um diesen ein Ende zu machen, wurde die Oberbefehlshaberschaft über die Kriegsmacht, einem gewissen Joritomo, mit dem Titel eines Genera·lissimus, aufgetragen.
Dieser tapfere Feldherr dämpfte zwar die entstandenen Unruhen, zog aber auch einen großen Teil der Kaiserlichen Gewalt an sich, und vererbte diesen Anteil auf seine Nachfolger.
So blieb die Herrschaft bis zum Jahre 1585. zwischen dem Dairi und dem Reichsfeldherrn geteilt.
Um diese Zeit aber, hatte ein Bauernfohn, Taiko Sama, sich zum obersten Kriegsbefehlshaber hinauf geschwungen.
Dieser zwang alle Fürsten der Provinzen sich ihm zu unterwerfen, und beraubte endlich den Dairi aller Macht, die er bisher in weltlichen Angelegenheiten und der Regierung des Landes gehabt hatte.
Von Joritomo, welcher der erste besondere weltliche Monarch war, bis auf Je Baru, der zu meiner Zeit regierte, haben ein und vierzig Kubo regiert und zu Jedo residiert.
Als Kämpfer im Jahr 1693. aus diesem Lande abreiste, regierte noch der Kubo Tjinajos; er war damals im drei und vierzigsten Jahr seines Alters und im zwölften seiner Regierung, die in allem neun und zwanzig Jahre gewährt hat.
Ihm sind gefolgt; Je Nob Koo, regierte von 1709 bis 1712; Je Tsu Ku Koo, von 1713 bis 1716; Josi Mune Koo, von 1716 bis 1751; Je Singe Koo, von 1751 bis 1761; da der bei meiner Abreise 1776. noch regierende Kubo, Je Far Koo, den Thron bestieg.
Außer dem Kubo ist also, wie gesagt, noch ein Regent vorhanden, den die Holländer den geistlichen Kaiser nennen, und dessen Macht gegenwärtig auf die Angelegenheiten, welche die Religion und das Kirchenwesen betreffen, eingeschränkt ist, obwohl er in gerader und ununterbrochener Linie, die vor mehr als zweitausend Jahren ihren Anfang nahm, von dem ältesten Alleinherrscher des Reichs abstammt.
Dies ist der Dairi.
Diesem Dairi, oder Papst, wird nun eine ganz unbeschränkte, gleichsam göttliche Verehrung bewiesen.
Seine Person wird für heilig angesehen, und zwar für allzuheilig, als daß er von irgend einem anderen als denen zu seiner Bedienung verordneten Personen, am wenigsten von einer fremden Mannsperson, gesehen werden, oder auch nur sich der Luft und Sonne aussetzen dürfte.
Daher kommt er selten aus seinen Zimmern; will er höchstens einmal im Garten frische Luft schöpfen, so wird er, von dazu bestellten Trägern, auf den Schultern dorthin getragen, zuvor aber wird ein Zeichen gegeben, daß Jedermann sich entfernen und Niemand ihn sehen möge.
In den wenigen Tagen da wir uns in seiner Residenzstadt aufhielten, geruhte er einmal in dem inneren Bezirke seines Schlosses unter freiem Himmel frische Luft zu schöpfen, welches dann durch ein besonderes Zeichen von der Mauer rund um das Schlo·ß kund get·an wurde.
Er wird geboren, lebt und stirbt in dem Bezirke seines Hofes, findet und genießt alle Vergnügungen innerhalb desselben, und kommt in seinem ganzen Leben nicht heraus.
Seine Haare, Nägel und Bart dürfen nicht am Tage gereinigt oder beschnitten werden, sondern dies muß, ohne Zweifel ebenfalls seiner Heiligkeit wegen, heimlich, des Nachts wenn er schläft, geschehen.
Er speis·t jedesmal von neuen Tellern und Schüsseln, welche hernach gewöhnlich entzwei geschlagen werden, um zu verhüten, daß sie nicht in unheilige Hände fallen.
Sein Tischgerät besteht daher nur aus den schlechteren Sorten von Porcellain.
Eben diese Art von Aufwand, herrscht auch mit seinen Kleidungsstücken, die aber, wenn er sie einmal gebraucht hat, nicht zerrissen, sondern an seine Hofbediente wegge··schenkt werden.
Außer am Hofe weiß niemand, oder doch gewiß nur sehr wenige, seinen Namen ehe, als lange nach seinem Tode.
Sein ganzer Hof, an welchem viel Pracht und Aufwand, jedoch jetzt nicht mehr so sehr als ehemals herrscht, besteht fast nur aus Personen von seiner eigenen Verwandtschaft, welche aber auch alle Ämter und Bedienungen bei Hofe, und die einträglichsten Pralaturen und geistlichen Pfründen im Lande bekommen.
Er hat zwölf Gemahlinnen, von welchen eine die Vornehmste, oder Kaiserin ist.
In alten Zeiten hielt er seinen Hof, wo es ihm beliebte, bald an diesem, bald an jenem Orte.
Jetzt residiert er unabänderlich in der Stadt Miako.
Der Schlo·ßbezirk ist von großem Umfange, und macht für sich selbst schon eine ansehnliche Stadt aus.
Er ist mit Mauern, Gräben, Bollwerken und Toren versehen.
In der Mitte steht der Palast des Dairi, der mit hohen Türmen prangt, und worin er mit seinen Gemahlinnen wohnt.
Rund umher sind die Wohnungen für seinen hohen und niederen Hofstaat, für seine zahlreiche Dienerschaft, und für die Priester, welches die Gelehrten an seinem Hofe sind.
Der Kubo hält zu Miako, zum Dienste des Dairi, einen Statthalter, und, zur Sicherheit seiner geheiligten Person, eine Wache.
Beide sind aber auch dem Kubo für allen Aufruhr verantwortlich.
Ihr Aufenthalt ist ebenfalls im Umfange des Schlo·ßbezirkes.
Am Hofe des Dairi werden Wissenschaften und Gelehrsamkeit getrieben, und man kann ihn wie eine Akademie, und zwar die einzige im Lande, ansehen.
Der vornehmste Hofbeamte des Dairi, ist der, welchen die Holländer den Oberrichter nennen.
Er ist gleichsam sein Vicarius, oder eine Art Hofmarschall.
Er besorget in seinem Namen alles an seinem Hofe, und besonders auch alle kirchliche· Angelegenheiten außerhalb desselben.
Er fertigt auch die Pässe für alle, welche oben ins Reich, und nach dem Hofe des weltlichen Kaisers reisen, aus.
Indessen wird dieser sehr angesehene Herr nicht vom Dairi selbst, sondern vom Kubo angesetzt, welcher gewöhnlich einen Mann von Jahren und Verstand, der schon wichtige und hohe Ämter bekleidet hat, und Vermögen besitzt, dazu nimmt.
Da aber die Einkünfte dieses Ehrenamtes geringe und sehr unzureichend sind, so wird der, welcher es bekleidet, auf diesem erhabenen Posten gemeiniglich zum armen Mann.
Seitdem die Macht des Dairi herabgesetzt ist, genießt er die Staatseinkünfte aus der Stadt Miako und der dazu gehörigen Provinz, außerdem aber einen beträchtlichen Zuschu·ß aus der Schatzkammer des Kubo, der großen Summen nicht zu gedenken, die ihm für die Titel, welche er ert·eilt, bezahlt werden.
Es gehöret nämlich bis auf den heutigen Tag zu seinen Gerechtsamen, Ehrentitel zu conferieren.
Selbst der Kubo und der Kronprinz bekommen Titel von seiner Hand, auch die höchsten Beamten am Hofe des Kubo, wenn dieser sie dazu empfiehlt.
Auch gibt es mit vornehmen Titeln von ihm versehene Geistliche oder Prälaten, sowohl an seinem Hofe, als bei den Tempeln im Lande.
Der Dairi hat noch immer den ersten Rang im ganzen Reiche, und der Kubo muß entweder in eigener Person, oder durch eine Gesandtschaft, entweder jährlich oder nach Verlauf einer gewissen Zeit, ihm die Aufwartung machen, und, nach allgemeiner Landessitte, Geschenke mitbringen.
Joritomo und andere weltliche Kaiser sind in eigener Person nach Miako gereist, um ihm diese Huldigung zu leisten.
In späteren Zeiten aber hat dies mehr und mehr abgenommen, und endlich ist es gar unterblieben.
Die Fürsten der Provinzen warten aber dem Dairi nie auf solche Art feierlich auf; auch tut es der Holländische Ambassadeur nicht auf seiner Reise nach Jedo.
Als Kämpfer sich in Japan aufhielt, regierte der Dairi Kinseckwo Tei, der im Jahr 1687. den Thron bestiegen hatte.
Seit dieser Zeit haben folgende regiert: Naka no Mikaddo no In, von 1709 bis 1735; Sakkura Matie no In, von 1735 bis 1746; Momi Zon no In, von 1746 bis 1761; Zentoogozio, von 1761 bis 1769; und Figasi jamma no In von 1770 an, welcher bei meiner Abreise auf dem Throne saß.
Man vergleiche hier übrigens, was ich im Vorhergehenden bei Beschreibung der Stadt Miako vom Dairi und dessen Hofe schon angeführt habe.
Von der vortrefflichen Polizei in Japan und den darauf sich beziehenden Einrichtungen habe ich im ersten Teile dieses Bandes mehrmals Nachricht zu geben Gelegenheit gehabt.
Besonders herrscht in allen Städten eine fast unnachahmliche Ordnung zu· Aufrecht··haltung öffentlicher Ruhe, Sicherheit, Bequemlichkeit und Wohlfahrt.
Einiges hiervon habe ich bei dem, was ich von den Städten Nangasacki und Jedo gesagt habe, schon erwähnt.
Es sind nämlich in jeder Stadt vier Bürgermeister, von denen jeder ein Jahr lang den Vorsitz hat, das Wort führt und Ninban heißt.
Außer diesen ist über jede Straße ein Ottone gesetzt, der gleichsam ein Kommissarius ist, und den Bürgermeistern von allem was vorfällt, Rapport abstatten muß.
Er hat verschiedene Stadtdiener zu seinem Dienste unter sich.
Sein Amt ist, alle, die in seiner Straße geboren werden, sterben, heiraten, verreisen, wegziehen oder ankommen, aufzuschreiben und die Einigkeit unter den Einwohnern zu erhalten zu suchen.
Er hat das Recht, die Verbrecher gefangen zu setzen und sogar in Fesseln zu legen.
Er wird von den Einwohnern einer Straße gewählt und aus der Kasse der Straße besoldet; die Miet·sleute haben aber bei seiner Wahl keine Stimme.
Jeder Ottone hat auch drei Beisitzer zu Gehilfen, einen Sekretär, und einen Kassierer.
Die Stadtdiener sind zugleich Spionen, die dem Ottone von allem genaue Nachricht bringen müssen.
Jede Stadt ist mit Toren versehen; aber auch jede Straße hat ihre besonderen Tore, die, bei entstandenen Unruhen, wenn sie verschlossen werden, alle Gemeinschaft mit anderen Straßen abschneiden, so, daß keiner der Lärm und Unruhe anstiftet, mit der Flucht entkommen kann; des Nachts sind sie allezeit verschlossen, so, daß niemand aus oder ein kann.
Von einem solchen Tore zu einem anderen sind gemeiniglich dreißig bis sechzig Klafter.
Die Hausmiete wird monatlich bezahlt, und zwar nach der Größe der Zimmer, die man bewohnt, welche nach der Anzahl der Fußbodenmatten bestimmt wird. --
Von den unübertrefflichen Feueranstalten habe ich Seite 114 dieses Bandes geredet.
Hier hole ich noch nach, daß die Bürgerschaft, sowohl Hausbesitzer als Miet·sleute, zu Verhütung von Feuersbrünsten selbst Wache halten muß.
Solcher Nachtwachen sind zwei, und diese sind so unverletzlich, daß niemand bei unvermeidlicher Lebensstrafe sich an ihnen vergreifen darf.
Die eine hält sich allezeit auf der Hauptwache auf, und kann, wenn Gefahr vorhanden ist, verdoppelt werden.
Die andere ist die umhergehende, welche ich am angeführten Orte beschrieben habe.
Jede Straße hat ihre eigene Wache, Wachhäuser und Löschgerätschaften.
In allen Gasthöfen, Wirtshäusern und Krüge·n, geht es so friedlich zu, daß man selten von Schlägerei oder betrunkenen Leuten hört.
In jeder Stadt sind viele Wirt·shäuser zur Bequemlichkeit der Reisenden; diese Häuser sind reinlich und liegen in guten Gegenden der Stadt.
Die Dörfer habe ich schon gelegentlich beschrieben; sie liegen meistens an den öffentlichen Landstraßen und unterscheiden sich von den Städten dadurch, daß sie nur Eine Straße haben und offen sind.
Auch in den kleinsten Dörfern sind eine Menge kleiner Herbergen vorhanden, wo für Reisende T·ee und andere Erfrischungen immer in Bereitschaft gehalten werden.
An den Landstraßen findet man alle zwei, höchstens alle vier, Meilen Posthäuser, wenn ich sie so nennen kann, wo allezeit Pferde und Träger die für Geld, Menschen, Gepäcke und Waren tragen, zu haben sind.
Die Taxe, wo·nach man diese bezahlt, ist nach der Beschwerlichkeit und Länge der Wege eingerichtet, mithin in verschiedenen Gegenden verschieden, aber genau und richtig bestimmt.
So wachsam die Polizei ist, und so pünktlich und ordentlich ihre Einrichtungen befolgt werden, eben so strenge sind auch die Gesetze.
Um so viel möglich zu erhalten, da·ß die in öffentlichen Ämtern stehende Personen ehrlich und zuverlässig sein mögen, ist eingeführt, da·ß jeder, ohne Unterschied, beim Antritt seiner Bedienung, einen sehr scharfen Eid schwören und solchen auch wohl jährlich erneuern muß.
Manchmal müssen sie auch umwechseln, um nicht an einem Orte zu alt und mit der Zeit verleitet zu werden.
Die Wirkung der Strenge der Gesetze ist sehr groß und in die Augen fallend.
Schwerlich gibt es irgend ein Land, wo weniger gegen die Gesetze gehandelt wird.
Und da nie das mindeste Ansehen der Person statt hat, und die Gesetze uralt, ohne Abänderungen, Erklärungen und Verdrehungen sind, so wachsen die Untert·anen nicht nur mit zuverlässiger Kenntnis dessen, was sie zu tun und zu unterlassen haben, auf, sondern das Beispiel und unstr·äfliche Betragen der Alten leuchtet ihnen auch darin vor.
Die meisten Verbrecher werden mit dem Tode bestraft, nicht wegen Größe oder Geringfügigkeit des Verbrechens, sondern weil man sich unterstanden hat, die geheiligten Gesetze des Reichs zu übertreten, und die Gerechtigkeit zu beleidigen, welche, nächst der Religion, für das Allerheiligste gehalten wird.
Geldbuße betrachtet man als mit Gerechtigkeit und Vernunft streitend; der Reiche, glaubt man, würde dabei von aller St·afe frei und dies würde höchst Unrecht und ungereimt sein.
Totschlag wird mit der Todesstrafe geahndet, und wenn er in einer Stadt oder auf öffentlicher Straße geschehen ist, so wird nicht nur der Mörder, sondern bisweilen auch die Anverwandten und Angehörigen, ja die Nachbaren desselben, bestraft, je nachdem sie mehr oder weniger dazu mit beigetragen, oder doch die T·at zu hindern unterlassen haben.
Den Säbel gegen jemand zu ziehen, kostet das Leben.
Alle Schleichhändler werden ohne Schonung am Leben gestraft, ingleichen alle, die Teil daran gehabt haben, sowohl die Verkäufer als Käufer der Ware.
Alle Todesurteile müssen vor der Vollziehung vom Staatsrat·· zu Jedo unterschrieben werden, und vor dem Urteilsspruche muß ein förmliches Verhör vor dem dazu gesetzten Richter und mit Abhörung der Zeugen hergehen.
Die Missetäter werden gewöhnlich im Gefängnisse selbst, ins Geheim, mit dem Säbel enthauptet, wiewohl auch in einigen Fällen öffentliche Kreuzigung oder andere öffentliche und zwar schmerzliche Todesstrafe üblich ist.
Verbrecher die den Tod nicht verdient haben, werden entweder auf Lebenslang mit Gefangenschaft bestraft, oder nach einer entfernten Insel verwiesen, und dabei ihr ganzes Vermögen konfisziert.
In den Städten werden oft die Bewohner einer ganzen Straße um eines einzigen Verbrechers Willen gestraft; der Herr wegen der Vergehung seines Knechts, die Eltern wegen dessen, was die Kinder begangen haben, und zwar nach Verhältnis ihres Anteils an dem Vergehen.
In dem durch Philosophie und lautere· Religion aufgeklärten Europa wird der, welcher jemand verführt oder zum Bösen verleitet, selten; Eltern und Anverwandten hingegen, welche die Erziehung ihrer Kinder und Angehörigen versäumten oder vernachlässigten, nie bestraft: dagegen finden diese sogenannten Heiden dergleichen Bestrafung nicht unbillig.
Gefängnisse sind zwar hier zu Lande, wie ander·wärts, sehr unangenehme Aufenthaltsörter, sie werden aber reinlich und gesund gehalten, und bestehen außer den Gemächern für die Gefangenen, aus einem Zimmer zum peinlichen Verhöre, einem Gemache zu den Hinrichtungen, Küche, Eßsaale· und Badstube.
Vor den Städten und Dörfern sieht man bisweilen an der linken Seite Kreuze und Pfähle aufgerichtet; dies sind die Richtplätze, wo, in vorigen Zeiten mehr als heutiges Tages, die Delinquenten aus der Welt geschafft wurden.
Da die Strafen in diesem Lande ungewöhnlich hart und, wie schon gesagt, die Gesetze unveränderlich sind, so kann man mit Wahrheit behaupten, daß hier weit weniger Verbrechen und gesetzwidrige Handlungen begangen und bestraft werden, als in anderen volkreichen Ländern, wo, außer den vielen Strafen, die jährlich vollzogen werden, viele Verbrecher und die Gesetze übertreten··de Personen, verborgen bleiben, Gelegenheit zu entkommen haben, oder auf andere Art der verdienten Ahn·ung entgehen.
Die Dolmetscher haben mich versichert, und ich kann nicht leugnen daß es mir sehr auffiel, daß es Gesetze gebe, denen von der Strafe der Übertreter nichts beigefügt, und daß in Beziehung auf manche Verbrechen die Strafe nicht allgemein bekannt sei; sie glaubten aber, ( vermutlich hatten sie ihre guten Gründe, ) man müsse sich deshalb nicht weniger vor Verbrechen und Vergehungen hüten, wenn schon der Regent nicht für gut befunden habe, die Art der Strafe zu bestimmen und bekannt zu machen.
Damit aber niemand Unkunde der Gesetze vorschützen möge, findet man sie in allen Städten und Dörfern, zu öffentlicher Ansicht und täglichem Durchlesen, mit großen Buchstaben geschrieben und auf einem mit Gitterwe·g umgebenen offenen Platze aufgestellt, der in den Städten gleich innerhalb des T·ores und in den Dörfern mitten auf der Straße ist.
Die Befehle dessen, was geschehen oder unterlassen werden soll, sind sehr kurz, ohne Bestimmung der Strafe und ohne beigesetzte Drohungen.
Die öffentlichen Abgaben der Einwohner sind in verschiedenen Provinzen und, eben so, auch in den Städten und auf dem Lande, verschieden.
Der Kubo bezieht, außer den ansehnlichen Geschenken, welche er j·ährlich von den Provinzialfürsten und den Holländern bekommt, die seinigen aus gewissen Städten und Landschaften.
Die Fürsten erheben die ihrigen, jeder aus seiner Provinz und den darin befindlichen Städten; sie sind aber nach der Lage, dem Reicht·um, dem Umfange, der Volksmenge und dem Anbau sehr ungleich.
Jeder Hauseigentümer bezahlt von seinem Hause, nach Maßgabe der Fronte desselben an der Straße, eine festgesetzte Steuer, hiernächst muß er den öffentlichen Beamten bestimmte Geschenke machen, auch an die Tempel und zum Dienst der Götter eine gewisse Kontribution erlegen.
Die Stadt Nagasaki besteht aus ungefähr neunzig Straßen, hat zwei und sechzig Tempel und ihre sämtlichen Abgaben betragen etwa drei Mangokf.
Das platte Land entrichtet nach dem Ertrage des Feldes seine Steuern, die gewöhnlich in Reis bestehen.
In waldichten und weniger kultivierten Gegenden, sind die Auflagen geringer.
Indessen sind sie im Ganzen durchgehends sehr beträchtlich.
Ein Rentmeister, oder Vogt, treibt sie ein.
Das Ackerland wird, in dieser Rücksicht, nach Verschiedenheit der Fruchtbarkeit und Güte, in drei Klassen eingeteilt.
Wer ein Stück Feld urbar macht, benutzt es zwei bis drei Jahr ganz steuerfrei.
Damit man immer genau wisse, wie groß eines jeden Feld sei, und wie viel davon an den Fürsten der Landschaft abgetragen werden müsse, wird es oft, nicht selten zweimal des Jahrs, im Frühling und in der Ern·tezeit, gemessen.
Gewöhnlich machen die Abgaben von Landgütern und Äckern etwas über die Hälfte, oft über zwei Drittteil des ganzen Ertrages aus.
Um sie genau zu bestimmen, wird ein Stück Land gemessen, das Korn oder der Reis auf demselben abgeschnitten und gedroschen, und danach ausgerechnet, wie viel das Ganze ungefähr beträgt.
Der Boden oder das Feld, gehört allezeit entweder dem Landesherrn oder dem Fürsten, und der Landmann und Bauer besitzt es nur zu Lehn, so lange er es gehörig bearbeitet.
Es ist wahr, die Einrichtungen in diesem Lande kommen einem Ausländer oft sonderbar vor, und nicht selten sind sie mit vielem Zwange verbunden, doch sind sie zum Teil gewi·ß vortrefflich und in vielen Fällen nöt·ig.
Im Allgemeinen sind in Japan sowohl die oberste Landesregierung, als die übrigen Beamten und öffentlichen Staatsbedienten, mehr als in den meisten anderen Ländern, auf das Wohl des Landes, auf die Erhaltung der Ordnung und auf Sicherstellung der Untert·anen und ihres Eigentums bedacht.
Zweiter Abschnitt.
Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht.
Die Religion ist in ganz Japan überhaupt heidnisch, doch gibt es mehrere unterschiedene Sekten, die gleichwohl alle in größter Eintracht, ohne Streit und Zank, mit einander leben.
Jede Partei hat ihre besonderen gottesdienstlichen Gebäude und ihre besonderen Götter.
Der sogenannte geistliche Kaiser, der Dairi, ist das Oberhaupt der Kirche, gleichsam der Papst, und ernennt die vornehmsten Priester.
Ihre Götter bilden die Japaner unter einer bestimmten, meistenteils widrigen und ungeheuren Gestalt ab.
Überhaupt fingieren sie sich viele Götter und beinahe für jede Lebensart und Han·t·ierung einen besonderen Gott, ungefähr wie die alten Griechen und Römer; sie haben daher höhere und niedere Götter.
Ein ewiges und allmächtiges Wesen, höher als alle andere Götter, ist ihnen zwar nicht unbekannt, aber die Erkenntnis desselben, ist sehr in Dunkel und Aberglauben verhüllt.
Kein heidnisches Bild dieses höchsten Gottes habe ich indessen so groß und majestätisch gefunden, als hier in zwei Tempeln, in deren einem es von ganz unglaublicher Größe vorhanden ist, in dem anderen aber seine unendliche Macht durch eine unzählige Menge auf beiden Seiten stehender kleiner Götter, vorgestellt wird.
Seite 127 und 128 des ersten Teils, habe ich diese Bilder, nebst den Tempeln worin sie stehen, genauer beschrieben.
Der Tempel sind viele; die meisten stehen außerhalb um die Städte herum, und zwar an den höchsten und schönsten Stellen, die Wege dahin, sind oft mit Alleen von Zypressen und mit schönen T·oren geziert.
In den meisten Tempeln ist ein besonderer und abgeteilter Platz für das Bild des Gottes, welcher bisweilen auf einem Altare sitzt, und sein Rauchwerk, Blumen und andere Zier·at·en um sich her liegen hat.
Die Tempel im ganzen Lande, stehen das ganze Jahr hindurch täglich offen, werden aber an den gewöhnlichen Festtagen am häufigsten besucht.
Viele spazieren auch bei gutem Wetter dahin, um sich da ein Vergnügen zu machen.
Der Priester bei jedem Tempel sind viele, obgleich ihre Geschäfte sehr geringe und wenig sind.
Sie bestehen darin, den Tempel rein zu halten, die Lichte· und Lampen anzuzünden, und diejenigen Blumen dem Gott vorzusetzen, die ihm heilig und, der Meinung der Japaner nach, die angenehmsten sind.
Öffentlichen Gottesdienst, Religionsvorträge, Gesang und dergleichen, hat man in den Tempeln gar nicht; sondern jeder, der kommt, verrichtet sein Gebet, und lä·ßt etwas zur Opfergabe zurück.
Kein Fremder wird von den Tempeln ausgeschlossen; selbst die Holländer dürfen sie besuchen und werden, wenn in kleinen Städten die Wirtshäuser besetzt sind, in dieselben einquartiert, welches, auf der Reise nach Jedo, auch uns einmal wi·derfuhr.
Einige Tempel sind vor anderen besonders merkwürdig, und zu solchen werden auch aus allen Provinzen des Reichs Wallfahrten, wie von den Mohammedanern nach Mekka, angestellt.
Von dieser Art ist vorzüglich der Tempel Isie.
Dieser ist dem ältesten Gotte des Landes, oder dem höchsten himmlischen Gotte, Tensio Dai sin, geweih·t, und der älteste im ganzen Lande, aber auch der unansehnlichste, und jetzt vor Alter dermaßen verfallen, daß er mit der größten Sorgfalt kaum noch vor dem völligen Einsturze geschützt werden kann.
In demselben findet sich nur ein Spiegel und an den Wänden hie· und da einige Streifen weißen Papiers aufgehängt, welches anzeigen soll, daß kein Unreiner sich dem Gotte nähern, oder ihm gefallen kann, und daß das allsehende Auge alles sieht.
Der Kaiser, welcher diesen Tempel nicht in eigener Person besuchen kann, fertigt jährlich im ersten Monate eine Gesandtschaft dahin ab.
Alle Untert·anen, wessen Alters oder Geschlechts sie sein mögen, sind schuldig, wenigstens Einmal in ihrem Leben, eine Reise hierher zu machen; viele machen sie alle Jahr.
Die Vornehmen kommen gleichwohl selten hin; sie m·aßen sich, hier wie anderer Orten, ihre besonderen Privilegien an, die mehr der Bequemlichkeit als dem was sie tun sollten angemessen sind.
Diese Wallfahrten können zu jeder Zeit geschehen, gemeiniglich aber werden sie in der schönsten Jahr·szeit, in den Frühlingsmonaten, verrichtet.
Eine solche Wallfahrt getan haben, ist verdienstlich, und wirkt dem Pilg·rim einen Ablaß für das ganze Jahr.
Auf meiner Reise nach Jedo, sah ich dergleichen Pilg·rime zu Tausenden; oft waren sie so arm, daß sie unterwegs ihr Brot betteln mu·ßten.
Diese arme Leute trugen nach Landessitte auch ihr Bette mit sich, das aus einer Strohmatte bestand, welche ihnen über der Schulter hing.
Die meisten trugen auch einen kleinen Eimer, um daraus zu trinken und ihre Almosen darin zu empfangen.
Auf diese Gefäße ist der Name des Besitzers geschrieben, damit man, auf den Fall, wenn er auf der Wallfahrt umkommen oder natürlichen Todes sterben sollte, wissen möge, wer er gewesen ist.
Wenn die Wallfahrer zu Isie angekommen sind, werden sie von einem Priester nach dem Tempel geführt, wo sie ihr demütiges Gebet verrichten und, gegen ein Geschenk an den Priester, einen Ablaß bekommen, der aus einigen, in einer länglichen Dose von dünnem Zinn verwahrten, dünnen zinnernen Blättchen, ( wie unsere geschlagene Gold- und Silberblättchen ) besteht.
Herrschende Religionen kann man in Japan eigentlich zwei annehmen: sie werden Sinto und Budsdo genannt.
Die erstere, oder Sinto, ist die eigentümliche und älteste Religion dieses Landes, ob sie gleich weniger Anhänger hat.
In ihrer ersten Einfachheit scheint sie viel edler gewesen zu sein als sie jetzt erscheint, da sie mit der Zeit durch fremde Zeremonien mehr und mehr entstellt worden ist, auch scheinen ihre Lehren vor diesem mehr Klarheit gehabt zu haben, als heutiges Tages, seitdem Irrwahn und Aberglaube sie allmählich mehr verdunkelt haben.
Vielleicht schreibt sie sich ursprünglich gar von den Juden, nach dem Aufenthalte derselben in Babylonien, her.
Ihre Anhänger erkennen und glauben ein erhabenes Wesen, das in den höchsten Himmeln wohnt, nehmen aber auch noch geringere Untergötter an.
Beim höchsten Gotte schwören sie ihre Eide, glauben aber übrigens, daß er weit darüber erhaben sei, ihrer Verehrung zu bedürfen.
Die niedrigeren Götter beten sie an; sie glauben, daß diese über die Erde, das Wasser, die Luft u. s. w. herrschen, und die Menschen glücklich oder unglücklich machen können.
Von der Unsterblichkeit der Seele und einem glückseligen oder unglückseligen Zustande nach dem Tode, haben sie allerdings, jedoch nur dunkle, Begriffe: die Seelen der Tugendhaften, sagen sie, kommen nach einem Orte, der unter den Himmeln ist, die Seelen der Gottlosen aber müssen lange unter den Himmeln umher schwärmen, um für ihre Sünden zu büßen.
Wanderung der Seele in Körper der Tiere oder andere Körper, glauben sie also nicht.
Ihre ganze Religion geht darauf aus, tugendhafte und rechtschaffene Menschen in diesem Leben zu sein.
Sie befleißigen sich tugendhaft zu leben, und den Gesetzen des Landes zu gehorchen, um solchergestalt ein in jedem Betracht unverletztes Gewissen zu bewahren.
Sie essen kein Fleisch, vergießen nicht gern Blut, und rühren keinen toten Körper an.
Sündiget jemand in einem dieser Stücke, so wird er, wie die Juden nach dem levitischen Gesetze, eine Zeitlang für unrein gehalten.
Teufel gibt es nach ihrer Meinung keine andere, als die, welche in den Füchsen als deren Seelen wohnen; diese Tiere werden nämlich in Japan für sehr gefährlich und schädlich angesehen.
Obgleich die Bekenner dieser Religion die Überzeugung haben, daß ihren Göttern alles bekannt und es mithin unnöt·ig sei sie um etwas zu bitten, so haben sie doch sowohl Tempel als gewisse Festtage.
Die Götter heißen bei ihnen sin oder Kami, und ihre Tempel Mia.
Diese bestehen aus mehreren Zimmern oder Galerien mit Fenstern und Türen, die, nach hiesiger Art, eingesetzt und herausgenommen werden können.
Der Fußboden ist mit Strohmatten bedeckt, und das Dach steht so weit vor, daß es einen erhöhten Gang bedeckt, auf dem man um den Tempel herum gehen kann.
In diesem Tempel findet man keinen abgebildeten Gott, oder sonst ein Bild, um das höchste, unsichtbare Wesen vorzustellen.
Bisweilen aber steht doch in einer Schachtel oder Dose ein kleines Bildnis eines Untergottes, dem der Tempel heilig ist.
Mitten im Tempel befindet sich gewöhnlich ein großer, von Metall gegossener und polierter Spiegel, der die Hereintretenden erinnern soll, daß, so wie man in demse·lben die Flecken des Gesichts sieht, die unsterblichen Götter auch die geheimen Flecken ihrer Herzen sehen.
Mit welcher Andacht die Sintoisten, sowohl an ihren Festen, als auch sonst, sich diesen Tempeln nahen, habe ich oft mit der größten Verwunderung gesehen.
Sie wagen es nicht dem Hause ihres Gottes nahe zu kommen, wenn sie auf irgend eine Art unrein sind.
Sie waschen sich deswegen vorher sehr sorgfältig, ziehen ihre besten Kleider an, und waschen sich die Hände noch einmal vor dem Tempel.
Darauf treten sie mit ernster Würde hinein, gehen vorwärts und stellen sich vor den Spiegel.
Alsdann bücken sie sich mit der tiefsten Ehrfurcht ganz bis zur Erde nieder, kehren sich wieder gegen den Spiegel, verrichten ihr Gebet und geben ein Opfergeschenk.
Zuletzt klingeln sie dreimal mit einer im Tempel befindlichen kleinen Glocke, und gehen weg, um den Rest des Tages in Vergnügen und mit Lustbarkeiten zuzubringen.
Die Priester bei diesen Tempeln sind von zweierlei Art.
Diejenigen welche die im Tempel vorfallenden Geschäfte verrichten, sind Weltliche und Ungelehrte, um nicht die Geheimnisse der Religion offenbaren zu können.
Die anderen sind Geistliche, und pflanzen die Geheimnisse ihrer Religion auf ihre Schüler fort, aber mit der eidlichen Verpflichtung, nie etwas davon bekannt zu machen.
Die weltlichen Priester lassen sich den Bart, nicht aber die Haare auf dem Kopfe scheren, und tragen nach japanischem Gebrauch weite Kleider, auf dem Kopfe aber einen lackierten Hut mit herabhängenden seidenen Schnüren. --
Seit Einführung der Religion des Budsdo in Japan, haben die S··intoisten verschiedene Lehren und Gebräuche angenommen, die sie anfangs nicht kannten.
Dennoch aber, und auch des mannigfaltigen Aberglaubens ungeachtet, womit sie von Zeit zu Zeit befleckt worden, ist diese Religion unstreitig die beste im Lande.
Der Kubo bekennt sich zu derselben, und ist schuldig, jährlich einmal, entweder selbst oder durch eine Gesandtschaft, einen ihrer Tempel zu besuchen, seinen Gottesdienst darin zu verrichten, und zugleich ansehnliche Geschenke zurückzulassen.
Die andere Hauptreligion, Budsdo genannt, ist von der westlichen Küste Ostindiens, namentlich aus Malabar, Coromandel und Ceylon hergekommen.
Buddha, welches ohne Zweifel mit Budsdo einerlei ist, ist der Name eines Propheten unter den Bra·mahnen, der ungefähr tausend Jahr vor Christi Geburt auf Ceylon gebo·ren sein soll, und Stifter dieser Sekte gewesen ist, welche sich hernach über ganz Ostindien und bis an die äußersten Grenzen Asiens ausgebreitet hat.
In China ist sie erst lange Zeit nach ihrer Entstehung zu einigem Ansehen gelangt; von da ist sie nach Corea, und so weiter nach Japan gekommen, wo sie sehr allgemein angenommen ist, und mit der alten Sintoreligion vermischt, verschiedene Missgeburten des Aberglaubens hervorgebracht hat.
Ihre vornehmsten Lehrsätze bestehen darin, daß die Seelen, sowohl der Menschen als der Tiere, unsterblich sind, daß es Strafen und Belohnungen nach dem Tode gibt; daß sowohl jene als diese ihre Stufen haben, daß die Seelen lasterhafter Menschen in Tiere, und endlich, wenn sie sich besseren, wieder in Körper von Menschen wandern.
Den höchsten Gott nennen die Anhänger dieser Religion, Amide, und den Teufel, Jemma.
Außer den Priestern bei den Tempeln gibt es auch einige geistliche Orden, die, zum Teil mehr zum Teil weniger, heilig sind.
Der Orden der Blinden ist einer der sonderbarsten in der Welt und vielleicht einzig in seiner Art; er besteht bloß aus blinden Leuten· die im ganzen Reiche zerstreut sind. --
Der Orden der Jamabbo oder Bergmönche, von welchen oben, Seite 35 schon etwas vorgekommen, ist ebenfalls merkwürdig.
Er ist vor etwa zweihundert Jahren gestiftet, und hat sein Oberhaupt, oder seinen General, zu Miako, welcher seinen Untergebenen nach Verdienst Ehrentitel ert·eilt.
Das äußere Zeichen einer solchen Ehre, besteht in einer um den Hals herabhängenden Schnur, mit unterschiedlichen Troddeln, die nach dem verschiedenen Range auch von ungleicher Länge sind.
Die Mönche von diesem Orden tragen einen Säbel an der linken Seite, in der Hand einen Stock mit einem kupfernen Knopfe und einer Tritons·schnecke, ( Murex Tritonis ), um darauf, wie auf einer Trompete zu blasen; auf dem Kopfe haben sie eine Mütze, auf dem Rücken einen Beutel und ein paar Schuh um auf den Bergen damit zu gehen; oft auch eine Schnur wie ein Rosenkranz.
Sie führen ein sehr beschwerliches und müh·seliges Leben.
Sie sind schuldig, einmal im Jahr mit vieler Gefahr, wilde Wälder zu durchwandern und bis zum Gipfel der höchsten Berge hinauf zu klettern.
Sie müssen sich ganz vorzüglich der Reinlichkeit befleißigen, und daher oft in kaltem Wasser baden; auf den Gebirgen leben sie bloß von Wurzeln und Kräutern.
Übrigens kann man sie mit den Zigeunern vergleichen; sie streifen barfuß das ganze Land durch, und heilen Krankheiten, schaffen gestohlene Sachen wieder, wahrsagen und so weiter.
Nonnenklöster sind, schon länger als seit tausend Jahren, gestiftet, obwohl ihre Anzahl den in Europa vorhandenen bei weitem nicht gleich kommt.
Alle Orden und Sekten haben allezeit ihr Oberhaupt oder ihren General zu Miako, und bei jedem Tempel oder Kloster ihre Vorsteher.
Außerdem haben sie auch am Hofe des weltlichen Kaisers zu Jedo ihre geistlichen Bevollmächtigten, die in den zwischen ihnen in weltlichen Angelegenheiten in den Provinzen entstandenen Streitigkeiten, wie auch über die Verbrechen geistlicher Personen, entscheiden; wenn aber ein Todesurteil an solchen vollzogen werden soll, so muß es vorher allezeit vom Ordensoberhaupte unter··schrieben sein.
Die mit Titeln versehenen Geistlichen, sowohl bei Hofe zu Miako und zu Jedo, als bei den Tempeln im Lande, haben, nach Rang und Würden, ihre besondere Kleidung.
Unter anderen sah ich einen solchen Prälaten in der Nähe eines Klosters vor der Stadt Nangasacki, der lange, fast auf die Erde gehende, Beinkleider und einen weiten Mantel mit einer langen Schleppe anhatte.
Er war ein sehr freundlicher und leutseliger Mann, und ließ sich vermittels· der Dolmetscher in eine lange Unterredung mit mir über allerhand Dinge ein, die mir aber bei weitem nicht so viel Vergnügen machte, als die um seinen Tempel stehenden Gewächse und Sträucher.
Religiöse Gelübde geschehen häufig von abergläubigen Leuten.
Einer unter unseren besten Dolmetschern, ein bejahrter Mann, hatte vor langer Zeit das Gelübde get·an, nie Schuh zu tragen.
Er machte auch dies·· Jahr in den Wintermonaten auf diese Art die Reise mit der Holländischen Gesandtschaft nach Jedo, und ertrug, mit seinen bloßen Füßen, alles Ungemach der Kälte sehr geduldig, und ohne die mindesten nacht·eiligen Folgen davon zu spüren.
Von den religiösen Festen und Feiertagen, ist schon im sechsten Abschnitte der fünften Abteilung vorläufig einiges vorgekommen.
Jetzt will ich sie ausführlicher beschreiben.
Die gewöhnlichen Feste, sind die monatlichen.
Von diesen ist das vornehmste, der erste Tag jedes Monats, an welchem die Japaner des Morgens früh aufstehen, sich festlich ankleiden, ihre Vorgesetzten und Freunde besuchen, und dense·lben zum neuen Monat·e Glück wünschen; dieser Tag wird seit uralten Zeiten überall im ganzen Reiche gefeiert.
Wenn der Vollmond eintritt, am fünfzehnten Tage im Monate, wird der zweite Festtag gefeiert; an diesem besuchen die Leute die Tempel mehr als an den vorhergehenden.
Der dritte Feiertag ist von geringerer Erheblichkeit, und fällt auf den acht und zwanzigsten, oder den Tag vor dem Neumonde.
Außer diesen monatlichen Festtagen feiern sie noch fünf andere, die jährlich einmal einfallen.
Der erste unter diesen ist das Neujahrsfest.
An diesem Tage gehen sie des Morgens sehr zeitig, in ihrem kostbarsten Anzuge, zu ihren Vorgesetzten, Freunden und Anverwandten, um ihnen ein glückliches Jahr zu wünschen.
Der übrige Teil des Tages wird mit Essen, Trinken, Besuchen der Tempel und mancherlei Vergnügungen hingebracht.
Einige machen bei dieser Gelegenheit auch ein, wiewohl unbedeutendes, Geschenk.
Oft gibt auch der älteste in der Familie eine Abendmahlzeit.
Das ganze Land ist in dieser Zeit in allgemeiner Bewegung, welche drei volle Tage währt.
Der ganze erste Monat wird hernach beinahe zu nichts anderem, als zu Vergnügungen und Zeitvertreiben angewandt.
Das andere jährliche Fest fällt auf den dritten Tag des dritten Monats; das dritte auf den fünften Tag des fünften Monats; das vierte auf den siebenten Tag des siebenten Monats, und das fünfte auf den neunten Tag des neunten Monats.
Diese Tage, welche sämtlich eine ungerade Zahl haben, werden von den Japanern für unglückliche Tage gehalten, und deswegen gefeiert, und man verrichtet keine Arbeit oder Geschäfte an denselben, sondern wendet sie zu Vergnügungen, Glückwünschungen, und, wiewohl nur in geringem Maße, zum Dienst der Götter an.
An diesen Feiertagen stellen sie am liebsten ihre Hochzeiten, Gastgebote und andere Lustbarkeiten an, weil sie glauben, daß die Götter an der Freude der Menschen Wohlgefallen haben.
Auch die übrigen feierlichen Belustigungen der Japaner, sind mit zu ihrem Gottesdienste zu rechnen.
Dies sind in vielem Betracht, eine Art Schauspiele.
Die festlichsten sind, das Laternenfest und das sogenannte Matsuri.
Das Laternen- oder Lampenfest wird am Schlusse des Augusts gefeiert, und von den Eingebo·renen Bong genannt.
Es währt· drei Tage, ist aber am zweiten Abend und in der darauf folgenden Nacht am feierlichsten.
Es ist zum Andenken und zur Ehre der Verstorbenen gestiftet, weil man glaubt, daß diese jährlich in diesen Tagen, und zwar am ersten Abend zu ihren Verwandten und Freunden, jeder zu seinem Hause und seiner Familie, zurückkommen, und da bis zur zweiten Nacht bleiben, wo sie weggejagt werden müssen.
Bei ihrer Ankunft werden, zu ihrer Bewillkommung, bei allen Begräbnisstellen Bambus·tangen aufgerichtet, an welche eine Menge Laternen mit Lichtern, und zwar so dicht bei einander aufgehängt werden, daß die ganzen Berge wie erleuchtet aussehen.
Diese Laternen brennen bis neun oder zehn Uhr des Nachts.
Am zweiten Abend, wenn ihrer Meinung nach die Seelen der Verstorbenen wieder weggejagt werden sollen, werden kleine Fahrzeuge von Stroh, mit Laternen und brennenden Lichtern versehen, um Mitternacht in Prozession mit Gesang, Musik und vielem Geschrei nach dem Strande der See gebracht, aufs Wasser gesetzt, und Wind und Wogen überlassen, bis sie entweder Feuer fangen und aufbrennen, oder von den Wellen ausgelöscht werden.
Beide Arten von Erleuchtungen mit vielen tausend Feuern, machen für das Auge einen ungewöhnlich·· schönen Anblick.
Das Fest Matsuri wird an einem Festtage, und einem Gott zu Ehren gefeiert.
Zu Nangasacki zum Exemp·el, wo ich dieser Feierlichkeit beiwohnte, wird es zum Gedächtnisse des Suwa, Schutzgottes dieser Stadt gefeiert.
Es fällt auf den neunten Tag des neunten Monats, welches der Geburtstag dieses Gottes ist.
Die Feier wird mit Musik, Tanz und Komödien begangen.
Sie nimmt schon am siebenten ihren Anfang, da die Tempel besucht, Gebete verrichtet, und Schauspiele angestellt werden.
Der neunte aber wird mit vielem Pomp und großem Kostenaufwand gefeiert, und zwar jedesmal auf eine andere Art, so, daß es in dem einen Jahre damit nicht so, als in dem anderen, gehalten werden darf.
Die Kosten werden von den Einwohnern der Stadt bestritten, und Verhältnis·weise auf jede Straße verteilt.
Wir sämtlichen Holländer waren eingeladen, diesem Feste beizuwohnen.
Es wurde auf einem großen freien Platze in der Stadt gefeiert.
An der Seite war ein großes Gebäude, das wie eine große auf Ständern ruhende Scheune ohne Wände aus·sah, und mit Dach und Bänken versehen war, für die Zuschauer aufgerichtet, die durch Wachen vor dem Gedränge des Volks geschützt wurden.
In diesem Hause sahen die Magistratspersonen, die Geistlichen, die Fremden und andere Vornehmere zu.
Zu allererst sah man die Priester, schwarz und weiß gekleidet, mit dem Bildnisse des Suwa ankommen, und ihre Plätze einnehmen.
Zehn bis zwölf Personen spielten auf Instrumenten, und besangen die Taten der Götter und Helden, während Mädchen dazu tanzten, welchen der Tanz recht gut anstand.
Die Musik war ein bloßes Gerassel, welches ihrem Gotte angenehmer, als menschlichen Ohren, gewesen sein mag.
Auf die Priester folgte ein großer Sonnenschirm mit dem Namen und Wappen der Straße, der feierlich einhergetragen wurde, nebst maskierten Musikanten mit Trommeln, Pfeifen, Glocken und Gesang.
Hierauf kamen die Kunststücke selbst, die für jede Straße verschieden waren; nach ihnen einige Akteurs, und zuletzt die Einwohner der Straße, in Prozession, von einer Menge anderer Leute begleitet.
Dieser Zug dauerte beinahe eine ganze Stunde, worauf sie in der nämlichen Ordnung wieder abzogen, da denn eine andere Prozession einher kam, hernach eine dritte, und so ferner den ganzen Vormittag.
Die Einwohner einer jeden Straße wetteiferten mit den anderen in Pracht und Erfindung zur Feier dieses Festes, und um meistens solche Sachen aufzuweisen, welche die Erzeugnisse, Bergwerke, Berge, Wälder, Seefahrt, Künste, Handwerker u. s. w. derjenigen Landschaft anzeigen, von welcher die Straße ihren Namen führt, und aus welcher sie ihre Einwohner bekommen hat.
Hochzeiten und Begräbnisse können auch mit zu den religiösen Feierlichkeiten der Japaner gerechnet werden, ob sie gleich dieselben nicht mit der Pracht, als die Europäer und verschiedene andere Völker, begehen.
Die Trauung geschieht auf einem schönen und erhabenen Platze vor der Stadt, in Gegenwart der Anverwandten und Priester.
Braut und Bräutigam treten zusammen vor einen aufgerichteten Altar, mit einer Fackel in der Hand.
Unterdes··· hierauf der Priester ein Gebet laut her·····betet, zündet zuerst die Braut, welche zur Rechten steht, ihre Fackel an einer brennenden Lampe an, darauf zündet der Bräutigam die seinige an der brennenden Fackel der Braut an, und nun wünschen die Anwesenden dem Brautpaare Glück.
Die Toten werden hier zu Lande entweder zu Asche verbrannt, oder in die Erde begraben.
Die erstere Sitte soll ehemals allgemeiner üblich gewesen, jetzt aber nur bei den Leichen der Vornehmen gebräuchlich sein.
Das Verbrennen geschieht nicht allezeit auf einem Scheiterhaufen, unter freiem Himmel, sondern bisweilen in einem dazu eingerichteten kleinen steinernen Hause mit einem Schornsteine.
Die Asche wird in ein kostbares Gefäß gesammelt, eine Zeitlang im Hause des Verstorbenen verwahrt, und hernach in die Erde begraben.
Sowohl Männer als Weiber, in Norimon getragen, folgen der Leiche, wie auch die hinterbliebenen Witwen und Kinder, nebst einem großen Haufen singender Priester.
Nachdem einer von den Priestern einen Lobgesang gesungen hat, schwenkt er dreimal eine brennende Fackel über der Leiche, wirft sie darauf von sich, und einer von den Kindern oder Verwandten nimmt sie auf und steckt den Scheiterhaufen damit in Brand.
Diejenigen, welche man ohne Verbrennen beerdigt, werden in der Stellung, wie die Japaner gewöhnlich sitzen, in einen hölzernen Sarg gesetzt, und so in die Gruft gesenkt.
Während und nach der Beerdigung, werden wohlriechende Gewürze in und auf das Grab geworfen, und zuletzt schöne Blumen auf und um dasselbe gepflanzt.
Hernach wird der Tote von den Hinterbliebenen mehrere Jahre, oft ihr ganzes Leben hindurch, anfangs täglich, in der Folge wöchentlich, und zuletzt jährlich, besucht, nicht zu gedenken, daß alle Jahr das Laternenfest den Verstorbenen zu Ehren gefeiert wird.
Die Japaner trauern auch förmlich um ihre Toten eine Zeitlang.
Die gewöhnliche Zeit der tiefsten Trauer ist aber doch nur fünf Tage.
Bei Landestrauern um fürstliche Personen darf in diesen Tagen keine Musik gehört werden.
Die Japaner haben ihre Philosophen und Sittenlehrer alter Zeiten.
Diese Männer werden den Priestern und heiligen Personen gleich geachtet, und ihre Lehren sind, wie die Lehren anderer Religionssekten, angenommen worden.
Die vornehmste von denen, die Achtung und Ansehen gewonnen haben, ist die Lehre Sjuto oder Koosi, welche in Europa unter dem Namen der Moral des Confucius bekannt ist.
Sie stammt bekanntlich aus China her, wo Confucius vier hundert Jahr nach Budsdo geboren wurde.
Ihre Anhänger beten zwar eigentlich keinen Gott an, glauben auch nur Belohnung des Guten und Bestrafung des Bösen in dieser Welt, setzen aber doch das höchste Gut in ein tugendhaftes Leben.
Sie glauben, die Welt gehöre einer allgemeinen Weltseele, ohne sonst einen Gott zu erkennen; sie haben auch weder Tempel noch irgend eine Art Gottesverehrung.
Ihre Religion besteht wie gesagt, hauptsächlich darin, tugendhaft zu leben, gegen jedermann recht zu handeln, und aufrichtigen Herzens zu sein.
Zugleich schreibt ihre Sittenlehre viele und vortreffliche Regeln zur Regierung des Staats und zu einem wohlans·tändigen und artigen Betragen vor.
Sie verbrennen ihre Toten nicht, sondern legen sie, wie man in Europa tut, in einen Sarg, und begraben sie in die Erde.
Den Selbstmord halten sie nicht nur für erlaubt, sondern rühmen ihn auch als einen Beweis von Heldenmut·.
Das Christentum wurde in Japan, sogleich nach der Entdeckung dieses Landes, von den Portugiesen eingeführt.
Ein junger Japaner, der zu Goa getauft wurde, unterrichtete die Portugiesen von den Vort·eilen, die sie sich in Japan, sowohl in Ansehung des Handels als der Fortpflanzung der christlichen Religion, zu Nutze machen könnten.
Die Portugiesen hatten damals völlige Freiheit, allenthalben zu reisen, zu handeln und zu predigen.
Der Handel war sehr einträglich, und das Bekehrungsgeschäft, welches die Jesuiten seitdem sie im Jahr 1549. zuerst nach Japan und zwar nach der Provinz Bugo gekommen waren, im ganzen Lande trieben, ging so glücklich von Statten, daß verschiedene Provinzialfürsten, als die Fürsten von Bungo, Arima, Omura und verschiedene andere, den christlichen Glauben annahmen.
Eine Menge Portugiesen hatten geheiratet, und sich in verschiedenen Städten von Japan niedergelassen.
Nach vierzig Jahren, nämlich 1582, war die katholische Religion hier in solchem Ansehen, daß eine Gesandtschaft von Japanern nach Rom an Papst Gregor den dreyzehnten, mit Briefen und Geschenken, geschickt wurde.
Durch den unglaublichen Gewinn im Handel und durch die schnellen Fortschritte des Christent·ums, wurden die Portugiesen bald übermüt·ig, und es währte nicht lange, als ihre Habsucht und ihr Stolz sie stürzten.
In eben dem Verhältnisse, als ihr Reicht·um und Ansehen zunahmen, machten sie sich den Japanern unerträglich und zuletzt verha·ßt, so, daß schon 1586 ein kaiserlicher Befehl erschien, daß die Christen ausgerottet werden sollten, worauf heftige und gewaltige Verfolgungen gegen sie ausbrachen, wobei bloß im Jahr 1590. über zwanzig tausend Personen umgebracht wurden.
Diesem allem ungeachtet nahmen doch noch viele Eingeborene den christlichen Glauben an und in den Jahren 1591 und 1592, zählte man zwölf tausend Bekehrte und Getaufte.
Ja der Kubo Feide Jori war selbst ein Christ, so wie auch sein Hof und sein Kriegsheer der christlichen Religion zuget·an war; und es ist wahrscheinlich, daß, wenn die Portugiesen sich vorsichtig und ruhig verhalten hätten, die angefangene Verfolgung gegen sie aufgehört haben würde.
Aber statt dessen wuchs ihr Hochmut· und ihre Herrschsucht, und das ungebührliche Benehmen eines Bischofs gegen einen von den Provinzialfürsten brachte es endlich dahin, daß sie ganz gestür·zt, und ihrem einträglichen Handel sowohl, als der christlichen Religion in diesem Lande ein Ende gemacht wurde.
Bei Gelegenheit einer Reise nach dem kaiserlichen Hofe im Jahr 1596. wurde nämlich ein solcher Fürst von jenem ehrsüchtigen Prälaten so beschimpft, daß er sich genötigt sah, bei seiner Ankunft zu Jedo darüber beim Kubo zu klagen.
Im folgenden Jahre fing also die Verfolgung der Christen aufs neue an; den Geistlichen wurde verboten zu predigen; ein T·eil derselben wurde aus dem Lande gejagt, und die Kaufleute nach der Insel Dezime verwiesen.
Zugleich wurde eine Verr·äterei entdeckt, welche die Portugiesen gegen den Kaiser angestiftet hatten, um ihn vom Throne zu stoßen.
Die Holländer, welche damals Krieg mit den Portugiesen führten, hatten nämlich eins ihrer Schiffe weggenommen, auf welchem sie einen Brief eines japanischen Hauptmanns Namens Moro, an den König von Portugal fanden, der einen Anschlag gegen das Leben und den Thron des Kaisers enthielt.
Diese Verrät·erei bestätigte sich hernach noch durch mehrere, von diesem Moro nach Macao Geschriebene Briefe.
Es wurde daher beschlossen, daß alle Christen, die ihre Religion nicht abschwören wollten, aus dem Reiche vertrieben, oder ohne alle Schonung getötet werden sollten.
Die Verfolgung wurde hernach vierzig Jahr hindurch ununterbrochen fortgesetzt, und endigte sich im Jahr 1638. auf eine schreckliche Weise dadurch, daß sieben und Dreißigtausend Christen, welche ihre letzte Zuflucht nach der Festung Simabara genommen hatten, belagert, sich zu ergeben gezwungen, und alle an Einem Tage umgebracht wurden.
Dadurch war die christliche Religion nun in Japan ausgerottet, und aller Handel von Europa dahin hatte ein Ende.
Die Japaner, welche sich einbildeten, daß die schlechten Handlungen der Christen von ihrer Religion unzertrennlich wären, nahmen darauf die kräftigsten Ma·ßregeln gegen die Wiedereinführung derselben, und verboten allen Portugiesen aufs strengste, jemals ihre Küsten zu betreten.
Um nun auf···s genaueste auszuforschen, ob etwa noch christliche Japaner im Lande verborgen sein möchten, trafen sie verschiedene Anstalten, wovon noch heutiges Tages die, da·ß zu Anfange jeden Jahres, das Kruzifix und einige Heiligen-Bilder mit Füßen getreten werden, zu Nangasacki und in den umliegenden Gegenden statt findet.
Dritter Abschnitt.
Zustand der Wissenschaften, Künste und dergleichen, in Japan.
Die Wissenschaften überhaupt sind in Japan bei weitem nicht zu der Höhe, wie in Europa, gelangt.
Selbst der Ackerbau, den die Japaner für das ·····notwendigste halten, und auf welchen sie sich mit einem Eifer und Fleiß legen der nicht seines gleichen hat, selbst dieser wird nicht wissenschaftlich getrieben, geschweige denn andere Wissenschaften, deren Notwendigkeit und Nutzen sie nicht einsehen und auch keinen Antrieb haben, sich mit denselben zu beschäftigen.
Die vaterländische Geschichte wird freilich von allen, die nicht zu den untersten Volksklassen gehören, ohne Unterschied getrieben, und ist, was die früheren Zeiten betrifft, vielleicht gewisser und zuverlässiger, als die Geschichte der meisten anderen Länder.
Die Astronomie wird zwar geliebt und geachtet.
Dennoch sind die Japaner nicht im Stande, ohne Hilfe chinesischer und holländischer Kalender einen richtigen Kalender zu verfertigen noch eine Sonnen- oder Mondfinsternis auf Minuten und Sekunden auszurechnen.
Die Medizin hat bis jetzt noch gar keine bedeutende Fortschritte gemacht, wird es auch schwerlich jemals tun; die Anatomie ist ihnen etwas ganz unbekanntes, und ihre Kenntnis der Krankheiten ist sehr geringe, verworren und oft fabelhaft.
Von Physik und Chemie wissen sie nicht viel mehr, als was sie in späteren Zeiten von europäischen Ärzten gelernt haben.
Botanik und Kenntnis der Arzneimittel machen ihre ganze Arzneikunde aus.
Da ich Arzt bin, wird man es mir nicht übel nehmen, wenn ich bei dieser Gelegenheit von den japanischen Ärzten, und der Art, wie sie ihre Kunst ausüben, etwas umständlicher rede.
Der Ärzte gibt es mehrere Gattungen.
Einige lernen nur die Medizin, und befassen sich bloß mit Heilung innerlicher Krankheiten.
Andere üben die Chirurgie aus.
Noch andere brennen nur mit Moxa, andere treiben bloß das Stechen mit Nadeln; andere endlich gehen umher und frottieren.
Die, welche diese letztere Operation verrichten, durchstreichen des Abends die Gassen, schreien und bieten ihre Dienste an.
In einem Lande, wo Erkältungen so häufig und gemein sind, tut dies Reiben über den ganzen Körper gute Dienste.
Das Brennen mit Moxa und das Stechen mit Nadeln sind zwei wichtige und im ganzen Lande überall gebräuchliche Operationen, die hier wohl so oft als in Europa das Aderlassen vorgenommen werden.
Die Moxa, die Art ihrer Zubereitung, und ihren Gebrauch und Wirkung habe ich im ersten Teile Seite 133. bereits beschrieben.
Hier habe ich daher nur noch folgendes hinzuzufügen: Sie wird nicht nur als ein Heil······- sondern auch als ein Vorbauungsmittel gegen Krankheiten gebraucht.
Das Brennen wird fast an allen Teilen des Körpers, besonders an den fleischigen, vornehmlich auf dem Rücken angewendet.
Der Operateur pflegt sich die Stellen dazu sorgfältig auszusuchen, und zwar haben sie besondere gedruckte Tabellen dazu.
Dies·· Brennen ist in den meisten Krankheiten von Wirksamkeit, besonders bei Pleuresie, Zahnschmerzen, und, wo es am meisten Nutzen leistet, bei Gicht und Erkältungen.
Das Stechen oder Prickeln mit Nadeln geschieht meistens in der Absicht, um Koli·ken dadurch zu heilen, besonders diejenige Art derselben, welche hier Senke heißt, und gewöhnlich eine Folge vom Sak·e trinken ist.
Der Unterleib ist daher der Teil, an welchem diese Operation vorgenommen wird.
Sie bohren in denselben mehrere, oft neun, Löcher hinein, um ihrer Meinung nach den Wind herauszuziehen.
Indessen werden auch wohl andere fleischige Stellen dazu ausgesucht.
Die Nadeln, welche hierzu gebraucht werden, sind fein, beinahe wie ein Haar, und werden von Gold und Silber gemacht, und zwar von privilegierten Leuten, außer welchen niemand ihnen die nöt·ige Härte, Biegsamkeit und Feinheit, zu geben versteht.
Indem man sie durch die Haut hineinbringt, werden sie zwischen den Fingern gedrillt, um knochenartigen Teilen auszuweichen.
Diejenigen, welche sich mit Heilung innerlicher Krankheiten beschäftigen, werden für vornehmer gehalten, und unterscheiden sich von den Übrigen dadurch, daß sie sich den ganzen Kopf kahl scheren.
Sie bedienen sich nie anderer, als einfacher Mittel, und zwar am gewöhnlichsten in einem Decocte, um den Schweiß oder den Urin zu treiben.
Von zusammengesetzten Medikamenten wiss·en sie nichts.
Einen großen Teil jener Arzneimittel könnten sie zwar im Lande selbst bekommen; sie kaufen sie aber sehr häufig von den Chinese·n.
Bisweilen fühlen die Ärzte auch nach dem Pulse, und dies währt alsdann sehr lange, eine ganze Viertelstunde, zuerst an dem einen, und hernach am anderen Arme, gerade als wenn das Blut nicht aus einer und derselben Quelle nach beiden Pulsen flösse.
Ihre Kenntnis der Fieber und anderer innerlicher Krankheiten, kann nicht anders, als sehr geringe und ihre Kur muß sehr unsicher sein, da sie keine Kenntnis der Anatomie und Physiologie haben, nicht einmal vom Umlaufe des Geblüts etwas wissen, auch die Mittel, welche sie verordnen, nur wenig kennen.
Die einzigen, welche etwas mehr davon verstehen, sind entweder Ärzte bei Hofe, oder holländische Dolmetscher, als welche Gelegenheit haben, sich einige bessere Einsicht durch den Umgang mit europäischen Ärzten zu verschaffen.
Das Aderlassen haben zwar einige wenige Ärzte und Dolmetscher dann und wann verrichtet; aber sie nehmen diese Operation nur selten vor, und alsdann allezeit mit vieler Furchtsamkeit.
Ich gab ihnen nicht allein die nützlichsten und zuverlässigsten Anweisungen dazu, sondern munterte sie auch, wo es nötig war, dazu auf, und mu·ßte zu dem Ende sogar meinen Schülern zu Jedo meinen silbernen Schnäpper, nebst anderen für sie brauchbaren chirurgischen Instrumenten schenken.
Die gewöhnlichen, und diesem Lande eigenen, Krankheiten, sind die oben erwähnte Kolik, triefende Augen, und Verhärtung der Drüsen.
Von der Kolik werden gar viele Leute, auch Fremde die sich hier einige Zeit aufgehalten haben, befallen.
Die Krankheit ist heftig und sehr schmerzhaft, und lä·ßt an mehreren Stellen Geschwulst zurück, besonders verursacht sie den Wasserbruch ( Hydrogele ).
Rote und triefende Augen, sind unter den Bauern und armen Leuten auf dem Lande sehr allgemein, und entstehen t·eils vom Dampfe der Kohlen, womit im Winter die Zimmer geheizt werden, t·eils von dem Gestank·, den ihre Abtritte und Urinplätze hervorbringen; verhärtete Drüsen sind ebenfalls äußerst häufig; und ich habe bemerkt, daß sie oft in Krebsschäden übergehen.
Besonders entstehen dergleichen am Halse, und werden alle Tage größer; anfangs sind sie nur von der Größe einer Erbse, endlich werden sie wie eine Faust dick.
Da die Hitze am Tage oft sehr stark ist, und, wenn der Wind sich alsdann aufmacht, die Schweißlöcher sich leicht verschließen und die Ausdünstung gehindert wird, so bekommen die Leute sehr oft heftige Rheumatismen, so wie in den Sommermonat·en, aus der nämlichen Ursache, Diarrhöe· und die rot·e Ruhr, denen nicht nur die Japaner, sondern auch die Europäer ausgesetzt sind.
Eben das geschieht auch wohl, wenn sie von den hiesigen Früchten, besonders von den Kakifeigen, die so sehr schön schmecken, zu viel essen.
Die Kinderpocken und die Masern, sind in Japan schon seit sehr langer Zeit bekannt und allgemein; man bekümmert sich aber wenig darum.
Ich habe auch nicht viele gesehen, die dadurch gelitten hätten.
Die Die Wassersucht im Kopfe ( Hydrocephalus ) hatte ich Gelegenheit, bei einem drei und dreißigjährigen Manne zu sehen, der auf unserer Reise nach Jedo zu mir kam, und von mir Rat· begehrte.
Er erzählte, er habe sie vor neunzehn Monaten davon bekommen, daß er, indem er mit einem anderen gefochten, mit einem Bambostocke, der gleichwohl mit Leinwand überzogen gewesen, verschiedene Schläge auf den Kopf empfangen.
Von der Scheitel bis an den Hinterkopf sah man eine Geschwulst, die wie ein Finger dick war, und die Hirnschalknochen standen so sehr in die Höhe, daß die Fontenelle ganz weich zu fühlen war.
Eine Art Friesel, das die Europäer hier den roten Hund nennen, grassiert hier während der wärmsten Sommermonate August und September, besonders unter den Europäern.
Sie währt bisweilen mehrere Wochen, bisweilen ganze Monate.
Der Ausschlag ist erhoben, uneben und rot·, ohne Fieber.
Bisweilen verschwindet er zum Teil, bisweilen wird er stärker, besonders von der Mittags- und Abendhitze.
Oft ist er ohne Jucken; wenn dies aber sich einfindet, so ist es des Abends und Nachts am stärksten, und mit vieler Unruhe und Schlaflosigkeit verbunden.
Zu Zeiten ist dies Jucken von ganz eigener Art, das man alsdann am meisten fühlt, wenn man sich regt, sich auf einen Stuhl setzt, den Rücken an die Wand lehnt, im Bette liegt oder die Arme krumm macht.
Man empfindet sodann ein Prickeln in der Haut als wenn man mit tausend Nadeln gestochen würde; und das hört auf, sobald man den bewegten Teil des Körpers, selbst in der nämlichen Stellung, still hält.
Das Gesicht ist von diesem Ausschlage frei, der sich übrigens über den ganzen Körper, sogar über die Finger·spitzen, erstreckt.
Man bekommt diese Krankheit auch wohl mehr als einmal während eines Aufenthals in Japan.
Die Lustseuche· ist ohne Zweifel durch die Europäer nach Japan gekommen.
Venerische Zufälle und Krankheiten sind hier jetzt sehr allgemein und man trifft eine Menge Leute an, die damit behaftet sind.
Bis auf meine Zeit wu·ßten die hiesigen Ärzte dergleichen nicht anders, als durch blutreinigende Decoct···e· zu schwächen oder zu vertreiben.
Ich hatte eine Partei ätzenden Quecksilbersublimat aus Holland mitgebracht, und fand, wie nötig man dies Mittel habe.
Nichts desto weniger konnte ich nichts davon an die hiesigen Ärzte verkaufen, denn diese waren in Ansehung des Nutzens und Gebrauchs dieses sicheren, aber zugleich gefährlichen, Mittels ganz unwissend.
-- Von der Speichelkur hatten sie durch die holländischen Feldsche·r· zwar etwas gehört, und einigen Begriff davon; hielten sie aber für eben so schwer vorzunehmen, als dem Patienten gefährlich.
Die übrige Arten den Mercurius zu gebrauchen, kannten sie nicht.
Ich nahm mir daher vor, den Practisi·renden, sowohl den eigentlichen Ärzten als den Dolmetschern, von Zeit zu Zeit kleine Parteien von meinem Sublimate zu schenken, und sie zugleich im Gebrauch desselben, zu unterrichten.
Sie machten sich diesen Unterricht dankbar zu Nutze.
Namentlich von den Dolmetschern fingen verschiedene an, mit diesem, bisher hier unbekannten Heilmittel, venerische Zufälle zu heilen.
Die oft so schleunige Wirksamkeit dieser Curart, hielten sie anfänglich fast für ein Wunderwerk; und wirklich macht es mich äußerst glücklich, dieses Heilmittel hier bekannt gemacht zu haben, wenn ich bedenke, daß durch dasselbe in Zukunft viele Tausende von Halsfistelschäden und anderen schrecklichen Symptomen dieser garstigen Krankheit, ( dergleichen ich auf meiner Reise durch dies Land so oft mit Betrübnis zu sehen, Gelegenheit hatte, ) können befreiet werden!
Die Rechtsgelehrsamkeit macht hier kein weitläufiges Studium aus.
Kein Land hat ein dünneres Gesetzbuch und weniger Richter, als dieses.
Erklärungen der Gesetze und Advokaten sind hier etwas ganz Unbekanntes.
Aber in keinem Lande werden die Gesetze strenger und sorgfältiger gehandhabt, ohne Ansehung der Person, ohne Privatabsichten, und ohne Parteilichkeit.
Die Gesetze sind scharf, und der Proze·ß ist kurz.
Man erinnere sich, was ich oben hiervon gesagt habe.
Die Sittenlehre der Japaner, besteht nicht in künstlichen Systemen, sondern in einfachen und vernünftigen Lehren, welche durch ein tugendhaftes Leben auszuüben, ihr Bestreben ist.
Und diese Moral wird von allen hiesigen Religionsparteien gelehrt, und nie von der Religion selbst getrennt, mit welcher sie in so enger Verbindung steht.
Von auswärtigen Sprachen lernen diejenigen, welche die Wissenschaften treiben, und chinesische Bücher und Schriften lesen wollen, die chinesische.
Die Dolmetscher und einige Ärzte lernen auch das Holländische, und einige von ihnen verstehen auch etwas, wiewohl nur gar sehr wenig Latein.
Die Kriegswissenschaft ist bei diesem Volke, wie bei anderen morgenländischen Völkern, sehr einfach.
Mut, Tapferkeit, Standhaftigkeit und Liebe zum Vaterlande, ersetzen, was ihnen an Regeln und förmlicher Kunst Krieg zu führen, abgeht; und mit diesen Eigenschaften haben sie allezeit gesiegt, und sich niemals von einem Feinde unterjochen lassen.
Des ersten Krieges wird in der japanischen Geschichte 471 Jahr vor unserer Zeitrechnung erwähnt.
Hernach sind sie einigemal durch auswärtige Kriegsheere beunruhigt worden.
Im Jahr 1284, als die Mongolen China eingenommen hatten, wurde der Feldherr Mooku mit 4000 Fahrzeugen, und 240,000 Mann hierher geschickt, um Japan zu erobern; aber er konnte seinen Zweck nicht erreichen.
Die Buchdruckerkunst ist in Japan unstreitig alt.
Die Japaner haben aber dabei allezeit Platten gebraucht, und gebrauchen sie noch, ohne daß sie bewegliche Buchstaben kennen.
Sie bedrucken nur eine Seite des Papiers, weil dasselbe dünn ist, und die Schwärze sonst durchschlagen würde.
-- Ich hatte Gelegenheit, verschiedene japanische gedruckte Bücher zu sehen; besonders wurden mir zu Jedo dergleichen gezeigt.
Eins war darunter, welches bei der vormaligen Anwesenheit der Portugiesen gedruckt war; es war in länglichem Quartformat, von Japanischem Papier, und, das Titelblatt ausgenommen, ganz und gar mit japanischen Buchstaben gedruckt.
Auf dem Titelblatte stand oben Racvyoxv, welches die Dolmetscher nicht ins Holländische übersetzen konnten, in der Mitte das portugiesische Wappen in länglicher Figur, und unten:
In Collegio Japonico Societatis Jesu cum facultate superiorum, Anno MDXCVIII.
Die Dolmetscher sagten, es sei ein Wörterbuch, doch ohne das Portugiesische dabei zu enthalten.
Es war von der Dicke eines Daumen. --
Herr Sunnan, mein fleißiger und geschickter Schüler schenkte mir ein gedrucktes japanisches Wörterbuch, mit dem Titel Tjimenso, in Oktav, das aus zwanzig Teilen besteht, und zu den Beschreibungen auch Abbildungen enthält, die aber elend genug sind.
Jeder Teil ist nur eine, höchstens zwei, Linien dick. --
Einige andere gedruckte botanische Bücher bekam ich zu Jedo zu Kauf, die zum T·eil aus vielen, zum T·eil aus wenigen Bänden bestehen, zum T·eil gute, zum T·eil schlechte Abbildungen enthalten.
Dahin gehört Sooqua Jenso, in drei Teilen, sowohl Beschreibungen, als, wiewohl nur schlechte, Abbildungen, von lauter japanischen Gewächsen, enthaltend.
Morokusi Komorsi, ein anders Herbarium, das zugleich von vierfüßigen Tieren, Fischen, Vögeln, Handwerkern und Ökonomie handelt, es soll zuerst in China gedruckt sein, es besteht aus mehreren Teilen; die Figuren sind klein und äußerst schlecht.
Kimoosi ist der Titel einer neuen in Japan gedruckten Ausgabe dieses Werks, in Quart, in dreizehn Teilen, die etwas besser und schöner ist.
Das schönste japanische Herbarium hat den Titel: Foca no jamma Kusse; es besteht nur aus einem T·eile in Oktav, und enthält kaum andere, als japanische Kräuter; die Abbildungen sind schön und deutlich.
Noch ein anderes sah ich, das sieben Teile, und Quartformat hat.
Auch bekam ich ein gedrucktes Buch in groß Quart, zwei Teile, mit illuminierten Abbildungen japanischer Fische, zu Kauf.
Dies ist eins der schönsten in diesem Lande herausgegebenen Bücher; die Figuren sind nicht nur so gut gestochen, sondern auch illuminiert, daß sie in Europa sehr gerühmt werden würden.
Ein anderes, und zwar sehr rares, in Japan gedrucktes Wörterbuch, habe ich im ersten Teile dieses zweiten Bandes Seite 27 beschrieben.
Die Kunst in Kupfer zu stechen, kennen die Japaner ebenfalls.
In der Zeichenkunst und Ma·lerkunst stehen sie den Europäern weit nach, ob sie gleich in Ansehung derselben, einen sehr wichtigen Vorzug vor diesen haben, den nämlich, daß sie allezeit etwas das in der Natur wirklich vorhanden ist, zum Exempel, T·iere, Gewächse oder was es sonst sein mag, vorstellen, nicht aber, ( zum Beispiel auf Tapeten oder bei anderen Malereien ) Figuren von Dingen, die nicht existieren, mit anderen vermischen.
Die Feldme·ßkunst, und die Kunst Plätze und Gegenden aufzunehmen, und Land·karten zu verfertigen, ist ihnen auch nicht ganz unbekannt.
Sie haben sowohl vom ganzen Lande richtige geographische, als auch von ihren Städten zuverlässige, topographische Charten.
Außer der Generalcharte vom ganzen Reiche sah ich dergleichen von den Städten Jedo, Miako, Osaka und Gangasali, die ich auch, obgleich mit vieler Gefahr und unerachtet des strengsten Verbots, solche an Fremde zu verkaufen, oder aus dem Lande kommen zu lassen, doch zu kaufen und mit zu nehmen Gelegenheit fand.
Diese Karte und Grundrisse sind denjenigen, die Kämpfer zu seiner Zeit, wiewohl mit weniger Schwierigkeit, nach Europa mitbrachte, völlig gleich.
Die Japaner schreiben, wie die Chinese·, in senkrecht herabgehenden Reihen oder Zeilen, und dabei von der Rechten zur Linken.
Sie gebrauchen dazu Tusche, welche sie jedesmal, wenn sie etwas schreiben wollen, auf einem kleinen Steine mit Wasser reiben, und einen Pinsel von Ha·senhaaren, womit sie alsdann von dieser Tusche nehmen und die Buchstaben gleichsam malen.
Diese Schreibgerätschaften pflegen, besonders die Kaufleute in einem Kästchen oder Besteche, worin zugleich Rechenbrett und Waage liegen, bei sich zu tragen, wie die Abbildung auf der ersten Kupfertafel zeigt: nämlich, Fig. 1. Form und Zeichen der Stücke Tusche; Fig. 2. der Schreibpinsel, wie eben damit geschrieben wird; Fig. 3. Etui oder Kästchen mit den Schreibgerätschaften, einer Waage und dem Rechenbrett, a. der Schreibpinsel, b. ein ausgehöhlter Stein, die Tusche darauf zu reiben, c. eine kleine Büchse mit Wasser dazu.
d. eine kleine Schnellwa·ge mit e. dazu gehöriger Waagscha·le und f. Gewichte g. ein Rechenbrett mit gerundeten Steinen oder Kugeln, die auf einem Drahte hin und her geschoben werden und die Einer und Zehner bedeuten.
Die Dichtkunst ist auch bei den Japanern beliebt; sie bedienen sich derselben, um das Andenken ihrer Götter, Helden und merkwürdigen Männer, zu verewigen.
Auch die Musik wird sehr geschätzt.
Aber bisher haben sie weder ihre musikalischen Instrumente zu einiger Vollkommenheit, noch in ihre Musik vorzügliche Harmonie zu bringen gewu·ßt.
Bei der öffentlichen Feier ihrer Feste, und bei anderen Gelegenheiten, gebrauchen sie Trommeln, Pfeifen, Saiteninstrumente, Glocken, Schellen und dergleichen mehr.
Das Frauenzimmer liebt die Musik ungemein; sie lernen auch die angeführten Instrumente, besonders aber eine Art Laute mit vier Saiten spielen.
Dies geschieht dergestalt, da·ß sie mit den Fingern gegen die Saiten schnellen; sie können ganze Abende damit zubringen, obgleich diese Musik eben nicht angenehm klingt.
Auf der beigefügten Kupfertafel sieht man ein japanisches Frauenzimmer mit diesem Instrumente in der Hand abgebildet.
An der Schauspielkunst finden die Japaner großes Vergnügen, doch ist die Kunst der Akteurs, und der Wert· der Stücke eins so geringe als das andere.
Ich hatte verschiedene Mal, sowohl zu Nagasaki als zu Osaka, Gelegenheit, ihren Schauspielen beizuwohnen.
Auch habe ich schon im 1 sten Teile dieses Bandes Seite 129 einiges davon einfließen lassen.
Die Zuschauer sitzen, in einem dazu eingerichteten Hause, auf Bänken.
Vor ihnen ist ein erhöhter, aber schmaler und enger Platz, welcher die Bühne vorstellt.
Auf dieser erscheinen ein oder zwei, selten mehr Schauspieler zugleich; diese sind allezeit auf eine gar besondere Art gekleidet; und man sollte ehe glauben, sie träten auf um zu schrecken, als um zu belustigen.
Ihre Aktion stimmt hiermit überein; sie ist seltsam und ungereimt, und besteht in künstlichen Wendungen und Drehungen des Körpers, die sie mit vieler Mühe gelernt und geübt haben.
Gewöhnlich wird eine Heldent·at oder eine Liebesgeschichte eines ihrer Götter und Helden vorgestellt.
Diese Schauspiele sind gemeiniglich in Versen abgefa·ßt, manchmal werden sie auch von Musik begleitet.
Das Theater ist, wie bei uns, mit einem beweglichen Vorhange versehen; das Nötigste von dem, was zur Versinnlichung der Vorstellung erfordert wird, wird zwar auf die Bühne gebracht; sonst aber fehlt es gänzlich an Anstalten und Verzierungen, wodurch diese kleinen Theater mit den europäischen auch nur einigermaßen verglichen werden könnten.
Da·ß das Schauspiel bei den Japanern etwas dazu beitrüge, die Sitten des Volks zu veredeln, habe ich eben so wenig gefunden, als das Schauspiel in Europa diesen Zweck zu befördern scheint.
Es ist hier auch gar nicht einmal so beschaffen, daß dies als eine Absicht desselben angesehen werden kann; sondern es soll hier mehr belustigen, als das Herz besseren; mehr die Akteure bereichern, als den Zuschauern wirklich nützen.
Auch die Tanzkunst wird in Japan sehr geliebt.
Gesellschaftliche Tänze aber, bei welchen die welche sich ein Vergnügen machen wollen, selbst tanzen, hat man nicht, sondern nur Tänze oder pantomimische Ballette, die zur Belustigung der Zuschauer aufgeführt werden und entweder einen Liebeshandel oder eine Heldent·at vorstellen.
Diese Art Zeitvertreib, wird vorzüglich an Fest- und Feiertagen, auch sonst zu Ausfüllung müßiger Stunden, oder zur Unterhaltung der Fremden, vorgenommen.
So ließ man z. B. um uns ein Vergnügen zu machen, Tänzerinnen holen.
Diese sind meistenteils junge und reich gekleidete Mädchen aus öffentlichen Häusern; junge Knaben tanzen bisweilen auch mit.
Der Hof des Dairi, zu Miako, ist eigentlich der Ort, und zwar der einzige im ganzen Reiche, wo die Wissenschaften und Studien förmlich, und von Mehreren gemeinschaftlich, getrieben werden, also gleichsam die Universität und Akademie von Japan.
Hier werden Studierende erzogen, unterhalten und unterwiesen.
Vornehmlich wird Poesie, Landesgeschichte, Mathematik, Astronomie und dergleichen gelehrt.
Alle Kalender werden hier gemacht; auch werden hier alle Bücher, die Kalender aber zu Isie, gedruckt.
öffentliche Schulen, zu Unterweisung der Kinder, sind an den meisten Orten eingerichtet.
Man lehrt aber darin hauptsächlich nur Lesen und Schreiben.
Die Erziehung kennt man hier nicht als eine Wissenschaft oder Kunst; man übt sie aber nach desto richtigeren Grundsätzen und mit desto besserem Erfolge aus.
Die Kinderzucht ist sehr strenge, und doch werden die Kinder fast durchgängig ohne Schläge und andere körperliche Züchtigungen erzogen.
In den ersten Jahren singt man den Kindern Volkslieder vor, um ihnen Bestreben nach Tugend und Tapferkeit früh einzuflößen.
Hernach werden sie auf eine ernsthaftere Art zum Guten angeführt.
Besonders hält man sie zu strengem Gehorsam an, und sucht ihnen mit guten Beispielen vorzuleuchten.
Manufactur- und Kunstarbeiten, werden im ganzen Lande häufig verfertigt, und Handwerker aller Art, findet man überall.
In einigen Arbeiten übertreffen die Japaner weit die Europäer; in anderen hingegen stehen sie denselben nach; Eisen- und Kupferarbeiten machen sie sehr gut.
Ihre seidenen und baumwollenen Zeuge sind zum T·eil eben so gut, zum T·eil besser, als ähnliche Fabricate anderer indischer Länder.
Ihre lackierten Arbeiten von Holz, besonders die alten, lassen alles was andere Völker, selbst die Chinese· und Siamer, in dieser Gattung hervorgebracht haben, weit hinter sich zurück.
Sie machen sie von dem feinsten Fichten- und Zedernholze, und überziehen sie mit dem allerbesten Lackfirnis, den sie vom Firnisbaume ( Rhus vernis ) nehmen, einem Baume, welcher in verschiedenen Gegenden des Landes häufig wächst.
Diesen Lack, welcher heraus fließt· wenn der Baum verwundet wird, sammelt man in Gefäßen.
Das von dreijährigen Stämmen ist das Beste.
Anfangs ist es etwas hell, und so dick wie Rohm; in der freien Luft wird es dicker und schwärzlich.
Wenn Dosen, Schachteln, Kästchen, Tische und andere Sachen damit, ohne daß es mit anderem vermischt ist, bestrichen werden, so ist es durchsichtig, so, daß jede Ader des Holzes durchscheint.
Gewöhnlich wird ein dunkler Grund untergelegt, und alsdann wird es wie ein Spiegel.
Oft gebrauchen sie den feinen Schlamm dazu, welcher sich unter den Schleifsteinen in den Trögen sammelt, manchmal aber fein gestoßene Kohlen.
Bisweilen wird schwarze, bisweilen rot·e Farbe in den Firnis gemischt, bisweilen auch fein zermalmtes Blattgold; hernach werden die lackierten Sachen gewöhnlich mit goldenen und silbernen Blumen und Figuren geziert, welche auf den Firnis gesetzt werden, die sich aber mit der Zeit wegscheuern.
Manchmal sind diese Blumen und Figuren über das Lack erhoben, besonders bei den alten lackierten Arbeiten, die in großem Wert stehen, selten sind, und sehr teuer bezahlt werden.
Dieser Firnis, welcher ganz hart, und wie ein durchsichtiges und schwer abzulösendes Harz oder Gummi wird, verträgt keinen Stoß, sondern springt davon beinahe wie Glas, dagegen kann er kochend heißes Wasser sehr gut vertragen.
In den Häusern überzieht man damit, hier zu Lande, Thür- und Fensterpfosten, ferner Schränke, Koffer, Kasten, Dosen, Schachteln, Säbel, Fächer, Theetassen, Suppenschalen, Norimon, und fast alles Hausgerät, das von Holz verfertigt wird.
Von Sowas, welches eine Mischung von Gold und Kupfer ist, machen sie sehr schöne Arbeit, die auf eine den Europäern bisher noch unbekannte Art mit Tusche blau oder schwarz gemacht wird.
Die Kunst Glas zu machen, haben die Japaner erst in späteren Zeiten von den Europäern gelernt, und verfertigen sowohl gefärbtes als ungefärbtes, desgleichen allerhand Geschirr; aber Scheibenglas zu Fenstern wissen sie nicht zu verfertigen.
Auch das Glasschleifen verstehen sie, und verfertigen Ferngläser davon, kaufen aber von den Holländern Spiegelglas dazu.
Von den Europäern haben sie auch die Kunst, Taschenuhren zu machen, gelernt, dergleichen sie in ihren Häusern bisweilen gebrauchen.
Auf die Bearbeitung der Metalle verstehen sie sich sehr gut.
Von ihrer besonderen Geschicklichkeit das Kupfer zu schmelzen, in kleine Stangen zu gie·ßen und ihm die vorzügliche Farbe zu geben, wodurch das Japanische Kupfer sich vor allem anderen auszeichnet, ist weiter oben Seite 131. das Nöt·ige gesagt.
In Stahlarbeiten sind sie Meister: ihre vortrefflichen Säbel geben den sichersten Beweis davon.
Papier wird im Lande in erstaunlicher Menge gemacht, zum Schreiben und Drucken, zu Tapeten, zu Schnupftüchern, zu Kleidern, zum Einpacken und Einwickeln, u. dergl. m.
Die Größe und Feinheit des Papiers ist sehr verschieden.
Sie verfertigen es aus der Rinde eines gewissen Maulbeerbaums ( Papiermaulbeerbaums, ( Morus papyrifera ) auf folgende Art.
Wenn im Dezembermonate die Blätter von den Bäumen abgefallen sind, werden die Zweige drei Fuß lang abgeschnitten, in Bündel gebunden, in einem großen bedeckten Kessel in die Höhe stehend in Lauge so lange gekocht, bis die Rinde so Gekrump·fe ist, daß unten am Ende das bloße Holz einen halben Zoll hoch zu sehen ist.
Darauf werden sie herausgenommen, in die freie Luft gesetzt, daß sie kalt werden, alsdann der Länge nach aufgeschnitten, und die Rinde abgenommen.
Sodann wird die Rinde wieder drei bis vier Stunden in Wasser eingeweicht, und wenn sie weich geworden ist, die feine schwarze Haut mit einem Messer abgeschabt.
Da·nach trennt man die grobe Rinde von der feinen, welche weißeres Papier gibt.
Je älter die Zweige sind, desto gröber wird das Papier.
Nunmehr wird die Rinde abermals in reiner Lauge gekocht, dabei mit einem Stocke beständig umgerührt, und so lange immer frische Lauge zugegossen, bis die Fasern sich absondern.
Darauf wird diese gekochte Rinde in einem Bache, und zwar in einem Siebe liegend, unter beständigem Umrühren gewaschen, bis alles wie ein feiner Brei wird, und, in Wasser gelegt, wie Mehl auseinander geht.
Dies Waschen mu·ß mit vieler Behutsamkeit geschehen und erfordert viel Mühe.
Ferner wird zu diesem Brey- oder Mehlartigen ein Dekokt von Reis und Manihot-Eibis·ch ( Hibiscus Manihot ) gegossen, und das Ganze so lange umgerührt, bis es mäßig dick und steif wird.
Hierauf wird es in ein weites Gefäß, und aus diesem jedesmal so viel, als zu einem Bogen oder Blatte nötig ist, in die Formen gegossen, welche sodann, mit dazwischen gelegtem Stroh, um sie bequemer abnehmen zu können, in Haufen auf einander gesetzt werden.
Die Formen sind von Grashalmen gemacht.
Nunmehr werden die Blätter oder Bogen mit einem Brette bedeckt, und allmählich gepre·ßt, zuerst gelinde, hernach stärker, damit das Wasser ganz heraus gebracht werde.
Wenn dies geschehen ist, werden sie auf Bretter gelegt, an der Sonne getrocknet, und zum Verkaufe und Gebrauch zusammen gelegt.
Schlechtes Papier wird vom ostindischen Maulbeerbaume ( Morus indica ) gemacht.
Wie eine Art dickes Papier, als Zeug, zu Kleidern gebraucht wird, ist S. 186. beschrieben.
Von der Verfertigung des feinen Japaneschen Porzellans ist daselbst S. 69., und der ungeheuer großen irdenen Kruken S. 68. geredet.
Im Ganzen ist aber doch das Japanische Porcellain, jene vorzügliche Sorte ausgenommen, dick, plump und schlecht gema·lt, und steht an Schönheit dem Chinesischen weit nach.
Da die Japaner beinahe gar keine Möbeln gebrauchen, so leisten sie in dieser Art von Arbeit fast nichts.
Was sie aber von dergleichen, wie auch von Hausgerät, verfertigen, machen sie sauber und künstlich.
Zu meinen technologischen Nachrichten und Bemerkungen von Japan gehört übrigens auch noch das, was ich von der Benutzung und Verarbeitung der Naturprodukte dieses Landes, besonders aus dem Pflanzenreiche, teils in meiner Reisebeschreibung zerstreut angeführt habe, teils unten in einem besonderen Abschnitte noch anführen werde.
Wie es um die Baukunst in Japan steht, ist aus dem, was ich im ersten Teile von den Häusern der Japaner gesagt habe, zu ersehen.
Die Steuermannskunst und die Schiffsbaukunst ist bei den Japanern nicht hoch gestiegen.
Dies kann auch nicht anders sein.
Kein Japaner hat die Freiheit, die Grenzen seines Vaterlandes zu verlassen, und fremde Länder zu besuchen; vielmehr ist dies bei Lebensstrafe verboten.
Weite Seereisen, welche die Japaner ehemals mit eigenen Schiffen nach Corea, China, Formosa, Java und anderen Ländern anstellten, können daher nicht mehr vorgenommen werden.
Sie segeln also nur an ihren Küsten und zwischen ihren Inseln umher.
Diese Schifffahrt kennen und benutzen sie aber sehr gut, und zwar mit einer unglaublichen Menge sowohl großer und kleiner Kauffahrteyfahrzeuge als mit Fischerbo·ten.
Selten gehen sie indessen dabei weiter in die See, als daß sie noch das Land sehen, und jeden Abend in einen Hafen einlaufen, oder sonst einem entstehenden Sturme entkommen können.
Ich hatte Gelegenheit, ihn genau zu untersuchen.
Er ist in zwölf Striche, wie die Schiffer es nennen, abgeteilt, nämlich zuerst nach den vier Hauptweltgegenden, Osten, Norden, Westen und Süden, und dann zwischen jedem von diesen wieder in zwei.
Diese Windstriche haben ihre Namen von gewissen Tieren: die drei nördlichen heißen: Eine, Ratze; Us, Stier, Kuh; Tora, Tiger; die drei östlichen:
U, Hase; Tat_es, Drache; Mi, Schlange; die drei südlichen:
Uma, Pferd; Fitu·si, Widder; Saru, Affe; die drei westlichen:
Ton, Huhn; Inu, Hund; J, Wildschwein. Norden heißt: Kitta; Osten, Figasi; Süden, Minnami und Westen, Nis.
Dies sind ungefähr dieselben Benennungen, als die, welche die zwölf himmlischen Zeichen führen; ohne Zweifel sind sie auch davon hergenommen.
Vierter Abschnitt.
Von der Landwirtschaft, besonders dem Ackerbau, der Japaner.
Den Ackerbau hält man in Japan mit Recht für das Notwendigste und Nützlichste zur Erhaltung und zum Wohlstande des Reichs.
Auch steht er in keinem Lande in solchem Ansehen, wird in keinem mit dem Eifer und der Sorgfalt getrieben, als hier, wo niemals, weder auswärtige noch einheimische Kriege, auch keine Auswanderungen, die Volksmenge vermindern, und wo man nie darauf denkt, weder andere Länder zu erobern, noch aus anderen Ländern unnütze, wohl gar schädliche, Produkte einzuführen; sondern im höchsten Grade darauf bedacht ist, daß kein Fuß breit Erde unbenutzt liegen bleibe, und, daß das was die Erde hervorbringt, nicht unnütz angewandt werde.
Die gar nicht urbar zu machenden Berge ausgenommen ist der Boden überall, Ebenen, Hügel und Berge, und diese bis auf den höchsten Gipfel, angebaut.
Belohnungen und andere Aufmunterungen bedarf es dazu nicht in einem Lande, wo der, welcher das Feld bauet, für den nützlichsten Bürger geachtet, und wo er nicht durch den vielfachen Zwang, der in anderen Ländern die Aufnahme des Ackerbaues hindert und zu allen Zeiten gehindert hat, gedrückt und eingeschränkt wird.
Zwar sind die Abgaben des Landmanns von seinen Produkten in Natura, sehr hart und viel; dagegen bauet er aber auch übrigens sein Feld mit mehr Freiheit, als in manchen Ländern die Besitzer adeliger Güter das ihrige.
Hofdienst und Fro·narbeit; harte, oft tyrannische Behandlung, von Edelmann, Amtmann, Pächter, Verwalter, Schreiber, Voigt und dergleichen; Untert·änigkeit, Leibeigenschaft und andere Bauernsklaverei; unentgeldliche oder so gut als gar nicht bezahlte Fuhren und Dienste zum Vort·eile des Landesherrn oder der Befehlenden im Lande.
Kriegsfuhren, Kriegsdienste, Militairconscription, Enrollirung der Söhne zu Soldaten, in Regimentskantons; die Pflicht, Soldaten zu stellen und zu halten; unentgeldliche Arbeit zum Behuf der Landstraßen, Brücken, öffentlichen oder herrschaftlichen Gebäude, Kirchen, Pfarrgebäude und wie alles das heißen mag, was in europäisch·en Staaten den Bauer auf die schreiendste Art einschränkt und niederdrückt: von diesem allem, kennt und erfährt der Bauer in Japan niemals das Allergeringste.
Zäune und andere Befriedigungen um Gärten, Äcker und Wiesen anzulegen, und zu unterhalten, Holz dazu und zum Brennen weit her zu fahren, und dergleichen, hat er nicht nöt·ig.
Gemeinheit der Grundstücke: als Gemeinwiesen, Gemeindeholzung, gemeine Hut und Weide, und was sonst dahin gehört, hindert ihn eben so wenig, den Boden, der ihm gehört, nach seinem Gefallen und aufs Vort·eilhafteste zu gebrauchen, als verteilte und zerstreute Lage der einzelnen Äcker, Wiesen und Gärten.
Nur Einem Zwange ist der Landmann hier unterworfen: diesem, daß jeder schlechterdings gehalten ist, sein Feld jährlich zu bestellen, wi·drigenfalls er denjenigen T·eil, welchen er unbestellt läßt, verliert, und ein anderer, der ihn bestellen kann und will, denselben bekommt.
Dies aber ist ein Zwang, der zur Aufnahme des Ackerbaues gereicht.
Der Bauer mu·ß also, er wolle oder nicht, alle Mühe und alle seine Zeit zur Bearbeitung seines Feldes anwenden, wobei ihm Frau und Kinder treulich beistehen.
Wiesen, Aenger, Triften und andere bloß zur Weide bestimmte Plätze, trifft man im ganzen Lande nicht an, sondern alles ohne Unterschied wird entweder besäet oder mit Erdfrüchten bepflanzt; denn Viehhe·rde· oder eine Anzahl Reit- und Kutschpferde hält hier niemand.
Auch nehmen hier keine allzuweitläuftige Tobakspflanzungen dem nöt·igeren Getreide den Platz weg, eben so wenig als zum Branntweinbrennen und anderem eben nicht löblichen Gebrauche Korn gesät wird.
Kein Wunder bei allen die····sen Einrichtungen und Gewohnheiten, daß das Land, wie ich schon mehrmals gerühmt habe, nicht nur so ganz über alle Vorstellung angebaut, sondern auch unglaublich bevölkert ist, und zugleich seine unzähligen Einwohner ganz allein, ohne fremde Einfuhr, ernähren kann.
Auf der anderen Seite aber übersteigt es auch allen Glauben, wie viel Mühe, Sorgfalt, Emsigkeit und Unverdrossenheit der Japaner bei seinem Ackerbau anwendet.
Besonders zeigt sich dies bei Urbarmachung und Bestellung steiler Berge.
An den Seiten derselben bleibt nichts unangebaut liegen.
Wenn der Fleck auch nicht größer als zwei Fuß ins Gevierte ist, so legt der Japaner doch unten eine kleine steinerne Mauer an, füll·t den Platz inwendig mit Erde und Dung, und besäet dies kleine Beet mit Reis oder Gartengewächsen.
Die meisten Berge sind mit tausenden solcher kleinen Beete geschmückt, und diese geben ihnen ein Ansehen, das bei dem, welcher an den Anblick nicht gewohnt ist, die größte Bewunderung erregt.
Einige Felder stehen im Frühlinge fast ganz unter Wasser.
Andere, besonders die zu Reis bestimmten, Felder gibt man sich viel Mühe, gehörig zu wässern.
Besonders haben sie eine ganz eigene und artige Methode, bei starker Dürre das Wasser dahin zu leiten.
Die hiesigen Bäche sind zwar nicht nur groß, sondern schwellen auch, wenn viel Regen fällt, hoch an; laufen aber auch schnell nach dem Meere zu, und behalten daher wenig Wasser.
Um dennoch Nutzen von ihnen zu haben, wirft der Landmann ganze Dämme von Erde, viele Fuß breit und oft von unglaublicher Länge auf, hinter welchen das Wasser eine ganze Strecke hin, sich sammelt und stehen bleibt, da er es denn hernach, wo er es nötig findet, abzapft, und auf die unten liegenden Äcker fließen lä·ßt.
Auf eine ähnliche Art bringen sie das Wasser, welches sich an den Spitzen der Berge aus den Wolken und aus Regen sammelt, zusammen, und leiten es von den oberen Äckern zu den unteren herab, so daß erst jene, dann nach und nach diese unter Wasser zu stehen kommen, und alle gehöriges Wasser behalten, indem allezeit die untere Seite mit einem allenthalben gleich hohen Rande eingeschlossen wird.
In keinem einzigen Lande sammelt man den Dünger mit mehr Sorgfalt, und geht so haushälterisch damit um, als hier, so, daß in der T·at von dergleichen nichts, das gebraucht werden kann, unbenutzt bleibt oder umkommt.
Das Vieh wird das ganze Jahr hindurch auf dem Stalle gefüttert, daher bleibt aller Dünger auf dem Hofe.
Auf den Landstraßen wird allenthalben durch alte Leute und Kinder alles aufgesammelt, was die Pferde fallen lassen; sie brauchen dazu, um sich nicht bücken und die Hände verunreinigen zu dürfen, eine an das Ende eines Stocks, wie ein Löffel, befestigte Muschel, werfen es dann gleich in den am linken Arme hängenden Korb und tragen es so zu Hause.
Ja selbst der Urin, den man in Europa so selten zum Besten der Äcker oder Gärten anwendet, wird hier mit Sorgfalt in großen irdenen Kruken gesammelt, dergleichen nicht nur in den Dörfern, sondern auch auf den Seiten der Landstraßen, in die Erde gegraben, zu Jedermanns Gebrauch vorhanden sind.
Mann erinnere sich, was ich Seite 172. hiervon bereits erzählt habe.
So geizig die Japaner alles, was zum Düngen gebraucht werden kann, sammeln, so mühsam verfahren sie auch bei dem Düngen selbst.
Sie fahren den Mist weder im Winter noch im Sommer auf ihren Acker, daß er, wie bei uns, eine geraume Weile liegen bleibt, und von der Sonnenhitze austrocknet, oder doch seine Kraft verliert, indem die salzigen und öl·i·gen Teile ausdünsten; sondern sie vermischen mehrere Arten Mist, von Menschen und Vieh, wie auch alles was in der Küche abfällt, mit Wasser und Urin, und rühren es zu einem ganz dünnen Brei durcheinander.
So zugerichtet tragen sie ihn, in zwei großen Eimern die an einem Holze über der Schulter hängen, auf den Acker oder in den Garten und begießen damit, vermittels· einer Kelle die Saat oder Gewächse, zu zwei verschiedenen malen, das erstemal wenn sie ungefähr eine Viertelelle hoch sind, und nach Verlauf von ein paar Wochen zum zweitenmal.
Auf diese Art haben Saat und Gewächse den ganzen Nutzen davon, und die beste Kraft zieht sogleich in die Wurzel.
Man steht vor Erstaunen still, wenn man sieht wie unverdrossen die Leute diese ekelhafte Arbeit verrichten.
Diese Methode Feld und Gärten zu düngen, verschafft auch den Vorteil, daß alles von Unkraut rein bleibt, und wenn ja Unkraut hervorkommt, so wird es gleich aufs sorgfältigste ausgejätet.
Daher kommt denn, daß die Äcker und Gärten so ganz leer von allem Unkraute sind, daß der scharfs·ichtigste Botaniker schwerlich ein einziges fremdes Kraut unter der Saat oder zwischen den Gewächsen entdecken wird.
Ein Reisender, der dies nicht wü·ßte, würde sich leicht einbilden können, Japan erzeuge gar nichts von dem, was man Unkraut nennt.
Das meiste Land, auch das Feld, wird, und zwar sehr fein und locker, umgegraben.
Überhaupt bringt bei der Art, wie die Japaner ihren Acker bearbeiten, ein kleiner Platz eben so viel, als in Europa ein weit größerer, ein.
Zum Graben gebraucht man einen etwas gekrümmten, einen Fuß langen und eine Hand breiten Spaten.
Der Pflug wird von einer Kuh oder einem Ochsen gezogen.
Wenn der Bauer sein Feld umgräbt, oder pflügt, folgt ihm allezeit eine Part·ei schöne, weißliche Reiher ( Ardea ) nach, welche die mit aufgegrabenen Würmer und anderes Ungeziefer, auflesen; Solchergestalt können auch diese der Saat und den Gewächsen nichts schaden.
Diese Reiher sind ganz zahm, und um des Nutzens Willen, den sie stiften, tut ihnen niemand etwas zu Leide.
Von Hecken, Zäunen, Feldmauren und anderen Befriedigungen des Ackers, weiß man hier nichts.
Alles liegt frei und offen.
Vieh, keiner Art geht draußen, kann also auch nichts beschädigen.
Von den Wegen abweichen, und über den Acker fahren, oder gehen, würde sich hier niemand unterstehen.
Der Platz, welchen der Zaun, oder dergleichen einnehmen würde, wird also auch benutzt.
Die vornehmste Getreideart ist Reis.
Buchweizen, Rocken, Gersten und Weizen, wird wenig gesät.
Das Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, fängt der Landmann schon im April an umzugraben.
Es steht alsdann beinahe ganz und gar unter Wasser, und ist da an den Seiten umher mit einem kleinen Rande eingefa·ßt, damit das Wasser nicht ablaufen kann.
Der Reis wird allezeit zuerst auf ein kleines Stück Land, ganz dicht, wie bei uns der Kohlsamen, auf eine Art Mistbeet gesät.
Wenn nun die Pflanzen eine Viertelelle hoch sind, werden sie ausgezogen, und, wie Kohlpflanzen, auf die dazu bestimmten Äcker verpflanzt, und zwar immer einige zusammen in ein Loch, aber die Löcher so weit von einander, daß auf allen Seiten ein Zwischenraum von einer Viertelelle bleibt; so weit stehen also hernach die Büschel Reishalme auseinander.
Dies· Pflanzen ist überall die Arbeit der Frauenspersonen, die dabei bis an die Waden im Wasser und Schlamm waten.
Alles Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, graben sie um; nur dasjenige, welches sehr niedrig liegt, und ganz und gar unter Wasser steht, pflügen sie.
Im November ist der Reis reif.
Er wird alsdann abgeschnitten, in kleine Bunde oder Garben gebunden, und vom Felde nach dem Hause geschafft.
Um ihn zu dreschen, werden die Ähren gegen eine Tonne oder etwas anders geschlagen, da dann die Körner sogleich herausfallen; eine sehr einfache und kurze Arbeit.
Um aber die äußere Hülse oder Spreu vom eigentlichen Korne selbst zu trennen, muß es noch einmal gedroschen, oder vielmehr gestampft werden, welches aber selten vorgenommen wird, ehe man den Reis gebrauchen will.
Man verführt und verkauft ihn gewöhnlich ungestampft.
Das Stampfen geschieht im Kleinen, in einem ausgeholten hölzernen Block, mit einem hölzernen Stößer, wodurch die Hülse sich ablöset.
Im Großen wird es auf einer Maschine verrichtet, die aus mehreren Stempeln besteht, und entweder durch ein Wasserrad in Bewegung gesetzt, oder durch einen Kerl mit dem Fuße getreten wird.
Übrigens wird der hiesige Reis für den besten in Ostindien gehalten; er ist sehr weiß, s···eimig, und nahrhafter als anderer.
Aus dem Buchweizen wird hier zu Lande, nicht so wie in Europa, Grütze, sondern Mehl gemacht, und dieses in kleine Kuchen verbacken.
( Siehe die erste Abteilung, Seite 43. )
Der Weizen wird im November gesät, und im Junis geerntet.
Meistentheis wird feines Mehl davon gemahlen, woraus man kleine Kuchen backt, die weich, oder frisch, gegessen werden.
Die Gerste wird verschiedentlich, vom Oktober bis zum Dezember, ausgesät.
Gegen das Ende Mays, oder zu Anfange des Junis, wird sie eingeern·tet, getrocknet und gedroschen.
In der Gerste findet sich, auch hier zu Lande, oft Brand, doch nicht so häufig als man diese Krankheit des Getreides in Europa antrifft.
Die Gerste wird größtenteils zum Futter für Pferde und anderes Vieh gebraucht.
Die Äcker, welche mit Weizen und Gerste besäet werden sollen, werden in schmale Beete geteilt, die etwa einen Fuß breit und durch etwas niedrigere Zwischenräume, welche über einen Fuß breit sind und unbesät bleiben, von einander getrennt werden.
Auf diese schmalen Beete wird Korn gesät, entweder in der Breite, in Reihen, die ein wenig von einander abstehen, oder, wiewohl seltener, der Länge nach in zwei Reihen.
Wenn die Saat einen Fuß hoch geworden ist, doch ehe sie Ähren bekommt, wird aus dem unbesäten Zwischenraume Erde herausgenommen, und sehr behutsam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch neuen Saft und Dünger bekommt; die Zwischenräume werden auf diese Art in tiefe Furchen, oder kleine Graben, verwandelt, in welche das Wasser einzieht.
Diese mühsame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen Gartenbeeten, die auf den Anhöhen und Bergen, von kleinen Mauern unterstützt, terrassenförmig übereinander hervorragen, welches einen vortrefflichen Anblick, gewährt.
Zu seiner Zeit wird die Erde wieder weggenommen, und in die Furche geworfen, und dagegen für das künftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu Zwischenraum und Graben gemacht.
Sobald die Gerste abgeschnitten ist, wird nicht selten andere Gerste, oder auch wohl Bohnen zwischen die Stoppeln gesät, und zwar entweder auf das vorige Beet, oder auf den Zwischenraum, so, daß das Land wirklich zweimal im Jahr, obwohl an verschiedenen Stellen, besäet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweitenmal von vorn bearbeitet werden dürste.
Rübsamen wird in allen Gegenden von Japan überflüssig gebaut.
Im Monat April, sehen über das ganze Land die Äcker von den Blüten wie vergoldet aus.
Die Rübe wird nicht gebraucht, aus dem Sa·men aber, welcher im Mai reif wird, pre·ßt man Öl, das überall in den Lampen gebrannt wird.
Die Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Öl Natanne Abra oder Natanne no Abra.
Gersten, Weizen, Kohlsamen und Senf, werden ohne viele Umstände auf Strohmatten, unter freiem Himmel, nicht selten auch in den Dörfern vor der Haustür, gedroschen, und zwar mit Flegeln, die drei Schlägel haben.
Man schlägt auch wohl nur die Garbe mit den Ähren gegen eine Tonne oder dergleichen, damit das Korn herausfalle, welches hernach von Spreu und anderem Unrat· gereinigt werden muß.
Von Bohnen, sowohl den eigentlichen Bohnen, ( phaseolus ) als Faseln ( Dolichos ), Erbsen und Linsen bauet man mehrere Arten.
Von den Sojabohnen ( Dolichos Soja ), die japanisch Daidsu heißen, gebraucht man das Mehl an Speisen, um dieselben damit zuzubereiten, und den ausgepreßten Saft zur Zubereitung der Soja; die Bohnen selbst aber werden in Suppe gekocht, welche Miso heißt, und hier zu Lande ein tägliches Gericht ist.
Diese Art Bohnen, welche klein sind, und wie Linsen aussehen, wird sehr häufig gebaut, ob sie gleich auch vielfältig wild wachsen.
Nicht leicht wird wohl eine Schotenfrucht häufiger gebraucht, als diese; denn die Sojabrühe, und das Sojamehl wird täglich genossen, und die Misosuppe wird wenigstens einma·l, oft mehrmals, jeden Tag, und zwar zu allen Jahr·szeiten, von Vornehmen und Geringen, von Reichen und Armen, gegessen.
Die gestrahlten Bohnen ( phaseolus radiatus ) werden auch gemahlen, und aus dem Mehle nebst Zucker, werden kleine Kuchen gebacken.
Welsche Bohnen oder Bufbohnen ( Vicia faba ) traf ich auch an einigen Orten an.
Eben so zieht man verschiedene Arten Gewächse aus dem Geschlecht der Gräser, um den Sa·men davon zur Nahrung, sowohl für Menschen als Vieh, zu nutzen; verschiedene Arten Fennich ( panium ), den quirlförmigen ( verticillatum; Awa ) und den Rabenfuß ·Crus corvi; Ko Kibi ); Pferdegras oder Sorghosamen ( Holcus Sorghum; Kibi ); Krummähriges Kammgras ( Cynosurus coracanus; Nan Bahn Kiwi ), nebst anderen.
Rüben werden häufig gesät, und zum Essen gebraucht; ingleichen andere Erdfrüchte und Zwiebelgewächse, als Zuckerwurzeln ( Sium Sisarum ); Möhren oder gelbe Wurzeln ( Daucus carota ) die aber hier nicht sehr gelb sind; Rettich ( Raphanus Satirus ); Bataten ( Convolvulus Batatas oder edulis ); und auch Kartoffeln, wiewohl diese letzteren nur sehr sparsam, ( Solanum tuberosum )
Von allen vorgenannten, sind die Bataten hier die häufigsten und wohl·schmeckendsten.
Andere japanische Gartenfrüchte sind Salat ( Lactuca sativa ); Melonen ( Cucumis melo ), sowohl mit weißem, als mit rötlichem Fleisch, die man, wie bei uns, zum Dessert gebraucht; Pf·eben ( Cucurbita pepo ), wovon man Suppen kocht; Gurken ( Cucumis sativus ), die man t·eils frisch ißt, t·eils einmacht; Konomon ( Cucumis conomin ), welche eingesalzen werden, und den Appetit zu rei·zen dienen; Fock· Fokkes oder Melanzanäpfel ( Solanum melongena ) die man in Suppen ißt; Flaschenk·ürbisse oder Kalabassen ( Cucurbita lagenaria ) woraus die Einwohner Flaschen und ·ähnliche Gef··äße machen.
An mancherlei wohlschmeckenden Früchten, die die Gärten liefern, fehlt es auch nicht.
Dahin rechne ich Pomeranzen, Zitronen, Pampelmuse· ( Citrus decumanus ) und Apfelsinen, ·Äpfel, Birnen, Quitten ( Pirus cydonia ), Pfirsichen, Mandeln, Aprikosen, Pflaumen, Kirschen, sehr schmackhafte Mispeln ( Mespilus japanica ), Kakifeigen oder Versimonen ( Diospirus Kaki ), Weintrauben, Granat·äpfel ( Punicum granatum ), spanische Feigen ( Kaktus ficus ), Kastanien, Wal·n·üsse und vielerlei andere.
In den Dörfern trifft man an sehr vielen Stellen Mandeln- Pfirschen- und Aprikosenbäumen gepflanzt an, deren rote Blüt·e schon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige bedeckt.
Diese Bäume sowohl als die Pflaumen, Kirsch- Aepfel-·Birn- und Quittenbäume, haben hier auch häufig doppelte oder gefüllte Blüten, worauf die Japaner einen besonderen Wert setzen.
Als Gewürze, zieht man in den Gärten, Ingber ( Amomum Mioya ); den Pfefferbusch ( Fagara piperita ) wovon man sowohl die Blätter als die Frucht braucht, um Suppen und Brühen einen starken Spezereigeschmack zu geben; wie auch spanischen Pfeffer ( Capsicum ).
Senf gebrauchen die Japaner zwar selten ans Essen, aber sie pressen Öl aus den Senfkörnern, das sie in den Lampen brennen.
Am meisten säen sie von der niederhangenden Gattung ( Sinapis cernua ),
Hopfen bauet und gebraucht man in Japan nicht; ich sah ihn aber doch hie· und da wild wachsen.
Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zäune und andere Befriedigung, so sieht man viele Küchengewächse und Gartenfrüchte auf dem freien Felde stehen.
Eigentliche Gärten gibt es daher keine andere, als die, welche man bei jedem Hause antr·ifft; diese sind aber von unbedeutender Größe, und dienen mehr zur Zierde und zum Vergnügen, als zum Nutzen.
Man findet darin Bäume, die mit schönen und großen, oft gefüllten Blumen prangen, und verschiedene Kräuter und Zwiebelgewächse mit vorzüglich schönen Blumen, als indisches Felsenkraut ( Azalea indica ) die Nandine ( Nandina domestica ) die Gardenie ( Gardenia florida ) Spierkraut ( Spirea ), die Magnolie ( Magnolie ), Sammetblume ( Tagetes patula ), Celosien ( Celosia cristata ), chinesische Sternblumen ( Aster chinensis ), Päonien ( Päonie officinalis ), Wucherblumen ( Chrysanthemum indicum ), Ringelblumen ( Calendula officinalis ), Balsaminen ( Impatiens balsamina ), Wunderblumen ( Mirabilis dichotome ) und unzähli·ge andere.
Als Färbekrautblumen bauen die Japaner den Knöterich oder Wegtritt ( Polygonum ), sowohl den chinesischen ( Chine·se ), als den bärtigen ( barbatum ), auch den gemeinen oder Vogelknöterich ( aviculare ).
Er gibt eine schöne blaue Farbe, wie Indigo; die Blätter werden getrocknet, gestoßen und kleine Kuchen daraus gemacht, die in den Krambuden zu kaufen sind.
Man kann nicht nur Leinwand, sondern auch seidene und baumwollene Zeuge damit färben.
Wenn man sie gebrauchen will, werden sie mit einem Zusatz von Asche gekocht.
Je stärker der Dekokt gemacht wird, desto dunkler wird die Farbe, und im Gegenteil desto heller.
Sowohl der Baumwoll- als der Seidenbau, ist in Japan gar ungemein beträchtlich, und verschafft vielen Millionen Menschen Kleidung.
Die Baumwollstauden, und zwar von der Gattung der Krautartigen, ( Gossypium herbaceum ) werden jährlich gepflanzt.
Sie geben eine sehr feine und weiße Bauwolle, die zu Zeugen, zum Ausstopfen und zu anderem Behuf gebraucht wird.
Der Seidenbau beruhet auf dem steten Pflanzen und Vermehren der Maulbeerbäume, wodurch eine unbeschreibliche Menge Seidenwürmer ernährt wird.
Die Seide wird zu Zeugen, zu Garn, zu Matten und auf mancherlei andere Art gebraucht.
Der Firnißbaum ( Rhus ···Nix ), der Kampferbaum ( Laurus camphora ), der Fichtenbaum ( Pinus sylvestris ), die Theestaude ( Thea bohea ), der Cedern- oder Zypressenbaum ( Cupressus japonica ) und das Bamborohr ( Arundo Bambus ), wachsen, nicht nur im ganzen Lande, wild, sondern werden auch, des großen Nutzens wegen den sie den Einwohnern verschaffen, in verschiedenen Gegenden gepflanzt und gezogen.
Den Bambostamm gebrauchen sie zu Hebebäumen; von dem Rohre flechten sie Körbe und Schränke, und machen Schreibfedern, Fächer und manches andere daraus.
Die Fichten pflanzen sie zum Zier·at· vor die Häuser; das Holz brauchen sie zum Hausbau und als Nutzholz zu allen Arten hölzerner Sachen; auch verfertigen sie daraus die feinste lackierte Arbeit.
Das Zedernholz gebrauchen sie zum Schiffbau, auch machen sie Hausgerät· und Tischlerarbeit davon.
Der Firnisbaum enthält einen Milchartigen Saft, der von allen Harzen das vortrefflichste zum Lackieren ist, und wovon ich im vorhergehenden mehr gesagt habe.
Der Kampferbaum wächst in der Landschaft Satsuma und auf den Inseln, die den Namen Gotho führen, in größter Menge wild.
Aus den japanischen Bäumen wird der meiste Kampfer, der in Europa gebraucht wird, zubereitet.
Die Japaner splittern den Baum und die Wurzeln sehr fein von einander, kochen die dünnen Streifen in Wasser, in einem eisernen Topfe, der mit einem, wie ein Hut gestalteten hölzernen Deckel zugedeckt ist; in dem Kopfe des Deck·els oder Huts, wird Stroh oder Heu befestigt, damit der aufsteigende Kampfer sich in Gestalt von Körnern daran festsetzen könne; hernach werden diese Körner von dem Stroh· oder Heu los gemacht, in Fässer eingepackt und an die holländische Compagnie nach dem Gewichte verkauft.
Die Theestaude wächst im Lande überall wild.
Am häufigsten fand ich sie jedoch an den äußersten Seiten, oder dem Rande, der bestellten Felder, oder auf solchen Bergen und Hügeln die der Mühe der Bearbeitung nicht wert· sind, angepflanzt.
In Zeit von sechs bis sieben Jahren, wächst sie aus dem Sa·men zu völliger Mannshöhe; aber schon im dritten Jahre trägt sie durch ihre Blätter etwas ein.
Je älter die Blätter sind, und je später im Jahre sie abgepflückt werden, desto mehr bekommt man zwar, aber desto schlechteren T·ee geben sie auch; die kleinen und eben erst ausgebrochenen Blätter, geben den feinsten und kostbarsten T·ee.
Das Pflücken wird daher jährlich zu drei verschiedenen malen vorgenommen.
Die erste Ernte geschieht im Anfange des Märzes, oder auch am Ende des Februars.
Alsdann fangen die Blätter an auszubrechen, sind klebrig und werden nur für den Kaiser und die Reichen und Vornehmen gepflückt, bekommen davon auch den Namen Kaiserthee.
Einen Monat ···nachher fällt die zweite Ernte ein, da die Blätter ausgewachsen, aber noch dünne und wohlschmeckend sind.
Wiederum nach einem Monat·e wird das Meiste gesammelt; die Blätter sind alsdann völlig ausgeschlagen und dick geworden.
Die junge Stauden geben allezeit besseren T·ee, als die alten; auch schmeckt der T·ee aus einigen Provinzen besser, als aus anderen.
Wenn die Blätter abgepflückt sind, werden sie gedörr·t, und zu dem Ende auf dünne eiserne· Platten hingebreitet, die warm gemacht werden.
Hier müssen sie fleißig mit der Hand umgerührt werden, so lange die Finger die Hitze ertragen können.
Darauf werden sie auf Matten hin und her gerollt, bis sie ganz kalt geworden sind.
Sind sie alsdann nicht trocken genug, so wird das Rösten noch ein oder mehrere Mal vorgenommen.
Oft legen die Leute die Matten mit den Theeblättern ganz sorglos vor die Haustür hin, und lassen sie da liegen.
Der Zuckerahorn, oder Zuckermassholder ( Acer saccharinum ), wächst meines Wissens in Japan nicht; auch hat man bis jetzt das Pflanzen des Zuckerrohrs nicht eingeführt.
Die Japanischen Dolmetscher zeigten mir aber doch einen Saft, wovon Zucker gemacht werden kann.
Dies ist der Saft eines gewissen Baumes, der auf den Inseln um Nippon wächst.
Der daraus bereitete Zucker schmeckt süß, ist bräunlich und von schlechtem Ansehen.
Zucker ist also das einzige, was die Japaner von Ausländern nehmen müssen.
Da·ß Japan, und zwar im größten Überflusse, alles, was zur Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeit seiner Bewohner erforderlich ist, hervorbringt, wird jeder aus dem bisher gesagten zur Genüge ersehen.
Und da man in den meisten anderen Ländern so oft über Mißwachs und Hungersnot· klagt, so hört man dergleichen in diesem Reiche sehr selten, wo man sparsam lebt, keinen Aufwand macht, auf den Ackerbau so unbeschreibliche Mühe und Sorgfalt wendet, und außer Reis und Getreide, auch klüglich eine Menge Gartengewächse und Erd- und Baumfrüchte zu ziehen sucht.
Inzwischen weiß man doch Beispiele, da·ß auch hier Hungersnot das Land betroffen hat.
Da die Japaner nicht nur so manche Getreidearten, sondern auch so viele Wurzel-· Schoten- und andere Gartengewächse, nebst Obst und Früchten in Menge, überdem aber, aus dem das Land allenthalben umströmenden Meere, einen unerschöpflichen Vorrat· von Fischen holen; da ferner die Reisen, entweder zu Fuß, oder in Tragsänften gemacht; und bei der sehr großen Menge Leute, die man dazu haben kann, fast alles, was von einem Orte zum anderen zu transportieren ist, von Menschen getragen, da keine Kavallerie im Lande unterhalten, da endlich die allermeiste Feldarbeit ohne Zugvieh verrichtet wird; so bedarf es fast gar keiner Viehzucht, in diesem Lande, daher sie denn auch nur sehr geringe ist.
Die wenigen Pferde, welche es hier gibt, werden von den Fürsten auf ihren Reisen, t·eils zum Reiten, t·eils als Packpferde gebraucht; und ihre ganze Anzahl möchte wohl nicht so viel betragen, als in einer mittelmäßigen Stadt in Europa.
Große Reitpferde, prächtige Kutschpferde, schnelle Schlittenpferde, kennt man hier eben so wenig, als Fuhrmanns und Bauernpferde.
-- Rindvieh hat man noch weniger; von den Kühen gebraucht man eben so wenig die Milch, weder zum Trinken, noch zu Speisen, noch zu Butter oder Käse, als man Kalb- oder Rindfleisch isst, oder das Talg gebraucht.
Die wenigen Kühe und Ochsen die gehalten werden, hat man bloß dazu, sie vor Karren zu spannen, ( welches aber nur in Einer Gegend des Landes geschieht ), um solches Feld, das fast beständig unter Wasser steht; zu pflügen.
-- Schweine findet man nur um Nangasacki, und zwar sehr wenige, die noch dazu von den Chinese·n in späteren Zeiten ins Land gebracht zu sein scheinen.
-- Schafe und Ziegen sind im ganzen Lande gar nicht zu finden; die Einwohner können auch der Scha·fwolle sehr gut entbehren, da sie Baumwolle und Seide im ·Überflu·ß haben.
Während meines Aufenthalts auf der holländischen Faktorei, trug es sich zu, daß einige Japaner mit verschiedenen Scha·fen nach der Insel kamen, welche sie von einem Chef des holländischen Handels, der nach Batavia gereist, und hernach nicht wiedergekommen war, in Empfang genommen, und verschiedene Jahre in Verwahrung gehabt hatten.
-- Hunde, die einzigen Müßiggänger im Lande, halten sie aus Aberglauben.
Katzen sind meistens die Lieblinge des Frauenzimmers.
-- Hühner, Gänse und Enten halten die Japaner auch, mehrenteils um der Eier Willen, wovon sie große Liebhaber sind, und die sie bei manchen anderen Gerichten hart gekocht und in Stücken zerschnitten, essen.
Die Fischerei wird, wie ich schon einigemal beiläufig erwähnt habe, von den Japanern außerordentlich stark und eifrig getrieben; das Meer welches ihr ganzes Land umfließt, und so viele Buchten macht, auch so manche kleine Inseln enthält, kommt ihnen dabei so sehr als wenig anderen Ländern zu Statten; auch essen die Japaner fast nichts häufiger und lieber als Fische.
Es ist unglaublich, welch eine Menge Fischer, bloß aus dem Hafen von Nangasacki täglich auslaufen.
An den dunklen Herbst- und Winterabenden, brennen sie Fackeln und andere stark scheinende Lichte auf ihren B·öten, die über eine Meile weit von der Stadt gesehen werden, und einen ungemeinen schönen Anblick geben.
Fünfter Abschnitt.
Bei Beschreibung der Handelsstädte, welche ich auf unserer Hofreise gesehen, habe ich vom einheimischen Handel bereits manches gesagt, so wie ich, in den Abschnitten die meinen Aufenthalt auf Dezime betreffen, von dem Handel der Japaner im allgemeinen sowohl, als mit den Holländern und Chinesen insbesondere, umständliche Nachricht gegeben habe.
Was von diesem allen noch nachzuholen ist, will ich jetzt zusammenfassen.
Den inländischen Handel erleichtern und befördern die vielen großen Handelsstädte und die vielen Seehäfen ungemein.
Er ist in einem sehr blühenden Zustande, und in jedem Betrachte frei und ohne Zwang- Einrichtungen; auch legen, weder Zölle und Abgaben, noch Mangel an Gelegenheit des Transports zwischen den vielen verschiedenen Provinzen des Reichs, ihm Hindernisse in den Weg.
Die Häfen sind stets mit großen und kleinen Fahrzeugen angefüllt; die Landstraßen wimmeln von Reisenden und von Leuten, die Waren tragen; und die Handelsbuden, besonders in den großen Handelsstädten, sind allenthalben voll Kaufmannsgüter und Waren aus allen Orten und Enden des Landes.
In diesen Städten, vorzüglich zu Miako, welches im Mittelpunkt des Reichs liegt, werden auch verschiedene große Märkte gehalten, zu welchen die Leute aus allen Gegenden zusammenströmen, um zu kaufen und zu verkaufen.
Außer dem Kubo sind wohl die Kaufleute die einzigen im Lande, welche reich werden, und bisweilen ansehnliche Summen beilegen können.
Demungeachtet aber ist der Kaufmannsstand hier bei weitem nicht in solchem Ansehen, als bei den Europäern; zu einem höheren Stande sich hinauf zu schwingen, oder vornehme Titel zu erlangen, ist einem Kaufmann hier auch nicht möglich.
Im Gegenteil ist der Kaufmann immer ein verachteter Mann, und man hat allezeit die nachteilige Vorstellung von ihm, daß er auf eine nicht ganz ehrliche Art und auf Kosten seiner Mitbürger seine Schätze samm·le.
Der Theehandel wird nur im Lande getrieben; was davon ausgeführt werden kann, ist sehr wenig. --
Der Handel mit Soja ist bedeutender.
So wie der hiesige Tee für schlechter als der chinesische gehalten wird, ist die Soja hier weit besser, als in China.
Sie wird in großen hölzernen Kübeln, nicht nur nach Batavia gebracht, sondern auch von da weiter nach Europa und allen Gegenden in Ostindien verkauft.
In gewissen Bezirken von Japan ist sie besser, als in anderen.
Um sie am besten aufzubewahren, und zu verhindern, daß sie nicht bei der Hitze in Gehrung übergehe und verderbe, pflegen die Holländer auf der Faktorei sie in eisernen Kesseln einzukochen, und hernach auf Bouteillen zu zapfen, die sorgfältig zugepfropft und mit Harz vermacht werden.
Dadurch wird sie nicht nur stärker und zu allen Arten von Saucen brauchbar, sondern sie hält sich auch besser.
-- Der Seidenhandel blüht zwar im Reiche selbst; weil aber die hiesigen Zeuge· so außerordentlich schmal sind, können die Europäer sie nicht gebrauchen.
-- Der Porcellainhandel wird im Lande ebenfalls sehr stark getrieben; weil aber das japanische Porcellain, bei aller vorzüglichen Güte der Materie, doch übrigens dem chinesischen nicht gleich kommt, so wird wenig davon an die Holländer abgesetzt.
In den Krambuden findet man, sowohl in allen Städten als auch in den Dörfern: Möbeln, Hausgerät, Küchengerät, alle Arten von Geschirren und Werkzeugen, Kleidungsstücke und alles andere was man bedarf, in so unglaublicher Menge zu Kauf, daß man sich wundern muß, wie sich Käufer dazu finden, und daß man fast auf den Gedanken geraten möchte, hier wären Magazine für die ganze übrige Welt.
Jeder kann sich hier alles· was er, von Kleidungsstücken· Schuhen, Regenschirmen, lackierter Arbeit, Porcellain und hunderterlei anderen Sachen, nöt·ig hat, schon fertig gemacht, aussuchen, ohne je etwas bestellen zu dürfen.
Mit den Chinesen haben die Japaner vermutlich früher und länger Handel getrieben, als mit irgend einem anderen Volke; sie sind auch das einzige indische Volk, mit dem sie jetzt handeln.
In alten Zeiten führten die Chinese· hauptsächlich rohe Seide ein; jetzt bringen sie auch seidene Zeuge.
Da·ß sie auch Zucker, ingleichen Achat···, nach Japan bringen, habe ich im ersten Teile an seinem Orte ( Seite 59 ) nicht mit angeführt.
Die daselbst erwähnten Bücher, sind meistens medizinischen Inhalts.
Da·ß jährlich an zweihundert chinesische Fahrzeuge hierher kamen, währte bis 1684.
In diesem Jahre war es, als man entdeckte, daß die Jesuiten, welche damals beim Kaiser in China viel vermochten, durch die chinesischen Kaufleute, verschiedene in China gedruckte katholische Bücher, heimlich herein practisirten.
Man setzte daher ihrem Handel Grenzen, und unterwarf ihn dem Zwange, worunter er noch jetzt steht.
Die Zahl der Schiffe, welche sie schicken dürfen, schränkte man auf siebzig, und die Bemannung eines jeden auf dreißig Mann ein; die jetzt auf sechshundert tausend T·eil herab gesetzte Summe, über welche der Wert· ihres Handels jährlich nicht hinausgehen darf, war vorher ebenfalls ganz uneingeschränkt.
Als große Liebhaber des Schweinefleisches, bringen die Chinese· Schweine, aus China, mit nach Japan.
Die Portugiesen, bekanntlich die ersten Entdecker der Japanischen Inseln, waren auch unter den Europäern die ersten, welche Handel dahin trieben.
Ihr Gewinn war anfangs unglaublich: sie führten jährlich mehr als drei hundert Tonnen Goldes aus.
Als sie sich hernach durch ihr übermüt·iges Betragen allgemein verha·ßt gemacht hatten, und dadurch ihr Handel in den äußersten Verfall gerat·en war, wurde demungeachtet noch im Jahr 1636. eine Menge Silber, und zwar 2350 Kisten, oder 2,350,000 T·eil, im Jahr 1637, 2,142,365; und 1638, 1,259,023 T·eil ausgeführt.
Seitdem sie aus dem Lande gänzlich vertrieben worden, haben sowohl sie, als die Spanier, verschiedene Versuche gemacht, den Handel mit Japan wieder in Gang zu bringen.
Aber alle Versuche dieser Art misslangen nicht nur, sondern liefen sogar unglücklich ab, indem man mit einem Volke zu tun hatte, das unveränderlich bei seinem Vorsatze beharret.
Im Jahr 1640 wurde ein Schiff mit zwei Ambassadeuren und einem Gefolge von drei und siebzig Personen von Makao nach Japan geschickt; alle diese wurden in Na·gasaki sogleich gefangen genommen, und ihre Ankunft nach Hofe berichtet.
Von hier kam aber der Befehl zurück, daß alle, ( außer zwölf, die wieder wegreisen durften, ) hingerichtet werden sollten; dies Urteil wurde auch vollzogen, und sie alle an Einem Tage, ja sogar in Einem Augenblicke, jeder von einem eigenen Scharfrichter, geköpft.
Zugleich wurde das Verbot für diese Nation erneuert, niemals wieder nach Japan zu kommen, und in dies Verbot unter anderen die vermeßene Drohung eingerückt, daß, wenn der König von Portugal, oder auch der Gott der Christen selbst käme, sie gleiches Schicksal treffen würde.
Auch ein spanisches Schiff, ein großer Dreidecker, wohl bemannet, und mit Kanonen sehr stark besetzt, hatte die Verwegenheit, in den Hafen von Nagasaki einzulaufen, erfuhr aber ein noch unglücklicheres Schicksal, zum Beweise, wie unerschütterlich die Japaner bei dem, was sie einmal sich vorgenommen haben, beharren, wie buchstäblich sie den Willen ihrer Gesetze und die Beschlüsse ihres Regenten vollziehen, und nicht einmal durch die Artillerie der Europäer sich davon abschrecken lassen.
Dieses Schiff kam von den manilischen Inseln, ladet· seine Wa·ren zu Nagasaki aus, und nahm dagegen eine Menge Silber und andere Wa·ren ein.
Mittlerweile wurde dem Kaiser Nachricht von der Ankunft der Spanier gegeben.
Dieser ließ an den Fürsten von Arima den Befehl ergehen, das Schiff mit samt der Mannschaft und Ladung zu verbrennen.
Der Fürst griff das Schiff auch an, und drang, des tapfersten Widerstandes unerachtet, an Bord desselben ein.
Sobald er mit seinen Leuten das Schiff betrat, zogen die Spanier sich unter das erste Verdeck zurück.
Der Fürst rettete sich, und das Verdeck flog in die Luft.
Die Spanier wurden zum anderen und dritten Mal eben so heftig angegriffen, bis alle Verdecke in die Luft gesprengt waren, und das Schiff auf den Grund sank, ohne daß ein einziger Mensch am Leben blieb.
Das Gefecht dauerte sechs Stunden und kostete mehr als drei tausend Japanern das Leben.
Vom holländischen Handel kann ich hier noch folgendes anführen.
Als die Portugiesen, ungeachtet des gleich Anfangs in Japan erhaltenen Ansehens und Einflusses, dennoch die Holländer nicht hindern konnten, hier ebenfalls Handel zu treiben, legten diese ihre Faktorei auf einer Insel, bei der Stadt Firando an, welche sie aber hernach verlassen mu·ßten.
Vom Kaiser Ijejas erhielten die Holländer ihre erste feierliche Konzession, hier allenthalben zu handeln.
Ihr Handel blühte auch bis 1619, da sie die Unvorsichtigkeit beg·ingen, die förmliche Erneuerung derselben von dessen Nachfolger, Kaiser Fidetada zu verlangen.
Seit dieser Zeit hat sich ihr Gewinn sehr vermindert, und ihre Freiheit ist in so mancher Rücksicht beträchtlich eingeschränkt worden.
Im Jahre 1636 bekamen sie Befehl, ihr Packhaus und Wa·renlager auf Firando niederzureißen, welches von Steinen, stark und prächtig, gebaut war, und über dem Eingange bei der Jahrzahl die Worte:
Anno Christi zeigte, welches diesem argwöhnischen und von den Portugiesen so sehr beleidigten Volke zu großem Verdachte, Anlaß gab.
Kurz darauf wurde ihnen befohlen, Firando ganz zu verlassen, sich nach Nagasaki zu begeben, und von nun an lediglich in diesem, am äußersten Ende des Reichs befindlichen Hafen zu ankern.
Im Anfange brachten die Holländer rohe Seide, seidene und halbseidene Zeuge Zitse, Kattune, Tuch, Sapanholz, Brasilienholz, Büffelhäute, Büffelhörner, Haifischhaut, Korduan, Pfeffer, Zucker, Mutternelken, Muskaten, Baroskampfer, Wachs, Quecksilber, Blei, Safran, Salpeter, Borax, Alaun, Bisam, Lacke, Benzoe, Storax, Katechu, Ambra, arabische Kostwurz, Korallen, Spießglas, Schlangenholz, Feilen, Nadeln, Spiegelglas, Gläser, Brüllen, Vögel und manche andere in Japan nicht zu habende Sachen ein.
Der Gewinn war sehr ansehnlich; die Ausfuhr betrug wenigstens sechs Millionen Gulden, und bloß an Silber vier Millionen.
Auf der Holländer eigenes Begehren, wurde der Handel mit Silber in Handel mit Kupfer verwandelt, weil damals auf Kupfer mehr zu verdienen war.
Den ärgsten Stoß, scheint der Handel der Holländer 1672 bekommen zu haben, und zwar durch den Ha·ß, welchen Inaba Mino, Mitglied des Staatsrat·s, und Günstling des frommen Kaisers Daijojin, gegen die Holländer gefa·ßt hatte.
Dieser übte seine Rache durch einen seiner Anverwandten aus, der zum Statthalter zu Nagasaki bestellt wurde.
Letzterer ließ von allen Wa·ren, welche in dem Jahre mit den Schiffen nach Japan gekommen waren, Proben holen, die er den Kaufleuten zeigte, und wobei er diese befragen ließ, sowohl wie viel sie dafür zu geben dächten, als auch wie viel sie davon verlangten.
Darauf bot er den Holländern für diese Waren viel weniger, und stellte ihnen frei, sie wieder mitzunehmen, wenn ihnen dieses nicht anstände.
Seit der Zeit wurde der Preis der Waren von Jahr zu Jahre heruntergesetzt, und der Wert des Japanischen Geldes erhöhet.
Man beschwerte sich zwar hierüber, und der holländische Handel wurde in so fern wieder frei gegeben, daß die Wa·ren für den höchsten Bote verkauft werden durften, aber die ganze Verkaufssumme wurde im Jahr 1685 auf 300,000 T·eil eingeschränkt.
-- Vom Kupferhandel merke ich noch folgendes an.
Das Kupfer wird auf einer großen holländischen Waage gewogen.
Auf jedes Pickel geben die Japaner ein Katje Übergewicht, wovon die Administratoren zu Batavia, welche das Kupfer in Empfang nehmen, den fünften Teil bekommen.
Von den übrigen vier Fünft·eilen bekommt der Schiffscapitain zwei Drittteile und der erste Steuermann ein Drittteil, damit diese, weil sie für das Gewicht einstehen müssen, nicht leiden.
Weil aber die Japaner, ( dies halten sie für keine Sünde, ) während sie die Kupferkisten nach der Brücke tragen, so viel sie können, davon stehlen, so verlieren jene doch jährlich dabei.
Im vorigen Jahre war der Kapit·än um zwei und fünfzig Pickel zu kurz gekommen. --
Dies·· Jahr wurde von einem der Capitaine, vermutlich in der Absicht, es von den Chinesen zu Batavia gut bezahlt zu bekommen, auch eine Part·ei Eisen ausgeführt.
Sechster Abschnitt.
Von den Waffen, den Speisen und Getränken der Japaner; wie auch noch verschiedenes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Münzen, Kleidung und dergleichen.
Die Waffen der Japaner bestehen in Bogen und Pfeil, Säbel, Piken und Flinten.
Die Bogen sind sehr groß und die Pfeile lang, so wie bei den Chinesen.
Wenn im Gefechte diese Bogen gespannt und abgeschossen werden sollen, so legt sich der Haufen, welcher eine Scha·r oder Abtei Lunge ausmacht, allezeit auf ein Knie, und kann daher keine geschwinde Schüsse tun.
Im Frühlinge kommt ein Teil der Truppen zusammen, um sich im Bogenschießen nach dem Ziele zu üben.
Schießgewehr gebrauchen die Japaner gewöhnlich nicht.
Ich habe auch nur bei den Vornehmen, Büchsen und Flinten gesehen, die an einem besonders dazu eingerichteten und erhöhten Orte in ihrem Audienzzimmer standen.
Der Lauf der·se·lben war von gewöhnlicher Länge, der Schaft hinter dem Schlosse aber sehr kurz, und, so viel ich in der Entfernung wahrnehmen konnte, waren es Luntenflinten.
An einigen ist das Schlo·ß von Kupfer.
Ich habe nie einen Japaner ein Schießgewehr abfeuern gesehen, ob ich gleich auf der holländischen Faktorei einigemal in der Nähe der Stadt einen Schuß hörte.
Die Dolmetscher erzählten mir, daß man hier zu Lande die Büchsen, weil sie ihrer Kürze wegen nicht gegen die Schulter gesetzt werden können, gemeiniglich gegen die Backe setzt, welches mir gleichwohl gar sonderbar vorkommt.
Zu Nanga·sacki findet man zwar einige, die sie ehemals den Portugiesen weggenommen haben, doch werden die Schiffe damit nicht salutiert.
Die Japaner verstehen wenig davon· sie zu handhaben, und wenn sie ja bisweilen, welches gewöhnlich zu Nangasacki alle vier Jahr geschieht, damit schießen wollen, um sie zu reinigen und zu probieren, so versieht sich der Stückjunker mit einer langen Stange, woran er die Lunte befestigt, und hält doch manchmal das Gesicht weg, wenn er die Kanone losbrennt.
Der Säbel ist ihr vornehmstes und hauptsächlichstes Gewehr, den auch, die Bauern ausgenommen, jedermann beständig an der Seite trägt.
Er ist drei Fuß lang, etwas weniges gekrümmt, und hat einen dicken Rücken.
Die Klingen sind von unvergleichlicher Güte, besonders werden die alten sehr hoch geschätzt.
Sie übertreffen an Güte die in Europa berühmten spanischen Klingen um vieles.
Ohne große Mühe und ohne der Schneide zu schaden, kann man einen Nagel damit durchhauen, und, wie die Japaner behaupten, einen Menschen mit Einem Hieb, von oben bis unten spalten.
Unter sechs Kobang wird keine Klinge verkauft.
Die Säbel werden oft mit fünfzig, siebzig, ja wohl hundert Talern bezahlt; und machen das vornehmste und liebste Eigentum eines Japaners aus.
Das Gefäß ist mit einer starken runden Platte versehen, und ohne Bügel, übrigens manchmal eine ganze viertel Elle lang.
Es ist etwas rundlich, oben am Ende ganz platt als wenn es abgehauen wäre, und mit Haifischhaut überzogen.
Diese Haut hat viele, kleine und große, Unebenheiten und Erhöhungen, und ist wie Chagrin; die Holländer haben dergleichen ehemals in Menge hierher gebracht, und sehr teuer, oft das Stück für fünfzig bis achtzig Kobang, den Kobang zu sechs Reichstaler gerechnet, verkauft.
Um diesen Chagrin werden seidene Schnüre schräge über einander gewunden, so, daß derselbe in Form von Rauten durchscheint.
Die oben genannte Platte ist dicker als ein Speziestaler, und mit erhobenen Figuren geziert, auch wohl künstlich durchbrochen.
Die Scheide ist dick und etwas platt, und läuft gar nicht spitz zu, sondern ist unten ganz breit.
Bisweilen ist sie auch mit dem feinsten und zwar lackierten Chagrin, überzogen, bisweilen aber bloß von Holz, und entweder ganz schwarz lackiert, oder mit weißen Flecken marmoriert.
Manchmal ist sie auch mit einem oder zwei silbernen Ringen beschlagen.
An der einen Seite ist, nach vorn, ein kleines Stück angesetzt, worin ein Loch ist, in welchem eine dicke, gewöhnlich schwarze, bisweilen aber auch gelbe oder grüne, seidene Schnur befestigt wird, die dazu dient, den Säbel, wenn man will, festzubinden.
An der inwendigen Seite des Griffs ist ebenfalls ein Loch, worin ein Messer von der Länge einer Viertelelle steckt.
Ein eigentliches Gehenk gebrauchen die Japaner nie, sondern sie stecken die Säbel allezeit in den Gürtel an die linke Seite, und zwar so, daß die Schneide nach oben zu gekehrt ist; die in Kämpfers Beschreibung befindliche Abbildung eines Japaners, ist in diesem Punkt ganz unrichtig, denn dort ist der Säbel auf europäische Manier, mit der Schneide nach unten zu gekehrt, vorgestellt, welches aber gerade umgekehrt sein muß.
Alle die in öffentlichen Staats- oder bürgerlichen Ämtern stehen, sowohl, als die Offiziere der Soldaten ohne Unterschied, tragen stets zwei solcher Säbel, wovon der eine ihr eigener, und der andere ihr sogenannter Amtssäbel, und allezeit länger als jener ist.
Beide werden im Gürtel an einer und derselben Seite getragen, und stecken etwas kreuzweise über einander.
Wenn sie ins Zimmer kommen und sich niedersetzen, legen sie den Amtssäbel gemeiniglich ab, und entweder an die Seite, oder vor sich hin.
Die Dolmetscher tragen nur Einen Säbel, die Banjosen aber zwei.
Von den Speisen und Getränken der Japaner, ihren Mahlzeiten und der Art wie sie zu Tische sitzen, ist außer dem bereits im ersten Teile gelegentlich davon gesagten, noch folgendes anzuführen.
In Ansehung der Menge und Manni·gfaltigkeit essbarer Sachen, die in Japan und in dem Meere umher, zu finden sind, und t·eils von der Natur hervorgebracht, t·eils durch Kunst zubereitet werden, möchte dies Land vielleicht alle andere bisher bekannte Länder übertreffen.
Die Japaner bedienen sich sogar zu ihrer Nahrung, nicht nur solcher Sachen, die an sich gesund und nahrhaft sind, sondern sie wissen auch fast Alles, selbst das giftigste, unschädlich und genießbar zu machen.
Der Reis, welcher in Japan vortrefflich, sehr weiß und wohl·schmeckend ist, dient den Einwohnern statt des Bro·ts; zwar backen sie kein Bro·t davon, aber sie essen ihn dick gekocht zu allen anderen Speisen, wie wir das Bro·t.
Die schon verschiedentlich erwähnte Misosuppe ist ihr gewöhnliches und mehr als tägliches Gericht, das sie bei jeder ihrer Mahlzeiten, folglich oft dreimal des Tages, essen; sie wird vom Mehle der Sojabohnen, welche Miso heißen, mit Fischen und Zwiebeln gekocht.
Fische werden teils gekocht, teils in Öl gebraten.
Zu ihren vorzüglichen Fischen gehört der sogenannte Tay, den die Holländer Steinbrachsen nennen ( Sparus saxatilis ) dieser wird hier sehr teuer bezahlt, und nur zu festlichen Gastmahlen gekauft; wie auch der Sechsstreifige Barsch ( Perca sexlineata ), eine gewisse Art aus dem Geschlecht der Umberfische ( Sciena ), und die Borstenflosse, ( Clupea Thrissa ), ein mit den He·ringen verwandter Fisch, der so fett ist, daß er dem besten europäischen Heringe gleich kommt.
Lachse findet man nur in der Nähe der Fakonieberge; sie sind aber weder so groß, noch so wohlschmeckend, als in Europa.
Arme Leute essen auch Wallfischfleisch, ob es gleich sehr grob ist; es sieht rot· und widerlich aus; in den Städten hängt es, wie bei uns Rindfleisch, im Fleischscharren, zum Kauf.
Taschenkrebse und Krabben, wie auch Austern und verschiedene Gattungen andere Muschelt·iere werden ebenfalls gespeis·t; die Austern aber nie anders als gekocht oder gestoppt.
Federvieh, und zwar Hühner und Gänse, auch wilde Enten und ähnliche wilde Wasservögel, werden ebenfalls häufig gegessen.
In Suppen, Brühen und zu anderen Speisen braucht man unter anderen verschiedene Gattungen Champignon· oder Blätter·schwämme, ( Agaricus ) Melanzanäpfel, Batat·en, gelbe Wurzeln oder Möhren, verschiedene Arten Lauch und Zwiebeln, und viele Arten Bohnen, wie auch die Bambowurzel; vorzüglich häufig aber doch die Champignon· und Morcheln, die man daher in allen Kramläden getrocknet zum Kauf antrifft; eingesalzene Trüffeln werden eben so gebraucht, ingleichen die Stängel vom essbaren Aron ( Arum esculentum ), und die Wurzeln vom gemeinen Pfeilkraute ( Sagittaria sagittata. )
Die Sojabrühe, welche in ganz Japan täglich, beinahe zu allen Gerichten, genommen wird, und die man auch schon in Europa zu gebrauchen angefangen hat, wird von den oben beschriebenen Sojabohnen und Salz, nebst Gersten oder Weizen, zubereitet, und zwar auf folgende Art:
Die Bohnen werden gekocht, bis sie weich geworden sind; alsdann wird eben so viel gestoßener Weizen oder Gersten dazu get·an, das Ganze gehörig durcheinander gemischt, wohl zugedeckt, und 24 Stunden lang auf eine warme Stelle gesetzt, damit es gehre.
Darauf wird eben so viel Salz hinzuget·an, drittehalbmal so viel Wasser darauf gegossen, und alles wohl durcheinander gemischt, in ein irdenes Gefäß get·an, worin es, gut zugedeckt, ganze zwei bis drei Monate stehen, anfangs aber einige Tage nach einander mehrmals umgerührt werden muß.
Alsdann wird der Saft ausgepr·eßt und ges·eiht, und darauf in hölzernen Gefä·ßen aufbewahrt.
Die Soja wird nicht in allen Gegenden gleich gut gemacht; sie wird aber auch, je älter sie wird, desto klarer und besser.
Die Farbe ist allezeit braun, und die vornehmste Eigenschaft der Soja ist die angenehme Salzigkeit, die sie hat.
Da man im ganzen Lande weder Rohm und Butter, noch Talg und Schmalz hat, so sind die Einwohner genöt·igt, allerhand frische Öle zur Zubereitung der Speisen zu gebrauchen.
Besonders wird der feinere Öl vom Sesam ( Sesamum ) zu diesem Ende gebraucht, auch bratet man die Fische darin.
Andere ·Öle dieser Art, werden aus dem Sa·men der Kamellie ( Camellia japonica, Tsubaki ) der Bignonie ( Bignonia tomentosa, Kiri ), der Dryandra cordata, ( Abrasen ), der Melia oder Zederach ( Azedarach, Melia ) und anderen, bisweilen auch wohl aus dem Sa·men des unechten Firnisbaums ( Rhus succedanea ), des gemeinen Eibenbaums ( taxus baccata ) und des Gingko, gepreßt.
Die vielen vortrefflichen Früchte, welche die Japanischen Gärten auf den Nachtisch liefern, habe ich oben genannt.
Gewöhnlich essen die Japaner dreimal des Tages, um 8 Uhr des Morgens, um 2 Nachmittags, und um 8 Abends.
Einige essen aber auch ohne eine gewisse Ordnung, wenn sie hungrig sind, und in solchen Häusern muß das Essen fast den ganzen Tag fertig stehen.
Alles was entzwei geschnitten gegessen werden muß, wird vorher, ehe es gekocht wird, in kleine Stücke zerlegt, darauf sehr mürbe und gar gekocht, und mit wohlschmeckenden Brühen zubereitet.
Dies gibt nicht nur dem Gerichte den besten Geschmack, sondern erspart auch bei Tische die Mühe des Vorschneidens und Zerlegens.
Wenn es zu Tische geht, setzt jeder sich auf die weichen Fußbodenmatten nieder.
Vor jeden wird ein kleiner viereckiger Tisch hinge·setzt, auf welchen hernach von jedem Gerichte eine Portion ( die Portionen sind schon in der Küche für jeden abget·eilt ) aufgetragen wird, und zwar in den saubersten entweder porcellainen, oder lackierten hölzernen, Gefä·ßen.
Diese Gefä·ße haben die Gestalt von Schalen, oder mittelmässigen Spü·l·näpfen, und jedes ist beim Auftragen der Speisen mit einem Deckel zugedeckt.
Das erste Gericht ist gewöhnlich Fische mit Fischsuppe.
Die Suppe wird aus der Schale getrunken.
Die entzwei geschnittenen Stücke vom Fische, werden mit zwei kleinen lackierten, hölzernen, vorn zugespitzten Stäbchen oder Pinnen gegessen, welche die Japaner so geschickt und behende zwischen die Finger der rechten Hand fassen, daß sie das kleinste Reiskorn damit sehr nett aufnehmen, und sie sehr bequem nicht nur als Gabel, sondern auch statt des Löffels gebrauchen können.
Sobald ein Gericht verzehrt ist, wird die Schale weggenommen, und eine andere an deren Stelle hingesetzt.
Das letzte Gericht wird in einem blauen porcellainenen Napfe aufgetragen, der ebenfalls mit einem Deckel versehen ist.
Ein Bedienter bringt das Essen herein, setzt es, indem er auf die Knie niederfällt, auf den kleinen, niedrigen Tisch, und nimmt es auch wieder weg.
Wenn mehrere zusammen essen, so machen erst alle einander mit einer tiefen Verbeugung ihr Kompliment, ehe sie anfangen zu essen.
Nach jedem Gerichte trinken sie warmen Sak·e, der aus einem Teekessel in flache lackierte hölzerne Theeschälchen ge··schenkt wird, dabei essen sie auch zwischen durch ein Viertel von einem hart gekochten Eye.
Bisweilen bringen sie auch wohl eine Gesundheit aus.
In Sak·e und Tee besteht alles künstliche Getränk der Japaner.
Wie mancherlei hat dagegen nicht der Europäer!
Wein und destillierte Li··köre trinken sie niemals, und wenn die Holländer ihnen dergleichen anbieten, wollen sie kaum davon kosten.
Den Geschmack des Kaffees kennen kaum einige Dolmetscher, und Branntwein wird bei ihnen gewiß nie ein Bedürfnis werden.
Auch in diesen Rücksichten haben sie sich also von den Europäern noch nicht anstecken lassen.
Ehe als von anderen etwas anzunehmen, das für sie wirklich von Nutzen und Bequemlichkeit sein könnte, wollen sie lieber ihre uralte Lebensweise in ihrer Reinheit beibehalten, um nicht unvermerkt auch etwas bei sich einreissen zu lassen, das ihnen mit der Zeit unnütz oder schädlich werden möchte.
Sak·e ist eine Art Bier, das die Japaner von Reis brauen.
Es ist ziemlich klar, und sieht fast wie Wein aus, hat aber einen eigenen, ganz besonderen Geschmack, der eben nicht für angenehm gelten kann.
Wenn er frisch ist, ist er mehr weiß, wenn er aber eine Weile auf kleinen hölzernen Fässern gelegen hat, wird er sehr braun.
Dies·· Getränk ist in allen Wirtshäusern, wie der Wein auf allen Kellern in Europa, zu Kauf, und macht ihr Vergnügen bei Schmausen und Gastmalen und in fröhlichen Stunden aus.
Be·güterte trinken es auch wie Tischwein bei den gewöhnlichen Mahlzeiten.
Die Japaner trinken es niemals kalt, sondern es wird in gewöhnlichen Theekesseln warm gemacht, aus diesen in Theeschaalen oder flache Tassen geschenkt, und so ganz warm getrunken; daher werden sie denn auch sehr bald davon erhitzt und betrunken; der ganze Rausch verschwindet aber auch in einigen Minuten, und lä·ßt gewöhnlich sehr unangenehmes Kopfweh zurück.
Die Holländer nehmen Sak·e als eine Handelsware mit nach Batavia, trinken ihn da aber aus Weingläs··ern vor der Mahlzeit, um den Appetit zu reizen, wozu sie den weißen, weil dessen Geschmack nicht so wid·r·i·g ist, vorziehen.
Tee wird im ganzen Lande getrunken, um den Durst zu löschen.
Daher hängt in allen Häusern, besonders in allen Gasthöfen, Wirt·shäusern und Krügen, den ganzen Tag hindurch, ein Kessel mit kochendem Wasser und fein gemahlenen T·ee übern Feuer, aus welchem der braune Dekokt, wenn davon getrunken werden soll, herausgegossen, und mit kalten Wasser aus einem anderen Kessel zu gleicher Zeit verdünnt und abgekühlt wird.
Bei den Vornehmen wird den Fremden, welche Besuch bei ihnen machen, allezeit grüner Tee eingeschenkt; mit solchem werden auch die Holländer bei den Reichsrät·en und anderen vornehmen Beamten, denen sie die Aufwartung machen, regaliert.
Dieser Tee ist frisch, und dabei ist er ganz fein gemahlen.
Er wird, nachdem siedend heißes Wasser in die Kanne gegossen ist, hinein get·an, und so wie bei Schokolade gebräuchlich ist, mit einem dünnen Hölzchen umgerührt, und so in die Tasse eingeschenkt.
Er mu·ß sogleich getrunken werden, sonst setzt sich das grüne Pulver, wenn ich es so nennen kann, auf dem Boden.
Kein Vornehmer tut eine etwas weite Reise, ohne einen lackierten Kasten bei sich zu führen, der von einem Kerl getragen wird, und worin unterweg·s auf der Landstraße Wasser gekocht und kochend gehalten wird, und gemahlener T·ee, Theetassen, und alles nöt·ige Zubehör beisammen ist.
Taba·k haben die Japaner in alten Zeiten nicht geraucht, sondern ohne Zweifel sind die Portugiesen die ersten gewesen, welche diesen Gebrauch bei ihnen eingeführt haben.
Jetzt raucht in Japan sowohl das männliche, als das weibliche Geschlecht.
Einen anderen Namen als Tobacko haben die Japaner nicht für dieses Gewächs.
Den Taba·k, welchen sie rauchen, bauen sie im Lande selbst, und es ist der gewöhnliche ( Nicotiana Tabacum ).
Sie schneiden ihn sehr fein, fast wie ein Haar.
Ihre Tobakspfeife ist klein, wenig über eine Viert·eilelle lang, von lackiertem Bamb·o, mit kupfernen Mundstücke· und kupfernen Kopfe.
Dieser ist so klein, daß nur ein halber, oder oft nur ein Drittteil Fingerhutvoll hineingeht.
Siehe die Kupfertafel, II. Fig. 5 a. Den Taba·k drehen sie ein wenig mit den Fingern, und stopfen ihn so ein.
Eine solche Pfeife ist mit einigen wenigen Zügen ausgeraucht, worauf sie ausgeklopft und wieder vollgestopft wird; und dies wiederholt man mehrmals nach einander.
Den Rauch blasen sie nach jedem Zuge durch Nase und Mund aus; die Vornehmen bedienen sich beim Rauchen allezeit folgender Vorrichtung.
Für jede Person in der Gesellschaft wird ein längliches, anderthalb Viertelellen langes, eine Viertelelle breites und drei Finger hohes Kästchen, das braun oder schwarz lackiert ist, hin·gesetzt.
In dies Kästchen werden Pfeifen und Taba·k gelegt, und drei Tassen hineingesetzt, die beim Rauchen folgendermaßen gebraucht werden.
Die eine davon, welche gewöhnlich von dickem Porcellain, oder von lackiertem Holze und inwendig mit Messing überzogen ist, ist mit Asche angefüllt, worin eine brennende Kohle liegt, um die Pfeife anzuzünden; die andere dient dazu, die Tobackspfeise darin auszuklopfen; wenn dies geschehen ist, pflegen sie ein paarmal hinein zu spucken, um die glimmende Asche auszulöschen.
In die Dritte spu·kt man während des Rauchens.
Wenn man einen Besuch bekommt, so ist dieser Apparat das erste, das dem Fremden vorgesetzt wird.
Manchmal hat ein solches Kästchen auch einen Deckel, der mit einem Bande fest gebunden wird, und man lä·ßt es sich von einem Bedienten nachtragen, wenn man zu jemand geht, von dem man mit Taba·k bewirt·et·· zu werden nicht erwartet.
Geringe Leute tragen Pfeife und Taba·k gemeiniglich selbst bei sich, wenn sie ausgehen.
Die Pfeife steckt alsdann in einem Futterale von seidenen Zeug, Fig. 5. b. und wird an der rechten Seite in den Gürtel gesteckt.
Der Toba·ksbeutel ( auf der Küpertafel Fig. 5. c. ) ist kaum eine Hand breit, und etwas kürzer, oben mit einer Klappe versehen, die mit einem kleinen elfenbeinernen Haken zugesteckt wird.
Dieser Beutel wird vermittels· einer seidenen Schnur und einem kleinen Knopfe von Karneol, oder Agat, am Gürtel befestigt, getragen.
Er ist gewöhnlich von einer eigenen Art, mit silbernen und goldenen Blumen durchwirkten, seidenen Zeuges.
Zum Wägen bedient man sich allgemein der Schnellwa·ge, an welcher eine Wag·scha·le hängt, worauf das, was gewogen werden soll, gelegt wird; an der Stange der Waage hängt, vermittel·s einer Schnur, ein Gewicht, das vor und rückwärts geschoben werden kann.
Kaufleute führen dergleichen kleine Schnellwagen von Elfenbein, entweder allein oder in einem Kästchen, bei sich.
Im ersteren Falle haben sie ein besonderes Futteral dazu; auf der zweiten Kupfertafel stellt Fig. 6. eine solche Schnellwa·ge vor; a. die Waage selbst, b. die Waagschale mit den Schnüren woran sie hängt; c. das Gewicht auf gleiche Art hängend; d. die Bänder oder Schnüre, woran man die Waage beim Wägen hält; e. das Futteral, welches sich bequem zu··sammenlegen lä·ßt.
Um ganz kleine Sachen zu wagen, bedienen sie sich einer besonderen Art Waage, die auf einer sehr elastischen Feder ruhet, auch die kleinste Veränderung des Gewichts sehr genau anzeigt, und ungemein bequem zu gebrauchen ist. Taf. II. Fig 7. stellt eine solche elastische Waage vor.
Zum Rechnen bedienen sich die Japaner eines Rechenbretts, auf welchem sie jedesmal bis zehn zählen.
Die Rechenkugeln, oder Steine, werden auf Eisendra·ht hin und her geschoben, und bezeichnen die Einer und die Zehner.
Die Kaufleute pflegen ein solches Rechenbrett, in dem ( Seite 47 ) beschriebenen Kästchen mit Schreibgerätschaften und Waage, bei sich zu führen.
Außer dem was ich an seinem Orte, in einem eigenen Abschnitte, von den japanischen Münzen gesagt habe, ist noch folgendes davon zu merken.
Überhaupt sind die japanischen Münzen einfach, schlecht und recht, geprägt.
Die wenigsten haben einen erhobenen Rand, oder etwas von den Verzierungen europäischer Münzen.
Auch haben die meisten keinen genau bestimmten Wert.
Aus dieser Ursache werden sie fast allezeit von den Kaufleuten gewogen, welche alsdann auch ihr Zeichen darauf setzen, um anzudeuten, daß das Stück vollwichtig, vollgültig und unverfälscht ist.
Die größte goldene Münze im ganzen Lande heißt Obang.
Sie ist eher für eine Schaumünze, als für Geld zu achten.
Im Handel und Wandel ist sie nicht üblich, man findet sie auch selten bei Kaufleuten oder anderen Privatpersonen.
Sie besteht aus einem länglich runden flachen und dünnen Goldstück, das nicht dicker als ungefähr ein Pfennig ist.
Auf der einen Seite ist sie mit seinen abgebrochenen Querstr·ichen, und mit vier Stempeln an den vier Seiten, bezeichnet: jeder Stempel stellt das Wappen des Dairi vor.
Auf die andere Seite, welche glatt ist, werden im Namen desjenigen Provinzialfürsten, welcher sie schlagen lassen, verschiedene große schwarze Buchstaben geschrieben, die beinahe oben in der Mitte anfangen, und unterwärts fortgehen.
Diese Inschrift versichert den Besitzer von ihrer Richtigkeit, und muß daher, sobald sie verwischt ist, durch den Sekretär des Fürsten der Provinz erneuert werden, wofür ein Itjib bezahlt wird.
Eine solche goldene Münze gilt zehn alte Kobang.
Es sind fast nur die Fürsten und Staatsrät·e, welche dergleichen besitzen und ausgeben.
Sie pflegen damit ein Geschenk zu machen, wenn sie andere schickliche Geschenke nicht bei der Hand haben.
Sie stellen alsdann ein Ehrengeschenk vor, weil diese Herren es ihrer Würde nicht gemäß halten, gewöhnliche Kobang, wenn gleich vom nämlichen Wert·, zu schenken.
Ich habe am angeführten Orte bemerkt, daß auf einigen von den silbernen Münzen, welche Kodama heißen, das Bild des Gottes des Reichtums zu sehen sei.
Dieser Gott heißt Daikokf, und wird auf zwei Reistonnen sitzend, mit einem Hammer in der rechten Hand, und einem Sacke zur linken Seite, vorgestellt.
Die Japaner schreiben ihm die Macht zu, allenthalben, wohin er mit seinen Hammer schlägt, alles, was ihm gut dünkt, Reis, E·ßwaren, Kleidungsstücke, Geld, und so weiter herausholen zu können.
Ich habe dort auch des Aufreihens der eisernen und kupfernen Seni auf Schnüre, erwähnt.
Gewöhnlich zieht man deren sechs und neunzig, bisweilen auch wohl hundert auf eine Schnur.
Im letzteren Falle heißt eine solche Schnur Kwurokkufjakf, und beträgt an Wert· 1 Mas 5 Konderyn, im ersteren Falle heißt sie Metatsjakf.
Selten sind in einer Schnur alle von einer Art, sondern gewöhnlich von zwei, drei, oder mehr Sorten durcheinander.
Alsdann werden die großen Seni zuerst an das eine Ende, und die kleineren hernach an das andere gereiht.
Die Anzahl der Seni wird desto kleiner, je stärker die Anzahl der großen ist, weil diese mehr als jene gelten.
Dergleichen Schnüre oder Bündel von Pfennigen, liegen oft in den Krambuden, sowohl in den Städten, als auf dem Lande, zum Dienste der Reisenden fertig, welche dadurch in Geschwindigkeit Scheidemünze einwechseln können, ohne auf das Zählen Zeit wenden zu dürfen.
Zu Nangasacki gebraucht man im Handel und Wandel auch chinesische Pfennige, welche sich durch ihre gelbe Farbe und durch die chinesischen Buchstaben unterscheiden, übrigens aber in allen Stücken den japanischen gleichen.
Bei dieser Gelegenheit will ich einige sehr alte, ehemals im Gange gewesene, japanische Münzen beschreiben, die einer meiner Freunde unter den Dolmetschern, Namens Kosack, die Gefälligkeit gehabt hatte, für mich zu sammeln, und mir als eine große Rarität schenkte.
Es sind alles Seni von rot·em Kupfer, an Größe und Dicke den anderen gleich, auch eben so in der Mitte mit einem viereckigen Loche versehen, aber mit anderen Buchstaben bezeichnet.
Einer davon soll 1135 Jahr alt, und der Ursprung des in Japan gebräuchlichen Längenmaßes sein, indem der Durchmesser eines solchen Pfennigs genau einen hiesigen Zoll beträgt, auf der Rückseite hat er gar keine Inschrift.
Ein anderer ist, der Angabe nach 758, der dritte 748, der vierte 718, der fünfte 651 und der siebende 596 Jahr alt.
Alle diese haben auch eine ganz leere Rückseite.
Dem siebenten schreibt mein Dolmetscher ein Alter von 566 Jahren zu; auf der umgekehrten Seite sind zwei Charaktere zu sehen.
Das angegebene Alter, ist nach dem Jahr 1776 angesetzt, in welchem ich sie, jeden mit einem Zettel, worauf sein Alter bemerkt war, und besonders in Papier gewickelt, bekam.
Die Petschafte der Japaner sind von Horn, und zwar oft sehr sauber und fein gearbeitet.
Sie drücken es aber nicht in Lack oder Oblaten, sondern bedienen sich einer Schwärze dazu.
Diese wird von gestoßenen, und mit Tusche durcheinander gemischten Sa·men des Wunderbaums ( Rizinus ) gemacht.
Das auf diese Art verfertigte Pulver, wird in eine Dose gelegt, worüber ein seidenes Tuch gedeckt wird, das mit Öl bestrichen ist, damit das darunter liegende Pulver davon befeuchtet werde.
Wenn die Japaner nun das Pet·s·chaft gebrauchen wollen um etwas zu untersiegeln so drücken sie es erst in diese Dose, und hernach aufs Papier.
Dies Pulver vertritt also die Stelle der Buchdruckerschwärze.
Das seidene Tuch mu·ß, so oft die Schwärze trocken wird, von neuem mit Öl angefeuchtet werden.
Das Öl, welches die Leute in Japan gewöhnlich in den Lampen brennen, ist Rübsaamenoel.
Die Matten, womit durchgängig die Fußboden der Zimmer bedeckt sind, werden meistens in den inneren Provinzen des Reichs, aber nicht in allen von gleicher Güte verfertigt.
Die besten werden von der Art Binsen, welche wir Flattersimsen ( Juncus Effusus ) nennen, gemacht, ganz dicht und sehr sauber geflochten, und hernach auf der oberen Seite mit Reisstroh, zwei bis drei Finger dick gefuttert oder gefüllt.
Damit die Matten nicht gelb, sondern weis·lich aussehen mögen, werden die Binsen nicht selten vorher an die Sonne gelegt und gebleicht.
Von der Kleidertracht und dem übrigen Anzuge und Putze der Japaner habe ich in einem eigenen Abschnitte des ersten Teils dieses zweiten Bandes das Nöt····ige gesagt, Da ich aber die dahin gehörigen Abbildungen erst diesem zweiten Teile habe beifügen können, so will ich hier die Nachweisung auf dieselben einschalten.
Zu Seite 176, ( ingleichen 183, 184 ), gehört die vierte Figur der ersten Kupfertafel, wo eine japanische Dame in ihrem gewöhnlichen Anzuge und Putze vorgestellt ist.
Auf der dritten Kupfertafel zeigt die achte Figur die Schuh oder Pantoffeln von Stroh, wie die Japaner sie gewöhnlich, und die neunte Figur, wie sie auf Reisen sie tragen.
Seite 177, habe ich einer Arzneidose erwähnt, welche die Japanischen Ärzte nebst anderen Sachen im Gürtel bei sich zu tragen pflegen.
Sie ist in mehrere über einander stehende Fächer, oder kleine Laden oder Schachteln, abget·eilt; zu beiden Seiten geht eine Schnur durch, wodurch dieselben zusammen gehalten werden; an dieser sitzt oben eine Kugel oder großer Knopf, womit die Dose am Gürtel befestigt wird.
Die zehnte Figur stellt eine solche Medizinschachtel vor; a. die Schachtel selbst, b. die Schnur, c. der Knopf.
Ein Japanisches Sche··e···r- oder Rasiermesser, nebst dazu gehörigem Futteral, ist Figur 11 abgebildet. a. ist das Messer, b. das Futteral zu zwei Schermessern.
Um die Zähne und Ohren zu reinigen, welches sie sehr fleißig tun, haben sie allerhand Instrumente und Gerätschaften, die sie in einem Etui bei sich zu tragen pflegen.
Auf der vierten Tafel ist Figur 12 eine Zahnbürste, die aus weichem Holze gemacht ist; Fig. 13 a. a. a. a a. a. a. die sämtlichen Instrumente zum Reinmachen der Ohren und Zähne; b. b. das Etui, welches von Horn zu sein pflegt, c. die Schnur, womit es am Gürtel befestigt wird, d. Zier·at·en von Seide, welche daran befindlich sind.
Die strohernen Schuh, welche man hier zu Lande den Pferden anzieht, anstatt sie zu beschlagen, habe ich im 1sten Teile dieses zweiten Bandes, Seite 210. beschrieben, Fig. 14. ist eine Abbildung davon.
Ehescheidungen fallen in Japan bisweilen vor, doch geschieht dies nicht häufig.
Je mehr Töchter jemand hat, und je schöner diese sind, für desto reicher hält er sich; denn der Freier muß dem Schwiegervater Geschenke geben, ehe er seine Tochter zur Braut bekommt.
Obgleich die Unzucht ein allgemein herrschendes Laster ist, so wird doch auch die Keuschheit bei Verehelichten und Unverehelichten, vom weiblichen Geschlecht· oft so heilig gehalten, daß solche die zu Fall gekommen waren, sich manchmal selbst das Leben nehmen.
Es gibt Männer, die sich M·ätressen zulegen; diese letzteren werden wie Mägde im Hause gehalten, und die mit ihnen gezeugten Kinder können nicht vom Vater erben.
Was den Charakter der Japaner betrifft, so ist es zwar gewi·ß, daß sie im Allgemeinen ernsthaft sind, und Hang zum Vergnügen kein herrschender Zug in ihrer Gemütsart ist; Doch wird man aus allem was bisher von ihnen gesagt worden ist, gesehen haben, daß es ihnen deshalb an Vergnügungen, Zeitvertreiben und Lustbarkeiten keineswegs gänzlich fehlt.
Siebenter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Im achten Abschnitte des ersten Teils, kommen außer dem kleinen Japanischen Wörterbuche nur einige wenige Bemerkungen über die Japanische Sprache vor.
Die übrigen, und bei weitem mehreren und wichtigeren hat der Verfasser in die Abhandlungen der Sozietät der Wissenschaften zu Upsala, fünfter Teil, Seite 257. einrücken lassen, aus welchen sie hier mitgeteilt werden.
A. d. Üb.
In keiner Sprache werden wohl die Buchstaben, sowohl im Schreiben als Sprechen, mehr mit einander verwechselt, als in dieser.
Außer R und L, und H und F, womit es vorzüglich oft geschieht, findet dies auch in Ansehung anderer Buchstaben Stadt.
Außer den im ersten Teile hiervon vorgekomm··en Beispielen, will ich hier noch folgende anführen:
Achter Abschnitt.
Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrichten.
Eine förmliche Naturgeschichte von Japan zu liefern, würde für ein Buch, das nur eine Reisebeschreibung enthalten soll, viel zu weitläufig sein.
Ich will daher nur Einiges davon in der Kürze anführen um wenigstens von den diesem Lande eigenen Naturprodukten einen Begriff zu geben.
Was die Gewächse betrifft, habe ich dieselben in meiner 1784 herausgekommenen Flora japonica ausführlich beschrieben, wo ich zugleich den Nutzen und Gebrauch angegeben habe, den die Japaner in mancherlei Rücksichten von den verschiedenen Arten der Bäume, Stauden und Kräuter, und ihren einzelnen Teilen, zu machen wissen.
Auch habe ich in dieser Reisebeschreibung selbst das Merkwürdigste von den hiesigen Erzeugnissen des Pflanzenreichs und deren mannigfaltigen Benutzung t·eils gelegentlich, so wie mir auf der Jedoer Reise dergleichen aufge·stoßen ist, t·eils bei Erzählung meiner botanischen Spaziergänge, bereits beschrieben.
Deshalb werde ich das Pflanzenreich jetzt ganz übergehen, und nur von den beiden anderen Naturreichen noch das nachholen, was im vorhergehenden allenfalls nicht vorgekommen ist.
Die entweder sehr seltenen, oder in Europa gänzlich unbekannten Tiere, habe ich zum Teil schon in einzelnen akademischen Abhandlungen und Disputationen, einige auch mit beigefügten Abbildungen, beschrieben, und gedenke auf gleiche Art damit fortzufahren.
Von den Säugetieren kann ich folgende, als gewi·ß in Japan befindlich, angeben.
Der Wolf ( Canis lupus japanisch Okame ) dieser hält sich in den nördlichen Gegenden auf.
Der Fuchs ( Canis vulpes ), ein im ganzen Lande gefürchtetes Tier.
Der Hund ( Canis familiaris, japanisch Jamma ich ), sowohl zahm, als auch, wie man mir gesagt hat, wild; den letzteren scheint man aber doch wohl mit dem Goldwolfe oder einer anderen ähnlichen Gattung zu verwechseln.
Die Katze ( Felis catus ) findet sich in allen Häusern, und zwar von verschiedenen Farben.
Die Hausratze ( Muss rattus ) treibt hier, wie in anderen Ländern ihr Wesen.
Der Hase ( Lepus timidus ) und zwar von der grauen Art, wurde nicht selten nach unserer Faktorei und auf unseren Tisch gebracht.
Der Stier ( Bos taurus ); in der Gegend um Miako sah ich Büffel mit Höckern auf dem Rücken große Karren ziehen; die Kühe aber, welche die Landleute bisweilen zum Pflügen des Feldes halten, sind sehr klein.
Das Pferd ( Equus caballus ) ist von mittelmäßiger Größe.
Das Schwein ( Sus firofa ) ist von der chinesischen Art. Walfische ( Balaena ) sah ich zu Nangasacki auf dem Markte in den Fleischscharren, in Stücken gehauen, zum Verkaufe; sie werden an der Küste mit Harpunen gefangen, und außer dem Fleische wird auch der Fischbein und der Ambra davon gebraucht, den man nicht selten in dem Eingeweide findet, und den man mir auch einmal frisch und weich zeigte. --
Man sagte mir zwar, daß in den nördlichen und am wenigsten bewohnten Gegenden auch noch verschiedene andere Säuget·iere, als Hirsche, Bären, Affen, und dergleichen anzutreffen wären; ich hatte aber keine Gelegenheit, sie weder lebendig, noch auch nur Felle davon zu sehen.
Von den Vögeln findet man sowohl Hühner als Gänse und Enten, zahm; in sehr, großer, oft ganz unglaublicher Menge aber halten dieselben sich wild auf dem Wasser zwischen den Inseln auf, wo sie vor schreckenden Schüssen und vor Jägern, die ihrem Vergnügen nachgehen, sicher sind; andere halten sich im Lande und auf dem Felde auf; es fehlte mir inzwischen an Gelegenheit, eine Sammlung davon zu machen, weil ich weder selbst Schießgewehr gebrauchen durfte, noch mir eine solche Kollektion auf andere Art verschaffen konnte.
Diejenigen welche ich mit einiger Gewißheit kennen gelernt habe, sind folgende: der Hahn und das Huhn ( Gallus ); der Rabe ( Corvus corax ); die Gans ( Anser ); die Federkappente ( Anas galericulata ); und die Winterhalbente ( Anas querquedula ), die in unsere Küche kamen; der weiße Reiher ( Ardea alba ) und der blaue Reiher ( Ardea major ); die dem Bauer auf dem Felde beim Pflügen und Graben nachfolgen; die Wachtel ( Tetrao coturnix ), der Dompfaffe ( Loxia pyrrhyla ) und der Reisfresser ( Loxia oryzivora ), ebenfalls aus dem Geschlecht· der Kernbeisser, endlich die Haustaube ( Columba domestica ).
Amphibien findet man in diesem Lande sehr wenige.
Die ich sah, waren nur die Japanische Schildkröte ( Testudo japonica ); und die japanische Eidechse ( Lacerta japonica ).
Die Dolmetscher sagten mir zwar, daß auch Schlangen in Japan anzutreffen wären; ich habe aber nie eine Spur davon bemerkt.
Von Fischen habe ich eine Menge gesammelt, in Weingeist aufbewahrt und nach Batavia, Holland und meinem Vaterlande geschickt.
Es sind aber unterwegs mehrere davon verunglückt, und von dem Rest manche noch nicht untersucht; bis jetzt kann ich folgende angeben: die nebelfarbene, die bema·lte, die beringte und die gestreifte Muräne, ( Muraena nebulosa, picta, annulata, fasciata ); der aschgraue Schlangenfisch ( Ophichthys cinereus ); alle sehr schöne und merkwürdige Aal-Arten; eine Art Gründel ( Gobius patella ); der gefleckte und der schmalgestreifte Wels ( Silurus maculatus, lineatus ); der Japanische Schellfischteufel ( Callionymus japonicus ); der gepanzerte Umberfisch ( Sciaena cataphracta ); der Sechsfachlinierte und der bunte Barsch ( Perca sexlineata, picta ); der gemeine Lachs ( Salmo salar ); die Borstenflosse aus dem Geschlecht· der Heringe ( Clupea thuriza ); der Toba·kspfeifenfisch ( Fistelarie tabacaria ); der Goldfisch ( Cyprinus aureus ); der Seeflasche und der gefleckte Stachelbauch ( Tetraodon hispidus, ocellatus ); das Seekätzchen aus dem Geschlecht· der Beinfische ( Ostracion cornuttus ); das Seepferdchen ( Syngnathus Hippocampus ); und der Krampffisch ( Raja torpedo ).
Insekten waren für mich, sowohl auf unserer Insel, als auch auf der Reise nach und von Jedo, leicht zu bekommen.
Zum Teil waren sie mir bekannt, zum Teil aber völlig neu.
Hier sind ihre Namen: der japanische und der Vielfleck-Sonnenkäfer ( Coccinella japonica, quadripustulata ); das Sonnenhähnchen und das Weidenhähnchen ( Chrysomela aestuans, pallida ); der To·tenfreund ( Dermestes violaceus ); der Japanische- und der Ketten-Sandläufer ( Cicindela japonica, catena ); der Kupferschmied ( Scarabaeus aeruginosus, japanisch Fama Musi ); der europäische Dungkäfer ( Hefter unicolor ); der großnasige Erdfloh und der Stachelfloh ( Mordella nasuta, aculeata ); der Kräuterdieb ( Ptinus für ); der Zwitterkäfer ( Malve proscarabaeus ); der Blaustrich und der Blasenschildkäfer ( Cassida nobilis, vesicularis ); der Blumenkratzer aus dem Geschlecht· der To·tengräber ( Sylpha aestiva ); der Bauer, die Feuerglut, der zierliche und der Haubenstinkkäfer ( Buprestis rustica, ignita, elegans, vittata ); das Stachelhorn ( Cerambyx rubus ); der japanische und der platte leuchtende Käfer ( Lampyris japonica, compressa ); der Rot·flügel und der Uferräuber, beide Raubkäfer ( Staphylinus erythropterus, riparius ); der große Ohrwurm ( Forficula auricularia ); die große, die sprenkliche, die rauhe, die Knul-, die dreyeckte, die Einpunktierte, die Walk-, die schmutzige, die chinesische, die braune, die Anker-, die gehörnte, die schwarze, die Kreuz-, die Colon-, die Wahrsag-, und die gefleckte Wanze ( Cimex grandis, guttigerus, hispidus, clavatus, trigonus, unipunctatus, fullo, sordidus, chinensis, brunneus, anchora, cornutus, niger, andreae, colon, augur, ocellatus ); der ostindische, der deutsche und der Busch- Kakerlak ( Blatta orientalis, germanica, gigantea ); der europäische Blattwandrer, der gefleckte und der großnasige Gespenstkäfer ( Mantis religiosa, maculata, nasuta ); der langnasig·e Grashüpfer ( Grillus nasutus ) die Grille mit zwei Schwanzbürsten ( Acheta gryllotalpa ); der Streupunkt, der Rübenweißling, der Aderstrich, das Hakenhorn, der Buttervogel, der Fensterfleck, der Rostflügel, der Erdpapilion, die Distelnymphe, und die chinesische Nymphe, sämtlich aus dem Geschlecht· der Tagvögel ( Papilio argiolus, rapac, niavius, thrax, hecabe, Proteus, arcanius, phlaeas, cardui, niphe ); der To·tenkopf ( Sphinx athropos ); der Glitschfuß ( bombix lubricipeda ); der Seidenvogel, das griechische Chi, der Schwimmer, der Greisflügel, der nämliche Nachtvogel, und der Liebling, ( Phalena mori, chi, nymphaeata, serunata, immutata, amatoria ); der Blattroller ( Tortrix viridana ); der Läusefresser und die große Stinkfliege ( Hemerobius perle, grandis ); die Sumpfnymphe und die Flußnymphe, aus dem Geschlecht· der Jungfern ( Agrion puella, virgo ); die japanische Skorpionfliege ( Panorpa japonica ); die Honigbiene ( Apis mellifica ), die Wandwespe ( Vespa parietum ); die Schmei·ß-, die japanische, weißköpfige Fliege, der Kaiser, die Honigfliege, der Triller, die Stuben-, die Mist-, die Gallen- und die Regenfliege ( Musca carnaria, japonica, albifrons, caesar, mellina, vibrans, domestica, fimetaria, cynipsea, pluvialis ); der Wadenstecher ( Stomoxys calcitrans ); der phalänenartige, der rothhalsige und der hochhüftige Langfuß ( Tipula phalaenoides, ruficollis, femorata ); die Singschnecke ( Culex Pipi··s ); die Seeassel und der Kellerwurm ( Onisius oceanicus, asellus ); der moluckische Krebs, aus dem Geschlecht· der Schildflöhe; von den Flöhen, der Nachtwecker, ( Pulex irritans ); die Menschenlaus ( Pediculus humanus ); der Erdvielfuß ( Julus terrestris ); der Zuckergast Lepisma saccharina ); die Krebskrabbe, der Fluskrebs und die Seelaus ( Cancer diogenes, astacus, dorsipes ).
Eine Art schwarzer Zikaden nennen die Japaner Semi und die Schweber ( Bombylius ) mit weißem Steiße Abu.
Konchylien sammeln die Japaner, besonders in den nördlichen Landschaften; sie legen sie in gekratzte Baumwolle, befestigen sie daran mit Reiskleister und verkaufen sie an die Holländer, wenn sie nach Jedo reisen.
Sie sind alle sehr schön, aber allezeit die kleinen dazu ausgesucht.
Die Schalt·iere, welche im Lande häufig gegessen werden, und auch auf unseren Tisch kamen, sind: der Seitenschwimmer ( Ostrea pleuronectes ), die Riesenkammmuschel, ( Ostrea gigas ) eine sehr lange und dicke Art Austern; die Braunlippe und der Spieldoublet, beide aus dem Geschlecht der Venusmuscheln ( Venus meretrix, chione. )
Von Würmern, ( Vermes ) Konchylien und Korallen sind die welche ich gesammelt habe, folgende: der Achtfuß und der Zwergblackfisch ( Sepia octopodia, sepiola ); der Komet, ein See·stern ( Asteria rubens ); die Seem·ütze und die kleine Seepocke ( Lepas Mitella, balanoides ); der stumpfe Klaffer ( Mya truncata ); der Rinnendoublet, die Saubohne, die Kammscheide, der rot·e Sonnenstrahl, alle aus dem Geschlecht· der Scheiden ( Solen vagina, legumen, bullatus, strigilatus ); die feste und die zarte Tellmuschel, die Milchlinse, und die Eyertelline ( Tellina solidula, delicatula, lactea, albida ); die xulannesische Buchstabenmuschel und die Bettlermuschel ( Donax scripta, irus ); von den Herzmuscheln, die Dickscha·le ( Carpium rusticum ); die Jungfer, die Kreuzscha·le, die Blaulippe, die Blutlippe, die rauhe Sanctdomingomuschel, der Gabelzahn, die Gittervenus, die Warzenrippe, der Venuskamm, die Vettel, der Spieldoublet, welcher Japanisch Hamagai heißt, und die Braunlippe, Japanisch Sigakf ( Venus virginea, decussata, laeta, deflorata, tigerina, rotundata, cancellata, verrucosa, pectinata, exoleta, chione, meretrix ); die Violettkorbmuschel, der Glattnabel, die Strandmuschel, die Schlammmuschel, der Strahlkorb ( Mactra violacea, glabrata, solita, lutaria, stultorum ); Die Bastarddie Bart- und die Noahsarche, das Törtlein, die Zölle ( Arca antiquata, barbata, noae undata, pellata ); die gezackte Lazarusklappe ( Spondylus gaederopus ); die Seenuß, die Muskatenblüt·e, beide ·Kienmuscheln ( Chama antiquata, Lazarus ); das Vögelchen, die Bartmuschel, das Zwerchfell, die Perlenmutter, aus dem Geschlecht· der Miesmuscheln ( Mytilus hirundo, barbatus, bilocularis, margaritiferus ); die Feile, der Sommermantel, der Jägermantel, die Pilgrim·smuschel, das Lorbeerblatt, die gewölbte Kammmuschel, der Seitenschwimmer, und die Riesenkammuschel ( Ostrea lima, pellucens, plica, maxima, folium, fornicata, pleuronectes, gigas ); der Hysterit, die Terebratel, die Falte, die Furche, die Zwiebelscha·le, alles Bastardmuscheln, ( Anoma hysterophorus, terebratula, plicatella, lacunosa, cepa ); der edle Schinken; eine Steckmuschel, ( Pinna nobilis ); der Papiernautilus ( Argonaut· Argo ); von den Tuten das Gespenst ( Konus spectrum ); der Schlangenkopf und die Schlangenporcellaine Cypraea mauritanica, serpentis ); das brüt·ende Täubchen, eine Walze ( Voluta mercatoria ); die Schellenschnecke, die Treppe, das Glanzhorn, das Steinchen, aus dem Geschlecht· der Kinkhörner ( Buccinum galea, spiratum, nitidulum, lapilIus ); von den Blasen, das Taubenei, das rot·e Band, das Kibitzey, die Staatenfahne, das Joch, ( Bulla naucum, amplustre, ampulla, Physis, spelta ); die Tritonsschnecke, die Nachteule, das Brandhorn, die niederländische Spindel, säm·tlich Stachelschnecken ( Murex tritonis, aluco, saxatilis, antiquus ); die luhoneser Flügelschnecke, ( Strombus luhuanus ); das Schnurbund, der Wulstnabel, die Pharaoschnecke, aus dem Geschlecht· der Kräusel ( Trochus conulus, vestiarius, pharaonis ); die Zahnschraube und die Nagelschraube, beide Mondschnecken ( Turbo bidens, ungulinus ); von den Schwimmschnecken der Knotennabel ( Nerita cannena ); von den Meerohren, das Knotenohr ( Kaliotis tuberculata ); die Narrenkappe, die Sternpattelle, der Nagel, die Wolken, die blaue Pattelle, die Mütze ( Patella ungarica, saccharina, unguis, nubecula, caerulea barbara ); der Ochsendarm, die Dreieckröhre und die Rollschlange aus dem Geschlecht· der Röhrenschnecken; von den Sternkorallen die Pfennigkoralle ( Madrepora porpita ) versteinert; die Raderkoralle ( Isis entrocha ); von den Röhrenkorallen die Seeorgel, welche die Japaner Iwa kik nennen, und den Holzwurm ( Tubipora musicalis, teredo, ).
Sogenannte Meerbohnen ( Umbilicus marinus sive Veneris ) findet man sehr viele am Strande, welche die See ausgeworfen hat, so wie in den Bergen viele Belemniten angetroffen werden.
An Metallen ist Japan reich.
Da·ß von den edlen Gattungen, Gold und Silber, dies Land ehedem einen sehr reichen Segen gehabt hat, haben sowohl die Portugiesen, welche vormals Schiffsladungen davon ausführten, als auch die Holländer erfahren.
In Ansehung der Menge des Goldes wetteifert Japan noch heutiges Tages mit den reichsten Ländern.
Damit dessen aber nicht zu viel im Lande werde, darf nicht mehr, als eine gewisse Menge jährlich gegraben, und keine Art von Metallgruben ohne ausdrückliche Erlaubnis des Kaisers geöffnet und darin gearbeitet werden.
Wenn der Bau einer Grube erlaubt wird, so fallen Zweidrittheil davon dem Kaiser, und ein Drittteil dem Fürsten der Provinz für seine Kosten zu.
Etwas Gold wird in Sand gefunden, das meiste aber aus Kupferkies gezogen, der zu dem Ende in Schwefel aufgelöst wird.
Es sind verschiedene Gegenden des Landes, die Gold liefern; allein das feinste Gold und die reichhaltigsten Gruben findet man auf der größten Insel des Reichs bei Sado.
Diesem kommt an Güte dasjenige gleich, welches in der Provinz Surunga gewonnen wird.
Außerdem weiß man mit Gewißheit, daß in der Provinz Satsuma verschiedene reichhaltige Goldminen sind, wie auch in der Landschaft Tsikungo und auf der Insel Amakusa.
Das gewonnene Gold wird ···münzt, zum Vergolden gebraucht, und in seidene Stoffe gewirkt; ausgeführt wird es unter keinerlei Gestalt.
Silber muß es vor diesem weit·· häufiger gegeben haben, als jetzt, weil ehemals eine große Menge davon aus dem Lande ging.
Die Japaner achten es selbst für seltener als das Gold, obgleich sie dem letzteren einen größeren Wert beilegen.
Sie nehmen auch jetzt von der holländischen Compagnie eine ansehnliche Summe holländischer Dukatonen ( eine holländische Silbermünze ) an.
Das meiste Silber findet sich in der Landschaft Bingo.
Auch in den nördlichen Gegenden, um Kattami, gibt es reiche Silbergruben, desgleichen sollen zwei Inseln, die den Namen Gold- und Silberinseln, Ginsima und Kinsima führen, sowohl Silber, als Gold, in Menge liefern.
Das Kupfer ist im ganzen Lande sehr allgemein, enthält viel Gold und bereichert verschiedene Landschaften.
Es ist nicht nur in vorigen Zeiten ausgeführt, sondern wird auch jetzt noch, sowohl von den holländischen als den chinesischen Kaufleuten, häufig ausgeführt.
Das feinste und geschmeidigste wird in den Provinzen Suruga, Atsingo, Kyno und Kuni gefunden.
Das aus Kuni ist von allem das geschmeidigste, und das aus Suruga ist am reichhaltigsten an Gold.
Auch in Satsuma und anderen Landschaften, trifft man viele Kupferbergwerke an.
Aus dem Kupfer wird·· kleine Scheidemünze gegossen, Beschläge, Sowasarbeit, Töpfe, Kessel und dergleichen gemacht.
Mit Eisen ist unter allen Metallen Japan am wenigsten versehen.
Es findet sich aber doch in den Provinzen Mimasaka, Bitsju und Bisen, und zwar in hinreichender Menge.
Eisen wird nicht ins Land hereingebracht, aber auch nicht leicht ausgeführt.
Es wird gebraucht, Säbel, Waffen, Scheren, Messer und eine Menge anderer Geräte, Instrumente und Geschirre daraus zu machen.
Bernstein hat man in Japan, und zwar wird er, wie man mir sagte, im Lande selbst gefunden.
Meine Freunde schenkten mir einige Stücke.
Er ist zum Teil dunkelgelb, zum Teil aber hellgelb, einiger auch gestreift.
Schwefel liefert das Land im Überflu·ß; besonders eine Insel, nahe bei Satsuma.
Steinkohlen sollen in den nördlichen Distrikten anzutreffen sein.
Aus rotem Agat machen die Japaner Knöpfe und dergleichen an ihre Tobaksbeutel und Medizindosen.
Auch schleifen sie ihn wohl in Gestalt von Schmetterlingen und anderen kleinen Tieren.
Zweite Abteilung.
Aufenthalt auf Dezime nach der Zurückkunft von Jedo, vom 30sten Junis 1776 bis zur Rückreise nach Batavia am 4ten Januar 1777.
Nach unserer Rückkunft von Hofe auf der Faktorei den 30sten Junis 1776, brachte ich daselbst einen sehr heißen Sommer zu, und beschäftigte mich damit, das nachzusehen und in Ordnung zu bringen, was ich auf der Reise gesammelt hatte, sowohl von getrockneten und anderen Gewächsen, als auch von lebendigen seltenen Bäumen und Sträuchern, welches alles ich mit den zurückgehenden Schiffen nach Amsterdam schicken wollte.
Die letzteren waren besonders aus dem Ahorn- und Masholdergeschlechte ( Aceres ), und zwar mehrere sehr schöne Arten, ferner Bocksdorn ( Lyzeum ), Callaster ( Celastrus ), Schwelken ( Viburnum ), Pflaumen ( Prunus ), Sagupalme ( Cycas ), Zypressen ( Cypressus ), Zitronenbaum ( Citrus ) und andere.
Ich stellte in dieser Zeit auch verschiedene botanische Spaziergänge um Nagasaki an; und da dies die blumenreichste Jahr·szeit war, hatte ich die Freude, meine schweren Kosten hierbei etwas besser, als im vorigen Herbste und Winter, belohnt zu haben.
Ich bemerkte unter anderen folgendes:
Anstatt Hanfs sah ich an einigen Orten die weiße Nessel ( Urtica nivea ), die hier auch überall wild wächst, förmlich angebaut; man braucht sie zu Tauen, Stricken und zu grober Leinewand.
Auch traf ich verschiedentlich den Wunderbaum ( Rizinus ) gepflanzt an, dessen Sa·men mit Moxa und Tusche zusammen gestoßen, die hiesige Buchdruckerfarbe gibt. --
Ferner bauet man hier auf niedrigen Plätzen Flatter·simsen ( Juncus effusus ), woraus die Fußbodenmatten geflochten werden.
Diese Binsen wachsen zwar von selbst in Menge, werden aber alsdann nicht so hoch und gut, als jene. -- Lilien, und zwar von der Gattung die den Namen der prächtigen ( Lilium superbum ) führt, eine der aller·schönsten Blumen in der Welt, sah ich auf den kleinen Fahrzeugen im Hafen häufig als ein ihrem Meergotte geweihtes Opfer aufgehängt.
-- Der Japanische Traubenbaum wächst in der Gegend von Na·ga·saki in Menge.
Es ist ein kleiner, auf der Erde fortkriechender Strauch.
Er ist wegen des vielen klaren Schleims merkwürdig, den er in sich hält.
Wenn die äuß·re Rinde von den Zweigen abgeschält ist, und diese in ein Glas Wasser gesetzt werden, so zieht der Schleim heraus, und setzt sich rund umher in der Dicke von mehr als einer Linie fest, und ist so klar wie Kristall.
Dieser Schleim wird nicht nur bisweilen, statt desjenigen, der von dem Manihoteibisch ( Hibiscus Manihot ) genommen wird, zur Bereitung des Papiers gebraucht, sondern das Frauenzimmer bedient sich desselben auch, um das Haar damit glatt und glänzend zu machen.
-- Die Sasanquakamellie ( Camellia sasamqua ), findet man hier auch sehr häufig.
Dies ist ein kleiner Busch, und gleicht in Ansehung der Blätter und Blüt·e so sehr dem Theebaume, daß man sie, außer: an der Größe, mit Mühe unterscheiden kann.
Die Blätter haben einen etwas angenehmen Geruch, und werden daher, gekocht, vom schönen Geschlecht· dazu gebraucht, das Haar damit zu waschen; auch werden sie wohl zu den Theeblättern gemischt, um den Geruch derselben noch angenehmer zu machen.
-- Eine Art ganz kleiner Apfelsinenbäume ( Citrus Japonica ), zieht man hier in den Häusern in Töpfen.
Das Bäumchen wird wenig über einen halben Fuß hoch, und die Früchte, welche süßlich und angenehm, ungefähr wie Apfelsinen, schmecken, sind nicht größer, als gewöhnliche Kirschen.
-- Trüffeln ( Lycoperdon tuber ) gräbt man in dieser Gegend aus der Erde.
Sie sind von der Größe einer Zwetsch·e.
Frisch sind sie weich und bräunlich, eingesalzen aber werden sie schwarz.
Die Japaner essen sie, wie Morcheln, in Suppen.
-- Die Sojabohnen wachsen hier zwar wild in großer Menge, werden aber doch auch sehr häufig gepflanzt.
-- Der Gagelbaum ( Myrica nage ) ist hier selten.
Das Holz ist sehr weiß, und man macht Kämme daraus, die das Frauenzimmer in den Haaren trägt. --
Die gemeine Fichte ( Pinus sylvestris ), ist zwar derjenige Baum, aus dessen Holze hier die meiste Tischlerarbeit gemacht wird; das weiße und schöne Holz des Japaneschen Zypressenbaums ( Cypressus Japanicus ), wird aber auch sehr häufig dazu gebraucht, wie das Holz vom großblättrigen Eibenbaum ( Taxus macrophylla ) und von einigen anderen Bäumen. --
Der essbare Aron ( Arum esculentum ), wird hier auf dem Felde, nicht nur der Wurzeln wegen, die man isst, welche aber roh einen scharfen Geschmack haben, sondern auch um der Stängel Willen, die zerschnitten und in Suppen get·an werden, gebaut.
-- Eben so gebrauchen die hiesigen Einwohner das gemeine Pfeilkraut ( Sagittaria sagittata ), den vielblumigen Wegtritt ( Polygonum multiflorum ), und eine eigene Art Dioskoride ( Dioscorea Japonica ), zum Essen.
Die beiden letzteren Arten werden auch zum Futter für das Vieh angewandt, und die Leute brachten sie uns unter anderem Grase sehr oft nach Dezime, wo wir dergleichen für unser Vieh nötig hatten.
Den 31sten Julius kam von Batavia das der holländischen Compagnie gehörige Schiff Zeeduyn, und den 21sten August das Admiralschiff Stavenisse nebst dem Chef, welcher dies Jahr hier bleiben sollte, Herrn Duurkoop, zu Nagasaki an.
Von der Mannschaft dieser Schiffe, hatten viele, zu Batavia, heftige Fieber gehabt; diese erlangten hier in kurzem ihre Gesundheit wieder, und einige die starke Verhärtungen und einen aufgeschwollenen Unterleib ( Plazenta febriles ) hatten, dergleichen nach den bösen bataviaschen Fiebern zurück zubleiben pflegt, wurden hier vollkommen davon befreiet.
Den 26sten August, Abends, fingen die Japaner zu Nagasaki und im ganzen Reiche an, ihr Laternen- oder Leuchtenfest zu feiern, welches zu Nagasaki sehr feierlich begangen wurde.
Den 13ten September gegen Abend kam die Nachricht, daß der Fürst der Landschaft Owari, ein leiblicher Vetter des Kubo, vor fünf Tagen mit Tode abgegangen wäre.
Aus dieser Ursache wurde Befehl gegeben, daß niemand auf der Insel in den ersten fünf Tagen, ( dies ist hier zu Lande die gewöhnliche Zeit für die tiefste Trauer, ) auf einem Instrumente spielen sollte.
Dieser Herr war ungefähr vierzig Jahr alt.
Er war vor einiger Zeit dazu bestimmt gewesen, des Kaisers Schwiegersohn zu werden; allein das Schick·sal hatte gewollt, daß die für ihn auser·sehene Braut den Tag vor seiner Ankunft zu Jedo starb.
Den 10ten Oktober visitierte der zu Na·gasaki vor einiger Zeit angekommene neue Statthalter, zuerst die Kaiserlichen Wachen im Hafen; darauf besuchte er das holländische Admiralschiff; und endlich die Insel Dezime: alles in Begleitung des vorigen Gouverneurs, der nunmehr abgehen sollte.
Statthalter zu Nagasaki sind während meines dasigen Aufenthalts folgende gewesen: Noto no Kami, der 1775. abging; Nagato no Kami, der ihm folgte, und 1776. abging; und Tango no Kami, der jetzt hierher gekommen war.
Da ich vorher sah, daß ich, wenn ich noch ein Jahr in Japan bliebe, noch wenig mehr, als was ich bisher zu tun im Stande gewesen war, zum Vorteil der Wissenschaften würde ausrichten können; so beschlo·ß ich, nach Batavia zurück zureisen.
Der neue Chef, der zu mir, als Arzt, mehr Zutrauen hatte als zu meinem Nachfolger, wollte mich zwar, um seines Vorteils wegen, anfänglich überreden, und endlich gar zwingen, hier noch ein Jahr zu verweilen.
Doch gelang es mir endlich, mich von diesem Ansinnen los zu machen und meine Zeit zu Erweiterung der Naturkunde anderswo, nützlicher als hier geschehen konnte, anzuwenden.
Den 23sten November verließ ich demnach die Insel Dezime, und begab mich nach dem Admirals·chiffe Stavenisse, welches bei Papenberg vor Anker lag.
Den 29 sten kamen Kommittierte von der Faktorei zu uns an Bord, um uns Briefe und andere Dokumente an die Regierung zu Batavia mitzugeben.
Am folgenden Morgen lichteten wir unser erstes Anker, ob wir gleich noch ein Paar Tage liegen blieben.
Den 3ten Dezember um 10 Uhr lichteten wir das zweite Anker, und zogen die Segel auf.
Das Schiff Zeeduyn segelte voran.
Beide Schiffe lösten um 11 Uhr gegen Papenberg über, und nach einer Stunde bei den letzten Bergen, welche Caval·os heißen, noch einmal die Kanonen, und wir wünschten uns gegenseitig eine glückliche Reise.
Die Ladung jedes dieser beiden Schiffe, bestand hauptsächlich aus 6750 Pickel Stangenkupfer, und 364 Fässern Kampfer, von denen jedes 120 bis 130 Pfund hielt.
Den 4ten Januar 1777. kamen wir glücklich und wohlbehalten zu Batavia wieder an.
Bei der Mündung des durch die Stadt ins Meer sich ergießenden und noch weit im Hafen zu spürenden, großen Flusses war der Strom jetzt so stark, daß wir nicht ohne Gefahr vermittels· Schaluppen und anderer kleinen Fahrzeuge uns nach der Stadt mußten hinauf ziehen lassen.
Dritte Abteilung.
Zweiter Aufenthalt zu Batavia vom 4ten Januar bis den 5ten Julius 1777.
Erster Abschnitt.
Aufenthalt zu Batavia, und erste Reise in das Innere von Java.
Nach meiner Ankunft nahm mein achtungswert·er Freund, Doktor Hofmann, mich wie zuvor wieder in sein Haus und an seinen Tisch auf.
Während meiner Abwesenheit waren aber viele meiner hiesigen Bekannten gestorben.
Unter anderen vermi·ßte ich die Gattin des Herrn Hoffmann.
Kurz vor meiner Abreise nach Japan hatte ich in ihrem Hause mit dreizehn Personen zu Tische gesessen, von welchen, wie mein Wirt· mir erzählte, elf an dem gewöhnlich hier grassierenden Fieber, in einer Zeit von drei Wochen, gestorben, und er und ich allein noch übrig waren.
Dies ist ein anschauliches Beispiel wie ungesund das Klima in Batavia ist!
Die erhitzte Atmosphäre ist stets mit einer Menge feuchter Dünste angefüllt, dadurch wird der Körper erschlafft, zur Fäulnis empfänglich, und solchergestalt jene unglaublich starke Mortalität veranlaßt.
Der Generalgouverneur von der Parra, war im vorigen Jahre ebenfalls mit Tode abgegangen, und ich hatte an ihm einen wahren Gönner verloren.
Er war ein verständiger Mann und hat auch der holländischen Compagnie viele Dienste geleistet, ob er gleich nicht unterlassen hat, in der langen Zeit da er diesem einträglichen Amte vorgestanden, auch für sich selbst zu sorgen.
Er hinterließ seinem Sohne, der sein einziger Erbe war, mehr als vier Millionen Gulden.
An seiner Stelle führte jetzt von Riemsdyk den Oberbefehl in Ostindien.
Dies war ein alter, abgelebter Mann, der sich durch Eigennützigkeit sehr, und durch sonst nichts auszeichnete.
Als ich nach meiner Zurückkunft Seiner Edlen, -- dies ist der gewöhnliche Titel des Generalgouverneurs zu Batavia -- aufwartete, fragte er mich über die Krankheit seiner Frau um Rat, diese bestand aber in einem Krebsschaden an der einen Brust, der schlechterdings unheilbar war.
Von ihm so wie von meinem Gönner dem großen Beförderer der Wissenschaften, Herrn Radermacher, sehe man im zweiten Teile des ersten Bandes S. 189. sqq.
Herr Radermacher, bei dem ich nächst anderen Freundschaftsbezeugungen wöchentlich ein paar Mal zu Gaste war, pflegte sich fast jedesmal mit mir über Japan zu unterhalten.
Einstmals fragte er Herrn Feith, der zuletzt Chef des holländischen Handels in Japan, und in dessen Gefolge ich gewesen war, nach dem Namen des damaligen Kaisers in Japan.
Herr Feith gestand, daß er ihn nicht wisse, ob er gleich wenigstens vierzehn Jahr im Lande zugebracht, und viermal als Ambassadeur be···im Kaiser Audienz gehabt hatte.
Am folgenden Tage, als ich bei Herrn Radermacher zu Tische war, sagte er zu mir, ich hätte ihm bisher selten eine Frage unbeantwortet gelassen, jetzt aber wolle er mir eine vorlegen, worauf ich ihm die Antwort gewiß schuldig bleiben würde: nämlich wie der jetzt regierende Japanische Kaiser heiße, und wie alt er sei?
Nun gereichte es der ganzen anwesenden Gesellschaft zu eben so großer Verwunderung, als mir zum Vergnügen, daß ich nicht nur hiervon Rede und Antwort, sondern auch schriftliche Auskunft zu geben im Stande war, wie der geistliche Kaiser, der Kronprinz, ja wie alle, sowohl weltliche als geistliche Regenten dieses Landes vom Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts an, namentlich geheißen haben.
Man fand es unbegreiflich, daß ich, als ein subalterner Fremdling, hinter diese Heimlichkeiten hatte kommen können, indes ein Mann wie der Ambassadeur, in so vielen Jahren davon nichts in Erfahrung zu bringen gewußt.
In der Folge gab ich Herrn Radermacher eine Abschrift von diesem Verzeichnis der Japanischen Regenten ( es ist dasselbe, welches ich oben mitgeteilt habe ), und seitdem ist es, wie ich höre, in die Abhandlungen der, einige Jahre nachher zu Batavia gestifteten, gelehrten Gesellschaft eingerückt worden.
Kämpfer hat zu seiner Zeit ein ausführliches Verzeichnis, sowohl der weltlichen als der geistlichen Kaiser in Japan, bis auf das Jahr seiner Abreise von dort, geliefert.
Es lag mir daher sehr am Herzen, zu der Fortsetzung desselben zu gelangen, so schwer es auch war.
Dies glückte mir zu Jedo, durch den obersten Dolmetscher und den Kaiserlichen Leibmedikus.
Mit diesen und meinen übrigen Japanischen Freunden, habe ich seit meiner Rückkunft nach Schweden, verschiedene Jahre lang, einen nützlichen Briefwechsel unterhalten und Gelegenheit gehabt, durch Hilfe meines verehrungswürdigen Gönners, des Professor Burmann zu Amsterdam, einen meiner Freunde und vorzüglichsten Schüler, Doktor Stützer, nach Indien und Japan zu befördern.
Mein erstes Geschäft zu Batavia war, die Sachen, welche ich in einen großen Kasten eingepackt, bei meinem Wirte in Verwahrung stehen lassen, nachzusehen.
Aber wie traurig wurde ich nicht bei Öffnung des Kastens, als ich, unerachtet er auf Bouteillen gesetzt war, mithin von der Erde erhoben stand, den größten Teil der bei meinem vorigen hiesigen Aufenthalte gemachten Kräutersammlung, und einen großen Teil der hier zurückgelassenen Bücher, von der eingeschlossenen feuchten Luft ganz verfault antraf.
Zu Ersetzung dieses Verlustes, besuchte ich jetzt täglich, selbst des Nachmittags in der stärksten Hitze, wenn andere des süßen Mittagsschlafs genossen, die umliegenden Gegenden.
Nur Schade, daß die Witterung meine botanischen Bemühungen gar nicht begünstigte.
Es war nämlich noch die regnichte Jahr·szeit.
Es regnete fast alle Tage, besonders Abends und Morgens, einzelner Regenschauer nicht zu gedenken.
Der Himmel war fast immer trübe, und die Luft dick und feucht, so daß ich keine von meinen gesammelten Kräutern trockenen konnte, weil in verschlo·ßenen Zimmern alles schimm·lig wurde oder verfaulte.
Zu den Regenmonaten, oder dem was man hier Winter nennt, werden in Java, der Dezember, Januar, Februar, und März gerechnet, da die Luft kühl ist und weniger Krankheiten herrschen.
Hernach tritt die warme Jahr·szeit ein, da die Hitze brennend und unausstehlich, der Himmel klar und das Wetter beständig trocken ist.
Die hier wohnenden Chinese, feierten jetzt ihren Neujahrstag.
Er fällt auf den Tag des ersten Neumondes im Februar, und ist ein großer Festtag.
Nachdem ich um Batavia von verschiedenen Produkten der Natur so viel gesammelt hatte, als in dieser Jahr·szeit zu finden war, wünschte ich von dem Inneren dieser herrlichen Insel etwas kennen zu lernen.
Zu diesem Ende schiffte ich mich auf einem holländischen Fahrzeuge ein, und segelte mit demselben an der Nordseite von Java hin nach Samarang.
Den 23sten März verließen wir die Reede der Stadt, und kamen den 31sten Cheribon vorbei, einen der beträchtlichsten Handelsplätze, wo die holländische Compagnie einen Gouverneur hält, dessen jährliche Einkünfte auf siebenzigtausend Reichstaler geschätzt werden.
Unter den um diese Stadt belegen·· Bergen, gibt es Vulkane.
Vor zwei Jahren hat man hier ein heftiges Erdbeben verspürt, und der Berg hat zugleich Asche ausgeworfen, wodurch mehrere tausend Kaffeepflanzungen in den umliegenden Gegenden ruiniert worden sind.
Der Berg Tagel, welchen wir am 2ten April vorbei segelten, wirft oft Flammen aus; jetzt sahen wir bloß eine Rauchsäule, so dick als ein Mann im Leibe ist, aus dem Gipfel emporsteigen.
Auf dieser Reise, welche wegen der oftmaligen Veränderung des Windes ziemlich lange währte, sah ich mehrmals verschiedene Schlangen, die vom Lande gekommen waren, auf dem Wasser schwimmen; eine war darunter, die eine Länge von mehr als einer Elle hatte, und ganz hoch aus dem Wasser in die Höhe sprang.
Wenn der Wind sich ändert, ist hier gewöhnlich stilles Wetter, und eine drückende Hitze.
Jetzt war auch die Jahreszeit, da die Westwinde aufhören zu wehen, und der Ostpassatwind wieder kommt.
Unser Schiffscapitain erzählte uns bei dieser Gelegenheit, daß er, so wie mehr erfahrene Seeleute, mit Gewißheit bemerkt habe, daß, seit dem großen Erdbeben zu Lissabon, die Ostwinde später eingetreten, und die Passatwinde überhaupt schwächer geworden sind.
Obgleich Java Zuckerrohr in Menge hervorbringt, und der Zucker hier zu Lande eben gar nicht teuer ist, waren wir doch auf dieser Reise mit sehr schlechtem, und statt wei·ßen, mit braunen Puder- oder Kochzucker versorgt worden.
Als ich, in Rücksicht auf die Kranken, mich bei dem Kapit·än darüber beschwerte, erfuhr ich, daß zwar weißer Kochzucker bewilligt, daß aber gewöhnlich nur eine schlechtere Sorte geliefert und das dadurch ersparte Geld von den Administratoren der Pack- oder Wa·renhäuser eingestrichen werde.
Dies ist eine schöne wohl befestigte und mittelmäßig große Stadt, und der Hauptort der Holländer an der ganzen Küste von Java, unter welchem alle andere Handlungscomtoire, außer dem zu Cheribon, stehen.
Der Ort wurde im Jahr 1708 von den Holländern erobert.
Er liegt an einem Flusse nicht weit vom Strande.
Jetzt befanden sich hier ungefähr hundert und fünfzig Mann Soldaten, obgleich, wie man mir sagte, an tausend Mann zu diesem Comptoir gehören.
Die Einkünfte des hiesigen Statthalters, sollen sich jährlich auf achtzig bis hunderttausend Reichst·aler belaufen.
Deshalb wird diese Stelle auch nur Verwandten und Günstlingen des Generalgouverneurs zu Teil; doch behält einer dieselbe selten länger als drei Jahr, worauf er gewöhnlich zum Beisitzer des hohen Rat·s zu Batavia befördert wird, und jenen Posten einem anderen überlassen muß.
Ich bekam meine Wohnung bei dem hier befindlichen Hospitalarzte Doktor Böniken, einem nicht nur in der Chirurgie, sondern auch in der Medizin wohl erfahrenen Manne, der mir viel Dienste und Freundschaft erzeigte.
Kaum war ich aber ans Land gekommen, als ich krank wurde, und das Bette hüten mu·ßte.
Ich hatte mir nämlich auf dem Schiffe dadurch, daß ich des Nachts, in der Kajüte wo ich schlief, ein Fenster offen stehen ließ, wodurch die Ausdünstungen von der kalten Nachtluft gehemmt worden waren, ein dreitägiges Fieber zugezogen.
Durch den Gebrauch der gehörigen Mittel, vorzüglich des Chinaextracts wurde ich indes, nach einigen Anfällen, wieder davon befreiet.
Mittlerweile segelte das Schiff weiter nach Juana, einem etwas weiter an der Küste hinauf liegenden Handelscomtoire, um daselbst eine Ladung Bau- und Nutzholz einzunehmen.
Sobald ich nur von meinem Fieber hergestellt war, machte ich, mit Erlaubnis des Gouverneurs und in Herrn Böni·kens Gesellschaft, eine Reise von einigen und sechzig Meilen landeinwärts nach den Gebirgen.
Der Gouverneur, ein sehr liebreicher, artiger und liebenswürdiger Mann, gab mir einen Pa·ß und Empfehlungen mit, an alle Befehlshaber der befestigten Posten der Compagnie, und ers·uchte mich zugleich, meine Aufmerksamkeit auf alle solche Gewächse zu richten, die entweder bisher als Arzneimittel im Hospital gebraucht worden, oder an deren Stelle als solche gebraucht werden könnten.
Um dieser letzteren Absicht Willen, wurde auch meinem Reisegefährten anbefohlen, mitzureisen, um diese Gewächse recht kennen zu lernen.
Den 23sten April traten wir zu Pferde die Reise an, und Kam·m nach Unarang, wo ein Serjeant mit ungefähr zwanzig Mann von den Truppen der Compagnie auf Postierung steht.
Tages darauf setzten wir den Weg nach Salatiga fort; dies ist eine Schanze, mit einer Besatzung von einigen und zwanzig Mann, über welche ein Fähnrich den Befehl hat.
Am 26sten ritten wir nach Kopping, einem javanischen Dorfe, das ganz hoch an einem Berge liegt.
Diese Gegend ist sehr fruchtbar und das Klima kalt und gesund.
Unter anderen Merkwürdigkeiten, welche ich auf dieser Reise wahrnahm, sah ich, daß die indischen Feigenbäume ( Ficus indica ), welche in den Wäldern wachsen, und eine beträchtliche Höhe erreichen, ihre Zweige so tief herunterhangen lassen, daß sie bis auf die Erde reichen, daselbst Wurzel schlagen, und in neuen Stämmen wieder aufschießen, die allmählich ebenfalls zu großen Bäumen werden.
Ein einziger solcher Feigenbaum formiert also mit seinen eingewurzelten Zweigen, eine Menge Lauben, und dehnt sich in einem weiten Umfange aus.
Hier lernte ich auch eine Art Blätter, javanisch Kamadu genannt, kennen, die wie Brennnesseln brennen, aber weit stärker, oft so stark, daß die Haut sich entzündet.
Sie haben an jeder Ader spitzige Zacken, die durchsichtig und mit einem Safte angefüllt sind, der diesen Brand verursacht.
Bei näherer Untersuchung fand ich, daß diese Gattung Nessel noch nicht bekannt war; ich gab ihr daher den Namen stechende Nessel ( Urtica stimulans ).
Einer von unserer Gesellschaft, der jene Eigenschaft dieser Blätter nicht kannte, und in der Geschwindigkeit ein Paar Zweige von diesem kleinen Baume oder Strauche abbrechen wollte, mu·ßte seiner Unwissenheit und Unvorsichtigkeit teuer bezahlen.
Die Javaner kennen die Wirkung der Blätter alle sehr gut.
Die Holländer nennen sie Büffelblätter, und zwar aus folgender Ursache.
Bei den Javanischen Fürsten ist es, wenn sie Feierlichkeiten anstellen, allezeit gebräuchlich, zur Lust einen Tiger mit einem Büffel kämpfen zu lassen, und zwar auf einem rund umher mit starken Planken eingeschlossenen Platze, um welchen eine große Menge Zuschauer sitzen und ohne Gefahr zusehen können.
Wenn der Büffel nicht dahin zu bringen ist seinen Feind anzugreifen, wird er mit diesen Blättern gepeitscht, wovon ihm in kurzer Zeit die Haut so brennt, daß er zuletzt ganz wild und rasend wird.
Wenn man sich an dieser Nessel verbrannt hat, darf man sich nicht mit Wasser waschen, weil dadurch der Schmerz viel ärger wird; sondern das beste Mittel dagegen ist, die Stelle entweder mit Öl, oder mit Reisbrei zu bestreichen.
Den 27sten April kehrten wir wieder um, und begaben uns nach Salatiga zurück.
Am folgenden Tage reisten wir weiter, und zwar in Gesellschaft des hier postierten Fähnrichs, bis nach Tundang, wo wir die Nacht zu bleiben gedachten.
Tundang ist ein ziemlich großes javanisches Dorf.
Die Häuser sind hier zu Lande nur klein, und von Bamborohr gebaut, aber wie Lauben, nicht dichter als daß die Luft sehr bequem durchgehen kann, welches in dieser heißen Gegend auch nötig ist.
Wir kehrten bei keinem Javaner ein, sondern ließen für uns allein eine Hütte bauen.
Der Bau wurde sogleich von einigen Javanern angefangen, und ging so unglaublich geschwind von Statten, daß, ehe wir abgestiegen waren, unsere Pferde abgesattel·t und unsere Sachen abgepackt hatten, nicht nur unser ganzes Haus fertig, sondern auch mit einer breiten Bank, worauf wir liegen konnten, mit drei Stühlen und einem Tisch, welches alles noch dazu erst neu gemacht wurde, meubli·rt war.
Ich stand ganz erstaunt über das fertige Gebäude, und trat mit größter Bewunderung unter den Schatten desselben.
Einige von den Javanern hieben teils dicke teils dünne, Bamborohre ab; andere machten mit zwei Hieben an jeder Seite derselben ein Loch, und andere steckten durch diese Löcher schmale Rohre.
Darauf wurde Laub dazwischen geflochten, und das Haus war, wie gesagt, durch so vieler Hände Arbeit in wenigen Minuten fertig.
Eben so Tisch und Stühle, wiewohl diese nicht sehr eben waren, mithin für vornehme und Bequemlichkeit liebende Leute nicht paßten, sondern nur für müde Reisende brauchbar sein konnten.
Weil wir früh vor Abend angekommen waren, ging ich aus, und besuchte den naheliegenden Wald; um Kräuter zu sammeln.
Unter anderen sah ich Dioskoriden ( Dioscoraea ) die mit ihren Ranken sich bis an die Wipfel der Bäume hinauf ··schlangen.
An dieser Stelle wuchsen sie wild, sonst aber wird dies Gewächs hier zu Lande auch förmlich angepflanzt.
Da wir kein Licht bekommen konnten, machten wir vor dem Eingang unserer Hütte ein großes Feuer an, um welches wir uns, ich mit meinen gesammelten Kräutern und die anderen Herren mit ihren Tobakspfeifen, hinsetzten.
Es währte nicht lange, als ein ganzer Trupp Javaner aus dem Dorfe ankam, und sich in großer Anzahl vor uns hinlagerte.
Unter ihnen waren einige Musikanten, nebst einem großen Haufen Tänzer und Tänzerinnen, die meine Reisegefährten hierher bestellt hatten, um mir ein Vergnügen zu machen, und mir Gelegenheit zu geben, die Spiele und Lustbarkeiten der Javaner zu sehen.
Sie fingen mit Pfeiffen-, Saiten- und Trommel·spiel an.
Darauf fielen die Tänzer und Tänzerinnen ein, und setzten den Tanz unter verschiedenen Bewegungen und Gebärden fort, und zwar so, daß gewöhnlich zwei zugleich tanzten.
Jeder der tanzte, mu·ßte dem, mit welchem er tanzte, oder den Musikanten für jeden Tanz etwas bezahlen, das aber nicht viel betrug.
Wir mu·ßten deswegen die Sklaven· welche wir bei uns hatten, mit etwas Geld beschenken, damit sie an dem Vergnügen Teil nehmen konnten.
Ich leugne nicht, daß dies uns recht sehr belustigte.
Aber der Verdruß und die stete Unruhe, die uns die Mücken an diesem niedrig gelegenen Orte verursachten, verbitterten uns alles Vergnügen, und ließen uns kein Auge zutun.
Weder wollene Strümpfe noch Stiefeln, waren im Stande die Mücken von unseren Beinen abzuhalten, und obgleich der Rauch des Feuers und der Toba·kspfeifen uns das Gesicht einigermaßen schützte, so mußte doch ich dieses Verwahrungsmittel entbehren, weil mir stets jede Art von Rauch zuwider gewesen ist.
Endlich, nach Mitternacht, legte ich mich auf meine grüne Bank zum schlafen nieder, und verbarg mich unter einen Schleier und ausgespann·ten Schnupftüchern, so, daß die mich verfolgenden Mücken mit nicht mehr, als mit ihrem feinen Gesumme mich beunruhigen konnten.
Unausgeruh·t, weil wir gar nicht hatten schlafen können, setzten wir am folgenden Morgen unseren Weg nach Samerang fort, wo wir den 1sten Mai ankamen.
An Arzneigewächsen, wo·nach ich mich, dem Auftrag des Gouverneurs zufolge, unterwegs umsehen soll·en, hatte ich folgende angetroffen: der offizinelle Erdrauch ( Fumaria officinalis, javanisch Rumpung, welcher in den bergi··gen Gegenden um Kopping, doch gar nicht in Menge wächst.
Der molukkische Brombeere ( Rubus moluccanus ), nebst zwei anderen Arten Brombeere wachsen zwischen Salatiga und Kopping, an den Seiten der kleinen Berge, und besonders an den Bächen, in Überflu·ß.
Der gemeine Wermut· ( Artemisia Absinthium, javanisch Domolo, maleyisch Seroni ), findet sich auch zwischen Salatiga und Kopping, auf den Anhöhen sowohl als auf flachem Felde in größter Menge.
Die gemü··sartige Gänsedistel ( Sonchus oleraceus ), javan··isch Dimboring, in der Gegend von Chop·in.
Salat ( Lactuca ). javanisch Belot, doch nicht häufig, zwischen Salatiga und Kopping. Hirschzunge ( Asplenium Scolopendrium ), wächst auf den Bäumen zwischen Unarang und Salatiga.
Beißbeer oder spanischer Pfeffer ( Capficum ), javanisch Lombo, ist zwischen Salatiga und Kopping wild anzutreffen.
Der gemeine Säuerling ( Oxalis Acetosella ), japanisch Samangi Kunong, steht allenthalben in Menge.
Gänsfuß Chenopodium, malayisch Paijam china bei Kopping. Sanikel ( Sanicula, japanisch Spran· steh·t an den Bergen zwischen Salatiga und Kopping. Ranunkel ( Ranunculus ) und Wasserpfeffer ( Persicaria urens oder Polygonum hydropiper, malayisch Dukut Parang ) eben daselbst. Kameelheu ( Andropogon schoenanthus, malayisch Sire ) zwischen Unarang und Kopping.
Essbare oder gemeine Erdbeeren ( Fragaria vesca, javanisch Manikan ) wachsen in dieser warmen Gegend um Kopping und an den Bergen umher.
Die Clematis ( Clematis ) welche sich um die Büsche schlingt, zwischen Salatiga und Kopping. Oedermennich ( Agrimonia, malayisch Upan Upan Karpo ) eben daselbst.
Das strauchartige Glasschmalz ( Salicornia fruticos·a, javanisch Tjimbine ), am Strande bei Samarang.
Müllen ( Vitex, javanisch Simina, auch Lagundo ), kommt an verschiedenen Orten sehr häufig vor.
Arabische Kostwurz ( Costus arabicus ), die ich vorher in den Gräben um Batavia in Menge gefunden hatte, wird auch hier allenthalben in Menge angetroffen, und wächst zwischen den Büschen und hohem Grase. Herzgespann ( Leonurus Cardiaca, malayisch Klenglengang ) bei Koppin. Nesseln ( Urtica ) hie und da ziemlich häufig.
Abelmosch, oder Bisamkörner ( Hibiscus Abelmoschus ), prangt mit seinen Blättern und schönen Blumen zwischen Samarang und Salatiga. Krullfarren ( Adiantum ), außen an den Wäldern, auch selbst in den Wäldern, wie auch an den Bächen.
Gemeiner Stechapfel ( Datura Stramonium, javanisch Rotekubung ) zwischen Samarang und Unarang. Smilax ( Smilax ) in den Waldungen bei Unarang.
Schwarzer Nachtschatten ( Solanum nigrum ), um Chop·in.
Die Be···sinne (·· Besinne Acmella, malayisch Sironi ), überall sehr häufig.
Der gemeine oder rot·e Ingber ( Amomum Zingiber ), javanisch Tjai, malayisch Bangle ), wird meistens von den Chinese·n gebaut, aber der wilde Ingber ( Amomum Zerumbet ) den die Javaner sowohl als die Malaien, auch wohl Bangle, gewöhnlich aber Lampujang nennen, wächst in Überfluß, besonders an sandigen und mageren Stellen, zwischen Salatiga und Samarang.
Gilbwurz oder Curcumen Schwalbenwurz ( Curcuma, javanisch Kunir oder Kunjet ), fand ich nur in der Gegend von Samarang.
Die Kämpferie ( Kämpferia, javanisch Sempu ) steht bei Salatiga in nassen und niedrigen Thälern. Kartomom ( Amomum compactum, javanisch Mojei, die Frucht Kappologo ) wird bei Salatiga gebaut.
Langer Pfeffer ( Piper longum, javanisch Tjabe, auch Dandang Mussu ), wächst reichlich in den Wäldern um Salatiga, wie auch an anderen Orten, nicht selten auf den Steinmauern, um die Felder und Gärten.
Gemeiner oder schwarzer Pfeffer ( Piper nigrum, javanisch Maritjo ), im ·Überfluß um Salatiga in den Wäldern. Kubeben ( Piper Cubeba, javanisch Komukus ), in großer Menge in den Waldungen bei Tuntang, und zwar dieselbe Art, welche nach Europa gebracht wird. Offizinellenklee ( Trifolium molilotus officinalis, javanisch und malayisch Treba ), hatte ich schon bei Batavia bemerkt; jetzt fand ich ihn bei Salatiga.
Der gemeine Hanf ( Cannabis sativa, javanisch Ginje ), wächst auch in einer Gegend nicht weit von Salatiga; er wird hoch und zu einem Strauche oder Busche.
Rundes Zypergras ( Cyperus rotundus ), ist allenthalben sehr häufig.
Das gemeine Zuckerrohr Saccharum officinarum, javanisch Tebu ), wird allenthalben gebaut, wächst aber auch wild bei Salatiga.
Die großblumige Wunderblume ( Mirabilis Jalappa, malayisch Kamban Pockul Ampat, welches genau eben das sagt, als der holländische Name Vier U·rs Bloem, ( Vierurblume findet man meistens nur gepflanzt; doch wächst sie auch wild in der Gegend von Salatiga.
Hundszunge Cynoglossum, malayisch Upan Upan Sapi ) zwischen Salatiga und Kopping. Wüterich ( Cicuta ) oberhalb Salatiga in den Berggründen und an den Bächen.
Großer Wegerich ( Plantago major ), an den Bächen und sonst reichlich.
Der gemeine Wunderbaum ( Ricinus communis ), und die schwarze Purgirnuß ( Jatropha Curcas, malayisch Jarrak ), sind beide sehr häufig, sowohl hier als in anderen Gegenden von Java.
Vom Aron ( Arum ) wachsen verschiedene Arten in Menge in Sümpfen und Gräben.
Die Brennpalme ( Caryota urens, javanisch Saguer ) findet man überall zwischen Salatiga und Kopping, und ist, wie man behauptet, eigentlich der wahre Baum, woraus das Sago gemacht wird.
Die gemeine Basilie ( Ocymum Basilicum ), ist in diesen Gegenden allgemein, so wie die heilige Basilie ( Ocymum sanctum ) um Batavia und anderwärts.
Der indische Tamarindenbaum, ( Tamarindus indica ), ein sehr hoher, großer und schöner Baum, ist allenthalben häufig anzutreffen.
Die Fistulkassie und die japanische Kassie ( Cassia fistula, javanica, javanisch Dranguli ), deren lange zylinderförmige Frucht völlig wie ein Stock aussieht, wächst allenthalben im Holze bei Tundang. Kalmus ( Acorus Calamus ) wächst wild in der Gegend von Samarang und an vielen anderen Orten, schlängelt sich um die Bäume und hindert mit seinen Zacken, zwischen durch zu gehen.
Die breitblättr·i·ge Hackenlilie ( Crinum latifolium ), welche statt Meerzwiebeln ( Scilla ) gebraucht werden kann, kommt hier, um Batavia und anderen Orten vor.
Die asiatische Sida ( Sida asiatica ), welche die Europäer hier baumartige Malve ( Malva arborea ) nennen, wächst um Batavia, Samarang und sonst sehr häufig.
Vom Ruhrkraut ( Gnaphalium, japanisch Sombong Matur ), findet man zwei Gattungen bei Kopping.
Kanadischer Hol·under ( Sambucus canadensis, javanisch Soobo ), in den Tiefen zwischen Bergen und an den Bächen um Kopping.
Die gemeine Becherblume ( Poterium Sanguisorba ), zwischen Unarang und Samarang. Schlangenwurz ( Ophiorrhiza mungos ) oder ( Lignum colubrinum, javanisch und malayisch Kajo nlar, auch wohl Bidara laut ), hin und wieder ziemlich häufig. Jasmin ( Jasminum ), in der Gegend von Salatiga.
Gemeinen Koriander ( Coriandrum sativum, javanisch Katumjar ), fand ich an einigen wenigen Stellen, wo andere Gewächse gesät waren, so, daß es scheint, daß er mit anderen Sa·men aus Europa hierher gebracht sei.
Der Betelpfeffer und die gemeine Areka- oder Katechupalme ( Piper Bettle und Areca Catechu ), zwei den Indiern unentbehrliche Gewächse, trifft man allenthalben an.
Auch hier gebraucht das europäische Frauenzimmer die Sambacnachtblumen ( Nyctanthes Sambac ) sowohl die einfachen, als die gefüllten, auf Fäden gereih·t, zu Kränzen, die sie zum Zier·at· aufsetzen.
Dies ist wirklich ein hübscher Kopfputz.
Die jungen Herren bekommen dergleichen Kranz auch wohl bei Bällen von den jungen Schönen geschenkt; alsdann ist in der Mitte eine Tampakablume angebracht.
Sie hängen den Kranz um den Hals über die Brust, und der Geruch davon, ist eben so angenehm, als die schneeweiße Farbe der Blumen ungemein schön ins Gesicht fällt.
Kaffee wird in diesen Gegenden an sehr vielen Orten gebaut.
Die Kaffeeplantagen nehmen sich unbeschreiblich schön aus.
Der Baum trägt im dritten Jahre die ersten Bohnen.
Hundert Bäume geben gemeiniglich drei bis vier Pickel Bohnen, das Pickel zu hundert und zwanzig Pfund gerechnet.
Doch ist der Ertrag nicht alle Jahr gleich.
Im ersten Anfange soll die Compagnie den Javanern jedes Pickel Kaffeebo·nen mit fünf und zwanzig T·alern bezahlt haben.
Jetzt wird nicht mehr als sechs Taler dafür gegeben, wovon der Tommegom, oder Landvoigt, zwei Taler behält, so, daß der Javaner, welchem die Pflanzung gehört, d·er sie unterhält und die Arbeit verrichtet, nicht mehr als vier Taler bekommt.
Man pflanzt hier zu Lande zwischen die Kaffeebäume, welche nur dünne stehen dürfen, allezeit Korallenpflanzen und zwar von der gewöhnlichen Art ( Erythrina corallodendrum, javanisch Dadap ), um den Kaffeebäumen gehörigen Schatten zu verschaffen; weil sonst die Sonnenhitze für sie ·····brennend sein würde.
Es ist wirklich etwas ungemein angenehmes, eine solche Plantage zu sehen.
Sie ist wie ein Wald von Bäumen, die alle in geraden Linien gepflanzt, zum T·eil aus hohen, weit auseinander gesetzten Bäumen, zum T·eil aus Sträuchern bestehen, die sowohl mit einer Menge Kaffeebohnen bedeckt sind, als auch mit einer Menge weißer Blumen an ihren ausgebreiteten und etwas nieder hängenden Zweigen prangen.
Zu Samarang bekam ich Gelegenheit die Operation des Sta·rstechens zu verrichten.
Ein deutscher Feldsche·r, der ehemals im Dienste der Compagnie gewesen war, und vom hiesigen Gouverneur sehr wert· geschätzt wurde, hatte das Unglück gehabt, den grauen Sta·r auf beide Augen zu bekommen.
Als der Gouverneur, vom Hospitalmedikus bei dem ich logierte, erfuhr, daß ich es mir zutraue, diesem Manne das Gesicht wieder zu schaffen, bot er mir hundert Ducatons, wenn es mir damit glücken würde, und da alle meine chirurgischen Instrumente mit dem Schiffe nach Juana gegangen waren, schickte er sogleich einen Expressen dahin, und ließ sie holen.
Allein der Blinde, welcher doch nur etwas über die mittleren Jahre hinaus war, schien zu seiner eigenen Kunst, der Chirurgie, selbst sehr wenig ·Zutrauen zu haben, weil er eben so eigensinnig als blind war, und sich schlechterdings nicht bewegen oder überreden lassen wollte, sich der Operation zu unterwerfen.
Ich erkundigte mich daher, ob es hier nicht andere Blinde gäbe, denen ich Hilfe verschaffen, und dadurch zugleich meinem gefälligen Wirt·e eine Operation lehren könnte, die zu den vorzüglichsten und nützlichsten in der ganzen Wundarzneiwissenschaft gehört.
Dieser schaffte sogleich einen alten Mann, und zwar einen Europäer, und eine siebenzigjährige chinesische Frau herbei, die beide auf beiden Augen blind waren, jener ganz stockblind, und diese so, daß sie nur zur Not· ohne Führer gehen konnte.
Beide wurden von mir glücklich operiert, und bekamen ihr Gesicht völlig wieder.
Ich ließ mich auch bereden, meinem Wirte nicht nur die zum Sta·rstechen gehörigen, sondern auch verschiedene andere chirurgische Instrumente, deren Gebrauch auf dem Schiffe nur höchst selten vorkommt, zurückzulassen.
Bei Gelegenheit des, den 3ten Mai einfallenden Neujahrsfestes der Javaner, gab der hiesige Patti, das ist, der hier residierende Oberhauptmann oder Landtrost der Provinz, eine große Mahlzeit, zu welcher die sämtlichen hier sich aufhaltenden Beamten und Bedienten der Compagnie, eingeladen waren.
Den 14ten Mai reiste ich mit einem holländischen Schiffe von Samarang nach Japara.
An diesem sehr angenehm liegenden Orte, wurde ich von Herrn van der Beek, Residenten der Compagnie hieselbst··, über die Ma·ße wohl aufgenommen.
Dieser Mann besitzt nicht nur selbst Gelehrsamkeit, sondern ist auch ein großer Gönner und Beförderer der Wissenschaften, und derer welche sie treiben; ein Verdienst, das in diesem entfernten Teile der östlichen Welt um so viel größer und wichtiger ist, je seltener hier Männer dieser Art anzutreffen sind.
Seine vorzügliche Güte gegen mich, werde ich nie vergessen.
Ich bedaure nur, daß das Schicksal mir nicht erlauben wollte, hier lange zu bleiben, weil das Schiff zu Juana schon völlig geladen hatte, und ich daher eilen mußte, dahin zu kommen, um mit demselben nach Batavia zurückzugehen.
Den 20sten setzte ich meine Reise zu Pferde nach Juana fort, in Begleitung eines Javaners, den Herr van der Beek mir zum Wegweiser mitgegeben hatte.
Da der Weg zu weit war, als daß ich ihn bei der starken Hitze in einem Tage hätte zurücklegen könn·en, so hatte ich von demselben auch ein Empfehlungsschreiben an einen Fürsten bekommen, den ich unterweg··s besuchen, und bei dem ich die Nacht Quartier nehmen sollte.
Dieser Fürst hatte die Schwester des Kaisers zur Gemahlin.
Ich brachte die Nacht bei ihm zu, nachdem ich am Abend die Ehre gehabt hatte, mit ihm allein an seiner Tafel zu speisen, und in malayischer Sprache, so gut ich konnte, mich mit ihm über allerhand Dinge zu unterhalten.
Indessen störte mich das Geschrei von Eulen und anderen Tieren, die sich die ganze Nacht hören ließen, gar sehr im Schlafe.
Am folgenden Tage langte ich zu Juana an, wo ich mich sogleich in einer Schaluppe an Bord des Schiffes bringen ließ, welches schon eine ganze Meile weit von der Reede weg lag.
An der nördlichen Küste von Java, ist der Strand sehr niedrig, und die Häfen sind seicht und größtent·eils voll Schlamm.
Die Schiffe müssen deswegen weit auf der Reede hinaus ankern, und wenn sie schwer beladen werden, setzen sie sich oft im Schlamm fest.
Dies war jetzt auch bei Juana der Fall, ·unerachtet das Schiff schon weit vom Lande vor Anker gegangen war, um den Rest der Ladung einzunehmen; und ob wir gleich die Zeit abpaßten, da hohes Wasser war, um die Segel aufzuziehen, wurden wir dennoch genöt·igt, eine Menge Bretter, die zur Ladung gehörten, wieder aus und in große Böte zu laden, um das Schiff nur leichter zu machen.
Als endlich der Wind etwas stark wurde, segelten wir zwar, jedoch noch zwei ganze Meilen weit so tief im Moder, daß das Wasser hinter dem Schiffe von der blauen Schlammerde ganz dick und bläulich aus·sah.
Alle Seefahrer bezeugen einmütig, daß hier das Wasser jelänger, desto mehr abnimmt, der Strand immer höher, und die Häfen immer seichter werden.
Dies, sagen sie, hat seit der Zeit, da zuerst Schiffe der ostindischen Compagnie hierher kamen, dermaßen zugenommen, daß jetzt da Morast ist, wo ehemals die Schiffe lagen, und wo sie sich jetzt weit entfernt halten müssen.
Die Nordseite von Java ist die fruchtbarste, die Südseise hingegen sehr gebirgig und unfruchtbarer, das Wasser aber ist allda tiefer.
Zwischen Juana und Japara läuft ein Vorgebirge in die See, bei welchem wir jetzt vorbeisegelten.
Eine von den dasigen Klippen, hat den Namen Teufelsklippe.
Dies rührt daher, weil hier oft Seeräuber sich aufhalten sollen, welche große und kleine Fahrzeuge, die nicht gut bewaffnet sind, oder nicht unter Bedeckung eines bewaffneten Schiffs segeln, angreifen und wegnehmen.
Diese Räuber sind nicht Javaner, sondern kommen von den Küsten von Borneo und den dazu gehörigen Inseln, und können daher nicht ausgerottet werden.
Unsere Fahrt ging ohne einen dergleichen und ohne alle andere Unfälle von Statten; so daß wir am 1sten Junis glücklich wieder zu Batavia ankamen.
Zweiter Abschnitt.
Fernerer Aufenthalt zu Batavia und zweite Reise in das Innere von Java.
Unmittelbar nach meiner Rückkunft wurde mir aufgetragen, als Arzt auf dem außerhalb der Stadt auf der Reede liegenden Schiffe Dienst zu tun.
Zwar werden, sobald ein Schiff ankommt, alle auf demse·lben vorhandene Kranke sogleich nach dem Hospitale in der Stadt gebracht, und eben das geschieht auch nachher, sobald jemand von den hier auf der Reede liegenden Schiffen krank wird; demungeachtet wird noch außerdem beständig ein sogenanntes Krankenschiff gehalten, wozu gemeiniglich ein altes, sonst unbrauchbares Schiff genommen wird, auf welches man diejenigen bringt, welche des Nachts krank werden oder zu Schaden kommen, wenn die Stadttore verschlossen sind.
Dieser Dienst, oder vielmehr diese Nachtwache, geht unter allen zu Batavia sich befindenden Schiffswundärzten der Reihe nach um.
Selten aber verrichten diese sie persönlich, sondern nehmen einen alten Feldsche·r, der nichts zu tun hat, für Geld dazu.
So machte denn auch ich es, und blieb für einen Ducaton von diesem Geschäft frei.
Sogleich in den ersten Tagen meines diesmaligen Hierse·ins, fand ich Gelegenheit, die Bekanntschaft eines wackeren Landsmanns, Herrn Wimmercranz, Ingenieurcapitains im Dienste der holländischen Compagnie, zu machen.
Dieser Mann ist hier für die Compagnie äußerst nützlich, und sehr geliebt und geachtet.
Er erzeigte mir für den Rest meines Aufenthalts viel Gewogenheit und sehr wesentliche Dienste, welches gleich mir, mehrere unserer Landsleute ihm nachrühmen.
Am 19ten Junis, indem ich noch auf ein Schiff warten mu·ßte das nach Ceylon, welche Insel ich zu besuchen Wunsch·e, gehen wollte, machte ich, mit Erlaubnis des Generalstatthalters und in Gesellschaft des Herrn Baron von Wurmb, noch eine kleine Reise in das Innere des Landes, nach dem warmen Bade und den sogenannten Blauenbergen.
Kapit·än Wimmercranz war so gütig, mir sein eigenes Pferd dazu zu überlassen, und der sogenannte Kommissarius über die Eingebo·renen, gab mir auch einen Bedienten mit.
Am ersten Tage kamen wir bis Tanjong, einem Landgute des Herrn Cran, Mitglied des hohen Rat·s.
Die Wege sind hier durch Meilensäulen abget·eilt, doch stehen diese nicht alle gleich weit von einander.
Am folgenden Tage reisten wir des Morgens nach Tjipinong, wo wir zu Mittag aßen, und von da weiter über Tjimangis und Tjiluan nach Buytenzorg.
Dieser Ort, welchen die Javaner Bogor nennen, ist zum Vergnügen des jedesmaligen Generalgouverneurs eingerichtet.
Der Gouverneur Imhof, hat ihn dazu ausgesucht und die Gebäude aufgeführt.
Das Hauptgebäude ist von Steinen, sehr schön und hat zwei Flügel.
Gegenüber steht eine kleine Zitadelle, und dazwischen liegt ein schöner Garten.
Die Entlegenheit dieses Lustschlosses von der Hauptstadt ist aber schuld, daß der Generalgouverneur sich selten hier aufhält.
Den 22 sten kamen wir nach Tjiserva, und weiter über hohe Berge nach Tjipannas.
Diese beiden Orte, so wie auch Pondogede und Arkidomas gehören dem Generalstatthalter, oder vielmehr der holländischen Compagnie.
Wir übernachteten daselbst, und besahen das warme Bad, welches Tjipannas heißt, und der umliegenden Gegend den Namen gegeben hat.
Das warme Bad entspringt beinahe mitten zwischen den hiesigen beiden großen Reihen von Bergen in einem Tale.
Das Wasser ist nicht heißer, als daß man die Finger darin leiden kann.
Es quellt an verschiedenen Stellen hervor.
Über diejenige Quelle, aus welcher das Wasser nach dem Brunnenhause kommt, hat man eine Hütte gebaut.
Das Quelloch selbst ist nicht sehr tief, und das Wasser quellt auch nicht stark heraus.
Die Erde umher ist rostfarbig, und an den Seiten der Einfassung hat sich eine hochgrüne dünne Borke gesetzt, die völlig wie Kupferrost aussieht.
Das zum Gebrauch des Bades eingerichtete Haus besteht aus zwei Teilen.
Das eine Zimmer ist sehr groß; durch dieses wird das Wasser nach dem anderen geleitet; im Boden sind zwei Lu·ken, um das Wasser von dem Unreinen was darinnen ist, zu säubern.
Das andere Zimmer hat eine große viereckige Grotte, die mit Brettern ausgeschlagen, und mit einer Treppe versehen ist.
In dieses Zimmer sind zwei Röhren mit metallenen Zapfen geleitet, aus welchen man während des Badens nach Gutdünken kaltes und warmes Wasser haben und zu beliebiger Höhe steigen lassen kann.
Oben auf dem Wasser sammelt sich eine Rinde, die fast so dick wie ein Pfennig und salzig ist.
Man sagte mir, daß das Wasser, wenn man es zum Trinken brauche, laxiere, und daß es deswegen selten innerlich, sondern meist äußerlich gebraucht werde.
Vor einiger Zeit waren viele Kranke auch aus den Hospitälern von Batavia hierher geschickt, die sich des Bades bedienen sollten; man hatte auch zu diesem Ende hier ein Hospital angelegt, welches nun aber gar nicht gebraucht wird.
Jetzt wohnt hier ein europäischer Bauer, der die Aufsicht über das Bad, und einige dabei liegende Orte hat.
Das hiesige Klima ist sehr gesund und erfrischend.
Die Luft war jetzt sogar, besonders des Morgens und des Abends, nicht nur kühl sondern wirklich recht kalt, so daß ich, da ich keinen Überrock mitgenommen hatte, wirklich für Abendkälte zitterte.
Man sollte es nicht für möglich halten, daß jemand in einem Lande, das beinahe unter dem Äquator selbst liegt, frieren könne.
Hier, um Arkidomas, Tjiseroa, und Pondogede, werden europäische Gartengewächse, als Kohl, Möhren und andere Wurzeln, Grünigkeiten und dergleichen gebaut; auch hat man hier viele europäische Bäume gepflanzt.
Von allen diesen Orten werden wöchentlich dreimal Küchengewächse, Früchte und dergleichen zum Gebrauch des Generalgouverneurs nach Batavia geschickt.
Die Apfelsinen wurden jetzt reif; sie sind schmackhafter als die, welche näher um Batavia wachsen.
Die Javaner sowohl als die unter ihnen wohnenden Chinese·, decken ihre Häuser mit gespaltenen Stücken Bamboholz, die beinahe wie Ziegelsteine übereinander gelegt werden.
Ich lernte hier auch einige Gewächse und deren Gebrauch kennen.
Kadondon nennen die Javaner ein Gewächs, das zu lebendigen Hecken gebraucht wird.
Andewalu heißt ein Rankengewächs mit dreifach geteilten Blättern, das ein gutes Gegengift sein soll.
Aus den beiden Kräutern, Korang garing und Tampal utan machen sie blaue Farbe.
Boa kirai ist eine Frucht, die einen zusammenziehenden und barschen Geschmack hat.
Das Gewächs Tingling mintik wird für ein herzstärkendes und gute Dienste t·u·endes Arzneimittel ausgegeben.
Die hiesigen Javaner erzählen, ( und möchten es auch gar zu gern den Europäern einbilden ), daß auf den tjipannaschen Bergen eine Art Affen ( Orang-Outang ) gefunden werden, die krauses Haar und hinterwärts gekehrte Füße haben.
Indessen hat bisher kein Europäer dergleichen gesehen.
Ich traf hier eine Art Reiher ( Ardea ) an, welche den ostindischen Kranichen ( Antigone ) ähnlich sind, mit weißgelbem Schnabel, nacktem und gelben Halse, kahlem und weißlichem Kopfe, bläulichen Füßen, schwarzgrauen Schwungfedern, schwarzem Rücken, schwarzem Schwanze und weißem Bauche. --
Die Lach-Taube ( Columba risoria ), welche ich in der Gegend des Vorgebirges der guten Hoffnung nie anders als blau gesehen habe, ist hier fast durchgängig von hellerer Farbe, und meh·renteils weiß.
Den 24sten Junis reisten wir über das Gebirge nach Pondogede zurück.
Oben auf den Bergen, die allenthalben mit Wald und Büschen bewachsen sind, stiegen wir ab, ließen unsere Pferde am Wege stehen, und begaben uns noch höher hinauf zu einer der höchsten Spitzen, um daselbst die sehr bekannte Wasserhöhle bei Mehemedon zu bes·eh···en.
Ich fand hier beinahe nordeuropäisches Klima, und unter anderen Gewächsen auch verschiedene Moose ( Muscus ) und Flechten ( Lichen ), die sonst in den wärmsten Ländern Indiens sehr selten, und fast gar nicht anzutreffen sind.
Wir blieben die Nacht zu Pondogede, und reisten am folgenden Tage nach Arkidomas, um einen Ort zu bes·eh···en, der wegen verschiedener aus Stein gehauener kleiner Bilder merkwürdig ist, welche, drei oder vier bei einander, an verschiedenen Plätzen im Walde aufgestellt sind.
Die Japaner halten diese Bilder gar sehr in Ehren, und die Chinese· opfern ihnen.
Unterweg··s sah ich wilde Pfauen im Walde ab und zu fliegen, bisweilen auch wohl sich auf die Zweige setzen, und mit ihren langen, niederhangenden, prächtigen Schwänzen prangen.
Den ganzen Tag hatte der Kommandant einer kleinen Zitadelle uns Gesellschaft geleistet, und zugleich zwei Soldaten mit genommen, die beständig auf kleinen Waldhörnern bliesen, um die Tiger abzuhalten.
Diese Tiere sind hier sehr gefährlich, und schon mancher diese Wege passierende Javaner ist von ihnen zerrissen und verschlungen worden, aber den Laut starker Blase- Instrumente können sie gar nicht vertragen.
Ehe wir aber dahin kamen, ritten wir nach einer Stelle unweit Paditulis, um einen sehr alten Stein zu bes·eh···en, auf welchem eine eingehauene Inschrift befindlich ist, die bisher noch niemand hat lesen oder erklären können.
Der Stein ist ungefähr Mannshoch und etwa zwei Fuß breit.
Die Buchstaben scheinen von der Linken zur Rechten geschrieben zu sein, und machen neunt·halb Zeilen aus.
Den 26sten machten wir wieder einen kleinen Nebenritt nach dem Berge Tjorroton, welcher in mehreren Hinsichten merkwürdig ist.
Er steht ganz isoliert, und beinahe mitten im Lande.
Die Reise dahin nahmen wir hauptsächlich in der Absicht vor, die be- sonder·n Höhlen dieses Berges zu bes·eh···en, worin die chinesischen Schwalben ( Hirundo esculenta ) ihre Nester bauen, welches die bekannten geleeartigen Vogelnester sind, die als große Leckerbissen gegessen werden.
Wir gingen zu Fuß hinauf, und kamen in kurzer Zeit auf den Gipfel.
Jene Höhlen sind eigentlich an der Südseite des Berges und oben ganz bedeckt.
Sie scheinen nicht auf die Art, daß der Berg große Ritzen bekommen, entstanden zu sein, weil man oberwärts gar keine Ritzen sieht; sondern mir kam es vor, daß sie ihren Ursprung dem Verwitter·n· einzelner Teile des Berges zu verdanken haben, weil sie allezeit nach unten gehen und unten Wasser enthalten.
Ich ging in einige dieser Höhlen hinein, und stieg sogar eine gute Strecke auf Leitern von Bamborohr darin hinunter, ohne etwas anders als Gefahr, Dunkelheit und gleichsam Abteilungen in mehrere Gemächer zu finden.
Die Javaner wollten uns nicht erlauben, auch nur ein einziges Nest wegzunehmen, waren aber doch so höflich uns nicht nur einige, die ganz unversehrt waren, zu schenken, sondern uns auch auf unsere Bitte mit zwei solcher Schwalben ein Präsent zu machen.
Diese Schwalben sind klein und ganz schwarz.
Mein Reisegesellschafter und ich wurden bei dem Javanischen Oberhauptmann der Provinz zu Mittag, sehr kostbar bewirtet.
Er, sein Schwager und wir beiden Fremden machten die ganze Gesellschaft aus.
Er verstand das Malayische·, welches wir sprachen, und sprach es auch ziemlich.
Für jeden von uns war das Essen auf kleine porzellanene Teller schon vorgelegt.
Wir bekamen daher von jedem Gerichte zwar nicht viel, dagegen belief sich auch die Anzahl der Gerichte auf neunzig, so daß wir kaum im Stande waren, von allem zu kosten.
Den 22sten ritten wir nach einem Landhause das Herrn Duurkoop zugehört·.
Dies ist ein ungemein schönes Gebäude, und hat einen Turm, welcher wegen eines Echo· merkwürdig ist, das neun Silben deutlich wiederholt.
Von diesem anmutigen Orte kamen wir endlich nach Batavia zurück.
Auf der jetzt beschriebenen Reise sah ich, daß die Chinese· in großer Menge auch in den inneren Gegenden des Landes sich niedergelassen haben, aber doch nicht mit den Javanern zusammen wohnen.
Dies soll ihnen verboten sein, und zwar, um Uneinigkeit und Streit zu verhindern, wozu die Chinese· sehr geneigt sein sollen.
Wenn sie aber die Religion ändern und sich beschneiden lassen, ist es ihnen erlaubt.
Nichtsdestoweniger sind sehr viele von ihnen mit Javanerinnen verheiratet, obgleich die Töchter der Chinese· keinen Javaner heiraten dürfen.
Auch dürfen die Chinese· hier nicht, wie in China, ihre Frauen einsperren oder ihnen die Füße verunstalten.
Die hiesigen Chinese· tragen Pantoffeln mit Hinterleder und dicken Sohlen, die inwendig mit verschiedenen Lagen Hutfilz überlegt sind, damit kein Wasser eindringen, und die Füße nicht naß werden können; diese Pantoffeln sind aber, so wie ihre Stiefeln, die eben so eingerichtet sind, unbequem und schwer.
Während der übrigen Zeit meines hiesigen Aufenthalts, besuchte ich fleißig das Hospital.
In dieser Anstalt werden die Kranken zwar gut behandelt, demungeachtet sterben sie in großer Menge.
Die Anzahl der Verstorbenen hat sich fast jährlich vermehrt, und zwar in den letzten Zeiten vorzüglich dadurch, daß die Kanäle, welche das Wasser durch die Stadt leiten, nicht gehörig rein gehalten werden.
Mit dieser Unordnung geht es so weit, daß die Chinese· nicht nur den Abfall von Grünigkeiten und Gartengewächsen, sondern oft to·tes Vieh in die Kanäle werfen, welches ich nicht selten selbst gesehen habe.
Besonders hat diese schlimme Gewohnheit überhand genommen, seitdem die Vornehmen angefangen haben, Lusthäuser und Gärten vor der Stadt anzulegen, und sogar außerhalb der Stadt zu wohnen.
Aus den Sterbelisten ersah· ich unter anderen das Verzeichnis der im Hospitale von Jahr zu Jahr verstorbenen Europäer.
Ich will es hier vom Jahre 1714 an mitteilen.
Aus diesem Verzeichnisse erhellet, da·ß die Zahl der Verstorbenen beinahe von Jahr zu Jahr zugenommen hat; da·ß diese Zunahme aber besonders nach drei merkwürdigen Veränderungen beträchtlich gewesen ist.
Von 1714 bis 1733. sind die wenigsten gestorben.
Im Jahr 1733. fing man· ·an, außerhalb der Stadt einen Graben oder Wasserleitung nach der Stadt zu ziehen, wobei sehr viele, sowohl Javaner als andere, umkamen.
Von dieser Zeit an ist auch die Anzahl der Verstorbenen allezeit gewachsen.
Im Jahr 1761. machte man den Anfang damit, in das vor der Stadt belegen· Hospital mehr als zweihundert Genesende, außer welchen vorher niemand dahin gebracht wurde, aufzunehmen, und seit dieser Zeit ist die Zahl der Verstorbenen noch höher gestiegen.
Endlich wurde 1775. auf der Reede ein Kranken·schiff eingerichtet, da denn sowohl in diesem als im folgenden Jahre die Anzahl am allergrößten gewesen ist.
Um meinen Endzweck, nach Ceilon zu reisen, zu erreichen, wurde ich auf mein Ansuchen zum ersten Wundarzte auf einem nach dieser Insel bestimmten Schiffe· angenommen, nachdem sowohl Herr Radermacher als mein Wirt·, Doktor Hoffmann, durch das An··erbieten, mir eine vorteilhafte Stelle zu Batavia zu verschaffen, verschiedene Versuche gemacht hatten, die mich wohl hätten reizen können, hier zu bleiben.
Zwar konnte ich die Hitze sehr gut vertragen, und befand mich auch übrigens unter diesem so warmen und für die Europäer so ungesunden Himmelsstriche sehr wohl.
Aber es ist hier doch beschwerlich und sehr lästig seine Geschäfte zu verrichten, und die Liebe zu meinem Vaterlande machte mich gegen alle andere Vorstellungen taub, selbst zu einer Zeit, da ich noch kein Glück für mich in demselben vorhersehen konnte.
Ehe das Schiff seine völlige Ladung eingenommen hatte, stellte ich noch verschiedene botanische Exkursionen um Batavia an.
Unter anderen kam ich nach Jaccatra.
Dies ist ein ziemlich angenehmer Ort, nicht weit von der Stadt.
Es war ehemals die Hauptstadt dieser Insel, und wurde von den Holländer 1619. erobert.
Jetzt wird hier eine kleine Anzahl Soldaten gehalten, um die Zitadelle zu bewachen, und der Ort wird gleichsam wie eine Vormauer für Batavia angesehen.
Ungeachtet es in Batavia schon an und für sich selbst höchst ungesund zu wohnen ist, so sind die Europäer hier doch fast gar nicht darauf bedacht, ihre Gesundheit zu erhalten, sondern sie führen meistens ein unordentliches Leben.
Beim Mittagsessen erhitzen sie das Blut durch Wein und starkes Bier, und nach der Mahlzeit durch Tobakrauchen und ebenfalls durch Wein und starkes Bier.
Um halb drei Uhr legt man sich zu Bette, und hält bis fünf Mittagsruhe.
Der Abend wird in Gesellschaft zugebracht und zwar beim Spieltische und abermals bei starkem Bier und Wein, und mit der den hiesigen Europäern so ganz unentbehrlichen Tobakspfeife.
Gegen halb acht geht man wieder zu Tische, tut eine gute Mahlzeit und trinkt wiederum Wein und starkes Bier.
Nach geendigtem Abendessen zündet man die, nur während der Mahlzeit weggelegte Pfeife, sogleich wieder an, raucht bis elf Uhr, und trinkt Wein und starkes Bier dazu, bis man, von Hitze, Bier und Wein im Kopfe verworren, von Toba·ksrauch halb berauscht, und dabei müde und schläfrig sich endlich zu Bette verfügt, um eines unruhigen Schlafes zu genießen.
Die Portugiesen sind zwar ehe· als andere Europäer, und zwar schon 1510. nach Java gekommen, haben sich da aber nie förmlich niedergelassen.
Nach ihnen kamen die Engländer und bald hernach, 1596. die Holländer.
Auf Java sind drei Hauptreligionen: die heidnische, zu welcher sich die Chinese· und ein T·eil der Javaner; die mohammedanische, zu welcher ein großer T·eil der Javaner; und die christliche, zu welcher die Europäer, und ein T·eil der Javaner, Maleyer und anderer Indier, sich bekennen.
Im ersten Bande habe ich bereits vom Javaschen Handel umständliche Nachricht gegeben.
Hier will ich nur noch das Verzeichnis der Produkte dieses Landes nachholen, welche vornehmlich von dort ausgeführt werden.
Dies sind: Reis, der vortrefflich ist und nach mehreren indischen Ländern zum Verkaufe gebracht wird, und dessen noch mehr sein würde, wenn nicht der sogenannte Reisfresser, ein Vogel aus dem Geschlecht der Kernbeißer ( Loxia oryzivora ), welcher hier in großer Menge vorhanden ist, den Reisfeldern so großen Schaden täte.
Kardamomen von derjenigen Art, die rundliche Samenkapseln hat ( Cardomomum compactum ).
Zucker, welcher als Puderzucker nicht nur nach allen indischen Handelsplätzen, sondern auch nach Europa geht; vor Ankunft der Holländer wuchs hier kein Zuckerrohr, sondern diese haben es hierher gebracht, jetzt wächst es aber in Menge.
Salz, welches nach verschiedenen Ländern in Indien gebracht, und besonders auf den moluckischen Inseln sehr teuer verkauft wird.
Pfeffer, der meist nach Europa kommt.
Vogelnester, die größtenteils zu Kanton, und zwar mit ungemeinem Vorteil, verkauft werden.
Außer der im ersten Bande beschriebenen kupfernen Scheidemünze kursiert hier auch noch eine andere Art: nämlich Pfennige, welche die Compagnie von gewöhnlichem schwedischen Kupfer, und zwar in Europa, schlagen läßt, und hierher schickt.
Es gibt zwei Arten davon, die ganz gleich aussehen, aber an Größe verschieden sind, und zwar so, daß die eine halb so groß als die andere ist.
Die große kommt deutschen und schwedischen Kupferpfennigen gleich.
Auf der einen Seite ist das gewöhnliche Wappen der Compagnie, nebst der Jahrzahl, und auf der anderen das Wappen derjenigen Provinz, welche sie hat prägen lassen, zu sehen.
Der Wert, sowohl der großen als der kleinen, ist noch einmal so groß als er in Europa sein würde, und die Compagnie gewinnt an hundert Prozent dabei. --
Auch sah ich bei den Chinesen und Javanern holländische Dukaten.
Man hatte aber oberwärts mit einem kleinen runden Stempel einige Javanische Buchstaben darauf gedruckt, wodurch sie den Javanern lieb werden und Kurs unter ihnen bekommen.
Vierte Abteilung.
Reise von Batavia nach Ceylon und Aufenthalt daselbst, vom 5ten Julius 1777 bis den 6sten Februar 1778.
Erster Abschnitt.
Beschreibung der Reise nach Ceylon, und Aufenthalt da·selbst, wie auch einiger Reisen in diesem Lande.
Den 5ten Julius 1777 begab ich mich an Bord des Schiffes Mars, um mit demselben nach Ceylon zu gehen.
Ich hatte mich mit verschiedenen Empfehlungsschreiben an den Gouverneur und andere holländische Beamte daselbst versehen.
Zwei Tage darauf lichteten wir die Anker, und entfernten uns bei sanftem günstigen Winde, von Java, einem der herrlichsten Länder in der Welt.
Den 11ten legten wir uns bei Angier vor Anker, um daselbst frisches Wasser zu unserer bevorstehenden Reise einzunehmen.
Auf dieser Reede trafen wir den schwedischen Ostindienfahrer, das Stockholmer Schlo·ß, an, welcher nach China bestimmt war.
Dies·· Schiff wollte sich hier ebenfalls mit Wasser versorgen, und ich hatte bei dieser Gelegenheit die Freude, verschiedene Freunde und Landsleute zu umarmen, unter anderen Kapit·än Pettersen, und die Superzargen Alnoor und Bladh.
Das Wasser, welches hier aus einem ins Meer herabfließenden Bache geholt wird, ist zwar süß und nicht ganz schlecht, aber sehr dick; und dadurch, daß es hier sehr schwer ist an Land zu kommen, und die Tonnen im Wasser ans Land gerollt werden müssen, wird es, wenn man davon holt, noch dicker.
Dies·· Wasser trug auch sehr viel dazu bei, auf der Reise die unter der Mannschaft entstandene Diarrhöe zu unterhalten und zu vermehren.
Wenn man es wagte, ein einziges Glas davon allein zu trinken, ohne Kaffee oder Tee hinzuzugießen, so konnte man darauf rechnen, da·ß bald darauf eine Art Durchfall entstand.
Ich ging mit den Wasserschöpfern ans Land, und fand hier die große Art Pisang, ( Troglodyten- oder Affenmuse, Musa Troglodytarom ) und zwar mit ziemlich deutlichem Sa·men; die Körner waren platt und beinahe so groß als Leinsamen.
Die im Dorfe wohnenden Javaner verkauften sogenannte spanische Rohre in Menge, und die Schweden kauften verschiedene von der besseren Art, wobei ich das Vergnügen hatte meinen Landsleuten, durch Hilfe des wenigen was ich von der malayischen Sprache verstand, zum Dolmetscher zu dienen.
Unsere weitere Fahrt ging mit gutem Winde glücklich von Statten.
Den ersten August passierten wir die Sonne, das ist, wir hatten sie im Scheitelpunkte; den 28sten sahen wir die malabarische Küste, und zwar in der Gegend von Cochin; und segelten hernach längs derselben, namentlich Porca, Ceylon und Kap Komorin vorbei.
Unser Schiff war sehr stark, ich kann wohl sagen, übermäßig beladen, so, daß es gewiß übel daran gewesen wäre, wenn wir heftigen Sturm bekommen hätten.
Die Ursache von dergleichen, und von so manchen anderen Unordnung··, Unannehmlichkeiten und Unglücksf·ällen, ist die ·übertriebene Gewinnsucht der Bedienten der Compagnie.
Der Kapit·än und die sämtlichen Schiffsoffiziere haben das Recht, mit gewissen Wa·ren zu handeln.
Zu diesem Ende wird ihnen ein Raum von gewissen Lasten im Schiffe zugestanden.
Aber unter Vorwand dieses Rechts, nehmen sie, um desto mehr zu gewinnen, noch einmal so viel von solchen Waren mit als dieser Raum fa·ßt; um so viel mehr wird denn aber auch das Schiff über die Gebühr belastet.
Besonders sind es der Kapit·än und der Obersteuermann, die sich dies eigenmächtig herausnehmen.
Die Handelswaren, welche diesmal von Privatpersonen auf jene Art mitgenommen wurden, bestanden in einer Menge Reiße, Puderzucker ( Kochzucker ) und Ar·a·k.
Am 22sten August bekamen wir die Insel Ceylon zu Gesicht, und langten am folgenden Tage schon auf der dasigen Rede an.
Aber hier fehlte wenig, daß wir nicht durch die Ungeschicklichkeit und Furchtsamkeit des Kapit·äns Schiffbruch litten.
Indem wir mit dem Senkblei in der Hand weiter segelten, und uns deshalb ganz sicher glaubten, sahen wir uns mit einem Male ganz nahe an den Sandbänken, welche in dem Kanal liegen, der die Insel vom festen Lande trennt.
Schon war das Schiff einer Sandbank so nahe, daß wir glaubten, es würde im nächsten Augenblick darauf festsitzen, als der Untersteuermann, ein rascher und unternehmender Seemann, wie er die sichtbare Erschrockenheit und Mut·losigkeit des Kapit·äns bemerkte, das Kommando nahm, und eine Wendung machen ließ, wodurch das sehr tief gehende Schiff innerhalb wenig Minuten in tieferes Wasser gesetzt, und wir alle der Gefahr glücklich entrissen wurden.
Am folgenden Tage kam von Europa das seeländische Schiff Wilhelm der Fünfte, und einige Tage nachher das Schiff Loo von Amsterdam, allhier an.
Sobald wir die Anker geworfen hatten, schickte ich meine Empfehlungsschreiben nach Columbo, und eilte bald darauf selbst ans Land.
In der Stadt machte ich zuerst dem Gouverneur Falk die Aufwartung.
Dieser Herr ist ein gelehrter und verständiger Mann, und zugleich der uneigennützigste von allen Beamten der Compagnie, die ich kenne.
Er ist auf Ceylon geboren, und hat zu Utrecht studiert.
Der Generalgeuverneur van der Parra, hat ihn zu diesem Dienste befördert, dessen er sich auch in jedem Betrachte völlig würdig bezeigt.
Außer vielen anderen, die mir hier Freundschaft erwiesen, muß ich vorzüglich Herrn van Sluysken rühmen.
Man nennt ihn hier gewöhnlich Capitain Kaneel ( Zimmt-Capitain ), weil alle, die den Kaneel ( oder Zim·t ) schälen und liefern, unter seinem Befehl stehen.
Bei diesem war ich gewöhnlich zwei bis dreimal in der Woche zu Gaste, und fand bei ihm allemal eine muntere Gesellschaft.
Ferner machte ich hier die Bekanntschaft zweier würdiger Landsleute, Baron von Albedyl, der Offizier bei der hiesigen Garnison war, und Herr van Keulen, eigentlich Kjellin, welcher sich hier als Bürger niedergelassen hatte, und ausgebreitete, einträgliche Handlung auf der Küste Koromandel trieb.
Auch lernte ich einen alten braven Mann, Kapit·än Höpner, kennen, der in seiner Jugend als Matrose auf einem Kauffahrteyschiffe aus Schweden gegangen war, und auf dieser Reise in einem Gefechte mit einem türkischen Seeräuber· durch eine Kugel den einen Daumen verloren hatte, hernach aber im Dienste der holländischen Compagnie von unten auf, bis zum Kapit·än gestiegen war, ein Glück, das er besonders seinen Kenntnissen und Geschicklichkeiten als Artillerist und Feuerwerker verdankte.
Dieser biedere Mann verstattete mir nicht nur als einem guten Freunde und Landsmann in seinem Hause freien Zutritt, sondern bot mir auch Wohnung und Tisch an, so lange ich mich hier aufhalten würde.
Ich nahm dies Anerbieten aber nicht an, sondern blieb lieber in dem gewöhnlichen Wirt·shause, um desto weniger eingeschränkt zu sein, wenn ich Reisen, oder, zu Vermehrung meiner Naturaliensammlungen, Spaziergänge würde anstellen wollen.
Columbo, die Hauptstadt des holländischen Handels auf dieser Insel, ist ein großer und schöner Ort, rund umher mit Wällen umgeben, und sehr stark befestigt.
Der Palast des Statthalters ist nur ein Stockwerk hoch, aber ein ungemein schönes Gebäude; vor demselben läuft eine Galerie hin, auf welche alle längst der Fronte belegen· Zimmer einen Ausgang haben, und wo sich_es angenehm und kühl sitzen lä·ßt.
Die Luft ist zwar hier eben so heiß als zu Batavia; aber da die Küste selbst nicht so niedrig liegt, sondern das Land höher ist, auch der Wind mehr wehet, so ist die Hitze doch viel erträglicher und das Klima gesunder.
Zu Columbo war es mein Hauptgeschäft täglich in der umliegenden Gegend herumzuwandern, und im Schweiße meines Angesichts die Naturprodukte des Landes zu sammeln, unterdes· meine Reise·gefährten ihre Waren im Wirt·shause auskramten und ihr Gewerbe auf eine weit einträglichere Art trieben.
Auf meinen Wanderungen hatte ich einen Ceyloner oder Cingaleser bei mir, den mir der Gouverneur verschafft hatte.
Dieser war ein, nach Landesart geschickter, Arzt, sagte mir allezeit die ceylonschen und malabarischen Namen der Gewächse, und beschrieb mir die Art, wie sie gegen diese und jene Krankheiten gebraucht würden.
Seine medizinischen Kenntnisse waren indessen sehr geringe; und seine Äußerungen darüber nicht selten so ungereimt, daß ich von dieser Seite nicht viel von ihm lernen konnte.
Der Verfasser gebraucht die Benennungen Ceyloner und Cingaler oder Cingaleser, ceilonisch und eingalesisch ohne Unterschied, die eine für die andere.
Eigentlich heißen aber die südlichen Einwohner Cingale·ser, und die nördlichen Wadas.
Unter anderen besuchte ich das nicht sehr weit von der Stadt belegen· Landhaus des Gouverneurs, das den Namen Pa·ß führt.
Das Lustschlo·ß ist schön und hat einen großen Garten, wo man seit einigen Jahren eine Plantage von Kaneelbäumen angelegt hat.
Im Anfange des Novembers machte ich eine Reise von Columbo nach Mature, in Gesellschaft mit Herrn Frobus, der in Geschäften der Compagnie dahin reisen mu·ßte, um in Barbarei, Gale und Mature Kaneel einpacken zu lassen, während Herr Sluysken nach Negumbo ging, um das Einpacken und Absenden des Kaneels mit den nach Europa zurückkehrenden Schiffen von dort aus zu besorgen.
Die Reise geschah in einem Palankin.
Der Weg war an vielen Stellen sandig und beschwerlich, lief immer längst dem Strande und ging über Panture, Kalter·, Barbarei, Weltotte, Amlagotte, Hekkede und Gale, welches zusammen siebzehn Meilen beträgt; ferner über Belligamar, fünf Meilen, von da wir bis Mature noch viereinhalb Meilen hatten.
Über die Flüsse gehen hier keine Brücken, sondern man mu·ß in B·öten überfahren.
Diese Böte sind nur klein; ihrer werden daher drei zusammengebunden, und mit Brettern belegt, daß eine Art schwimmender Brücke daraus wird.
Die Flüsse sind von ansehnlicher Breite, und sehr tief, auch oft sehr reissend.
An der Landstraße sind auf Kosten der Compagnie verschiedene Häuser angelegt, worin man ausruhen und die Nacht zubringen kann.
Einige dieser Häuser sind groß und schön.
Zu unserer Ankunft waren die Fußboden der Zimmer mit Leinewand belegt; auch hatte man die Stühle und Tische mit einem solchen Überzuge versehen.
Die Zimmer selbst hatte man mit allerlei schönen und prächtigen Blumen geschmückt.
Vor dem Hause waren verschiedene hölzerne Pfeiler errichtet, die man mit jungen Kokosblättern bekleidet, mit Blumen geziert und oben darüber Leinewand ausgespannt hatte.
Als wir vor dem Hause ankamen, wurde ein Stück Leine·wand auf die Erde ausgebreitet, und der Tragsesse··l auf dasselbe niedergesetzt.
Darauf wurde bis an die Haustür ebenfalls ein Laken gelegt, über welches wir nach dem Hause gingen.
Diese Ehrenbezeugungen wi·derfahren den Europäern gewöhnlich, wenn sie in Angelegenheiten und Geschäften der Compagnie reisen.
Den 4ten waren wir abgereist.
Am folgenden Tage langten wir zu Kalter· an; dies ist eine Festung, in welcher ein L·eut·nant kommandiert.
Nachmittags kamen wir nach Barbarei.
Hierher wird der Kaneel aus der ganzen umliegenden Gegend geliefert.
Zur Aufbewahrung desselben sind hier vier, von Steinen erbaute Warenhäuser vorhanden, in welchen zugleich das Kair, eine Art Zeug von Kokosfasern, verfertigt wird.
Im Hafen vor der Stadt, können die Schiffe, welche hier Kaneel laden, sicher vor Anker liegen.
Am 7ten setzten wir die Reise weiter fort, und kamen am 8ten des Abend zu Gale an.
Dies ist eine schöne, gut befestigte Stadt, die auf einem in die See schießenden Vorgebirge liegt.
Das Trinkwasser in dieser Stadt, ist in medizinischer Rücksicht merkwürdig.
Es blähet nämlich den Unterleib sehr auf und veranlaßt, allem Ansehen nach, auch die sogenannte malabarische Krankheit, welche die Hoden und die Füße befällt und hier in dieser Stadt sehr gewöhnlich, außer derselben aber selten ist.
Den 13ten November traten wir die Rückreise von Mature an, trafen Tages darauf zu Gale ein, reisten den 16ten von da wieder ab, und kamen am 19ten nach Columbo zurück.
Nicht lange hernach, den 7ten Dezember machte ich abermals eine Reise von Columbo nach Mature, und zwar auf Ersuchen des Gouverneurs, um als Arzt die Gemahlin des Grafen Ranzow zu besuchen, die an einer schweren langwierigen Krankheit da·nieder lag.
Graf Ranzow war Chef des Konto·rs der Compagnie zu Mattsure.
Während der wenigen Wochen, die ich hier zubrachte, erwies er mir viel Güte und Wohlwollen.
Ich reiste Tag und Nacht, von zwölf raschen Mohren getragen, welche die ganze Reise aushielten, ohne auszuruhen, so, daß ich in dreimal vier und zwanzig Stunden an Ort und Stelle kam.
Zu Mature machte ich tägliche Exkursionen, besonders um die auf Ceylon vorhandenen Edelsteine, welche hauptsächlich in dieser Gegend aus der Erde gegraben werden, nach ihren verschiedenen Gattungen, desgleichen die Art, wie sie aufgesucht, bearbeitet und gebraucht werden, genau kennen zu lernen.
Von diesen Steinen schaffte ich mir eine Sammlung an.
Den 20sten Dezember reiste ich nach Columbo zurück, und traf dort, am Abend vor Neujahr, glücklich wieder ein.
Ein junger Graf Ranzow, der mit einem holländischen Schiffe als Constabel aus Europa hierher gekommen war, und seinen Bruder besucht hatte, reiste mit.
Dieser junge Herr, der von ungemein hitzigem Temperamente war, hatte zugleich das Unglück, an den Füßen gebrechlich zu sein.
Demungeachtet focht er gut und hurtig, und war trotz seiner schiefen Beine und krummen Füße ein vortrefflicher Tänzer.
Nach Neujahr kamen, wie jedes Jahr zu geschehen pflegt, drei Abge·sandte vom Kaiser zu Candy in Columbo an.
Sie wurden, im Namen der Compagnie, von Abgeordneten, bei Situwaka empfangen, bewillkomm·t und nach der außerhalb der Festung liegenden Altstadt begleitet, wo sie die für sie bestimmte Wohnung bezogen, und bis zum Audien·ztage blieben.
Den 7ten Februar ging die Gegen Ambassade der Compagnie an den Kaiser von Columbo ab; sie pflegt aus einem Kaufmann und zwei Assistenten zu bestehen.
Um diese Zeit wurde auch mit vieler Pracht und Festlichkeit die Installierung des neuen Generalgouverneurs zu Batavia hier gefeiert.
Die öffentlichen Friedensbezeugungen darüber bestanden in Losbrennung des Geschütz·es von den Wällen der Festung, und von den Schiffen im Hafen.
Am Abend gab der Statthalter eine große Mahlzeit und einen Ball, zu welchem alle Beamte der Compagnie, alle Schiffsoffiziere und das vornehmste Frauenzimmer eingeladen waren.
Auf der malabarischen Küste waren einige Mi·ßhelligkeiten entstanden, welche den hiesigen Gouverneur nöt·igten, einige Truppen nach Cochin zu schicken.
Da man mit Ausrüstung derselben beschäftigt war, so fragte mich der Gouverneur, ob ich bei dieser Gelegenheit eine Reise nach dem festen Lande von Ostindien machen wollte?
Weil ich aber schon zu Batavia den Entschluß gefaßt hatte, nun endlich wieder nach Europa zurückzukehren, und das Schiff, mit welchem ich hierher gekommen war, und zu welchem ich gehörte, schon segelfertig lag, um nach Europa zu gehen, schlug ich dies Anerbieten aus, und erbat mir dagegen die Erlaubnis, mit einem anderen Schiffschirurg·· zu tauschen, noch einen Monat auf dieser herrlichen Insel zu bleiben, und mich auf einem von denjenigen Schiffen, welche im Februar von hier absegeln sollten, an··stellen zu lassen, welches mir auch bewilliget wurde.
Während meines solchergestalt hier verlängerten Aufenthalts, nahm ich, in Gesellschaft der Herren Sluysken und Conradi, eine kleine Reise nach Negumbo vor; den 17ten Februar reisten wir ab, und am folgenden Tage kamen wir daselbst an.
Negumbo ist ein kleiner befestigter Platz, den man mit Wällen umgeben, und mit einem steinernen Thorgebäude versehen hat, und wo ein Fähnrich Kommandant ist.
Unterdessen daß hier eine Menge Kaneel eingepackt wurde, reiste ich, von einem Ceyloner begleitet, zu Pferde etwas landeinwärts, um die in diesem Bezirke angelegte große und merkwürdige sogenannte Elephantenfalle zu bes·eh···en, wovon ich unten an seinem Orte mehr sagen werde.
In der folgenden Nacht, da es angenehm kühl war, ritt ich nach Negumbo zurück, und den 20sten Januar traf ich mit meinen Reisegefährten wieder zu Columbo ein.
Hier kaufte ich für zwölf Pagoden einen Bezoarstein, der für sehr rar, und für den größten der von dieser Art je in der Gallenblase des weißbärtigen Affen ( Simia Silenus ), gefunden sei, ausgegeben wurde.
Dieser Stein heißt hier gewöhnlich Apesteen ( Affenstein ), und ist auswendig glatt.
Das hier gedachte Exemplar wird jetzt in der akademischen Mineraliensammlung zu Upsala aufbewahrt.
Kurz vor meiner Abreise aus Ceylon fand ich zufälligerweise Gelegenheit einem meiner Landesleute in Columbo sehr nützlich zu werden.
Ich hatte schon verschiedenemal, wenn ich bei den Schildwachen am T·ore vorbeygieng, bemerkt, daß ein gewisser Soldat, indem er das Gewehr vor mir präsentierte, welches vor jeden Schiffsoffizier geschieht, mich mit besonderer Aufmerksamkeit ansah.
Dies veranlaßte mich· ihn zu fragen, was für ein Landsmann er sei.
Er antwortete mir, er sei ein Schwede, und heiße Bolin; er sei Notarius ( Sekret·är ) in einem Kollegium zu Stockholm gewesen; habe eines gehabten Unglücks wegen sein Vaterland verlassen müssen, sei darauf als Soldat auf ein holländisches Schiff gegangen, und habe hier mehrere Jahre zugebracht, ohne irgend weiter befördert zu sein.
Sobald ich mich nach ihm näher erkundigt und erfahren hatte, daß er eine gute Hand schreibe, etwas vom Buchhalten verstehe, und Lust habe nach Batavia zu gehen, bat ich mir für ihn vom Gouverneur die Erlaubnis hierzu aus, welcher sie auch sogleich ert·eilte.
Ich gab ihm Empfehlungsschreiben an die Herren Radermacher und Wimmercranz mit.
Er kam glücklich zu Batavia an, wurde von Herrn Radermacher sogleich zum Assistenten, und bald hernach zum Buchhalter ernannt.
Kapit·än Wimmercranz nahm ihn in sein Haus auf, und erzeigte ihm, so lange er lebte, die größten Wohlt·aten.
Zweiter Abschnitt.
Zoologische Merkwürdigkeiten, besonders vom Elefanten.
Die Ochsen, welche man in Ceilon hat, sind sehr klein und mager; manche waren nicht viel größer als in Europa ein Kalb von zwei Monaten.
Sie werden vor Karren gespannt.
Die Elefanten werden hier in großen Fallen, wenn man diese Anstalten so nennen kann, gefangen.
In einer solchen Falle fängt man ihrer viele nacheinander, und schließt sie zusammen darin ein.
Ich habe oben erzählt, daß ich nach einem Orte, wo eine solche Falle angelegt ist, hinreiste, und sie besah.
Die Falle ist von starken Kokosbäumen gebaut, und zwar beinahe in Gestalt eines Dreiecks, dessen Basis oder breite Seite nach dem Walde hinsieht, und zugleich mit einzeln stehenden Bäumen und Büschen besetzt ist, die sich immer weiter ausbreiten, und zwei lange, endlich ganz unmerkliche Arme bilden.
Da wo dieselben an der Falle nahe zusammen kommen, stehen zu beiden Seiten, nach außen, starke Pfähle dicht bei einander, auch sind starke Stricke angebracht.
Endlich kommen sie so nahe zusammen, daß nur ein einziger Elefant sich durch die Öffnung durchdrängen kann.
Wenn der Gouverneur für die holländische Compagnie eine Elephantenjagd anstellen lä·ßt, welches nach Verlauf gewisser Jahre geschieht, so wird es auf folgende Art gemacht.
Eine Menge Leute, sowohl Europäer als Ceiloner, werden in die Wälder detaschi·rt, ungefähr eben so, als wenn man in den nördlichen Ländern von Europa auf ein Treibjagen ausgeht.
Die Leute verteilen sich in einen weiten Kreis, und umringen einen gewissen Bezirk, wo man zuvor Elefanten ausgespürt hat.
Darauf kommen sie immer näher, und treiben die Elefanten durch vieles Lärmen, Geschrei und Trommeln immer näher nach der Seite hin, wo die Falle für sie angelegt ist.
Endlich werden Fackeln angezündet, um sie noch mehr zu schrecken und zu zwingen, daß sie in die Falle hinein müssen.
Sobald sie alle darinnen sind, wird die Falle hinter ihnen zugemacht.
Als das letztemal auf diese Art gejagt wurde, betrug ihre Anzahl über hundert; die vorhergehendenmale hat man bisweilen mehr als hundert und dreißig bekommen.
Die so gefangenen Elefanten werden hernach größtent·eils zu Jafnapatnam an die coromandelschen Fürsten verkauft.
Die erste Sorge ist daher, sie aus der Falle zu führen und zu zähmen.
Zu diesem Ende werden ein oder zwei zahme Elefanten an die Seite der Öffnung gestellt, durch welche jeder Elefant allein herausgelassen, und darauf sogleich mit starken Stricken neben den zahmen fest angebunden wird, die ihn denn mit ihren Rüsseln so lange züchtigen, bis er auch zahm wird, und mit sich nach Gefallen umgehen lä·ßt.
Dies geht oft sehr geschwind, manchmal werden nur einige Tage dazu erfordert, besonders wenn die wilden zugleich durch Hunger gebändigt werden.
Wenn dies geschehen ist, werden sie besichtigt und gemessen.
Zu dem Ende werden sie auf einen mit Korallensteinen ganz eben belegten Platz gebracht.
Das Messen verrichtet ein Mann, der auf einem zahmen Elefanten reitet, mit einem Maßstabe, der nach Covidos eingeteilt ist.
Drei Covidos sind so viel als zwei Ellen, und gemeiniglich mi·ßt ein Elefant von der Erde bis zum Schulterblatt zehn Covidos, das ist ·ungefähr vierzehn Fuß.
Nach dem Messen wird der Elefant überall genau besichtigt und untersucht, und, nächst der Größe auch jeder etwa vorgefundene Fehler, Gebrechen oder Schaden, schriftlich angemerkt, und der Preis festgesetzt.
Im Durchschnitt gilt ein zahmer Elefant ungefähr zweihundert Taler.
Hat er aber einen Fehler, zum Beispiel, wenn er den Schwanz verloren hat, ein Ohr in Stücken gerissen ist, an den Füßen ein Zehe fehlt, oder was es sonst für ein Schaden sein mag, so werden für jeden Fehler, je nachdem er von mehr oder weniger Belang ist, fünfzig, sechzig bis achtzig Taler abgerechnet.
Da es sehr selten ist, einen Elefanten zu finden, der gar keine Mängel hat, so pflegen die Fehlerfreien für fünf hundert bis tausend Taler verkauft zu werden.
Wenn eine Auktion angestellt wird, so tun gewöhnlich zwei, drei oder mehrere Leute sich zusammen, und kaufen gemeinschaftlich fünfzig, sechzig, achtzig bis hundert Elefanten, die sie hernach einzeln mit ansehnlichem Gewinn wieder verkaufen.
Vor dem öffentlichen Verkaufe werden die Elefanten am Hinterteile mit dem Wappen der Compagnie bezeichnet: das Tier wird zu dem Ende an einen starken Baum gebunden, und mit einem glühenden Eisen gebrannt.
Der Elefant ist unstreitig eins der verständigsten und sanftmütigsten Tiere, das sich seiner Größe ungeachtet sehr leicht zahm machen und zu mancherlei nützlichen Diensten abrichten lä·ßt.
Wenn er gedrängt, geängstigt und gepeinigt wird, weint er fast wie ein Kind.
Wenn er zahm ist, lernt er in kurzer Zeit verstehen, was man zu ihm sagt.
Gerät· er in Gefangenschaft, so wird er von Gram und Betrübnis abgezehrt, besonders wenn er schon zahm war und einen guten Herrn hatte.
Bei einer solchen Jagd, als ich oben beschrieben habe, trägt es sich oft zu, daß zahme Elefanten, die dem Kaiser zu Candy gehören, und welche man frei umher gehen lä·ßt um in den Wäldern zu weiden, mit anderen gefangen werden.
Alsdann kann man sie in der Falle selten dazu bewegen, irgend etwas Nahrung zu sich zu nehmen, ehe die Leute ankommen, die gewohnt sind, ihrer zu warten; diese kennen sie sogleich, und sie gehen auch, sobald sie frei gelassen sind, von selbst mit ihnen.
Die Elefanten fressen sehr gern Pisangfrüchte und Kokosnüsse, man mag sie ihnen entzwei geschlagen oder ganz geben; im letzteren Falle wissen sie sie selbst aufzumachen.
Die Jungen saugen mit dem Maule nicht mit dem Rüssel.
Verschiedene von Herrn Sluysken angestellte Versuche haben es ausgewiesen, daß das tägliche Getränk dieses Tieres gewöhnlich sechzig Kannen Wasser beträgt.
Die zahmen Weibchen werden bisweilen dazu gebraucht, wilde Elefanten zu fangen.
Man lä·ßt sie alsdann in den Wald gehen, und sie locken wilde Männchen mit sich in irgend eine Falle, wo sie eingeschlossen werden können.
Auf diese Art gefangene männliche Elefanten sah ich verschiedenemal an einen dicken Baum gebunden, und in wenig Tagen zahm gemacht.
Diejenigen männlichen Elefanten, welche von den Holländern dazu gebraucht werden, die wilden zu züchtigen und zahm zu machen, nennen sie gewöhnlich Zeelverkoopers ( Seelenverkäufer ).
Ist ein Elefant einmal gut zahm, so lä·ßt er sich sogar von Kindern regieren, und t·ut nicht leicht einem Menschen etwas zu Leide, es wäre denn, daß man ihn ··mißhandelt und dadurch zur Rache gereizt hätte.
Ich habe oft gesehen, wie der Elefant das eine Bein krumm macht, damit der Reuter da hinauf treten und so bequemer auf den Rücken steigen könne, und wie er mit dem Rüssel kleine Knaben sehr behutsam umfasset und aufhebt, um sie auf seinen Rücken zu setzen, auch wie er sie hernach eben so vorsichtig wieder herunter nimmt.
Die holländische Compagnie gebraucht sie überall zum Fortbringen von Balken und anderen schweren Sachen, wie auch vor Wagen und großen Karren.
Wenn man ihn vorspannt, so bindet man ihm erst ein dickes Seil um den Hals, und an dieses Seil zu beiden Seiten einen anderen dicken Strick, der längs dem Rücken heruntergeht, und am Wagen befestigt wird.
Spannt man zwei Elefanten neben einander vor, so bringt man zwischen ihnen eine starke Stange an.
Wenn der Elefant geht, sieht man deutlich, daß er die Knie beugt, obgleich das ganze Bein allenthalben gleich dick ist, und unbiegsam zu sein schein·t.
Sein Rüssel ist nicht nur eine vorzügliche Zierde dieses majestätischen Tieres, sondern auch eines seiner nöt·igsten Werkzeuge, womit es seine Nahrung sammelt, trinkt, und alles faßt; er ist daher auch des Rüssels wegen sehr besorgt; so kann er zum Beispiel durchaus nicht leiden, daß eine Ameise daran kommt, deren es hier eine große Menge gibt.
Die Elefanten werden hier zu Lande niemals oder doch sehr selten geschossen, weil man sie lieber lebendig fängt; daher findet man hier auch keine vorzügliche Elephantenschützen.
Vor nicht gar langer Zeit hatte man ein trächtiges Weibchen an einen Baum gebunden, und so mit gewöhnlichen Büchs···en nach ihr geschossen, um das Junge, in Ar·a·k gelegt, für das Naturalienkabinett nach dem Haag zu schicken.
Allein man hatte dreizehn Schüsse tun müssen, ehe das Tier gefallen war.
Da·ß aber doch bisweilen nach den wilden Elefanten in den Wäldern geschossen wird, scheint folgender Vorfall, den Herr Frobus mir erzählte, zu beweisen.
Er wollte einst den Zahn eines gefangenen Elefanten durchsägen lassen, und man fand inwendig im Zahne eine gewöhnliche bleierne Kugel, die sich darin festgesetzt hatte, und mit der Zeit so über- und umwachsen war, daß man auswendig nicht das geringste Merkmal davon gewahr werden konnte; er schickte hierauf diesen merkwürdigen Zahn im Jahr 1765 nach dem Haag in die dortige Sammlung.
Da die ceylonschen Elefanten sich so leicht fangen und zähmen lassen, so ist es auffallend, daß dies bei den afrikanischen Elefanten am Kap so viel Schwierigkeiten macht.
Kurz vor meiner Abreise vom Kap, im Jahr 1775 hatte man ein Junges lebendig gefangen, nachdem die Mutter to·t geschossen war; es glückte aber nicht, das Junge groß zu ziehen; es brauchte zu seinem Unterhalte täglich die Milch von drei Kühen, war aber doch nicht am Leben zu erhalten.
Auf Ceylon, besonders um Negumbo, sind viele Ameisenfresser oder Ameisenbären ( Myrmecophaga ).
Die Holländer nennen sie negumbosche Teufel, und die Cingaleser Kabal·e.
Das Fleisch dieser Tiere wird den Kranken als ein Arzneimittel zu essen gegeben.
Die Einwohner wissen mit einem Messer ein Loch durch seine Schuppen zu bohren, da sie ihn denn nach Belieben regieren können, weil die Spitze des Messers, das im Loche festgehalten wird, ihm Schmerzen verursacht.
Die Ceylon·sche Meerkatze, oder der weißbärtige Affe ( Simia Silenus ) heißt in der Landessprache Rollewai.
Sie lassen sich leicht zahm machen, daher man dergleichen Meerkatzen häufig in den Häusern antrifft.
Wenn sie einen Bekannten sehen, springen sie ihm sogleich entgegen, umarmen ihn, machen eine gar freundliche Gebärde, und bezeugen ihre Freude mit einer besonderen Art Geschrei, das sehr hell klingt.
Sie sind von Natur sehr sanft, und beißen nicht leicht, wenn sie nicht zu sehr gereizt werden.
Wenn man ein Kind küsset und streichelt, so will dieser Affe es auch tun; sieht er hingegen daß man ein Kind schlägt, so winselt und schreiet er auf eine jämm·erliche Art, und ließe man ihn los, so würde er gewiß den, welcher das Kind schlägt, anfallen.
Sein Gang ist mehr Springen oder Hüpfen, als Laufen, weil seine Hinterfüße länger als die Vorderfüße sind.
Er iss·t allerhand Früchte und Gartengewächse, als Kokosnüsse, Äpfel, Birnen, Kohl, Kartoffeln, auch Brot und dergleichen mehr.
An seinem langen Schwanze, der länger als der ganze Körper ist, ist er sehr empfindlich.
An Größe gleicht er ungefähr dem Gespenstt·iere ( Lemur ), doch ist er auch wohl etwas größer.
Der Leib ist über und über hellgrau, wiewohl die Farbe bisweilen mehr ins Schwarze, bisweilen, besonders wenn das Tier alt wird, mehr ins Weiße fällt.
Das Gesicht ist schwärzlich und ohne Haare.
Der Bart im Kinne und den Backen, ist weiß und zurückgebogen; am Kinne und der Oberlippe ist er kurz, an den Backen aber über einen Zoll lang und gegen die Ohren hinaufgekehrt, die davon vorn etwas bedeckt werden.
Hände und Füße sind schwärzlich und nackt, die Nägel lang und stumpf.
Der Daumen und der große Zehe ist von den übrigen Fingern und Zeh·n abgesondert und kurz.
Das Ges·äß hat harte Schwielen, die nicht mit Haaren besetzt sind.
Der Schwanz ist rund und behaart; so lang er auch ist, kann das Tier doch damit nichts fassen, noch sich an den Zweigen der Bäume fest halten; gegen das Ende wird er dünner.
Die Ohrzipfel sind rund, fast ganz nackt und schwarz.
Wenn das Tier sich setzt, hält es allezeit die Hände kreuzweise über einander.
Ich nahm bei meiner Abreise eine solche Meerkatze mit mir an Bord, war aber nicht im Stande· sie lebendig zu erhalten, sondern sie starb, als wir in die kälteren Gegenden des Vorgebirges der guten Hoffnung kamen.
In Ceylon findet man eine eigene Art Eichhorn ( Sciurus ceilanicus ), das von den Einwohnern Rockia oder Ruckia genannt wird.
Auf dem Rücken und an den Seiten ist es schwarz, unterm Bauche gelblich.
Der Schwanz ist auch schwarz, und länger als der ganze Körper.
Von Größe ist es wie eine Katze, aber schlanker.
Es lä·ßt sich leicht zähmen, und man findet dies·· Tierchen auch in vielen Häusern zahm.
Ehe Pennant diese Gattung des Eichhorns beschrieb, war sie in Europa gänzlich unbekannt.
Stachelschweine ( Hystrix ) halten sich in den Wäldern häufig auf.
Die Holländer jagen dies Tier oft mit Hunden, da denn den Hunden, wenn sie allzu hitzig darauf losgehen, die scharfen Stacheln im Leibe sitzen bleiben, so daß sie nicht selten das Leben dabei einbüßen.
Das Stachelschwein macht seine Wohnung in der Erde und der Eingang zu seiner Höhle ist nicht größer, als daß ein mittelmäßig großer Jagdhund hineinkriechen, und das Tier durch eine andere Öffnung derselben Höhle hinausjagen kann.
Die Art, wie es für seine Jungen Wasser holt, ist merkwürdig.
Die Stacheln am Schwanze sind hohl und am Ende offen, und es kann sie beugen.
Hierdurch ist es im Stande, sie mit Wasser anzufüllen, das es hernach in seiner Höhle für die Jungen herauslaufen lä·ßt.
Wenigstens hat man mir so erzählt.
Im Magen dieses Tieres findet man oft Bezoarsteine, die man hier zu feinem Pulver zerreibet und in allerhand Krankheiten braucht.
Diese Steine bestehen aus sehr feinen Haaren, die sich mit den Säften des Magens fest zusammengesetzt haben, und zwar schicht- oder lagenweise in der Runde über einander, so daß sie aus mehreren Ringen von ungleicher Farbe bestehen.
Ich habe sie gewöhnlich von der Größe eines Hühnereyes gesehen, aber doch auch eins, das so groß als ein Gänseey, kugelrund und ganz braun war.
Gemeiniglich sind sie nicht ganz rund, wie·wohl sie auch nicht spitz zugehen.
Man hat in diesem Lande viele zahme Schlangen.
Die sogenannten Schlangenbeschwörer, welches Malabaren sind, ziehen damit umher, und lassen sie für Geld tanzen und allerhand Künste machen.
Diese Leute streicheln sie, nehmen sie in die Hand und nötigen sie auch wohl zu beißen.
Wenn sie mit einer kleinen Pfeife pfeifen, heben die Schlangen den Kopf in die Höhe und drehen ihn nach einem gewissen Takte hin und her.
Dergleichen Schlangenbeschwörer durchstreichen das Land eben so, als in Europa die Leute, welche Bären, Murmeltiere, Affen und dergleichen für Geld sehen und ihre Künste machen lassen.
Skorpionen hat Ceylon in sehr großer Menge.
Man hört indessen doch selten von Unglück, das sie verursachen.
Wenn es geregnet hat, sieht man sie, so wie auch die indianischen Asseln ( Scolopendramoisitans ), aus ihren Löchern hervorkommen, und haufenweise in die Häuser kriechen, wo man die Türen der Hitze wegen gewöhnlich offen stehen läßt.
Blutigel ( Hirudo ) sind in den Wäldern, besonders oben an den Bergen, in Menge anzutreffen.
Sie sind rot·braun, von der Dicke eines Eisendra·hts, und einen Zoll lang.
Wenn man da, wo sie sich aufhalten, geht, so setzen sie sich sogleich an den Füßen fest, und saugen das Blut aus, wenn man auch zwei baumwollene Strümpfe übereinander an hat.
Graf Ranzow erzählte mir, ein Europäer, an welchem einmal ein solcher Blutigel sich festgesogen, hätte ihn abgerissen, daraus sei ein arger Beinschade entstanden, und da dieser schlecht kuriert worden, habe der Mann das Leben darüber eingebüßt.
Die Perlenfischerei wurde vor diesem in dem zwischen der Insel und der Küste von Coromandel befindlichen Kanale, welcher nicht sehr tief ist, und einen sandigen Boden hat, mit Vorteil getrieben.
Seit vielen Jahren aber hat man sie nicht vornehmen können, weil zwischen einem Nabob auf der Küste Coromandel und zwischen der Compagnie, wegen der Befugnis zu dieser Fischerei, ein Streit entstanden ist, den, wie man sagt, die Engländer unterhalten.
Ich habe verschiedene große und schöne Perlen gesehen, die hier gefischt worden sind.
Die reichen Kaufmannsfrauen tragen hier auch oft ganze Schnüre großer und kleiner Perlen über den Haaren als einen sehr prächtigen Kopfschmuck.
Die Perlenfischerei wurde ehemals allezeit jährlich an eine oder mehrere Privatpersonen für eine gewisse Summe Geldes verpachtet.
Diese Pächter verpachteten hernach wieder an andere das Recht, mit einer gewissen Anzahl B·öte und Leute zu fischen.
Wenn die Muscheln von den Tauchern herauf geholt sind, werden sie am Strande in Haufen bei einander gelegt, und auf Gewinn und Verlust an Kaufleute, welche zu diesem Ende dahin kamen, verkauft.
Man sagt, daß die Muscheln sich öffnen, sobald das darin befindliche Tier gestorben ist und in Verwesung übergeht, da sie denn mit leichter Mühe untersucht, und die Perlen herausgenommen werden können.
Manchmal gewann man nichts bei einem solchen Handel, manchmal konnte aber auch eine einzige Perle mehrere ganze Haufen bezahlen.
Dritter Abschnitt.
Der Kaneel ( Zim·t ) ist die vornehmste Handelsware, welche die ostindische Compagnie von dieser Insel holt.
Er ist hier feiner und kostbarer, als irgendwo sonst in der ganzen Welt.
Aller echte Kan·eel wird·· vom Zimmetbaume ( Laurus cinnamomum ) genommen.
Dies ist ein Baum von mittelmäßiger Höhe und Größe.
Er unterscheidet sich durch seine breiteren und nicht so spitz zugehenden Blätter von der Cassine oder dem Mutterlorbeer ( Laurus cassia ), welcher eine gröbere Art Kaneel gibt, und nur eine Varietät von jenem zu sein scheint.
Da·ß diese beiden Arten Bäume, die feineren und gröberen Kaneel geben, nur Varietäten sind, die vom Klima, und besonders vom Erdreiche, herrühren, ist um so viel glaublicher, da selbst Ceylon nicht allenthalben auf der ganzen Insel und in allen Gegenden derselben gleich guten Kaneel liefert.
Die südwestliche Ecke der Insel ist es allein, welche die feinere Gattung dieses angenehmen und so herzstärkenden Gewürzes hervorbringt, und die Gegenden, aus welchen das meiste davon geholt wird, sind die um Negumbo, Columbo, Kalter·, Barbarei, Gale und Mature, welche alle längs der Seeküste, oder nicht weit von derselben liegen.
Der Kaneel, welcher aus den tiefer landeinwärts liegenden Gegenden kommt, ist allezeit gröber, dabei dick und scharf, und beißt auf der Zunge.
Die Kaneelbäume wachsen sehr häufig und in großer Anzahl in den Wäldern, wo sie sich ohne Zut·un der Kunst fortpflanzen.
Die Europäer haben lange Zeit geglaubt, und auch die Ceyloner haben es behauptet, daß Bäume die guten Kan·eel geben sollen, allezeit wild wachsen und sich selbst überlassen sein müßten, angepflanzte hingegen weder gedeihen noch echten Kan·eel geben würden.
Wild werden die Bäume durch die Vögel im Lande weiter ausgebreitet; diese fressen die reifen Beeren, deren Kerne sie aber nicht verdauen und sie folglich in den Wäldern hie· und da wieder von sich geben.
Jenes Vorurteil, daß der Kaneelbaum nicht angepflanzt werden müsse, herrschte bis ungefähr 1770, da der Gouverneur Iman Wilhelm Falk den Versuch machte, im Garten bei seinem Landsitze Paß, im Kleinen eine Plantage von Kaneelbäumen anzulegen.
Er ließ die Beeren säen; die jungen Baumpflanzen kamen auch bald zum Vorschein, und standen anfangs sehr gut; nach einiger Zeit aber wurden sie welk, und gingen eine nach der anderen aus.
Als man der Ursache hiervon genau nachspürte, fand sich, daß die Ceyloner, für welche das Abschälen des Kaneels in den Wäldern eine einträgliche Sache ist, die daher das Pflanzen desselben ungern sahen, und befürchteten, ihnen möchte dadurch mit der Zeit großer Abbruch geschehen, ( weil das Sammeln des Kaneels in solchen Pflanzungen leichter und bequemer als in den Wäldern sein würde ) des Nachts die Pflanzen heimlich mit heißem Wasser begossen hatten.
Ein paar Jahr nachher ließ der Gouverneur, den Versuch wiederholen, und auf verschiedene Plätze, teils im Kleinen, teils im Großen, wiederum Beeren aussäen.
Dieser Versuch gelang besser; die Pflanzen blieben stehen, gediehen und wurden zu Bäumen, die sehr gut fortkommen und schon mehrere Kaneelernten geliefert haben.
In dem einzigen Garten zu Pa·ß allein, stehen mehrere tausend Kaneelbäume, die so guten Kaneel geben als man nur wünschen kann.
Eben so erw·ünschten Fortgang haben sie durch dieses Gouverneurs unverdrossene Bem·ühung auch an anderen Orten gehabt.
Namentlich ist bei Siruwaka, an der Grenze zwischen dem Gebiet·e des Kaisers zu Candy und der Compagnie, ein sehr großer Kaneelgarten angelegt, in welchem man schon dreimal Kaneel geschält hat, wovon auch dies Jahr eine Partei nach Europa geschickt wurde.
Auch um Kalture und Mature sah ich dergleichen Plantagen von ansehnlicher Größe, die vor zwei oder drei Jahren angelegt worden waren.
Dicht vor der Stadt und Festung Columbo sieht man dergleichen ebenfalls schon.
Wenn alle diese und mehrere ähnliche Pflanzungen einmal in vollkommenem Stande sind, wird es für die holländisch- ostindische Compagnie sehr viel bequemer sein, ihren Kaneel aus Gärten zu hohlen, wo die Bäume in ordentlichen Reihen, und keine andere Bäume und Büsche dazwischen stehen, als es jetzt ist, da die Leute, welche ihn schälen, in dichten Wäldern weit und breit herum kriechen müssen, um ihn aufzusuchen.
Dazu kommt, daß des Kaneels in den Wäldern seit einiger Zeit weniger wird, so daß die Kaneelschäler in verschiedenen Jahren nicht so viel, als sie sollten, haben liefern können; welches t·eils daher rührt, daß Strecken Landes, die den besten Kaneel geben, zu anderem Behuf angewandt, t·eils daher, daß die Bäume in den Wäldern ohne alle Aufsicht und Wartung geblieben sind.
Der sandige Boden ist für die Kaneelbäume der zuträglichste.
Derjenige Kaneel, welcher in den an der Seeküste liegenden Sand-Ebenen wächst, die von den Cingalesern Mare·dan genannt werden, wird für den besten und delikatesten gehalten.
Wenn man auf solchen Sand-Ebnen die Bäume abhauet und hernach alles abbrennt, so schießen die Wurzeln wieder in lange, gerade Stämme auf, die unvergleichliche Rinde geben.
Von solchen jungen Stämmen hat man die sogenannten Kaneelstöcke, welche wie Haselstöcke aussehen, und deren Rinde wie Kaneel riecht, so oft man sie reibt.
Dergleichen Stöcke bekam ich verschiedenemal zum Geschenk, ob es gleich eben nicht erlaubt ist, sie auszuführen.
Die Kaneelblätter haben einen starken Nelkengeruch; die Wurzel hingegen, welche durch Sublimation, Kampfer gibt, riecht ganz wie Sassafras.
Der Kaneel heißt bei den Cingalesern allgemein Kurundu.
Er wird in den Wäldern zu zwei verschiedenen Zeiten im Jahr geschält.
Das eine heißt die große Ernte, die vom April bis August; das andere die kleine, welche vom November bis Januar währt.
Die Leute, welche in den Wäldern die Kaneelbäume aufsuchen und die Rinde abschälen, heißen Kaneelschäler; in cingalesischer Sprache werden sie Schialias genannt.
Eigentlich sind es die der Compagnie selbst zugehörenden Gegenden, wo die Schialias in den Wäldern die Kaneelrinde einsammeln.
Doch stehlen sie sich auch manchmal in die Wälder des Kaisers, und wohl gar bis auf eine halbe Meile an die Stadt Candy heran; werden sie aber dabei ertappt, so schneidet man ihnen Nase und Ohren ab.
Jeder Distrikt oder Dorf in den Ländern der Compagnie ist schuldig, jährlich eine gewisse Menge Kaneel zu liefern, wogegen die Ceyloner da·selbst ein gewisses Stück Land frei besitzen, das sie nach Gefallen bewohnen und benutzen können, anderer Vorteile nicht zu gedenken.
Über eine gewisse Anzahl Schialias sind Leute gesetzt, welche die Aufsicht über sie und den Kaneel haben, und auch berechtigt sind kleine Vergehungen zu bestrafen.
Über alle zusammen ist wieder ein Europäer gesetzt, der ihr Hauptmann oder Oberhaupt, ( hofft der Mahabadde ), im gemeinen Leben auch oft Cap·tain Kaneel heißt.
Dieser nimmt zuletzt allen Kaneel in Empfang, und ist der Compagnie für denselben verantwortlich.
Er hat auch das Recht über schwere Verbrechen zu entscheiden und sie zu bestrafen.
Das Kaneels·chälen wird auf folgende Art verrichtet.
Zuerst werden, nach den Blättern und anderen Kennzeichen, gute Bäume ausgesucht, und sodann diejenigen Zweige welche drei Jahr alt sind, mit einem gewöhnlichen krummen Gärtnermesser abgeschnitten.
Von diesen abgeschnittenen Zweigen wird darauf mit einem anderen Messer, das eine scharfe Spitze hat und dazu besonders eingerichtet ist, die äuß·re dünne Haut der Rinde ( Epidermis ) abgeschabt.
Dann werden die Zweige der Länge nach mit der Spitze des Messers aufgeritzt, und mit der weniger scharfen Seite desselben die Rinde allmählich abgelös·t, bis sie ganz abgezogen werden kann.
Alsdann werden von der abgeschälten Rinde mehrere kleine Pfeifen in die größeren gesteckt, und zum trockenen ausgebreitet, da denn die Rinde sich von selbst immer mehr zusammenrollt.
Wenn sie trocken ist, werden Bündel von dreißig Pfund schwer daraus gemacht, jedes mit drei dünnen Rut·en von Palmriet oder Rottang ( Calamus Rotang, Palmjuncus ) zusammengeschnü·rt, und t·eils in B·öten, t·eils zu Lande, nach den an mehreren Orten vorhandenen Magazinen der Compagnie hingeschafft, dort nach den Dorfschaften oder Distrikten, welche sie geliefert haben, zusammengelegt, und mit Matten von Bast zugedeckt.
In Rücksicht auf die Güte des Kaneels gibt es verschiedene Arten Kaneelbäume; dem Laube nach haben sie zwar viele Ähnlichkeit mit einander, doch werden sie nicht alle zum Schälen genommen; man stellt eine sorgfältige Auswahl darunter an.
Die Schialias zählen folgende zehn Arten: 1 )
Rasse Curundu, oder Penni Curundu, welches so viel sagen will, als Honigkaneel.
Dieser ist der beste und angenehmste, und der Baum hat große, breite und dicke Blätter. 2 )
Nay Curundu oder Schlangenkaneel, welcher jenem an Wohlgeruch und vorzüglichem Geschmack am nächsten, wiewohl nicht gleich kommt.
Die Blätter sind auch groß.
Diese Sorte findet sich nur in den Ländern des Kaisers.
Aus der Wurzel wird Kampfer destilliert.
4 ) Cahatte Curundu, das ist zusammenziehender herber Kaneel·.
Die Blätter sind etwas kleiner als bei den vorhergehenden Gattungen.
-- Diese vier Sorten, welche sämtlich zu einer und derselben Gattung, nämlich vom eigentlichen Zimmetbaume ( Laurus cinnamomum ) gehören, sind nichts anders, als einander sehr ähnliche Varietäten, welche die Schialias nur durch den Geschmack unterscheiden.
Sie sind die einzigen, welche, wenn man guten Kaneel haben will, geschält werden müssen:
-- Folgende Arten hingegen werden gar nicht geschält.
5 ) Säwel Curundu, oder schleimiger Kaneel.
Die Rinde hat, wenn man sie käuet, einen schleimigen Nachgeschmack.
Sie ist weich, faserig, und nicht so dicht und fest, als bei den übrigen Arten; auch ist sie zähe, und lä·ßt sich leicht b·eugen, ohne daß sie gleich bricht.
Dies ist ebenfalls eine Varietät vom eigentlichen Zimmetbaume.
Er hat den Namen davon, daß er sich beim Trockenen nicht krümmt oder zusammenrollt, sondern platt bleibt.
Diese Sorte gehört zur Cassine ( Laurus cassia ).
7) Nica Curundu, das ist Kan·eel mit Blättern, die wie die Blätter von Nicacol, oder Negundostrauch ( eine Art Müllen, Vitex negundo ), aussehen, nämlich in so fern sie lanzettförmig, oder lang und schmal sind.
-- Außer diesen sieben Arten zählt man noch drei, die sich vom echten Kaneel merklich unterscheiden.
Man kann auch gleich beim ersten Anblicke sehen, daß sie mit Recht nicht zu den Kaneelbäumen gerechnet werden dürfen.
Hiervon habe ich nur eine Sorte, nämlich die sogleich folgende gesehen.
Die übrigen sind sehr selten, und werden nur in den Ländern des Kaisers gefunden. -- 8 )
Dieser ist von einem ganz anderen Geschlecht, als jene andere Arten.
Die Rinde hat auch nicht den geringsten Kaneelgeschmack, so wie die Blätter mit jenen keine Ähnlichkeit, und die Zweige sind mit Zacken oder Stacheln besetzt.
9 ) Mal Curundu, Blumenkaneel, und 10 ) Tompat Curundu, Kleekaneel, weil die Blätter sich gegen die Spitze in drei Lappen teilen.
Vor der jedesmaligen Absendung von hier müssen die Wundärzte, sowohl der zu Columbo ansässige als die anwesenden Schiffschirurgie, den Zimt genau untersuchen und dafür einstehen, daß er echt, fein und unverdorben ist.
Zu dem Ende nimmt man aus jedem Bunde einige Stangen heraus und k·äuet ihn, weil der Geschmack die sicherste von allen Proben gibt; allein dies ist ein sehr unangenehmes Geschäft, weil der Kaneel von der Zunge und den Lippen allen Schleim, mit dem diese Teile überzogen sind, wegnimmt, und hernach einen brennenden Schmerz verursacht, der unerträglich ist, und endlich hindert fortzufahren.
Zu einiger Linderung mu·ß man zwischenher ein Butterbrot essen, wodurch der Schmerz einigermaßen gemildert wird, aber trotz diesem Hilfsmittel hält man doch selten zwei oder drei Tage nach einander dabei aus.
Die Kennzeichen des feinen Kaneels sind folgende: 1 )
Da·ß er dünne und etwas biegsam ist; gewöhnlich mu·ß er so dick oder etwas dicker als Rojalpapier seyn. 2 )
Daß er hell und gelblich von Farbe, etwas ins Bräunliche fallend ist. 3 )
Da·ß er süßlich schmeckt und zugleich nicht stärker ist, als daß man ihn ohne brennende Empfindung im Munde ertragen kann, und daß er keinen Nachschmack zurück lä·ßt.
Je mehr der Kaneel von diesen Kennzeichen abweicht, desto gröber und schlechter ist er; nämlich wenn er hart und von der Dicke eines Speziestalers ist; wenn er sehr dunkel oder braun ist; wenn er stark auf der Zunge prickelt oder brennt, und dabei einen den Gewürznägellein ähnlichen Geschmack hat, und bei· mehrmaligem versuchen einen empfindlichen Schmerz im Munde verursacht, und den Schleim auf der Zunge wegbei·zt; endlich daß er einen herben und barsch·en Nachgeschmack zurücklä·ßt.
Nach diesen Kennzeichen wird der Kaneel vor der Verschiffung beurteilt.
Einmal mu·ßte ich nebst verschiedenen anderen Ärzten eine Partei Kaneel untersuchen, die der König von Candy geliefert hatte.
Wir fanden, daß er zur Hälfte mit schlechtem vermischt, untauglich, von schlechtem Geschmack und unecht war.
Der beste, welchen man herausfinden konnte, wurde nach Batavia gesandt.
Eben so untersuchten wir zu Columbo einige Bündel Kan·eel, von einer vor einiger Zeit gepflanzten Sorte, welche im Jahr 1775 zur Probe nach Europa geschickt wurden.
Allein man hat hernach in Europa bei Ankunft dieses Kaneels gefunden, daß er den Geschmack nicht hatte, den er haben mußte, obgleich wir ihn hier zu Columbo, als er eingeschifft werden sollte, für fein und gut erklärten.
Der Geruch ist zwar fein und angenehm gewesen; Geschmack aber hat er sehr wenig und fast gar nicht gehabt.
Vermutlich hat er ihn aber unterwegs verloren, und das ist aller Wahrscheinlichkeit nach davon hergekommen, daß in den jungen Zweigen, deren Wurzel nicht älter als drei Jahr war, das Öl zu flüchtig und nicht konzentriert genug sein mochte; dreijährige Zweige sind zwar zum Schälen brauchbar, aber Wurzel und Stamm müssen doch einige Jahr älter sein.
Auch war beim Einpacken und beim Transport ein Fehler begangen, der vieles, wenn nicht alles, dazu beigetragen hat, daß der Geschmack verschwunden war.
Die Bündel waren nämlich nur in einfache Säcke gepackt, und in die Kajüte gelegt; gewöhnlich aber packt man ihn in zwei Säcke, oder legt ihn zwischen Pfeffer.
Die folgenden Jahre wurden von derselben Sorte an sieben und vierzig Bund nach Europa geschickt.
Wenn die Schiffe fertig sind den Kaneel einzunehmen, und die Untersuchung geschehen ist, wird er eingepackt.
Jedes Bund wird alsdann ungefähr 4 Fuß lang gemacht und abgewogen; es muß 85 Pfund netto wiegen, ob es gleich nur zu 80 Pfund angeschrieben und berechnet wird, weil man 5 Pfund auf das Eintrocknen auf der Reise rechnet.
Darauf wird jedes Bund mit Stricken festgeschnürt, und in einen doppelten Sack oder zwei Säcke über einander eingenäht, welche mit der Pfundezahl und dem Orte, wo die Einpackung geschehen, bemerkt werden.
Die Säcke dürfen nicht von Leinwand oder Segeltuch, sondern es müssen wollene Säcke sein, oder solche, die in Indien Gunjesakken heißen, und dem Kaneele während des Transports nicht schaden.
Es wird auch wohl über den Sack eine Kuhhaut genäht.
Am Bord des Schiffes wird über die Zimtsäcke schwarzer Pfeffer hergeschüttet, um alle Zwischenräume und Löcher auszufüllen.
Der Pfeffer, welcher trocken und heiß ist, zieht auf der Reise die Feuchtigkeit des Kaneels an sich, und man hat gefunden, daß dieser letztere dadurch nicht nur seine Güte behält, sondern sogar noch stärker wird.
Den 6ten November wurden 300 Ballen Kan·eel eingeschifft, wovon ein Teil aus den Plantagen war.
Nach einigen Tagen geschah dasselbe mit noch anderen 320 Ballen.
Wenn der Kaneel zu Columbo einballiert ist, wird mit Destillierung des Kaneelöls angefangen.
Dieses Öl, das kostbarste und vorzüglichste von allen ölen, wird nirgend, als in der Apotheke der Compagnie zu Columbo, und zwar von denjenigen Stücken Kaneel die beim Einpacken abbrechen oder sonst abfallen, destilliert.
Diese kleinen Stücke werden sorgfältig zusammen·gelesen, in große Gefäße, in jedes gewöhnlich hundert Pfund, gelegt, und alsdann so viel Wasser darauf gegossen, daß alles damit wohl bedeckt ist.
In diesem Wasser bleibt der Kaneel ganze sechs bis acht Tage liegen, damit er mazeriere.
Das ganze wird darauf nach und nach in eine kupferne Destillierpfanne gegossen, und bei gelindem Feuer abgetrieben.
Das Wasser, welches man Kaneelwasser ( Aqua Cinnamomi ) nennt, geht alsdann ganz weiß, beinahe milchfarbig, nebst dem Öle über, welches letztere in der untergesetzten offenen Glaskugel oben auf fließt.
Alle vier und zwanzig Stunden wird ein Gefäß abgeliefert.
Während der ganzen Destillationszeit sollen zwei Mitglieder des Justizrat·s als Kommissarien, einer um den anderen gegenwärtig sein; dies geschieht aber nicht, sondern sie kommen gewöhnlich nur jedesmal hin, wenn das Öl vom Wasser abgesondert wird.
Das Öl wird alsdann in eine Flasche gegossen, welche die Kommissarien versiegeln und in einem Kasten verwahren, der ebenfalls von ihnen versiegelt wird.
Auf diese Art kann der Apotheker nicht dazu kommen etwas zu stehlen, sofern er sich nicht aus dem Rezipienten etwas nimmt, ehe die Kommissarien ankommen.
Ich wandte viel Mühe an, zu erfahren, wie viel Öl man von hundert Pfund bekommt, aber allezeit umsonst, weil es gegen das Interesse des Apothekers ist, es kund werden zu lassen.
So viel ist indessen gewiß, daß der Kaneel in Verhältnis mit anderen Spezereien nicht viel Öl gibt, und daß man aus dieser Ursache keinen sonst brauchbaren Kaneel, sondern nur die kleinen Stücke und den Abfall, der nicht nach Europa geschickt werden kann, dazu nimmt.
Die Unze Öl wird hier an Ort und Stelle für 93/4 holländische Taler verkauft.
Er ist alsdann bla·ßgelb von Farbe, mithin nicht dunkelbraun, wie er von dem dicken Kaneele gewöhnlich wird.
Die übrigen Teile des Kaneelbaums, außer der Rinde, taugen weder zu Kaneel noch zu Öl.
Das Holz ist porös und ziemlich schön.
In Bretter gesägt wird es bisweilen zu Koffer und dergleichen gebraucht; allein sein Geruch sichert es nicht vor Würmern.
Vierter Abschnitt.
Andere botanische Nachrichten, besonders von der Brotfrucht.
Die Brotfrucht, welche in den warmen Ländern so vielen tausend Menschen zur Nahrung dient, wächst auch auf dieser Insel im Überflu·ß, und wird verschiedene Monat· im Jahr zur täglichen Nahrung gebraucht.
Es gibt zwei Arten Bäume, welche diese Frucht hervorbringen, und beide werden hier, sowohl wild als gepflanzt, angetroffen.
Die eine Art, welche kleine Frucht ohne Sa·men enthält, fand ich um Columbo, Gale und an mehreren Orten; sie heißt hier eigentlich maledivische Syrsak, und wird nicht überall gebraucht.
Die andere wächst hier häufiger, hat größere Frucht und wird mehr gesucht.
Die Früchte der ersteren werden so groß wie ein Kindeskopf, und diese Art muß durch Wurzeln fortgepflanzt werden.
Die Früchte der letzteren hingegen wiegen dreißig bis vierzig Pfund, und haben zwei bis dreihundert Sa·menkerne, deren jeder viermal größer als eine Mandel ist; diese lassen sich durch die Kerne fortpflanzen.
Die Bäume von beiden Gattungen sind mit einem harzartigen Milchsafte angefüllt, der so zäh ist, daß man damit, wie mit Vogelleim, Vögel fangen kann.
Die Frucht ist über und über stachli··g, und hat eine dicke und weiche Schale.
Von der Frucht selbst wird nur das Inwendige zur Nahrung für Menschen, die Schale aber für die Schweine gebraucht.
Sie hat einen unangenehmen Leichengeruch, und schmeckt beinahe wie Kohl.
Die Bäume werden hundert Jahr alt, und tragen sowohl am Stamme selbst, als an den dicksten Zweigen, ganze acht Monate hindurch zu unschätzbarem Nutzen der Einwohner, ihre Früchte, die eine nach der anderen reif werden.
Die Benutzung und verschiedene Zubereitung der größeren Sorte Brotfrucht, welches eigentlich die ist, die auf Ceylon überall gebraucht wird, ist folgende.
Nach dem ungleichen Alter der Frucht, in welchem sie zur Nahrung genutzt wird, bekommt sie von den Ceilonern drei verschiedene Namen.
Pollos heißt sie, wenn sie zu der Größe eines Straußen·eyes gediehen, und einen oder anderthalb Monat alt ist; Herreli, wenn sie halbreif und von der Größe einer Kokosnuß ist, das Fleisch ist alsdann noch weislich und milchartig.
In diesen beiden Altern kann sie nicht ohne vorgängige Zubereitung gegessen werden.
Wenn sie völlig reif ist, bekommt sie den Namen Warreka.
Das Fleisch ist alsdann genießbar, und das, was um die Kerne sitzt, ist etwas süß, sieht gelb aus, lä·ßt sich ohne Zubereitung essen, und hat einen angenehmen Geschmack.
Brotfrucht hat man sie deswegen genannt, weil der ärmere Teil der Einwohner, auf Ceylon sowohl als in anderen indischen Ländern, sie statt Brot·s oder Reiße· ißt.
Ich habe oft die Leute diese Frucht, fein zerschnitten entweder mit geraspelten Kokoskernen allein, oder mit etwas Reis dazu, auch wohl mit spanischem Pfeffer, Salz oder Zwiebeln essen gesehen.
Die Kerne können entweder, wie Kastanien, für sich allein, oder mit dem Fleische, auf verschiedene Art zugerichtet, gegessen werden.
Man isst sie sowohl gekocht als gebraten; die Armen essen sie meistens gekocht, mit geraspelten Kokoskernen und Salz.
Die Reichen füllen Gänse und anderes Federvieh, auch Ferkel, wenn sie Braten davon machen wollen, damit.
Man macht hier zu Lande nicht weniger, als fünfzehn unterschiedene Gerichte von der Brotfrucht.
Ein·s derselben heißt Kur·ie Caldu; dies wird von Pollos gemacht, die in feine Scheiben geschnitten werden, welche man zuerst in Wasser mit Gurkumey etwas kocht, bis sie gelb geworden sind.
Darauf wird von gedörrten und zerstoßenem Fische, so viel man zwischen den Fingern fassen kann, und ein halbes Ma·ß Kokosmilch hinzuge·tan, und alles zusammen unter st···etem Umrühren aufs Neue eine halbe Stunde gekocht.
Diese Suppe wird am häufigsten gegessen, und nicht selten wird Brühe von mehreren Fleischarten dazu genommen. --
Kurie Seco unterscheidet sich von jenem dadurch, daß zu diesem mehr Gewürze und andere Zut·aten kommen, als gebrannte, zerstoßene Kokosnuß, Koriander, Pfeffer, Kantel, Muskatblumen, Salz, gekochter und in kleine Würfel geschnittener Speck und Kokosmilch, welches alles wohl durcheinander gemischt und eine halbe Stunde in Wasser gekocht wird.
Hernach werden Zwiebeln, die vorher in Butter gebraten worden, Zitronensaft, bisweilen spanischer Pfeffer und Salzlake dazuget·an· alles gut durcheinander gemengt und zu einem dicken Mus·e gekocht. --
So wie das erste Gericht, wird auch ein drittes, das die Ceyloner Pollos Tjundido nennen, zurecht gemacht, aus zerschnittenen Pollos oder Herreli, mit Gurkumey, geraspelten Kokos, spanischen Pfeffer, in Stücke geschnittenen Zwiebeln und Salz, welches über gelindem Feuer zu einem dicken Brei gekocht wird. --
Man kocht auch die Kerne, nachdem sie in lange schmale Streifen entzwei·geschnitten worden, mit Gurkumey in Wasser, und tut getrockneten Fisch, zerschnittenes Graslauch und Kokosmilch hinzu, welches in dieser Mischung zusammen gekocht und beständig umgerührt wird.
Dies Essen heißt Kastanie Kur·ie.
-- Diesem ist ein anderes sehr ähnlich, das man Niembela nennt, nur mit dem Unterschiede, daß die Pollos oder Herreli, sehr grob geschnitten werden.
-- Die Frucht wird auch wohl mit Speck gebraten.
Man nimmt alsdann grob geschnittene unreife Frucht, geschnittenes Graslauch, gekochten und in Würfel geschnittenen gesalzenen Speck, Muskatblumen, Kaneel und Salzwasser, kocht dies zusammen, und schüttelt es fleißig um. --
Die reife Frucht mit Kernen und Haut in drei oder vier Teile geschnitten, mit Gurkumey und Salz gekocht, ist ein gewöhnliches Essen geringer Leute.
Sie wird alsdann ungefähr wie gestabter Kohl, mit geraspelten Kokos gegessen.
Wer es besser haben kann, tut spanischen Pfeffer und etwas von gedörrtem Fisch hinzu. --
Gebratene Pollos werden folgendermaßen zugerichtet; man schneidet die unreife Frucht in dünne Scheiben, rührt Kokosmilch mit etwas Mehl zu einem Teige durch einander, tunkt die zusammengewickelten Polloss·cheiben in diesen Teig und bratet sie hernach in einer Pfanne mit frischem Kokosoel.
-- Wenn zu diesen gebratenen Scheiben zers··chnittenes Lauch, getrockneter Fisch, zers··chnittene und gebratene Zwiebeln und pulverisierter Kaneel getan, das Ganze bei gelindem Feuer in einem flachen Geschirre unter beständigem Zugiessen von Kokosmilch, gekocht wird, so heißt das Gericht Empade.
-- Frikadellen werden von Pollos so gemacht, daß die Frucht unreif gekocht und zu Brei gestampft und zerschnittene Zwiebeln, Kaneel, Pfeffer, Muskaten, Sal·z, gestoßener Weizenzwieback, nebst dem Gelben vom Ei dazu get·an wird.
Dies rührt man gut durcheinander, macht Klöße davon, rollt sie in Eyweiß, daß sie zusammenhalten, brät sie in Butter, oder auch wohl in Butter und Kokosöl zugleich, bis sie braun werden; zuletzt gießt man eine Brühe von Butter, fein gestoßenem Kaneel, Pfeffer, Salz und Zitronensaft darüber.
-- Von den Kernen und den fleischartigen Häuten derselben, macht man bisweilen auch Konfekt.
Man schneidet alsdann die Häute, welche die Kerne umgeben, in zwei oder drei Stücke, und brät sie in frisch ausgepr·eßtem Kokosöle.
Das Öl wird hernach mit einem Handtuche wohl abgewischt, und die gebratenen Häute in ein Sieb gelegt, damit das Öl noch besser ablaufen möge; darauf werden sie in Sirup gekocht, getrocknet und in gläserne Flaschen, die aber wohl zugepfropft werden müssen, aufbewahrt.
Dieser Konfekt hält sich mehrere Monate und wird zum T·ee gegessen.
Die Kerne werden auch, nachdem die fleischigen Häute abgelöst, und die Kerne wohl gereinigt sind, in Öl gebraten und auf gleiche Art in Sirup gekocht, aufbewahrt, und ebenfalls zum T·ee gegeben; man kann auch die Flaschen oben mit Sirup vollgießen, und sie sodann ein ganzes Jahr aufbewahren.
-- Wenn man reife Kerne in Kokosmilch mit dem Gelben vom Ei zu einer klebrigen Ma·ße gemacht, tunkt, und in frischem Kokosöl brät, so wird dies Gericht Fios genannt.
-- Auch Pfannkuchen werden von der Brotfrucht gebacken; man rührt Sur·ysaft, Kokosmilch, getrocknetes Mehl von den Kernen, und Eydotter zusammen, und lä·ßt den Teig die Nacht über stehen, daß er gehrt.
-- Was die Ceyloner P·ie oder Jam·al nennen, ist ehe· eine Sauce, als ein Gericht.
Es wird auch nur zu anderen Gerichten, zum Exemp·el zu Fischen, Reis und dergleichen, gebraucht.
Man nimmt gekochte unreife Frucht, Senf und Gurkumey dazu, welches jedes für sich erst zu einem Brei gestoßen, und hernach mit Essig wohl durch einander gemengt wird.
Einige t·un auch spanischen Pfeffer, Ingwer und Salz, vorher wohl zerstoßen und zusammengemischt, dazu.
-- Endlich trocknet man die Frucht auch wohl, um sie für die Monate, da man sie nicht frisch haben kann, aufzubewahren.
Man pflückt zu diesem Ende die Frucht, wenn sie halb reif ist, vom Baume, nimmt das Fleischartige heraus, und lä·ßt sie dabei entweder ganz, oder schneidet sie in Stücken.
Darauf wird sie ein wenig gekocht, und sodann an der Sonne gedörr·t.
Hernach hängt man sie entweder im Schornsteine oder an einem anderen trockenen Ort auf.
Vermittels· dieser Zubereitung hält sie sich das ganze Jahr über, und die Armen essen sie mit geraspelten Kokos, entweder so trocken, oder noch einmal gekocht.
Ich bemühte mich von den Bäumen dieser so nützlichen Frucht einige lebendig mit nach Europa zu bringen.
In dieser Absicht sammelte ich von der kleineren Art, die keine Sa·menkerne hat, ungefähr fünfzig lebendige Wurzeln, die ich in einen großen Bretterkasten pflanzte, hatte auch das Vergnügen, nach Verlauf einiger Wochen, sie ausschlagen und frisch wachsen zu sehen.
Von der größeren Art sammelte ich mehrere hundert Kerne, wovon ich in einem anderen großen Kasten über hundert sä·te, die bald aufgiengen, und sehr gut fortkamen.
Die übrigen Kerne verwahrte ich unterwegs auf verschiedene Art, damit sie nicht vertrocknen, ranzig werden, oder auf andere Weise verderben möchten.
Einige wickelte ich bloß in Papier, legte sie in einen Kasten, und brachte sie unterweg··s verschiedene Mal an die freie Luft; andere legte ich in große gläserne Flaschen, die ich sorgfältig vermachte; sehr viele umklebte ich mit Wachs, um die Luft davon abzuhalten; andere legte ich in trockenen Sand, und wieder andere legte ich auf der Reise, monatlich einige, in die Erde, damit sie nach und nach aufgehen möchten.
Allenthalben längst der ganzen Küste sieht man Kokoswälder, die sich von Negumbo bis jenseits Mature erstrecken und eine unzählige Menge Bäume enthalten, von deren Früchten ebenfalls die Einwohner dieses Landes unglaublichen Nutzen haben.
Die Wälder gehen jedoch nicht ins Land hinein, sondern halten sich am Strande, und lieben sandigen Boden, und die Seeluft.
Die Kokosbäume· wachsen sogar nicht selten so nahe am Strande, daß sie sich ganz über das Wasser neigen, und oft stehen sie in so kahlem Sande, daß da nicht ein einziger Halm Gras würde wachsen können.
Die Blätter dieses Baums bindet man um den Stamm, und bedient sich ihrer alsdann statt einer Leiter, um hinauf zu steigen, und die Früchte abzunehmen.
Auch sah ich an verschiedenen Orten einen Strick zwischen zwei Bäumen befestigt, auf welchem die Ceyloner von dem einen Baum zum anderen gehen. --
Die Kokosnüsse sind bekanntlich die tägliche Nahrung der Indier.
Nächst diesem Gebrauch pre·ßt man aber auch eine große Menge Öl daraus.
Die Nu·ß wird zu dem Ende, so wie sie vom Baume kommt, zwischen zwei Zylindern zerquetscht.
So lange das Öl frisch ist, ist es sehr milde, und wird sowohl von den Europäern, als von den Indianern ans Essen, in den Lampen, und zu anderem Behufe gebraucht.
Aus der faserigen Bekleidung, welche die Nüsse umgi·bt, werden überall Taue und Seile, selbst zum Gebrauch auf den Schiffen gemacht, und zwar, welches ich nicht für möglich gehalten hatte, dicke Kabeltaue für die holländischen Schiffe.
Die Stämme selbst gebraucht man hier beim Wasserbau zu Pfählen, und man versicherte mich, daß sie hundert Jahre ausdauern können ohne zu faulen, wiewohl mir dies kaum glaublich scheint.
Maledivische Kokosnüsse, oder sogenannte Seekalappen ( Zeekalappers ) bekommt der hiesige Gouverneur nebst anderen Geschenken, durch Abgeordnete, alljährlich von den maledivischen Inseln zugeschickt.
Sie haben mit den gewöhnlichen Kokosnüssen große Ähnlichkeit, der Kern aber, wird als ein wirksames Gegengift, und als ein gutes Arzneimittel gegen die rote Ruhr, die fallende Sucht und den Schlagflu·ß gerühmt; man nimmt ein halbes bis zum ganzen Quentchen davon ein.
Im Garten des Gouverneurs zu Pa·ß, sah ich einen solchen Kokosbaum.
Er war aus einem von den maledivischen Inseln gekommenen Kerne, den man in die Erde gesteckt hatte, gezogen, und gut fortgekommen.
Er war jetzt im dritten Jahre, und hatte nur drei Blätter.
Die Nu·ß hatte acht Monate in der Erde gelegen, ehe das erste Blatt hervorkam.
In diesem Garten fand ich auch einen Arekbaum oder Arekapalme, die sehr hoch, aber ungewöhnlich dünn, und, welches etwas ganz besonderes ist, in zwei Zweige vert·eilt war, deren jeder seine Blätterkrone hatte.
Die Melanzanäpfel ( Solanum Melange· ) werden sowohl von Indiern als Europäern häufig gegessen.
Man schreibt ihnen zugleich die Kraft zu, den Urin zu treiben, und die Blasensteine aufzulösen.
Die Frucht, welche man Tjeremelle nennt, wird im Oktober und November reif; sie wird gesalzen gegessen.
Die Marmellen werden ebenfalls im Oktober reif.
Das Inwendige dieser Frucht wird sowohl mit als ohne Zucker gegessen.
Sie ist sehr schleimig, daher die Holländer sie auch Schleim Appels ( Schleimäpfel ) nennen.
Die Bolangen werden reif mit etwas Zucker, unreif mit Salz gegessen.
Sie sind von der Größe einer Apfelsine.
Panningai, ist die Frucht eines Palmbaums, der besonders um Jaffna in großer Menge wächst.
Sie ist länglich, mondförmig, von Farbe beinahe wie ein Pisang, aber vielmal größer.
Sie schließt zwei, drei, und wohl noch mehr ganz harte Nüsse in sich.
Gehörig zubereitet schmeckt sie dem, welcher gewohnt ist, sie zu essen, süßlich, wer aber nicht daran gewöhnt ist, dem ist sie sehr unangenehm.
Beim Aufmachen stinkt sie.
Wenn die Nüsse gesteckt, und die Herzblätter aufgeschossen sind, wird sie unterwärts abgeschnitten, und entweder gekocht mit Salz und Reis, oder allein gegessen, auch wohl zu Mehl gestampft, das wie anderes Mehl, besonderes aber zu Fischsuppen, gebraucht wird.
Man kann sie auch getrocknet aufbewahren.
Vom Mai bis zum Schlu·ß des Jahres, können diese Früchte gegessen werden, und sie machen die vornehmste Speise der Malabaren aus.
An den Bächen und an anderem Gewässer in der Gegend von Columbo, traf ich häufig die Barringtonie ( Barringtonia ) an; sie hat große schöne Blumen, welche das Eigene haben, daß die Staubfäden gar nicht herausfallen. --
Auch wachsen hier die juckenden Fasolen, ( eine Art Bohnen, Dolichos pruriens ) in Menge.
Sie haben rauhe Schoten, und das Rauhe setzt sich, wenn man sie angreift, an die Hände, und verursacht einen heftig brennenden Schmerz, den man mit Öl oder Dekokt von Reis vertreibt.
Die Bohnen sollen gegen die Würmer gut zu gebrauchen sein. --
Ferner fand ich hier zwei Arten von der Klapperschote ( Crotolaria ) nämlich die bohnenbaumblätt·riche ( laburnifolia ) und die stumpfblätt·rige ( retusa ) an.
Auf cingalesisch heißen sie Jachere.
Sie haben gelbe Blumen. --
Man hat zum Teil geglaubt, dies Gewächs sei die sogenannte Columbowurzel ( Radix Columbo ), die man seit einigen Jahren nach Europa bringt, und als ein gutes Arzneimittel empfiehlt.
Diese kann aber weder die Klapperschote noch der Fischkörnermohnsaamen ( Menispermum cocculus ) sein.
Die Wurzel hat ihren Namen von der Stadt Columbo, von wo sie zu Schiffe· nach Europa kommt.
Aber so viel man weiß, findet sie sich weder in der Gegend dieser Stadt, noch auf der ganzen Insel, sondern sie wird von der malabarischen Küste hierher gebracht; die Klapperschote ist ein annuelles Gewächs, dessen Wurzel daher keine medizinische Kraft besitzen kann.
Der Fischkörnermohnsaamen ist ein in den Wäldern allenthalben wachsendes Rankengewächs, dessen Wurzel ich verschiedene Mal habe ausgraben lassen; ich fand aber keine Ähnlichkeit mit der Columbowurzel, weder im Geschmack, noch in der Größe, noch im äußeren Ansehen; vielmehr ist sie sehr dünne und lang, und hat erhobene Streifen.
Die weitschweifige Boerhaavie ( Boerhavia diffusa ) wird hier Jan Lopes genannt.
Man mu·ß sie aber nicht mit der Lopeswurzel ( Radix Lopes ) verwechseln.
Diese letztere wird von der malabarischen Küste hierher gebracht; dies Jahr wurden für Rechnung der Compagnie ungefähr dreihundert Pfund davon nach Europa geschickt.
Die Moringawurzel ( Radix Moringa ) mit langem Pfeffer ( Piper longum ) gestoßen wird, wie bei uns Senfteich, aufgelegt, um Blasen zu ziehen.
Sacsanda und Jermus sind zwei unter den ceylonschen Ärzten sehr berühmte Gewächse.
Sie sind in mehreren Rücksichten verschieden.
Das erstere ist die ostindische Osterluzei ( Aristolochia indica ) deren Wurzel in Branntwein gelegt bitter ist, den Magen stärkt und die Blähungen vertreibt.
Das letztere wächst in Überflu·ß, sowohl in den Sandebnen bei Columbo, als um Mature und anderer Orten.
Die Gestalt desselben zeigt hinreichend, daß sie zu der Ordnung der Contortae gehört, und aller Wahrscheinlichkeit nach eine Gattung der Schlingen ( Periploca ) ist, welche eine giftige und reinigende Wurzel haben.
Die Wurzel ist ein sehr gutes Brechmittel, aber von der amerikanischen sehr unterschieden.
Man soll sie in den Hospitälern zu Columbo, Gale, Mature und Jaffna mit Nutzen gebraucht haben.
Die Dosis davon muß etwas größer, als von der gewöhnlichen sein.
Man zeigte mir zwei Arten, die eine ist weiß und heißt Elle Binnuge; die andere sieht rot· aus, und heißt Rat Binnuge.
Diese letztere wird für die beste ausgegeben; die weiße ist fein und etwas faserig, die rote etwas dicker.
Beide sind ebenfalls Gattungen der Schlingen, und kriechen entweder auf den Sandebnen fort, oder schlängeln sich an den Büschen hinauf, welche in dem lockern Sandboden wachsen.
Der Stinkbaum, bei den Holländern Strunthout ( Struntholz ), bei den Ceylonern Urenne, alles Namen, die diesem Baume von seinem widrigen Geruche gegeben sind, wächst auf Ceylon häufig.
Der Geruch, welcher sich in dem dicken Holze und den großen Zweigen aufhält, ist dem von Menschenkot· so ähnlich, daß man nicht den geringsten Unterschied merken kann.
Wenn das Holz geraspelt, und die Späne mit Wasser angefaucht·· werden, ist der Gestank ganz unerträglich.
Demungeachtet gebrauchen die Ceyloner es innerlich als ein heil·sames Mittel:
Fein geschabt und mit Zitronensaft vermischt, nehmen sie es, als eine blutreinigende Arznei gegen die Krätze, und andere langwierige Arten von Ausschlag, ein, schmieren sich auch äußerlich damit.
Ich gab mir viel Mühe, Blumen von diesem Baume zu bekommen, um bestimmen zu können, zu welchem Geschlecht er gehöre; aber umsonst.
Die Ceyloner, welche ich in dieser Absicht weit in die Wälder landwärts ein schickte, brachten mir nur einige Zweige ohne Blumen, woraus ich doch sah, daß der Baum weder die stinkende Anagyris ( Anagyris foetida ) noch der eigentliche sogenannte größere Stinkbaum ( Sterculia foetida ) ist.
Ich hatte auch einige kleine lebendige Bäume in Kasten gepflanzt, und brachte sie auch wohlbehalten bis in den Kanal zwischen Frankreich und England; hier wurden sie aber, nebst vielen anderen seltenen Bäumen und Gewächsen von Sturm und Kälte so ruiniert, daß sie ganz verloren gingen.
Vom Holze nahm ich auch einige Stücke mit; diese aber haben mit der Zeit ihren Geruch so ganz verloren, daß man gar nichts mehr davon spürt.
Ich lernte hier auch einen anderen merkwürdigen Baum kennen, den die Holländer Schlangenhaut ( Schlangenholz ), die Cingale·ser Godagandu nennen, dessen Holz einen sehr barschen Geschmack hat.
Das Holz wird nicht nur, als ein gutes Gegengift, wie auch wenn jemand von Schlangen gebissen ist, sondern in schlimmen hitzigen Fiebern gebraucht.
Die Europäer lassen Becher daraus drechseln, welche sie voll Wein gießen, der in kurzer Zeit die Kraft aus dem Holze zieht, einen barschen Geschmack annimmt, und als ein magenstärkendes Mittel gebraucht wird.
Das Wasser zieht eine grünliche Tinktur aus dem Holze.
Vermutlich ist dieser Baum das eigentliche oder wahre Schlangenholz ( Ophioxylum serpentinum ), wiewohl ich nicht Gelegenheit gehabt habe, Blumen davon zu sehen.
Das Holz sieht wie Eichenholz aus, hat eben solche graue Farbe und viele kleine Löcher, durch welche in den daraus gedrechselten Bechern das Wasser sich durchs·eihet.
Die Flechten in der Haut ( Herpes ) werden hier mit den Sa·menkapseln des lindenblättrigen Eibisch ( Hibiscus tiliaceus ) vertrieben, indem man den Saft davon auf die ausgeschlagene Stelle streicht.
Dieser schöne Baum wird zu Columbo und an anderen Orten in Alleen gepflanzt; er blühet mehrere Monate nach einander, und gibt durch die veränderte Farbe seiner Blumen viel Schmuck.
Die Mungoss·chlangenwurz ( Ophiorrhiza Mangos ) ceylonisch Mendi, wird von den Indianern gegen den Bis der Schlangen; Blätter und Rinde aber gekocht wie ein Dekokt gebraucht.
Auf der Reise nach Negumbo hatte ich ein Vergnügen, welches ich jetzt am wenigsten erwartete, nämlich die schöne zweizeilige Burmannie ( Burmannia disticha ) zu finden, die ich fünf Monate hindurch sehr emsig gesucht, und welche aufzusuchen und mir zu verschaffen ich viele Cingaleser aufgemuntert hatte.
Sie stand an den niedrigen und noch mit Wasser angefüllten Stellen im Walde, und hatte erst vor kurzem ihre kleinen Blumen geöffnet.
Ich sammelte und trocknete davon soviel als ich hier fand, um diese Seltenheit sowohl für meinen vortrefflichen Gönner und Wohlt·äte··r, Professor Burmannus selbst, als für andere meiner Freunde in Europa mitzunehmen.
Die Ceyloner nennen sie Willende Wenn·.
Zu Columbo brachte man mir Kartomom, der im Inneren des Landes gezogen sein sollte.
Er bestand aus länglichen, dreieckigen Sa·menkapseln, beinahe von der Länge eines Zolls, mithin von demjenigen ganz verschieden, der auf der Insel Java gebaut wird.
Blumen davon konnte ich nicht bekommen; ich hätte sie gern gehabt, um das Geschlecht bestimmen zu können.
Ich vermutete indessen, daß es eine Art Alpini· ( Alpini ) war.
Vor meiner Abreise kaufte ich eine Menge getrockneter Früchte des Betelpfefferbaums, die hier wohlfeil verkauft werden, und welche man mit ansehnlichem Vort·eile, wenigstens mit hundert Prozent Gewinn, zu Kap wieder absetzt.
Unterdes··· die Sklaven und die Indier hier allenthalben frische Betelblätter genug zum Kauen bekommen können, müssen die Sklaven in jenen Ländern, wo das kältere Klima die Kultur dieses Pfeffers nicht erlaubt, sich statt der Blätter mit der Frucht behelfen.
Die kletternde Schlangenzunge ( Ophioglossum scandens ), ein Rankengewächs, das sich an den Bäumen hinauf schlingt, wird auf Ceylon an manchen Orten wie gemeiner E·feu gebraucht, um die Zäune, oder vielmehr Stakete, damit zu bedecken und gegen den Seewind zu schützen.
Eigentlich Zäune hat man hier zu Lande nicht, sondern die Befriedigungen der Gärten und Äcker bestehen nur aus dünnen Pfählen oder Stangen, die dicht neben einander in die Erde geschlagen sind, und diese lä·ßt man mit jenem Kraute auswendig ganz bewachsen.
Auf meiner Reise nach Mature sah ich an verschiedenen Orten Hecken von Jarrakbäumen, ( die schwarze Purgiernuß, Jatropha curcas ) um die Gärten und Felder.
Auf Ceylon wächst auch das Lackkroton ( Croton lacciferum ), besonders in den sandigen Gegenden um Columbo häufig.
Das Harz dieses Strauchs wird hier bisweilen zum Lackieren gebraucht, nachdem man es in Spiritus aufgelöst hat.
Auf dieser Insel gebraucht man, so wie auf den sämtlichen Küsten des festen Landes, die Blätter der fächer·tragenden Weinpalme ( Borassus flabelliformis ), bisweilen auch die vom Talpat- oder Licualabaume, oder der Schirmpalme ( Licuala Spinosa, Corypha umbraculifera ) anstatt des Papiers.
Die Weinpalme ist ein auf Ceylon sehr häufig wachsender Palmenbaum, dessen Blätter hier, wie ander·wärts, auch zu F·ächern gebraucht werden.
Die Licualapalme, welche seltener ist, hat sehr große Blätter, und wetteifert in diesem Stücke mit dem Kokosbaume selbst.
Diese Blätter, welche in Falten liegen, werden gegen die Spitze zu von einander gespalten, und alsdann überall zu Regen- und Sonnenschirmen gebraucht.
Ein solches Blatt, eine Klafter lang und ···ungefähr eben so breit abgeschnitten und mit verschiedenen Zier·at·en geschmückt, heißt durchgängig Talpatt, welchen Namen auch der Baum selbst führt, und wird, gerade wie ein Sonnen- oder Regenschirm, den vornehmen Indianern oder Europäern von einem Sklaven über den Kopf gehalten und getragen.
Ein einziges Blatt hat gemeiniglich eine solche Größe, daß sechs erwachsene Menschen Schutz vor dem Regen darunter haben können.
Diese schöne Palme wächst mitten in den Wäldern, ist aber selten.
Man kann sie mit Recht zu den höchsten Bäumen zählen, und sie wird noch höher, wenn sie aus dem Blätterwipfel in Blumen schießt.
Die Hülse, welche die Blume alsdann umgi·bt, ist sehr groß und wenn sie aufber·stet, gibt sie einen Knall, als wenn eine Kanone abgeschossen wird.
Hernach schießen die Zweige nach allen Seiten und auch in die Höhe sechs und dreißig bis vierzig Fuß weit.
Die Frucht wird erst im folgenden Jahre reif.
Ich war so glücklich, einen dieser Bäume mit der Frucht zu sehen; da er aber schon das Jahr vorher geblüh·t hatte, mu·ßte ich auf das Vergnügen, seine Blumen zu sehen und zu untersuchen, Verzicht tun.
Der heilige oder Götzenfeigenbaum ( Ficus religiosa ) hat seinen Namen davon, daß die Ceyloner ihn wie einen heiligen Baum ansehen und glauben, der Gott Budu Ruhe unter demselben.
Sie hauen daher solche Bäume nie um.
Auch tun sie unter denselben ihre heiligsten Gelübde und Versprechen.
Wenn sie unter einem solchen Baume einen Eid abgelegt, oder einen Kontrakt gemacht haben, so ist man sicher, daß sie ihn halten.
Die Holländer nennen ihn Duyvels boom ( Teufelsbaum ), und die Ceyloner Boga.
In Ceylon wachsen übrigens auch verschiedene schöne und prächtige Blumen, als die Prachtlilie ( Gloriosa ), das umgebogene Kolbenmoos ( Lycopodium cernuum ), die Exore ( Exora ) und dergleichen mehr.
Eines merkwürdigen und für die Einwohner über·au·s nützlichen Baums muß ich noch besonders erwähnen, der den Namen Calaminder führt.
Dies ist ein sehr schöner Baum und das Holz ist zu allen Arten Tischlerarbeit vorzüglich brauchbar.
Ich habe verschiedene sehr hübsche und saubere Möbeln, als Bureaux, Stühle, Tische, So·fa, Schränke, Kästchen und dergleichen in den Häusern der Holländer gesehen, die von diesem Holze gemacht waren.
Gebohn·t sind diese so glatt wie ein Spiegel.
Das Holz ist so hart, daß man es mit scharfen Eisen nicht bearbeiten kann, sondern es raspeln und beinahe schleifen muß.
Selten hält auch der Leim fest daran.
Das Wort Calaminder heißt in cingalesischer Sprache schwarz geflammtes Holz, und dieser Baum wird deswegen so genannt, weil der ganz inwendige holzartige Teil desselben weiße oder weißgelbe, und schwarze oder braune Adern, Streifen und Wellen hat, welches sehr schön aussieht.
In der Wurzel sind diese Wellen dichter und dunkler; je näher von der Wurzel daher ein Stück genommen ist, für desto kostbarer wird es gehalten, denn höher im Stamme hinauf werden die Stellen dünner und bleicher.
Das Äußere des Baums, wenigstens ein Drittteil, beinahe die Hälfte, taugt zu nichts, sondern wird weggeworfen.
Ameisen schaden dem Holze nicht.
Den Baum selbst habe ich nicht zu sehen bekommen.
Er soll sehr groß und bisweilen so dick sein, daß drei bis vier Männer ihn nicht umspannen können.
An den Zweigen, die ich mir durch Ceylone··r aus den tief im Lande befindlichen Wäldern holen ließ, sah ich, daß es der Ebenbaum ( Diospyros Ebenum ), oder derselbe Baum ist, von dem das schwarze Ebenholz kommt.
Die Kaffeeplantagen auf Ceylon sind eben so als die auf Java; der einzige Unterschied ist, daß man hier große Bäume aus dem Geschlecht· der Bignonie ( Bignonia ) zwischen die Kaffeestauden pflanzt, um ihnen einigen Schatten zu geben, und sie durch die Kronen dieser Bäume gegen die allzu starke Hitze der Sonne zu schützen.
Die hiesigen Kaffeebohnen sollen indessen den javanischen an Güte nicht gleich kommen.
Reis wird auf dieser Insel, so wie auch auf den Küsten Coromandel und Malabar, gebaut, jedoch nicht in der Menge, daß diese Länder hinlänglichen Vorrat· davon haben.
Auf den jetzt genannten Küsten ist bisweilen so großer Misswachs an Reis, und so große Hungersnot·, daß, besonders auf der malabarischen Küste, Eltern sich genöt·igt sehen, ihre Kinder für eine einzige Metze Reis zu Sklaven zu verkaufen, oder wohl gar sie ganz weg zuschenken, um sie nur nicht Hungers ···sterben zu sehen.
Fünfter Abschnitt.
Von den Edelsteinen und anderen Mineralien in Ceylon.
In Ceylon nennt man gemeiniglich alle diejenigen Steine, Edelsteine, welche durchsichtig und so hart sind, daß sie durch Schleifen eine feine Politur annehmen.
Ich habe sie nicht nur alle, nebst ihren holländischen, malabarischen und cingalesischen Namen, kennen gelernt, sondern auch eine Sammlung davon mit nach Europa gebracht, und will hier eine kurze Beschreibung davon mitteilen.
Der rot·e Turmalin, malabarisch Pani Turemali, ceylonisch Penni Turemali, ist ein ins Rot·e fallender Quarz.
Liegend sieht er dunkel aus und scheint undurchsichtig zu sein, aber gegen das Tageslicht gehalten erscheint er bleichrot·.
Die Farbe ist meistens überall gleich und selten an einer Stelle blasser oder dunkler als an der anderen.
Die größten, welche ich bekommen habe, sind von der Größe einer Erbse; die meisten sind nicht größer als Reiskörner.
Einige habe ich gesehen, die kristallisiert, aber fast alle schadhaft und unvollkommen waren; diese schienen unten vier gleiche Seiten zu haben, und eine vierseitige Pyramide zu bilden.
Die meisten dieser Steine sind von dem hin und herspülen im Wasser geschliffen so, daß sie die Ecken und scharfen Seiten verloren haben.
Der blaue Turmalin, malabarisch und ceyloni·sch Nile Turemali, ist nichts anders, als ein etwas ins Blaue fallender Quarz.
Katzenauge, malabarisch und cingalisch Weirodi, wird ein sehr harter Stein genannt, der bald mehr, bald weniger ins Weiße oder Grüne fällt, halb durchsichtig ist, in der Mitte einen Streife von der Breite einer Linie hat, welcher weißer ist, als der übrige Stein, und sein Licht verändert, je nachdem er nach dieser oder jener Seite gekehrt wird.
In diesem Stücke hat er also Ähnlichkeit mit einem Katzenauge, und davon hat er auch den Namen.
Es ist übrigens ein Pseudoopal.
Der größte, den ich gesehen habe, war von der Größe einer Haselnu·ß; Es gibt ihrer aber viel kleinere.
Roh scheinen sie keine eckige Seiten oder Merkmale von Kristallisation zu haben.
Ihr Wert richtet sich nach der Größe und der Reinheit.
Einer wie eine Nu·ß groß, ohne Ritzen und andere Fehler, wird bisweilen mit fünfzig, sechzig und mehr holländischen Talern bezahlt.
Sie werden erhoben und länglich geschliffen, ohne Flächen, so, daß der Strich wo die Farben spielen, in die Mitte kommt, und hernach in Ringe eingefa·ßt, welche die Malabaren und Mohren tragen.
Der weiße Kristall, malabarisch Wille Palingu, ceylanisch Sudu Palend, ist ein klarer Bergkristall ohne Farbe.
Man findet ihn hier sowohl kristallisiert, als auch vom Wasser zu unebenen, zu flachen, zu langen, und auch wohl zu Stücken mit Vertiefungen geschliffen.
Er sieht klar, bald mehr, bald weniger wasserfarben oder glänzend weiß aus.
Die Kleinen habe ich oft mit Grundflächen und Seitenflächen, als förmliche Pyramiden gesehen.
Die großen sind gemeiniglich vom Rollen im Wasser rundlich geworden.
Sie sind zum Teil sehr groß; man findet ihrer nicht selten solche, die zwei geballte Fäuste groß sind.
Man schleift Knöpfe an Westen und Brusttücher, auch Steine zu Knöpfen an Unterhosen und zum Einfassen in Schuhschnallen daraus.
Der Amethyst, malabarisch und cingalisch Scuandi, ist in der T·at nichts anders, als ein purpur- oder violettfarbener Bergkrystal·, der aber in Ansehung des Grades, in welchem er gefärbt ist, sehr verschiedene Sorten gibt.
Man findet solche, die beinahe weiß sind, mit einer so geringen Tinktur von Violett, daß, wenn man sie allein sähe, man sie eher für Bergkristalle ansehen würde, besonders wenn man kein Kenner ist.
Andere findet man, die nach einem Ende zu, andere nur in der Mitte, andere hin und wieder, und zwar in höherem oder geringerem Grade farbig sind.
Einige sind so dunkel··farbig, daß sie, wenn sie auf einem Tische liegen beinahe schwarz aussehen, und, gegen das Licht gehalten, eine sehr schöne violette Farbe haben.
Oft sieht man sowohl Flecken als Streifen, die blasser und stellenweise dunkler sind.
Sie brechen in verschiedener Größe, selten so groß, wie eine Wal·nu·ß, meist nur ganz klein.
Je größer sie sind, desto blasser sind sie, und daher von weniger Ansehen und geringerem Wert.
Die Kleinen haben gewöhnlich eine höhere Farbe, sind aber doch eben nicht teuer, weil sie nur kleine Steine zum Schleifen geben.
Am meisten gelten die, welche hoch tingiert, ohne Ritzen und von einiger Größe sind.
Je dunkler die Farbe in denselben ist, desto reifer, und im Gegenteil, je blasser, desto unreifer werden sie genannt.
Es ist außer allem Zweifel, daß diese Amethyste· flüssig gewesen, und daß sie vor der Kristallisation von einer violetten Farbe tingiert worden sind, die sich mit dem Flüssigen, entweder zum T·eil, oder überall, vermischt hat.
Einige findet man geründet und beim Fortrollen im Wasser wie geschliffen; andere sind von unregelmäßiger Figur, auf allen Seiten gebrochen, oft mit tiefen und großen Vertiefungen.
Einige haben sechs Seiten, die auch sechsseitig in eine Spitze zusammenlaufen.
Ich habe keinen gesehen, der ganz vollkommen und unbeschädigt war.
Es ist etwas seltenes einen anzutreffen, der beide Enden hat, wiewohl sie auch alsdann allezeit von äußerer Gewalt gelitten haben.
Einige haben ganz lange violette Streifen, mit weißen Streifen dazwischen.
Aus den größten werden gemeiniglich Knöpfe zu Westen, dergleichen man in Ostindien von weißem Kattun häufig trägt, und, aus den kleinen, Brusttuch- und Ärmelknöpfe gemacht.
Wasser·saphire, auch wohl weiße Saphire, malabarisch Wille Padjan, ceylonisch Sudu Padjan genannt, sind abgeschliffene Stücken des hellsten Bergkristalls.
Sie sind den weißen Kristallen sehr ähnlich, aber doch, gegen das Tageslicht besehen, nicht nur klarer sondern auch weißer; am meisten unterscheiden sie sich durch ihre Härte, woran sie die Kristalle übertreffen.
Ich habe niemals eine dieser Steine bekommen können, der seine Seiten, Ecken und Spitze hatte; sondern alle waren sie vom Wasser zu unförmlichen Stücken gebildet, auch wohl platt und rund geschliffen, mit unebener, und mit kleinen eingedruckten Punkten angefüllter Oberfläche.
Die größten waren von der Größe einer Wal·nu·ß.
Diese sind viel teurer als Kristalle, und werden zu West- und Brusttuchknöpfen und zu Steinen in Schuhschnallen geschliffen.
Der gelbe Kristall, malabarisch Manjel Palinge, cingalisch Kaha Patingu, ist ein heller Rauchtopas.
Vermutlich ist er einerlei mit dem weißen Kristalle, nur mit dem Unterschiede, daß er in eine unangenehme gelbliche Farbe fällt.
Kristallisiert habe ich ihn nie gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser schon zu runden Stücken mit unebener Oberfläche geworden.
Von diesem unterscheidet sich der braune Kristall, malabarisch und cingalisch Tillia Palingu, welcher ein rauchiger Bergkristall, oder ein dunkler Rauchtopas ist, bloß dadurch, daß er schwärzlich ist oder wie blasse, schwarze Tinte aussieht.
Wenn er liegt, scheint er undurchsichtig zu sein; gegen das Tageslicht gehalten aber gerade durch durchsichtig.
Diese Steine habe ich allezeit, vom Hin- und Herrollen das sie im Wasser erlitten, geründet gesehen, und zwar in so großen Stücken, als eine große Haselnu·ß oder kleine Wal·nu·ß.
Die Oberfläche ist uneben und rauh, und mit feinen eingedrückten Punkten und einer grauen Rinde besetzt, welche den Stein, wenn er ganz ist, bisweilen undurchsichtig macht, obgleich das Inwendige klar ist, wie man sieht, wenn man ihn entzwei schlägt.
Man schleift Knöpfe zu Beinkleidern und anderem Gebrauche daraus.
Die Hyazinthen sind kleine gelbbraune oder rötliche Prismen, die so wie der Robal oft für Rubine ausgegeben werden.
Die eigentlich so genannten Topase, malabarisch Puresjeragen, ceylonisch Pusperagan, sind wahre Topase, brechen meist in gelblichen Splittern, und sind bald mehr, bald weniger dunkelfarbig.
Der weiße Turmalin, welcher eigentlich Maturesse Diamant genannt wird, malabarisch und ceylonisch Sudu Turemali, ist ein weißgelber Topas.
Die Weiße ist nicht bei allen dieselbe, gewöhnlich ist er aber doch milchfarbig, so daß er nicht vollkommen durchsichtig ist.
Aus dieser Ursache wird er oft ausgebrannt, wodurch die Farbe vergeht, so daß er viel klarer wird, wiewohl er keine vollkommene Weiße erlangt.
Grüne Turmaline, auch Maturesse Diamanten, malabarisch und ceylonisch Patje Turemali, werden sowohl Chrysolithen, die ein vierseitiges Prisma haben, als auch bisweilen Chrysoprase genannt.
Der grüne Turmalin ist von dunkler Farbe, die bisweilen ins Gelbliche, bisweilen ins Bläuliche, bisweilen ins Grünliche, am öfte·sten aber ins Schwärzliche fällt.
Manchmal ist er durchsichtig; manchmal mit einer undurchsichtigen Oberfläche umgeben; manchmal ist er ganz undurchsichtig, sieht wie Sch·örl aus, glänzt im Bruche, und hat nicht selten knotige Lamellen mit vielen Ritzen in die Länge und in die Breite.
Einige findet man kristallisiert mit einer länglichen Säule von vier gleichen Seiten und einer vierseitigen Pyramide.
Gewöhnlich wird er schon etwas abgeschliffen und zerbrochen, in unförmlichen, bald dicken, bald dünnen Stücken, die bisweilen von der Größe einer Wal·nuß, bisweilen aber so klein wie Körn··chen sind, gefunden.
Der grüne, oder der Chrysopras ist schön grasgrün, klar und durchsichtig, und man schleift allerhand daraus; dieser heißt eigentlich grüner Turmalin, obgleich dieser Name auch verschiedenen anderen Arten gegeben wird.
Den gelben Turmalin, welcher ebenfalls Maturesse Diamant, malabarisch und cingalisch Kanake Turemali heißt, und ein grüngelber Topas ist, wird von den Mohren auch wohl Turmalin Topas genannt, weil er dem eigentlichen Topase oft sehr gleich kommt.
Von Ansehen hat er mit Bernstein viel Ähnlichkeit.
Einige sind dunkelfarbiger oder beinahe brandgelb; andere sind blaßgelb; einige sogar weißgelb.
Kristallisiert habe ich diese Steine nicht gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser geschliffen, und zwar von der Größe eines Reiskorns bis zu der Größe einer Erbse.
Man schleift sie, um sie in Ringe zu fassen, und sie haben ein schönes Ansehen.
Der schwarze Kristall, malabarisch Karte Palingu, cingalisch Kallu Palingu, wird teils in Kristallen, teils in zerbrochenen Stücken angetroffen, und ist der elektrische ceylonsche Turmalin.
Eigentlich ist es ein ganz schwarzer, scheinender und undurchsichtiger Schörl.
Ost findet man ihn in unförmliche Stücke zerbrochen, die vom Rollen im Wasser zum Teil rund, zum Teil länglich, geschliffen sind.
Im Bruche ist er glänzend, und fällt in schiefrige Stücke, welche an den Kanten durchsichtig sind, und wovon ich einige so groß, wie eine Wal·nu·ß, andere hingegen ganz klein, wie eine Erbse, gesehen habe.
Einige bekam ich, wiewohl mit Mühe, die kristallisiert, jedoch nicht ganz unbeschädigt waren, sechs ungleiche Seiten und eine dreiseitige, stumpfe Pyramide hatten.
Hieraus werden Knöpfe geschliffen, die an Röcke, Westen und Beinkleider in der Trauer getragen werden, und wie Knöpfe von Steinkohlen aussehen.
Dieser Kristall ist sehr häufig, und weder teuer noch sehr geschätzt.
Ich konnte nicht merken, daß die Indier seine elektrische Eigenschaft kennen, auch geben sie ihm niemals den Namen Turmalin, womit sie im Gegenteil verschiedene andere Arten benennen.
Robale, malabarisch Rauwa, ceylonisch Rawa, sind kleine dunkelrot·e, undurchsichtige Granaten, dunkler als Rubine, aber nicht so hart.
Liegend ist er fast ganz undurchsichtig, wenn er sehr dunkelfarbig ist.
Meistens wird er in kleinen, abgerundeten und glatt gewordenen Stücken gefunden.
Er wird zu Steinen in Ringe geschliffen, und oft für Rubin verkauft.
Der Kaneelstein, malabarisch und ceylonisch Komedegam, ist ein schöner braungelber oder gelbbrauner Granat.
Den Namen hat er von seiner Farbe, welche einigermaßen wie die Farbe des Kaneelöls vom feinsten und besten Kaneel aussieht, aber doch nicht immer gleich, sondern bald mehr, bald weniger blaß oder hochbrandgelb ist.
Man findet sie, unbeschädigt, selten von beträchtlicher Größe, sondern gewöhnlich sind sie, auch die kleinen, sowohl der Länge als der Breite nach gesprungen, welches verursacht, daß sie alsdann nicht klar sind, und zum Schleifen nicht taugen.
Diese Ritzen oder feinen Borsten machen, daß sie in Würfel und schiefe Scheiben fallen.
Bisweilen sehen sie fast wie Benzoegummi aus.
Geschliffen geben sie schöne Steine, besonders zu Ringen, Halsbindenschnallen und dergleichen.
Was die Holländer Rubin, die Malabaren Elinges Chogeppu, und die Ceyloner Lankaratte nennen, ist ein wahrer Rubin.
Dieser Stein ist bald mehr bald weniger reif, das heißt nach indischer Art zu reden, von mehr oder weniger hoher Farbe.
Der Amethyst ist violett, der Rubin aber rot, und zwar gemeiniglich blutrot.
Je hochrot·er die Farbe, und je größer, klarer und Fehlerfreier der Stein ist, desto größer ist sein Wert.
Von bedeutender Größe findet man ihn indessen hier selten, sehr oft nicht größer als große Sandkörner, Gestenkörner und dergleichen.
Je höher die Farbe ist, desto klarer und durchsichtiger ist der Stein.
Die unreifen sind nicht so klar, haben auch bisweilen dunklere Fleck· oder Streifen.
Einige von diesen letzteren fallen beinahe ins Violette.
Die meisten sind im Wasser gerollt, und teils rund, teils flach.
Einige habe ich jedoch kristallisiert gefunden, und zwar mit acht Seiten, wovon vier breit und vier ganz schmal waren.
Die Mohren sagen, daß dieser Stein an Härte dem Diamant am nächsten komme, und schleifen ihn zum Einfassen in Ringe.
Der blaue Saphir, malabarisch Nilem, cingalisch Nile, ist ein wahrer bläulicher Saphir.
Man findet ihn, wie andere ceylonsche farbige Steine, reif und unreif in sehr verschiedenen Geraden, das ist mehr oder weniger hochblau.
Bisweilen sind sie so bl··aß, daß sie beinahe Wasserfarbe haben, selten sind sie dunkelblau.
Sie sind doch mehr gleich gefärbt, als die Amethyste, ohne so viele Flecken und Streife, obgleich sie oft blaue Flecken haben, und ich einen sah, der an dem einen Ende ganz hellblau und am anderen dunkelblau war.
Alle, die mir vorgekommen sind, waren vom Umherspülen im Wasser in runde und allerhand andere Gestalten geschliffen.
Einen bekam ich, der wie eine Haselnu·ß groß war; die meisten sind vielmal kleiner.
Sie werden geschliffen, und zu Knöpfen und in Ringen gebraucht.
Die grünen Saphire, malabarisch und cingalisch Patje Padian, sind gleichfalls wahre Saphire.
Die Farbe ist hellgrün, bei einigen grünlich, bei einigen auch blaß.
Sie werden wie die Vorhergehenden geschliffen und gebraucht.
Taripo heißt auf Ceylon ein weißer Stein, der vermutlich nichts anders, als ein einfarbiger Quarz oder ein weißer Kristall ist.
Seine Farbe ist entweder ganz weiß, oder etwas wasserfarbig, aber nicht so klar und durchsichtig, als beim Kristall, sondern mehr wie beim Quarz.
Kristallisiert habe ich ihn nie gesehen, sondern in unförmlichen Klumpen.
Auch aus diesen schleift man Steine zum Einfassen.
Aus diesen Beschreibungen erhellet, daß der Stein, welcher in Europa unter dem Namen Turmalin, und seiner elektrischen Kraft wegen bekannt ist, bei den Indiern diesen Namen nicht führt, sondern daß diese mit dem Namen Turmalin verschiedene Steine von unterschiedlicher Farbe und Klarheit bezeichnen, die nichts Elektrisches an sich haben.
Die meisten dieser Steine habe ich den H·r·n. Professor Bergmann mitgeteilt, der so gefällig gewesen ist, mir ihre mineralogischen Benennungen mitzut·eilen.
Die Mohren sind es hauptsächlich, welche zu Columbo, Gale und Mature diese Steine, sowohl roh, als geschliffen und eingefa·ßt, verkaufen.
Ein Fremder mu·ß aber bei dem Handel mit ihnen sehr vorsichtig sein, nicht nur deswegen, weil sie weit mehr, als sie gewöhnlich wert sind, dafür fordern, sondern auch, weil sie den Käufer oft mit Glasflüssen und daraus geschliffenen Steinen betrügen, die sie so schön und künstlich zu machen wissen, da·ß der, welcher nicht ein guter Kenner ist, sich leicht täuschen lä·ßt.
Alle diese Edelsteine, welche auf Ceylon, besonders im Lande Mature angetroffen werden, findet man in T·älern und am Fuße der Berge in einer Mischung von Erde und fettem Ton.
Oft findet man verschiedene Arten in einer und derselben Erde und am nämlichen Orte.
Manchmal werden sie auch durch starken Regen oder herabströmendes Wasser von den Bergen herunter gespült, und alsdann in der Ebene auf der Oberfläche gefunden.
An einigen Stellen findet man Steine ohne viele Mühe ein, zwei oder drei Fuß tief unter der Erde, dagegen man nach anderen zwanzig und mehr Fuß tief graben kann.
Die ausgegrabene Erde legt man in einen großen Rohrkorb, und schlämmt sie, da denn die Steine zum Vorsch·ein kommen.
Das Graben der Edelsteine in den um Mature liegenden Distrikten, wird jährlich im August für Rechnung der holländisch ostindischen Compagnie an den Meistbietenden verpachtet.
Für die Jahre 1777 und 1778 hat ein Mohr diese Pacht für hundert und achtzig Reichst·aler gehabt.
Das Land, welches zum Graben der Steine verpachtet wird, liegt nicht immer in einer Strecke, sondern man sucht verschiedene Stücke Landes· die hin und wieder zerstreut liegen, und wovon man gefunden hat, daß sie Edelsteine enthalten, dazu aus.
Ehe die Verpachtung geschieht, werden diese Plätze von Kommittierten der Compagnie besichtigt.
Zu solchen Stücken Landes gehören oft die Gärten der Cingaleser, welche alsdann nicht frei sind, sondern ebenfalls zum Graben hergegeben werden müssen.
Der nämliche Platz wird bisweilen mehr als einmal verpachtet, weil mehr Jahre nacheinander da gegraben werden kann.
Gemeiniglich und am liebsten werden solche Plätze genommen, die an den Bergen, besonders, um des Auswaschens Willen, die welche zugleich nicht weit von Bächen liegen.
Der Hauptpächter verkauft hernach oft an verschiedene Andere die Freiheit, mit einer gewissen Anzahl Leuten zu graben, zum Exemp·el: für fünfzehn Taler an den, welcher mit zehn Mann, und so in Proportion an den, welcher mit fünf oder mit zwanzig Mann graben lä·ßt.
Diese haben denn die Freiheit, das ganze Jahr hindurch, wo sie wollen, zu graben, aber nicht mit mehr Leuten, als wofür sie an den Hauptpächter bezahlen.
Wer die Freiheit zu graben gekauft hat, bezahlt auch die Arbeitsleute.
Was man nach geschehenem Graben und Waschen bekommen hat, wird am Schlusse jedes Monats in einen Beutel gelegt, der alsdann versiegelt und dem Eigentümer zugeschickt wird, welcher nun seine Steine aussucht und sortiert, und erwartet, wie viel sie ihm einbringen werden.
Verschiedene von diesen Edelsteinen werden ganz roh nach Europa gebracht.
Die meisten aber werden hier geschliffen, bisweilen auch gefa·ßt, und hernach in Indien selbst verkauft.
Das Schleifen ist gemeiniglich die Arbeit der Ärmeren unter den Mohren.
Es geschieht auf einer bleiernen Scheibe und für sehr billigen Preis.
Ich erhandelte nur von den Mohren die hier befindlichen Sorten nicht nur geschliffen, sondern auch roh, um sie unter anderen mineralogischen Sammlungen aufzubewahren.
Anfangs mu·ßte ich sie sehr teuer bezahlen, besonders da ich damals aussuchte, hernach fand ich aber, daß ich sie, durch die Bank gekauft, viel wohlfeiler bekommen konnte.
Einige andere ceylon·sche Mineralien sind folgende.
Eisenerz wird in Erde und Ton, die damit durchwachsen sind, und zwar bisweilen ziemlich tief in der Erde gefunden.
Es wird in Tiegeln über Feuer, gegen welches man zwei Blasebälge spielen lä·ßt, geschmolzen.
Die Schlacken werden mit Zangen abgesondert, die besonders dazu gemacht sind, und die geschmolzene Ma·ße wird in eine von Ton verfertigte Form gegossen, hernach weiter gereinigt, und zu allerhand Gebrauch geschmiedet.
Glimmer ( Mica, cingalisch Mirinan ) findet man in großen blättrigen Stücken.
Die Blättchen davon werden als Zier·at· an den oben beschriebenen Talpatsen, das ist, von großen Talpattblättern gemachten Regenschirmen, gebraucht.
Wasserblei oder Reißblei ( Ferrum Molybd·äne, ceylonisch Kalu Miniran ), wird mit Glimmer zusammen an einem und demselben Orte, am Fuße der Berge, in T·on, Lehm und rot·er Erde, oft sehr tief liegend, gefunden.
Man trifft es bisweilen auch allein im trockenen Erdreiche an.
Der Stahlstein oder kristallisierte Schwefelkies hält etwas Kupfer.
Man schleift Knöpfe daraus.
Sechster Abschnitt.
Allerlei andere Nachrichten von Ceylon; Einwohner, Religion, Sitten und Gewohnheiten, Sprache, Münzen und dergleichen betreffend.
Die Küsten rund um die ganze Insel Ceylon, ungefähr sechs oder mehr Meilen tief ins Land, gehören ganz und gar der holländischen ostindischen Compagnie, und stehen unter einem Gouverneur derselben, obgleich das Land von den Cingalesern bewohnet wird, welche nach geendigtem Kriege Untert·anen der Compagnie wurden.
Das Innere, Mittlere und Gebirgige der Insel gehört dem Könige oder Kaiser zu Candy, welcher jetzt von allen Seiten so eingeschlossen ist, daß er keinen Kaneel an fremde Nationen, auch nicht heimlich und durch Schleichhandel, verkaufen kann.
Candy, die Hauptstadt des Kaisers von Ceylon und der ganzen Insel, liegt auf einer Höhe fast mitten im Lande.
Nicht weit davon liegt ein sehr hoher Berg, von dem eine noch höhere Spitze emporsteigt.
Dieser Berg heißt der Adamsberg, und die Spitze Adamsspitze ( Adams-Piek ), weil man glaubt, Adam, der erste Mensch, liege da begraben.
Die Ceyloner stellen Wallfahrten dahin an, und geben vor, daß Adams Fußstapfen da noch in der Erde eingedruckt zu sehen sind.
Der Mohren, welche von den Küsten des festen Landes nach Ceylon kommen, sind besonders zu Columbo, wo sie ansehnliche Handlung treiben, eine ziemlich große Anzahl.
Sie sind meistens lang von Statur, schwärzer als die eingeborenen Insulaner und wohl gekleidet.
Die Portugiesen haben hier, wie ander·wärts, während ihres Hierseins sowohl die christliche Religion, als auch ihre Sprache einzuführen gesucht.
Die Holländer haben sich seitdem sie hierher gekommen sind, bemühet, das Christent·um hier aufrecht zu erhalten.
Zu diesem Ende sind von der Compagnie sowohl Kirchen als Schulen für die Eingeborenen und Sklaven beibehalten, auch Geistliche zu ihrer Unterweisung und zur Haltung des Gottesdienstes bestellt.
Kurz vor meiner Ankunft war von der dänischen Mission zu Trank·bar ein lutherischer Geistlicher nach Ceylon gekommen, um zu Columbo einige Predigten zu halten, besonders aber seinen hiesigen Glaubensgenossen das heilige Abendmahl zu reichen, weil diese hier weder Kirche, noch einen eigenen Prediger haben.
Gewöhnlich macht alle Jahr ein solcher Geistlicher die Reise von Trank·bar hierher, aus Eifer für seine Religion, und aus Liebe zu seinen Glaubensverwandten, die gleichwohl seine Mühe und Beschwerde nur sehr mäßig belohnen.
Einige legen hier der gedachten dänischen Mission großen Ruhm bei.
Man hat mich versichert, daß, wenn die Katholiken mit eben so viel Sanftmut·, Leutseligkeit und christlicher Liebe, als diese Missionäre t·un, ohne Ha·bsucht, Herrschbegierde, ·Übermut· und Gewalt·tätigkeit, die Lehre Jesu in Indien auszubreiten gesucht h·ätten, der gr··ößte T·eil der zahlreichen Einwohner Asiens jetzt Bekenner derselben sein w·ürden.
Die Heiden in Ceylon beten, wie andere östliche Völker Asiens, vorzüglich den Abgott Buddha oder Budso an, dessen Bild man nicht nur in ihrem Tempel, sondern auch oft in ihren Häusern antriff·t.
In den Tempeln bringen sie ihm allerlei Opfer dar, welche zugleich die Einkünfte der Priester ausmachen.
Mit diesen Opfern bezeichnen sie oft ihre Bedürfnisse und Anliegen.
Wenn einer oder mehrere in einem Hause krank geworden sind, so lassen sie dünne Silberbleche schmieden, und daraus eine oder mehrere menschliche Figuren im Kleinen bilden, die sie dann auf den Altar des Buddha legen.
Hat jemand kranke Augen, so lassen sie ein Paar silberne Augen machen, und so weiter.
Wenn sie aber seine Hilfe im Allgemeinen anrufen, so lassen sie die Figur des oben erwähnten heiligen Feigenbaums oder auch die Frucht des Nierenbaums ( Anacardium ), die ihrer Meinung nach diesem Gotte besonders angenehm sind, von Silber verfertigen.
Wenn die Priester eine Menge solcher Opfer zusammen gebracht haben, so schmelzen sie sie wieder ein, oder verkaufen sie nach dem Gewicht an die Goldschmiede.
Ich hatte Gelegenheit verschiedene solcher Opferstücke zu Kauf zu bekommen, so wie auch einen kleinen, von purem Silber verfertigten Hausgott Buddha, der das harte Schicksal hatte, von seinem Besitzer an einen Europäer verpfändet zu werden.
Es trägt sich bisweilen zu, daß die äußerste Not sie dazu treibt, ein solches Götterbild zu verpfänden; allein sobald sie nur einigermaßen dazu kommen können, lösen sie dergleichen Pfänder richtig ein.
Der Buddha wird allezeit nach indischer Art, die Beine kreuzweise über einander sitzend, eine Hand oben auf dem Kopfe, oder auch wohl beide Hände gefaltet vor dem Leibe haltend, und mit langen, bis auf die Schultern reichenden Ohren abgebildet.
In den Tempeln traf ich dies·· Bild bald von Stein, bald von Holz, und zwar von verschiedener Größe an.
Die Mohren betragen sich in den hiesigen Moscheen sehr sittsam und anständig.
Mit äußerster Ehr·erbietung verrichten sie ihr Gebet; während dem Beten drehen sie nicht einmal den Kopf im Geringsten zur Seite, geschweige daß sie mit einander sprechen sollten.
Zu Columbo hat die Compagnie eine eigene Druckerei, in welcher verschiedene, meistens auf die christliche Religion Bezug habende Bücher gedruckt sind.
Von diesen verschaffte ich mir einige, die ich hernach der Universitätsbibliothek zu Upsala einverleibt habe, als: Kort Begryp der christelyke Religie, in de Tamul·sche Spraak, door Sigisbertus Abrahamß Bronsveld, Colombo 1754, 8. ( Kurzer Inbegriff der christlichen Religion in tamulischer Sprache ).
Tamul·sch·· Kinderkatechismus, door Sigisbert Abrahamß Bronsveld, Colombo 1776, 8. ( Tamulischer Kinderkatechismus ).
Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, in de Mallabaarse Taal, Colombo 1741, 4. ( Das Evangelium Matthäi in malabarischer Sprache ).
Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, Marcus, Lucas Ende Johannes, Ende de Hand·ling·· der Apostel·n in de Tamulsche Taal, Colombo 1748, 4. ( Die vier Evangelisten und die Apostelgeschichte in tamulischer Sprache ).
Die vier Evangelisten in cingalesischer Sprache, in 4., bekam ich ohne Titelblatt.
Zestie·n Predikatien in de· Tamul·sche Taal, d·oor Philippus de Fri·st, Colombo 1747, 4. ( Sechzehn Predigten in tamulischer Sprache ).
Singaleesche Taal-Konst, door Johannes Ruell, Amsterdam 1708, 4. ( Grammatik der cingalesischen Sprache ).
Das Baden in kaltem Wasser, besonders in der offenen See an einem Strande der vor Krokodillen sicher ist, ist sowohl unter den hiesigen Europäern, als auch vorzüglich unter den Indianern allgemein gebräuchlich.
Wenn man am Nachmittage vor der Stadt spazieren geht, sieht man Schwarze und Weiße, Alte und Junge, Freie und Sklaven, weiblichen und männlichen Geschlechts, zu Hunderten im Wasser plätschern.
Hierdurch geben sie dem Körper die nötige Kühle, und den durch die brennende Sonnenhitze geschwächten Fibern neue Stärke.
Man reiset in Ceylon in Tragsesseln oder sogenannten Palan·kinen.
Ein Palankin ist mehr offen, als ein japanischer Norimon, auch in einigen anderen Stücken davon unterschieden, ob sie gleich in den meisten Rücksichten einander ähnlich sind.
Die Bambustange, woran er getragen wird, geht über dem Dache oder der Decke her, und wird von mehreren Mohren, die unterweg··s einander ablösen, getragen.
Man kann in einem solchen Tragstuhle nach Belieben sitzen und liegen.
Er hat an allen vier Seiten Gardienen, damit man sich gegen die Hitze der Sonne verwahren kann.
Gewöhnlich reiset man mit sechs oder zwölf Trägern.
Die Vornehmen unter den Ceylonern, ingleichen die Hofleute zu Candy, und die Kaiserlichen Abgesandten an die Holländer, tragen lange goldene Ketten um den Hals, die bis auf die Brust, und wohl gar bis auf den Unterleib herabhangen.
Dergleichen hatten unter anderen die Abgesandten, welche zu meiner Zeit nach Columbo kamen.
Auch gibt der König dergleichen als ein Ehrengeschenk dem holländischen Ambassadeur und dessen Sekretär, wenn sie zu Candy ankommen.
Diese Ketten bestehen nicht aus Gliedern, sondern aus runden Kugeln, die inwendig hohl, überall durchbrochen, und wie die feine Dra·thfädenarbeit der europäischen Gold- und Silberarbeiter, von Golddraht geflochten sind.
Die Kugeln werden, wenn eine Kette daraus gemacht werden soll, entweder auf eine seidene Schnur oder auf Golddraht, so lang als man die Kette haben will, an einander gereih·t.
Eine solche Kette ist sehr leicht und wohl gearbeitet, und sieht sehr schön aus; kommt aber wegen ihres geringen Gewichts nicht viel höher als zwanzig, dreißig bis vierzig Pagoden, die Pagode zu einem Dukaten gerechnet, zu stehen.
Die Kleidung der in Ceylon sich aufhaltenden Mohren sieht beinahe wie ein weiter Damenanzug aus, ist gewöhnlich von weißem Kattun, sehr weit, und um den Leib in Falten zusammengelegt, und mitten über den Leib mit einem Gürtel von weißem bauwollenen Zeuge, der an der rechten Seite geknüpft wird, zusammengebunden.
Auf dem Kopfe tragen sie einen Turban.
Die Ohren schmücken sie gewöhnlich mit langen goldenen Ohrgehängen, die auf verschiedene Art gearbeitet sind.
Einige sind schlicht, andere gewunden; in andere sind rot·e, blaue oder grüne Edelsteine gefaßt; einige sind sehr groß, zum Teil einen Finger lang, andere hingegen klein.
Bisweilen tragen sie in jedem Ohr· ein solches Gehänge, bisweilen ihrer mehrere, bisweilen fünf bis sechs, so daß durch die Schwere derselben das Loch im Ohr· und der Ohrlappen gar sehr verlängert wird, und das Ohr wohl bis auf die Schulter herabreicht.
Viele lassen in diese Ohrringe, eine kleine runde, mit kleinen rundlichen Erhabenheiten besetzte Frucht fassen, die der Sage nach, auf einem heiligen Berge im Lande Kasche wächst.
Die Frucht heißt Uteratie, und ist gemeiniglich so groß, wie eine kleine Erbse, manchmal aber auch wohl wie eine Flintenkugel.
Einige glauben in den Löchern und Falten derselben gleichsam sieben menschliche Gesichte zu sehen; alsdann ist sie von hohem Wert·, und wird von den Vornehmen und Reichen mit zweihundert T·alern bezahlt.
Sobald die Kinder drei Jahr alt sind, wird ihnen ein kleiner Ohrring zum Schmuck gegeben.
Eigentlich sind es nur die Reichen, welche viele Gehänge· in den Ohren tragen, so, daß man aus der Beschaffenheit, Größe und Menge der Ringe auf den größeren oder geringeren Reichtum derselben schließen kann.
Unter den mancherlei Arten Kattun und Sitze, die aus Malabar und Coromandel hierher kommen, schienen mir die von Suratte und Bengalen, und namentlich die letzteren, die allerschönsten zu sein.
Von Tutucorin sah ich auch solche, die nicht gedruckt, sondern worauf die Blumen, wie auf Tapeten, mit dem Pinsel gema·lt waren.
Es ist unglaublich, zu welcher Feinheit die Baumwolle auf den indischen Küsten gesponnen wird.
Ich hatte Gelegenheit, baumwollene Zeuge zu sehen, die so fein waren, daß ich ein halbes Dutzend Hemden davon in eine Hand ganz von allen Seiten zusammen fassen konnte.
Auf Ceylon gibt es, so wie in ganz Indien eine Menge giftiger Tiere, Säfte und Früchte.
Dagegen sind die Einwohner auch mit sogenannten Gegengiften reichlich versehen.
Dahin gehört das Schlangenholz ( Lignum colubrinum ), die Schlangenwurzel ( Ophiorrhiza ) und die Mungobohne ( Phaseolus Mungo ).
Die Mohren rechnen auch das Rhinozeroshorn dazu.
Besonders mu·ß ich hier von den Schlangensteinen etwas sagen.
Man hatte mir von ihrer Wirkung gegen den Schlangenbiß so viel gerühmt, daß es mir sehr wichtig war, mich bei den Malabaren genau da·nach zu erkundigen, und auch die Zubereitung und Verfertigung derselben zu erfahren.
Man brachte mir oft solche Steine, hielt sie aber lange in ziemlich hohem Preise.
Als ich aber endlich keine mehr kaufen wollte, und andere Abnehmer auch selten waren, bekam ich sie so wohlfeil, daß ich hernach zu Kap meinen Freunden das Stück für einen Taler überlassen konnte.
Der Stein ist durch Kunst gemacht, groß, und beinahe von der nämlichen Gestalt als eine Bohne, obwohl Größe und Figur selten gleich sind.
Gemeiniglich ist er rundlich, oder ein wenig länglich rund, mit stumpfen Kanten, auf der einen Seite fast ganz platt, und auf der anderen etwas erhoben.
Er wird aus einer zu Asche gebrannten Wurzel gemacht, welche mit einer gewissen Art Erde, die man bei Diu findet, vermischt, hierauf abermals gebrannt, sodann zu einem Teige gemacht, und diesem die Figur, welche der Stein haben soll, gegeben, und zuletzt an der Luft getrocknet wird.
Nicht alle haben ein·erlei Farbe; die, welche am meisten gebrannt sind, sehen mehr hellgrau, die anderen mehr dunkelgrau aus; gewöhnlich sind sie schwarz und grau gefleckt.
Inwendig hat der Stein feine Löcher, oder Zwischenräume, die man aber doch nicht selten mit bloßen Augen sehen kann.
Zugleich ist er so zerbrechlich, daß er in Stücken fällt, wenn man ihn auf einen Stein fallen lä·ßt.
Wenn man von einer Schlange gebissen wird, so legt man einen solchen Stein auf die Wunde, bindet ihn darauf fest, und lä·ßt ihn so lange liegen, bis alle Zwischenräume des Steins mit dem ausgezogenen Gifte angefüllt sind.
Man sagt, er falle dann von selbst ab, wie ein Blutigel der sich vollgesogen hat; und wenn man ihn sodann in süße Milch legt, glaubt man, daß das Gift wieder heraus ziehe, worauf man den Stein von neuem auf die Wunde legt, wenn man meint, daß noch Gift darin sei.
Fein geschabt, und in Wein eingenommen, soll er bei hitzigen- und Faulfiebern große Heilkräfte äußeren.
Man erzählte mir, daß es auch falsche, nachgemachte Schlangensteine gebe, die gar keine Arznei·kraft haben.
Die Kennzeichen der echten Schlangensteine sind: daß sie am Gaumen, und, wenn man warm ist, auch an der Stirn festkleben, und im Wasser gelegt, nach Verlauf einer kurzen Zeit verschiedene kleine Wasserblasen aufsteigen lassen.
Wie auf der Küste des festen Landes von Ostindien, so bedient man sich auch auf der Insel Ceylon, der Blätter der Borassuspalme, bisweilen auch der vom Talpatbaume ( um drauf zu schreiben, wie bereits erwähnt ) statt Papiers.
Die Indier machen nämlich nicht wie ihre östlicher wohnenden Nachbaren, ihr Papier aus Baumrinde, sondern schreiben auf Blätter.
Man legt die Blätter jener beiden Arten Palmenbäume zu diesem Ende in Falten wie einen Fächer, und die hierdurch sich bildenden Streife, bedürfen keiner weiteren Bereitung, als daß sie mit einem Messer von einander getrennt und an den Seiten gerade geschnitten werden.
Auf diese Blätter-Streife, schreibt man statt der Feder, mit einem spitzigen eisernen Griffel, mit welchem die Buchstaben eingeritzt oder eingegraben werden.
Damit das Geschriebene hernach desto besser zu lesen sei, werden pulverisierte Kohlen, oder sonst etwas Schwarzes, darüber gestrichen, so daß die Buchstaben völlig wie in Kupfer gestochen aussehen.
Die Spitze eines solchen Griffels ist entweder in einen messingnen Stift eingefaßt, den man in einem hölzernen Futteral trägt, und der bisweilen eine Viertelelle lang ist; oder der ganze Griffel ist von Eisen und aus einem Stücke, und zugleich mit einer Messer·klinge versehen, womit man die Blätter schneiden kann, da denn sowohl der Griffel als das Messer in einem gemeinschaftlichen Stiel eingesetzt sind, worin man sie umlegen und bei sich tragen kann.
Auf solche Streife von Blättern werden alle Briefe, die Befehle der Fürsten und dergleichen geschrieben, und offen und unversiegelt weggeschickt.
Wenn ein einziger Streife nicht hinreicht, so legt man mehrere zusammen, und reihet sie, vermittels· eines an dem einen Ende hinein gemachten Lochs und einer hindurchgezogenen Schnur, auf.
Wenn ein Buch zum Gebrauche im Tempel, oder zu anderem Behuf gemacht werden soll, so sucht man recht breite und schöne Streife· von Talpattblättern aus, auf welchen die Schrift sehr schön und genau eingeritzt, und auch verschiedene Figuren zum Zier·at· hinzugefügt werden.
Darauf werden die sämtlichen Streife mit zwei Löchern durchbohrt, auf eine schöne und künstlich gemachte Schnur gereiht, und mit zwei hölzernen Seitendeckeln statt des Bandes versehen, die hernach lackiert werden.
Vermittels· der Schnur werden die Blätter dicht und eben zusammen gehalten, und wenn man das Buch gebraucht, kann man sie durch Ausziehung der Schnur nach Gefallen aus einander nehmen.
Ein Buch dieser Art, das, wie man mir gesagt hat, verschiedene Gebete enthält, hatte ich, durch Graf Ranzows Vermittlung, Gelegenheit· mir von einem ceylonschen Priester zu verschaffen.
Auf Erlernung der ceylon·schen und der malabarischen Sprache einen Teil meiner kostbaren Zeit zu verwenden, dazu war mein Aufenthalt in diesem Lande zu kurz.
Ich bemerkte indessen doch, daß diese beiden Sprachen sehr unterschied··en sind, und von einander eben so sehr abweichen, als die Sprache der Mohren von Beiden.
Von der malabarischen Sprache kann ich hier wenigstens die Zahlwörter mitt·eilen.
Da zu Columbo mit der ganzen Küste des festen Landes von Indien ein ausgebreiteter Handel getrieben wird, und auch eine Menge Mohren des Handels wegen sich hier aufhalten, so war es mir leicht, verschiedene t·eils gangbare, t·eils seltene, indische Münzen zu bekommen.
Unter den ceylonschen Münzen ist eine, die in Ansehung ihrer Gestalt etwas besonders hat und, auf Malabar und Coromandel zugleich, Gang und gebe ist.
Der Kaiser zu Candy lä·ßt sie schlagen; sie ist von verschiedener Größe und verschiedenem Wert·, heißt aber durchgängig Laryn.
Sie besteht aus einem gehämmerten silbernen Zylinder, der in der Mitte zusammen gebogen, und an beiden Enden wie ein Haken gekrümmt ist.
Das obere Ende ist mit einigen Buchstaben, Sternen oder anderen eingegrabenen Figuren bezeichnet.
Ein·s von den Exemplaren, welche ich mir einwechselte, kostete zehn, ein anderes, kleineres, neun holländische Stüber, beide sind von feinem Silber.
In einigen Gegenden der Insel wird eine Art Kupfergeld aus der Erde gegraben, das kleiner aber etwas dicker, als ein gewöhnlicher Pfennig, und mit einem Bilde nebst malabarischen Buchstaben beprägt ist.
Man glaubt, es sei malabarische Münze, die ehedem hier gangbar gewesen.
Unter den geringen und armen Leuten zirkulieren viele von den großen sowohl als kleinen Pfennigen, welche die Compagnie schlagen lä·ßt, und zwar von derjenigen Gattung, die auf einer Seite das Wappen derselben hat.
Im Handel und Wandel zwischen den Europäern und Indiern sind goldene und silberne Rupien und Pagoden die gebräuchlichsten Münzsorten.
Von den Rupien gibt es hier verschiedene Sorten, die von mehreren Fürsten geschlagen sind; auch hat man halbe, und noch kleinere Stücke davon: Pagoden, die man im östlichen Indien selten antrifft, sind hier sehr allgemein; es sind fast die einzigen Münzen, die ein Bild haben.
Das Gold, woraus sie geprägt werden, hat etwas Zusatz von Kupfer.
Sie halten fast genau einen Dukaten, und gelten zwei Reichstaler und einen Schilling holländisch.
Auf einer Seite sind sie erhoben, auf der anderen etwas flach, ungefähr wie ein Brustkuchen gestaltet.
Auf der einen Seite sieht man ein Bild, auf der anderen, nämlich bei denjenigen Stücken, die am meisten nach holländischen Comtoiren gehen, nur einige erhabene Punkte, bei denen aber die im Handel nach englischen Comtoiren gehen, einen Stern.
Man mu·ß sich bei diesen Pagoden sorgfältig für Betrug in Acht nehmeu, denn sie werden häufig verfälscht, und die Falschen, welche stark vergoldet sind, lassen sich nicht leicht anders als durch den Klang, von den echten unterscheiden.
Pagoden mit der Figur eines Elefanten sind ungemein rar; sie werden für sehr alt ausgegeben, sind größer als die gewöhnlichen, und bestehen aus feinem Golde.
Die massulipatnamschen Pagoden, welche von Coromandel hierher kommen, sind auch mit drei Figuren bezeichnet; man hat sie ganz, und auch, sogar bis zu Achtteilen, get·eilt; auch diese sind von feinem Golde.
Die mangalor·schen Pagoden sind von zweierlei Art; die eine ist alt, und hat auf der Rückseite Buchstaben; die andere kursiert noch jetzt, und hat einen Mond auf der Rückseite, auf der Hauptseite aber zwei Bilder; es gi·bt ganze und halbe; sie sind ebenfalls von feinem Golde.
Die sowohl hier, als auch auf den Küsten Malabar und Coromondel gangbare Scheidemünze, besteht entweder aus ganz kleinen, goldenen und silbernen Münzen, die Fanum heißen, oder aus Kupferpfennigen von unterschiedlicher Größe, die auf den von den Europäern errichteten Handelscontoiren geschlagen sind.
Die Fanum sind alle klein und dünn, die goldenen mit etwas Kupfer vermischt.
Verschiedene Fürsten auf dem festen Lande lassen sie schlagen.
Sie sind auf beiden Seiten mit verschiedenen Strichen und Punkten bezeichnet.
Ihr Wert ist ungleich, und richtet sich nach Gehalt und Größe.
Unter dem Kupfergelde sind verschiedene, von den Holländern, Engländern, Franzosen und Dänen geprägte Sorten, von ungleicher Größe, Dicke, Gepräge und Wert·.
Einige kleine silberne Münzen zirkulieren hier auch, die zu Madras, Pondichery und Trank·bar geschlagen sind.
Diese alle ausführlich zu beschreiben, würde zu weitläufig sein; vielleicht teile ich einmal in Zukunft dem Publikum eine eigene Beschreibung der ostindischen Münzen mit.
Von Malabar werden auch zwei Arten bleiernes Geld, das etwas größer ist, als das javanische, hierher gebracht; die eine Art hat ein rundes, die andere ein viereckiges Loch in der Mitte.
Von eben daher kommen auch zwei Kupfer-Münzen Dudu und Baisse genannt; die eine ist größer die andere kleiner, beide aber sind auf einer Seite mit der Figur eines Elefanten bezeichnet.
Fünfte Abteilung.
Rückreise nach Schweden, vom 28sten Januar 1778 bis den 14ten März 1779.
Erster Abschnitt.
Reise von Ceylon nach Holland.
Am 28sten Januar 1778 reiste ich von Columbo ab.
Ich nahm den Landweg nach Gale, und zwar in Gesellschaft des Polizeysecretairs Belling, welcher die Briefe dahin brachte, die mit den zur Rückreise nach Europa fertig liegenden Schiffen abgehen sollten.
Der Hafen von Gale wird durch die Festungswerke der Stadt beschützt.
Er krümmet sich in eine Bucht, weshalb das Ein- und Auslaufen beschwerlich ist.
Alle nach Europa und Indien gehende Schiffe, müssen ihre letzte Ladung hier einnehmen, und von hier aus absegeln.
Am 6sten Februar ging ich nebst mehreren Passagieren an Bord des Schiffes Loo, welches vom Kapit·än Ko·k, einem geborenen Norweger, geführt wurde, unter Se·gel.
Die Ladung bestand in ungefähr fünfzehn hundert Ballen Kaneel von der eigenen Ernte der Compagnie, etwas Kaneel von Candy, einer Menge Ballen weißer baumwollener Zeuge von Suratte und Tutucorin, und Pfeffer von der malabarischen Küste.
Die Offiziere hatten einige und dreißig Sklaven mitgenommen, die sie hernach zu Kap mit anseh·nlichem Gewinn verkauften.
Diese waren alle vom männlichen Geschlecht·, die meisten von der Küste Malabar, und nur einige wenige Pampusen mit krausem Haar darunter.
Ich als Arzt mu·ßte genau untersuchen, ob sie auch alle die Pocken und Masern gehabt hatten, und eben so sorgfältig mu·ßte ich auch unterwegs acht haben, ob sich etwa die eine oder andere dieser beiden Krankheiten bei ihnen zeigte.
Wäre dies der Fall gewesen, so hätte das Schiff, bei der Ankunft am Kap, bei Robbeneiland vor Anker gehen, und förmlich Quarant·äne halten müssen, so daß, vor Ablauf von 40 Tagen Niemand von uns hätte ans Land kommen dürfen.
Man fürchtet sich nämlich am Kap eben so sehr vor Pocken und Masern, als vor der Pest; und gleichwohl macht man gar keine Anstalten zur Einimpfung!
Unsere Fahrt ging von Gale aus mit günstigem Winde von statt··; am 11ten Februar passierten wir den ·Äquator, und am 16ten März den Wendezirkel des Steinbocks.
Als wir zwischen dem 30 sten und 35sten Grade südlicher Breite waren, hatten wir sehr oft Donnerwetter mit Regen, Hagel oder Schnee, welcher jedoch sogleich schmolz.
Einmal sahen wir während eines Gewitters an der Spitze des vordersten Mastes eine elektrische Flamme.
In diesen Gegenden war es auch, wo verschiedene Nächte nach einander mehrere lange Leuchtwürmer oder Glanzasseln ( Scolopendra electrica ) auf das Verdeck herunterfielen.
Sie kamen immer von derselben Seite als der Wind, und fielen auch auf eben der Seite nieder.
Gewiß war es auch der Wind, der sie herabwehte, und folglich kamen sie keineswegs von den Se·geln, sondern von den Masten und Stangen.
Wenn sie zertreten, oder sonst auf andere Art auf dem Verdecke zerquerscht wurden, so sah man allezeit ein phosphorisches Feuer so weit sich der zerdrückte Wurm erstreckte.
Merkmale von Flügeln konnte man an diesen Würmern nicht entdecken, sondern ohne Zweifel kriechen sie mit ihren vielen Füßen an die Masten hinauf, von wo sie hernach, wenn der Wind stark wehet, herunterfallen.
Den 22sten April zwischen 45 und 46 Grad Breite, nicht weit ostwärts vom Vorgebürge der guten Hoffnung, sahen wir Mittags einige wenige Minuten nach 12 Uhr einen auf der Oberfläche des Wassers selbst liegenden Regenbogen; der Wind weh·te stark, und die Sonne hatte ihren höchsten Stand am Himmel in Nordnordwesten, und der Regenbogen war in Südsüdosten.
Er fing am Horizonte selbst mit einem hellen Zirkelabschnitte an, welcher sich allmählich mehr und mehr erhob und zugleich nach den Seiten ausbreitete, und ganz oben einen schmalen dunkelrot·en Rand bekam.
Von den beiden Enden des Bogens erstreckten sich zwei Arme, wie zwei Hörner, die sich einwärts bogen, und Zweidrittheil ihrer Länge weit, sich zwischen der Erdfläche und dem Schiffe ausdehnten, und mit sehr angenehmen Farben, Rot·, Gelb, Grün und Purpurblau, prangten.
In dieser Stellung blieb er eine halbe Viertelstunde, worauf er in umgekehrter Ordnung allmählich verschwand.
Auf der östlichen, oder linken Seite, sah man einen anderen Regenbogen, mit Farben in entgegenstehender Folge; dieser war daher weiter nichts als eine Wirkung der von jenem wirklichen Bogen zurückgeworfenen Strahlen; oberwärts war er nicht sehr hoch, stand aber doch höher, als das Segment des ersteren an der Erd·fläche.
Nach einer Viertelstunde erhob sich zwar wieder ein ähnliches Segment, es dehnte sich aber in keinen Regenbogen aus.
Der Himmel war diese ganze Zeit trübe, und mit wolkenartigen Stellen besetzt, und man konnte mit Mühe gewahr werden, daß unten am Horizonte Regen fiel.
Dergleichen Regenbogen, die nur auf dem Meere und auf großen Seen entstehen können, sind vielleicht nicht oft beobachtet.
Auf dieser Seereise sahen wir auch mehrmals wasserziehende Wirbel ( sogenannte Wasserhosen ), die verschiedentlich gestaltet in der Luft schwebten.
Sie fingen allezeit am unteren Ende an zu verschwinden.
Wenn sie sich zeigten, hatten wir gewöhnlich zugleich Gewitterregenschauer mit starken Windstößen.
Endlich ließen sich die Malataßvögel, eine Art Pelikane ( Pelecanus Sula ) sehen, und gaben uns die sichere und frohe Hoffnung, daß wir bald Land erblicken würden.
Diese Vögel sind für die Seefahrer allezeit ein zuverlässiges Kennzeichen, daß sie nicht weit von der afrikanischen Küste sind; oft sieht man, wenn sie zum Vorsch·ein kommen, oben vom Mastkorbe aus bereits Land.
Selten gehen sie tiefer in die See hinein, als daß sie gegen Abend wieder nach den Buchten zurückkommen können, wo sie gewöhnlich die Nächte zubringen.
Wir entdeckten auch sogleich nachher Land.
Da aber der Südostwind uns sehr heftig entgegen wehte, konnten wir die Kapsche Reede nicht erreichen, sondern kamen am Abend, mit Mühe und Not, bei Robbeneiland vor Anker.
Bei dem starken Winde und der dadurch verursachten Kälte, hatte ich das unbeschreibliche Missvergnügen, verschiedene von meinen Brotfruchtbäumen und anderen Gewächsen, t·eils erfroren, t·eils durch das heftige Hin- und Herschwanken des Schiffs umgeworfen und ruiniert zu sehen.
Die meisten Krankheiten, welche auf dieser Reise vorkamen, waren venerische, die sowohl Matrosen als Sklaven durch ein luderliches Leben auf Ceylon sich zugezogen hatten.
Sie äußerten sich mit den schrecklichsten Symptomen.
Am 27sten April kamen wir endlich zu dem gewöhnlichen Ankerplatze auf der Reede bei Kap, wo bereits elf Schiffe lagen.
Sobald das Schiff durch Kommissarien aus der Stadt gehörig visitiert worden war, bekamen wir Erlaubnis ans Land zu gehen.
Ich ließ mich daher sogleich nach der Stadt rudern, und nahm meine Wohnung bei meinem vormaligen Wirte, Herrn Fehrsen, in denselben Zimmern, die ich ehedem drei Jahr bewohnt hatte.
Während diese Zimmer für mich zurecht gemacht wurden, fand ich Gelegenheit eine botanische Bemerkung zu machen, die mich in Verwunderung setzte.
Im Vorzimmer stand ein meinem Wirte gehör·ender sehr großer Kasten, den ich bei meinem vorigen hiesigen Aufenthalte oft anstatt eines Tisches gebraucht hatte, um meine Kräuter, Zwiebeln und Sämereien darauf zu legen.
Im letzten Jahre hatte ich auf diesem Kasten die in den afrikanischen Wüssten wachsenden fleischigen Gewächse in Ordnung gebracht, um sie nach Europa zu schicken.
Bei dieser Arbeit war eines dieser Gewächse, das äußerlich ganz vertrocknet aus·sah, hinter den Kasten gefallen.
Als jetzt beim Reinmachen des Zimmers der Kasten von der Wand gezogen wurde, fand man das dem Anscheine nach vertrocknete Gewächs dahinter liegen, das unterdes· einen Stängel von einer Viertelelle getrieben hatte, unerachtet es, als ich es vor vier·einhalb Jahren in den öden Sandebnen fand, nicht das geringste Merkmal des Lebens zeigte, und hernach in den drei verflossenen Jahren weder irgend Erde, noch die mindeste Feuchtigkeit, außer der Kühle des steinernen Fußbodens, gehabt hatte.
Dies beweiset, welch ein zähes Leben die in den ·····dürrsten Wüsteneien wachsenden afrikanischen Gewächse haben, und wie lange sie ohne Wasser und Nahrung aushalten können.
Ich nahm dies Gewächs hernach mit nach Europa, und fand, daß die, welche ich von dieser Art vorher weggeschickt hatte, im botanischen Garten zu Amsterdam Zweige und Blätter, aber bisher noch keine Blumen getrieben hatten, woraus ihr Geschlecht und ihr Name zu bestimmen gewesen wäre.
Zu Kap verschaffte ein jetzt auf der Reede liegendes schwedisches Schiff mir das Vergnügen, viele Freunde zu umarmen, die aus meinem Vaterlande gekommen waren, und mir außer vielen Briefen und Neuigkeiten auch die angenehme Nachricht brachten, daß ich in Professor Linnees Stelle, der seinem unsterblichen Vater im Amte nachgefolgt war, zum Demonstrator der Botanik auf der Universität zu Upsala ernannt worden sei.
In den drei Jahren meines Aufenthalts in Indien hatte sich die Kapstadt fast durchgehends durch den Anbau t·eils neuer, t·eils verbesserter Häuser, die nicht selten zwei oder drei Stockwerke hoch waren, dermaßen verändert, daß ich sie kaum wieder kannte.
Im letzten Sommer hatte der Südostwind das ganze Land ver··heert.
Er war ungewöhnlich heftig, und dabei die Dürre so groß gewesen, daß fast im ganzen Lande allgemeine Klage über Getreidemangel war.
An den meisten Orten hatte vor Dürre nichts wachsen können; an einigen Orten hingegen, wo die Saat herrlich gestanden hatte, unter anderen jenseits des hottentottischholländischen Gebirges, war so erstaunlich viel Regen gefallen, daß das schon gemähte Korn in den Haufen oder Femen verfault war, und das noch auf dem Halme stehende in den Ähren auszuwachsen angefangen hatte.
Dadurch war der Preis des Getreides in der Stadt zu so ungewöhnlich hohem Preise gestiegen, daß eine sogenannte Fracht Weizen, die vorher für zehn Reichst·aler verkauft wurde, jetzt zwei und dreißig galt.
Bei meiner jetzigen Anwesenheit allhier, lernte ich unter anderen einen Engländer, Namens Paterson, kennen, der hierher gekommen war, um S·ämereien und lebendige Wurzeln, der diesem Lande eigenen und seltenen Gewächse·, aus den inneren Gegenden von Afrika zu sammeln, und nach seinem Vaterlande zu schicken.
Er sagte mir, er reise auf Kosten eines Privatmannes, und besaß einige botanische Kenntnisse, eigentlich war er nur ein Gärtner.
Die holländische Compagnie gestattet jedem Offiziere auf ihren Schiffen einigen Handel zu treiben; sie dürfen nämlich eine große Kiste, fünf·einhalb Fuß lang, und dritt·halb Fuß breit, mit gewissen Waren anfüllen, welche hernach in öffentlicher Auktion für ihre Rechnung verkauft werden.
Die, welche sich in Ostindien noch nicht mit Wa·ren versorgt, sondern ihre Kisten mit Tamarinden oder etwas anderem angefüllt hatten, kauften jetzt hier am Kap grobe Sitze, und ähnliche nicht verbotene Sachen, um sie mit nach Europa zu nehmen.
Feine Sitze und Kattune, Spezereien und verschiedene andere Waren, womit die Compagnie ausschlie·ßlich handelt, sind den Particuliers ganz verboten, und werden, wenn sie damit handeln, als Kont·erbande weggenommen.
Den 15ten Mai traten wir vom Kap aus die Rückreise nach Europa an.
Wir segelten in Gesellschaft vier anderer holländischer Schiffe, und sollten zu wechselseitiger Verteidigung beisammen bleiben.
Ein dänisches Schiff, das mit uns zugleich auslief, kam uns bald vorbei, und verschwand als ein weit besserer Segler in kurzer Zeit vor unseren Augen.
Die Matrosen hatten verschiedene Paviane· gekauft; die sie mit nach Holland nehmen wollten.
Diese Tiere sind von böser Gemütsart, ergr·immen leicht und beißen sehr arg.
Man mu·ß sie daher fast stets angebunden halten.
Wenn einmal einer loskam, war es hernach nicht leicht, ihn wieder zu fangen, weil sie unbeschreiblich behende an den Tauen hinaufkletterten, und sich bis an die Spitze des höchsten Mastes flüchteten.
Bisher waren wir durch wi·drigen Wind in unserer Fahrt sehr aufgehalten worden, und hatten daher die afrikanische Küste noch immer im Gesichte; dazu kam jetzt noch ein so starker Nebel, daß wir nicht um uns sehen konnten.
Am 26·sten Mai, geriet·en wir dadurch, und namentlich das Kommandeurschiff, dem Lande so nahe, daß, als das Wetter anfi·ng sich aufzuklären, wir schon ganz dicht an die Klippen getrieben waren.
Hätten wir da zugleich Sturm aus Nordwesten bekommen, so wären wir gewi·ß unwiederbringlich verloren gewesen; glücklicherweise aber drehte sich der Wind nach Norden, und brachte uns wieder seewärts.
Diese drohende Gefahr hatte offenbar unser Kommandeur Koelbier, auf dem Schiffe Kanaan, dadurch veranlaßt, daß er am Abend vorher nach dem Lande hingesteuert hatte, anstatt daß er hätte suchen sollen, see·wärts zu gehen, um den Wind zu gewinnen; wir anderen Schiffe waren verbunden ihm zu folgen.
In der folgenden Nacht verloren wir das Kommandeurs·chiff ganz aus dem Gesichte, weshalb das Kommando nunmehr unserem Capitain Kock übertragen wurde.
Den Morgen darauf bekamen wir es wieder zu sehen, nach zwei Tagen aber wurde es uns abermals unsichtbar.
Nach einigen Tagen kamen wir ihm sehr nahe, indem es wegen widrigen Windes, da es sich zu sehr nach dem Lande gehalten hatte, jetzt die Flotte nicht erreichen konnte.
Demungeachtet war am folgenden Tag wieder nichts von ihm zu sehen, obgleich die Nacht über wenig Wind gewesen war.
Hieraus ergab sich nun ganz klar, daß der Kommandeur gar nicht gesonnen war, bei seiner Flotte zu bleiben, sondern im Gegenteil sich davon zu trennen suchte, allem Anschein nach, um seine Zuhause·reise desto_mehr beschleunigen zu können.
Bisher waren wir also, außer widrigem Winde und Windstillen, durch des Kommandeurs Winkelzüge doppelt und dreifach aufgehalten worden.
Am 6sten Junis bekamen wir endlich den Südostpassatwind, und am 12ten passierten wir den nördlichen Wendezirkel.
Einige Tage ···nachher sahen wir auf dem Wasser etwas herum treiben, das uns wie weiße Blumen vorkam.
Ich fischte einige davon auf, und fand, daß sie nichts anders waren, als Enten- und Gänsemuscheln aus dem Geschlecht· der Meereicheln ( Lepas anatifera und anserifera ), welche sich mir ihrem losen Stängel oder Stiel an Stücke Bamborohr und Holz, zu Dutzenden und mehr, festgesetzt hatten, und jetzt auf dem Wasser schwammen.
Wenn das Tier seine fünf Schalen öffnete, sah es völlig wie eine aufgebrochene Blume aus.
Am 24sten Morgens entdeckten wir die den Engländern zugehörige Insel St. Helena, deren Hafen durch starke Batterien wohl befestigt ist.
Das Land ist sehr hoch und gebirgig, und zeigt sich schon in sehr weiter Entfernung.
Bei dem damaligen Kriege mit den Amerikanern versammelten sich hier allezeit die aus Ostindien zurückkommenden englischen Schiffe, um hernach in Geschwadern oder ganzen Flotten weiter zu segeln.
Als wir vor der Reede des Hafens, wo jetzt keine Schiffe lagen, gekommen waren, und von unserem verlorenen Kommandeur· nichts sahen oder hörten, wurde Schiffsrat· gehalten und beschlossen, hier nicht weiter auf ihn zu warten, sondern mit dem frischen Winde, den wir jetzt hatten, unseren Weg fortzusetzen.
Der Strand an der Reede soll so steil sein, daß die Schiffe ganz dicht am Lande vor Anker liegen können.
Am 30sten kamen wir die Insel Ascension vorbei.
Hier pflegen schwedische und andere Ostindienfahrer, auf der Rückreise anzulegen und sich namentlich mit Schildkröten zu versorgen; wer aber am Kap vor Anker gewesen ist, segelt hier gewöhnlich vorüber.
Diese Insel ist gebirgig, unfruchtbar, und ohne frisches Wasser; die Oberfläche ist mit Asche bedeckt, welches ihren vulkanischen Ursprung hinlänglich zu erkennen gibt.
In der Nacht vom 6sten auf den 7ten Julius, waren wir den Äquator passiert, und wurden deswegen heute Mittags von den beiden anderen Schiffen mit e·lf Kanonanschüssen begrüßt, die wir auf gleiche Art beantworteten.
Am 24sten passierten wir die Sonne.
Von allem, was senkrecht auf das Verdeck gestellt wurde, war gar kein Schatten auf irgend einer Seite zu bemerken.
Bisher hatten wir die Mittags·sonne auf der Nord·seite gehabt; jetzt stand sie gerade über uns, und hernach sahen wir sie in Süden, und je weiter wir fort·segelten, desto geringer war ihre Höhe überm Horizonte.
Am 29·sten kamen die Capitaine der beiden anderen Schiffe zu uns an Bord, um die versiegelten Briefe zu eröffnen, welche ausweisen sollten, ob die Schiffe durch den Kanal segeln, oder, wie in Kriegs-Zeiten zu geschehen pflegt, um Irland und Schottland herumgehen sollten.
Wir kamen nunmehr in diejenige Gegend des Ozeans, die von Sargazo oder schwimmendem Tang ( Fucus natans ) fast ganz bedeckt ist· Dies Seegewächs fließet auf der Oberfläche des Meers in unglaublicher Menge, bisweilen breitet es sich bei stillem Wetter über dasselbe so aus, daß man durch eine Wiese zu segeln glaubt, bisweilen bildet es gleichsam große Inseln; bisweilen aber, besonders bei etwas starkem Winde, verteilt es sich mehr.
Dieser Tang schien deutlich zu beweisen, daß er auf dem Wasser fließend wächst und an den Enden neue Schößlinge treibt, die allmählich größer werden.
Zwischen dem Tang fand ich verschiedene kleine Tiere, die da ihren Aufenthalt hatten, und ihre Nahrung suchten, die häufigsten darunter waren Seegraskriecher ( Scyllaea pelagica ) Seekrabben ( Cancer minutus ) von verschiedener Größe; und Seekröten ( Lophius Histrio ).
Diese letzteren werden von den Holländern Kronefische genannt, und wenn sie von einiger Größe sind, sehr geschätzt.
Sie sind sehr bunt und schön.
Ich vewahrte einige davon in Weingeist; die meisten waren ganz klein· selten bekommt man sie einen Finger lang oder größer.
Die losen Strahlen, welche sie auf dem Kopfe und Rücken haben, und die wie eine Krone aussehen, haben zu jener Benennung Anla·ß gegeben.
Man bringt sie selten lebendig nach Holland, wenn es aber glückt, und sie einigermaßen groß sind, kann man das Stück für zehn Dukaten verkaufen.
Am 12ten September loteten wir schon Grund und salutierten ( zum Glückwunsch, daß wir uns wiederum in der Nachbarschaft unseres vaterländischen Weltt·eils befanden ), die anderen Schiffe mit e·lf Kanonenschüssen, die von ihnen beantwortet wurden.
Am 16ten bekamen wir die englische Küste bei Kap Lizard zu Gesicht.
Wir lavierten hier ganze vier und zwanzig Stunden, bis wir die holländischen Kriegsschiffe gewahr wurden, die den von Ostindien ankommenden reich beladenen Kauffahrteyschiffen entgegen geschickt waren, und sie sicher nach Hause begleiten sollten.
Das erste Zeichen wurde von uns mit vier Kanonen·schüssen, unter wechsel·s·weisem Aufziehen und Nieder·la·ssen des Wimpels, gegeben, worauf das Krieges·schiff mit Aufziehen und Streichen des Wimpels nebst fünf Kanonen·schüssen, antwortete.
Sobald die Schiffe etwas näher gekommen waren, wurden vom Kriegsschiffe ein L·eut·nant und ein Schreiber abgeschickt, um unser Schiff zu visitieren, ob auch verbotene Wa·ren darauf befindlich wären.
Die Visitation ging indessen nur in des Kapit·äns Zimmer unter dessen Weinflaschen vor sich.
Am anderen Tage darauf verfügten die Capitaine der drei Schiffe sich nach dem Kriegsschiffe, um daselbst einen versiegelten Brief von dem einen Schiffe, welches von China kam, zu eröffnen, woraus man nun erst jetzt erfuhr, daß die Ladung nach Amsterdam bestimmt war.
Jetzt bekamen wir auch die Nachricht, daß unser Kommandeu·r Koelbier mit seinem Schiffe vor zwei Tagen angekommen und voraus gesegelt war.
Den 28·sten fuhren wir, bei günstigem Winde und unter Bedeckung des einen Kriegsschiffes, Dover und Calais vorbei.
Aber gegen Abend ungefähr um 10 Uhr entstand plötzlich ein heftiger Sturm, der uns gegen das Land trieb, unsere Segel zerriß und den Obert·eil der Masten herunterstürzte; dabei wurde das Schiff so gewaltsam hin und her geworfen, daß es unmöglich war, auf den Füßen stehen zu bleiben.
Wir waren den Brandungen so nahe, daß sich jedermann für verloren hielt, und auch kein Matrose mehr zur Rettung des Schiffs Hand anlegen wollte.
Es war Stock finster und zu noch größerem Unglück war auch die Mannschaft schwach und so abgemattet, daß die Matrosen bei der Arbeit kraftlos von den Tauen herabfielen, und andere auf dem Verdecke selbst in Ohnmacht sanken.
Hieran war der schändliche Gei·z des Kapit·äns und des Obersteuermanns schuld.
In der Hoffnung, daß die Fahrt nicht so lange dauern würde, hatten sie am Kap·, auf eine sehr unerlaubte Art, einen großen T·eil des Fleisches, Specks und anderes für die Mannschaft bestimmten Proviants verkauft und das Geld in ihre Taschen gesteckt.
Die ganze Reise über hatten sich also die Leute größtenteils mit Reis und Hülsenfrüchten behelfen müssen, und wenig nahrhafte Sachen bekommen.
Da nun die Reise sich überdem noch so in die Länge zog, so kamen die Leute dabei immer mehr von Kräften und wurden ganz mißmutig.
Wirklich verklagten sie auch den Kapit·än und den Obersteuermann wegen dieses Diebstahls und beide wurden für unwürdig erklärt, je weiter zu dienen.
Sobald es anfing Tag zu werden, wurden wir gewahr, daß wir, ungefähr Ostende gegenüber, zwischen die Dünen gerat·en, und von unseren Gefährten ganz getrennt waren.
Da wir uns nun durch eine besondere Vorsehung Gottes in der vorigen Nacht vom Untergange errettet fanden, fa·ßte die Besatzung neuen Mut·, dem Schiffe auch jetzt aus seiner gefährlichen Lage zu helfen, welches dann, durch Begünstigung des Windes, auch gelang.
Außer allem anderen Schaden, hatte ich für meine Person bei dieser Gelegenheit das Unglück, meine Plantage von mehr als hundert jungen Brotfruchtbäumen von beiden Arten, nebst anderen vorzüglich seltenen Gewächsen, ganz umgeworfen und ruiniert zu sehen.
Nach überstandener Gefahr kamen wir endlich am 29·sten im Texel an.
Am ersten Oktober segelten wir zwischen Texel und Helder hinein, salutierten die Reede und legten uns vor Anker.
Froh dankten wir jetzt alle der göttlichen Vorsehung, und ich hatte mehr als irgend ein anderer Ursache dazu, da ich auf meiner siebenjährigen mühvollen und oft gefährlichen Reise den mächtigen Schutz derselben in so reichem Ma·ße erfahren hatte.
Nach einigen Tagen kam der Directeur Beaumont an Bord, in dessen Gegenwart alle unsere Koffer, Kasten und andere Sachen visitiert und die Mannschaft, außer etwa sechzig Mann, die zum Ausladen des Schiffs gebraucht werden sollten, verabschiedet wurde.
Auf dieser Reise hatten wir einen Mann am Bord gehabt, dessen seltsames, unglückliches Schicksal hier besondere Erwähnung verdient.
Er hieß Bergacker, und war als erster Wundarzt auf einem vom Kapit·än Klein geführten Schiffe angestellt gewesen, mit diesem aber, noch vor der Abreise aus Europa, ich weiß nicht wodurch, in Uneinigkeit geraten.
Dafür rächte sich nun der Kapit·än an ihm auf die unverantwortlichste und niederträchtigste Art.
Zuerst t·at er ihm, während daß das Schiff vor der Abfahrt im Texel auf der Rede lag, allen nur möglichen Verdruß an, und gestattete so gar den Schiffsjungen ihren Spott mit ihm zu treiben.
Endlich, nachdem der Direktor das Schiff gemustert hatte und es nun im Begriff war abzusegeln, bat er sich von demselben, an Bergackers Stelle, einen anderen Chirurg·· aus.
Man schickt ihm einen, allein anstatt Bergackern nun dagegen an Land zu setzen, nimmt er jenen als diensttuenden Wundarzt, Bergackern aber als Arrestanten mit und erlaubt ihm die ganze Reise über nicht Einma·l auf das Verdeck zu kommen, um frische Luft zu schöpfen!
Ja hieran noch nicht genug lä·ßt er unterweg··s von einigen Offizieren des Schiffs, die seine Kreaturen waren, eine Schrift unterzeichnen, worin sie bezeugen, daß Bergacker völlig unklug sei.
Unter diesem Vorwand wird er nun, bei der Ankunft des Schiffes am Kap, sogleich in sichre Verwahrung gebracht und erhält weder die Erlaubnis auszugehen noch Mittel sich über die erlittene Behandlung zu beklagen.
Endlich, als das Schiff· mit welchem ich vom Kap zurück ging, segelfertig lag, wurde der arme Bergacker, als ein Arrestant· der mit nach Europa genommen werden sollte, an uns abgeliefert.
Er hatte also die Hin- und die Rückreise, desgleichen seinen Aufenthalt am Kap, ohne Urteil und Recht, als ein Gefangener zubringen müssen, und die ganze Zeit über nicht einen Pfennig Geld bekommen!
Er war ein ältlicher, ernsthafter, dem Anschein nach grundehrlicher Mann, an dem ich, auf der ganzen Reise, nicht die geringsten Merkmale wahrnahm, daß er noch jetzt oder zuvor je wahnwitzig gewesen sei.
In Rücksicht auf diese Beschuldigung, geschah ihm also unerhörtes Unrecht.
Man wird nicht begreifen können, warum die Regierung am Kap gar keine Notiz von dieser Sache genommen, warum sie den Unschuldigen nicht in Freiheit gesetzt und den Bösewicht nicht zur verdienten Strafe gezogen habe?
Aber leider habe ich in den sieben Jahren· die ich im Dienste der ostindischen Compagnie gewesen bin, mehrere Beispiele von Gewaltt·ätigkeit und eigenmächtigem Verfahren despotischer, schlechtdenkender und brutaler Schiffscapitaine gesehen!
Zu diesen letzteren gehörte der Schiffer Klein in vorzüglichem Maße; jeder· bei dem ich mich nach ihm erkundigte, sprach von ihm mit größter Verachtung· nicht nur als von einem boshaften und ruchlosen, sondern, was noch unbegreiflicher ist, selbst als von einem im S····eedienst ungeschickten Manne!
Eine andere Merkwürdigkeit, aber freilich von geringerem Belange, die mir während der Rückreise vom Kap in meinem Fache vorkam, war, daß sich in der Blase eines Schweins, das wir von Columbo lebendig mitgenommen hatten, beim Schlachten ein kalkartiger Stein fand.
Er war von der Größe einer Flintenkugel, beinahe rund, allenthalben sehr uneben und inwendig dicht, anfangs kastanienbraun, wurde aber, so wie er trocknete, allmählich bleicher.
Zweiter Abschnitt.
Aufenthalt in Holland und zu London, und Reise nach Schweden.
Ich begab mich nebst anderen Offizieren auf einem gemieteten Fahrzeuge nach Amsterdam, wo mein ·teurer Freund, Professor Burmann, mir Haus und Tisch anbot.
Zu Amsterdam brachte ich meine Zeit damit zu, die dasigen Naturaliensammlungen zu bes·eh···en, worunter die, welche der Kaufmann van der Meulen besitzt, besonders in Rücksicht auf Vögel und Insekten, die ansehnlichste war.
Darauf machte ich eine Reise nach der Gegend um Harlem, um meine drei Gönner, van der Poll, van der Deutz und ten Hoven zu besuchen, und ihre Landgüter, nebst den schönen Pflanzungen von allerhand ausländischen Bäumen und Stauden zu bes·eh···en, die sie mit unglaublichen Kosten in den magersten Sandfeldern dieser Gegend haben anlegen lassen.
Nicht ohne besondere Freude sah ich hier verschiedene afrikanische und japanische Gewächse, die bewiesen, daß die von mir bei Einsendung derselben mit mancherlei Gefahren angewandte Mühe nicht ganz vergeblich gewesen war.
Ich hatte auch das sehr große und belohnende Vergnügen, daß diese Männer mir ihre ganze Zufriedenheit mit meinen Bemühungen und ihr Wohlwollen auf die uneingeschränkteste Art bezeugten.
Überdem belohnten sie mich auf eine großmütige Weise.
Dies tat namentlich Herr ten Hoven nach meiner Zurückkunft zu Amsterdam auf eine, wenigstens der Form nach für mich sehr überraschende Art.
Er ist ein Mann der mehr als hundert und fünfzig tausend holländische Gulden jährlicher Einkünfte hat, fand es aber doch nicht unter seiner Würde, zu Fuß und ohne Bedienten, einen Besuch bei mir abzustatten, und mit eigener Hand mir ein Geschenk von hundert und acht und zwanzig Dukaten zu überreichen.
Mit Herrn Doktor Klochner reiste ich auch nach Harlem, um die vortrefflichen Insektensammlungen der Herren Vriend, nebst den Tieren, welche im Hause der harlemschen Sozietät der Wissenschaften aufbewahrt werden, und die vorzüglichsten aus allen Klassen sind, zu bes·eh···en.
In den Obstgärten waren jetzt die Winters·chmetterlinge ( Phalaena brumata ) in großer Menge.
Man hindert sie, ihre ·Eier in die Blumenknospe zu legen, dadurch, daß man um den Stamm des Baums geteerte Birkenrinde gebunden hatte.
Unser schwedischer Professor Bergmann hat bekanntlich dies Mittel erfunden, und es wurde hier allgemein gerühmt.
Unter anderen Seltenheiten, die ich zu Amsterdam besah, war auch eine sehr gute Münzsammlung des ersten Predigers bei der sogenannten alten Kirche ( Oude keck ).
Ich hatte da das unerwartete Vergnügen, zum ersten Mal die sogenannten goldenen Zodiakrupien, alle zwölf beisammen zu sehen.
In Indien hatte ich diese seltenen Münzen weder beisammen gefunden, noch ihrer zum Einwechseln habhaft werden können; und in Europa findet man die ganze Anzahl auch nur äußerst selten.
Der Prediger hatte sie für dreihundert holländische Gulden gekauft, und war so gütig, sie mir auf mein inständiges Bitten für siebenhundert Gulden abzustehen.
Diese Sammlung, nebst dem Portr·ät Selims des Ersten, war vom Generalgouverneur Imhoff zu Batavia einem seiner Verwandten in Holland geschenkt worden, der hernach genöt·igt gewesen war, sie zu verkaufen.
Die Münzen sind von der Kaiserin Nour Mahal, Selims Gemahlin, während der Zeit von vier und zwanzig Stunden, da sie mit dessen Erlaubnis unumschränkt regierte, sowohl von Gold als von Silber geprägt.
Da sie nach dem Tode des Monarchen verboten, eingewechselt und eingeschmolzen wurden, so ist es jetzt so sehr selten, sie vollzählig zu finden.
Sie sind auf der einen Seite jede mit einem der zwölf himmlischen Zeichen, auf der anderen mit einer persischen oder arabischen Inschrift bezeichnet.
Des Professor Burmannus freundschaftliches Anerbieten:
bei ihm zu wohnen, hatte ich zwar nicht angenommen, ich besuchte ihn aber täglich und genoß dort so viel Wohlt·aten, daß ich stets das dankbarste Andenken dafür hegen werde; gleichen Anteil an meiner gerührten Erinnerung muß ich hier, nach vierzehn Jahren, den mannigfaltigen Freundschaftsbezeugungen und wirklichen Dienstleistungen wi·derfahren lassen, welche meine wackeren Landsleute in Amsterdam, Herr General Conful, Hasselgren, Herr Floberg, ( bei welchem ich mir eine Wohnung gemietet hatte ), ingleichen die Herren Fähräus, Swart, Lunge und andere mir zu erzeigen so gütig waren.
Da jetzt meine Verbindung mit der holländisch ostindischen Compagnie zu Ende war, und ich meine Besoldung nebst der gewöhnlichen Prämie bekommen hatte, entschlo·ß ich mich, eine Reise nach England vorzunehmen, und einen Teil des Winters in London zuzubringen.
In dieser Absicht reiste ich im November nach dem Haag, besah die dasigen, dem Erbstatthalter zugehörenden kostbaren Sammlungen von Naturalien und Kunstsachen, besuchte Herrn Lyonets ausgesuchtes Konchylienkabinet, reiste von da nach Rotterdam und weiter nach Helvoetsluis.
An dem letzteren Orte hinderte mich wi·driger Wind verschiedene Tage lang an der ·Überfahrt; und als ich endlich in Gesellschaft mehrerer Passagiere mit dem englischen Paketboote absegelte, entstand ein so heftiger Sturm und zuletzt contrairer Wind, der uns weit von unserem Wege abtrieb.
Am 14ten Dezember langte ich endlich in London an.
Hier hatte mein guter Freund und ehemaliger Universitätsgenosse, Herr Dryander, für mich eine Wohnung bestellt.
Ich suchte ihn sogleich in Herrn Banks Hause auf, wurde von Herrn Doktor Solander auf die höflichste Art aufgenommen, und durch ihn Herrn Banks vorgestellt, und in dessen Naturalienkabinett geführt.
Herr Banks empfing mich überaus gütig, und fuhr während meines Aufenthalts in London in gleicher Art gegen mich fort.
Er verstattete mir, welches der höchste Zweck meiner Wünsche war, freien Zutritt zu seinen unvergleichlichen Sammlungen, besonders aus dem Pflanzenreiche, eine Sammlung, die aus allen Gegenden des Erdkreises zusammengebracht ist.
Ich brachte seitdem alle Vormittage in seinem Hause zu, und vermehrte, indem ich sein Herbarium studierte, meine Kenntnisse in meinem Lieblingsfache.
Und da zugleich in diesem Saale, wie in einer Akademie der Naturgeschichte, täglich eine Menge gelehrter Männer sich versammelte, so hatte ich dadurch auch Gelegenheit, verschiedene ehrenvolle und nützliche Bekanntschaften zu machen.
In der kurzen Zeit meines hiesigen Aufenthalts besah ich übrigens alles was London, besonders im naturhistorischen Fache, merkwürdiges hat, als das brit·ische Museum, Lewers Museum und dergleichen.
Jenes erstere ist sehr weitläufig und groß, und hat Sammlungen von sehr vielen Arten, als: Bücher, Handschriften, Antiquitäten, Münzen, Kleidungsstücke und Hausgerät, entfernter Völker und so weiter.
Besonders freute es mich, Kämpfers Handschriften, Zeichnungen und Kräutersammlung hier zu finden; sie waren jetzt beinahe hundert Jahr alt; nach Kämpfers Tode waren sie vom Ritter Sloane gekauft worden.
Auch stellte ich verschiedene Reisen in der Nähe von London an, um den schönen und an Gewächsen sehr reichen Garten zu Kew, worüber Herr Aiton die Aufsicht hatte; Herrn Lees Garten, der besonders einen großen Vorrat· von Bäumen und Stauden hat, Doktor Fothergills Garten, Chelsea und dergleichen mehr zu bes·eh···en.
Bei Herrn Lee besah ich zugleich die vortreffliche Insektensammlung seiner Tochter, welche seit einiger Zeit mit den vorzüglich schönen Insekten von der bengalischen Küste vermehrt war, die Frau Monson daselbst gesammelt, und Mis Lee im Testamente vermacht hatte.
Der ältere Forster, welchem ich auch meinen Besuch machte, nahm mich mit vieler Freundschaft auf, und verschaffte mir nicht nur das Vergnügen, die von ihm auf seiner Reise im Südmeere, gesammelten Gewächse, und Konchylien zu bes·eh···en, sondern schenkte mir auch eine ganze Kollektion, und verpflichtete mich dadurch zu steter Dankbarkeit.
Unter allen Beweisen von Gewogenheit, womit Herr Banks mich überhäufte, schätzte ich den als einen der vorzüglichsten, daß er mir kurz vor meiner Abreise erlaubte, seine auf den Inseln des südlichen Ozeans gemachte Sammlung von Gewächsen zu sehen, die noch nicht unter seine übrigen Kräuter gelegt waren, und welche er nicht jedem Fremden sehen läßt; Doktor Solander der, wie Herr Dryander, mir den Aufenthalt zu London nicht nur angenehm, sondern auch nützlich zu machen suchte, war dabei so gefällig, jedes Geschlecht mit mir besonders durchzugehen.
Herrn Banks Bibliothek ist wohl, im Fache der Naturhistorie, die vollständigste, die es gibt.
Sie ist in einem eigenen großen Zimmer vor dem Saale, der die Sammlungen enthält, aufgestellt; hierdurch hat man ganz unvergleichliche Gelegenheit, bei Untersuchung eines Gegenstandes sogleich auf der Stelle jeden Schriftsteller, den man will, nachzuschlagen und sich bei ihm Rat·s zu erholen.
Den 30sten Januar 1778 reiste ich in Gesellschaft des damaligen Kapit·äns, jetzigen Obersten, Cronstedt, der ·unlängst aus Nordamerika zurückgekommen war, von England ab.
Wir nahmen unseren Weg durch Holland und Deutschland nach Ystad und Lund.
Von Harwich fuhren wir über den Kanal nach Helvoet, und reisten weiter nach Amsterdam, wo wir uns aber nur einige wenige Tage aufhielten.
Den 16ten setzten wir die Reise ferner nach Gröningen; den 22sten nach Bremen; den 24sten nach Hamburg, und so weiter über Lübeck, Wismar und Rostock nach Stralsund fort, wo wir den 2ten März ankamen.
Während wir zu Stralsund auf den Abgang der Postjacht warten mu·ßten, machten wir eine Reise nach Greifswald, um die dasige Universität kennen zu lernen, und gingen bald darauf nach Ystad ab.
Den 14ten Februar langte ich in meinem Vaterlande, wonach ich mich so lange ges·ehnt hatte, endlich wieder an.
Karl Peter Thunbergs, Ritters des Königlichen Schwedischen Wasaordens, Doctors der Arzneigelahrtheit, Professors der Botanik zu Upsala, und Mitgliedes verschiedener, einheimischer und auswärtiger Akademien und gelehrter Gesellschaften, Reise durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien, hauptsächlich in Japan, in den Jahren 1770 bis 1779.
Aus dem Schwedischen frey übersetzt von Christian Heinrich Groskurd, Rektor des Gymnasiums zu Stralsund.
Zweiter Band.
Berlin bei Haude und Spener, 1794.
Vorrede des Verfassers.
Dieser zweite Band meiner Reisebeschreibung enthält die Reise von Batavia nach Japan, den Aufenthalt auf der Insel Dezima, die Reise nach E·do, der Hauptstadt von Japan, den Aufenthalt daselbst, die Rückreise nach Dezima, mannigfaltige Nachrichten von diesem Lande und dessen Einwohnern; Ferner meine Rückreise nach Batavia, Nachrichten von Java, die Reise nach Ceylon, einige Reisen längs den Küsten dieser Insel, Nachrichten von Ceylon, und meine Zurückreise über Kap durch Holland, England Deutschland nach Schweden.
Auch diesem Bande habe ich einige Abbildungen, und zwar von verschiedenen japanischen Gegenständen, beigefügt.
Japan, von welchem in diesem Band· vorzüglich die Rede ist, ist, in Vergleichung mit ander·n europäischen Ländern, in vielen Rücksichten ein ganz besonderes Land!
Die Regierungsverfassung ist dort seit sehr langer Zeit unverändert dieselbe; die Gesetze sind strenge und unwandelbar; die Policey in Städten, Dörfern und auf den Landstraßen ist unverbesserlich; die Kleidertracht, Putz und Art das Haar zu tragen ist durchaus gleichförmig und, so wie die Sitten, Gewohnheiten und Gebräuche, seit Jahrhunderten unverändert; eine unzählige Menge von Einwohnern lebt dort ohne Parteyen, ohne Zwiespalt und Uneinigkeit, ohne Missvergnügen, Elend und Auswanderung; der Ackerbau ist im blühendsten Zustande; die Erde gebauet und benutzt wie in keinem ander·n Lande der Welt; alle Bedürfnisse sind, im Lande selbst, in solchem Überfluss vorhanden daß kein auswärtiger Handel nöthig ist; doch fast möchte ich sagen: wer kann die Vorzüge und Vortheile dieses glücklichen Landes alle zählen? –·
Weder bei dem Monarchen, noch bei seinen Unterregenten findet man Thron, Scepter, Krone, noch irgend sonst etwas von dem Prunk, der bei uns die Augen des Haufens blendet; nicht Hofstaat, nicht Hofjunker, nicht Hofdamen; keine große, prächtige Mars·älle, keine Menge von Pferden, Elefanten und Stallmeister·.
Man kennt keine Equipagen und Wagen; keine Reuterei; keinen Krieg; keine Gesandten, keine Beamte oder öffentliche Staatsdiener, die zu ihrem Amt und Geschäft nicht taugen oder es nicht kennen; keine Gilden, keine Monopole·; keine Zölle; keine Spiel- und Kaffeehäuser; keine Weinkeller, Bier- und Bran·tweinkrüge; keine privilegi·rte, von öffentlichen Lasten und Abgaben ausgenommene Landgüther und and·re liegende Gründe; kein ungebautes Land, keine Wiesen und Aenger; keine National- oder Staatsschuld, kein Papiergeld, weder Wechsel noch Wechselkurs.
Man trinkt nicht Wein, nicht Bischof, nicht Punsch, nicht Brand·wein, nicht Kaffee, nicht Schokolade.
Und –· Land und Einwohner sind glücklicher, als wo man dies alles hat und tut:
Java und Ceylon, von denen dieser Band gleichfalls handelt, gehören zwar in Ansehung ihrer Lage in einem warmen Erdstreich·, der vorzüglichen Fruchtbarkeit des Bodens, und der gehörigen, sich jährlich gleichen, Menge Regen zu den glücklicheren Inseln; aber die Regierung in diesen Ländern ist doch wenn gleich von mehr als einer Art, durchgängig despotisch und die Religion meistens mohamedanisch.
Daher ist und bleibt das Volk dumm und aberglaubig, kriechend und aufruhrisch, arm und faul, –· freilich das alles nicht überall in gleichem Grade –· aber doch ohne Ausnahme mitleidswürdig.
Dieses Elend ist um so viel drückender für sie geworden, da die handelnden Europäer, in den letzten Jahrhunderten von der Aufklärung, von der Religion und der Menschlichkeit, deren sie sich rühmen, keinen Gebrauch gemacht haben, um den Zustand dieser Leute zu verbessern und ihre Ketten ihnen leichter zu machen; sondern da sie im Gegenteil durch ihre Habgier· und unersättliche Geldbegier ihr Joch vervielfach···t, und nicht nur die Menge sondern auch die Arten ihrer Lasten vermehrt haben.
Wie sollten auch wohl die Leute in einem Lande glücklich sein können, wo es keine Gesetze, sondern nur Gutdünken und Willkür gibt; wo des Menschen Leben dem Leben der Tiere gleich geachtet wird; wo keine Sicherheit, kein Eigenthumsrecht, kaum irgend ein Begriff von Freiheit und edlen Handlungen statt hat?
Von der Anwendung und dem Nutzen so mancher Naturprodukte jener fernen Länder ist auch in diesem Band· ··treulich Auskunft mitgeteilt.
Um jedoch dem Leser eine unnötige Wiederholung zu ersparen, will ich davon hier nichts im Voraus erwähnen, sondern auf die eigene Lesung dieser Bogen verweisen.
Zum Schluss sei es mir erlaubt, von mir und meinen Schriften hier noch einiges hinzuzufügen, das für die Litterargeschichte brauchbar sein kann.
In den neun Jahren, die ich in fremden Ländern zubrachte, habe ich mannigfaltige Gelegenheit gehabt, neue, vorher unbekannte Schätze der Natur zu entdecken und zu sammeln.
Was ich davon bisher ·····näher bestimmen, in Ordnung bringen und beschreiben können, macht eine nicht unbedeu··tliche Summe.
Die neuen Tiere belaufen sich auf vierhundert, die neuen Geschlechte von Pflanzen auf fünf und siebzig, die besonderen Arten oder Gattungen aber auf funfzehnhundert; alles das nicht mitgerechnet, was ich bisher noch nicht genau habe unter·uchen können.
Als ich im April 1779 nach Stockholm kam, hatte ich die Ehre zuerst beim Lever, hernach in einer besonderen Audienz, unserem großen und guten Könige von meinen Reisen, von den merkwürdigsten Sachen und Vorfällen, besonders dem so wenig bekannten Japan, von meinen eigenen Schicksalen, und von meinen etwaigen Entdeckungen Bericht abzustatten.
Während meiner Abwesenheit war ich im Jahr 1777 vom Kanzler der Universität Uppsala, Reichsrath Rudenschild, zum Demonstrator der Botanik da selbst ernannt; bey meiner Rückkunft empfing ich aus der Hand meines Gönners, Archiater Bäck, die Bestallung dazu.
Als Professor Linnee 1781 eine Reise außerhalb Landes antrat, wurde ich zum Aufseher des dasigen botanischen Gartens bestellt; auch wurden mir die mit diesem Amte verbundenen öffentlichen Vorlesungen aufgetragen.
In eben demselben Jahre ward· ich zum außerordentlichen Professor mit Vermehrung meines Gehalts ernannt.
1784 wurde ich als ordentlicher Professor der Medicin und Botanik angesetzt.
1784 erwies man mir die Ehre, mich zum Präses der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm zu erwähhlen.
1785 wurde ich zum Rektor der Universität gewählt, und bald darauf vom Könige zum Ritter des Wasaordens ernannt.
Auch haben verschiedene auswärtige Societäten der Wissenschaften mir die Ehre erzeigt, mich zu ihrem Mitgliede zu ernennen, nämlich:
1771 die kaiſerliche Naturae curioſorum; 1772 die Norwegiſche; 1773 die phyſiographiſche zu Lund; 1777 die Upſalaſche; 1780 die Stockholmſche; 1781 die Haarlemmer und die Amſterdammer; 1782 die vaterländiſche ökonomiſche zu Stockholm; 1784 die zu Montpellier; 1785 die Pariſer Geſellſchaft des Ackerbaues; die Zeeländſche zu Vlißingen und die Berliniſche Geſellſchaft naturforſchender Freunde; 1786 die Societas naturae ſtudioſorum und die mediciniſche zu Edimburg; 1787 die Florentiniſche, die Akademie der Wiſſenſchaften zu Paris, und die halliſche Geſellſchaft der Naturforſcher; 1788 die Societät der Wiſſenſchaften und die Societas Linnaeana zu London; 1789 die mediciniſche eben daſelbſt, und die Societät der Wiſſenſchaften zu Batavia; 1791 die Pariſer Geſellſchaft der Naturgeſchichte und die Akademie der Wiſſenſchaften zu Philadelphia; und 1791 die naturhiſtoriſche zu Koppenhagen.
Die von mir nach meiner Zurückkunft herausgegebenen Schriften sind folgende:
Die Beschreibung meiner Reise in 4 Teilen, Uppsala 1788 bis 1793, wovon nicht nur die deutsche, sondern auch zu London eine englische und zu Paris eine französische Übersetzung erscheint.
Des Sprengels···· Auszuges aus den ersten drei Teilen in deutscher Sprache nicht zu gedenken.
Tal vid praesidii nedläggande Stockholmſka Wetensſkaps Academien, om Japanſka Nationen, (·Rede bey Niederlegung des Präſidiums in der Akademie der Wiſſenſchaften zu Stockholm, Nachrichten von der japaniſchen Nation enthaltend, den 3. November 1784, ins deutſche überſetzt von Strid·sberg, Frankfurt 1785.
Anminnelß·-Tal üb·er Assessoren o·ch Provincial-Medicus Doctor Montin, (·Gedächtnisrede auf den Assessor und Provinzialmedicus Doctor Montin·), Stockholm 1791, 8.
Flora Japonica, Leipzig·, 1784, 8., mit 39 Kupfertafeln.
An akademischen Disputationen habe ich geschrieben.
1. De venis reſorbentibus, Praeſ. C. v. Linné, 1767.
2. Die Ischiasde, Prä·s. J. Lidrén, 1770.
3. Die Gardenia, resp. Djupedius, 1780. 2 Tab·.
····zensiert in den Zeitungen der gelehrten Societät zu Upsala 1781 Nr. 49.··
4. Die Protea, resp. Gevalin, 1781. 5 Tab.
5. Oxalis, resp.
Haft, 1781. 2 Tab.
Resp. C. Hornstedt 1781. 1 Tab.
7 Neuer Insektenart··en···, P. 1. Resp. Cassström 1781. 1 Tab·.
8. Neue Pflanzenart···en···, P. H. Resp. Sahlberg 1782. 1 Tafel
9. Iris, resp. Ekman 1782. 2 Tab·.
10. Novae Insectorum species, P. II. Resp. Ekelund 1783. 1 Tab.
11. Nova plantarum genera, P. III. Resp. Lodin 1783. 1 Tabb.
12. Ixia Resp. Rung, 1783. 2 Tab·.
Novae Insectorum Species, P. III. Resp. Lundahl, 1784. 1 Tab.
Novae Insectorum Species, P. IV. Responsum Engeſtröm, 1784. 1 Tabb.
15. Gladiolus resp.
Ajmelaeus, 1784. 2 Tabb.
16. Nova genera plantarum, P. IV. Resp. Berg 1784.
Nova Genera plantarum, P. V. Resp. Blumenberg 1784. 1 Tabb.
18. Insecta Svecica, P I. Resp. Borgström 1784. 1 Tab·.
19. Aloe Resp. Heſſelius 1785.
20. Medicina Africanorum Resp.
21. Erica Resp. Struve, 1785. 6 Tab.
22. Ficus resp. Gedner, 1786. 1 Tab.
23. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. I. Resp. Radloff 1787.
24. –· –· –· –· P. II. Resp. Holmer 1787.
25. –· –· –· –· P. III. Resp. Ekeberg 1787.
26. –· –· –· –· P. IV. Reſp. Bi·rken 1787. 1 Tabb.
27. –· –· –· –· P. V. ······Gallén 1787.
28. Mar·ea Resp. Zach. Colliander, 1787. 2 Tabb.
29. Museum naturale academiae Upsaliensis·, P. VI. Resp. Schalén 1788. 1 Tab.
30. Restio Resp. Petr. Lundmark, 1788. 1 Tab.
31. Arbor toxicaria Macassariensis Respon.
Max·e und·· Feuer im medizinischen Gebrauch·, Resp.
33. Myristica Resp.
34. Cariophylli aromataci Resp.
Hast.
35. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VII. Respon. Branzell 1789.
36. Characteres generum insectorum, Resp.
37. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VIII. Respon. Rademine 1789.
Novae Insectorum species, P. V. Resp. Noraeus, 1789 1 Tab.
39. Muraena et Ophichtus Resp. Ahl. 1789. 2 Tabb.
····Remedia non nulla indigena, resp.
41. Museum naturale academiae Upsaliensis, Append. I. Resp. Lundelius 1791.
42. –· –· –· –· App. II. Reſp. Yman 1791.
43. –· –· –· –· S. IX. Resp. Ekelund 1791.
44. Novae insectorum species, P. VI. Responſio Lagus 1791.
45. Museum naturale academiae Upsaliensis, P X. Respond. Kugelberg 1791.
Flora Stregnensenſis Reſp.
Carlson 1791.
47. Insecta Svecica, P. II. Resp. Bechlin 1791. 1 Tab.
48. –· –· –· –· P. III. Reſp. Ackermann 1792.
49. –· –· –· –· P. IV. Reſp. Sebaldt 1792. 1. Tab.
50. Genera nova plantarum, P. VI. Resp. Ström 1792.
························Trafvenfeldt 1792.
52. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. XI. Resp. Sjöberg 1792.
53. –· –· –· –· P. XII. Resp. Lindbladh 1792.
54. –· –· –· –· P. XIII. Resp. Feretius 1792.
An Societäten der Wissenschaften habe ich folgende Abhandlungen· über verschiedene Gegenstände· eingesandt:
An die Akademie der Wissenschaften zu Stockholm.
1. Händelſe, ·····················d··············a·· ·····················Bleyweiß durch ein Versehen ans Eſſen gebraucht worden··, 1773. 1 Quartal, S. 29.
···Beschreibu·ng einer beſonderen· ·und unbekannten Schwamm, Hydnora Africana.
··Beschreibung eines besonderen und unbekannten Schwamms, Hydnora Africana··, 1775. 1 Qu. S. 69. 1 Kupfertafel.
···Beschreibu·ng eines neunten Genus in de·n· Insecte·n·, Pneumora.
··Beschreibung eines neuen Geschlechts von Insecten, Pneumore ), 1775. 3 Qu. S. 254. 1 K. T.
··Die Rothmannie, ein neues Pflanzengeſchlecht (1776·), 1 Qu. S. 65. 1 K. T.
···Beschreibu·ng eines neuen Örte-Genus genannt Radermachia.
··Beschreibung eines neuen Pflanzengeſchlechts, Radermachie genannt··, 1776. 3 Qu. S. 250.
(·Anmerkungen zur afrikanischen Hydnore·), 1777. 2 Qu. S. 144. 1 K. T.
Beschreibu·ng einer Bezoar Equinum.
··Beschreibung eines Pferdebezoarsteins··, 1778. 1 Qu. S. 27.
8. Et nytt o·ch Till Sitt slägte för obekant Grus, kalladt Ehrhardta.
··Eine neue und in Ansehung ihres Geschlechts bisher unbekannte Grasart, Ehrhardte genannt ), 1779. 3 Qu. S. 216. 1 K. T.
9. Anmerku·ngen bei· Canelen, gjorde på Ceylon.
··Bemerkungen über den Kane·l, auf Ceylon gemacht. ) 1770 1 Qu. S. 55. übersetzt und in die Abhandlungen der vlissingischen Societät der Wissenschaften, 12 Th. 1 Adth. S. 296., eingerückt von Doctor Houtuyn.
····Beschreibu·ng von Weigelia Japonica, ein seltener Edel from Japan.
··Beschreibung der japanischen Weigelie, eines seltenen Gewächses aus Japan.· 1780. 2 Qu. S. 137.
····Bes·········································ch··············reibung einiger warmer Bäder in Afrika und Asien. ··1781. 1 Qu. S. 72.
····Beschreibu·ng von zwei neuen·· Insekten.
(·Beschreibung zweyer neuer Insecten ), 1781. 2 Qu. S. 168.
····Beschreibu·ng von zwei Arten von echter Muſkot von den Inseln Banda.
Beschreibung zweyer Arten ächten Muskat· von der Insel Banda ), 1785. 1. Qu. S. 46. 1 K. T.
15. Einige· Anmerku·ngen bei· Ornithologion.
( Einige ornithologische Bemerkungen ), 1782. 2 Qu. S. 118.
16. Beschreibu·ng eines neuen Örte-Genus Fagraea Ceilanica.
··Beschreibung eines neuen Pflanzengeſchlechts, die ceilonſche Fagräe ), 1782. 2 Qu. S. 132. 1 K. T.
17. Om Cajoputi Oljan o·ch dess nytta Medicinen.
··Vom Kajoputiöl, und deſſen Nutzen in der Medicin ), 1782. 3 Qu. S. 223.
··Nipa, ein neues Geschlecht der Palm··baume ), 1782. 3 Qu. S. 231.
19. Om Palmträden im Allgemein·en ·und im I·nnerlichen om Licuala Palmen.
··Von den Palbäumen überhaupt, und der Likualapalme insbesondere··, 1782 4 Qu. S. 284.
····Beschreibu·ng von Houtuyiana cordata, und Japanisch Örte-Genus.
··Beschreibung der herzförmigen Houtuyiane, eines japanischen Pflanzengeſchlechts ), 1783. 2. Qu. S. 149. 1 K. T.
21. Ytterligare Anmerku·ngen über Asterien.
22. Beschreibu·ng der Insel Ceilons Mineralien ·und edlen Steinen.
(·Beschreibung der Mineralien und Edelsteine auf der Insel Ceylon ), 1784. 1 Qu. S. 70.
23. Anm····························e····································rkungen übe·r······ ·······Vögel aus dem Geschlechte der Kernbeißer am Vorgebirge der guten Hoffnung··, 1784. 4. Qu. S. 206.
24. Anmerku·ngen ·und Beschreibu·ng auf Albucae örteslägte.
(·Anmerkungen, das Pflanzengeſchlecht der Stiftblume betreffend und Beſchreibung deſſelben ), 1786. 1. Q. S. 57.
25. Anmerkningar vid de växter, som kallas Orchides.
(·Anmerkungen über diejenigen Gewächse, welche Ragwurz heißen·), 1786. 4. Qu. S. 254.
····Bes·····························ch············r····e·····ibung einiger seltenen und unbekannten Eidechsen··, S. 1787. 2. Qu. S. 123.
····Beschreibu·ng von drei·· Schildkröten.
(·Beschreibung dreier Schildkroten·), 1787. 3. Qu. S. 178.
28. Beschreibu·ng ···Wildenovia, ein sünd···ig· ·und neu· Gras-schlag.
(·Beschreibung der Wildenowie, einer besonderen und neuen Grasart ), 1790. 1. Qu. S. 26. 1 K. T
····Beschreibu·ng zweier··· Fische aus·· Japan.
(·Beschreibung zweyer Fische aus Japan ), 1790. 2. Qu S. 106. 1 K. T.
30. Wahlbomia indica beschrieb·en.
··Die ostindische Wahlbomie beschrieben··, 1790. 3. Qu. S. 215. 1 K. T.
31. Zwei·· utländſka Fiſkar, Gobius patella o·ch Silurus lineatus.
··Zwei ausländische Fische, der flache Gründel, und der schmalgestreifte Wels ), 1791. 3. Qu. S. 190. 6 K. T.
Zwei······ japanische Fische, Callionymus japonicus, ·und Silurus lineatus.
··Zwei japanische Fische, der japanische Schellfischteufel und der schmalgestreifte Wels, 1792. 1. Qu. S. 29. 1 K. T.
····Beschreibu·ng von unbekannten Fischern Perca sex-lineata ·und picta.
··Beschreibung unbekannter Fische, des sechslinirten und des bunten Bätschlings··, 1792. 2. Qu. S. 141. 5 K. T.
An die gelehrte Gesellschaft zu Uppsala.
···Kä·mpferus illustratus.
3. Cussoniae genus 1780. c. figg. Vol. III.
4. Novae Species insectorum Sveciae.
···Ka·mpferus illustratus.
7. Beschreibung·en Insekten Schwedisch···.
8. Observationes in linguam Japonicam.
An die physiographische Gesellschaft zu Lund.
1. Retzia capensis.
3. Aloe-Kodans Verbreitung in Africa (·Zubereitung des Aloegummis in Africa.
4. Aitonia capensis.
An die norwegische Gesellschaft zu Dront·heim.
2. Cliffortiae genus.
An die Société· der Wissenschaften zu Harlem.
···Observationes thermometricae in Japonia habitae.
An die Société· der Wissenschaften zu London.
1. Nachrichten von meiner Reise nach Japan.
2. Ökonomischer Nutzen und Zubereitung des Citodium, oder der sogenannten Brodfrucht.
An die kaiserliche Societät naturae curiosorum.
···Craß·ulae novae species 28.
2. Mesembryanthemi species novae 21.
Dilatris genus.
An die Societät de···r··· Naturforschung zu Paris.
···Ein neues Pflanzengeſchlecht, Boscia undulata.
···Beschreibung von dreizehn japanischen und vier und dreißig capischen, bisher unbekannten Pflanzengeſchlechten.
Upsala, den 4. März 1793.
Karl Peter Thunbergs Reisen.
Zweiten Bandes erster Teil, welcher des Verfaſſers Reise von Batavia nach Japan, seine Reise in diesem Lande als Holländischer Gesandtschafts-Medicus an den Hof des Kaiſers zu Jedo, seinen Aufenthalt daſelbſt, so wie in Japan überhaupt enthält.
Erste Abteilung.
Reise von Batavia nach Japan, und Aufenthalt im Hafen von Nagasaki und auf der Insel Dezima.
Abreise von Batavia.
Nachricht von den beiden dahin gehenden Schiffen.
Amt und Bestimmung des Verfassers.
Schiffs- Offiziere.
Sklaven zu ihrer Bedienung, und freie Beköstigung.
Chinesische Küste.
Unglück des ander·n Schiffs.
Einige Muschelarten und dergleichen.
Fieber unter den Matroñsen.
Phosphorischer Schein auf Krebsen und Blackfischen.
Chinesische Fischerboote.
Formosa·
Ehemalige Herrschaft der Holländer über diese Insel.
Abermal··e Stürme.
Auf der Reise nach Japan verunglückte Schiffe.
Insel Meaxima·
Hafen von Nagasaki.
Japanische Vorposten.
Einpacken der Bibeln und Gesangbücher.
Musterrolle des Schiffsvolks.
Bette zum Sitzen für die Japanischen Beamten.
Ankunft eines Bootes von Dezima.
Großer weiter Rock des Capitains.
Besuch am Bord.
Verbot des weiten Rocks.
Gebrauch desselben zum Behuf des Schleichhandels.
Ankunft Japanischer Beamten und and·rer.
Deren Geschäft auf dem Schiffe, und Bewirthung.
Ueberlieferung der Bücher, des Gewehrs und der Ammunition an die Japaner.
Mustering.
Wachschiffe.
Mitgebrachtes Schlachtvieh der Holländer, und dessen Fütterung.
Strenge Visiti·rung der Personen und Sachen Japanischer Arbeiter und Ruderer.
Besuch von den Gouverneuren.
Tod und Beerdigung eines Matroßen.
Freiheit von Zollabgaben.
Strenge Aufsicht auf alles, was an Land kommt; scharfe Visiti·rung.
Ursache davon.
Kunstgriffe der Holländer beim Schleichhandel.
Hass der Japaner gegen sie.
Packhäuser.
Japanische Dolmetscher.
Deren Verrichtungen und Beschäftigung mit der Arzneikunst.
Des Verfassers Bekanntschaft mit ihnen.
Dessen Ansuchen um Freiheit zu botanisieren, und endliche Bewilligung derselben.
Japanisches Wörterbuch.
Beschreibung des Hafens.
Japanische und Chinesische Fahrzeuge.
Einziger Einlaufsort für fremde Schiffe.
Beschreibung der Stadt Nagasaki.
Insel Dezima.
Factory· und Aufenthalt der Holländer auf derelben.
Übrige Häuser.
Aufsicht und Wache.
Begräbnisplätze.
Aufsammeln des Mists.
Gärten·
Europäische Gartengewächse.
Des Verfassers Beschäftigung in der Zwischenzeit; Unterweisung der Dolmetscher in der Medizin.
Herrschende Diarrhöe.
Entlaufung und scharfe Aufsuchung eines Sklaven.
Rückreise des Schiffs.
Wiederempfang der bei der Ankunft abgegebenen Sachen.
Spatzierfahrten nach den kleinen Inseln umher.
Beschreibung der Inseln.
Merkwürdige Gewächse: Chinawurzel, Pfefferstrauch und and·re.
Abgang des Verfassers vom Schiffe zurück nach Dezima.
Rückkunft einiger Japaner aus China und Batavia.
Neujahrsfeier der Holländer.
Glückswünsche···-Besuche der Japanischen Beamten bey ihnen.
Feierliche Bewirtung derselben, Japanische Lustmädchen dabei.
Leichtigkeit, das Japanische Frauenzimmer zu sehen.
Allgemeine Geldauszahlung an die Holländer.
Botanische Wanderungen des Verfassers.
Gefundene Gewächse: unter ander·n Erdäpfel, Kartoffeln, Bohnen, Erbse·, Buchweizen, Ingber, Spanischer Pfeffer, Tobak, Kalmuswurzel, Bamborohr u. a. Lebensart der Holländer auf Dezima: Einsamkeit und Eingeschränktheit; Zeitvertreibe; Japanische Bedienung; Speisen; Fischgerichte; ( von einem giftigen Fische ); Wohnung; Tisch und Ausgaben; Gebrauch und Unterhaltung Japanischer Lustmädchen aus der Stadt.
Von Europäern erzeugte Kinder.
Kälte und Einheizungsart, Seite 38 bis 47.
Japanischer Handel der Holländer.
Kurze Geschichte desselben.
Ehemalige Ausdehnung, Freiheit und Einträglichkeit.
Allmählig·e und jetzige Einschränkung, und geringer Ertrag.
Verlust am Gelde.
Waren, welche die Holländer von Japan ausführen: besonders Kupfer, Kampher, Porzella·n.
Sachen, deren Ausfuhr verboten ist.
Waren, welche die Holländer hierher bringen.
Öffentlicher Verkauf· der mitgebrachten Waren.
Diesjähriger Preis des Einhorns und der Ninſiwurzel.
Tauschhandel.
Chef der Holländischen Handlung.
Japanischer Handel der Chineser.
Ehemalige Freiheit und jetzige Einschränkung, und geringer Ertrag desselben.
Verschiedenheit der Japaner und Chineser an Sprache, Sitten u. s. w. Gegenstände ihres Handels.
Öffentlicher Verkauf· ihrer Waren. Abgaben. Art der Bezahlung.
Chinesische·
Zweite Abteilung.
Reise von Dezima nach Jedo.
Zurüstung.
Mitgenommene Geschenke.
Absendung des Gepäck·s zu Wasser.
Abschied vom Gouverneur.
Visitierung·
Abreise.
Reisegesellschaft. Anführer. Art der Reise.
Beschreibung der Norimon oder Portchaißen.
Was wir zur Bequemlichkeit und Erfrischung mit uns führten.
Auf- und Anzug unserer Japaner.
Ehrenvolles und Angenehmes der Reise.
Aufnahme im ersten Logis.
Vorschuß der kleinen Reisekosten.
Reise bis Sinzig·; and·rer Weg dahin zu Kämpfers Zeit.
Warmes Bad zu Orissino.
Fabriken für große irdene Kruken zu Swota.
Provinz Friesen; ihre Beschaffenheit und Einwohner.
Stadt Sanga; Taisero.
Provinz Z·ikudsen.
Höflichkeit der Japaner überhaupt, und der Provinzialf·ürsten insbesondere, gegen die Holländer.
Zimmer und Schlafstelle für die Holländer in den Herbergen.
Merkwürdige Kräuter und Gewächse.
Reise zu Wasser nach Simonoseki; Aufenthalt daselbst; Beschreibung der Stadt.
Anfang der großen Wasserreise.
Dreiwöchentlicher Aufenthalt zu Kaminośeki.
Fernere Wasserreise bis F·ogo.
Menge kleiner Inseln.
Hafen bei Fiogo.
Aufnahme zu Osaka.
Kosten der Seereise.
Beschreibung der Stadt Osaka.
Reise bis Miako.
Löffelgänse·
Beschreibung der Stadt.
Audienz bei den Befehlshabern.
See bei Oits.
Lachs··
Große Brücken bei Zetta.
Provinz Ist.
Unreinlichkeiten an den Landstraßen.
Reise an der Küste von Jokaitz an.
Wasserreise bis Mia. Beschreibung der Stadt.
Stadt Okazaki.
Sehr große Brücke.
Scharfe Visitation· derselbſt.
Gefährlicher Weg durch den Fluss Ojingawa.
Fluß Fusikowa.
Hoher Berg Fusi.
Reise über den Berg Fakonie.
Japanische Zedern·
Ahorn Bäume·
Merkwürdige Kräuter, Stauden und Sträuche·.
Gedorrte Eidechsen.
Abermålige Viſiti·rung.
Beide letzte Tagereisen.
Städte Banningawa und Totſka.
Benutzung einiger Seegewächse.
Vorstädte von Jede·
Neugierige Zuschauer.
Logis der Holländer daselbst.
Glücklich vollendete Reise.
Durchreiste Provinzen.
Kämpfers Reise.
Jährlich nach Hohe reisende Fürsten; Beschreibung solcher Reisen.
Verbot der Besuche bei den Fürsten.
Besuch eines Fürsten bei den Holländern.
Witterung während der Reise.
Dritte Abteilung.
Besuche der Vornehmen und Gelehrten bei den Holländern.
Besuche zweier Astronomen.
Besuche verschied·ner Ärzte; Unterredungen mit ihnen; nähere Nachrichten von ihnen; vom Verfasser ihnen ertheilter Unterricht; ihre Bücher.
Audienz beim Kaiser, dem Kronprinzen und den Großen.
Beschreibung der Kaiserlichen Residenz.
Anwesenheit des Kaisers in einem der Vorzimmer.
Audienz beim Kronprinzen, den Reichsräten und ander·n Großen.
Aussicht über die ganze Stadt.
Abschieds- Audienz.
Geschenke des Hofes an die Holländer.
Beschreibung der Stadt.
Häuser.
Feueranstalten.
Frauen mit geschorenem Kopfe.
Fortschritte der Schüler des Verfassers.
Der Verfasser bekommt eine Kaiserliche Prinzessin zur Patientin.
Vom Verfasser seinen Schülern ertheilte· Testimonium.
Merkwürdige Bäume und Pflanzen.
Namen des Kaisers und des Kronprinzen.
Vierte Abteilung.
Rückreise von Jedo nach Dezima.
Abreise.
Anstalten zu einer großen Reise des Kaisers.
Ein merkwürdiger Fichtenbaum.
Reise über den Berg Fakonie.
Eine merkwürdige Vanille.
Berg Fusi.
Botanische Merkwürdigkeiten.
Von Rohr geflochtene Sachen.
Schutz gegen die Mücken des Nachts.
Merkwürdige Gewächse.
Stinkkäfer·
Besuch beim Oberrichter und den Gouverneuren.
Geschenke von ihnen.
Besuch des Leibarztes des Dairi beim Verfasser.
Beschreibung des Tempels und der ungeheuren Statue des Daibud.
Tempel des Quanwon und Menge der dasigen Gottesbilder.
Aufenthalt zu Osaka.
Komödien und Ballette daselbst.
Vogelsammlungen.
Botanischer Garten.
Kupfer-Schmelzhütte, und Verfahren beim Gießen des Kupfers in Stäbe.
Medizinischer Gebrauch der Moxa.
Einige botanische Bemerkungen.
Seereise.
Leuchtende Käfer.
Ankunft zu Nagasaki und Dezima.
Vorsicht bei Mitbringung von Münzen und Landkarten.
Fünfte Abteilung.
Erster Abschnitt.
Von der natürlichen Beschaffenheit des Landes.
Entdeckung durch die Portugiesen.
Gebirgliche Beschaffenheit.
Hitze und Kälte.
Meteorologische Beobachtungen.
Nachlese merkwürdiger Naturalien.
Zweiter Abschnitt.
Beschaffenheit und Charakter der Japaner.
Leibesbeschaffenheit und Bildung.
Character im allgemeinen Verstande.
Freiheitsliebe.
Höflichkeit und Unterthanigkeit.
Natürliche Geschicklichkeit und Industrie.
Sparsamkeit und Frugalität.
Gute Gemütsart.
Gerechtigkeitsliebe und Entfernung von Eroberungssucht.
Stolz und hohe Meinung von sich.
Tapferkeit und kriegerischer Muth; verschiedene Anekdoten davon.
Unversöhnlichkeit und kaltblütige Rachsucht.
Dritter Abschnitt.
Häuser und Haushaltsgeräte
Besondere Bauart der Häuser, und ganz eigene innere Einrichtung derselben.
Abteilung der Zimmer durch papierne Rahmenwände.
Ziegel- und Schindeldächer.
Hervor stehende Dächer.
Seitenbedeckung der Häuser.
Papierne Fenster.
Stockwerke und Höhe der Häuser.
Gebrauch der vorderen und der hinter·n Zimmer.
Küche; Herd; Abtritt.
Feuerfreies Nebengebäude.
Mangelhaftigkeit der Japanischen Häuser.
Bauart der öffentlichen Gebäude.
Bauart, Größe und Unterschied der Städte und Dörfer.
Häuser in den Dörfern, um den Urin und dergleichen zu sammeln.
Art des Heizens der Zimmer.
Art zu schlafen, zu sitzen und zu essen, und was die Stelle der Betten, Stühle und Esstische vertritt.
Kleine Toilett·-Schränke.
Metall·ne Spiegel.
Vierter Abschnitt.
Eigentümlichkeit der Kleidertracht.
Lange weite Talar·, und Art sie zu tragen.
Tracht der geringen Leute bei der Arbeit.
Festliches Oberkleid.
Arten der Zeuge: seid·ne, baumwoll·ne Zeuge; Hanf- und Nessel-Leinwand; Zeug aus einer Art Maulbeerbaum-Rinde.
Vorzüge und Unbequemlichkeiten der Japanischen Tracht.
Kamaschen·
Stroherne und hölzerne Schuhe.
Oberschuhe.
Schuhe der Holländer. Art das Haar zu tragen und zu schmücken.
Reisehüte·
Weibermützen·
Sonnen- und Regenschirme.
Reisemäntel·
Wap·en auf den Kleidern.
Schnupftücher.
Fächer·
Schwarze Zähne und ausgerissene Haare der Augenbrau·en bei den Frauen.
Fünfter Abschnitt.
Münzen und Gewicht.
Nur klängende Münze.
Wagen des Geldes.
Gangbare Münzsorten.
Gold·ne.
Kupferne, messingne und eisernne.
Seltene Münzen.
Gold·ne.
Sechster Abschnitt.
Zeitrechnung und Feste.
Monate·
Zwölf himmlische Zeichen.
Auszug aus dem Japanischen Kalender. Ruhetage. Art die Stunden zu zählen.
Öffentliche Anzeige der Stunden. Art das Alter der Kinder zu rechnen.
Zeremonie, da Crucifix und Marienbild mit Füßen getreten werden.
Jährliche Feste.
Jahrmärkte.
Sieb··ter Abschnitt.
Übrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner.
Familienn·amen und Vornamen.
Ordnung der täglichen Mahlzeiten.
Miso-Suppe.
Die Japaner schlachten auf der See kein Tier.
Eingemachte Früchte.
Gebrauch des Zuckertangs zum Essen und bei den Geschenken.
Bohnenmehl statt Seife.
Lichte von Firnisbaum-Eiche.
Öl zum Brennen.
Große Lichter für den Hof zu Jedo.
Versiegeln mit Papier.
Seile und Taue von Nessel.
Ö·hlpressen·
Waffen auf den Meubeln und ander·n Sachen.
Kartenspiele. Gänse Spiel.
Geschenke bei den Besuchen, und sonst.
Zinsen·
Öffentliche Mädchenhäuser; deren Menge, Einrichtung und Ursprung.
Öffentliche Bäder.
Warme Bäder.
Landstraßen.
Art zu reisen.
Einrichtung der Tragfläch·en, und Art sie zu tragen.
Räder-Fuhrwerk·
Achter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Vergleichung der Japanischen Sprache mit der Chinesischen.
Schwierigkeit für Fremde, sie zu lernen.
Mangel an Wörterbüchern.
Einige allgemeine Anmerkungen über die Japanische Sprache.
Probe eines nach dem Alphabete, und zugleich nach Abſtammung und Verwandtſchaft der Wörter geordneten Japanischen Wörterbuchs.
Erste Abteilung.
Reise von Batavia nach Japan, und Aufenthalt im Hafen von Nagasaki, und auf der Insel Dezima.
Der 20. Juni· 1775 war es, als ich Batavia verließ, und mich an Bord des Schiffes begab, das mich nach Japan bringen sollte.
Dieses Schiff war einer von den nach diesem Lande bestimmten Dreideckern, und führte den Namen Stavenisse.
Die Holländische Oſtindische Compagnie hat schon seit langer Zeit jährlich nur zwei Schiffe nach Japan geschickt.
Die Regierung zu Batavia sucht diese Schiffe aus.
Gewöhnlich sind beide, wenigstens aber eins, große Dreidecker, und zwar von denen, welche der Provinz Seeland zugehören, weil man die Fahrt von Java nach Japan für eine der allergefährlichsten in ganz Ostindien hält.
Während dieser Reise war ich auf dem Schiffe als erster Chirurgus angestellt.
Nach glücklicher Ankunft in Japan, war meine Bestimmung, ein Jahr da zu bleiben, und in der Eigenschaft eines Legations-Medicus den Holländischen Ambaß·adeur an den Kaiserlichen Hof nach der Hauptstadt Jedo zu begleiten.
Dies war meine Station im Dienste der Compagnie.
Außerdem aber hatte ich mich zu Amsterdam angene·hm· gemacht, für den daßige· medicinische· Garten und einige vornehme Privat-Personen in diesem Lande, so weit ich Freiheit und Gelegenheit dazu haben würde, lebendige Gewächse und Samen, besonders von Sträuche·n und Bäumen zu sammeln, und mit zurück gehenden Schiffen nach Europa zu schicken, wo man sie pflanzen wollte.
Das Schiff wurde vom Capitain van Eß geführt.
Als alles zur Abreiße fertig war, kam Herr Feith an Bord, der jetzt zum vierten Mahl die Stelle eines Chefs des Japanischen Handels und eines Abgesandten an den Kaiserlichen Hof antrat, und den Supercargeur Haringa, nebst vier Assistenten, als Gehulfen bey der Handel, bey sich hatte.
Das and·re Schiff, das fertig war, uns Gesellschaft zu leisten, war etwas kleiner, und ein Supercargeur und ein Assistent befanden sich darauf.
Alle Schiffs-Officiere hatten einen oder mehrere Sklaven mit sich an Bord, zu ihrer Bedienung, so wohl auf der Reise, als während ihres Aufenthalts in Japan, wo sie ein Jahr bleiben sollten.
Dies haben die Japaner vor mehr als hundert Jahren erlaubt, obgleich die Sklaven nicht außerhalb der Factory·, oder der dabei belegenen Stadt Nagasaki kommen dürfen.
Offiziere heißen auf diesen Schiffen der Capitain, die Supercargeure, die Assistenten, der Secretair und der Arzt oder Doctor.
Es ist ihre gewöhnliche Benennung.
Dies ist wegen des Gebrauchs des Worts Offiziere im Folgenden· zu merken.
Am folgenden Tage lichteten wir die Anker, löseten die Kanonen, und gingen von Batavia unter Segel, legten uns aber hernach nicht weit von diesem Orte wieder vor Anker, um alles zu der bevor stehenden Reise in Ordnung zu bringen.
Den Offizieren machte indesessen ihre Verproviantierung nicht viel zu schaffen, weil der Chef jetzt so wohl als während der ganzen Reise, theils auf seine, theils auf der Compagnie Kosten, ihnen allen freie· Tisch gab, und sie mit Liqueuren, Bier und Wein versorgte.
Erst nach sechs Tagen segelten wir weiter.
Wir kamen teils mit wenig Wind, teils mit der Flut in die Meerenge Banca (·Straet Banca·), die beynahe so breit ist, als der Kanal zwischen Frankreich und England.
Zur Linken sahen wir Sumatra, das einen ebenen und flachen Strand hat, zur Rechten Java: beide praengen mit häufigen Waldungen.
Übrigens lagen wir hier einen Tag still, um das and·re Schiff zu erwarten, das langsamer segelte und zurück geblieben war.
Am 30. kamen wir aus dem Sunde glücklich in die offene See.
Beide Schiffe begrüßten einander mit Kanonenschüssen, und man wünschte sich Glück zur Reise.
Den 3. Juli·· passiert·· wir die Linie.
Nach acht Tagen sahen wir die Klippe Pulo Sapato, die anfangs in der Ferne wie ein Schiff, hernach in der Nähe wie ein quer abgeschnittener Schuh aussieht; der Na·me bedeutet auch Schuhinsel.
Pulo heißt in der Malaiischen Sprache Insel und Sapato Schuh.
Den 10. zeigte sich das Chinesische Land.
Der Anblick erweckt auf dieser Reise allezeit Freude, weil man dann ganz sicher weiß, wie weit man gekommen ist.
Auf dieser Höhe hat man fast immer Sturm.
Uns ging es auch so.
Unser Capitain, ein sehr kluger und vorsichtiger Mann, machte deswegen so gleich Anstalt, daß die Segel größtentheils fest gebunden, die Spitzen der Masten gestrichen, und die Ra·en herunter genommen wurden.
Dieser Vorsicht bediente man sich hernach allezeit, so bald sich böses Wetter und Sturm einstellten, und der Erfolg lehrte, daß sie sehr nützlich war.
Dagegen sahen wir, daß das and·re Schiff, welches etwas zurück geblieben war, noch vor vollen Segeln ging, bis die Spitzen der Masten vom Winde herab geworfen wurden, bey Fortdauer des Sturms der eine Mast nach dem ander·n verlohren ging, und das Schiff vom Hin- und Herwerfen so beschädigt und zugleich so leck wurde, daß es im Hafen von Macao mit Mühe vom Sinken gerettet wurde.
Von Macao brachte man es hernach nach Canton, wo es ausgebessert wurde.
Die Reise nach Japan konnte es nicht fortsetzen.
Die Ladung, welche meist aus Puder-Zucker bestand, war fast ganz verdorben.
Nach einigen Tagen hatten wir wieder schrecklichen Sturm, dem gewaltige Orkane folgten, die zwei Tage und Nächte, zwar mit vielem Regen, aber doch ohne Gewitter, anhielten.
Als der Sturm sich gelegt hatte, sahen wir ein umgeworfenes chinesisches Fischerboot in die See treiben.
Die Fischer waren umgekommen.
Den 22. bekamen wir das Chinesische Land abermals zu Gesicht.
Vier Fischerboote kamen mit Fischen mehrerer Gattungen zu uns.
Ich fand darunter die schöne und durchsichtige Muschelart ( Ostrea pleuronectes ), deren eine Schale weiß, die and·re roth ist, daher die Holländer ihr den Nahmen Mondmuschel ( Maan- Moß·el ) gegeben haben.
Auch waren Blackfische ( Sepia ), einige Taschenkrebse, und der Schwanenkrebs ( Cancer Mantis ), darunter.
Man verkaufte uns die ganze Ladung, durch Tausch· gegen Reis· und Arrak: Waren, welche die Fischer ungemein gerne nahmen.
Seit unser·· Reise von Batavia hatten kalte Fieber unter den Matroßen sehr stark geherrscht, aber so bald mit dem starken Winde die Kälte zunahm, hörten sie auf.
Bontius sagt, zu seiner Zeit seien die kalten Fieber in Ost··dien sehr rar gewesen; jetzt sind sie von allen Arten sehr allgemein.
Der Unterschied des Grades der Wärme war indes··· beim schönem Wetter nicht von Erheblichkeit.
Zu Batavia stand das Thermometer von 80 bis 86, und auf der nördlichen Höhe, die wir jetzt hatten, 78 bis 79 Grad nach Fahrenheit.
Auf den letzten Sturm folgte starker Regen, dieser war uns nicht weniger beschwerlich, als die Orkane.
Die Krebse und Blackfische, die ich mir ausgesucht hatte, um sie zu trock·nen und aufzubewahren, gaben mir gegen Abend, so bald es dunkel wurde, den schönsten Anblick, indem jene stellenweise, diese beynahe ganz und gar, meine kleine Kajüte mit einem bläulichen phosphorischen Lichte erhellten.
Dieser Schein hatte das Sonderbare, daß er, besonders an den Krebsen, nur hie und da zu sehen war, aber keinen Theil des Körpers ganz bedeckte, so daß auf der einen Seite des Schwanzes ein Fleck leuchtete, auf der ander·n nicht.
Der Schein blieb zwei Tage lang, wenn aber das Tier am Tage aufs Verdeck genommen wurde, war nichts von Schein zu sehen.
Mit bloßen Augen konnte ich weder See-Ungeziefer oder sonst etwas, das die Ursache des Scheins sein konnte, entdecken.
Wenn ich eine leuchtende Stelle mit dem Nagel rieb, blieb der Schein, ohne sich zu vermindern.
Die Chinesischen Fischerboote sind sehr groß und lang, aber von dünnen Planken gebaut, haben ein Verdeck, und sind an beiden Enden abgestutzt.
Der Hinterteil ist viel breiter, als der Vorderteil, und beim Steuer offen.
Sie haben einen Mastbaum, aber nur ein einziges Segel.
Mit solchen Booten gehen vier bis fünf Mann Tag und Nacht weit in die See, um zu fischen.
Unsere Offiziere, die verschiedene Mal hier vorbei···segelten waren, erzählten mir, dass die·· Fischerboote bei gutem Wetter bisweilen in solcher Menge bei·einander gefunden werden, dass sie den Horizont beynahe verdunkeln.
Nachdem wir die Insel, welcher die Holländer den Namen Met zyn Gat (·mit ihrem Loche·) zu geben pflegen, passiert waren, kamen wir in der Meerenge bei Formosa an.
Den 29. erblickten wir die Insel Formosa, die vor diesem der Holländischen Compagnie gehört hat.
Sie ist lang, groß und sehr fruchtbar.
Dies machte die Reise bequemer und sicherer, dagegen sie jetzt, selbst bei Stürmen, keinen Hafen zum Einlaufen haben.
Der damalige Gouverneur Coyet übergab die daſige Citadelle Zeeland im Jahr 1662 nach einer neunmonatlichen Belagerung dem aufruhreriſchen und von den Tataren aus China vertriebenen Chinesen Coxinja.
··Die Geschichte hie·von findet man in Het Verwaarloozd Formoſa, door C. E. S. (·das verwahrloſete Formoſa.·)
Amsterdam, 1675. 4. ).
Jetzt steht die Insel wieder unter chinesischer Botmäßigkeit.
Auch in diesen Tagen hatten wir verschiedene Stürme mit Regen auszustehen, die aber doch bald vor·bei·gingen.
Nur einer hielt volle drei Tage an, er war sehr heftig, und mit vielem Regen begleitet.
Die See ging sehr hoch und war in solcher Empörung, daß das Wasser auf das Schiff herab fiel, als wenn es beständig regnete.
Offiziere und Schiffsvolk behielten zuletzt kaum trockene Kleider, um sich umzuziehen, und man hatte viel Mühe, das Schiff gegen Wind und Wellen aufrecht zu halten.
Mir ging es auch sehr übel.
Bei den heftigen Stößen und stetem Hin- und HerSchwanken des Schiffs hielt ich mich meistens auf dem Verdecke in freier Luft auf.
Zum Schutz gegen das heran stürmende Wasser hatte man an einer Seite ein Segeltuch aufgespannt, das auch wirklich etwas schützte.
Dagegen erfuhr ich sehr bald eine and·re große Unbequemlichkeit davon.
Bei einem heftigen Stoße wurde ich von dieser Seite über das rund erhabene schlupfrige Verdeck nach der ander·n Seite geworfen, und das mit solcher Gewalt, daß ich Gefahr lief, über Bord zu fallen: zum Glück war die Brustlehne, wie auf allen Oſtindischen Schiffen, sehr hoch.
Beinahe hätte ich aber doch das rechte Bein gebrochen, weil der Stoß gegen den Bord so heftig war; nun kam ich noch mit einer großen Beule davon.
Nach Verlauf einiger Tage überfiel uns zum fünften Mal Sturm und Regenwetter, das vier und zwanzig Stunden dauerte.
Hieraus kann man sehen, wie beschwerlich und gefahrvoll die Reise nach Japan, und wie unruhig und stürmisch das Meer auf beiden Seiten von Formosa ist, und zwar selbst in der besten Jahreszeit, der einzigen, da Schiffe drei bis vier Monate in einem Japanischen Hafen mit Sicherheit liegen können.
Eine umständliche und ausführliche Beschreibung der Stürme in diesen Fahrwassern findet man beim Kämpfer.
Die Compagnie rechnet von fünf hierher gehenden Schiffen, eines für verloren.
Daß dies mit einer mehr als hundertjährigen Erfahrung überein stimmt, kann man aus dem vorhandenen Verzeichnis·· der verunglückten Schiffe sehen, von denen man zum Teil gar nicht weiß, wo sie geblieben sind.
In folgenden Jahren nämlich sind, in jedem ein Schiff verloren gegangen: 1651, 1652, 1653, 1658, 1659, 1664, 1668, 1670, 1671, 1697, 1708, 1714, 1722, 1724, 1731, 1748, 1758, 1768, 1770, 1772, 1775.
Im Jahr 1642 und 1669 sind zwei und 1719 gar drei verunglückt.
Dazu kommt eins, das 1770 nach China gehen musste, ohne seine Reise fortsetzen zu können, weil es leck geworden war, und eins, das 1660 in einem Gefecht· mit den Chinesen in die Luft flog.
Das letzte war das mit uns abgegangene zweite Schiff, das so schadhaft geworden war, daß es in einen Chinesischen Hafen einlaufen mußte, wo es ausgebessert wurde, und von da es nach Batavia zurück segelte.
Den 13. August früh zeigte sich die Insel Meaxima mit ihren hohen und spitzen Bergen.
Am Nachmittag· sahen wir schon Japanisches Land.
Abends um neun Uhr gingen wir beim Eingange in den Hafen von Nagasaki vor Anker.
Hier bilden die hohen Berge einen runden Binnenhafen, der wie ein halber Mond gestaltet ist.
Auf den Bergen umher sahen wir verschiedene Vorposten stehen.
Diese werden auf Befehl der Japanischen Regierung dahin gestellt, und mit Fernrohren versehen, damit sie die Schiffe von weitem entdecken und dem Statthalter zu Nagasaki so gleich von ihrer Ankunft Nachricht geben können.
Jetzt zündeten diese Schildwachen mehrere Feuer an.
Auf unserem Schiffe waren wir heute auch sehr geschäftig.
Die Matrosen mussten ihre Bibeln und Gesangbücher hergeben; diese wurden in einen Kasten gepackt, und der Kasten zugenagelt.
Dieser wird hernach den Japanern in Verwahrung gegeben, die ihn bis zur Abreise behalten, da denn jeder sein Buch wieder bekommt.
Die Absicht ist, zu ···hüten, daß keine christlichen oder katholischen Bücher ins Land kommen.···
Auf dem Verdecke schlug man ein Bett mit einem Himmel, aber ohne Gardinen, auf.
Dies war für die ankommenden Japanischen Beamten bestimmt, darauf zu sitzen.···
Auch verfertigte man eine Musterrolle von der ganzen Besatzung, die ungefahr hundert und zehn Mann und vier und dreißig Sklaven ausmachte.
Eines jeden Alter wird in einer solchen Rolle angegeben, aber nicht das Vaterland, weil alle für Holländer angesehen werden; diesmal waren verschied·ne aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Portugal und Spanien darunter.
Sie wird hernach den Japanern eingehändigt, die unmittelbar nach ihrer Ankunft, und in der Folge jeden Morgen und Abend an den Tagen, da das Schiff gelöschet oder geladen wird, und die Fahrt zwischen dem Schiffe und der Factorey offen ist, die ganze Bezätzung nach Inhalt derſelben mustern.
Hierdurch wissen sie gewiß, daß ohne ihr Vorwissen oder Erlaubnis niemand heimlich entkommen, oder aus der Factorey zurück bleiben kann.
Kaum hatten wir die Anker gelichtet, als wir ein Boot vom Lande uns entgegen kommen sahen.
Unser Capitain zog deswegen einen blauen, mit Silber besetzten, seidenen Rock an, der sehr groß und weit ausgestopft, und vorn vor dem Bauche mit einem großen Kissen versehen war.
Dieser Rock war ehedem seit langer Zeit dazu gebraucht, Contre·bande heimlich einzubringen, und auszuführen, weil der Chef und der Capitain die einzigen waren, die nicht visiti·rt wurden.
Der letztere machte in diesem ganz voll gepfropften Rocke jeden Tag gewöhnlich dreimal den Weg vom Schiffe nach der Factorey, und zwar manchmahl mit Waaren so bepackt, daß ihn unter jedem Arme ein Matroße unterstützen mußte, wenn er ans Land stieg.
Dies brachte ihm jährlich anseh·liche Summen, bisweilen mehrere Tausend Taler ein, nicht nur durch das, was er für eigene, sondern auch für Rechnung der Officiere mitnahm.
In dem gedachten Boote kamen von der Factory·, im Nahmen des dasigen Chefs, ein Supercargeur und drei Assistenten an, um uns zu unser·· Ankunft Glück zu wünschen, und sich nach den Schiffen, der Ladung, Neuigkeiten von Batavia und dergleichen zu erkundigen.
Mittlerweile waren auf dem Schiffe mancherley Arten Flaggen und Wimpel aufgezogen, um unsere Einfahrt in den Hafen glänzend zu machen.
So bald wir uns den beiden an jeder Seite des Hafens befindlichen kaiserlichen Wachen, deren eine des Kaisers, und die and·re der Kaiserin Wache heißt, näherten, feuerten wir die Kanonen ab, um sie zu salutieren.
Während dieser ganzen Fahrt in einem langen und krumm herum gehenden Hafen hatten wir die schönsten Aus·icht von der Welt: rund umher sahen wir Berge und Hügel, die bis in die Spitze angebaut waren: ein Anblick der in ander·n Ländern selten ist.
Endlich kamen wir beim Ankerplatz· selbst an.
Hier ließen wir froh die Anker nieder, und blieben einen Büchsenschuss weit von der Stadt Nagasaki und der dabei liegenden kleinen Insel Dezima, auf welcher die Holländische Factorey ist, liegen.
Nachdem die von der Factorey an uns abgeschickten Personen sich wieder an Land begeben, und die Briefe der Compagnie so wohl als and·re, mitgenommen hatten, kam bald nachher der dies Jahr in Japan zurück gebliebene Chef an Bord.
Er hielt sich nur kurze Zeit auf, und nahm den neu angekommenen Chef, den Capitain, den Supercargeur und die Assistenten mit nach der Factorey.
Die Neuigkeit, welche er uns mitgebracht hatte, war uns sehr unangenehm.
Vom Hofe waren sehr scharfe Befehle angekommen, um allen ferneren Schleichhandel zu hemmen.
Der Chef so wohl als der Capitain sollen von nun an, ohne Unterschied wie jeder and·re, visiti·rt werden, welches bis dahin nie geschehen war; der Capitain solle sich in Zukunft wie and·re kleiden, und den weiten Oberrock, der bisher zur Beförderung des Schleichhandels gedient habe, ablegen, entweder beständig an Bord bleiben, oder, wenn er an Land gehen wolle, nicht die Erlaubnis haben, während der ganzen Zeit seines Aufenthalts daſelbſt, mehr als zweimal von da sich auf das Schiff zu begeben.
In Ansehung dieses letzten Punktes gab man indes··· sehr nach.
Der Kap·la·n durfte schon am dritten Tage wieder an Bord gehen, um das Schiff vor zwei Anker zu legen.
Die Erlaubnis hie·zu gab der Gouverneur zu Nangaśaki, teils auf Bitten, teils durch die Drohung bewogen, daß, wenn das Schiff Schaden nähme, solches für des Kaisers Rechnung sein, und, wenn dem Kaiser das gleichgültig sein sollte, die Compagnie es gewiß rächen würde.
Die Veranlassung zu diesem strengen Befehle hatte die im Jahr 1772 gemachte Entdeckung gegeben, da das von den Holländern verlassene Schiff an die Japanische Küste angetrieben kam, und man beim Ausladen fand, daß es viele, besonders dem Chef und dem Capitain zugehörige, verbotene Waren, mit sich führte.
Dieses Schiff war auf der Reise hierher so leck geworden, daß man es verließ, und so gewiß glaubte, es müsse binnen einigen Stunden untergehen, daß man es nicht in Brand steckte, welches sonst in solchem Falle, dem Befehl der Compagnie gemäß, geschehen muß.
Dessen ungeachtet war es verschiedene Tage nach dem Lande hin umher getrieben, da denn die Japaner es entdeckt, und in den Hafen von Nagasaki bogt·en· hatten.
Da hatten diese nun alle Ecken und Winkel durchsucht, und eine Menge, den vornehmsten Offizieren gehörende, mit den am schärfsten verbotenen Waren angefüllte, und mit ihren Namen bezeichnete Kisten entdeckt.
Besonders waren sie über eine dem Chef zugehörige Kiste aufgebracht worden, die mit falschem Som, oder Ginsengwurzel, welche durchaus nicht eingeführt werden darf, angefüllt war, und daher außerhalb des Wassert·ors der Factory· mit allem, was sie enthielt, verbrannt wurde.
Außerdem, daß es für den Chef ein Schimpf ist, visitiert zu werden, verlieren der Schiffsk·apitain und alle Offiziere jährlich einen beträchtlichen Gewinn auf ihre Waaren, und der erste·· auch noch eine anseh·liche Summe dafür, daß er die Waaren der letzteren mitnahm.
Vor diesem hatte der Capitain nicht nur den weiten Oberrock, sondern auch große weite Hosen an, die ebenfalls mit Contre·bande angefüllt waren, aber diese waren verdächtig geworden, und man hatte sie schon vor mehreren Jahren ablegen müssen; nun musste man den Rock, diese letzte Zuflucht, auch fahren lassen.
Übrigens sah es gar lächerlich aus, wie die meisten Japaner unser·n, nunmehr an Dicke den gewöhnlichen Menschen ähnlichen Capitain mit vieler Verwunderung ansahen, da sie sich vorher immer eingebildet hatten, alle unser· Schiffs-Capitaine wären so dick und fett, als sie sie zu sehen gewohnt waren.
Kaum war das Schiff vor Anker gelegt, und Nagasaki von unser·n Kanonen begrüßt, als zwei Japanische Oberbeamte (·Banjoßen·) und einige Unterbeamte (·Unterbanjoßen) nebst Dolmetſchern und Bedienten an Bord kamen.
Die Banjosen nahmen ihren Platz auf der aufgeschlagenen Bettstelle ein, worauf eine dicke Japanische Matte von Stroh, und darüber eine cattunene Decke lag.
Vor dem Bett· stand ein Fußschemel, damit man bequem hinauf kommen konnte.
Nachdem sie die Schuhe ausgezogen hatten, stiegen sie hinauf und setzten sich, nach Landessitte, auf die Fersen, und die Füße untergeschlagen.
Da sie dieser Art zu sitzen gewohnt waren, konnten sie es lange aushalten; dass es ihnen aber endlich unbequem wurde, konnte man daraus sehen, dass sie dessen bisweilen überdrüssig wurden, und sich eine Weile auf europäische Art setzten.
Das Geschäft dieser Ban·osen war, während der ganzen Zeit, da das Schiff auf der Rhede lag, dahin zu sehen, daß alle Personen und Güter, die an Land gebracht wurden, oder aufs Schiff kamen, genau visiti·rt wurden; die Befehle vom Gouverneur in der Stadt anzunehmen; alle Pässe und Papiere, womit Leute versehen werden mußten, zu unterzeichne···n, und dergleichen.
Ihr Zeitvertreib während ihres langen und ermüdenden Sitzens war, Tabak zu rauchen, bisweilen ein Paar Worte mit·einander zu sprechen, Thee zu trinken, und ein Glas Europäischen Branntwein zu nehmen.
Zu diesem Ende ließ der Schiffsk·apitain zwei kristall·ne Flaschen mit verschiedenen Liqueuren, und zwei geschliffene kristall·ne Gläser, wie auch Confect auf einem Teller, aufsetzen, wiewohl sie nicht viel Liqueur trinken, sondern meist nur davon probieren.
Als alles Saluti·ren mit den Kanonen vorbei war, sollte nach Gewohnheit das übrige Pulver, nebst den Kugeln, allem Gewehr, und der oben genannten Bücherkiste den Japanern in Verwahrung gegeben werden.
Man überlieferte ihnen eine gewisse Quantität Pulver, sechs Kisten mit Kugeln, sechs Musketen, sechs Pistolen, sechs Säbel und sechs Bajonette, und bildete ihnen ein, dies sey unser ganzer Vorrath von Ammunition.
Es wurde in einem Packhaus· verwahrt, bis das Schiff bei seiner Rückreise die Rhede verließ, da die Japaner es von selbst zurück gaben.
Auch das Schiffsboot und die Scha·lupen nahmen sie in sichere Verwahrung, und weder Personen noch Sachen konnten anders als mit Japanischen Booten und Japanischen Seeleuten hin· und herkommen.
Diese Maßregeln befolgen die Japaner bei jedem holländischen Schiffe.
Vor diesem nahmen sie so gar auch das Steuerruder, die Segel und die Kanonen mit an Land ins Packhaus, welches ihnen aber unsägliche Last machte; jetzt sind sie so vernünftig, diese Sachen nicht anzurühren.
Wenn nun die Japaner uns völlig entwaffnet zu haben glauben, lassen sie die Musterung auf dem Schiffe das erste sein, die sie hernach an den Tagen, da gelöscht oder geladen wird, Morgens und Abends wiederholen.
Sie zählen dabei nur bis zehn, und fangen immer wieder mit Eins an, eben so zählen sie bei Güthern und Sachen.
Jedesmal wird genau angeschrieben, wie viel Mann an Land gegangen, wie viele krank, und wie viel auf dem Schiffe anwesend sind.
An allen den Tagen, da etwas ein- oder ausgefschifft wird, sind Oberbanjosen, Unterbanjosen, Dolmetſcher, Schreiber und Besucher am Bord, bis gegen Abend, da sie ſammtlich ans Land gehen, und den Europäern auf dem Schiffe Freyheit laſſen.
Bei solchen Gelegenheiten lässt man allezeit die Flaggen auf dem Schiffe so wohl, als auf der Factorey, wehen.
Wenn beide Schiffe glücklich angekommen sind, wird auf jedem einen Tag um den ander·n gearbeitet.
Damit weder die Holländer selbst vom Schiffe, noch die Japaner dahin kommen können, um, besonders des Nachts, unter Begünstigung der Dunkelheit, und da keine Japanischen Officiere am Bord sind, heimlich Handel zu treiben, werden verschied·ne große Wachsschiffe in einiger Entfernung rund um das Schiff gelegt, und außerdem müssen mehrere kleine Böte bey Nachtzeit alle Stunden sehr nahe um das Schiff herum rudern.
Unter dem ersten, das an Land gebracht wurde, waren die von Batavia mitgebrachten Kälber, Ochsen, Schweine, Ziegen, Schafe und Hirsche.
Ochsen und Kühe sind auch etwas seltenes, und dazu ungemein klein, werden auch nur bisweilen zum Ackerbau gebraucht; das Fleisch isset der Japaner nicht, auch macht er sich die Milch auf keine Art zu Nutze.
Weil daher die Europäer hier diese Arten Vieh zum Schlachten nicht kaufen können, sehen sie sich genötigt, so wohl zu frischer Provision, auf der Factorey, als auch zum Behuf der Schiffe bey der Abreise, dergleichen mitzubringen.
Dies Vieh steht beständig auf der Insel auf dem Stalle, der im Sommer offen, im Winter zugeschlossen ist.
Es wird mit Gras und Laub gefüttert, das täglich dreimal von Japanischen Knechten rund um die Stadt gesammelt und hergebracht wird.
Des Winters besteht das meiste Futter in etwas Reis· und in Zweigen von Bäumen, auch Stroh von ausgetrocknetem Reis·.
Ich pflegte dies Futter, jedesmal so wie es gebracht wurde, zu durchsuchen, und die darunter befindlichen seltenen Gewächse heraus zu nehmen, die ich hernach trocknete und in Herbarien sammelte; denn auf dem Felde durfte ich dergleichen selbst nicht sammeln.
In den folgenden Tagen wurden die Kleidungsstücke und Möbel· der Offiziere, nebst ihrem Vorrat von Esswaren, Wein, Bier, und was sonst Privatp··ersonen gehört, und nicht verkauft werden soll, an Land gebracht.
Dies muss allezeit besonders geschehen, ehe irgend etwas von Handelswaaren ausgeladen werden darf.
Man pflegt es in den drei ersten Tagen zu tun.
Den 4. September wurde das Schiff von den Japanern visiti·rt, nachdem alles, was nicht verkauft werden sollte, ans Land geschafft war.
Alle von Privatp··ersonen zum Verkauf· bereits angegebene Waren· wurden heute abgeschickt; vergaß jemand in der Eile etwas, so durfte er es hernach nicht ans Land bringen, noch verkaufen.
Die Visitation geschah allenthalben, und zwar sehr genau, außer ganz unten und in der Pulverkammer.
Der übrige Teil dieses Monats wurde zum Löschen der Waren der Compagnie angewandt.
Beim Ein- und Ausladen zu helfen, wie auch die Boote hin- und herzurudern, sind eine Menge Arbeitskerl (·Kuli·) bestellt, nebst ander·n, die über diese die Aufsicht haben.
Diese Leute haben zur Gewohnheit, allezeit, wenn sie etwas aufheben oder tragen sollen, imgleichen wenn sie rudern, zu singen, und zwar jedesmahl nach einem gewissen Takt·, in einem gewissen Ton· und mit anpassenden aufmunternden Worten.
In vorigen Zeiten nahmen die Holländer sich die Freiheit, diese Arbeitsleute, die von der geringeren Volks Klasse sind, für begangene Fehler abzustrafen und zu schlagen; jetzt aber ist dies, als etwas, das die Nation für schimpflich hält, gänzlich und bei schwerer Strafe von der Regierung verboten.
Wenn ein Europäer vom Schiffe ans Land geht, oder umgekehrt, er habe Sachen mit, oder nicht, so geht allezeit ein Bedienter mit, und er muß einen Pass bey sich haben, worauf sein Nahme, seine Uhr und was er sonst bey sich hat, aufgeschrieben ist.
So bald das Schiff zur Hälfte gelöscht war, fing man schon wieder an zu laden, und zwar Kupfer in Stäben, das in hölzernen Kisten lag.
Dieses Jahr, da nur ein Schiff hie·her gekommen war, brachte man in dasselbe anderthalb so genannte Lasten Kupfer, oder 6700 Kisten, jede ein Pi·kel oder 125 Pfund schwer.
An den Tagen, da keine Ein- oder Ausschiffung geschieht, kommen weder Japanische Beamte noch and·re Japaner an Bord.
Auch die Holländer selbst kommen an solchen Tagen weder nach dem Schiffe, noch davon.
Das Wassertor der Stadt ist ···dann auch verschlossen.
Wenn eine wichtige Ursache es notwendig macht, daß ein Offizier, zum Beispiel der Capitain oder der Doctor, sich nach dem Schiffe begeben muß, welches man vom Schiffe durch Aufziehen der Flagge zu erkennen gibt, so muß die Erlaubnis dazu vom Gouverneur in der Stadt gesucht werden.
Wird sie gegeben, so wird den··noch das Wassertor nicht geöffnet, sondern man wird von Dolmetst·ern und Beamten durch einen kleinen Teil der Stadt nach einer kleinen Brücke begleitet, von wo man, nach vorgängiger sehr genauer Visitation, in einem Boote nach dem Schiffe gebracht wird.
Jene Leute steigen jedoch nicht selbst mit aufs Schiff, sondern warten in ihren Booten, bis man sein Geschäft verrichtet hat.
Alsdann wird man auf gleiche Art und auf dem nämlichen Wege wieder nach der Factory· geführt.
In der Stadt sammelt sich während dieses Aufzuges allezeit eine Menge Volk, den Europäer zu beschauen, und ein zahlreicher Schwarm Kinder, die über die großen runden Augen desselben, durch ihr Geschrey Hollanda O-Me ihre Verwunderung bezeigen.
Einmal bekamen wir auf dem Schiffe Besuch von einigen Fürsten und beyden Gouverneuren der Stadt.
Neubegierde trieb sie zu uns, unser Admiral-Schiff zu besichtigen, das ein sehr großer und zugleich sehr schöner Dreidecker war, dergleichen seit vielen Jahren in Japan nicht gewesen war.
Einer der Dolmetscher behauptete, während der dreißig Jahre, die er auf der Factorey gedient, habe er nie ein so großes und prächtiges holländisches Schiff gesehen.
In diesen Tagen geschah es auch, daß wir einen unserer Matroßen verloren, der nebst ander·n Kranken in das auf der Insel befindliche Krankenhaus gebracht war.
Man zeigte dem Gouverneur von Nagasaki den Todesfall an, und bekam Erlaubnis zur Beerdigung.
Die Leiche wurde von dazu verordneten Japanern sehr genau visitiert, darauf in einen breiter·en Sarg gelegt, und von den Japanern selbst auf die and·re Seite des Hafens gebracht, und in die Erde gegraben.
Einige wollten behaupten, solche Todte würden von den Japanern wieder ausgegraben und verbrannt; ich habe hie·von aber nichts gewisses erfahren können.
Zölle kennt man in Japan nicht, weder im Lande, noch an den Küsten; und Zollabgaben werden niemals, weder von ein- noch ausgehenden Waren, weder von Fremden noch Einheimischen gefordert.
Ein sehr wichtiger Vorzug, den dies Land vor so vielen ander·n hat.
Damit aber keine verbotene Waaren heimlich eingebracht werden mögen, wird die strengste Aufsicht gehalten, und Menschen und Sachen so genau durchsucht, daß es alle Vorstellung übertrifft.
Geht ein Europäer ans Land, so wird er zuerst auf dem Schiffe, und hernach, so bald er ans Land kommt, visiti·rt.
Diese ··doppelte Visitation· ist sehr scharf.
Man befühlt die Taschen, und streicht mit den Händen an den Kleidern den Leib und die Lenden herab; nicht genug: bei geringen Leuten durchsucht man so gar die heimlichen Orte, und bei den Sklaven die Haare auf dem Kopfe.
Auf gleiche Weise werden auch alle Japaner, die an Bord kommen, visiti·rt, und niemand ist davon ausgenommen, als die Ober-Banjoßen.
Alle Sachen, die ein- oder ausg·schifft werden, sind eben einer solchen zwiefachen Durchsuchung, am Bord nämlich und auf der Factorey, unterworfen, nur große Kisten nicht; diese werden auf der Factorey ausgepackt, und so genau untersucht, daß man so gar gegen die Bretter schlägt, ob sie etwa hohl sind.
Die Betten werden nicht selten aufgeschnitten und die Federn umgerührt; in die Buttergefäße und Confitur·-Kruken werden dünne eisernen Stangen gesteckt; oben in die Käse wird ein viereckiges Loch geschnitten, und mit einem langen spitz··en Eisen von da der ganze Käse nach allen Seiten durchstochen.
Ihr Argwohn ging diesmal so weit, daß sie von den Eiern, welche wir bei uns hatten, eins und das and·re nahmen und entzwei schlugen.
Eben diese Strenge wird beobachtet, wenn man von der Factorey nach dem Schiffe, oder aus der Stadt Nangaſaki nach der Insel Dezima, und umgekehrt, geht.
Die Uhr muss man aus der Tasche ziehen und vorzeigen, und sie wird jedesmal angeschrieben.
Bisweilen wird auch der Hut besuch··t.
Geld und Münze darf von Particuliers gar nicht eingeführt werden, sondern es wird meistens bis zur Abreise in Verwahrung genommen.
Briefe dürfen nicht einmal versiegelt nach oder von dem Schiffe geschickt werden, sondern man öffnet sie, und die Dolmetscher müssen sie so gar bisweilen lesen; das geschieht auch wohl mit ander·n Papieren.
Religions-Bücher, besonders mit Kupferstichen, einzubringen, ist sehr gefährlich.
Bücher anderer Art können die Europäer zu ihrem eigenen Gebrauche, so viel sie wollen, einführen; in Ansehung dieſer war das Viſiti·ren am wenigsten genau: sie sahen nur einige an.
Lateinische, Französische, Schwedische und Deutsche Bücher gehen überhaupt besser, als Holländische, durch, weil die Dolmetscher sie nicht verstehen.
Waffen und Gewehr dürfen zwar nicht eingebracht werden; man erlaubte uns aber doch noch, unsere Degen mitzunehmen.
Übrigens sitzen am Wassertor· von Dezima, wenn etwas aus- oder eingeschifft wird, eben so als auf dem Schiffe, allezeit Ober- und Unter- Banjoſen, und Ober- und Unter-Dolmetſcher, vor deren Augen alles durchsucht wird.
Und damit die Europäer nicht im Stande sein mögen mit den Besuchern Bekanntschaft zu machen, werden diese so oft umgewechselt, daß dazu keine Gelegenheit ist.
An diesem übertriebenen Visiti·ren, dessen Strenge bei verschiedenen Gelegenheiten so zugenommen hat, daß sie nun zu ihrer größten Höhe gestiegen ist, sind die Holländer selbst Schuld.
Die weiten Hosen und der ungeheure Rock des Capitains, und hundert and·re Kunſtgriffe wurden angewandt, verbothne Sachen heimlich nach der Factory· zu bringen, und die Dolmetscher, die vormahls gar nicht visiti·rt wurden, brachten die Contrebande-Waaren allmählig· nach der Stadt, wo sie für bares Geld verkauft wurden.
Oft machte man dies so fein, daß man dergleichen Sachen vorn in die Hosen und in die Haare steckte.
Vor einigen Jahren fanden die Japaner bei einem Schiffs-Unterbedienten einen Papagey in den Hosen, wo er während der Visit·e···· anfing zu sprechen, und dadurch entdeckt wurde.
Diesmal traf man bei einem Assistenten in den Unterhosen verschied·ne Thaler und Dukaten versteckt.
Hie·zu kommt der Hochmut, den einige unverständige Offiziere gegen die Japaner auf eine sehr unvorsichtige Art blicken lassen, indem sie ihnen zur Unzeit widersprechen, sie über die Achsel ansehen, sie auslachen und ihnen verächtlich begegnen.
Dies erzeugt bei den Japanern Hass und Verachtung: diese Verachtung nimmt sehr zu, wenn sie sehen, wie unfreundschaftlich und unhöflich die Europäer nicht selten mit einander selbst umgehen, und wie barbarisch sie ihre Matrosen mit Fluchen, Prügeln und ander·n Grausamkeiten behandeln.
Dies alles hat denn die Japaner von Jahr zu Jahr mehr gereizt, die Handelsfreiheit der Holländer einzuschränken, und sie so genau und scharf visiti·ren zu lassen, daß sie mit den ausgedachtesten Kniffen kaum im Stande sind, Leuten von einer so wachsame· Nation die Augen zu blenden.
Alle diese Anstalten sollen gleichwohl nur den eigentlichen Schleichhandel, nicht aber den Privat-Handel hindern, sondern jedermann kann alles, was verkauft werden darf, und wozu ·····Käufer finden, ja so gar solche Sachen, die nicht verkauft werden dürfen, einbringen, wofern es nur nicht heimlich geschieht.
Nur mit Sumatra····· Kampfer und mit Schildkroten Schalen dürfen Privat Personen nicht handeln, weil das ein ausschließliches Recht der Compagnie ist.
Die Ursache, warum Particuliers solche Waren, deren Verkauf· in öffentlicher Auction nicht verboten ist, so gern heimlich herein·bringen, ist die, daß sie für das, was vermittelst der Auction verkauft wird, kein bares Geld bekommen, sondern and·re Waren zur Bezahlung nehmen müssen.
Diese bestehen entweder in Porzella·n, oder in lackierten Sachen, und sind, weil dergleichen jährlich mitgebracht werden, zu Batavia so wohlfeil, daß man bisweilen weniger dafür bekommt, als man dafür bezahlt hatte.
Hingegen wenn die Sachen heimlich verkauft werden, so bekommt man oft noch einmal so viel als sonst, und zwar in klingender Goldmünze.
Vor einigen Jahren, da der Schleichhandel noch im Flor war, wurde zwar das meiste durch die Dolmetscher von der Factory· nach der Stadt gebracht; manchmahl warf man aber auch die Waaren über die Mauer von Dezima und nahm sie in einem dazu bestellten Japanischen Boote in Empfang.
Verschiedene Mal sind Dolmetscher und and·re Japaner hie·bei ertappt und meistens am Leben gestraft.
Auch die Holländer haben von jeher, wenn man Schleichhandel entdeckt hat, anseh·liche Geldstrafe bezahlen müssen, die in neueren Zeiten so erhohet ist, daß ein Europäer, wenn er betroffen wird, zwey hundert Katzen Kupfer erlegen muß, und auf immer Landes verwiesen wird.
Überdem werden für Rechnung der Compagnie alsdann zehn tausend Katjes Kupfer abgezogen, und wenn die Sache entdeckt wird, nachdem das Schiff schon die Rhede verlassen hat, muß so wohl der Chef als der Capitain zwey hundert Katjes Kupfer Strafe geben.
Die Waren der Compagnie sind keinem Visiti·ren unterworfen, sondern werden so gleich nach den Packhäusern gebracht, welche von den Japanern versiegelt werden, und wo sie liegen bleiben, bis man sie abholt, um sie zu verkaufen.
Die Dolmetscher sind alle geborene Japaner und sprechen mehr oder weniger fertig Holländisch.
Keinem Ausländer erlaubt die Regierung, die Sprache zu lernen, damit niemand in den Stand gesetzt werde, irgend Kenntnis des Landes zu bekommen.
Dagegen hält sie vierzig bis fünfzig Dolmetscher, die auf der Factorei beim Handel und ander·n Gelegenheiten die Holländer bedienen müssen.
Sie werden gemeiniglich in drei Klassen geteilt.
Die ältesten, welche das Holländische am besten sprechen, bekommen den Namen Ober-Dolmetscher; die, welche es nicht so gut sprechen, heißen Unter-Dolmetscher; und diejenigen, welche es noch weiter lernen müssen, nennt man Lehrlinge.
Vor diesem unterrichteten die Holländer selbst die Japanischen Lehrlinge; besonders war dies das Geschäft des Arztes; jetzt aber bekommen sie den Unterricht von den älter·n Dolmetschern.
Die Lehrlinge hatten ehemals auch die Freiheit, nach Belieben auf die Factorei und in die Zimmer der Holländer zu kommen; allein nunmehr dürfen sie nicht eher und öfter hinkommen, als sie wirklich gebraucht werden, und alsdann gehen allezeit ein oder zwey Ottona mit.
Auch haben sie allezeit etliche Schreiber mit sich, die anschreiben, was ein- und ausgeladen wird, und Pässe und dergleichen schreiben müssen.
Die Dolmetscher avancieren so wohl im Range als in Einkünften nach der Anciennität, ohne zu ander·n Bedingungen genommen zu werden.
Ihre Amtspflicht ist, daß, gewöhnlich einer, bisweilen zwei, von jeder Klasse zugegen sein müssen, wenn die Japaner und Holländer, es betreffe den Handel, oder and·re Gegenstände, etwas mit·einander abzumachen haben.
Sie dolmetschen entweder mündlich oder schriftlich, wenn beim Statthalter, bei den Beamten oder ander·n, etwas zu suchen, zu klagen, oder sonst anzubringen ist.
Auch müssen sie bei den Visit·e··n··· auf dem Schiffe so wohl, als auf der Factorey zugewesen sein, ingleichen auf der Reise nach Hofe mitgehen.
Von den älteren unter ihnen sprechen einige das Holländische, wenn von gewöhnlich vorkommenden Gegenständen die Rede ist, ziemlich fertig und verständlich.
Weil aber die Japanische Sprache in Ausdrücken so wohl als in Wortfügungen von den Europäischen so sehr abweicht, so hört man gar oft von ihnen recht lächerliche Ausdrücke und sonderbare Redensarten.
Manche lernen es nie richtig sprechen.
Wenn sie Holländisch schreiben, gebrauchen sie statt der Feder ihren gewöhnlichen Pinsel, ihren Tusch und ihr eigenes Papier, schreiben aber doch nach Europäischer Art von der Linken zur Rechten, und zwar meistens sehr anseh·liche und schöne Italienische Buchstaben.
Die Dolmetscher sind sehr große Liebhaber von Europäischen Büchern und verschaffen sich deren jährlich eins oder mehrere von den ankommenden Kaufleuten.
Sie besitzen sie nicht nur, sondern lesen auch fleißig darin, und behalten sehr gut, was sie daraus gelernt haben.
Überhaupt lassen sie es sich sehr ··gelegen sein, von den Europäern etwas zu lernen, und nach allem, besonders was ins medizinische, physikalische und naturhistorische Fach schlägt, zu fragen: sie fragen so unglaublich viel und so mancherley, daß man dessen oft sehr müde wird.
Die meisten legen sich förmlich auf die Arzneiwissenschaft; diese sind auch die einzigen, welche sie nach Europäischer Methode und mit Europäischen Arzneimitteln ausüben.
Hie·durch bekommen sie nicht nur Gelegenheit, Geld zu verdienen, sondern erwerben sich auch etwas mehr Ansehen.
Bisweilen nehmen sie so ····Schüler in dieser Wissenschaft an.
So wohl ihre Kenntnisse als die Arzneien bekommen sie von den Holländischen Ärzten.
So bald ich ans Land gestiegen war, ließ ich meine erste Sorge sein, mir die Bekanntschaft der Dolmetscher zu verschaffen, und mich, so viel möglich war, bei den Beamten, welche sich sehr oft auf unserer kleinen Handels-Insel einfanden, in Gunst zu setzen.
Denn mein Betragen gegen die Japaner war sehr freundschaftlich und aufrichtig.
Als Arzt aber hatte ich besonders verschiedene erwünschte Gelegenheiten dazu.
Es traf sich oft, daß ich ihnen oder ihren zu Hause gelassenen Kranken, Angehörigen und Freunden mit nützlichem Rath und heilſamen Medicamenten an Hand gehen konnte.
Den Nutzen meiner medizinischen Kenntnisse sahen sie noch mehr ein, als ich nach und nach unter den in ihrem eigenen Lande wild wachsenden Gewächsen verschiedene sehr wirksame Arzneimittel entdeckte.
Und weil ich nicht zu der handelnden Klasse gehörte, war ich weniger verdächtig als and·re.
So wohl durch die Dolmetscher als die auf der Insel oft befindlichen Beamten suchte ich mir eine Freiheit zu verschaffen, die sonst keinem Europäer ertheilt wird, nämlich auf dem Felde um die Stadt zu botanisieren.
Anfangs schien meine Bemühung ziemlich zu glücken, und ich erhielt wirklich die Erlaubnis des Gouverneurs; in kurzem aber wurde sie wieder aufgehoben.
Die Ursache davon war sehr lächerlich.
Die Japaner sind in Rücksicht auf die Europäer sehr argwöhnisch, und der Statthalter scheuet sich ungemein, ihnen etwas zu bewilligen, wovon man vorher noch kein Exempel hat.
Wie ich nun um Verständnis botanischer Exkursionen ansuchte, sah man in den Tagebüchern nach, ob ein Holländer irgend vorher dergleichen Freiheit gehabt habe.
Man fand, daß vor langer Zeit, als viele Krankheiten grassi·rt, und es an Arzneimitteln zu fehlen angefangen hatte, ein Chirurgus in der Gegend der Stadt umher gewandert war, um dergleichen zu suchen, und bewilligte mein Gesuch ohne Bedenken.
Hernach aber bei genauerer Untersuchung zeigte es sich, daß jener nur Unter-Feldſcher gewesen sey, mir also als Ober-Feldſcher dergleichen Erlaubnis nicht zu Theil werden könne.
Ein so kleiner Umstand ist oft sehr bedeutend in den Augen der Japaner, die mit dem möglichsten Eifer ihre Pflichten zu erfüllen suchen, und den Gesetzen ihres Regenten blinden Gehorsam leisten, ohne in ihren Sinn einzudringen, sie gehörig zu erklären, und nach Beschaffenheit der Umstände zu ändern oder neue zu machen.
Für mich war jener Umstand auch von nicht geringer Erheblichkeit.
Von allen mir bisher zugekommenen Widerwärtigkeiten hatte ich keine so sehr gefühlt, als diese.
Ich ließ indes··· noch nicht alle Hoffnung sinken, so sehr ich mich auch grämte, daß der Herbst vielleicht ungenutzt vorbei gehen würde.
Mittlerweile munterte ich die Dolmetscher, welche ich täglich in der Medizin und Chirurgie unterwies, auf, aus der ganzen Gegend von allen Gewächsen, Blätter, Blumen und Samen zu bringen.
Auch suchte ich so wohl sie, als die Beamten zu überzeugen, daß zwischen einem Ober- und Unter-Feldscher wenig oder gar kein Unterschied sey, daß ein Ober-Feldscher vorher Unter-Feldscher gewesen sey·······, und daß, so bald jener sterbe, dieser so gleich seinen Platz einnehme.
Dies wirkte so viel, daß ich die Vergunstigung des Gouverneurs wieder bekam, aber so spät, daß ich nicht eher, als im Anfange des Februars Gebrauch davon machen konnte.
Während dieser Zeit suchte ich mir einige Kenntnis der Japanischen Sprache zu erwerben, obgleich dies scharf verboten ist, und die Schwierigkeiten dabei gegenwärtig weit größer, als je vorher waren.
Ich erkundigte mich daher bei den Dolmetschern, ob keine gedruckten Wörterbücher oder and·re Hilfsmittel dazu vorhanden wären.
Nach vielem vergeblichen Nachfragen trieb ich endlich ein altes Lateinisch-Portugiesisch-Japanisches Dictionnaire auf, wobei die Portugiesischen Geistlichen Calepins bekanntes Lexikon zum Grunde gelegt hatten.
Aus der Vorrede aber sah ich, daß die Societas fratrum Europaeorum ···und·· lapanicorum es in Japan gemeinschaftlich ausgearbeitet hatte.
Das Buch war in Quart, auf Japanisches Papier gedruckt, und enthielt außer dem Titelblatt·, und dem letzten Blatt·, worauf die Druckfehler standen, 906 Seiten.
Es sah alt aus, und war auch an einer Ecke etwas verbrannt.
Einer der älteren Dolmetscher besaß es als ein Erbstück von seinen Vorfahren in der Familie.
Es musste wohl eine gar große Rarität sein, weil weder ich noch der Holländische Chef auf keine Art und für keinen Preis es durch Tausch· oder Kauf an uns zu bringen im Stande waren.
Nun einige topographische Nachrichten.
Der Hafen von Nagasaki ist ungefahr eine Meile lang, und vier Buchs···chüsse breit, und krümmt sich an der einen Seite etwas ins Land hinein.
Er erstreckt sich von Süden nach Norden, hat Modergrund, und ist so tief, daß die Schiffe sich in der Nähe eines Flintenschusses gegen die Factorey legen können.
Ebbe und Flut ist im Hafen sehr stark.
Die Berge umher sind sehr steil, und der Strand ist abschüssig.
Im Hafen trifft man eine Menge großer und kleiner Japanischer Fahrzeuge an, manchmal über hundert, die große Anzahl aus den umher liegenden Gegenden dahin kommender Fischerboote ungerechnet.
Bei unserer Ankunft fanden wir auch elf Chinesische Fahrzeuge (·lonke·), die so dicht am Lande lagen, daß sie zur Zeit der Ebbe nur den Schlammgrund unter sich hatten.
Einige bekamen bald hernach ihre Ladung und segelten ab; aber sieben blieben den Winter über liegen.
Jedes dieser Fahrzeuge ist gewöhnlich von einer großen Menge Leute besetzt, manchmal von siebzig bis achtzig.
Daher kommt es, daß des Winters hier jährlich ungefahr sechs hundert Mann zurück bleiben, die sich auf einer zur Seite der Holländischen Factorey außerhalb der Stadt liegenden Insel aufhalten.
Der Hafen bei Nagasaki ist der einzige im ganzen Reiche, wo fremde Schiffe vor Anker gehen dürfen.
Wird ein fremdes Schiff durch Sturm oder Unglücksfälle an die Japanische Küste getrieben, oder ist es genöthigt, anderswo einzulaufen, so wird davon so gleich Bericht an den Hof zu E·do abgestattet, und das Schiff nach Nagasaki gewiesen.
Die Stadt Nagasaki ist eine von den fünf so·genannten Reichsstädten, und durch ihren Handel mit Ausländern eine der ansehnlichsten Handelsstädte im Reiche.
Sie gehört dem weltlichen Kaiser allein, die Einnahmen aus derselben fließen in seine Schatzkammer, und ein Statthalter übt in seinem Namen den Oberbefehl darin aus.
In ehemaligen Zeiten residierten hier zwei Gouverneure; heutiges Tages sind zwar auch allezeit zwei bestellt, aber nur einer ist am Regiment, und sie lösen einander jährlich im October ab.
Der dienstfreie reis·t jedesmal nach Jedo, und bringt seine müßige Zeit da selbst bei seiner Familie zu, die während seiner Anwesenheit zu Nagasaki, allezeit als Unterpfand seiner Treue, da bleiben muß.
Die jährliche Besoldung eines Statthalters beträgt ungefahr zehn Tausend Taler, wozu noch manche außerordentliche Einnahme kommt.
Indessen kann er, teils wegen der Geschenke, die er bei Hofe machen muß, und and·rer Ausgaben, die er da hat, teils wegen der Menge hoher und niedriger Bedienten, die er auf eigene Kosten halten muß, nicht viel davon erübrigen.
Der Gouverneur hat den höchsten Befehl nicht nur in der Stadt, sondern auch über die beiden, die Holländische und die Chinesische, Factoreyen.
Die Stadt selbst ist auf allen Seiten landwärts mit hohen, nach dem Hafen sich herab senkenden Bergen umgeben, und von ganz anseh·lichem Umfange.
Die Stadt ist offen, und hat weder Wall und Graben, noch eine Zitadelle.
Die Gassen sind krumm.
Durch die Stadt gehen einige Kanäle, die das Wasser von den umliegenden Bergen sammeln und ableiten, und sich ganz bis zum Hafen herab erstrecken.
An jedem Ende der Straßen ist ein hölzernes Thor, das zugeschlossen und dadurch alle Gemeinschaft mit ander·n Straßen abgeschnitten werden kann.
Des Nachts sind diese Thore allezeit verschlossen.
Die Straßen sind selten länger als dreißig bis vierzig Laden, und enthalten auch eben so viel Häuser.
Über jede Straße ist ein Beamter zur Aufsicht angesetzt, so wie auch jede Straße ein Haus hat, worin ihre Gerät······e· zum Löschen des Feuers aufbewahr·t werden.
Die Häuser sind selten zwei Stockwerke hoch; das zweite Stockwerk ist auch gemeiniglich niedrig.
Das Stadtregiment führen vier Bürgermeister, die eine hinlängliche Anzahl Stadtbedienten von verschied·nem Rang und Ansehen ( Ottonas ) unter sich haben, und wodurch Ordnung und Sicherheit in so hohem Grade, daß man es bewundern muß, erhalten wird.
Ehe die Portugiesen hie·her kamen, war Nagasaki nur ein kleines Dorf; hernach aber hat es sich dadurch, daß um des Handels willen immer mehr Leute dahin gezogen sind, zu seiner jetzigen Größe allmählig· ausgedehnt.
Die Insel Dezima wird von der Stadt an die Holländische Compagnie vermietet, und nur wie eine zur Stadt gehörige Straße angesehen.
Die Stadt lässt daher alle Wohnhäuser auf derselben bauen, unterhält sie auch, und bessert sie, wenn sie baufällig sind.
Indessen muss jeder Bewohner auf seine Kosten Fensterrahmen einsetzen, und das Haus weiss· lassen, auch das Dach und die Wände mit Tapeten versehen, und and·re Einrichtungen zu seiner Bequemlichkeit selbst machen lassen.
Die Insel hängt mit der Stadt und dem festen Lande zusammen, und ist bei niedrigem Wasser bloß durch einen Graben davon getrennt; nur bei hohem Wasser ist sie eine Insel.
Gemeinschaft mit der Stadt hat sie vermittelst einer Brücke.
Ihre Größe ist unbedeu··tlich; sie hat etwa 600 Fuß in die Länge und 240 in die Breite.
Rund umher ist sie mit einer Planke eingeschlossen.
Sie hat zwei Thore, eins nach der Stadt bei der Brücke, das and·re nach der See.
Dies letztere wird nur an solchen Tagen geöffnet, da das Schiff gelös··t oder geladen wird; das erste·· wird am Tage stets von einer Anzahl Japaner bewacht, und des Nachts zugeschlossen.
Zugleich steht ein Wachhaus dabei, worin die Ein- und Ausgehenden visitiert werden.
Langs am Strande sind zu beiden Seiten verschiedene Packhäuser und Krankenhäuser für die Compagnie, und mehrere Häuser zur Wohnung für ihre Bedienten angelegt.
Diese sind zwei Stockwerke hoch, wovon nur das obere bewohnt, das unter· aber zu Buden, Ställen und statt and·rer Nebengebäude gebraucht wird.
Zwischen diesen Häusern laufen zwei Gassen hin, die sich in der Mitte ·····kreuzten.
Außer den großen feuerfreien Packhäusern sind die Gebäude alle von Fachwerk mit Lehm, mit Ziegeln gedeckt, und nach Landessitte mit papiernen Fenstern, und Strohmatten auf dem Fußboden versehen.
In neueren Zeiten haben einige von Batavia entweder kleine Glasfenster oder einzelne Fensterscheiben mitgebracht, um ihren Zimmern mehr Licht zu geben, und Aussicht zu bekommen.
In der Nähe des Wassert·ors stehen allerhand Gerätschaften zum Feuerlöschen bereit.
Am ander·n Ende ist ein Lust- und Küchengarten, und ein, zwei Stockwerke hohes, anseh·liches Lusthaus befindlich.
Zur steten und genauen Aufsicht auf die Holländer sind verschiedene Beamte, Dolmetscher und Leute zur Wache bestellt.
In drei Ecken stehen Wachhäuser, worin w·ährend der Zeit, da die Schiffe auf der Rhede liegen, Wache gehalten wird; nach ihrer Abreise wird bloß eins davon gebraucht.
Die Wache geht wie eine Nachtwache, nicht nur bey Nachtzeit, sondern auch am Tage, verschiedene Mahl auf der Insel herum.
Die Dolmetscher haben ein ansehnliches Haus, das ihr Collegium genannt wird, und wo die Handelszeit über, eine beträchtliche Anzahl, aber wenn keine Schiffe da sind, einer oder zwei, täglich sich aufhalten, die alle vier und zwanzig Stunden von ander·n ordentlich abgelöst werden, welches gemeiniglich Nachmittags geschieht, damit die Abgehenden vor Abend zu Hause kommen können.
Ein and·res Haus ist für die Ottona (·der Nahme sagt ungefahr so viel als Rapporti·r-Bürgermeister·), deren sich, so lange die Handelszeit währt, mehrere hier versammeln, außerdem aber nur einer oder zwey da sind.
Sie werden, wie die Dolmetscher, abgelöst; sie haben die Aufsicht auf alles, was auf der Insel vorgeht, und müssen dem Gouverneur Bericht davon abstatten.
In dem kleinen Bezirk· dieser Insel müssen übrigens die Holländer ihre Zeit zubringen: eine Einschränkung, die denen, welche das Jahr über hier bleiben, nicht wenig lästig ist.
Um die Stadt her auf den Anhöhen und an den schönsten Stellen stehen Tempel in großer Menge.
Bei den Dörfern und Höfen in der Nachbarschaft der Stadt findet man meist auf den Anhöhen und am Wege eine große Menge in die Höhe stehender Grabsteine von allerhand Gestalten.
Man sagte mir, jedem Verstorbenen werde ein solcher Leichenstein errichtet.
Vor diesen Steinen fand ich oft ein oder zwei dicke Bamboröhre hingesetzt, die mit Wasser, Laub oder Blumen angefüllt waren.
Die Steine sind zum Teil roh, sehr häufig aber mit Kunst gehauen, teils mit, teils ohne Inschrift, diese letzter·n auf einigen vergoldet, auf ander·n nicht.
Der vielen in die Höhe ragenden Grabsteine wegen kann man diese Begräbnisplätze oft in sehr weiter Entfernung sehen.
···An den Wegen traf ich auch hier und da große ausgegrabene Löcher an, worin der Landmann den Urin und den Unrath des Viehes sammelt.
Dergleichen sammelt man hier mit vieler Sorgfalt, um hernach den Acker damit zu düngen, verursacht aber dadurch den Vorbeigeh···enden einen hässlichen und nicht selten unausstehlichen Gestank.
In den Gärten in und vor der Stadt fand ich verschiedene Europäische Küchengewächse, die man hier bau·t, und wovon ich bereits einen Teil an Bord des Holländischen Schiffes und nach der Factorey hatte bringen sehen: rothe Rüben, die hier röther sind, als ich sie irgend sonst außer Europa gesehen habe; Möhren oder gelbe Wurzeln; Fenchel, Dill, Anis, Peterſilie; Spargel; verschiedene Sorten Zwiebeln, als Porre, Zipollen; Rüben; Lactuc, Cichorien, Endivien, und mehrere and·re.
Da Amtsgeschäfte für mich sehr selten vorfielen, brachte ich meine Zeit mit Sammlung, Untersuchung und Aufbewahrung von Insekten und Gewächsen, in dem Umgang· mit den Dolmetschern, und, als ich erst Erlaubnis dazu hatte, mit Botanisieren zu.
Die Dolmetscher nahmen bei mir Unterricht in verschiedenen Wissenschaften, besonders in der Kräuterkunde und der Arzneikunst.
Mir machte diese Beschäftigung Vergnügen, und sie bewiesen sich als wissbegierige und gelehrt·e Schüler.
Verschiedene von ihnen hatten unter meiner Anführung eine aus··breitete und einträgliche Praxis in der Stadt.
Einige brachten mir verschiedene schöne, seltene, mir bis dahin ganz unbekannte, und diesem Lande eigene Gewächse, die sie teils selbst gesammelt, teils durch ihre Freunde aus den inneren Provinzen bekommen hatten.
Zugleich verschaffte ich mir durch ihre Hilfe allmählig· zuverlässige Nachrichten, die Regierung, Religion, Sprache, Sitten, Haushaltung des Volks und dergleichen betreffend.
Auch erhielt ich durch sie unterschiedliche Bücher und and·re Seltenheiten.
Im October und November herrschten so wohl auf dem Schiffe, als zu Nangaśaki Diarrhöen mit starkem Stuhlgangszwang (·Tenesmus·).
Unter dem Schiffsvolke entstand diese Krankheit von der starken Tageshitze und nächtlichen Kälte.
In der Stadt kam noch eine Ursache hinzu, nämlich das häufige Essen der Persimone oder Kaki (·Diospyros Kaki·), die um diese Jahreszeit reif ist und verkauft wird, angenehm schmeckt und mit gelben Pflaumen Ähnlichkeit hat.
Nicht lange nach meiner Ankunft betraf mich ein unvermuteter Unfall, der anfangs von keiner Bedeutung zu sein schien, aber doch viel Lärm· und mir viel Verdruß verursachte.
Da zu Batavia meine Umstände mir nicht erlaubt hatten, mir einen eigenen Sklaven zu kaufen, und nach Japan mitzunehmen, war einer von den Supercargeuren so gefällig, mir einen von seinen Sklaven so lange zu leihen, bis er übers Jahr wieder hie·her kommen würde.
Dieser Kerl, welcher zu Batavia eine Frau zurück gelassen, und sich bis jetzt mit der Hoffnung geschmeichelt hatte, dies Jahr zu Hause zu reisen, und die Seinigen zu sehen, wurde hierüber sehr missvergnügt und zuletzt milzsüchtig.
Endlich fiel ihm ein, sich zu verstecken, und er verschwand, ohne daß jemand wusste, wo er geblieben wäre, oder was ihn dazu angetrieben haben möchte.
Anfangs ließen wir ihm durch die ander·n Sklaven nachsuchen, aber wir konnten ihn nicht auffinden.
Am folgenden Tage spürten die Dolmetscher und die übrigen auf der Insel befindlichen Japaner selbst ihm noch genauer nach, aber auch vergeblich.
Am dritten Tage kam endlich auf Befehl des Gouverneurs aus der Stadt eine große Menge Dolmetscher, Ober- und Unter-Banjosen, nebst vielen ander·n Leuten, um noch genauere Nachsuchung anzustellen.
Auch diese fanden ihn nicht eher, als gegen Abend, und zwar in einem alten Packhaus·.
Hätte man ihn heute noch nicht angetroffen, so wäre am folgenden Tage auf Befehl des Statthalters noch strengere Visitation über die ganze Insel und in allen Zimmern der Häuser angestellt worden.
Wäre auch dies umsonst gewesen, so würde über das ganze Land der Befehl ergangen sein, den Entlaufenen aufzusuchen, und die Sache hätte nach Hofe müssen berichtet werden.
Von einem so geringen Vorfall· machen die Japaner gewaltiges Aufheben, aus Furcht, es möchte sich jemand ins Land einschleichen, welches doch kaum auf irgend eine Art möglich ist.
Der Sklave wurde hernach mit Stockschlägen bestraft und in Ketten geschlossen, und damit war der ganze große Lärm zu Ende.
Den 24. Oktober wurde das Holländische Schiff von der Stadt nach dem so genannten Papenberge gebracht.
Hier sollte es vor Anker liegen und den rückständigen Teil der Ladung einnehmen.
Meine Obliegenheit brachte es mit sich, mitzugehen und an Bord zu bleiben, bis mein Vorgänger, der hernach mit diesem Schiffe nach Batavia gehen sollte, mich ablösen würde.
Es wird nämlich, einige Tage nachdem das Schiff bei seiner Ankunft im Hafen sich vor Anker gelegt hat, vom Statthalter der Tag fest gesetzt, da es wieder absegeln soll.
Dieser Befehl muss schlechterdings befolgt werden, und wenn der Wind auch noch so stark, oder gar Sturm ist, muss das Schiff dennoch ohne Einwendung hinaus.
Wir hatten heute auch in der That widrigen Wind, der so heftig wehete, daß das Schiff mit mehr als hundert großen und kleinen Booten hinaus gebog··en· werden mußte.
Alle diese, in verschiedene lange Reihen gestellten, kleinen Fahrzeuge, die ein ungeheuer großes Schiff durch Hilfe langer Taue fortgeschleppt··, gaben einen gar sonderbar auffallenden Anblick; lustig war dabei das aufmunternde Freudenge-schrey der mehreren hundert Japaner, die jene Boote ruderten.
Ehe das Schiff die Rhede verlässt, wird das zu Anfange ihm abgenommene Schießpulver, Gewehr und Bücherkasten wieder ausgeliefert.
Auch werden die Kranken aus dem Hospital· vorher aufs Schiff gebracht.
Mittlerweile segelt das Schiff aus······, werden die Kanonen gelöst, um die Stadt und die Factorei, und hernach die beyden Kaiserlichen Wachen zu salutieren.
Unter dem Papenberge liegen auch die Chinesischen Fahrzeuge vor Anker, nachdem sie einen Teil ihrer Ladung eingenommen haben, bis sie mit gutem Winde absegeln können.
Während der Zeit nun, da das Schiff hier liegen blieb, wurde der übrige Teil des Kupfers und des Kampfers, wie auch die den Privat-Personen gehörigen Waren und andere Sachen umgeladen.
Dies geschieht aber nur einen Tag um den ander·n.
Alsdann müssen so wohl die Japanischen Beamten als die Dolmerscher diesen, eine ganze Meile langen Weg zu Wasser machen, um auf dem Schiffe zugegen zu sein.
Hier wird auch das, was das Schiff auf der Rückreise gebraucht, besonders Wasser in Menge, eingenommen.
Wachschiffe liegen auch hier, um auf die Holländer ein Auge zu haben; größtenteils aber doch in ziemlicher Entfernung.
Und da in dieser Gegend verschiedene große und kleine Inseln liegen, so dürfen die Holländer, ohne von den Japanern daran gehindert zu werden, mit ihrer Schaluppe, die sie nunmehr auch wieder bekommen haben, sich zu ihrem Vergnügen mit derselben hinrudern lassen.
Verweilen Sie aber lange daselbst, besonders auf den großen unter diesen Inseln, die bewohnt sind, so kommen Wachschiffe nach, jedoch ohne daß die darauf befindlichen Beamten, die alsdann den Holländern nur Gesellschaft leisten, sie im geringsten hindern, umher zu gehen.
Kommt man auf solchen Spaziergängen zu einem Dorfe, (·die Dörfer sind zum Teil sehr groß·), so strömt eine unglaubliche Menge Leute und Kinder herbei, die mit großem Geſchrey die in ihren Augen gar sonderbaren Europäer beschauen, und sich vorzüglich über ihre großen runden Augen lustig machen, und daher allezeit Hollanda O-me rufen.
Papenberg ist eine kleine Insel, die ganz bis an den Strand hin von einem spitz··en Berge bedeckt wird, der auf zwey Seiten so allmä·lig· herab geht, daß man ihn da besteigen kann, welches gemeiniglich in Zeit einer Viertelstunde geschieht.
Auf den beiden ander·n Seiten ist er sehr steil.
Die Insel soll ihren Namen davon bekommen haben, daß die Japaner damals, als sie die Christen und Portugiesen verjagten, wie man erzählt, viele von den Portugiesischen Mönchen von diesem Berge ins Meer gestürzt haben.
Zur Seite von Papenberg liegt die Fischer-Insel, welche nur aus einem, wiewohl etwas länglich rundem Berge besteht, womit sie bis an den Strand bedeckt ist; sie ist wie jene ganz unbewohnt.
Ich ermangelte nicht, so lange ich mich auf dem Schiffe aufhalten musste, alle Gelegenheit zu benutzen, auf diesen Inseln und Bergen zu botanisieren.
Auch sammelte ich wirklich diesen Herbst verschiedene Samen von seltenen Kräutern, Sträuchern und Bäumen, die ich mit dem abgehenden Schiffe nach Batavia schickte, von da sie weiter nach Amsterdam befördert werden sollten.
Unter den Gewächsen, die ich hier antraf, bemerke ich folgende:
Die Chinawurzel (·Smilax China·) wächst hier überall in Menge.
Dessen ungeachtet kaufen die Japaner jährlich für anseh·liche Summen eine große Quantität von den Chinesen.
Die Wurzel wird in Decoct als ein blutreinigendes Mittel· und in vielen Krankheiten· sehr häufig gebraucht.
Die Japanischen Dolmetscher freuten sich sehr, von mir zu hören, dass dieses nützliche Gewächs in ihrem eigenen Lande wächst, welches sie bisher nicht gewusst hatten.
···An den Steinhaufen und Mauern sah ich häufig so wohl zwerg- als hochstämmige Feigenbäume (·Ficus pumila, erecta·) stehen, die zwischen den Steinen sich hindurch schlängelten.
Die Feigen werden gegessen, sind aber so klein als Pflaumen.···
Die dreylappige Trichterwinde (·Ipomoea triloba·) wächst so wohl wild als gebauet.
Die Wurzeln sind entweder weiß oder schwarz, die letzteren werden als ein abführendes Mittel gebraucht.
···Der Pfefferstrauch (·Fagara piperita·) steht hier allenthalben.
So wohl die Blätter als die Früchte haben einen ··würzartigen Geschmack, hitzen sehr, und haben zugleich etwas Unangenehmes.
Die Hülse der Frucht, oder die Kapsel, treibt die Blähungen und ist bisweilen wirksam gegen die Kolik.
Nicht nur diese, sondern auch die Blätter werden allgemein statt Pfeffers in den Suppen gebraucht.
Die Blätter allein, und mit Reißmehl zu einem Brei gestoßen, werden anstatt Spanischer Fliegen auf Geschwüre und Stellen, wo man rheumatische Gliederschmerzen fühlt, gelegt.···
Die herzblätterige Färberrothe (·Rubia cordata·), gebraucht der Landmann hier zum Färben, eben wie die gemeine Färberrothe (·Rubia tinctorum·).
···Auch wächst hier eine Menge verschiedener Arten Nesseln.
Aus dem Samen der schneeweißen (·Urtica nivea·) preßt man Öl.
Nachdem ich verschiedene Monate unter Papenberg mich am Bord aufhalten musste·, wurde ich endlich im Anfange des Novembers von dem bisherigen hiesigen Arzte abgelöst, der nunmehr nach Batavia zurück gehen musste, um mir, der ich die Absicht hatte, wenigstens ein Jahr hier zu bleiben, Platz zu machen.
Gegen Neujahr kamen zu Nagasaki zwei Kauffahrteischiffe (·Jonke·) von China an, welche verschiedene Japaner mitbrachten, die durch Sturm an die Chinesische Küste getrieben waren.
Diese Japaner wurden so gleich nach ihrem Geburtsorte gebracht; denn kein Japaner darf sich von seiner Heimat wegbegeben.
Eben so hatte unser Chef vor einigen Jahren einen Japaner von Batavia hierher gebracht, der beim Fischen auf der See vom Winde verschlagen war, und ·····verschiedene Jahre außer seinem Vaterlande aufgehalten hatte.
Endlich war er nach Batavia gekommen, ging wie ein Malei· gekleidet, und redete die Male·ische Sprache fertig.
Am ersten Januar 1776 feierten wir unser·n Neujahrstag, und viele von den Japanern trugen dazu bei, ihn feierlich zu machen.
··Die Kälte war sehr stark und empfindlich; Schnee lag gar nicht.··
Gegen Mittag kamen nach Gewohnheit die meisten von denjenigen Japanern, welche mit dem Holländischen Handel irgend etwas zu tun haben, als Ober- und Unter-Banjoosen, Ottonas, Ober- und Unter-Dolmetscher, Aufseher, Vögte und dergleichen, nach der Factorey, um uns ein glückliches Neujahr zu wünschen.
Sie hatten ihre Feuerkleider an, legten bei dem Chef einen feierlichen Besuch ab, und wurden hernach von ihm zum Mittag·essen gebeten.
Das Essen war meisten····s auf Europäische Art zubereitet, daher waren der Gerichte wenige, wovon die Japaner kosteten.
Indessen ging doch alles darauf.
Von der Suppe aßen alle; von den ander·n Gerichten aber, als: gebrat·nen Ferkeln, Schinken, Salat, Kuchen, Torten und ander·m Backwerk, nahmen sie wenig oder nichts.
Statt dessen wurde von jedem Gericht· ein Stück auf einen Teller gelegt, der, wenn er voll gepackt war, mit einem Blatt· Papier, worauf der Na·me dessen, dem er gehörte, geschrieben war, zugedeckt, und nach der Stadt geschickt wurde.
Dies geschah mehreremahl nach·einander.
Gesalz·nes Fleisch und dergleichen, das die Japaner nicht essen, heben sie auf und brauchen es als Medizin.
Eben so machen sie es mit gesalzt·er Butter, wovon ich ihnen oft auf ihr Bitten etwas mitteilte; sie machen Pillen daraus, und geben davon den Schwindschüchtigen und ander·n Kranken täglich eine gewisse Anzahl.
Nach der Mahlzeit wird mit warmen Sakki (·dem bekannten von Reiß· prapari·rten Getränke·) traktiert, das aus lackierten hölzernen Tassen getrunken wird.
Bei dieser frohen und festlichen Gelegenheit läßt der Chef auch verschiedene galante Mädchen aus der Stadt nach der Insel bitten, deren Bestimmung ist, theils den Sakki-Trank zu servi·ren, theils zu tanzen und den auf der Insel bereits befindlichen Mädchen Gesellschaft zu leisten.
Diese trakt·e···n auch nach Mittage die Japaner mit verschiedenen Gerichten des Landes, die auf kleinen viereckigen Tischen standen, welche sie mit künstlichen Fichtenbäumen geschmückt hatten, deren Blätter von grüner Seide gemacht, und hie und da mit kleinen Zöpfen weißer Baumwolle, die Schnee vorstellen sollten, bestreuet waren.
Das Sakki bothen die Mädchen nie stehend, sondern nach Landesſitte sitzend, an.
Abends tanzten sie auf Japanische Art.
Um fünf Uhr nahmen die Gäste ihren Abschied.
Dies war jedoch nicht das einzige Mahl, daß ich von den Töchtern des Landes welche zu sehen bekam.
Denn da das weibliche Geschlecht bey den Japanern nicht eingeschlossen gehalten wird, war es mir sehr leicht, auf den Straßen in der Stadt und selbst in den Häusern sie in Augenschein zu nehmen.
Den 20. Januar wurde Geld für Rechnung der Holländer ausgezahlt, und alle ihre Assignationen liquidiert, welches nur einmal im ganzen Jahre geschieht.
Zu diesem Ende fanden sich auf der Rentk··ammer in der Stadt Dolmetscher, Bediente, Kaufleute, Compradore und alle and·re, die etwas zu fordern hatten, ein.
Jeder, der Geld empfangen soll, muss selbst zugegen sein, sonst wird nichts für ihn ausgezahlt.
Den 7. Februar wanderte ich zum ersten Mal in der Gegend der Stadt umher, um zu botanisieren, nachdem ich endlich so glücklich gewesen war, vom Gouverneur dazu die Erlaubnis zu erhalten.
Mich begleiteten verschiedene Ober- und Unter-Dolmetscher, Ober- und Unter-Banjosen, Compradore, und eine große Menge Unterbediente.
Dies zahlreiche Gefolge hinderte mich zwar nicht, auf allen Bergen und Hügeln nach Herzenslust umher zu streifen; machte aber meine Excursionen sehr kostbar.
Denn meine Schuldigkeit war, ihnen gegen Abend, wenn sie müde waren, in einem Wirtshaus· etwas vorzusetzen zu lassen, wovon die Kosten jedesmal sechzehn bis achtzehn Taler betrugen.
Dessen ungeachtet bediente ich mich wöchentlich ein- oder zweimal der bekommenen Freiheit, bis die Reise nach dem Hofe des Kaisers den Anfang nahm.
Auf den Anhöhen vor der Stadt sah ich bei allen Dörfern ganze Strecken mit Bataten oder Erdäpfeln (·Convolvulus edulis·) bepflanzt, die locker und angenehm von Geschmack waren.
Die Stauden lagen samt den Stengeln und Blättern an der Erde, und hatten keine einzige Blume.
Diese Erdfrucht ist weit wohlschmeckender und leichter zu verdauen, als die Kartoffeln, deren Bau man hier auch versucht hat, die aber nicht gut arten wollen.
···Hin und wieder fand ich Wachholder (J·uniperus communis·), der gewöhnlich im nördlichen Europa zu Hause ist; indesessen war er nur selten; meistens traf ich ihn nahe an den Tempeln.
···Die Kalmuswurzel (·Acorus calamus·) wächst hier auch, und zwar an nassen Stellen, wild.
Wegen ihres starken aromatischen Geschmacks sehen die Japaner sie zwar als ein kräftiges Heilmittel an, kennen aber doch ihren rechten und eigentlichen Nutzen nicht.···
Ferner wächst hier eine Art Ingber (·Amomum Mioga·), wiewohl nur an einigen wenigen Stellen, und sehr sparsam, wild.
Die Wurzel ist ziemlich heiß und scharf, und beynahe so gut, als der gewöhnliche Ingber, statt dessen er auch von den Einwohnern bisweilen gebraucht wird.···
Efeu stand an mehreren Orten im schönsten Grün.
Anfangs schien er mir von dem gewöhnlichen Europäischen unterschieden zu sein, denn er hatte sehr häufig ganze und ungetheilte Blätter.
Hernach aber sah ich, daß er sich in Ansehung der Gestalt und Größe der Blätter sehr veränderte.
···Buchsbaum (·Buxus virens·) ist nicht selten.
Man trifft ihn so wohl wild als gepflanzt an.
Von seinem feinen und schönen Holze macht man Kämme, die mit rotem Firniß überzogen, und vom Frauenzimmer zum Schmuck in den Haaren getragen werden.
···Das Bamborohr ( Arundo bambos ), diese einzige Grasart, die zu der Höhe eines Baums hinan wächst, findet man an vielen Stellen, und von sehr ungleicher Höhe und Dicke.
Die Wurzel davon wird hier, so wie auf ander·n Indischen Inseln zu Atjar gebraucht, das heißt mit Essig eingemacht.
Die dicken Stämme gebraucht man Lasten zu tragen, und die einzelnen Zweige zu Pinselscht·er·n, und zerschnitten zu Fächerstäben und mancherley ander·m Behufe.
···In der Nähe einiger Höfe und besonders bei den Tempeln, fand ich einen sonderbaren Busch, drei bis vier Ellen hoch, vom Geschlechte der Celaster (·Celastrus alatus·), der längs der Zweige hervor stehende, abgebrochene und zusammen geballte Kanten hat, und jetzt voll reifender Früchte stand.
Man erzählte mir, die Freier bedienten sich der Zweige, um sie vor der Tür desjenigen Hauses, wo sie sich eine Braut zu nehmen gedachten, zu befestigen.
···Den bisamartigen Gänsfuß (·Chonopodium scoparium·) gebrauchen hier zu Lande einige als ein Arzneimittel.
···Die Rosenpappel (·Alcea rosea·) und die Stockrose (·Malva mauritiana·) hat man hier ihrer großen schönen Blumen wegen sehr häufig in den Gärten.
···Die Pfeffermünze (·Mentha piperita·) wächst an vielen Stellen wild.···
Die krause Basilie ( Ocymum crispum ), welche noch die Hügel schmückte, gebraucht man zu einem Thee ( Infusum ) gegen Erkältungen und Flüß·e.
Das Kraut gibt gekocht einen roten Decoct, womit die Japaner die Rettiche und Rüben zu färben pflegen.···
Von süßen Potatos (·Dioscorea·) wachsen mehrere Arten wild.
Ich bemerkte aber nicht, daß sie zur Nahrung gebraucht werden, außer eine Gattung, die im System· die Japanische heißt, deren wohlschmeckende Wurzeln man in Scheiben schneidet und kocht.···
Hanf wächst nicht nur wild, sondern man bau·t ihn auch.···
Von Spanischem Pfeffer traf ich zwei Arten, meistens gebaut, an.
Die jährige Beißbeere (·Capsicum annuum·) ist die gewöhnlichste.
Die Japaner selbst machen wenig Gebrauch davon, sondern verkaufen sie gemeiniglich an die Sklaven auf der Factory·.
Die and·re ist das Capsicum grossum.
Diese zieht man in Töpfen, hindert sie mit Gewalt, groß, und zwingt sie, ganz ungestalt zu werden: eine Gewohnheit, welche die Japaner, mehr als irgend ein anderes Volk, bei vielen Gewächsen lieben.···
Tabak sah ich hier und da, aber nirgend große Pflanzungen davon.
Dieses Gewächs haben die Portugiesen zuerst hie·her gebracht, und es ist fast das einzige, was man von ihnen im Lande noch aufzuweisen hat.
Die Japaner haben keinen eigenen Namen dafür, sondern nennen es auch Tabaco.
Sie rauchen den Tabak aus sehr kleinen metall·nen Pfeifen, und schneiden ihn so fein, als Haar.
···Ein Thalkraut oder Zauken (·Convallaria Japonica·), sah ich mit Frucht besetzt.
Die Knollen an den Wurzeln macht man mit Zucker ein, und so gebraucht, werden sie so wohl von den Chinesen, als den Japanern als ein herrliches Mittel in Krankheiten gerühmt.
···Buchweizen, so wohl den gemeinen ( Fagopyrum ), als den vielblumigen ( multiflorum ) trifft man in der Nähe der Höfe und an hohen Stellen nicht selten an; den ersteren bäuet man, der letztere wächst wild.
Aus jenem bereitet man Mehl, woraus kleine Kuchen gemacht werden, die man gewöhnlich färbt und an geringe Leute verkauft.
Die Wurzel des letzteren soll herzstärkend sein, und wird zu dem Ende ganz roh genossen; in Asche gebraten schmeckt sie barsch.
···Große Gartenbohnen ( Vicia faba ), Erbsen ( Pisum sativum ), nebst einigen Arten Türkiſcher Bohnen, nämlich die gemeine ( Phaseolus vulgaris ) und die geſtrahlte ( radiatus ) traf ich bey den Bauern als allgemeine Gartengewächſe an, welche ſie nicht nur nach der Stadt, ſondern auch nach der Holländiſchen Factorey zu Kauf brachten.
Das Leben, welches die Holländer auf ihrer Insel führen, ist höchst einsam, langweilig und eingeschränkt; nicht viel besser als bürgerlicher Arrest.
Man denke sich vierzehn Europäer mit einigen Sklaven und Japanern, in den Bezirk der kleinen Insel eingeschlossen und nicht nur von der ganzen Christenheit, sondern vielmehr von der ganzen übrigen Welt abgesondert!
Ist nicht der Europäer, welcher hier zurück bleibt, und ein Jahr aushalten muß, wie in einem Winkel der Erde begraben?
Man erfährt hier weder Neues noch Altes, weder Gutes noch Böses; man bekommt weder Zeitungen noch Briefe.
Die Seele kann nur eine ihrer Hauptkräfte gebrauchen: den Verstand; der Wille ist ganz unthaetig; denn fuer den Europaer giebt es keinen ander·n Willen, als den Willen der Japaner, der in allen Stuecken puenktlich befolgt werden muss.
Übrigens ist die Lebensart der Europäer hier meistenteils dieselbe, als an ander·n Orten in Ostindien, üppig und unordentlich.
Auch macht man hier, eben so als zu Batavia, jeden Abend Besuche, am öftersten beim Chef. Vorher pflegt man ein- oder zweimal, die beyden Straßen auf und nieder, auf der Insel umher zu spazieren.
Die Abendbesuche wa·ren von sechs bis elf oder zwölf Uhr in der Nacht, und geben einen erbärmlichen Zeitvertreib; nur wer in die Tabakspfeife sein größtes Vergnügen setzt, befindet sich wohl dabei.
Zur Bedienung ihrer Person gebrauchen die Holländer ihre mitgebrachten Sklaven.
Zu allen ander·n Diensten für sie aber sind Japaner bestellt, als Compradore, oder Schaffer von verschied·ner Art, welche die Esswaren und was sonst in der Haushaltung gebraucht wird, herbei schaffen; Köche, die das Essen auf Holländische Weise zurichten; und Bediente, die zwar gebohr·ne Japaner und dabei keine Dolmerscher sind, aber doch das Holländische sprechen gelernt haben: von diesen letzteren bekommt der Chef vier, der Secretair einen und der Doctor einen, welche zusammen die Reise nach Hofe machen.
Hat man Handwerksleute aus der Stadt nöthig, so bekommen diese vom Gouverneur Erlaubnis nach der Insel zu kommen.
Die Holländer essen hier, so wie zu Batavia, viel Reis·, es wird aber doch zu ihrem Gebrauche in der Stadt Weizenbrot gebacken, und täglich frisch nach der Insel gebracht.
Fischspeisen essen die Holländer hier häufig.
Einige von den Fischen, die auf unser·n Tisch kamen, schienen mir merkwürdig, Unter ander·n: ein Fisch aus dem Geschlecht der Umberfische (·Sciaena·), dessen Bauchflossen aus einer dicken, mit vielen Gräten versehenen Zacke bestehen, und dessen Haut sehr hart und knochenartig ist; die Haut wird abgezogen, und der Fisch gekocht:
er hat festes und wohlschmeckendes Fleisch; wie auch hübsch aussehende Barsche mit sieben schmalen Strichen.···
Auch isset man hier eine sehr große und dabei sehr längliche Art Austern, die hier zu Lande fallende Austern heißen, weil sie nicht wie and·re an den Klippen fest sitzen.
Sie schmecken gut; weil sie aber so groß sind, werden sie meistens gekocht oder gestoßen, und mit etwas Brühe gegessen.
···Ferner bereitet man hier etwas, das sich mit Kaviar vergleichen lässt, auch, wie dieser, roh gegessen wird.
Es sieht wie ein Stück Käse aus.
Ich hielt es für Fischrogen, den man eingesalzen, etwas gepresst und hernach gedörret hatte.···
Vor der Seeflasche (·Tetrodon hispidus·) muß man sich hier in Acht nehmen.
Er ist so giftig, daß er denen, welche davon essen, nicht selten den Tod zuzieht.
Die Japaner haben ihm deswegen auch einen Nahmen gegeben, welcher so viel sagt, als dieser Fisch mache Norden dem Menschen zum Kopfkissen, weil unter ihnen der Gebrauch allgemein ist, daß, wenn jemand mit dem Tode ringt, der Kopf allezeit nach Norden gekehrt sein muß.
Die Offiziere, nämlich der Sekretär, der Doctor und die Assistenten bewohnen jeder zwei oder drei schöne Zimmer, und zwar umsonst, außer daß sie Tapeten, Möbel· und Hausgerät selbst anschaffen müssen.
In den Packhäusern haben sie ihre Sachen liegen.
Die Offiziere speisen auch Mittags und Abends unentgeltlich beim Chef am Tische der Compagnie.
Ihre gewöhnlichen Ausgaben betragen daher wenig, wenn sie nicht unter·einander oft kostbare Gesellschafte· halten und zu Abend tracti·ren, oder auch Geld an das schöne Geschlecht wenden.
Hierzu hat man hier so viele und bequeme Gelegenheit, als irgendwo in Europa.
In den meisten Japanischen Städten sind in einer gewissen Straße mehrere Weiberhäuser eingerichtet.
Nagasaki ist hie·von nicht ausgenommen.
Selbst die Holländer und Chineser können Anteil an diesen Anstalten nehmen.
Wünscht man sich in seiner Einsamkeit weibliche Gesellschaft, so gibt man es einem gewissen Mann· zu erkennen, der zu diesem Ende alle Tage auf die Insel kommt.
Gegen Abend schafft dieser ein Mädchen her, die eine kleine Aufwärterin bey sich hat, welche Kabro heißt, und täglich aus der Stadt alles holt, was ihre Herrschaft zum Essen und Trinken gebraucht, auch das Essen und das Theewaſſer für sie kocht, alles rein hält und Gewerbe bestellt.
Eine solche Gesellschaft muss man wenigstens drei Tage behalten; man kann sie aber auch länger behalten, so lange man will, wäre es auch ein oder mehrere Jahre.
Auch hat man Freiheit, über kurz oder lang zu tauschen.
Allein jeden Tag muß das Mädchen, wenn sie länger als drei Tage bleibt, sich am Stadttor· zeigen und den Banlosen melden, ob sie länger bleibt, oder nicht. Für jeden Tag werden acht Mark an den Herrn des Mädchens bezahlt; sie selbst aber muß nicht nur in allem frey gehalten werden, sondern man muß sie auch bisweilen mit seidenen Kleidern, Gürteln, Kopfputz und dergleichen beschenken.
Merkwürdig ist es, daß selten eins dieser Mädchen von einem Europäer ein Kind bekommt.
Geschieht es, so wird, (·wenn es anders wahr ist, was man hier glaubt·), zumahl wenn es ein Knabe ist, um das Leben gebracht.
And·re haben mich dagegen versichern wollen, daß man solche Kinder genau bewache, bis sie fünfzehn Jahr alt sind, und alsdann mit den Holländischen Schiffen nach Batavia schicke.
Ich kann indes··· nicht glauben, dass zu dem ersteren die Japaner unmenschlich genug sein sollten; und von dem letzteren hat man kein Beispiel.
In der Mitte des Octobers wurde es auf unser·· Insel schon empfindlich kalt, besonders störte dies von den starken Ost- und Nord-Winden her, die jetzt wehten.
Wir fingen daher nun auch schon an, einzuhäuten.
Da·s hilft aber nicht sehr viel, weil weder Türen noch Fenster recht dicht sind.
Das Einheitszelt selbst verrichteten wir mit Kohlen, die aus der Stadt geholt, und in einem großen kupfernen Topfe mit breitem Rande mitten ins Zimmer gestellt wurden.
Dies muss aber oft wiederholt werden, weil das Zimmer dadurch jedesmal nur auf einige Stunden warm wird.
Nun ist noch übrig, von dem hiesigen Handel der Holländer und Chineser einige Nachricht zu geben.
Die Holländer und Chineser sind bekanntlich die einzigen Völker des Erdbodens, die Erlaubnis haben, mit ihren Schiffen hie·her zu kommen, und hier Handlung zu treiben.
Die Portugiesen, welche die ersten Entdeckungen in Oſtindien gemacht haben, waren es auch, welche die Japanischen Inseln entdeckten, und zwar durch einen Zufall, als sie ums Jahr 1542 durch Sturm an die Küsten verschlagen waren.
Sie wurden wohl aufgenommen, und trieben hier beinahe hundert Jahr lang den einträglichsten Handel.
Als Portugal und Spanien hernach unter einem Regenten vereinigt waren, nahmen die Spanier Teil daran.
Auch die Engländer handelten einige Zeit hie·her.
Endlich wurden die Holländer zufolge eines schriftlichen Tractats mit dem Kaiser im Jahr 1601 ausschließlich die Besitzer des so sehr bereichernden Japanischen Handels, der anfangs noch sehr ergiebig für sie war, hernach aber von Zeit zu Zeit eingeschränkt und wenig einträglich wurde.
In den ersten Zeiten hatten sie ungleich mehr Freiheit als jetzt.
Sie durften mit ihren Schiffen in den Hafen Finandos einlaufen, mehrere Schiffe, oft fünf, bisweilen so gar sieben, hit·her schicken, und eine Menge Silber, Gold und and·re Waren ausführen, deren Ausfuhr jetzt gänzlich verboten ist.
Auch war keine gewisse Summe fest gesetzt, über die ihr jährlicher Handel nicht hinaus gehen durfte, sondern sie hatten darin unbegrenzte Freiheit.
Endlich wurde ihnen im Jahr 1641 befohlen, ihre Factorey auf der Insel Dezima, bei der Stadt Nagasaki anzulegen; eine gewisse Summe wurde bestimmt, über welche der Belauf ihres jährlichen Handels nicht steigen sollte; und nur drey Schiffen jedes Jahr sollte verstattet sein, hie·her zu kommen.
Im Anfange des jetzigen Jahrhunderts wurde diese Zahl gar auf drei herunter gesetzt.
Überhaupt ist seitdem die Freyheit der Holländer und die Anzahl ihrer Handelswaaren allmählig· mehr und mehr vermindert, so daß man jetzt nicht mehr als ein Paar Millionen Gulden in dem hiesigen Handel anwendet, da vorher gewöhnlich für mehrere Millionen umgesetzt wurde.
Im Jahr 1685 kam, nachdem die Flotte mit einer reichen Ladung im Hafen eingelaufen war, vom Hofe der strengste Kaiserliche Befehl, daß die Holländer zwar, der ihnen gegebenen Erlaubnis zufolge, alle und jede Waaren, nach Belieben, und in so großer Menge als sie wollten, nach der Factorey einbringen dürften, daß aber von nun an jährlich für nicht mehr als drei hundert tausend Thails oder Thaler verkauft, sondern der Ueberrest bis zum folgenden Jahre aufbewahrt werden sollte.
Dies war ein sehr empfindlicher Stoß für ihren Handel.
Außerdem aber erfand ein den Holländern eben nicht günstiger Gouverneur noch zwei and·re Mittel, den Gewinn, welchen sie von ihren Waren haben konnten, noch mehr zu vermindern, einen Theil davon den Beamten der Stadt zufließen zu lassen, und den Einwohnern selbst auch einen sehr anseh·lichen Vortheil zuzuwenden.
Der eine Kunstgriff bestand darin, daß die Kaufleute, welche holländische Waaren kauften, davon, ehe sie sie wieder verkauften, gewisse Prozente, funfzehn und darüber, als eine Abgabe an die Stadt entrichten sollten.
Dies Geld heißt Fannagin (·Blumengeld·) und wird unter die Magistrats-Personen und Bürger verteilt.
Weil nun die diese Abgabe hernach auf die Waren geschlagen werden musste, so war die natürliche Folge, dass die Japanischen Kaufleute nicht mehr so viel als sonst dafür bezahlten, und die Holländer einen beträchtlichen Verlust erlitten.
Der and·re war der, daß der Wert des Geldes für die Holländer erhöh·t wurde, so daß ein Kobang, der sonst im Lande allgemein 60 Mas gilt, ihnen zu 68 berechnet wurde.
Dadurch verloren sie auf jeden Korbang 8 Mas, und dieser Verlust wurde ein bedeutender Gewinn für die Stadt, ihre Einwohner und einige ihrer Beamten.
Wenn also die Compagnie das Recht hatte, für 300000 Thail von ihren Waren zu verkaufen, so bekam sie in der Tat nicht mehr als den Wert von 260000 Thail dafür.
Die fehlenden 40000 Thail wurden daher den Particuliers, welche bisher ebenfalls ihre Waaren in beliebiger Quantität und zu dem möglichst hohen Preiße hatten verkaufen dürfen, zugelegt; so daß dieſe Summe unter die Chefs, Kaufleute, Schiffs Capitaine, Assistenten und and·re verteilt wurde.
Auch für die Particuliers war der Japanische Handel vor diesem viel einträglicher als nun.
Er brachte ihnen so viel ein, daß man nur vorzügliche Gunstlinge als Chefs hie·her schickte; und wenn ein Chef zwei Reisen hie·her gemacht hatte, hielt man ihn für so reich, daß er von seinen Kapitalien leben könne, und einem ander·n Platz machen müsse.
Nunmehr kann ein Chef die Reise verschied·ne Mahl machen; sein Glück ist doch nicht mehr beneidenswert, und seinen Gewinn schätzt man sehr geringe.
Jetzt schicken die Holländer jedes Jahr nicht mehr als zwei Schiffe hierher, die zu Batavia im Juni· ausgerüstet werden, und gegen Ende des Jahres dorthin zurück·kommen.
Kupfer und roher Kampfer sind die vornehmsten Handelswaaren, welche die Compagnie hier aufkauft und ausführt.
Das Kupfer beträgt den größten Teil.
Es wird für besser, goldhaltiger und feiner· als alles and·re Kupfer gehalten.
Die Holländer verkaufen es meistenteils auf der Küste Koromandel, und zwar mit gutem Vorteil·.
Es ist allezeit in Stangen oder Stäben, die einen halben Fuß lang und einen Finger dick, auf der einen Seite flach, auf der ander·n rund erhaben sind, und eine schöne glänzende Farbe haben.
Jeder wiegt ungefähr ⅓··· ·Pfund.
Diese Stäbe werden in breiter·e Kisten, jede zu einem Pickel oder 125 Pfund, gepackt, und jede Schiffsladung besteht aus 6 bis 7000 solcher Kisten.
Nächster Kupfer wird auch roher Kampfer in Menge ausgeführt; man packt ihn in hölzerne Fässer.
Das übrige besteht in großen seidenen Schlafröcken, die mit seidenen Watten unterlegt sind, etwas wenigem Porcellan, Soja, eingemachten Früchten und dergleichen.
Das Kupfer wird aus entlegenen Gegenden des Landes hit·her gebracht, und in einem besonderen Packhaus· verwahrt.
So bald ein Teil der Ladung des Schiffes gelöscht ist, wird mit Einschiffung des Kupfers angefangen.
Es wird alsdann in Gegenwart Japanischer Beamter und Dolmetscher, und Hollandischer Supercargeure und Assistenten gewogen, und in den oben beschriebenen Kisten von Japanischen Knechten (·Kuli·) nach der Brücke getragen, von da es weiter an Bord geschafft wird.
Beim Tragen gehen allezeit einige Matroßen mit, die darnach sehen müssen, daß die Träger unterwegs nichts stehlen; denn das tun sie, wenn sie können, so viel lieber, da sie das gestohlene Kupfer an die Chineser verkaufen können, welche es besser· als die Holländer bezahlen.
Das Porzellan wird in Stroh gepackt, und zwar so gut und fest, daß auf der Reise selten etwas davon beschädigt wird.
Bekanntlich ist dies Porzellan gar nicht schön, sondern plump und dick, und die Malerei taugt vollends nicht.
In diesen Stücken kommt es also mit dem Chinesischen, das von Canton gebracht wird, sehr überein, es hat aber doch den Vorzug vor diesem, daß es von der Hitze, so gar von glühenden Kohlen, nicht leicht springt.
···Folgende Sachen dürfen, einem sehr strengen Verbot· gemäß, gar nicht, weder von Privatp··ersonen, noch von der Compagnie, ausgeführt werden:
Japanisches Geld, Japanische Landkarten und Risße von Städten, und Japanische Bücher, besonders solche, die Nachrichten vom Lande und dessen Regierung enthalten; ferner alle Arten von Waffen und Gewehr, insonderheit aber ihre vortrefflichen Säbel, die an Güte und Stärke, so wie an Wert, alle Säbel, die sonst irgendwo verfertigt werden, übertreffen.
···Die Waren, welche dies Jahr von Particuliers gekauft und mitgenommen wurden, bestanden meistens in großen braunen irdenen Kruken, worin sich das Wasser gut hält; Soja in irdenen Gefäßen; Sakki; Fachern; Japanischen seidenen weiten oder Schlafrocken; lackierter Arbeit von verschied·ner Art; grobem und feinem gemahlten und weißen Porcellan; schmalen seidenen Zeugen und Sowas-Arbeit; auch feinem, in papiernen Paketen pfundweis· eingepacktem, Reis·.
Unter den Waaren, welche die Officiere dies Jahr zum Verkauf· nach Japan brachten, war besonders Kampfer, feines Rohr, Schildkroten-Schalen, Hörner von Einhornfischen (·Monodon monoceros·) oder so genanntes Einhorn (·Unicornu verum·), Glaswerk, große und kleine Taschenuhren, Chitze, Safran, Theriak, Lakritz, Ninſiwurzel, und Nürnberger Arbeit, als Spiegel und dergleichen.
Auch hatten sie Holländische Bücher aus verschiedenen Wissenschaften mitgebracht; diese wurden aber nicht so wohl in der gewöhnlichen Auktion verkauft, als vielmehr mit anseh·lichem Gewinn an die Dolmetscher gegen and·re Sachen vertauscht.
Wenn alle von den Holländern mitgebrachte, so wohl der Compagnie, als Privat-Personen gehörige Waren visiti·rt, und nach den Packhäusern gebracht sind, und den Kaufleuten im Lande Nachricht davon gegeben ist, so wird mit dem Verkauf· der selben der Anfang gemacht.
Vor diesem wurden die Waren in öffentlicher Auktion verkauft.
Jetzt geschieht es auf folgende Art:
Die Kaufleute besahen im Hause des Gouverneurs zu Nangaśaki Proben von allen Waaren, und tun darauf ihr Gebot, so wohl in Ansehung der Quantität, die sie haben wollen, als des Preises.
Hernach kommen sie selbst oder ihre Commiſſionaire nach der Insel, um sie mehrere Tage hindurch in den Packhäusern noch genauer in Augenschein zu nehmen.
Darauf zeigen gewisse dazu ernannte Kommissarien den Holländern ohne zu fragen, was sie für ihre Waren begehren, an, wie viel sie für jede Sorte geben wollen.
Das erste Gebot pflegt sehr geringe zu sein: kann es nicht angenommen werden, so wird zum zweiten Mahl etwas mehr geboten.
Wird auch dieses geweigert, so bieten sie zum dritten Mal.
Ist der Verkäufer hie·mit noch nicht zufrieden, so wird gefragt, was er für seine Ware verlangt.
Dieser pflegt alsdann vorzuschlagen, damit die Käufer noch etwas abdingen können.
Ist es nun den Japanern darum zu tun, so wird gemeiniglich von ihnen noch etwas zugelegt, und von jenem etwas abgelassen.
Wenn nicht, so wird die Ware entweder bis zum folgenden Jahre aufbewahrt, oder nach Batavia zurück genommen.
Die Japaner bieten allezeit nach Maß und nicht nach Katje, zum Beispiel für ein Maß Einhorn acht Maß Silber, und dergleichen.
Nach geschlossenem Handel werden die Waaren gewogen und nach der Stadt gebracht, wo jene Aufkäufer sie an die Kaufleute im Lande teuer wieder verkaufen.
Dieser öffentliche Verkauf· heißt Kambang, welches ungefahr so viel als bei uns Markt bedeutet.···
Einhorn wurde dies Jahr auf dem Kambang ziemlich teuer verkauft.
Vor diesem wurde es gewöhnlich heimlich hinein gebracht, und mit unglaublichem Vorteil abgesetzt.
Die Japaner haben eine übertriebene Meinung von dem medizinischen Nutzen desselben in Verlängerung des Lebens, Stärkung der Lebensgeister und des Gedächtnisses, und Heilung aller Krämpfe.
Dieser Handelszweig ist den Holländern erst vor einiger Zeit, und zwar durch einen Zufall bekannt geworden.
Ein nach Europa zurück gegangener Chef des hießigen Handels schickte einem seiner Freunde unter den Dolmetschern neben ander·n Seltenheiten ein großes und schön gewundenes Grönlandisches Einhorn, und dieser Mann wurde durch den Verkauf· desselben ein ungemein reicher Mann.
Seit dieser Zeit haben die Holländer aus Europa alles nur aufzutreibende Einhorn verschrieben, und in Japan sehr viel darauf gewonnen.
Im Anfange wurde jedes Katje oder 5/4 Pfund für 100 Kobang oder 600 Thaler verkauft, hernach ist der Preis allmählig· bis 70, 50 und 30 Kobang gefallen.
Da dies Jahr der weite Rock des Capitains abgelegt werden musste, und nicht heimlich eingebracht werden konnte, sah man sich genöthigt, alles auf dem Kambang zu verkaufen, da jedes Katje zu 136 Thaler angebracht wurde, 1 Mas Japanisches Silber für 8 Mas und 5 Coederyn Einhorn gerechnet.
Konnte man auf dem Schiffe ein oder anderes Einhorn heimlich verkaufen, so wurde es mit 15 bis 16 Kobana bezahlt.
Die 37 Katje, 4 Thail und 6 Mas Einhorn, die ich mitgebracht hatte, wurden mir daher mit 5071 Thail und 1 Mas gut bezahlt, und ich kam dadurch in Stand meine vorher gemachten Schulden zu bezahlen und zugleich auf meine Lieblingswissenschaft hier 1200 Thaler zu verwenden.
Die Ninsewurzel, welche bei den Japanern Nisi· und bei den Chinesern Som heißt, wird hier nicht weniger teuer bezahlt.
Die Chineser sind die einzigen, welche die achte und unverfälschte Sorte davon hie·her bringen.
Sie wächst im nördlichen Teile von China, hauptsächlich in Corea.
Eine unächte Gattung bringen die Holländer nicht selten her.
Diese wird gebraucht, die ächte zu verfälschen und zu durchmengen.
Man sagt, daß die Franzosen sie aus Amerika nach China bringen, und vielleicht ist es die Ginsengwurzel.
Die achte Ninsi wurde dies Jahr das Katje für 100 Kobang verkauft, wenn sie groß und von alten Wurzeln war.
Die unächte, wovon die besten Stücke die zwei·gespaltenen und weißen sind, ist hier als Contre·bande scharf verboten; sie darf für keinen Preis verkauft, sondern muß, um allem Unterli··e·fen und Betruge vorzubeugen, ganz und gar verbrannt werden.
Das Kambang-Geld, oder die Summe, welche man für die gleichsam auf dem Markte verkauften Waren zu gut hat, wird nie in baarer Münze ausgezahlt, (·denn Geld darf nicht aus dem Lande gebracht werden·), sondern man assigni·rt nur darauf, und zieht Wechsel auf alles, was man nicht nur das Jahr über, sondern auch hernach, auf dem Markte der Insel kauft.
Dieses Kambang-Geld ist, wie man es zu nennen pflegt, viel leichter, oder am Wert geringer, als baar·· Geld, so daß man mit diesem Gelde, das man assigni·rt, alles beynahe doppelt bezahlen muß.
Alle durch solche Assignationen gemachte Kam·bang-Rechnungen werden nicht eher, als wenn die Japaner Neujahr haben, bezahlt.
Ehe die Schiffe absegeln, wird jede· Rechnung aufgeleg·t, und im Collegium der Dolmetscher vorgezeigt und akzeptiert, worauf die Bücher abgeschlossen werden.
Alles was man nach Neujahr nötig hat, nimmt man auf Kredit für das ganze folgende Jahr.
Wenn die Holländer hier nicht für bares Geld kaufen oder verkaufen, so ist ihr Handel nicht viel anders als ein Waaren-Tausch.
Zu diesem Ende wird vierzehn Tage vor Musterung des Schiffs und seiner Abreise nach Papenberg gleichsam ein Markt gehalten, da gewisse Kaufleute mit Erlaubnis des Gouverneurs und gegen eine gewisse Abgabe ihre Waren dahin bringen und in aufgeschlagenen Buden zu Kauf haben.
Der Chef der Holländischen Handlung wird jährlich abgewechselt, so daß jedes Jahr einer von Batavia ankommt, und einer dahin zurück reis·t.
Vor diesem, da die Handlung noch einträglicher war, machte ein Chef die Reise hie·her selten mehr als zweimal; jetzt kann er diese gefährliche Fahrt wohl dreimal und mehr···· machen, ohne dennoch so große Reichthümer, als ehemals, sammeln zu können.
Herr Feith, der dies Jahr hie·her kam, machte jetzt als Chef seine vierte Reise; diesmal war er Herrn Armenaults Nachfolger.
Außer dem Chef bleiben nach Abgang der Schiffe zwölf bis dreizehn Europäer, die Sklaven nicht gerechnet, hier, und von diesen machen drei die Reise nach dem Hofe des Kaisers zu E·do.
Die Chineser haben seit den ältesten Zeiten nach Japan Handel getrieben, und sind vielleicht das einzige Asiatische Volk, das dies je getan hat.
Vor Zeiten liefen sie mit ihren Fahrzeugen im Hafen Osaka ein, so gefährlich er auch seiner Klippen und Sandbänke wegen ist.
Die Portugiesen lehrten sie zuerst den Weg nach Nagasaki, wo sie nunmehr allezeit einlaufen müssen.
Anfangs stieg die Zahl ihrer Kauffahrtss··chiffe auf hundert bis zwey hundert, davon jedes mit funfzig Mann und darüber bemannt war.
Obgleich die Chineser die nächsten Nachbar·n der Japaner sind, unterscheiden sie sich doch in verschiedenen Stücken von ihnen.
Jene tragen Busaronen, oder ein weites Wams und weite lange Hosen; diese gehen allezeit in weiten Röcken wie uns·re Schlafrocke.
Jene brauchen Stiefeln von Leinwand und Schuhe mit Oberleder; diese gehen mit bloßen Beinen, und haben nur Socken und Sohlen an.
Ihrer beider Sprache ist eben so wesentlich verschieden, als ihre Grundr·eligion.
Dagegen sind sie einander an Farbe und Bildung gleich; sie schreiben auf eine Art, und haben mehrere Religions-Secten und Sitten gemein.
Auch sind von alten Zeiten her Auswanderungen von China nach Japan geschehen, besonders nach den südlichen Inseln, die Liquejo heißen, und unter Japanischer Herrschaft stehen, aber doch dem Kaiser in China jährliche Geschenke geben.
Die Freiheit, deren sie hier ehemahls im Handel genossen, ist ebenfalls jetzt sehr eingeschränkt, seitdem man sie im Verdacht hat, sie möchten den katholischen Missionairen in China ergeben sein, und seitdem sie die Unvorsichtigkeit begangen haben, in China gedruckte, katholische Bücher nach Japan zu bringen.
Heut··e· ······werden sie eben so argwöhnisch und strenge, und in einigen Rücksichten noch strenger, als die Holländer behandelt.
Man schließt sie auf eine kleine Insel ein, und visiti·rt sie genau, wenn sie kommen und weggehen.
Indessen haben sie den Vorzug vor den Holländern, daß sie in der Stadt zur Verrichtung ihres Gottesdienstes einen Tempel haben und besuchen dürfen, auch zu täglichen Ausgaben Japanische Münze haben, weswegen sie auch am Thore das, was sie zu ihrem Unterhalte gebrauchen, selbst kaufen können.
Wenn ein Fahrzeug von China hier angekommen, und im Hafen vor Anker gegangen ist, werden alle Leute, die es an Bord hat, ans Land gebracht, und sie dürfen sich von der Zeit an mit dem Schiffe gar nicht eher wieder befaſſen, als bis alles zur Abreise fertig ist.
Die Japaner laden selbst alles aus, und bringen hernach das Schiff näher ans Land, wo es während der Ebbe ganz trocken auf dem Grunde liegt.
Im folgenden Jahre luden sie ihnen and·re Waren wieder ein.
Den Chinesen wird nicht ge·stattet, eine Reise an den Kaiserlichen Hof zu machen.
Hiermit·· ersparen sie ansehnliche Summen, welche die Holländer teils auf der Reise, teils zu Geschenken an den Hof und die Vornehmer·n anwenden müssen.
Japanische Dolmetscher haben sie bey ihrer Handlung eben so nöthig, als die Holländer, weil ihre Sprache von der Japanischen so sehr abweicht, daß beide Völker einander nicht verstehen.
Die Chineser dürfen zwar eine doppelt so große Summe, als die Holländer, hier verhandeln; allein da ihre Reise hierher weder so weit noch so gefährlich ist, so hat man sie auch genöthigt, zum Vortheil der Stadt Nagasaki viel mehr beizutragen, als jene.
Sie müssen an 60 Prozent Fannagin oder Blumengeld bezahlen.
Zoll und and·re Abgaben fordert man aber auch von ihnen nicht.
Ihre Waren, welche gemeiniglich auf siebzig Schiffen hie·her gebracht werden, verkaufen sie jährlich zu drei verschiedenen Malen.
Der erste Markt ist im Frühlinge, da sie die Ladung von zwanzig; der zweite im Sommer, da sie die von dreißig; und der letzte im Herbste, da sie die von den übrigen zwanzig Schiffen verkaufen.
Kommen in einem Jahre mehr, als so viele Schiffe, so müssen die überzahligen zurück segeln, ohne einmal etwas ausladen zu dürfen.
Der größte Handel der Chineser besteht in roher Seide, und verschiedenen Droguen, die zu Medicamenten eingebracht werden, als Ninſiwurzel, Terpenthin, Myrrhe, Kalumbakholz; ingleichen Zink nebſt einigen gedruckten Büchern, die aber erst die Cenſur zweyer Gelehrten paſſi·ren müssen, ehe sie verkauft werden.
Obgleich ihre Reisen hie·her weit weniger kostbar sind, als die der Holländer, und sie auch nicht nötig haben, hier einen Directeur und and·re Bedienten zum Behuf der Handlung zu halten, so ist doch ihr Gewinn wegen der mehreren Prozente, die ihnen abgezogen werden, viel geringer, als der Gewinn der Holländer.
Und da sie nunmehr auch kein bares Geld mitnehmen dürfen, müssen sie ebenfalls Japanische Waren aufkaufen, um sich bezahlt zu machen, als: Kupfer, lackierte Arbeit und dergleichen.
Wenn ihre Fahrzeuge die völlige Ladung haben und zur Abreise fertig sind, werden sie von einer Menge Japanischer Wachsschiffe nicht nur aus dem Hafen, sondern auch eine gute Strecke weit in die off·ne See begleitet, um zu hindern, daß sie ja nichts von den Waaren, die sie unverkauft wieder mitnehmen müssen, an Schleichhändler verkaufen können.
Die Chinesischen Fahrzeuge sind dünn und leicht gebaut, sehr hoch und mit noch höheren Galerien versehen, die an den Enden, besonders am Vordertheile, sehr in die Höhe ragen.
Nach hinten sind sie sehr offen.
Steuer und Segel sind groß und unbehilflich.
Unter den Droguen, welche die Chineser als Arzneymittel hie·her bringen, ist auch etwas, wovon die Japaner glauben, es sei des Sommers ein kriechender Wurm, des Winters aber ein Gewächs.
Selbst die Dolmetscher stehen in diesem Wahn.
Zuerst verschaffte ich mir eine Abbildung davon, und hernach die Drogue selbst.
Da sah ich denn deutlich, daß es nichts anders war, als eine Schmetterlings-Larve, die gegen die Zeit ihrer Verwandlung in eine Puppe, in die Erde gekrochen war, und sich da an die Wurzel eines Gewächses fest gesetzt hatte.
Zweite Abteilung.
Reise von Dezima nach der Kaiserlichen Residenz-Stadt E·do.
Die Gesandtschaft selbst macht die Reise nach E·do zu Lande.
Ein großer Teil Sachen aber wird zur See nach Simonoseki, Fu·go und ander·n Orten geschickt.
Wir luden daher in ein ziemlich großes Fahrzeug verschiedene Kisten mit Wein auf Bouteillen, Liqueuren, Bier auf Bouteillen, allerley Hausgeräth und einige leere Kisten zum Einpacken der im Lande zu kaufenden Handelswaaren.
Dieses Fahrzeug sollte zuerst nach Simonoseki gehen, und nach unserer Ankunft da selbst, auch unsere Personen nach F·ogo überführen.
Hierauf besorgten wir die mitzunehmenden Geschenke, die in Tuch von verschiedener Farbe und Feinheit, in Chitsen, seidenen Zeugen und dergleichen bestanden.
Diese Geschenke waren für den regierenden weltlichen Kaiser, den Kronprinzen, die Reichsräthe und and·re vornehme Herren am Hofe bestimmt.
Wir packten sie in große Kasten; wagten es aber nicht, sie Wind und Wellen Preis zu geben, sondern sie mussten den ganzen Weg eine Strecke von 320 Meilen getragen werden.
Den 25. Februar ging unser Chef, von einigen Supercargeuren, Assistenten und Dolmetschern begleitet, nach der Stadt, um vom Gouverneur Abschied zu nehmen.
Einige Tage darauf wurden unser·· aller, welche die Reise mitmachen sollten, Kasten und Koffer, die Medicin-Kiste nicht ausgenommen, auf der Insel visiti·rt, und so gleich hernach von unser·n Zimmern nach einem Packhaus· gebracht, wo sie bis zum Tage der Abreise versiegelt stehen blieben.
Den 4. März 1776 begab sich die Ambaß·ade von der Insel Dezima auf den Weg.
Der 15. oder 16. Tag im ersten Monat· des Japanischen Jahres, ist zum Antritt dieser Reise ein für allemal fest gesetzt.
Holländer, welche sie machten, waren nur drei: der Ambaß·adeur als Chef der Handlung, Herr Feith; ich als Doctor oder Legations-Medicus; und ein Secretair, Namens Köhler.
Der übrige Teil unser·· anseh·lichen beynahe aus zwey hundert Menschen bestehenden Gesellschaft waren alle Japaner: Beamte, Dolmetſcher, Bediente, Aufwärter.
Ein Banjos war abseits· des Gouvernements zu Nangaſaki Anführer der ganzen Reise-Gesellschaft, und hatte den Befehl in allen Stücken.
Er wurde in einem großen Norimon getragen, und vor ihm her trug man eine Pike zum Zeichen seiner Würde und Befehlshaberſchaft.
Zur Ausführung seiner Befehle waren verschiedene Unterb·anjosen verordnet.
Der oberste Dolmetscher ( gemeiniglich ist dies ein bejahrter Mann ) wurde in einem Kango getragen.
Dieser ist auf der Reise Verwalter der Casse, besorgt und veranl·ass·t alles was zur Reise gehört, bezahlt im Nahmen der Holländischen Compagnie alle Kosten, und zwar meistenteils mit so genauer Sparsamkeit und Vorsicht, daß er selbst dabei ansehnlich gewinnt, und eine solche Reise allezeit für sehr er·träglich gehalten wird.
Um das Essen für den Ambassadeur und die an seiner Tafel essenden Holländer zuzurichten, gehen zwei Japanische Köche von der Factory· mit.
Ferner werden sechs Japanische Bediente, die Holländisch sprechen, zur Aufwartung für die Holländer mitgenommen, außer denjenigen, welche der Gouverneur zu ihrer Bedienung mitschickt, die aber die Holländische Sprache nicht verstehen.
Die Köche reisten allezeit eine Meile voraus, um das Essen fertig zu haben, wenn wir in der Herberge ankamen.
Sie nahmen zugleich den nöthigen Proviant, einen Feldtisch, drei Feldstühle, TischTuch, Servietten und Tischgeräth mit, welches alles wir in Ordnung fanden, so wohl wenn wir zu Mittage als zu Abend eintrafen.
Mit den Köchen gingen außer den Kerlen, welche diese Sachen trugen, einige Schreiber, um in unserem Logis das Nötige für die ganze Suite zu besorgen, und die Ausgaben anzuschreiben.
Der Ambaß·adeur, der Arzt und der Secretair, reisten sämtlich in großen, schönen, lackierten Norimon.
Zu Kämpfers Zeiten mussten die beyden letzteren reiten, und Kälte, Regen und Wind sich gefallen lassen.
Die Norimon oder Portchaesen sind aus dünnen Brettern und Bamborohr verfertigt, länglich viereckig, und so wohl vorn als zu beyden Seiten mit Fenstern versehen.
Die Seitenfenster sind in der Tür befindlich, deren auf jeder Seite eine ist.
Über die Decke geht eine lange eckige Stange, womit dieser Trag·essegel von den Trägern auf der Schulter getragen wird.
Er ist so geräumig, daß man mit Bequemlichkeit darin nicht nur sitzen, sondern auch, wiewohl mit etwas zusammen gezogenen Füßen, liegen kann.
Auswendig ist er mit mancherley Zierrath geschmückt, und inwendig mit Sammet und seidenen Stoffen aufs kostbarste überzogen.
Auf dem Boden liegt eine, mit Sammet überzogene Matratze.
Hinten und auf beiden Seiten hängen längliche ebenfalls mit Sammet überzogene Kissen.
Auf dem Sitze liegt ein rundes, in der Mitte mit einem Loch· versehenes Polster.
Auch findet man eine los liegende dünne Decke, gleichfalls von Sammet, oder ander·m kostbaren Zeuge, zu beliebigem Gebrauch.
Vorn sind ein oder zwei Bretter, um Schreibkasten, einige Bücher und and·re Kleinigkeiten hinzusetzen.
Die Seitenfenster kann man niederlassen, wenn man frische Luft schöpfen will; und will man nicht gesehen werden, so kann man sie mit seidenen Gardinen und einem Rolleau von Bamborohr zumachen.
In dieser Sanfte reis·t man mit vieler Bequemlichkeit, und das lange Sitzen darin ermüdet selten.
Die Zahl der Träger, welche sie auf ihren Schultern tragen, richtet sich nach Stand und Würde dessen, der darin sitzt: ihrer sind von sechs bis zwölf, und darüber; sind ihrer mehrere, so gehen einige los zu beiden Seiten, um sich von Zeit zu Zeit abzulösen.
Wenn mehrere zugleich tragen, so singen sie oft dazu, um alle gleichen Schritt zu halten.
Diejenigen von unser·n Sachen, die nicht zu Schiffe weggeschickt waren, wurden theils von Pferden, theils von Leuten getragen, nämlich unsere kleinen Kleider- Koffer, Leuchten im Dunkel·n zu gebrauchen, ein Vorrath Wein zum täglichen Gebrauche, Bier und dergleichen, nebst einem Japanischen Geräthe zu Theewaſſer, worin man dasselbe so gar während des Marſches kocht, und immer so oft man davon gebrauchen will, zur Hand haben kann.
Wir Europäer bedienten uns indes··· selten dieses den Magen erschlaffenden Getränks, und tranken lieber ein Glas roten Wein oder Holländisches Bier, von welchen beyden wir stets eine Bouteille bey uns führten, die wir, nebst einer länglichen lackierten Büchse, worin ein eben so längliches doppeltes Butterbrot steckte, zu den Füßen in unser·n Norimon stehen hatten.
Jeder wer hier im Lande reis·t, führt allezeit sein Bett mit sich; dies mussten auch wir auf der ganzen Hin- und Her·eise tun.
Und da zur Behauptung des Ansehens der Holländischen Compagnie, die Pracht in allem groß sein muß, mußten auch unsere Bettdecken, Kissen und Matratzen mit dem kostbarsten durchbrochenen Sammet und seid·nem Stoffe überzogen sein.
Die Japaner, welche entweder zu Fuß gingen, oder den Weg zu Pferde machten, waren mit einem kegelförmigen, unter dem Kinn fest gebundenen Hut·; einem Fächer, der zugleich zum Wegweiser gemacht war; einem Sonnen- oder Regenschirm·; und zum Theil mit einem Regenmantel versehen, der aus in Öl getränktem Papier verfertigt, sehr weit, und wie eine Feder leicht war.
Die, welche zu Fuß wandern mussten, als: Knechte, Aufwärter und dergleichen, hatten sich auch mit dünnen Kamaschen und verschied·nen Paaren stroherner Schuhe versorgt, und ihre weiten, unser·n Schlafrock·· ähnliche, Röcke aufgeschürzt.
Diese aus so sehr vielen Menschen bestehende, und auf so ungleiche Art eineher ziehende zahlreiche Karavane, gab in der That einen schönen Anblick.
Uns Europäern war die Reise gar angenehm und behaglich.
Allenthalben begegnete man uns mit eben der Achtung und Ehrenbezeigung, wie den Großen des Landes selbst.
Dazu sorgte man so für unsere Sicherheit in jeder Rücksicht, daß uns unmöglich ein Unfall begegnen konnte, und man bediente uns so, daß wir uns um nichts mehr zu bekümmern hatten, als ein Kind, das an der Mutter Brust liegt.
Unsere ······Beschäftigung bestand darin, zu essen, zu trinken, zu schlafen, uns aus- und anzuziehen, zu uns·rem Vergnügen zu lesen oder zu schreiben, und uns tragen zu lassen.
Als wir bei der Brücke, welche die Stadt Nagasaki mit der Faktorei verbindet, an die Wache kamen, wurden wir sehr genau visiti·rt, unsere Koffer und and·re Sachen aber, die vorher untersucht und versiegelt waren, gingen jetzt frey durch.
Zugleich wurden wir von den auf der Faktorei befindlichen Holländern, und denjenigen Japanern, welche da selbst im Dienst standen, oder etwas zu tun hatten, und eine große Anzahl ausmachten, durch die Stadt begleitet.
Die letzteren gaben uns bis zu einem draußen vor der Stadt stehenden Tempel das Geleit, wo wir eine Weile ausruheten, und uns·re munt·re Gesellschaft mit Sakki tracti·rten.
Als wir hernach unsere Reise von hier weiter fortsetzten, hatten alle diese Japaner, welche sich nun von uns trennen sollten, sich zu beyden Seiten des Weges, den wir zu nehmen hatten, mehr als eine halbe Meile in die Länge, haufenweise, nach Stand, Rang und Würden, hingestellt, welches nicht nur ungemein schön ausSah, sondern von uns auch mit Recht als die größte Ehre angesehen wurde.
Es waren die Ottona der Stadt und der Insel, Ober- und Unter-Dolmetscher, nebst Dolmetscher-Lehrlingen, Ober- und Unter-Compradore, Ober- und Unter-Banjosen, Kuli und viele and·re, die mit den Holländern in einiger Verbindung standen.
Am ersten Tage reisten wir über Fimi und Jagami, bis Isafaga, wo wir das erste Nachtlager bekamen.
Dieser Weg betrug sieben Meilen.
Ohne Zweifel sind hier Japanische Meilen gemeint, ob aber größere, deren vierzig; oder kleinere, deren drei und dreißig und ein Drittheil auf einen Grad des Aequators gehen, kann ich, in Ermangelung einer Charte von Japan, nicht bestimmen, vermuthlich sind es die kleiner·n, weil nach diesen gewöhnlich gerechnet wird.
A. d. Übersetzung.
Zu Jagami, wo wir zu Mittag aßen, wurden wir von unserem Wirthe auf eine so höfliche und dienstfertige Art aufgenommen, als ich es bisher an keinem Orte der Welt erlebt hatte.
Es ist hier zu Lande allgemeine Sitte, daß der Wirth den Reisenden eine Strecke entgegen kommt, sie mit den tiefsten Ehrenbezeigungen willkommen heißt, und darauf sich geschwind wieder nach Hause begiebt, um seine ihm nachkommenden Gäste eben so ehrerbietig in Empfang zu nehmen.
Als wir im Hause angekommen waren, brachte man uns auf einem kleinen niedrigen viereckigen Tische ein unbedeutendes Geschenk, darauf Thee, und Tobak und Pfeifen; die letzter·n gebrauchten wir nicht.
Dann führte man uns in die für uns zurecht gemachten Zimmer, wo wir unser·n Tisch gedeckt fanden, unser Glas Branntwein nahmen, unser Mittag·essen und unser·n Kaffee uns gut schmecken ließen, dann, so viel unser·· rauchten, uns·re Pfeifen ansteckten, und uns wieder auf den Weg machten.
Hier bekamen wir auch auf Rechnung der Compagnie fünfzig Japanische Thail, welche ungefahr eben so viel Hollandische Thaler betragen, um damit die kleinen Ausgaben zu bestreiten, die einem jeden von uns besonders bei vorkommenden Gelegenheiten unterwegs zustoßen mochten, und so genau berechnet waren, daß davon nichts übrig bleiben konnte.
Dies war die erste Japanische Münze, die in uns·re Hände kam.
Die erste Ausgabe bestand in Neujahrsgeschenken an uns·re Aufwärter und Knechte auf Dezima, und auch an uns·re Norimons-Träger, welche für meinen Teil über zehn Taler betrugen.
Am folgenden Tage gingen wir über Omura nach Sinongi, wo wir übernachteten.
Heute waren wir acht Meilen gereist.
Als Kämpfer im Jahr 1691 diese Reise machte, nahm die Gesandtschaft einen ander·n Weg nach Sinongi, nämlich über den Meerbusen bei Omura.
Um diesem auszuweichen, nahmen wir jetzt den Umweg über Isafaja, jedoch ohne von da, wie Kämpfer 1692 bei seiner zweiten Reise, über die große Bucht bei Simabara zu segeln.
Am Tage darauf kamen wir nach einem Wege von zehnthalb Meilen über Oriß·ino, Takkiwo, Swota, Oda, nach dem Orte unseres Nachtlagers Otşinsu.
Zu Orissino ist ein schwefelhaltiges warmes Bad.
Wir besahen es.
Es ist siedend heiß, umher eingeschlossen, und mit einem schönen und bequemen Hause für die Kranken, welche es gebrauchen, versehen.
Das heiße Wasser wird nach verschiedenen Stellen abgeleitet und verteilt, wo die Kranken sitzen, und selbst, so wohl heißes, als kaltes Wasser, welches letztere durch Kunst hierher getrieben wird, für sich abzapfen können.
Außerdem sind verschiedene Einrichtungen vorhanden, nicht nur nach dem Baden sich niederzulegen und auszuruhen, sondern auch spazieren zu gehen.
Alles ist hier sehr nett und reinlich.
Schwota ist der sehr großen Kruken wegen, die da verfertigt werden, (·gewiß die ·····größten in der Welt·), merkwürdig.
Sie sind von braunem Ton, sehr gut gebrannt, und so groß, daß sie mehrere Zuber enthalten.
Die Holländer kaufen jährlich eine Menge davon, und nehmen sie mit nach Batavia, wo sie, so wohl als an ander·n Orten in Oſtindien, mit Vortheil verkauft, und, Wasser darin stehen zu haben, gebraucht werden.
Das zum täglichen Getränk bestimmte Wasser hält sich darin kalt, und schlägt alle Unreinigkeit völlig nieder; wird also durch den abgetrenn··ten Bodensatz auch reiner und gesünder.
Unser bisheriger Weg war sehr gebirgig, steinige und beschwerlich.
Nun aber kamen wir in die Provinz Fisen, und hier ist das Land viel fruchtbarer, schöner, stärker bewohnt und volkreicher.
Die Dörfer liegen dichter bei·einander, sind sehr groß und lang, und nicht selten sind zwei, deren jedes eine Meile lang ist, so nahe beieinander, daß nur ein Fluss, eine Brücke oder dergleichen sie trennt.
Das Land ist allenthalben vortrefflich angebaut, und man sieht die schönsten Reis- und and·re Felder.
Die Leute, besonders das weibliche Geschlecht, sind in dieser Landschaft kleiner, als in der vorigen.
Die verheiratheten Frauen entstellen sich, da sie sonst wohlgebildet· und zum Theil schön sind, hier doch bis zu einem hohen Grade von Hässlichkeit dadurch, daß sie alle Haare aus den Augenbrau·en gerissen haben.
Dies soll ein Zeichen des verheiratheten Standes sein, so wie zu Nagasaki schwarze Zähne es sind.
Übrigens ist diese Provinz ihres schönen und kostbaren Porcellans wegen sehr bekannt.
Verschiedenes davon hatte ich schon in der Marktzeit auf der Holländischen Factorey gesehen; jetzt hatte ich Gelegenheit, mich näher danach zu erkundigen.
Es wird aus einer ganz weißen Thonerde gemacht, die an sich selbst schon sehr fein ist, aber dennoch mit der größten Mühe unbeschreiblich gut bearbeitet wird, so daß die davon verfertigten Sachen durchsichtig, schneeweiß und über die Maße schön werden.
Am folgenden Tage passierten wir den ziemlich großen Fluß Kassanga, und die Städte: Sanga, die ander·halb Meilen lang ist, Fiosabara, Kansaki, Nakabara und Todoriki, worauf wir nach einer Tagereise von neun Meilen zu Taisero eintrafen, wo wir das Nachtlager nahmen.
Kämpfer erzählt: zu seiner Zeit habe man es für Unglück bringend gehalten, und es sey verboten gewesen, in dieser Stadt zu übernachten, weil einmal auf einer solchen Reise der Banjoſe und der Ober-Dolmetscher hier in Streit gekommen, wobei jener diesen getötet, und dieser hernach sich selbst auch entleibet habe.
Sanga ist die Hauptstadt dieser Landschaft.
Sie hat ein Schloss, wo der Fürst derselben residiert, Wall und Graben, und an den Thoren Wache.
Sie ist, wie die meisten Städte, ordentlich gebaut, und ihre Straßen sind, wie auch fast üb·er··all··, gerade und breit.
Auch hat sie verschiedene Wasserkanäle, die ganz durch sie hingehen.
Den 8. März reisten wir ungefahr zehn Meilen bis zu der Stadt Itska.
Der Weg ging verschiedene große und kleine Dörfer vorbei, und über sehr hohe Berge.
Zuerst kamen wir nach Farda, von da nach Jamayo, und über einen hohen Berg nach Fiamits.
Wir rasteten hier auch eine Zeit lang, tracti·rten uns und die Japanischen Beamten mit Sakki, machten der Wirthin ein Geschenk an Geld von sieben Mas und fünf Konderyn, welches an diesem Orte so hergebracht ist, und reisten weiter bis Utcini.
Während wir heute unsere Reise in der Landschaft Z·ikudsen fortsetzten, wurden wir von einem Beamten begleitet, den der Fürst derselben uns entgegen geschickt hatte, um uns eine glückliche Ankunft zu wünschen, und uns durch sein Land das Geleit zu geben.
So verachtet der Europäer auf ihrer Factorey, und so schlecht alle Ausländer in den Augen der Japaner sind, mit so vorzüglicher Höflichkeit und Dienstfertigkeit begegnet man auf der Reise nach Hofe und zurück der Holländischen Ambaſſade.
Man beweis·t ihr eben die Achtung und Ehrerbietung, die den eigenen Befehlshabern des Landes erzeig·t wird, wenn sie ihre jährliche Reise zum Kaiser, und von da zurück machen.
Wenn wir an der Grenze einer Provinz ankamen, kam uns, wie diesmal, allezeit ein von seinem Herrn abgeschickter Beamte entgegen, der uns nicht nur in dessen Namen allen erforderlichen Beistand an Leuten, Pferden, Fahrzeugen u. dgl. anbot, sondern uns auch bis an die and·re Grenze begleitete, wo er von uns Abschied nahm, und von einem ander·n abgelöst wurde.
Die geringen Leute erzeigten uns eben die untertänigen Ehrfurchtserweisungen, als dem Fürsten, und buckten sich mit der Stirn bis auf den Erdboden, kehrten uns auch wohl den Rücken zu, um zu erkennen zu geben, ihre Niedrigkeit sei nicht werth, uns anzusehen.
Von Ut sini reisten wir über den Fluss Nagata, durch die Städte Koijanoſſa und Kuroſakki nach Kokura, wo wir bis folgenden Nachmittag blieben, –· zusammen zehn und halb Meilen.
Kokura ist eine große und reiche Handelsstadt, wird auch zu den großen Städten des Reichs gerechnet.
Ihr flor beruhet auf dem sehr anseh·lichen Handel, der hier getrieben wird.
Der Hafen ist indes··· jetzt so seicht, daß nur kleine Fahrzeuge und Bote an die Stadt kommen können.
Die Stadt ist eine Japanische Meile lang, macht ein längliches Viereck, und wird von einem durch die Straßen nach der See fließenden Fluß·· durchschnitten.
Die Tore haben militärische Wachen, die von Offizieren commandiert werden.
An dem einen Ende der Stadt, und zwar am Fluß·e, liegt das Schloss des Befehlshabers oder Fürsten der Landschaft Kokura, das sehr schön, und nach Landesart gut befestigt zu sein scheint, mit Gräben und Mauern umgeben ist, und durch einen hohen Turm beschützt wird.
Gern hätten wir die Stadt in näheren Augenschein genommen, allein wir bekamen nicht die Erlaubnis, darin herum zu gehen.
Ehe wir an diesem Orte ankamen, wurden wir im Namen des Fürsten von zwei jungen Edelleuten, die er uns vom Schlosse entgegen schickte, empfangen und nach unserem Quartier begleitet.
Wir logierten hier sehr gut.
So wohl hier als auf der ganzen Reise wurden wir in die hinteren Zimmer des Hauses, welches hier zu Lande den schönsten und vornehmsten Teil desselben ausmacht, qui·tiert.
Eben so bemerke ich hier ····für allemal, daß, da die Japaner in ihrem ganzen Hause gar keine Möbel·, mithin auch keine Bettstellen haben, uns·re Matratzen und Betten auf den Fußboden, der allezeit mit dicken Strohmatten bedeckt ist, gelegt wurden.
Die Japaner von unserem Gefolge lagen des Nachts eben so auf dem Fußboden, hatten aber keine Kopfkissen, sondern statt deren ein längliches Stück lackiertes Holz, das sie unter den Kopf legten.
Einem alten Herkommen gemäß bekam hier der vom Statthalter zu Nagasaki zu unserer Aufwartung mitgegebenen Diener ein Trinkgeld von ein Thail, fünf Mas, oder ungefaähr ein und einen halben Thaler.
Unter ander·n in diesen Gegenden häufig anzutreffenden Bäumen und Gewächsen, als: der gemeinen Fichte (·Pinus sylvestris·), dem Indianischen Felß··kraut· (·Azalea Indica·), der Indianischen Wucherblume (·Chrysanthemum Indicum·), fand ich hier auch einen Baum, der den Nahmen Aububa führt, und einen ander·n, den man Nandina nennt, und von welchen beide· man glaubt, daß sie dem Hause Glück bringen.
Gegen Abend fuhren wir mit einer Jacht drei Meilen weit über den Meerbusen nach Simonoseki, wo wir in einem Wirthshause übernachteten.
Zwischen diesem Orte und Kokura liegt eine niedrige längliche Klippe, die bei flachem Wasser und zur Zeit der Ebbe nur ein wenig über das Wasser hervor steht, von der Fluth aber ganz bedeckt wird.
Man erzählt, an dieser Klippe sei ein Fahrzeug, das den Kaiser Taiko übersetzen sollen, gescheitert und verunglückt; der Kaiser sey zwar gerettet worden, der Schiffer aber habe sich nach Japanischer Sitte den Bauch aufgeschnitten, um sich selbst zu strafen.
Zum Andenken dieses Unglücks habe man nachmals auf der Klippe einen viereckigen gehauenen Stein, ungefahr eine Elle hoch, aufgestellt.
Simonoseki liegt an dem einen Ende von Nippon, der größten von allen Inseln dieses Reichs, auf welcher beide Hauptstädte desselben liegen.
Die Stadt ist zwar keine Fürstliche Residenz, auch keine der größten im Lande, aber doch sehr blühend und ansehnlich.
Dies hat sie ihrer Lage zu danken.
Sie hat einen sehr berühmten Hafen, der ungemein häufig besucht wird:
man sieht oft zwei bis drei hundert Fahrzeuge von verschiedener Größe vor Anker liegen.
Gewöhnlich laufen alle····, welche von den westlichen Küsten des Reichs nach den östlichen, und umgekehrt, segeln, hier ein, entweder um Waaren abzuholen, oder bey widrigem Winde und Sturme sicher zu liegen.
Wegen der fast aus allen Orten und Provinzen des ganzen Reichs hie·her zusammen strömenden Menge Menschen ist Handel und Verkehr hier sehr groß.
Man findet daher hier auch eine große Menge Waren, die aus ander·n Landschaften zum Verkauf· hie·her gebracht werden, und welche man in ander·n Städten und Häfen nicht immer findet:
denn jeder Handelsort handelt hauptsächlich nur mit den Waren und Produkten, die er selbst, und die Provinz, worin er liegt, hervorbringt und verfertigt.
Wir bestellten jetzt zu unser·· Rückkunft, theils zu eig·nem Gebrauch, theils zum Verkauf·, außer ander·n Waaren, Reis·, der in dieser Gegend ganz vorzüglich gut ist, und Kohlen, die man zur Feuerung im Winter und zum Essenkochen gebraucht.
···Daß es an einem Orte wie dieser, nicht an öffentlichen Mädchenhäusern fehle, wird man leicht glauben.
Wir Holländer hatten nicht die Erlaubnis sie zu besichtigen, sondern wenn wir, nach erhaltener Freiheit, in der Stadt spazieren gingen, wurden die Tore zu den Straßen, wo sie stehen, sorgfältig verschlossen.
Am Strand· sammelt man in dieser Gegend eine Art Watt (·Ulva·), die hier Awa Stori heißt.
Sie wird getrocknet, über Feuer geröstet, und zu einem sehr feinen Pulver zerrieben, und mit gekochtem Reis·, bisweilen in der Misosuppe gegessen.
Von Simonoșeki geht zwar zu Lande ein Weg nach E·do; wir bedienten uns dessen aber nicht, weil er gebirgig und beschwerlich ist, sondern zogen die Wasserreise vor.
Zu diesem Ende begaben wir uns den 10. März an Bord eines großen, 90 Fuß langen, Japanischen Fahrzeuges.
Dieses Schiff wird zur Überfahrt der Ambaß·ade nach Fiogo, für Rechnung der Compagnie, jährlich für 480 Taler gemiethet, und zwar zu einer Reise von etwa 130 kleinen Seemeilen, die bey gutem Winde bisweilen in Zeit von acht Tagen zurück gelegt werden.
Ein ähnliches Fahrzeug führte einen Teil der Bagage und des Gefolges.
Wir logierten uns in die Kajüte.
Unser Banjo· bekam sein abgeteilte· Zimmer auf einer, und wir Holländer die and·re größere Seite.
Diese war auch in zwei Gemächer vertheilt: eine ganz kleine Schlafkammer für den Ambaß·adeur, und ein größeres für mich und den Secretair, welches zugleich zum Speisesaale gebraucht wurde.
Die übrigen Gemächer im Schiffe nahmen die Dolmetscher und and·re ein.
Wir segelten sechs und dreißig Meilen bis Kamiro, von da wir weiter gingen, aber nach einer Fahrt von sieben Meilen widrigen Wind bekamen, und uns deswegen bei Nakassima vor Anker legen mussten.
Allein da dieser Wind nicht nur anhielt, sondern auch Sturm entstand, sahen wir uns genöthigt unsere Anker wiederum zu lichten, und ganze vierzehn Meilen bis Kaminoseki zurück zu segeln, um in den dasigen bequemeren und sicherer·n Hafen einzulaufen.
Hier mussten wir gegen drei Wochen zubringen, ehe wir günstigen Wind bekamen, und die Reise fortsetzen konnten.
Diese ganze Zeit waren wir beständig auf dem Schiffe, hatten aber doch verschiedene Mahl Gelegenheit, ans Land zu gehen, und uns in den Wirtshäusern und Tempeln umzusehen.
Es war jetzt auf dem Schiffe so kalt, daß wir in den Zimmern einheitlich müssen, und doch Schnupfen und and·re Erkältungen davon trugen.
Die Japaner vertrieben sich die Zeit mit allerhand Spielen.
Meine Freunde unter ihnen beschäftigte ich theils mit medizinischen Vorlesungen, theils mit Erkundigungen nach dem Lande, der Regierung, der Haushaltung, der Sprache und dergleichen.
Die Sprache studierte ich besonders fleißig, und bereicherte jetzt sehr mein schon angefang·nes Wörterbuch.
Die Küsten, welche wir bisher vorbei·gefahren waren, sind überall bergig, dennoch aber aufs höchste angebaut.
Die Berge sahen meistens wie schöne Gärten aus.
Zu Kaminośeki und zu Simonośeki bemerkte ich, daß die öffentlichen Beamten zum Theil zwei Säbel, zum Theil aber nicht mehr als einen tragen dürfen: jene heißen Samrai, dieſe Tjonen.
In beiden Städten haben auch junge Leute aus der Bürgerſchaft, wirkliche Bürgerſöhne, bei dem Bürgermeifter auf eine gewiſſe Zeit die Aufwartung.
Sie werden Kodom genannt, sind wohlgekleidet, und tragen, wie Personen in öffentlichen Ämtern, lange Beinkleider.
Nach Verlauf einer gewissen Zeit werden sie von ander·n abgelöst.
Endlich nach langem Harren machte sich ein günstiger Wind auf, und wir konnten weiter unter Segel gehen.
Wir fuhren bis Dsino Kameru, wo wir wieder still lagen.
Allenthalben sahen wir, so wie auf der bisherigen Reise, uns von großen und kleinen Inseln umgeben, zwischen denen wir hinschifften, und womit diese ganze Gegend besaet ist.
In allen diesen Fahrwassern trafen wir auch mehrere Arten wilde Enten, besonders die Federkappe (·Anas galericulata·) an.
Sie versammeln sich bei schönem Wetter in solcher Menge, daß man sie in der Ferne für große Inseln ansehen sollte, und scheuen sich weder vor Schiff noch vor Menschen, so gar nicht einmal, wenn man unter sie schießt.
Hier, und wo wir uns sonst vor Anker legten, unterließen unsere Japaner nicht, sich ans Land ···z····u lassen, und zu baden.
Unsere Fahrt ging zwischen unzähligen Inseln, und durch einen engen Kanal zwischen zwei großen Landschaften, weiter bis Materai.
Der Hafen daselbst ist geräumig und sicher, und liegt daher immer voll Schiffe in großer Menge.
Man fisch·t hier eine Art Austern, Sigaki genannt, die sehr gut schmecken.
Nach einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise von sechs und zwanzig Tagen langten wir endlich, da wir die letzte Zeit sehr guten Wind hatten, zu Fiogo an.
Dieser Ort liegt ungefähr zehn Meilen, oder dreizehn Seemeilen von Osaka, an demselben Meerbußen, und zwar schräg· gegen über.
Er hat einen großen ins Land hinein gehenden Hafen, der gleichwohl auf der Süd-Seite offen und daher von Natur unsicher und gefährlich ist.
Er ist dies aber nicht mehr, sondern vielmehr sehr sicher und brauchbar, seitdem der Kaiser Feki mit unglaublicher Mühe, Arbeit und Kosten, selbst mit Verlust einer Menge Leute, die dabei ums Leben gekommen sind, dem Übel abgeholfen hat.
Dieser Kaiser ließ auf der Süd- Seite des Hafens einen hohen Damm anlegen, um den Anlauf der Wellen abzuhalten, der wie eine lange schmale Sandbank aussieht, und eben nicht tief unter dem Wasser liegt.
Mehrere hundert Schiffe hatten jetzt mit uns ihre Zuflucht hierher genommen.
Dieser Hafen ist auch desto wichtiger, da das Fahrwasser nach Osaka seicht ist und von großen Fahrzeugen nicht befahren werden kann.
Die Stadt liegt eben so als Nagasaki, längs am Strand· des Hafens, und am Fuße der hinterwärts empor steigenden Berge, und ist ziemlich groß und schön.
Der Zusammenschluss von Menschen ist ansehnlich.
Kämpfer reiste mit seiner Karawane in kleinen Booten von Fu·go nach Osaka.
Wir aber wählten den Landweg über F·ogo nach Isinomia und Amagasaki, eine befestigte Stadt an der Seeküste, nach Kansaki, einem Dorfe, das an der Mündung eines großen Fluß·es liegt.
Dieser Weg betrug drei Meilen.
Von Kanzaki ließen wir uns nach dem Ausfluß·· des großen Fluß·es, welcher durch die Stadt Osaka ins Meer läuft, drei Meilen weit in Booten übersetzen.
Unser zukünftiger Wirth kam uns in einem Boote entgegen, und begleitete uns den Strom hinauf durch die Vorstädte, die am Strande liegen, und die man vor den vielen hundert hier sich aufhaltenden Fahrzeugen kaum sehen kann.
Wir passierten verschiedene Brücken, Thore und auf beider Seiten liegende Wachhäuser, und merkten nunmehr, daß wir in der Stadt selbst waren.
Hier fanden wir vortreffliches Logis und eben so erwünschte Aufnahme.
Unser Wirth kam, in seinem feſtlichsten Anzuge, mit dem heitersten Blicke und den ehrerbietigsten Gebärden, so gleich herein, um uns durch den Dolmetscher zur Beendigung der langweiligen und lästigen Seereise Glück zu wünschen.
Er hatte einen Bedienten bei sich, der einen gewöhnlichen kleinen viereckigen Tisch hinsetzte, worauf ein, ebenfalls aufs Schönste geschmückte·, Geschenk lag.
Dies bestand in einigen Apfelsinen, von gewöhnlicher Größe, aber sehr dicker Schale, einigen Mikan oder kleinen Apfelsinen mit dünner Schale, und einigen gedörrten Feigen oder Kaki.
Oben auf lag ein zusammen gelegtes, mit roten, vergoldeten papiernen Fäden umwundenes Papier, an dessen Enden ein Streif· von Tang (·Fucus·) fest geklebt war.
Umher lagen einige, auch aus Tank geschnittene kleine Würfel.
Dies alles gehört zum Zeremoniell, und bezeichnet die größte Achtung gegen die ankommenden Fremden.
Zu Abend bekamen wir unter ander·n Gerichten eine Art Fisch, die man hier Abr···e·nennet, und von sehr gutem Geschmacke ist.
Das erste, was wir zu tun hatten, war: dem Schiffsk·apitain, welcher uns mit dem großen Fahrzeuge glücklich bis Fiogo gebracht, und nebst einigen von der Besatzung hie·her begleitet hatte, uns·re Dankbarkeit zu beweisen.
Für mich musste ich ihm sechs Thai·, und den Matroßen sieben Mas, fünf Konderyn bezahlen.
Auch mußte, dem Gebrauche gemäß, hier jeder von uns den Leuten, welche unsere Norimon in Verwahrung gehabt hatten, sechs Thail, und den vom Gouverneur uns mitgegebenen Bedienten gleichfalls sechs Thail bezahlen.
Zusammen belief sich dies auf sechzehn Taler.
Zu Osaka hielten wir uns nur einen Tag und Nacht auf.
In dieser Zeit besuchten uns verschiedene Kaufleute, bei denen wir, nach Mustern, die sie bei sich hatten, allerley Sachen bestellten, die zu unserer Wiederkunft fertig sein sollten, namentlich nachgemachte und überfirnisste Insekten von Kupfer und Holz, verschiedene Arten Fächer, Papier zum Schreiben und zu Tapeten, und dergleichen mehr.
Osaka ist eine von den so genannten fünf Reichsstädten, die dem weltlichen Kaiser gehören, im Nahmen desselben von zwey Statthaltern regiert werden, welche ein Jahr ums and·re nach Hofe reisen, und die dann wieder ein Jahr ums and·re die Regierung verwalten.
Zugleich ist sie eine von den größten Handelsstädten des Reichs, wozu ihre bequeme Lage an der Seeküste und beynahe mitten im Lande viel beiträgt.
Wegen der unglaublich großen Zufuhr aller Sachen aus allen Gegenden des Reichs sind hier die Esswaren wohlfeil.
Die reichsten Kaufleute und Künstler haben sich hier niedergelassen.
Der Fluss Jedogawa, auf dem wir die Stadt hinein segelten, fließt durch die Straßen, und wird durch Gräben in verschiedene Arme vertheilt.
Sie hat beynahe eine Meile im Umfange ins Gevierte, ist nach hiesiger Art wohl befestigt, und hat eine starke Zitadelle, die seitwärts neben der Stadt liegt.
Über den Fluss gehen nicht nur kostbare Brücken von Japanischem Zedernholz, sondern ihrer sind auch sehr viele, und einige von ungemeiner Länge, fünfzig bis sechzig Faden lang.
Fast in allen Häusern besteht die Vorderseite des untersten Stockwerks entweder aus Werkstätten, die nach der Straße offen sind, oder aus großen Kaufmannsbuden, wo allerlei Waren ausgehängt sind, und Käufer anlocken.
Viele Reiche lassen sich hier nieder, um hier ihr Geld zu verzehren, weil diese Stadt der angenehmste Aufenthaltsort im ganzen Lande ist.
Sie ist in Japan, was Paris in Europa ist.
Man kann hier alles mögliche Vergnügen haben.
In der Festung haben die Stadt-Gouverneure nichts zu befehlen.
Sie hat zwei besondere Gouverneure oder Com·andanten, die sich auch ablösen, und zwar alle drei Jahr, in der Stadt aber auch nichts zu sagen haben.
Einer von ihnen hält sich allezeit bey Hofe auf, und, wenn er herunter reiset, um seinen Vorgänger abzulösen, wird dabey der Umstand gar sorgfältig beobachtet, daß sie mit einander nicht sprechen dürfen; sondern wenn der eine einzieht, muß der and·re ausziehen, und sich unverzüglich zum Kaiſer verfügen, um von seiner Verwaltung Rede und Antwort zu geben.
Weil wir von Osaka nach Miako dreizehn Meilen hatten, mussten wir uns den 9. April des Morgens sehr früh auf den Weg begeben.
Wir wurden deswegen noch vor Tage in aller Eile geweckt, tranken eine Tasse Kaffee, machten unser Frü·stück-Butterbrot zurecht und setzten uns in uns·re Sänften.
Die Japaner gingen mit einer Menge brennender Fackeln und unter bestandigem Singen voran.
Unterwegens hielten wir verschiedene Mahl still, um auszuruhen, und Erfrischungen oder das Mittag·essen zu uns zu nehmen; in den Dörfern Morikuts, Firakatta und Fusimi, und in der Stadt Jodo.
Diese Dörfer sind von ungeheurer Größe; Fisimi ist drei Meilen lang, und erstreckt sich ganz bis an die Kaiserliche Hauptstadt Miako, wovon sie wie eine Vorstadt angesehen werden konnte.
Jodo ist eine kleine, aber nette und an Wasser sehr reiche Stadt.
Ihre Brücke ist eine der größten im Reiche: ihre Länge beträgt vier hundert Schritt.
Sie wird durch ein an der Seite liegendes festes Schloss, wo zugleich ein Fürst residi·rt, beschützt.
Außer in Holland habe ich keine so angenehme Reise als diese gemacht, so schön, reizend und bezaubernd ist das Land.
Die Menge seiner Einwohner und seine Kultur übertrifft alle Beschreibung.
Das ganze Land ist zu beyden Seiten, so weit das Auge reicht, nichts anders als ein einziges fortgehendes fruchtreiches Feld, und unsere ganze heutige Reise ging durch Dörfer, wovon das eine aufhört, wo das and·re anfängt, und die an der ganzen Landstraße hin liegen.
Auf dem Fluß·e Miaco halten sich Pelikane, die in den Fichten am Wege ihre Nester haben, wie auch wilde Enten und and·re Vögel in Menge auf, obgleich das Ufer ihnen keinen ruhigen Wohnplatz gewähr·t, sondern allenthalben bewohnt und angebaut ist.
In meiner Hoffnung aber, auf einer so weiten Reise, in einem Lande, wohin so selten Europäer kommen, eine Menge selt·ner und unbekannter Gewächse zu sammeln, fand ich mich gar sehr betrogen.
Auf den meisten Äckern, die gegenwärtig besä·t standen, konnte ich nicht den kleinsten Halm Unkraut entdecken, fast auf keinem einzigen in der ganzen Provinz.
So genau jätet man alles Unkraut aus.
Zu Miaco wurden wir im oberen Stockwerke des für uns bestimmten Hauses einquartiert, welches sonst in Japan nicht zu geschehen pflegt.
Jetzt öffneten wir auch unsere großen Koffer, um weiße Wäsche und and·re Kleidungsstücke, nebst nöthigem Proviant zu dem noch rückständigen Teile der Reise heraus zu nehmen.
Der oberste Dolmetscher händigte uns hier eine Summe Geldes in neuen Kobang ein, um davon auf der Reise nach Belieben Gebrauch machen zu können.
Ich und der Sekretä·r bekamen jeder drei hundert Taler, die wir aber hernach zu Nagasaki von unserem Kambangs-Capitale ersetzen mussten.
Bei den Kaufleuten, welche Erlaubnis hatten, uns zu besuchen, bestellten wir zu unserer Zurückkunft allerley Handelswaaren, als Sowa-Arbeit, Fächer, lackierte Sachen und dergleichen.
Während unseres hiesigen Aufenthalts hatten wir Audienz bei dem Oberrichter und den beyden Gouverneuren der Stadt, welche alle von der Holländischen Compagnie mit Geschenken bedacht wurden.
Wir wurden in unser·n Norimon nach ihren Pallästen getragen, und daselbst mit grünem Thee, Tobak und Zucker-Backwerk reguliert.
Miaco ist nicht allein die älteste Hauptstadt des Reichs· und der Wohnsitz des Dairi, oder des geistlichen Kaisers, sondern auch die größte Handelsstadt im ganzen Lande.
Der Dairi hat sein Residenz-Schloß und seinen Hof gleichsam in einem besonderen Quartier der Stadt, das an sich selbst schon eine anseh·liche Stadt ausmacht, und mit Wassergräben und steinernen Mauern umgeben ist.
Wir hatten nicht das Glück, sie anders als von weitem zu beseehen.
Die Lage der Stadt unge·ähr mitten im Lande verschafft ihr den ungemein großen Vortheil der vorzüglichen Handlung.
Sie erstreckt sich auf einer großen Ebene ungefähr eine deutsche Meile in der Länge und eine halbe Meile in der Breite.
Die meisten und geschicktesten Handwerker, Fabrikanten und Künstler und die angesehensten Kaufleute haben sich hier sesshaft niedergelassen.
Alles was man will, kann man hier zu Kauf haben, besonders lackierte Sachen, Sammete, seidene Zeuge, Gold- und Silberstoffe, Arbeit von Gold, Silber und Kupfer; Sowa; Kleider und die vortrefflichsten Waffen.
Das an sich schon vortreffliche Japanische Kupfer wird hier geläutert und veredelt, nachdem es bei den Gruben nur geröstet und geschmolzen ·······ist.
Alles Geld wird hier geprägt.
Und da nur am Hofe des Dairi, gleichsam als auf einer Reichs-Akademie, Literatur und Gelehrsamkeit cultivi·rt werden, so werden hier auch alle Bücher gedruckt.
Den 14. April verließen wir Miaco und kamen über Keagi, Jako Tjaja, Fasiri, Isiba oder Oits, Tsetta und Skinowa nach Kusats, wo wir das Nachtl··ogis nahmen: eine Tagesreise von etwas mehr als sieben Meilen.
Oits liegt an einem Landssee gleichen Namens, der gegen seine Länge von vierzig Japanischen Meilen sehr schmal ist.
Wenn man alten Erzählungen glauben kann, so ist derselbe in einer Nacht durch ein Erdbeben, das diese ganze Strecke Landes einstürzen ··machte, entstanden.
Er befördert ····sehr den Transport der Waren aus den umliegenden Gegenden nach Miaco.
Auch ist er deswegen merkwürdig, daß Lachse sich darin aufhalten, welche Art Fische sonst in ganz Ostindien so außerordentlich selten ist.
Die größten wogen ungefähr ein halbes Ließpfund.
Auf unser·· ferneren Reise trafen wir noch an mehr Orten Lachs; wir ließen daher verschiedene räuchern, um sie bei unserer Zurückkunft mitzunehmen; diese kamen aber weder an Größe und Fett, noch in Ansehung der Art, wie sie geräuchert waren, den Europäiſchen gleich.
Kusatz ist nur ein Dorf, aber von fünf hundert Feuerstellen.
Bei Tzetta kamen wir über eine sehr lange Brücke, die auf einer kleinen, nahe nach der einen Seite liegenden Insel ruhet, etwa 350 Schritte lang, nach Japanischer Art schön gebaut, und mit Geländer versehen ist.
Am folgenden Tage hatten wir elf Meilen zu machen, und zwar durch die große reiche und fruchtbare Provinz Omi.
Hier liegen die Städte und Dörfer ganz dicht an·einander.
Die merkwürdigsten, welche wir passierten, waren Menoki, Issibe, Nasumi, Isami, Minakuts, Ono, Matsu, Fitsjoma, Inofana Sawa und Sakanošta.
Minakut· ist eine anseh·liche Stadt.
So wohl hier als vorher an verschiedenen Orten, waren Kranke aus den umliegenden Gegenden angekommen, um sich gegen ihre chronischen Krankheiten von dem Holländischen Arzte Rath und Medicin geben zu lassen.
Bei vielen bestand das Übel entweder in Verhärtung der Drüsen und offenen Krebsschäden, oder in venerischen Symptomen, die zu sehr überhand genommen hatten.
Gegen Abend kamen wir in die Landschaft Isi, und zwar durch verschiedene am Wege liegende, sehr lange und fast an·einander stoßende Dörfer nach der zu unserer Nacht-Herberge bestimmten Stadt Seki.
Die heutige Reise war nicht weniger angenehm, als die gestrige.
Denn auch diese Provinz ist dicht bewohnt, fruchtbar und volkreich.
Nur schlimm, daß wir hier, so ····überall in den Dörfern, den Geruch des gesammelten Urins und Unrats auszustehen hatten, der alles Vergnügen verbitterte, und uns zwang, die Fenster in unserem Norimon fast immer zuzuhalten.
Den Tag darauf legten wir zehn Meilen zurück.
Nachdem wir durch Nosin, Kamirujammi, Moirinosta, Sono, Tjakusi, Sutski, Ojiwaki, die anseh·liche Stadt Jokait·, Tomida und Matsdera gekommen waren, trafen wir gegen Abend zu Kwana ein, wo wir in einem schönen und bequemen Logis die Nacht zubrachten.
Bei Jokait· waren wir wieder an der Küste, in deren Nähe wir hernach fast ganz hin bis Jedo blieben.
Auf diesem Wege aber hatten wir viele große und gefährliche Flüsse zu passieren, über welche man wegen ihres starken Anschwellens in den Regenzeiten keine Brücken hat anlegen können, durch welche daher Reiter, Lastthiere, Träger und Fußgänger hindurch müssen.
Nicht weit von Jokaits bekamen wir unterwegs drei Bettelnonnen zu Gesellſchafterinnen.
Bei jedem unserer Norimon ging eine her, um von uns Holländern Geld zu bekommen.
Sie begleiteten uns mehrere Stunden lang, und bettelten unaufhörlich, obschon sie so gleich zu Anfange eine artige Gabe in Silbermünze empfangen hatten.
Sie waren nett und reinlich gekleidet; aber mit ihrem ungestümen und hartnäckigen Betteln fielen sie uns sehr zur Last.
Wir wechselten daher ein Goldstück, um von der kleinen Kupfermünze eine Partei zu bekommen, die durch ein in der Mitte befindliches viereckiges Loch auf eine Schnur gereiht wird, und Seni heißt.
Hie·von teilten wir von Zeit zu Zeit ein Paar Stücke aus, und nun konnten wir es aushalten.
Die Mädchen waren von sechzehn bis achtzehn Jahr alt, und ihr Betragen, das eigensinnige Betteln ausgenommen, anständig.
Unsere Dolmetscher beschrieben sie uns als Töchter von Bergpriestern, einer Art Mönche, die den Namen Jammabo haben, und sagten uns, ihr vornehmster Erwerb· sei das Betteln, sie seien verbunden, von ihren Almosen eine jährliche gewisse Abgabe an den Tempel zu Isi zu erlegen, ihre Sittsamkeit und Keuschheit sey aber nicht so groß, als sie uns vorkomme.
Kwana ist eine anseh·liche, große und stark befestigte Stadt in der Landschaft Owari, einer der reichsten und bedeutendsten unter den fürstlichen Provinzen des Reichs.
Sie hat zwei Zitadellen, und ist mit Mauern und Gräben eingeschlossen.
Die Zitadellen haben hohe Türme, die einen schönen Anblick geben.
So wohl in diesen als in den Stadtmauern sieht man allenthalben kleine längliche Öffnungen, die zu Schießscharten dienen, um mit ihren Pfeilen, vor den feindlichen Schüssen sicher, hindurch zu schießen.
Am folgenden Morgen fuhren wir über den Meerbusen, sieben Seemeilen weit, nach Mia.
Diese Seereise war eine der sonderbarsten.
Zu Kwana hatten wir uns mit unserem Gefolge und Gepäcken in große Fahrzeuge eingeschifft.
Als wir aber dem Hafen bei Mia nahe kamen, fanden wir ihn so untief, daß wir uns in kleine Boote begeben mußten, um weiter zu kommen.
So klein diese auch waren, konnten wir damit doch auf keine andere Art zur Stadt gelangen, als dass jedes Boot von zwei Kerlen auf dem wenigen Wasser, das über dem Moder stand, mit den Händen fortgezogen werden musste.
Mia hat daher, ob es gleich an einer Bucht der See liegt, einen elenden, so wohl für kleine als große Fahrzeuge wenig brauchbaren Hafen, wiewohl deren dessen ungeachtet eine ziemliche Menge vor Anker lag.
Wälle oder and·re Befestigungswerke hat die Stadt nicht.
Sie ist aber sehr volkreich und hat großes Verkehr.
Auch hat sie das Besondere, daß die mitt·lere Straße außerhalb der Stadt selbst, noch zwei Meilen weit an einem großen Fluß·· bis nach der Stadt Nangaja hinläuft.
Diese letztere ist befestigt und die Hauptstadt in der Provinz Owari.
Von Mia ging unsere Reise durch Kässadera, Marumi, Singo und Imo Kawa, nach Tjiriu, und von da am folgenden Tage unter Uſida, Ofama, Jafagi, Okaſaki, Kaginoies, Fuſikowa, Motoſiku, Akaſaki, Goju, Djokaſen und Jootſia nach Joſida: welches ungefähr eilf Meilen ausmacht.
O··saka liegt schon in der Provinz Mikawa, und ist eine Festung.
Über den bei der Stadt vorbei·fließenden Fluss geht eine sehr merkwürdige Brücke, die für die längste im ganzen Reich· gehalten wird.
Sie ist 158 Klafuter lang, von Holz gebaut, und soll 30000 Kobang oder 300000 Taler gekostet haben.
In der sehr starken, und mit hohen Türmen und Mauern prangenden Zitadelle residi·rt der Fürst dieser Landschaft.
In dieser Gegend ist das Land gebirgig.
Die Ebenen und Täler zwischen den Bergen sind gleichwohl vortrefflich angebaut.
Jetzt pflanzte man den Reis· um.
Die See wirft an diesen Küsten Zuckertang (·Fucus saccharinus; Japanisch Komb oder Kobu·) aus, der sehr breit und lang ist.
Den 19. April reisten wir, fünf Meilen weit, durch Imuri, Ftagawa, Jetsuri jama mura, Siraſka und Moto Siraſka und Array.
Array ist eine kleine offene Stadt, dicht an einem Bussen des Meers.
Wenn der Grund desselben so gut als seine Gestalt und Lage ist, so muß er den besten und sichersten Hafen abgeben, der sich gedenken ließ·; und wenn dieser zugleich auf Europäische Art befestig·t würde, müßte er ganz unüberwindlich werden.
Übrigens ist dieser Ort deswegen merkwürdig, weil hier die Waren und and·re Sachen aller Reisenden, besonders der Fürsten der Provinzen, wenn sie zum Kaiser reisen, visiti·rt werden.
Dies geschieht von dazu bestellten Kaiserlichen Beamten, die besonders genau dahin sehen müssen, daß keine Frauenspersonen, und keine Waffen durchpassi·ren, wodurch Unruhe im Lande entstehen könnte.
Unser Gepäck· wurde jedoch nur ganz gelinde untersucht, worauf wir jenen Beamten unseren Besuch machten.
Von hier nahmen wir unseren Weg, ungefahr eine Meile weit, in flachen Booten, über die Bucht, zu der gegen über liegenden Stadt Maisaki, darauf durch Sinowara, Nimbutsdo, Tammamats, eine große und ansehnliche Stadt, Tinsjemmats, in Booten über den Fluss Tindingawa, durch Ikeda, Daisoin nach Mitske, wo wir zu Nacht blieben; ferner über Mikano, Fukuroi, Nakuri, Firagowa, Kakegawa, eine große und befestigte Stadt, Jamma Fano, Nissaka, Kikugawa, Komaja, und den Fluss Ojingawa nach Simada, einem ungefahr eine Viertelmeile langen Dorfe, welches zusammen gegen sechzehn Meilen ausmachte.
Der Fluss Ojingawa ist für Reisende einer der gefährlichsten.
Er schwillt nicht nur während der Regenzeit, wie and·re, sehr hoch an, sondern sein Lauf nach der See hinab ist auch unglaublich schnell, und der Boden alsdann oft mit großen Steinen bedeckt, die der reißende Strom von den Bergen herunter gewälzt hat.
Bei allen denjenigen großen Flüssen, über die man keine Brücken hat anlegen können, hat die Regierung Anstalt getroffen, daß Reisende entweder in Booten übergesetzt, oder von dazu bestellten Leuten hindurch getragen werden.
Bei der gefährlichen Stelle, die wir jetzt zu passieren hatten, und wo weder Brücke noch Boot gebraucht werden kann, ist diese Vorsorge verdoppelt.
Hier sind Leute in Menge bestellt, die nicht nur den Grund genau kennen, sondern auch durch Übung gelernt haben, die Reisenden sicher durchzutragen.
Ihre Bezahlung steht mit der verschied·nen Höhe des Wassers, mithin auch der jedesmaligen Gefahr, im Verhältnis··.
Sie müssen aber auch mit ihrem Leben vor alles Unglück stehen.
Man bleibt in den Norimon sitzen, und wird so durchgetragen.
Für uns hatte dies etwas ganz schreckliches, obwohl das Wasser jetzt eben nicht hoch war, sondern den Trägern nur etwas über die Knie ging.
Mehrere Kerl trugen den Norimon auf beiden Seiten, und neben diese· gingen and·re, um sie zu unterstützen, damit sie von der Gewalt und dem reißenden Laufe des Stroms nicht fortgetrieben würden.
Als wir glücklich hindurch waren, teilte jeder von uns zwei Schnüre mit aufgereiheter Kupfermünze unter unsere Träger aus.
Zu Simada verweilten wir zwei Tage und Nächte.
Darauf kamen wir durch verschiedene Dörfer, als: Cetto, Fusida, Awuni, Okabe, Utsnoja und Mariko, dann über den Fluss Abikawa durch Futsjo und Guridama, nachdem wir an diesen Tagen über zehn Meilen gereist waren.
Am folgenden Tage mussten wir uns sehr früh auf den Weg begeben, weil wir dreizehn Meilen zurück zu legen hatten.
Wir reisten über Jesero nokaits, Okits no fraſawa, Jui, Kambara, den großen Fluß Fusikowa in Booten, Moto itſiban oder Siro Sakki, Josiwaro, Kasiwabara, Ipomats, Farra, Numatso und Kisigawa nach Misima.
Bisher waren wir an der Küste hingereist; bei Farra aber entfernten wir uns davon.
Hier fängt eine sehr gebirgige Gegend an, durch welche unser Weg ging.
Auch ist das Land hier reicher an Fichten und ander·n Baumarten.
Der Fluss Fusikowa ist ungemein gefährlich, und man kann nur an einer Stelle überkommen.
Er ist etwas tief; besonders aber ist er sehr breit und von so schnellem Lauf, daß die Ruderer mit aller Macht das Boot kaum schräg überbringen können.
Bei Josiwara waren wir dem Berge Fusi so nahe, als wir ihm auf unserer Reise kommen konnten.
Seine Gipfel hatten wir schon vor mehreren Tagen erblickt.
Er ist der höchste Berg im ganzen Lande, und fast das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt, daher seine weiße Spitze weit über die Wolken hervor scheint.
Die Japaner schätzen seine ganze Höhe auf sechs Meilen.
Seine Gestalt ist wie ein Rhinoceroshorn oder wie ein Zuckerhut, indem der Fuß sehr dick und breit, der übrige Teil aber sehr spitzig ist.
Die Landeseinwohner glauben, der Gott des Windes habe auf diesem Berge seine Residenz.
Wenn sie ihn besuchen, bringen sie ···········zwei Tage auf der Hinausreise zu.
Die Hi··n··r·eise geschieht gemeiniglich nicht so langsam, bisweilen so gar in Zeit von einigen Stunden, da sie denn sich gewisser dazu eingerichteter kleiner Schlitten bedienen, die aus Stroh gemacht sind, und vor den Leib gebunden werden.
Auf dieser Reise sahen wir am Wege verschiedene Knaben, die auf dem sandigen Boden ein Rad schlugen, und uns auf diese Weise eine ganze Strecke begleiteten, um Geld von uns zu bekommen, das wir ihnen denn auch in kleiner kupferner Münze hinwarfen.
Heute kamen wir nicht eher, als spät am Abend in voller Dunkelheit, mit Leuchten und Fackeln in unserem Nachtq·uartier· an.
Am folgenden Tage stand uns eine beschwerliche Reise über die so·genannten Fakonie-·Berge bevor.
Oben ruheten wir aus, und den ganzen Nachmittag gebrauchten wir, auf der ander·n Seite wieder hinunter zu kommen.
Auf dieser Reise ließ ich mich selten tragen, sondern so oft es sich tun ließ, ging ich die mit Büschen und wilden Bäumen reichlich bewachsenen Anhöhen zu Fuß hinauf: die einzigen, die ich außer denen um Nagasaki, habe besuchen und darauf botanisieren können.
Aber in eben dem·elben Verhältnis··, als ich meinen Trägern die Last erleichterte, machte ich den Dolmetschern, besonders den Unterbedienten, die mir wechsel·weise auf dem Fuße nachgehen mussten, die Reise lästig.
Ich hatte zwar nicht die Erlaubnis, mich weit vom Wege zu entfernen, weil ich mich aber auf den Afrikanischen Gebirgen vorhin so gut geübt hatte, die Klippen hinauf zu laufen, machte ich vor meinen, manchmahl ziemlich ängstlichen und keuchenden Begleitern, oft artigen Vorsprung, und gewann dadurch Zeit, eine ziemlich große Menge der seltensten Gewächse, die in Blüthe gekommen waren, zu sammeln und in mein Schnupftuch zu legen.
Auch in dieser gebirgigen Gegend war das Land an vielen Stellen sehr gut angebaut und bewohnt.
Von der Höhe des Berges kamen wir zuerst in das Dorf Fakonie.
Hier aßen wir zu Mittag, bestellten zu unserer Zurückkunft einige lackierte Sachen und and·re Handelswaaren, und besahen diese, so hoch auf einem weitläufigen Berge liegende schöne Stelle.
Unter ander·n ist hier ein ziemlich großer und fischreicher Landsee mit einer mitten darin belegenen Insel; er hat süßes Wasser und unter ander·n Fischarten auch Lachse, von denen wir nicht nur aßen, sondern auch eine Party· zum Räuchern bestellten, die wir mitnehmen wollten, wenn wir wieder durchreisten.
Strömlinge, diese in der Ost-See allenthalben, sonst sehr selten, vorhand·ne Heringsart, davon Kämpfer erzählt, daß sie auch hier befindlich sey, hatte ich nicht Gelegenheit zu sehen.
Das Dorf liegt am Ufer des Sees, welcher auf allen Seiten von Bergen umgeben ist.
Es besteht aus wenigstens hundert und fünfzig Häusern, ob es gleich so hoch hinauf liegt, daß das Erdreich umher wenig gebaut werden kann.
Der See soll eine Meile lang und eine Viertelmeile breit sein; mir kam er an einigen Stellen höchstens zwei Büchsenschüsse breit vor.
Er soll durch Erdbeben entstanden sein, dergleichen im ganzen Lande, besonders im nördlichen Teile, durchgängig und oft verspürt werden.
Dies ist um so viel glaublicher, da noch vom Boden des Sees durch Taub·en große, ehemals mit dem Lande selbst niedergesunkene Zedernbäume sind herauf·geholt worden.
Unter den schönsten und größten Bäumen, die ich hier sah, war der prächtige und unvergleichliche Lebensbaum (·Thuja dolabrata·), der allenthalben am Wege gepflanzt war.
Ich halte ihn für den schönsten von allen Nadelbäumen, nicht nur wegen seiner Höhe und seines geraden Stamms, sondern auch wegen seiner Nadeln oder Blätter, die beständig auf der oberen Seite grün, und auf der unteren silberweiß sind.
Da ich ihn nicht in Blüthe, auch keine Zapfen davon mit Samen fand, gab ich mir alle Mühe, durch die Dolmetscher und andere meiner Freunde mir etwas Samen und lebendige Pflanzen zu verschaffen, die ich hernach nach Holland geschickt habe.
Er hat weißes und weiches Holz, woraus die Japaner Zahnbürsten machen, womit man die Zähne scheuert und reinig·t, ohne den Zähnen selbst oder dem Zahnfleisch· im geringsten zu schaden, und welche eben so häufig, als Schwefelsticken verkauft werden.
···Die Berberis- oder Saurachſtaude (·Berberis·), so wohl die gewöhnliche (·vulgaris·), als die Cretische (·Cret··a·) wächst hier und steht jetzt in Blüthe.
An der Oſyris (·Oſyris Iaponica·) fand ich einen sonderbaren Busch.
Sie hat verschiedene kleine Blumen mitten auf den Blättern; eine in der Natur sonst so seltene Erscheinung.
···In den Gebüschen trifft man häufig die rau·e Deuzie ( Deozia scabra ) an, einen Strauch, der so starre Blätter hat, daß die Tischler ihn allgemein wie Winter Kannenkraut gebrauchen, damit zu bohnen.
···Da in diesem nördlichen und gebirgigen Teile von Japan das Land beträchtlich kalt ist, gibt es hier verschiedene Arten Bäume und Strauche·, die sonst in Europa zu Hause sind, wiewohl mir die Gattungen größtenteils neu waren.
So fand ich hier verschied·ne Arten Eichen, einige Gattungen der Preußenbeere (·Vaccinium·), Schwelken (·Viburnum·), Maßholdern (·Acer·), und eine wilde Art Birnen (·Pyrus Iaponica·).
In den Gärten so wohl hier, als in verschiedenen ander·n Gegenden traf ich auch mancherley Gewächse an, die theils zu Hecken gebraucht, theils um ihrer schönen Blumen willen gezogen wurden.
Dahin rechne ich verschied·ne neue Gattungen der Schwelken (·Viburnum·), so wohl mit gewöhnlichen als doppelten Blumen (·Flores radiati·), wovon einige völlig so aussahen, als der Schwediſche so genannte Schneeballen-Strauch, oder der gemeine Schwelken (·Opulus·).
Vom Spierkraut· (·Spirea·) wird das chamanderblattrichte (·chamaedrifolia·) und das gekerbte (·crenata·) zu Hecken gebraucht, wo es mit seinen schneeweißen Blumen sehr zum Zierrath gereicht.
Den dreiblättrigen Citronbaum (·Citrus trifoliata·), welcher ganz steife und fingerlange Zacken hat, braucht man nicht so häufig zu diesem Behuf.
Er blühete jetzt, obgleich die Zweige noch ganz kahl waren, und die Blätter kaum angefangen hatten, sich zu zeigen.
Die Frucht soll laxieren.
An Schönheit übertrifft nichts die prächtigen, und diesem Lande eig·nen Maßholdern oder Ahornbaume (·Acer dissectum, Japonicum, palmatum, septemlobum, pictum und trifidum·) die hier gezogen werden.
Sie fingen nun erst an, ihre Blumen zu zeigen.
Ich musste nur daher zu meiner Rückreise kleine, in Töpfe gesetzte Pflanzen davon bestellen, und diese hernach mit unglaublicher Mühe und Behutsamkeit, auch anseh·lichen Kosten, nach Nagasaki mitnehmen.
···Die schöne blumenprangende Gardenie (·Gardenia florida·), die ich hier so wohl mit doppelten als einfachen Blumen sah, und welche man anderwärts so selten antrifft, wird ebenfalls, wiewohl nur von sehr vornehmen Leuten in ihren Prachtgärten zu Hecken benutzt.
Die Samenkapseln davon werden in den Krambuden verkauft, und zu gelber Farbe gebraucht.
In den Gärten bau·t man hin und wieder auch Drachenwurz (·Arum dracontium·), Schlangenkraut (·Dracunculus·) und Zehrwurzel (·Dracontium polyhyllum·), wie auch essbaren Aron (·Arum esculentum·).
Die Wurzeln von allen diesen Gewächsen sind sehr scharf.
Die von der Zehrwurz wird von liederlichen Weibsperſonen gebraucht, die Frucht abzutreiben; aber die von der eß·baren ist, wenn sie von ihrer Schärfe gereinigt, und in Stücke geschnitten wird, eine gute und nahrhafte Speiſe.
Die Blumen der Zehrwurz sind groß, und haben einen Leichengeruch.
Zypressen oder so genannte Zedern (·Cupressus Iaponica·) wachsen in diesen Gegenden, und auch in den meisten übrigen Provinzen im Überfluss; nirgends aber finden sie sich, wie ich glaube, schöner und in größerer Menge.
Sie sind ohne Zweifel die schlanksten, geradesten und höchsten von allen Nadelbäumen.
Der Stamm geht in ganz gerader Linie in die Höhe.
Das Holz widersteht lange der Fäulnis, und wird nicht nur zu Schiffen, Brücken, und ander·n Wasserbauten gebraucht, sondern man macht auch allerhand große und kleine Tischlerarbeit daraus, die lackiert durch den Lackfirnis noch alle Adern zeigen.
Wenn es nun eine Zeit lang in die Erde gegraben und vom Wasser ganz durchdrungen wird, so bekommt es eine bläuliche Farbe; wird es alsdann mit durchsichtigem Lack überzogen, so nimmt es sich vorzüglich schön aus.
Es wird von hieraus in Menge in die übrigen Provinzen verführt.
In den bergigen Gegenden um Fakonie traf ich eine Art langer schmaler Eidechsen (·Lacerta Iaponica·) sehr häufig an.
Die Dolmetscher hielten sie für einen Meerstint (·Stincus marinus·), und die Japaner nennen sie in ihrer Sprache Sansjo no iwo.
Auch sah ich sie fast in allen Kramladen zu Kauf hangen.
Man trocknet sie, steckt eine hölzerne Pinne durch den Kopf· und reih·t mehrere darauf.
Sie werden zu Pulver gestoßen und als ein starkendes Mittel, wie auch gegen die Lungensucht, und bei Kindern gegen die Würmer gebraucht.
Endlich verließen wir diese schöne Stelle und reisten den Berg hinunter.
Ich ermangelte nicht, Blumen und Samen von den am Wege stehenden Gewächsen und Sträuche·n fleißig aufzusuchen und zu sammeln.
Unterwegs sahen wir sehr viele, von den Einwohnern zum Nutzen und zur Bequemlichkeit auf ihren Höfen und Acker· angelegte Wasserfälle und Wasserleitungen aus dem See.
Ehe wir am Fuße des Berges ankam··en, kamen wir bei einer Kaiserlichen Wache an, die uns in Gegenwart der dabei anwes·end·en Kaiserlichen Bevollmächtigten· genau visitierte.
Dies ist die zweite Wache, welche Reisende, die aus den westlichen Landschaften nach Jedo wollen, passieren müssen.
Die Lage und Beschaffenheit des Landes in dieser Gegend ist von der Art, daß man gar keinen ander·n Weg als diesen nehmen kann, sondern durchaus über den Berg Fakonie und durch diesen engen Paß, der nicht nur bewacht, sondern auch mit Thoren verschlossen wird, reisen muß.
Die Obliegenheit der Beamten ist besonders, genau dahin zu sehen, daß keine Waffen durch diesen Paß in den nord·östlichen Teil des Reichs, worin Jedo liegt, und keine Frauenspersonen, besonders solche nicht, die als Unterpfänder der Redlichkeit ihrer Männer in der Verwaltung ihrer Ämter, und ihrer Treue als Unterthanen des Kaisers, zu Jedo beständig in Verwahrung gehalten werden, aus diesem in den ander·n Teil gebracht werden.
Dieser Platz ist daher gleichsam eine Vormauer des nördlichen Teils, und der Hauptstadt.
Die Reisenden müssen hier ihre Päß·e vorzeigen; haben sie keine bei sich, so werden sie angehalten und nicht durchgelassen.
Nunmehr kamen wir durch die Dörfer, Fatta, Kawa batta, Jomoto und Kasamats.
Zu Odowara blieben wir die Nacht, nachdem wir fünf Stunden gereist waren.
Nicht weit von Jomoto soll, nach dem Bericht· der Dolmetscher, ein warmes Bad sein.
Hernach kamen wir zu einem großen, schnell fließenden Fluß·e, Namens Sa·kkawa, über den wir in platten Booten mit dünnen Böden· fuhren.
Von da reisten wir durch Misawa, Kosinks·f, Koiso, Firaska, über den Fluss Banningawa, durch Nango, Kwada, die Stadt Fusisawa, die an dem Flusse gleiches Nahmens liegt, und Fukanosikos nach der Stadt Totska, in allem elff Meilen.
In Totzka übernachteten wir.
Bis Fujisawa ging der Weg längs der Küste hin.
Der Banningawa ist einer von den größeren Flüssen.
Er fließt sehr stark und ist gefährlich.
Eine Brücke hat man gar nicht anlegen können.
Man lässt sich in eigentlich dazu eingerichteten flachen Booten übersetzen.
Hier endigen sich die gebirgigen Gegenden; dagegen öffnete sich uns eine Ebene, die weiter reichte, als das Auge sehen konnte.
Totska liegt von der Seeküste entfernt.
Das Land bildet hier eine ins Meer hervor springende sehr bergige Ecke.
Wir kamen aber bald wieder an die Küste, in deren Nähe wir bis zur Hauptstadt blieben.
Unsere letzte Tag·reise machten wir den 27. April, da wir ungefähr zehn Meilen bis Jedo hatten.
So wohl heute als gestern ging der Weg durch ein sehr volkreiches und cult·vi·rtes Land, wo Städte und Dörfer fast durchgängig in einer ununterbrochenen Reihe fortgehen, und wo große Scharen Reisende auf einander stießen.
Wir passierten Sinamo, Odagaia, Kanagawa, Surumi, Kawasak·i, den Fluss Rokogawa, Omuri, Obotoki, Okido und Sinagawa.
Die hiesige Küste hat hier und da Vorrath an Austern und eine große Menge mancher and·rer Arten ausgeworf·ner Conchylien, wovon ich aber keine bekommen konnte.
Auch sammelt man hier so wohl grüne als bräunliche Seegewächse aus den Geschlechtern des Tangs (·Fucus·) und des Watts (·Ulva·).
Man ··braucht sie zum Essen, ob sie gleich an sich sehr zäh sind.
Man spült sie wohl ab, daß das Salzige, der Sand und and·re Unreinlichkeiten abgehen, schneidet sie in kleine Stücke, wäscht diese nochmals, und handthiert sie so lange, bis sie in kleinen Kuchen zubereitet und gegessen werden können.
Sinagawa und Takanawa sind zwei Vorstädte von E·do.
Die erste·· fängt ganze zwei Japanische Meilen von der Stadt selbst an, und läuft an der Seeküste hin.
Wir rasteten hier eine gute Stunde, erf·ischten uns mit etwas Speise und Trank, und erfreuten uns an der schönen Aussicht, welche die größte Stadt des Reichs, die ohne Zweifel auch die weitläuf·igste auf dem ganzen Erdboden ist, mit ihrem schönen Hafen uns gewährte.
Der Hafen ist indes··· außerordentlich untief und schlammig.
Die größten Fahrzeuge liegen bisweilen volle fünf Meilen von der Stadt vor Anker; die weniger großen zwei Meilen, und die kleinen, nebst den Booten in verschiedenen Reihen neben einander zu vielen Hunderten, je nachdem sie groß und schwer sind, näher oder weniger nahe.
Diese Seichtheit des Hafens sichert die Stadt zwar vor feindlichen Angriffen zur See, legt aber dem Transport der Waaren von ander·n Orten unübersteigliche Hindernisse in den Weg.
Mit eben so neugierigen Augen, als wir die Stadt, den Hafen und die umliegende Gegend ansähen, wurden wir von den Japanern betrachtet.
Diese strömten von allen Seiten herbei, und formi·rten um uns, die wir in den Norimon eingeschlossen waren, ein ganzes Lager.
So gar befand sich vornehmes Frauenzimmer darunter, das sich in Norimon hatte hertragen lassen, und recht ungeduldig zu sein schien, wenn wir uns·re Rollen·· bisweilen niederließen.
Diese Sänften, so wie sie rund um uns her auf der Erde standen, schienen ein kleines Dorf für sich auszumachen, dessen kleine tragbare Häuser nach einer kleinen Weile verschwanden.
Als wir die aus einer einzigen Straße bestehenden Vorstädte Sinagawa und Takanawa zurück gelegt hatten, merkte ich an der Wache, der größeren Menge Menschen in den Straßen, der Stille unseres Gefolges und dem ordentlicheren Gange unser·· Träger, daß wir in der Hauptstadt selbst angelangt waren.
Nicht lange darauf kamen wir über eine Brücke, die Niponbas heißt, einige und vierzig Klafter lang ist, und von welcher die Wege nach allen übrigen Städten im ganzen Reiche abgemessen sind.
Nachdem wir vor den Wachhäusern beim Eingange in die Stadt vorbeigewesen waren, ging der Weg eine gute Stunde lang durch eine große und breite Straße, ehe wir in der gewöhnlichen Herberge der Holländischen Am·assade eintrafen.
Hier wurden wir durch die Hintertür hinein, und darauf durch einen schmalen Gang nach dem ander·n Ende des Hauses getragen.
Der erste Eintritt schien uns nicht viel großes und schönes zu versprechen.
Als wir aber die Treppe hinauf waren, fanden wir uns·re Zimmer ziemlich nett, obgleich nicht so anständig, als ich sie in Rücksicht auf eine förmliche auswärtige Ambaß·ade erwartet hatte.
Ein großes Zimmer machte unser Vorzimmer, unser·n Audienz-Saal und unser·n Speise-Saal aus.
Außer diesem stand nur noch eine besondere Kammer für den Ambaß·adeur, eine and·re, die abgeschaut werden konnte, für den Doctor und den Secretair, und ein kleines Gemach zum Baden, bereit.
Dies war alles, was wir zu unserer Bequemlichkeit hatten, und damit mussten wir uns die ganze Zeit über begnügen.
Die Aussicht ging nach einer kleinen Gasse, die selten leer von Jungen war, welche beständig jauchzten, und schrien, so bald sich nur einer von uns sehen ließ, und bisweilen so gar an den Wänden der gegen über stehenden Häuser hoch hinauf kletterten, um uns zu sehen.
So hatten wir denn mit Gesundheit und Vergnügen unsere weite Reise vollendet, und waren wohlbehalten in der, ganz im östlichen Teile des Landes liegenden Hauptstadt des ganzen Reichs angekommen.
Niemand als der Sekretär war krank gewesen; ihn hatte auf den Wasserreisen das Podagra geplagt.
Die Provinzen, durch welche wir gereist waren, waren vierzehn.
Omura, Fisen, Tsikungo, Tsikudsen, Budsden, Jammasiwo, Omi, Isi, Owari, Mikawa, Tootomi, Surunga, Sagami und Musafi.
Außer diesen waren wir zur See an den Küsten von acht ander·n hergefahren: Nagatto, Suwo, Aki, Bingo, Bitsju, Bidsen, Farima und Sidsju.
Unser Weg war an einigen Orten von demjenigen verschieden, welchen die Gesandtschaft zu Kämpfers Zeiten nahm.
Auch wurde hier und da ein and·rer Ort zum Ausruhen und zum Mittag·essen gebraucht, als damals.
Die Wasserreise, welche beynahe einen ganzen Monath dauerte, hielt uns ungewöhnlich lange auf, und machte, daß wir zu jeder später eintrafen, als je vorher geschehen sein mag.
Mir verschaffte dieser Umstand aber den Vorteil, daß der Frühling mehr zu Ende ging, und der Sommer näher heran rückte, und daher mehr Bäume und Gewächse in Blüthe standen, als ich sonst Gelegenheit gehabt hätt······e zu sehen und zu sammeln, wenn die Reise um einen Monat kürzer gewesen, und wir also auch um einen Monat früher nach Nangaſaki zurück gekommen wären.
Unterwegs hatte ich verschiedene von den Fürsten oder Befehlshabern des Landes, so wohl von den größeren und reicheren, als kleineren, mit einem angemessenen Gefolge auf ihrer jährlichen Reise nach der Hauptstadt und dem Kaiserlichen Hofe gesehen.
Wenige zurück kommende von ihnen begegneten uns; die meisten reisten hin.
Vor denen, welche von großem Ansehen waren, mussten wir, indem sie vorbei·zogen, still halten, wenn wir nicht vorher eine Herberge hatten erreichen können.
Wenn dann ihre Suite sehr groß war, hatten wir gewöhnlich auch den Verdruß, daß wir uns mit den schlechteren Logis behelfen mussten, besonders, wenn es sich traf, daß wir in solchen Gegenden zusammen stießen, wo nur kleine Dörfer vorhanden waren.
Ja so gar trug es sich einmal zu, daß wir in einer Stadt das schon bezogene Quartier wieder räumen, und uns nach einem vor der Stadt stehenden Tempel verfußen, und da selbst zwei Tage still liegen mußten, ehe wir genug Träger, Pferde und and·re Notwendigkeiten zur Fortsetzung unserer Reise bekommen konnten.
Nicht selten besteht die ganze Reisegesellschaft eines solchen Fürsten aus mehreren hundert, ja wohl aus ein bis zwei tausend Mann.
Dies ganze Heer zieht in förmlicher Ordnung einher.
Sie haben eine Menge Gepäcke bei sich, das theils von Menschen, theils von Pferden getragen wird.
Ihre Waffen und Fürstlichen Insignien werden allezeit vor ihnen hergetragen, einige in ziemlicher Entfernung, and·re dicht vor ihren Norimon.
Gemeiniglich werden auch ein oder zwei schöne Handpferde vor ihnen hergeführt.
Einige hatten auch einen oder mehrere, zur Jagd abgerichtete Falken bei sich, die an einer um den Fuß gebundenen Kette auf dem Arme getragen wurden.
Ferner wurden in der Nähe ihrer Säntgen verschied·ne große und kleine Kisten, Betten, Theegebräth; ja so gar von besonderen Bedienten Sonnenschirme, Fächer, Hut, Pantoffeln und dergleichen getragen, um alles so gleich bey der Hand zu haben.
Wo sie durchkamen, entstand tiefe und allgemeine Stille: die Leute auf und an den Wegen legten sich nieder, den Kopf gegen die Erde geneigt, um ihre Ehrfurcht zu erkennen zu geben.
Die Norimon-Träger trugen die Livree ihres Herrn, und alles war mit dem Wappen desselben bezeichnet.
Wenn sie uns vorbei·passierten, hatten sie gemeiniglich die Gardinen niedergelassen.
Nur hier und da einer hatte die Höflichkeit, sie aufzuziehen, und im Vorbeigehen uns zu grüßen.
Einige waren gar so artig, daß sie jemanden von ihrem Hofstaat· zu uns schickten, und uns Glück wünschen ließen.
Waren wir aber vorher an einem Orte angekommen, so hatten wir Gelegenheit, in einem für uns dazu bestellten Hause an der Hauptstraße den ganzen Zug vorbei·kommen zu sehen.
Die Gardinen waren alsdann gewöhnlich aufgezogen, und wir sahen den Fürsten in seinem Norimon sitzen, aber an Farbe und Ansehen allen ander·n Leuten völlig gleich, auch eben so gekleidet, und ohne seinen großen Hofstaat und prächtigen Aufzug von ander·n nicht zu unterscheiden.
So höflich wir auch, wenn wir an der Grenze des Gebiets eines solchen Fürsten ankamen, in ihrem Namen von besonders dazu abgeschickten Personen empfangen und complimentiert wurden, so hatten wir doch nirgends Erlaubnis, einen von ihnen zu besuchen, wenn wir gleich durch seine Residenz-Stadt reisten.
Eben so wenig bekamen wir von ihnen Besuch.
Jenes konnte deswegen nicht geschehen, weil es uns ange·nehm·e Geschenke gekostet haben würde.
Denn nach der Sitte des Landes müssen allezeit kostbare Geschenke voraus geschickt werden, ehe der Besuch abgestattet wird.
Das letztere hat auch seine Ursachen.
Einmal ist es verboten, um zu verheuthen, daß die Holländer mit den Fürsten im Reiche keine Bekanntschaft machen, die vielleicht in einer oder and·rer Rücksicht demselben nachtheilig sein könnte.
Dann lässt aber auch ihre eigene Hoheit es nicht zu; sie würden sich, wenn es geschehen sollte, in ihrer ganzen Hofpracht zeigen müssen.
Dessen ungeachtet widerfuhr uns doch einmal die eben so seltene als unvermutete Ehre, daß wir an einem Abend in unserem Logis von einem dergleichen Landesfürsten einen Besuch erhielten.
Er kam aber inkognito, und hatte nur zwei seiner Hofleute bei sich.
Er blieb eine gute Weile, sprach mit uns von allerhand Dingen, und schien eben so neugierig zu sein, als er ein artiger und höflicher Herr war.
Alles was wir von Europäischen Sachen bei uns hatten, besah er sehr genau und mit vieler Aufmerksamkeit, und er blieb mit seiner Unterredung nicht bei Japanischen Gegenständen stehen, sondern lenkte sie auch auf Europäische Materien.
Auf der ganzen Reise hatten wir nur wenig Regen.
Die Kälte war auch erträglich, ob wir gleich bisweilen in unser·n Zimmern einheitzen mussten.
Unsere Japaner hielten die Kälte besser, als das regnige Wetter aus, weil sie beständig mit bloßem Kopfe und nackten Füßen gingen.
Wenn es stark regnete, machten sie sich sehr ungern auf den Weg.
Dritte Abteilung.
Aufenthalt in der Hauptstadt E·do.
Gleich anfangs nach unserer Ankunft zu Jodo bekamen wir täglich Besuch von vielen Japanern.
Wir selbst hatten nicht anders Erlaubnis auszugehen, als zur Audienz.
Aber auch uns zu besuchen, hatte niemand die Freiheit als die, welche sie von der Regierung ausdrucklich erhalten hatten.
Anfänglich machten uns nur vornehme Herren und Gelehrte die Visite; hernach fanden sich auch Kaufleute und and·re ein.
Die allerersten waren fünf Ärzte und zwei Astronomen, die nach empfangener Erlaubnis vom Reichsrat·, auf eine sehr feierliche Weise kamen, um ihre Freude über unsere Ankunft zu bezeugen.
Der Ambaß·adeur, ich und der Secretair, nebst unser·n Dolmetschern und den übrigen Japanischen Oberb··edienten von uns·rer Gesellschaft, nahmen sie in unser·m Saale an, und unterredeten uns mit ihnen verschied·ne Stunden lang.
So bald die Complimente und das gewöhnliche allgemeine Gespräch vorbei waren, wandten alle sich mit ihren Fragen fast ganz allein an mich.
Sie hielten mich für bewandert in den Wissenschaften, worin sie über manche Materien Erläuterung wünschten.
Die beiden Sternkundigen hießen Sakaki Bonsin und Subokawa Sulo, und waren ernſthafte, etwas bejahrte Männer.
Ihre Erkundigungen betrafen meist die Verfinsterungen, welche sie, wie ich merkte, nicht auf Minuten, oft nicht einmal auf Stunden ausrechnen konnten.
Da unsere Fragen und Antworten allezeit durch den Mund der Dolmetscher gehen mussten, trat nicht selten der Fall ein, daß wir einander nicht deutlich verstehen konnten.
Dazu kam, daß ich selbst nicht solche astronomische Kenntnisse besaß, als ich wünschte, und daß weder sie noch ich Bücher zur Hand hatten, die uns hätten behilflich sein können.
Mit den Ärzten war die Unterredung viel leichter.
Zwei von ihnen verstanden selbst das Holländische etwas, und die Dolmetscher sind überall in der Arzneiwissenschaft nicht unerfahren.
Die Ärzte will ich doch näher beschreiben.
Einer hieß Okada Jeosin, ein Mann über siebzig Jahr.
Er führte meist immer das Wort.
Unter ander·n verlangte er vom Krebs, Beinbruch, Nasenbluten, Geschwüren, Phimosis, Wunden im Halbe, Zahnschmerzen und der goldenen Ader vieles zu hören.
Ihn begleitete gewöhnlich ein junger Mann, Kuriüsuki Dofa.
Zwei and·re, Amano Reosjun, und Fokusmoto Dosin verhielten sich gemeiniglich nur als Zuhörer.
Diese vier wiederholten ihren Besuch nicht oft, legten ihn auch in der Folge nicht feierlich, sondern privatim bei mir ab.
Zwei and·re aber kamen nicht nur alle Tage zu mir, sondern blieben auch zum öfter·n spät in der Nacht, um sich von mir in der Physik, Ökonomie, besonders aber in der Botanik, Chirurgie und Medizin, Wissenschaften, die sie sehr liebten, unterrichten zu lassen.
Einer von ihnen, Namens Katfragawa Fosju, war Leibarzt des Kaisers, dessen Wap·en er auch auf seinen Kleidern trug, ein ganz junger lebhafter Mann, ein guter Kopf und dabei von gutem Gemüths-Charakter.
In seiner Gesellschaft war allezeit einer seiner Freunde, Nakagawa Sunnan, etwas älter, und Leibm·edicus im Dienste eines der vornehmsten Fürsten des Landes.
Beide, insonderheit der letztere, sprachen das Holländische ziemlich gut, und besaßen einige Einsicht in die Mineralogie, Zoologie und Kräuterkunde, und überhaupt in die Naturgeschichte, die sie teils Chinesischen und Holländischen Büchern, teils den Holländischen Ärzten, die ehemals hier gewesen waren, zu verdanken hatten.
Sie waren beide unbeschreiblich freundschaftlich, dienstfertig und lernbegierig.
Sie suchten mich um so viel mehr zu benutzen, da sie bei mir Kenntnisse, die sie vorher bei ander·n vermißt hatten, zu finden glaubten, und da lange vor uns·rer Ankunft durch die Dolmetscher das Gerücht sich hierher verbreitet hatte: dies Jahr würde ein Holländischer Doctor nach Jedo kommen, der gelehrter wäre, als die, freilich oft sehr unwissenden, Feldscher·, die man hier zu sehen gewohnt ist.
Diese bereits zum voraus gefasste gute Meinung von mir wurde durch die vortrefflichen chirurgischen Instrumente, welche ich von Paris und Amsterdam mitgenommen hatte, noch mehr erhöh·t.
Manchmal wurde mir ihr unablässiges Fragen wirklich zur Last, dies abgerechnet aber brachte ich in ihrer Gesellschaft viele angenehme, unterhaltende, mit unter für mich so gar lehrreiche Stunden zu.
Sie brachten oft, bald zum Geschenk, bald zum Besichtigen, kleine Sammlungen von Droguen, Mineralien und frischen Kräutern, theils mit, theils ohne Blüthe mit.
Die Kräuter trocknete und ···wahrte ich.
Sie lehrten mich ihre Japanischen Nahmen, und den Gebrauch, den man hier zu Lande davon macht; ich sie dagegen die Lateinischen und Holländischen Benennungen, und den zweckmäßigeren Gebrauch, den die Europäer davon machen.
Ihre Hauptbücher in der Botanik waren Jonstons historia naturalis und Dodonaeus Herbarium; in der Medizin, Wojts Schatzkammer, die sie von den Holländern gekauft hatten.
In der Wundarztneykunſt gebrauchten sie die Holländische Übersetzung vom Heister.
Ich verkaufte ihnen außer ander·n Büchern auch eine sehr schöne Ausgabe von Muntings Kräuterbuch·.
Die hiesigen Ärzte unterschieden sich übrigens von ander·n Leuten dadurch, daß sie entweder alles Haar auf dem ganzen Kopfe, oder ganz und gar nichts davon abgeschoren hatten; bekanntlich scheren sonst die Japaner einen Theil des Haars ab.
Wir waren nicht lange zu Jede gewesen, als wir unter die Leute von unserem Gefolge ansehnliches Trinkgeld austheilen mussten.
Unser Aufwärter bekam vier Thaler, die Norimon-Träger drey, die Handlanger bey den Norimon auch drey, und zwey and·re Bediente drey Thaler, 7 Mas, 5 Konderin.
Mai war zu unserem Audienz-Tage angesetzt.
Die Bestimmung dieses Tages geschieht nie vor der Ankunft zu Jedo.
Früh Morgens waren wir schon fertig, in unserem besten Schmuck uns, nach reichlich genossenem Frühstück in uns·re Norimon zu setzen, und uns nach dem Kaiserlichen Palaste tragen zu lassen.
Wir hatten europäische Kleidung an, aber von kostbaren seidenen Stoffen, und entweder mit Silber durchwirkt, oder mit goldenen Tressen besetzt.
Auch gehörte zur Festlichkeit des Tages, daß wir den Degen, und einen sehr weiten, schwarzen seidenen Mantel, den gewöhnlichen Predigermänteln ähnlich, anlegten.
Die sämtlichen Geschenke, so wohl für den Kaiser, als den Kronprinzen, die Reichsräthe und übrigen Beamten, waren bereits hingeschickt, und in den Zimmern, wo wir Audienz haben sollten, an den Seiten in Ordnung gelegt.
Eine ziemliche Weile wurden wir durch die Stadt getragen, ehe wir in denjenigen Teil derselben kam·en, der die Residenz des Kaisers enthält.
Dieser macht an sich selbst schon eine anseh·liche Stadt aus, und hat fünf Meilen im Umkreise.
Er enthält den Palast des Kaisers und den des Kronprinzen, welche durch breite Gräben, Mauern, Tore und and·re Befestigungswerke von einander abgesondert sind.
In der äußeren Citadelle, welche die größte von allen ist, sind große, schöne Straßen, mit hübschen und großen Häusern, welche den Fürsten und Prinzen des Reichs, den Reichsräthen und ander·n hohen Staats- und Hofbeamten gehören, und worin auch die zahlreichen Familien derselben, die ebenfalls das ganze Jahr über sich am Hofe aufhalten müssen, wohnen.
Beim ersten Thore sahen wir schon eine sehr starke Wache; die aber beim zweiten besteht täglich aus tausend Mann.
Ehe wir in dieses Thor kamen, stiegen wir aus.
So bald wir hindurch waren, wurden wir in ein Zimmer geführt, wo wir eine ganze Stunde warten mussten, ehe wir uns in den eigentlichen Palast des Kaisers begeben durften.
Endlich bekamen wir denn Erlaubnis, uns demselben zu nähern.
Wir gingen durch eine lange Reihe bewaffneter und gut gekleideter Soldaten, die zu beiden Seiten bis an die Schloßthüre aufgestellt waren.
Das eigentliche kaiserliche Schloss steht auf einer Anhöhe, hat zwar nur ein einziges Stockwerk, ist aber doch viel höher als and·re Häuser, und nimmt einen sehr großen Platz ein.
Man führte uns so gleich in ein Vorgemach, wo wir abermals eine gute Stunde warten mussten.
Die Japanischen Ober-Bedienten von unserem Gefolge setzten sich an der einen, und die Holländer nebst den Dolmetschern an der ander·n Seite.
Wir Holländer mussten uns ebenfalls auf Japanische Art setzen.
Das war uns nun zwar äußerst lästig; als wir es aber nicht länger aushalten konnten, warfen wir die Füße auf die Seite, und bedeckten sie mit unser·n großen Mänteln, die uns hie·bey gar wohl zu Statten kamen.
Die Zeit, da wir hier warten mussten, wurde uns gar nicht lang, weil immer eine sehr große Menge Menschen herein und heraus strömte, um uns in Augenschein zu nehmen, und mit uns zu sprechen.
So gar einige von den Fürsten des Reichs besuchten uns.
Zwar kamen diese incognito, wir konnten aber doch aus dem Gemurmel, das in den inneren Zimmern anfangs auf einige Augenblicke entstand, und aus der Stille, die darauf folgte, allezeit merken, daß es ein Fürst war, der herein kam.
Ihre Neubegierde in allen Dingen ging sehr weit; am stärksten aber äußerte sie sich in Ansehung unserer Art zu schreiben.
Man hat uns daher, entweder auf ein Stückchen Papier, oder auf ihre Fächer etwas zu schreiben.
Einige zeigten uns auch Fächer, worauf Holländer vorher etwas geschrieben, und die sie als eine große Rarität sorgfältig aufgehoben hatten.
Endlich kam der Augenblick, da der Abbaß·adeur Vortritt haben sollte.
Die Ceremonie hie·bei war von derjenigen ganz verschieden, die vor hundert Jahren zu Kämpfers Zeit gebräuchlich war.
Der A·bassado·r wurde in das Zimmer des Kaisers geführt.
Wir Übrigen blieben auf unser·n Plätzen, bis er nach einer kleinen Weile zurück kam.
Nach seiner Zurückkunft mussten wir wieder eine ziemliche Zeit im Vorgemache verweilen, um Besuche und Fragen von verschiedenen Hofleuten anzunehmen, bei deren Ankunft verschiedene Mahl ein allgemeines und tiefes Stillschweigen entstand.
So gar der Kaiser selbst fand sich auf diese Art incognito bei uns ein, um die Holländer und ihre Kleidertracht genauer zu besichtigen.
Unsere Dolmetscher und Japanischen Oberb·edienten hatten sich alle Mühe gegeben, durch ihre Freunde von allem Nachricht einzuziehen, und durch sie wussten wir denn auch alles.
Der Kaiser ist ein Mann von mittlerer Größe und starker Leibes-Konstitution, und schien ein Alter von einigen und vierzig Jahren zu haben.
Als endlich alle Besuche vor·beuter waren, bekamen wir Erlaubnis, verschiedene Zimmer im Palaste, und selbst das Audienz Zimmer zu besichtigen.
Der A·bgeordnete war aus dem Vorzimmer über eine lange, mit Brettern belegte Diele hinein geführt worden, worauf sich eine große Schiehetür· geöffnet hatte.
Das innere Zimmer besteht gleichsam aus drei Zimmern, von denen das eine immer eine Stufe höher, als das and·re ist.
Jedes hat eine Länge von ungefahr zehn Schritten, so daß der Abstand zwischen dem Kaiser und unser·m Gesandten etwa dreißig Schritt betragen mochte.
In dem innersten nämlich befindet sich der Kaiser bei der Audienz und zwar stehend, nebst dem Kronprinzen, der ihm zur Rechten steht.
An der rechten Seite dieses Zimmers ist ein großer Saal, dessen Fußboden mit hundert Matten bedeckt ist, wovon er auch der Hundert-Matten·aal heißt.
Er hat drei hundert Ellen in der Länge, und hundert und fünfzig in der Breite, und ist für die höchsten Beamten, Räte und Fürsten des Reichs bestimmt, die bei solchen feierlichen Gelegenheiten alle nach Rang und Würden ihre Plätze in demselben einnehmen.
An der linken Seite im Audienz-Zimmer selbst standen die Geschenke teils aufgestellt, teils in Haufen gelegt.
Die ganze Audienz besteht übrigens bloß darin, daß der Ambaß·adeur, so bald er ins Zimmer getreten ist, auf die Knie niederfällt, die Hände auf die Matte legt, und den Kopf gegen die Erde beugt, alles auf gleiche Art, als die Japaner selbst ihre Unterthänigkeit und Ehrerbietung bezeugen.
Darauf steht er auf, und wird genau den vorigen Weg ins Vorgemach zurück geführt.
Die übrigen Zimmer, welche wir besahen, hatten keine Möbel·.
Der Fußboden war mit großen und sehr weißen Strohmatten belegt; die Leisten und Türen schön lacki·rt und der Beschlag sehr stark vergoldet.
Wie wir uns allenthalben umgesehen hatten, wurden wir in den Palast des Kronprinzen geführt, der gleich neben dem Kaiserlichen steht, und nur durch eine Brücke davon getrennt wird.
Hier wurden wir von Seiten des Kronprinzen, der jetzt nicht zu Hause, sondern noch beim Kaiser war, entgegen genommen und complimenti·rt, und darauf wieder zu unser·n Norimon begleitet.
Der Tag war schon größtenteils verstreichen, und uns hungerte sehr, weil wir seit dem Frühstück nichts genossen hatten.
Nichts desto weniger mussten wir heute noch bei allen Reichsräthen, so wohl den sechs ordentlichen, als den sechs außerordentlichen, und zwar in eines jeden eigenem Hause, Besuch ablegen.
Da indes die· diese Herren noch nicht vom Hofe zurück gekommen waren, wurden wir von ihren Bevollmächtigten auf die artigste und höflichste Weise empfangen, und auch von ihren Damen und Kindern in Augenschein genommen.
Jede Visite währte eine halbe Stunde.
Meistens wurden wir in einem großen Saale angenommen, und zwar auf einem solchen Platze, daß man uns durch dünne Gardinen von allen Seiten sehen konnte, ohne daß wir jedoch das Glück haben konnten, die Schönheiten des Hofes zu sehen.
Nur einmal waren wir so glücklich, daß die Damen sich sehen ließen, die Gardinen weggezogen, und wir so gar erſucht wurden, weiter ins Zimmer hervor zu treten.
Gewöhnlich wurden wir von zwei vornehmen Beamten empfangen, allenthalben aber mit gekochtem grünen Thee, Tobak und Confect bewirthet, welches alles auf besonderen kleinen Tischen, und für jeden besonders, vorgeleg·t wurde.
Bisweilen tranken wir von dem Thee eine Tasse; den Tabak aber rührten wir nicht an, und den Confect nahmen unsere Dolmetscher mit nach Hause.
So langweilig es war, sich so von einem Hause zum ander·n tragen zu lassen, so hatte ich doch unterwegs einen Anblick, der so groß und schön war, daß er mir immer lebhaft vorst··ehen wird.
Von einer Anhöhe, wo wir still hielten, übersah ich die ganze unermessliche Stadt, deren Umfang, nach Angabe der Japaner, ein und zwanzig Meilen, das ist ungefähr eben so viele Stunden zu gehen beträgt.
Jetzt war es Abend, und wir kamen müde und hungrig in unserem Quartier· wieder an.
Am folgenden Tage mussten wir die so·genannten Tempelherren, die beyden Gouverneure der Stadt und die beyden Kommissarien über die Fremden, besuchen.
Hierauf gingen nur wenige Tage hin, als wir beim Kaiser und dem Kronprinzen schon unsere Abschieds-Audienz bekamen.
Sie ging den 23. Mai in größter Eile, und zwar nur in Gegenwart ihrer dazu verordneten Räte vor sich.
Die folgenden Tage wandten wir dazu an, die Geschenke entgegen zu nehmen, und uns zu der bevor·stehenden Abreise anzuschicken.
Die weiten seidenen Röcke (·die Holländer nennen sie Schlafrocke·), welche der Kaiser und der Kronprinz schenken, werden bey der Abschieds-Audienz uebergeben; die Geschenke der uebrigen Großen aber nach dem Logis der Holländer geschickt.
Jeder von den ordentlichen Reichsräthen schenkt am Tage nach der Abschieds-Audienz zehn solche Japanische Talare, jeder von den außerordentlichen sechs; jeder Tempelherr fünf, jeder Gouverneur fünf, jeder Kommissarius und der Statthalter von Nangaſaki zwey.
Sie sind von dem feinsten Japanischen seidenen Zeuge gemacht, sehr weit, reichen bis auf die Füße, haben große weite Ärmel nach Japanischer Art, und sind theils mit seidenen, theils baumwoll·nen Watten ausgestopft.
Unser Banjo· bekam deren zwei, ich und der Sekretär jeder auch zwei, und der Gesandte behielt für sich vier.
Das Zeug ist entweder schwarz, oder auf verschiedene Art geblümt.
Die übrigen blieben für die Oſtindiſche Compagnie, und wurden für jede in Europa befindliche Kammer derſelben eingepackt, und hernach von Batavia nach Holland geschickt.
Die Witterung war während der sechs und zwanzig Tage unseres Aufenthalts zu Jedo nicht die beste.
Die meiste Zeit hatten wir feuchtes, und am Tage trübes Wetter; manchmal Staubregen, manchmal starken Regen, entweder Vormittags oder Nachmittags.
So ungeheuer groß und weitläufig die Stadt E·do ist, eben so volkreich ist sie auch.
Besonders strömt hier eine unzählige Menge Fremder aus allen Teilen und Gegenden des Reichs zusammen.
Jede Haushaltung hat zwar ihr eig·nes Haus, und die Häuser sind nur ein oder zwei Stockwerke hoch; indes··· wohnen doch viele bey einander, und packen sich in ein Haus zusammen.
Nach der Gasse sind allezeit Werkstätten und Buden.
Vor jenen hängt gemeiniglich ein großes Laken, das sie entweder ganz oder doch zum Theil verdeckt, damit man von der Straße nicht gut sehen möge, was gearbeitet wird.
In den Kaufman·släden aber sieht man Muster und Proben beynahe von allem, die so gleich vorgezeigt werden.
Die Straßen, wenigstens die vornehmsten, sind sehr lang und breit; die Breite beträgt oft vierzig bis fünfzig Ellen.
Die Stadt wird, wie Nagasaki, von zwei einander wechsel·weise ablösenden Gouverneuren, einigen Bürgermeistern, und vielen Ottona, das ist Aufsehern oder Vorgesetzten, deren über jede Straße einer ist, regiert.
Die Häuser sind, wie in ander·n Städten, mit Dachpfannen gedeckt; die obere Etage wird selten bewohnt.
Die Fürsten und Prinzen des Landes haben nicht nur in der ersten Citadelle ihre gewöhnlichen Palais für ihre Familien, sondern auch in der Stadt selbst in verschiedenen Gegenden eigene Häuser, um bei Feuersgefahr allezeit eine gewisse Zuflucht zu haben.
In allen Japanischen Städten sind vortreffliche Feueranstalten, und überhaupt die besten Anstalten zur Verhütung von Unglücksfällen.
Allenthalben sind sichere, aufmerksame und hinreichende Nachtwachen vorhanden, die schon früh des Abends, so bald es nur dunkel wird, umher gehen, und sich die Nacht hindurch vielfältig hören lassen.
Zu jeder sind diese Wachen doppelt.
Die eine zeigt nur an, was die Uhr ist.
Dies geschieht vermittelst zweier Stücken Holz, die gegen einander geschlagen werden, und dies Schlagen tun sie fast in einem fort, fast bei jedem Hause; die beiden letzten Schläge folgen dicht auf einander, zum Zeichen, daß man nicht mehr zu erwarten hat.
Solcher Wachen sind beynahe für jede Straße eine.
Die and·re ist die eigentliche Brandwache.
Man kennt sie daran, daß sie einen geklobt·en Bambus-Stock, oder eine, oben mit einem Ringe versehene eiſerne Stange auf der Straße hinter sich her schleppt, welches einen eigenen sehr unangenehmen Laut gibt.
Am Ende einer jeden Straße, da, wo sie mit Toren verschlossen werden kann, ist allezeit eine hohe Leiter, wo die Wache hinauf·steigen kann, um zu sehen, ob irgendwo Feuer ist.
Oben auf jedem Hausdach· ist ein mit einem Geländer eingeschlossener vierseitiger Platz, wo jederzeit ein Gefäß mit Wasser steht, das bei entstehender Feuersbrunst so gleich zur Hand ist.
An sehr vielen Stellen sind in der Nähe der Häuser feuerfreie steinerne Packhäuser aufgebaut, wo Waren und Möbel· sicher hingebracht werden können.
An den Seiten der selben sind mehrere eiserne Haken eingemauert, an denen man nasse Matten aufhängen kann, um die Verbreitung des Feuers zu hindern.
Da die Häuser leicht Feuer fangen, trägt es sich hier oft zu, daß eine Feuersbrunst entsteht, und ganze Reihen von Häusern und Straßen in die Asche legt.
Während unseres hiesigen Aufenthalts kam einigemahl Feuer aus, das aber geschwind gedämpft wurde.
Unser Ambaß·adeur erzählte aber von einem schrecklichen Brande, der sich bei seiner Anwesenheit im Jahr 1772 zugetragen hatte.
Das Feuer brach des Mittags aus, dauerte bis den ander·n Tag Abends um acht Uhr, und griff so weit um sich, daß eine Strecke von sechs Meilen in die Länge und drei in die Breite verwüste·t wurde.
Bei dieser Gelegenheit brannte das Haus, wo die Holländische Gesandtschaft zu logieren pflegt, auch ab, und die Holländer mußten sich in einer Nacht dreimal nach einem ander·n Hause, und zuletzt nach einem Tempel begeben.
Unter ander·n Merkwürdigkeiten, die man uns zu Jede zeigte, war auch ein junger Wolf, der in den nördlichsten Gegenden gefangen, und als ein seltenes Tier hie·her gebracht war.
Die Leute in der Stadt kannten dies Tier gar nicht, und man machte uns eine so wunderliche Beschreibung davon, daß unsere Neugier, es zu sehen, sehr hoch gespannt wurde.
Wir gingen dahin, wo das sonderbare Tier zu sehen war, und siehe, es war ein kaum halb ausgewachsener Wolf.
Lustig war es zu sehen, wie sorgfältig man das arme Tier, dem selbst weit mehr bange war, als daß es gefährlich sein konnte, um den Leib und an den Füßen fest gebunden hatte.
Als ich erzählte, solche Tiere liefen in meinem Vaterlande scharenweise umher, würden sehr groß und taten viel Schaden, wurde den Japanern gar Angst.
Eines Tages kam eine von ihrem Manne verstossene Frau, nach dazu erhaltener Erlaubnis, zum Ambaß·adeur, um zu betteln.
Sie hatte sich alle Haare ganz abscheren lassen, und ging mit völlig kahlem Kopfe, ohne ihn mit irgend etwas zu bedecken: ein gar seltsam auffallender Anblick.
Man sagte uns, dies geschehe allezeit, wenn eine Frau aus einer oder der ander·n Ursache von ihrem Manne geschieden worden ist.
Die beyden Hof-Medici, meine lieben Schüler, die mich fast täglich besuchten, hatten durch meine unverdrössne Bemühung so wohl, als durch eigenen ununterbrochenen Fleiß in der Arzneykunſt, besonders demjenigen Theile derselben, der die Krankheiten kennen und beurteilen lehrt, anseh·liche Fortschritte gemacht.
So gar hatten sie durch Benutzung meines Raths angefangen, bei ihren Patienten solche Mittel, als wir Europäiſchen Aerzte gebrauchen, und wovon sie sich einen kleinen Vorrath verschafft hatten, anzuwenden, um dadurch glückliche Curen zu verrichten.
Da es nun bekannt wurde, daß ich es sehr oft war, der die zu gebrauchenden Mittel vorschrieb, so wurde ich auch einmal in Betreff eines sehr vornehmen Patienten am Kaiserlichen Hofe, um Rat gefragt.
Als ich aber wünschte, von dem Geschlechte, Alter und ander·n einem Arzte zu wissen nöthigen Umständen des Kranken benachrichtiget zu werden, benahm man sich so geheimnisvoll, daß es mir unmöglich war, etwas zu verordnen.
Bekanntlich lassen die Vornehmen sich äußerst selten vor den eigenen Einwohnern ihres Landes sehen, noch viel weniger von Fremden, und die zur Kaiserlichen Familie gehörigen Personen sind oft so unbekannt, daß sehr wenige Leute im ganzen Reiche den Namen des regierenden Kaisers eher, als nach seinem Tode, zu wissen bekommen.
Anfangs drang ich zwar darauf, mit dem Kranken selbst zu sprechen, und ihm die nötigen Fragen zu tun.
Der Gefahr wegen, worin derselbe war, wäre mir dies vielleicht auch geglückt.
Allein man hätte doch dabei die Vorsicht beobachtet, mich nur im nächsten Zimmer bleiben zu lassen, und dabei noch die Gardinen vorzuziehen.
Ich hätte ihn also doch weder sehen, noch nach dem Pulse fühlen können.
Da mir also jenes nichts he··lfen ······würde, nahm ich den Ausweg, durch die Dolmetscher und meine Schüler ganz von fern die Umstände zu erforschen, welche ich schlechterdings wissen musste.
Darauf konnte ich denn endlich dienſame Mittel verordnen, und der vornehme Patient, der, so viel ich aus allen Umständen ſchließen konnte, eine von den Kaiſerlichen Prinzeſſinnen war, wurde sehr bald wieder hergestellt.
Vor meiner Abreise ersuchten mich meine, in der Europäischen Praxis nun ziemlich unterwießen·· und geübten Schüler, um ein schriftliches Zeugnis von dem genossenen Unterrichte und ihren Fortschritten.
Ich gab es ihnen, und zwar in Holländischer Sprache.
Sie wurden so erfreuet, und zugleich so stolz darauf, daß gewiß weder ich, noch irgend ein and·rer so eben erfreu·ter Doctor, uns auf unser·n herrlichen Doctor-Hut und das gedruckte Diplom mehr zu gut getan haben.
Ich hatte das Glück gehabt, mir ihre Liebe und Freundschaft in so hohem Grade zu erwerben, daß sie nicht nur gegen meine Kenntnisse und das Wohlwollen, womit ich sie unterrichtete, Hochachtung hegten, sondern mir auch mit dem wärmsten Herzen zugetan waren, und über meine Abreise betrübt wurden.
Ich habe auch hernach verschied·ne Jahre hindurch so wohl mit ihnen, als mit meinen Freunden unter den Dolmetschern, nicht allein Briefwechsel unterhalten, sondern ihnen auch verschied·nes, was ihnen angenehm sein konnte, zum Geschenke geschickt, und dagegen allerley Samen für den botanischen Garten zu Upsala, und verschied·ne merkwürdige Sachen für die akademische Naturaliens·ammlung zurück erhalten.
Unter den Gewächsen und Bäumen, die ich zu Jedo sah, und die ich anderwärts im Lande nicht gesehen hatte, waren folgende: schwarze Wallnüsse ( luglans nigra ); achte Castanien ( Fagus castanea ), die ich doch hernach zu Miako antraf; der wahre Alant ( Inula helenium ), dessen aromatisches Wurzel zur Stärkung des Magens gebraucht wird, und uns·re gewöhnliche Tanne oder Rothtanne ( Pinus abies ), davon ich auf dem Wege nach der Kaiſerlichen Burg verschiedene Bäume ansichtig wurde.
Auch zeigten mir die Dolmetscher eine Wurzel, vermutlich von einer Art Farrenkraut (·Filix·), welche sie Jaboki nannten, und die quer durchschnitten eine sternartige Figur zeigt, die von ihnen für etwas besonderes gehalten wird.
Ehe ich mich von Jodo trennte, konnte ich nicht umhin, zu erfahren zu suchen, theils was wenige Japaner selbst erfahren, den Nahmen des Monarchen, dessen Hof zu besuchen ich die seltene Ehre genoſſen hatte; theils die Nahmen der sämtlichen, so wohl geistlichen als weltlichen Regenten, welche seit Kämpfers Zeit dies gesegnete Land, dies glückliche Volk beherrscht haben.
Die Schwierigkeiten hie·bei kannte ich, und an jedem ander·n Orte als hier, wo meine vertrauten Freunde mir dazu behilflich sein konnten, wäre es mir durchaus unmöglich gewesen, einige Kunde davon zu bekommen.
Ich hielt mich daher für nicht wenig glücklich, und bildete mir gar viel darauf ein, als ich einige Tage vorher, ehe wir die Hauptstadt verließen, ein Verzeichnis erhielt, das für kein Geld zu bekommen ist.
Minamoto no Je Faru Koo ist der Na·me des damals regierenden weltlichen Kaisers oder Kubo, der zugleich vom Dairi, welchem es zukommt höhere Titel zu ertheilen, folgende Bezeichnungen bekommen hat:
S·o sie ·sich die neue Datsein Sakonje no tai· sie Zei· sie tai· Si·ogun.
Minamoto ist der Familienn··a·me, Je Far der persönliche Na·me, und Koo heißt Herr, wird aber nur hohen Personen beygelegt, ungefaähr wie das Französische Seigneur.
Sein Alter war damals drei und vierzig Jahr.
Der Kronprinz hieß Minamoto no Je Moto Koo, und mit dem vom Dairi ihm beigelegten Titel:
Su nie jem·a··nd···; er war etwa zwölf Jahr alt.
Vierte Abteilung.
Rückreise von Jodo nach Dezima.
Unsere Abreise von Jodo war auf den 25.
Mai angesetzt.
An diesem Tage mussten wir sie auch unabänderlich antreten, weil der 13. Sig·ats, oder der 30.
Mai, zur Reise des Kaisers nach dem Tempel zu Niko bestimmt war.
Dieser Tempel ist sehr groß, liegt sechs und dreißig Meilen von Jedo ostwärts, und jetzt sollte daselbst ein großes Fest gefeiert werden.
Schon vor drei Jahren hatte man diese Reise vorgenommen, es wurden auch bereits große Anstalten dazu gemacht; sie war aber von einem Jahr· zum ander·n aufgeschoben.
Da so wohl der Monarch, als alle Fürsten im Reiche, völlig eben so gekleidet sind, und ihr Haar eben so tragen, als alle and·re Einwohner des Landes, auch weder durch Thron, Juwelen, noch dergleichen etwas sich auszeichnen, mithin von ander·n gar nicht unterschieden werden können, so haben sie ein anderes Mittel ausfindig gemacht, sich zu unterscheiden.
Dies besteht darin, daß sie nach Verhältnis ihres Standes und ihrer Würde auf Reisen und bey feierlichen Gelegenheiten sich von einem ungeheuer großen Gefolge von Beamten, Bedienten mancherley Art und ander·n Leuten, die um sie herum wimmeln, sehen lassen.
Kein Wunder daher, wenn zur Reise des Obersten Landes-Regenten ungewöhnlich große Zurüstungen gemacht wurden.
An den Landstraßen sollten neue Häuser gebaut werden, um darin am Tage auszuruh·n und des Nachts zu logieren.
Alle nur er sinnliche Bedürfnisse und Bequemlichkeiten sollten an Ort und Stelle vorher in voll··er Bereitschaft sein.
Jeder sollte so wohl vorher als während der Reise auf seinem Posten äußerst aufmerksam sein.
Während der Abwesenheit des Kubo sollte die Kaiserliche Zitadelle dem Fürsten der Landschaft Mito, und die Regierung zugleich einigen Reichsräthen anvertrau·t werden.
Über das ganze Land war bereits der Befehl ergangen, allenthalben die genaueste Sorge zu tragen, dass Feuersbrunst, Aufruhr und ander·n Unglücksfällen vorgebeugt würde.
Die zur Bestreitung der Kosten dieser Reise angeschlag·ne Summe belief sich auf 280.000 Kobang, oder 1.680.000 Thaler.
Ein Teil dieses Geldes wurde unter die Reichsräthe, Land·es-Befehlshaber und and·re, welche mitreisen sollten, verteilt.
Die Reise selbst sollte in drei Tagen zurück·gelegt werden; den ersten Tag nach der Ankunft Ruhetag sein; am 17. Siguats oder den 3. Junius das Fest gefeiert werden, und Tages darauf die Rückreise den Anfang nehmen.
Bei unserer Abreise von E·do sahen wir bereits zahlreiche Vortruppen jenes Heers vorauf ziehen.
Drei Tage vor des Kaisers Abreise aber fangen solche Scharen an, in großer Menge nach einander abzugehen, und am letzten Tage vorher geschieht es so häufig, daß jede halbe Stunde ein neuer Haufe· abgeht, welches bis fünf Uhr des ander·n Morgens wahrt, da der Kaiser mit dem Kronprinzen selbst sich auf den Weg macht.
Unter die··· unzahlbaren Menge Leute sind auch verschiedene alte Männer, Bettler und Büttel.
Man nimmt so ····Särge mit, damit es unterwegs auch hieran nicht fehlen möge.
May 1776, Morgens früh, traten wir also unsere Rückreise nach Nagasaki an.
Wir machten sie meistens auf dieselbe Art, und auf demselben Wege, als die Hinreise.
Gewöhnlich bedienten wir uns auch wieder der vorigen Herbergen, so wohl zum Mittag·essen, als zum Nachtlager.
Nur selten richteten wir es anders ein.
Zu Totska kauften wir verschiedene schöne, obwohl kleine, flache Kasten mit Conchylien, die sehr sauber und zierlich auf gekratzte Baumwolle gelegt waren.
Dergleichen kaufen die Holländer hier zu Lande sehr viele auf, entweder um sie hernach mit Vortheil wieder zu verkaufen, oder sie als Seltenheiten aus einem so entfernten Reiche ihren Freunden und Verwandten in Europa zuzuschicken.
Die Conchylien waren alle mit Reißleim an die Baumwolle befestigt, damit sie nicht abfallen sollten.
Ich pflückte aber doch alle die darunter aus, die bisher in Europa unbekannt, oder sehr selten waren, und die jetzt in der Sammlung der Universität zu Upsala aufbewahrt werden.
Unterweges besahen wir einen Fichtenbaum (·Pinus sylvestris·), dessen Zweige sich horizontal ausgebreitet hatten, und gleichsam ein Laubendach formierten, darunter man spazieren gehen konnte.
Ähnliche Fichten hatte ich zwar vorher schon an verschiedenen Orten gesehen, aber keine von so großem Umfange, als diese, deren Zweige sich über zwanzig Schritt in die Länge ausbreiteten, und von untergeleg·ten Pfählen unterstützt wurden.
May reisten wir über das hohe Gebirge Fakonie, wo es uns eben so, als auf der Hinfahrt erging.
Zu Fantasie aßen wir zu Mittag, bekamen und bezahlten, was wir vorher da bestellt hatten, und zogen darauf das Gebirge auf der ander·n Seite hinab.
Zu Misima sah ich eine Art Vanille (·Epidendrum monile·), ein parasiti·ches Gewächs, das die Wurzeln nicht in die Erde treibt, in Bündel gebunden, und draußen vor den Häusern aufgehängt.
Auf diese Art dauert dasselbe ohne Wasser und irgend die mindeste Nahrung nicht nur verschiedene Jahre lang aus, sondern wächst und blüh·t so gar noch.
Auch zieht man hier vollblühenden Far··n (·Acrostichum bastatum·) zum Vergnügen in Töpfen, so schwer sich auch diese Gattung Gewächs in Europa verpflanzen lässt.
Den hohen Berg Fusi betrachteten wir, als wir vorbei·kamen, noch genauer als das vorige Mahl.
Sein Fuß scheint besonders auf einer Seite sehr allmählig· herab zu gehen.
Die Spitze erschien jetzt sehr hoch und schneeweiß über die Wolken erhoben.
Zu Nüssaka mussten wir, wegen der Menge Leute, die mit den reisenden Fürsten eintrafen, ganze drei Tage verweilen.
In diesen Gegenden wuchsen Wassernüsse oder schwimmende Stachelnüsse (·Trapa natans·) allenthalben auf den Reisfeldern.
Die schwarzen Wurzeln der selben werden, in Suppe gekocht, sehr häufig gegessen, ob sie gleich herbe und unangenehm schmecken.
···In den Krambuden sah ich vielfältig Zapfen von Erlenbäumen (·Betula alnus·) zu Kauf hangen.
Auf meine Frage, wozu man sie ··brauche, bekam ich zur Antwort, man bediene sich ihrer, schwarz zu färben.
···Zu Hecken braucht man hier durchgängig eine eigene Art Bocksdorn (·Licium Japonicum·), einen kleinen, schön ins Auge fallenden Strauch.
···Fast vor allen Häusern sah ich Indianisches Felßenkraut (·Azalea Indica·) in der schönsten Blüthe stehen; die Blumen haben verschied·ne Farben und sehen über die Maße schön aus.
···Hin und wieder traf ich auch Zwergpalmen von der hohen Art ( Chamaerops excelsa ) an.
Sie haben mehr als Mannshöhe.
Aus der, den Stamm umgebenden netzförmigen Rinde werden Besen gemacht, die zum Verkauf· umher getragen, und allgemein zum Fegen gebraucht werden.
···Die hiesigen Mispeln (·Mespilus Japonica·) fingen nun an, reife Früchte zu bekommen.
Sie schmecken wie and·re Misepeln, und zerschmelzen im Munde.
An heißen Tagen löschen sie vortrefflich den Durst.···
An vielen Orten sah ich langjährige Faseln (·Dolichos polystachyos·), eine Art Erbsen, die wie große türkische Bohnen an Stangen hinauf ranken, in Gestalt von Lauben gezogen, wozu sie ungemein brauchbar sind.
Die sehr schön sich ausnehmenden Blumen, welche jetzt aufbrachen, hängen an langen Stielen herunter, und tun sehr gute Wirkung.···
Sehr häufig bauten man in dieser Gegend morgenländischen Sesam (·Sesamum Orientale·).
Aus dem Samen davon, so klein er auch ist, schlägt man Öl, das so wohl hier, als in ander·n Ostindischen Ländern, allgemein an Speisen und zu ander·m Behufe gebraucht wird.
Zu Fuß·· kauften wir verschiedene große und kleine Körbe, auch Schränke mit Schubladen, alle aus Fäden von Rohr aufs feinste und schönste geflochten.
Bei der jetzigen regn··ig··en Jahreszeit hatten wir von einer Art Mücken (·Culex irritans·) viel auszustehen, die uns besonders des Nachts so beunruhigten, daß wir oft nicht schlafen konnten.
Wir sahen uns daher in der Notwendigkeit, uns Gardinen von dünnem grünen T·uch anzuschaffen, die hier durchgängig zum Schutz gegen das blutsaugende Ungeziefer gebraucht werden.
Diese Gardinen sind sehr weit, werden an der Decke des Zimmers fest gebunden, und um das ganze Bett· so aus··breitet, daß an den Seiten gar keine Öffnung bleibt.
Sie sind sehr bequem auf Reisen mitzunehmen, und so dünn·, daß sie den freien Durchgang der Luft im mindesten nicht hindern.
Nachdem wir uns nunmehr hinlänglich ausgeruhet hatten, begaben wir uns den 4. Juni· wieder auf den Weg.
Zwischen E·do und Miako sahen wir hier und da an den Landstraßen Bettler, die, und zwar meistens an den Füßen, gebrechlich waren.
Dies war mir ein gar ungewohnter Anblick, da gebrechliche Leute in diesem Lande sehr selten sind.
Auch traf ich in diesen Gegenden rote und triefende Augen sehr häufig an, besonders bei armen Leuten, so wohl Alten, als kleinen Kindern.
Diese Krankheit kommt hauptsächlich von zwei Ursachen her: dem Kohlendampfe in den Häusern, und dem Gestanke, den die in allen Dörfern bei jedem Hause befindlichen Urintöpfe von sich geben.
In der Gegend von Miako wächst eine eigene Gattung Corchorus (·Corchorus Japonicus·), in der Landes·prache Jamma Buki, wild.
Er hat doppelte, sehr schöne Blumen.
Getrocknet und zu Pulver gerieben, werden diese gegen Blutflüsse gebraucht; um Nasenbluten zu stillen, wird das Pulver durch eine Federspule in die Nase geblasen.···
Auch trifft man hier eine Art Gagelbäume (·Myrica·) an, welche die Einwohner Nagi nennen, und deren Holz sehr weiß und fein ist, und zu Kämmen und dergleichen gebraucht wird.
Ein and·rer Baum, aus dessen Holz auch Kämme gemacht werden, nennen die Japaner Fjun no k·i.
Unsere Dolmetscher verschafften sich hier verschied·ne Stinkkäfer von der Gattung, die den Nahmen Feuergluth ( Buprestis ignita ) führt, womit sie mir ein Geschenk machten.
Die Japaner nennen sie Tamma Musi.
Zu Miako hielten wir uns einen Tag und zwei Nächte auf: hier machten wir so wohl dem Kaiserlichen Hofmarschall, oder dem so genannten Oberrichter, als den beyden Gouverneuren der Stadt, die Aufwartung.
Wir wurden von ihnen eben so, als von den Großen zu Jedo empfangen.
Der Hofmarschall erwidert die Geschenke, welche er bekommt, mit fünf großen Japanischen Kleidern.
Die Statthalter aber geben dem Abbaß·adeur statt dessen nur eine Summe Geldes in Silbermünze, jeder die Summe von ein und zwanzig Thalern.
Dies Geld ist auf die hier zu Lande gebräuchliche besondere Art in ein längliches Stück Papier gewickelt, das hernach zusammen geleimt, und wo bisweilen auf einer, bisweilen auf beyden Seiten, aufgeschrieben wird, wie viel darin ist.
Solche Geschenke in Silbergeld sind hier etwas gewöhnliches.
Das Geld kommt oft unmittelbar aus der Münze, und geht in dem Paket· erst durch viele Hände.
Der Münzmeister, welcher den Wert des Päckchens darauf schreibt, ist für denſelben verantwortlich.
Nachmittags hatte ich einen Privatb·esuch vom Leibarzt· des Dairi oder geistlichen Kaisers, einem Manne von mittleren Jahren.
Ogino war sein Familienn·ame, je no Sakon sein Vorna·me, und Saffioge ein vom Dairi ihm beigelegter Ehrent·itel.
Er hatte verschiedene, meistenteils frisch gepflückte Kräuter bei sich, deren Nutzen er zu wissen wünschte.
Unser Gespräch geschah durch Dolmetscher.
Er erstaunte aber nicht wenig, als ich einmal die Namen der Gewächse, um sie ihm desto zuverlässiger anzugeben, mit Japanischen Buchstaben aufschrieb.
Auf der Re···ise von E·do wird den Holländern allezeit mehr Freiheit, als auf der Hinfahrt verstattet.
Wir bekamen auch die Erlaubnis, zu Miako verschiedene der größten, prächtigsten und die schönsten Lage habenden Tempel zu besichtigen.
Die Tempel liegen nirgends in den Städten selbst, sondern am Abhange der Berge und auf den Anhöhen draußen vor der Stadt, und haben die reizendste Aussicht.
Bei den hiesigen Tempeln sah ich durch Kunst angelegte Teiche, worin die Mönche verschiedene lebendige schwarze Schildkröten zu ihrem Vergnügen hielten.
Der Tempel des Daibud ist unter allen der größte und merkwürdigste.
Er ruh·t auf sechs und neunzig Pfeilern und hat verschiedene Eingänge, die zwar sehr hoch, aber dabei schmal sind.
Das Gebäude besteht gleichsam aus zwei Stockwerken, die in·einander laufen, und hat daher ein doppeltes Dach, wovon das obere durch unterschiedliche, über ein Klafter im Umfange habende, angemalte Pfeiler unterstützt wird.
Der Fußboden ist, (·welches mir vorher nirgends vorgekommen war·), mit viereckigen Marmorsteinen belegt.
Schade, –· denn weiter fehlte hier nichts –· daß die Japaner nicht so viel von der Baukunst verstehen, einem so großen und prächtigen Gebäude hinreichendes Licht zu verschaffen.
Das Bild des Gottes steht beynahe in der Mitte.
Sein Anblick erregt zu gleicher Zeit Entsetzen und Ehrfurcht: Entsetzen durch seine Größe, die schwerlich in der ganzen Welt ihres gleichen hat; Ehrfurcht, in Ansehung der Betrachtungen, die man dabei anzuzustellen Gelegenheit bekommt.
Die Figur ist sitzend, und zwar auf indi···sche Art, die Füße kreuzweise nach vorn gelegt.
Die Statue steht ungefähr ein Klafter hoch von der Erde, und ist vergoldet.
Die Ohren sind lang, das Haar gekräuselt, die Schultern nackt, der Leib mit einem Schleier bedeckt, die rechte Hand aufgehoben, und die linke mit der Seite gegen den Unterleib anliegend.
Die Möglichkeit der Größe kann man sich nicht vorstellen, ohne es zu sehen.
Auf der flachen Hand können, wenn es wahr ist, was die Dolmetscher versicherten, sechs große Personen auf Japanische Art, die Fersen unter das Gesäß gesteckt, geräumig sitzen.
Die Figur scheint indes··· ziemlich proportioniert, ob sie gleich so breit ist, daß die Schultern von einem Pfeiler zum ander·n reichen, die dem Augenmaße nach fünfzehn bis sechzehn Ellen von einander abstehen.
Das Götzenbild so wohl, als die es verehrende Sekte leiten ihren Ursprung aus Indien her.
Die Kenntnis derselben ist vermutlich zuerst aus Siam, China, oder einem ander·n Ostdindischen Lande, in jenen Zeiten, da nicht nur Fremde in Japan, sondern auch die Japaner mit eigenen Schiffen in ander·n Ländern freien Handel treiben durften, hierher gekommen.
Ich war von der Größe dieses ungeheuren Bildes noch ganz betäubt, als wir in einen ander·n Tempel geführt wurden, der beynahe eben so majestätisch und bewundernswert··, als jener, ist.
Seine Höhe und Breite ist zwar nicht außerordentlich, aber die Länge auffallend groß.
Er ist dem Quanwon heilig.
Das Bild dieses Gottes, nebst den Bildern aller seiner Untergötter und dienstbaren Geister, stehen in unglaublicher Anzahl in diesem Gebäude umher gestellt.
Mitten unter ihnen sitzt der Quanwon, mit sechs und dreißig Händen ausgerüstet.
Die nächsten Plätze um ihn her nehmen, aber gleichsam in einem für sie besonders abgeteilten Raume, sechzehn Helden ein, deren Statuen von übermenschlicher Größe, aber doch kleiner als die Statue des Hauptgottes sind.
Zu beiden Seiten zunächst stehen in zwei Reihen vergoldete Götterbilder, jedes mit zwanzig Händen.
Weiterhin sieht man auf beiden Seiten, ebenfalls in Reihen, Götterfiguren von gewöhnlicher Menschengröße, die ganz dicht bey einander stehen, und deren Menge ich hätte zählen müssen, um sie zu bestimmen.
Die nach vorn stehenden sind kleiner, und die hinter·n werden von Reihe zu Reihe größer, so daß man alle zwölf Reihen sehr gut sehen kann.
Auf den Händen und Köpfen aller dieser Statuen stehen wieder kleinere Götterbilder.
Die ganze Anzahl soll drei hundert drei und dreißig tausend drei hundert drei und dreißig betragen.
Zu Füsumi setzten wir uns kurz vor Sonnenu·ntergang in kleine Boote, und fuhren den Fluss hinunter nach Osaka, wo wir nach einer angenehmen Nachtreise am folgenden Morgen ankamen.
Zu Osaka hielten wir uns zwei Tage auf.
Hier war es, wo wir auf der ganzen Reise das meiste Vergnügen genoß·en.
Wir besahen mehrfach in unser·n Norimon die Stadt, wohnten den Schauspielen bei, sahen den Balletten zu, und nahmen mancherley Merkwürdigkeiten, woran diese Stadt einen Überfluss hat, in Augenschein.
Welche ich für meine Person am meisten schätzte, waren Sammlungen von Japanischen Gewächsen in einem wohl eingerichteten Garten, Sammlungen sehr vieler einheimischer Vögel und das Schmelzen des Kupfers in Stäbe.
Die Comödien der Japaner sind lustig, aber so sonderbar, daß ich sie beynahe ungereimt nennen möchte.
Die Dolmetscher mussten sie mir ausdeuteten.
Die meisten haben Liebeshändel oder Heldenthaten zum Gegenstand·.
Die Schauspieler schienen in ihrer Art ihre Rollen gut zu spielen; die Bühne aber war sehr klein und eng.
Die Tänze werden meistens von Kindern beiderley Geschlechts aufgeführt, deren jedesmal zwei, auch wohl mehrere zusammen tanzen.
Sie haben mit unser·n Contre-Tänzen einige Ähnlichkeit, und stellen ungefahr eben dergleichen vor, als die Comödien.
Die Tanzenden beugen den Körper auf hunderterley Art, und richten sich dabei allezeit nach der Musik oder dem Gesange, womit der Tanz begleitet wird.
Die prächtige und kostbare Art, wie sie, besonders die Mädchen, und zwar nach Gewohnheit des vornehmen Frauenzimmers, mit fast unzahligen, sämtlich von dem feinsten und dünnsten seidenen Zeuge gemachten, weiten Gewändern, die sie eins über das and·re ziehen, gekleidet sind, ist das, was dabei am schönsten ins Auge fällt.
Weil aber die·· Kleider so außerordentlich dünn und leicht sind, kann man ihre Menge, die oft zu zwanzig, dreißig und darüber steigt, nicht bemerken.
Während des Tanzens ziehen sie, theils weil ihnen warm wird, theils um ihre Kleiderpracht zu zeigen, ein Gewand nach dem ander·n oberwärts aus, so daß ein ganzes Dutzend von dem Gürtel, womit sie um den Leib fest gebunden sind, herab hängt, ohne sie in ihren schnellen Wendungen zu hindern.
Die Vogel sammlungen sind in der so genannten Vogel straße befindlich.
Man hat hier eine große Menge Vögel aus allen Gegenden zusammen gebracht.
Sie werden teils für Geld gezeigt, teils zu Kauf geboten.
Der botanische Garten liegt in der Stadt.
Er ist ziemlich gut eingerichtet, hat aber keine Orangerie.
Es werden darin allerhand Gewächse, Bäume, Sträuche· und Stauden, die man aus ander·n Provinzen hie·her gebracht hat, aufbewahrt oder gezogen.
Ich ermangelte nicht, für so viel Geld, als ich darauf verwenden konnte, von den seltensten Sachen, besonders Bäume und Sträuche· in Töpfe gepflanzt, auszusuchen und zu kaufen.
Dahin rechne ich die schönsten Arten von den prächtigen Ahornbaumen, die in diesem Lande wachsen, und zwei von der eben so raren, als auszuführen scharf verbotenen, Sagupalme ( Cycas revoluta ), einem Palmbaume, auf den die Japaner um seines Sagu ähnlichen und sehr nahrhaften Marks willen, so großen und übertriebenen Werth setzen, und nicht wissen, daß er auch in China anzutreffen ist.
Alle diese ließ ich in einen großen hölzernen Kasten pflanzen, über welchen Bogen oder Spriegel gestellt, und von Bindfaden eine Bedeckung geflochten wurde, damit sie auf keine Art Schaden nehmen konnten.
Diesen Kasten schickte ich zu Wasser nach Nagasaki, von da er in Gesellschaft eines ander·n Kastens, der auf der Factorey in Ordnung gebracht wurde, nach Batavia, und hernach weiter nach Amsterdam, als eine Lieferung für den dasigen medicinischen Garten abging.
Das Schmelzen des Kupfers verrichtete man in diesen Tagen lediglich um unser·willen, damit wir es, auf mein inständiges Bitten, das unser Chef so wohl, als unsere Japanischen Anführer unterstützt hatten, möchten zu sehen bekommen.
Die Methode dabei ist weit einfacher, als ich mir vorgestellt hatte.
Die Schmelzhütte ist zehn bis zwölf Ellen weit.
An einer von den Wänden geht eine Mauer mit einem Schornstein·, wie eine Nische in die Höhe.
Unten in dieser Vertiefung, mit dem Fußboden gleich, ist ein Herd, worauf das Erz mit Hilfe von Handblas·bälgen vor unserer Ankunft geschmolzen war.
Gegen·über ist im Fußboden, der da aber nicht belegt ist, ein etwas längliches, ungefahr eine halbe Elle tiefes Loch gegraben.
Über dieses liegen der Länge nach zehn vierseitige eiserne Stangen, und zwar nur einen Finger breit von einander, und mit der Schärfe einer Seite in die Höhe stehend.
Über die Stangen ist ein Stück Segeltuch gezogen, das zwischen denselben eingedrückt ist.
Über das Segeltuch wird Wasser gegossen, das einen Zoll hoch steht.
Darauf wird das geschmolzene Erz mit eisernen Kellen aus der Herdgrube genommen, und in die jetzt beschriebene Form gegossen.
Auf diese Art gießt man zehn bis zwölf Stangen oder Stäbe von der Länge einer Viertel,··· auf einmal.
So bald man diese heraus genommen hat, fährt man mit dem Gießen fort.
Zwischen durch gießt man von neuem kaltes Wasser auf.
Auf diese Art Kupfer in Wasser zu giessen, ungefähr so, als man bey uns in Schweden über zarte kranke Kinder Bley zu giessen pflegt, hat man bisher in Europa nicht gewusst, eben so wenig, daß das Japanische Kupfer eben davon seine hohe und glänzende Farbe hat.
Ich war zugleich so glücklich, durch Vorschub meiner Freunde, der Dolmetscher, einen Kasten zum Geschenk zu bekommen, worin so wohl auf jene Art gegossnes reines Kupfer, als auch Stufen von jedem vorher damit genommenen Prozesse, als rohen Kupferkies mit seiner Erde·· (·Matrix·), Proben von Roßtbrennen oder Rösten, dem ersten und zweyten Schmelzen, und dergleichen, lagen.
Diesen Kasten schickte ich in der Folge nach Schweden, als ein Geschenk für das Mineralien-Cabinett der Universität zu Upsala, und machte meinem ehemaligen verehrten und geliebten Lehrer, Herrn Bergmann, dadurch eben so große Freude, als bei meiner Zurückkunft durch die Nachricht vom Gießen des Kupfers in Wasser.
Hernach besahen wir auch eine Menge gegossenes Kupfer, nicht nur von dem, das auf die beschrieb·ne Art in Stäbe gegossen, und in dieser Form an die Holländer und Chineser verkauft, sondern auch solches, das in große und kleine, viereckige und runde, dicke und dünne Stücke zu Kesseln, Pfannen und ander·m Hausgerath gegossen wird.
Wir besahen auch die hiesigen Tempel, und hatten bei beiden Oberb·efehlshabern der Stadt Vortritt.
Unter ander·n kaufte ich hier eine Partie· Moxa, von verschiedener Feinheit und Güte.
Der allerfeinste ist weiß, und wird hier zu Lande allgemein als ein brennendes Arzneimittel ( Cauſticum ) gebraucht, um Krankheiten zu heilen oder vorzubeugen.
Der grobe ist braun, und man braucht ihn statt Zunder.
Beide Arten werden von gemeinem Beyfuß (·Artemisia vulgaris·), nämlich von dem Rauhen und Wolligen, womit die Blätter besetzt sind, gemacht.
Die Blätter werden im Junius gesammelt, darauf getrocknet und bis zu weiterer Bearbeitung aufbewahr·t.
Wenn man den Moxa bereiten will, werden sie so lange gestoßen, geklopft und gerieben, bis das Fasrige sich abgetrenn··t hat, und man das Rau·e ganz rein bekommt.
Es gibt verschiedene Feldscherer, die sich nur mit diesem brennenden Mittel befaß·en, und sorgfältig studieren, wenn, wie, an welchen Stellen des Körpers, und gegen welche Krankheiten und Übel dasselbe anzuwenden ist.
Es fängt sehr leicht Feuer und brennt allmählig· ab.
Wenn daher ein kleiner Tupfel davon irgendwo auf den Körper gelegt, und angezündet wird, brennt er eine ziemlich große und tiefe Wunde hinein, die einige Zeit hernach die dahin ziehenden Feuchtigkeiten und Säfte heraus fließen lässt.
Auf dem Rücken wird dies so allgemein gebräuchliche Mittel am öftersten applici·rt, und ungeachtet es wenig Krankheiten giebt, gegen die man es nicht gebraucht, so tut es doch die beste Wirkung gegen Gicht und Erkältungen.
Kein Alter, kein Stand, kein Geschlecht ist von der Notwendigkeit des Gebrauchs desselben ausgenommen.
Dieser Teil unserer Reise gab mir auch zu verschieden·· in die Botanik einschlagenden Bemerkungen Gelegenheit.
Hier sind einige davon.
Die seeblumenartige Zotenblume (·Menyanthes nymphoides·), das ganze Gewächs mit Blättern und Blüthe, macht man hier in Salzlake ein, und braucht es, wie eingemachte Gurken, als Salat.
Aus Buchsbaum, der überall im Lande wächst, verfertigt man Kämme, die lackiert und vom Frauenzimmer zum Zierrath im Haar getragen werden.
···Die Nelumbo-Pflanze (·Nymphaea nelumbo·) wächst an verschiedenen Orten im Wasser, und wird ihrer Schönheit wegen als ein heiliges und den Göttern angenehmes Kraut angesehen.
Man sieht auch wirklich die Götter oft so abgebildet, daß sie auf den großen Blättern derselben sitzen.···
Das anisartige Illicium (·Illicium anisatum·) wird hier durchgehend· für einen giftigen Baum ausgegeben.
Man wollte sich gar nicht überzeugen, dass er den selben achten Sternanis (·Anisum stellatum·) hervor bringe, den die Japaner jährlich von den Chinesen kaufen.
Die Körner werden indes··· hier zu Lande nicht gut reif, haben auch keinen so starken und angenehmen Gewürzgeschmack, als die, welche man gewöhnlich in unser·n Apotheken findet.
Den Baum selbst schätzt man hier übrigens sehr hoch, pflanzt ihn, besonders bei den Tempeln, weil man glaubt, die Götter lieben ihn sehr, und Zweige davon stehen fast allezeit mit ander·n Blumen in großen Blumentöpfen in den Tempeln.
···Aus der Frucht der gemeinen Melia oder Zederach (·Melia azedarach·) wird auf nämliche Art als aus dem Samen vom unächten Firnißbaume (·Rhus succedanea·) Öl gepresst, das wie Talg hart· und zu Licht gebraucht wird.
Den 15. Juni· reisten wir weiter nach Fiogo.
Hier schickten wir uns zu der bevor·stehenden weiten Seereise an, und schifften uns auf das gewöhnliche große Fahrzeug ein, das uns nach Simonoseki bringen sollte.
Diesmal ging die Fahrt glücklich und geschwind von statten, und nach einigen Tagen kamen wir in diesem Hafen wohlbehalten an.
Zu Fiogo bekamen unsere Aufwärter bei den Norimon für ihre Mühe von uns 1 Thaler 5 Mark, und zu Fiamits Loge die Wirtin, nach hergebrachter Gewohnheit, 7 Mark 5 Konderyn, nachdem sie uns mit Sakki tractiert hatte.
An den jetzigen Sommerabenden genossen wir oft das Vergnügen eines der schönsten Anblicke in der ganzen Natur.
Ich meine den hiesigen leuchtenden Käfer ( Lampyris Iaponica ).
Dieses Insekt hat am Steiß· zwei kleine Blasen, die einen bläulichen, phosphorischen Schein, wie die Europäischen Scheinläufer, von sich geben.
Es unterscheidet sich aber von dem letzteren dadurch, daß es geflügelt ist und frei umher fliegt, dagegen dieser keine Flügel hat, und in den Wachholder-Strauchen still liegt.
Sie flogen zu Tausenden herum, einige höher, and·re niedriger, und das Ganze stellte einen von unzähligen funkelnden Sternen schimmernden Himmel dar.
Ehe wir nach Nagasaki kamen, wurden unsere Koffer versiegelt, damit sie undurchsucht nach dem Packhaus· gebracht werden konnten.
Wir selbst aber, nebst unser·n Portchausen, und was wir sonst bei uns hatten, wurde genau visiti·rt.
Ich hatte zwar eben nicht viel verbotene Sachen bei mir, wollte aber doch die seltenen Münzen und Landkarten, die ich mir mit so vieler Mühe und Beschwerden verschafft hatte, ungern missen, auch nicht gern jemanden dadurch unglücklich machen.
Die Karten steckte ich daher unter and·re Papiere, die dicken Münzen beklebte ich rund umher mit Pflaster, und die dünnen ···wahrte ich in meinen Schuhen, und so kam ich glücklich durch.
Den 30. Juni· 1776 langten wir denn im besten Wohlsein auf unserer Factory· endlich wieder an.
Wir schenkten jedem unserer Aufwärter 1 Thaler 5 Mark, und wurden von unser·n Freunden mit der lebhaftesten Freude empfangen.
Die Reise hatte wider alle Gewohnheit sehr lange gewährt, und man hatte uns zu Dezima schon eine geraume Zeit mit Sehnsucht erwartet.
Fünfte Abteilung.
Manches von dem, was sich auf die natürliche Beschaffenheit dieses Landes, auf Denkungsart, Lebensweise, Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Einwohner, und auf die Japanische Sprache bezieht, ist im Vorhergehenden bei Gelegenheit meiner Reisebemerkungen bereits vorgekommen, worauf ich hier verweise.
Das übrige will ich jetzt nachholen, und um besserer Ordnung und Übersicht willen unter einige allgemeine Rubriken ordnen.
Erster Abschnitt.
Von der natürlichen Beschaffenheit des Landes.
Japan liegt auf der Ost-Seite von Asien, ist von diesem Welttheile ganz und gar getrennt, und besteht aus drei großen, und vielen kleinen Inseln.
Es erstreckt sich vom 30. bis zum 41. Grad· nördlicher Breite, und vom 143. bis zum 161. Grad· der Länge, nach dem Meridian von Teneriffa gerechnet.
Es liegt mithin so viel östlicher als Stockholm, daß man dort Sonnen Aufgang und Mittag acht Stunden früher als hier hat.
Die meisten Europäer nennen dies Land Japan oder Japon.
Die Einwohner selbst nennen es Nippon oder Niphon.
Die Chineser Sippen oder Jep·en.
Die Japanischen Inseln sind in alte··n Zeiten nicht ganz unbekannt gewesen.
Man glaubt, Japan sei das Land, wovon Marcus Paulus Venetus von den Chinesen unter dem Namen Zipangro reden hörte.
Unter den Europäiſchen Nationen ſind die Portugieſen die erſten, die es entdeckt und da gelandet haben.
Anton de Mota, Franz Zeimoto und Anton Peixota wurden auf einem großen Chinesischen Fahrzeuge, das von Siam nach China gehen sollte, durch Sturm an die Küsten dieses Landes geworfen.
Nach ihrer Zurückkunft nach China und erhaltener Nachricht von diesem Vorfall· wurden nachher and·re Portugiesen, nebst Missionarien dahin geschickt.
In welchem Jahre jene Entdeckung gemacht sey, ist nicht völlig ausgemacht.
Einige behaupten, im Jahr 1535, and·re 1542, and·re 1548, and·re noch später.
Das ganze Land besteht fast aus nichts anderem· als Bergen und Tälern.
Große Ebnen bekommt man selten zu sehen.
Die Küsten sind rund umher mit Bergen und Klippen, und einem unruhigen, stürmischen Meere umgeben.
Die meisten Häfen sind den Europäern ganz unbekannt, und die wenigen bekannten entweder mit einer Menge Klippen angefüllt, oder seicht und voll Sand, so daß die Einfahrt sehr gefährlich ist.
Die Berge sind von sehr verschiedener Höhe.
Einige hangen in Gebirgsreihen zusammen, and·re liegen einzeln und zerstreut.
Etliche sind auch Vulkane.
Ein großer Teil von ihnen ist mit Wald bewachsen.
And·ré, die nicht eine allzu steile Lage haben, sind in Absatz··, einem über dem ander·n, nicht selten bis oben auf dem Gipfel angebaut.
Der Fuß· ist einer der höchsten.
Das Erdreich ist in Thälern und ebenen Gegenden verschieden.
Meistens besteht es aber aus Lehm oder Sand, oder einem Gemisch· von beiden.
Im allgemeinen kann man zwar mit Recht behaupten, daß der Boden sehr unfruchtbar ist; allein durch Arbeit, Dung, Wärme und hinlänglichen Regen wird er in hohem Grade fruchtbar gemacht.
Erdbeben ···spürt man in Japan nicht selten.
Während unseres Aufenthalts zu Jedo zeigte sich dergleichen verschieden·mal, wiewohl sehr gelinde.
Die Hitze ist im Sommer sehr stark, und würde unerträglich sein, wenn die Seewinde sie nicht milderten.
Eben so ist auch die Kälte des Winters sehr streng, wenn Nord-Wind und Nord-Ost-Wind wehet.
Man fühlt sie indes··· allezeit stärker, als sie nach der Anzeige des Thermometers wirklich ist; denn der heftige kalte Wind schneidet wie Pfeile von Eis durch den Körper.
Die Witterung ist das ganze Jahr hindurch sehr unbeständig.
Regen fällt im Überflusse.
Es regnet fast das ganze Jahr, besonders aber in den so genannten Regenmonaten (·Satſuki·), die mitten im Sommer einfallen.
Gerade dieser Überfluss von Regen aber ist die Ursache der Fruchtbarkeit, und der davon hergeh·enden starken Volksmenge.
Gewitter sind nicht selten; Stürme und Orkane sehr häufig.
Ich stellte während meines Aufenthalts in Japan sorgfältige thermometerische Beobachtungen an.
Da dergleichen meines Wissens bisher niemand bekannt gemacht hat, und sie das Klima dieses Landes genau kennen lehren, glaube ich, die Mitteilung derſelben werde demjenigen Theile meiner Leser, welchen es um eine genaue Kenntniß des Landes zu tun ist, nicht unangenehm sein.
Sie sind größtentheils auf der Insel Dezima bei Nagasaki, welches die südlichste Stadt ist; einige aber auch auf der Reise und zu E·do gemacht:
ich werde diesen Unterschied in der Tabelle bemerken.
Das dabei gebrauchte Thermometer ist ein in 112 Grade eingeteiltes und den Gefrier-Punkt beim 32. Grade anzeigendes Fahrenheit·isches, mit doppeltem Glas und Quecksilber, das bei der geringsten Veränderung seinen Stand verändert.
Ich hatte es allezeit draußen vor dem Fenster meines Zimmers an der Mauer, und zwar auf der Nord-Seite, in freier Luft hängen.
Zu Nagasaki war die größte Hitze im August 98, und die stärkste Kälte im Januar des Abends 35 Grad.
Die Kälte trat, wie alle bezeugten, dieses Jahr später, als and·re Jahre, ein, und hielt auch kürzere Zeit an.
Wir heizten daher auch unsere Zimmer später als gewöhnlich.
Ein Barometer hatte ich nicht, konnte also damit auch keine Observationen anstellen.
Ost-, Nord-· und Nord-Ost-Wind, welche hier Landwinde sind, sind sehr kalt.
Süd-, West-· und Süd-West-Wind, die von der See herkommen, sind allezeit wärmer, und so bald es regnet, ist die Witterung milder.
Im Sommer wehet zu Nagasaki fast jeden Nachmittag Süd-Wind, welcher erfrier·end ist; des Nachts und Morgens hingegen Ost- Wind.
Wenn des Abends Nebel aufsteigt, und Wolken sich sammeln, so fällt die Nacht darauf gemeiniglich Regen; steigt aber der Nebel des Morgens auf, so wird am Tage schönes Wetter.
Wenn im Winter die Luft in Osten und Süden trübe ist, so folgt gewöhnlich Regen mit starkem Wind und Sturm; aber wenn es in Westen und Norden aufklärt, wird schönes Wetter.
Im Dezember und Januar zeigte sich ein Paar Mal in der Luft feiner Schnee, der auf Dezima eher schmolz, als er zur Erde kam.
Sonst fällt manchen Winter viel Schnee, der einige Zeit liegen bleibt.
Blitz, Donner und Gewitterregen hat man bisweilen im Juni· und Juli··, meist aber im August und September, so wohl des Abends, als ganze Nächte hindurch.
Hier ist die ganze Folge meiner Beobachtungen.
An merkwürdigen Naturalien hat Japan keinen Mangel.
Verschiedener Bäume, Kräuter und anderer Gewächse; einiger Fische und anderer Tiere, wie auch des Kupfers, habe ich oben in der Beschreibung meiner Reise bei vorkommenden Gelegenheiten erwähnt.
Jetzt will ich, außer einigen ander·n Naturalien, die hauptsächlichsten Mineralien mit ihren Japanischen Namen anführen.
Diese und noch mehrere brachten mir die Japaner zu E·do.
Golderz von Simar, Japanisch K·in··ab·.
Asbest, eine unreife Art: Isiwatta, Kupferkies von Simotske aus dem Berge Asjo: Asjo jamma.
Aus China hie·her gebrachtes Kupfereiz.
Simoo Seki; es enthält Schwefel in Menge, und das daraus gebrannte Pulver wird gegen den Husten gebraucht.
Weiße, vielleicht feuerfeste, Porcellainerde:
Fak Sekiſi. (·Diese nebst vielen ander·n Mineralien vom Cap, auch Bezoar, und verschiedene Edelsteine, habe ich hernach Herrn Professor Bergmann geschickt, und sie werden im Cabinet· der Universität zu Upsala aufbewahrt·).
Weißer, weicher und feinfasriger Asbest, Sekima, der gesponnen und woraus Zeug gewebt wird.
Rother Arsenik, Owoo oder Kyquan Seki.
Gelber Schneckensand: Awa, Sna.
Fleischfarbener, sehr schöner Speckstein: Sakusekis oder Isuwatta.
Bimsstein: Karuisi.
Spathartiger Tropfstein: Zsurara isi.
Pulverisierter Zinnober: Sju.
Runder Quarzstein: Tsugaro isi von Tsugara, woher er kommt, genannt.
Weißer Marmor: Nikko isi oder Nikkorosik.
Bleyglanz mit Kupferkies:
Feines Bergo·l von Sinam: Kesoſo no Abra.
Salpeter: Siro Jinso.
Aus der Erde beim warmen Bade zu Boosa gekochtes Brunnenſalz (·Sal· fontanum·).
Versteinerungen von Blättern (·Phytolithus lithophyllum·) vom Berge Fakonie: Konofa isi.
Versteinerungen von Röhrenkorallen ( Tubiporus ): Luukuv Sangodu.
Versteinert·· Meeresschwamm (·Spongia·): Uniwatta.
Ästige Hornkorallen ( Gorgonia ramosa ): Umemats.
Rote Korallen (·Corallia rubra·) von Kamaku: Sangodin; eben dergleichen von Sangami: Sangośju.
Eine dicke rote Punktkoralle ( Millepora ) von der Insel Sjoßusima in der Provinz Sannoki: Djukuts.
Folgende Conchylien: die Falte (·Anomia plicatella·):
Seki Jen; der Papiernautilus (·Argonauta Argo·): Tako sunte aus Jottsijo; der Schlangenkopf (·Cypraea Mauritanica·): Kino kui.
Von Insekten: ein eigene Art Sandläufer (·Cicindela Iaponica·), von Osi: Hammao; der Erdvielfuß (·Iulus terrestris·): Jaſude; der Kellerwurm (·Oniscus aseIlus·):
Saori kosì, welches so viel heißt, als Hausungeziefer; die Seeaſſel (·Oniscus Oceanicus·): Funa muſi, daß heißt Seeungeziefer: Ferner ein Seepferdchen (·Hippocampus·):
Der Achtfuß, eine Art Blackfisch (·Sepia octapodia·); er wird häufig gefangen, getrocknet, und allgemein gegessen, er heißt Ika.
Eine Gattung Fische, mit roten Floßfedern, aus den Bächen im Gebirge Fakonie; man nennt ihn Jamamo; pulverisiert soll er bei Brustkrankheiten des weiblichen Geschlechts gute Dienste tun.
Kama·.
Rogen von einem gewissen großen Fische, der gesalzen, platt gepresst und getrocknet, zum Reißbrey gegessen wird: Karasumo.
Verschiedene Gattungen Seiten schwimmer oder Flundern (·Pleuronectes·): Kali, Makotje, Niga kotje und Isaka kotje.
Zweiter Abschnitt.
Beschaffenheit und Charakter der Japaner.
Die Japaner sind gut gewachsen, geschmeidig und behende, und haben starke Gliedmaßen, wiewohl sie den nördlichen Einwohnern Europa·s an Stärke nicht gleich kommen.
Die Men·sch····en sind nicht sehr groß, auch nicht sehr klein, gewöhnlich auch nicht fett und dick; nur selten sah ich einen, der etwas Fett hatte.
Die Farbe der Japaner ist durchgängig gelblich, doch so, daß sie bei einigen ins Braune, bei einigen ins Weiße fällt.
Geringe Leute, die des Sommers bei ihrer Arbeit mit dem obersten Teile des Körpers nackt gehen, werden von der Sonne gebrannt und dadurch braun.
Das vornehme Frauenzimmer aber, welches selten in die freie Luft geht, ohne bedeckt zu sein, ist völlig weiß.
Die Augen unterscheiden dies Volk, eben so wie die Chineser, von allen ander·n Völkern, und man kann sie so gleich daran kennen.
Sie haben nicht die Runde, wie bei ander·n Nationen, sondern sind länglich schmal, liegen tiefer und haben immer gleichsam etwas liebaugelndes, sehen übrigens dunkelbraun oder vielmehr schwarz aus.
Das Augenlied bildet mit dem großen Augenwinkel eine tiefe Furche; dies gibt ihnen das Ansehen von Scharfsichtigkeit, und ist hauptsächlich das, was sie, wie ich eben gesagt habe, auf eine so merkliche Art auszeichnet.
Die Augenbrau·en sitzen auch etwas höher, als bei ander·n Menschen.
Der Kopf ist bei den meisten groß; der Hals kurz; das Haar schwarz, dick und von Öl glänzend; die Nase zwar nicht platt, aber doch etwas dick und kurz.
Die Schilderung des Charakters der Nation enthält im allgemeinen folgende Züge: verständig und vorsichtig, frey, gehorsam und höflich, neugierig, fleißig und in Handarbeit geschickt, sparsam und nüchtern, reinlich, gut gesinnt und freundschaftlich, aufrichtig und gerecht, ehrlich und treu, argwöhnisch, aberglaubeig, hochmüthig und stolz, unversöhnt···, tapfer und unüberwindlich.
Verstand und gesetztes Wesen zeigen die Japaner bei allem, was sie tun.
In Kenntnissen, Einsicht, Kultur und Aufklärung haben sie es so weit gebracht, als es ohne Gelehrsamkeit, Wissenschaften und schöne Künste, deren Strahlen freilich noch nicht bis zu diesem Volke ···gedrungen ·ist, möglich ist.
Zu den aufgeklärtessten Nationen kann man sie freilich nicht rechnen.
Aber wenn man sie den so·genannten wilden Nationen bezeic·hnen wollte, so würde man ihnen großes Unrecht tun.
Vielmehr verdienen sie unter den gesittet··en einen Platz.
Ihre jetzige Regierungsform, die Einrichtung und Art ihres Handels mit den Ausländern, ihre Künste und Handwerke, ihr Überfluß an allem Notwendigen, und so manches and·re, sind unwiderl··eg·liche Beweise ihres Verstandes, ihrer Klugheit, und ihrer ernsthaften und reellen Denkungsart.
Nie findet man unter ihnen eine Spur von der kindli·chen Eitelkeit und albernen Putzluſt, die man bei ander·n Asiatiſchen und Afrikaniſchen Völkern so häufig antrifft, welche sich mit Muſcheln, Glaskorallen, blanken Metallblättchen, und dergleichen schmücken.
Eben so wenig aber kennen sie den un·ützen und nur glänzenden Schmuck und Prunk der Europäer mit Gold, Silber, Juwelen und was mehr dahin gehört.
Auch ahmen sie in keinem Stück· ausländischen Luxus nach, sondern machen aus einheimischen Produkten hübsche Kleider, wohl schmeckende Gerichte und vortreffliche Waffen.
Freiheit ist das Leben der Japaner; keine solche, die in Ungebundenheit, Muthwillen und Eigengewalt übergeht, sondern die durch Gesetze auf die gehörige Art eingeschränkt ist.
Viele glauben zwar, der gemeine Mann in Japan sei nichts anders· als Sklave einer despotischen Regierung, weil die Gesetze sehr streng sind.
Aber ein Knecht, der sich auf ein Jahr bei einem Herrn vermietet, ist darum kein Sklave und ein Soldat, der auf gewisse, oft viele Jahre, gemietet und viel schärfer gehalten wird, ist ebenfalls darum kein Sklave, ob er gleich den strengsten Befehlen seiner Vorgesetzten gehorchen muß.
Die Japaner hassen und verabscheuen den unmenschlichen Sklavenhandel der Holländer und die unbillige Behandlung ihrer Sklaven.
Die Freiheit und Rechte nicht nur der Vornehmen, sondern auch der Nieder·n werden durch die Gesetze geschützt, und die außerordentliche Strenge und unfehlbare Ausübung der Gesetze hält jeden in den gebührenden Schranken.
In Rücksicht auf Ausländer ist keine Nation in ganz Indien, die so eifersüchtig über ihre Freiheit wacht, als diese.
Auch ist keine so frei von Beeinträchtigung, Betrügerei, Zwang und Gewaltthätigkeit and·rer Völker.
Die in diesem Betracht genommenen Maßregeln haben auf den Erdboden nicht ihres gleichen.
Denn seitdem allen Einwohnern ohne Unterschied bei Lebensstrafe verboten ist, aus dem Reiche zu gehen, ist kein Japaner im Stande hinaus zu kommen.
Eben so wenig ist irgend einem Fremden erlaubt, ins Land hinein zu kommen, außer einigen wenigen Holländern und Chinesen, die, wie die Leser bereits wissen, gleichsam in einem Civil-Arrest gehalten werden.
Sonst hat fast ein jeder jemanden zur Bedienung und Aufwartung im Hause, der, wenn der Herr ausgeht, mitgehen, und Mantel, Schuhe, Regenschirm, Laterne und dergleichen tragen muß.
An Höflichkeit und Unterthänigkeit haben die Japaner wenige ihres Gleichen.
Gehorsam und Unterwürfigkeit gegen Eltern und Obrigkeit werden den Kindern schon in den ersten Jahren eingeprägt, und die Alten in jedem Stande gehen ihnen hierin mit dem besten Beispiel· stets vor.
Daher kommt es auch, daß die Kinder hier selten gescholten oder mit körperlichen Züchtigungen bestraft werden.
Die Geringeren erweisen den Vornehmeren und ihren Vorgefetzten tiefe und feierliche Verbeugungen, und gehorchen blindlings und ohne Vorbehalt. Ihres gleichen grüßen sie allezeit, so wohl wenn sie einander begegnen, als auch beim Weggehen, sehr höflich.
Gewöhnlich bücken sie sich mit dem ganzen Körper so, daß der Kopf sich vorwärts senkt, und legen die Hände entweder gegen die Knie, oder unterhalb der Knie an den Beinen hinunter, ja wohl gar bis auf den Fuß hinab, je nachdem mehr oder weniger tiefe Ehrerbietung bewiesen werden muß.
Je tiefer diese sein muß, desto mehr wird auch der Kopf zur Erde gebogen.
Wenn jemand sie anredet, oder sie jemanden etwas hingeben oder überreichen, geschieht es allezeit mit einer solchen Verbeugung.
Begegnet ein Geringerer einem Vornehmeren auf der Straße, so bleibt er in jener Stellung so lange stehen, bis dieser vorbeigeht.
Begegnen zwei, die sich gleich sind, einander, so stehen beide still und machen ebenfalls das oben beschrieb·ne Compliment, und gehen darauf einander ein wenig in krummer Stellung vorbei.
Wenn sie in ein Haus kommen, so fallen sie auf die Knie und bücken sich, mehr oder weniger tief, mit dem Kopfe; und ehe sie aufstehen um wegzugehen, machen sie wieder dieselbe Verbeugung.···
Bei aller ihrer Höflichkeit haben die Japaner aber doch die unartige Gewohnheit, in jedermanns Gegenwart ohne Zurückhaltung, so oft es ihnen ankommt, aus dem Magen aufzustoßen und zu rülpsen; dies wird bey ihnen, die sonst in ihrem Betragen so gesittet, als irgend ein cultivi·rtes Volk, ······für gar nichts unanständig·· gehalten.
Die Neugier geht bei den Japanern sehr weit.
Was die Europäer mitbringen und bei sich haben, besahen sie so genau, als möglich ist.
Sie erkundigen sich nach allem, und werden durch ihre Fragen sehr lästig.
Bei den Audienzen können sie sich an den Holländern nicht satt sehen: sie besahen sie unablässig vom Kopf bis zu den Füßen, und alles was sie an sich haben, Hut, Degen, Kleidung, Knöpfe, Tressen, Uhr, Stock, Ringe und so weiter; sie bitten sie, in ihrer Gegenwart zu schreiben, weil sie ihre Buchstaben, und ihre ganze Art zu schreiben ·········wünschen.
Eben so wissbegierig sind auch in Ansehung dessen, was sich auf die Wissenschaften bezieht, die Gelehrten unter ihnen.
Und da sehen sie denn den Leibarzt der Gesandtſchaft als den einzigen Gelehrten unter den sich hier aufhaltenden Holländern, und als das Orakel an, das ihnen über alles, was sie wissen wollen, Erläuterung geben kann.
Dieser wird denn auch nicht nur auf der Insel Dezima, sondern auch auf der Hofreise und zu Jedo, von ihnen mit Fragen stets gequält.
Hauptsächlich betreffen ihre Fragen Gegenstände aus der Matheſis, Geographie, Phyſik, Pharmacie, Zoologie, Botanik und Medicin.
Die Japaner haben viel natürliche Geschicklichkeit, alle Arten Handarbeit leicht zu lernen, und sehr gut zu machen; auch sind sie darin sehr erfinderisch.
An Industrie, Fleiß und Arbeitsamkeit übertreffen sie die meisten ander·n Völker.
Sie schränken sich aber auf das Nötige und Nützliche ein.
Ihre Kupfer- und Metallarbeit ist schön.
Was sie von Holz verfertigen, ist sauber und dauerhaft.
Ihre vorzüglich gut gehärteten Säbelklingen, und ihre schöne lackierte Arbeit tun es allem zuvor, was man in ander·n Ländern von dergleichen bisher hat zum Vorsehe·n bringen können.
Wie viel Sorgfalt, Mühe und Fleiß der Landmann und Bauer auf die möglichste Cultur und Bearbeitung seines Feldes wendet, wie erfindersi·ch und unverdrossen er in dieſen Stücken ist, kann schlechterdings niemand glauben oder sich vorstellen, als wer es selbst sieht.
Sparsamkeit und Häuslichkeit haben in diesem Lande gleichsam ihren Wohnsitz.
Sie ist die allgemein geschätzte Tugend, nicht nur am Hofe und in den Palästen der Großen, sondern auch in der niedrigsten Hütte.
Sie macht denn auch, daß der Ärmere mit seiner wenigen Habe zufrieden ist, und der Reiche seinen Überfluss nicht in Unmäßigkeit und Wollust verschwendet.
Sie macht aber auch eben dadurch, daß man, was in ander·n Ländern Teuerung und Hungersnot heißt, gar nicht kennt, und daß in diesem so großen und volkreichen Lande äußerst selten ein Notleidender oder ein Bettler angetroffen wird.
Im allgemeinen sind die Japaner weder geizig noch habsüchtig.
Vor E··ssen und Saufen haben sie Abscheu.
So wie sie das Land nicht zum Tabak und ander·n unnützen Gewächsen verschwenden, verbrauchen sie auch ihr Getreide nicht durch so genannte Veredlung zu starken Getränken.
Reinlich und sauber sind die Japaner in hohem Grade.
Sie beobachten diese Tugend nicht nur in Rücksicht auf ihren Körper, sondern auch in ihren Häusern, in ihrer Kleidung, in ihren Geräten, im Essen und Trinken und allen übrigen Stücken.
Sie waschen und baden sich nicht etwa einmal in der Woche, sondern jeden Tag; und zwar bedienen sie sich dazu warmer Bäder, die täglich in jedem Hause, und auch für wenig Geld in allen Wirthshäusern für die Reisenden bereitet werden.
Von der guten Gemüths-Beschaffenheit und der freundschaftlichen Denkungsart der Japaner habe ich selbst oft mit Bewunderung sehr viele Beweise erfahren.
Ich konnte dergleichen um so viel weniger erwarten, da sie immer mehr Ursache haben, die hier handelnden Europäer, ihres schlechten Betragens und ihrer feinen Betrügereyen wegen, aufs möglichste zu verachten, zu hassen, und gegen sie vorsichtig zu sein.
Der Japaner ist zwar stolz, aber gut; mit Sanftmuth und Freundlichkeit lässt er sich lenken und bewegen; Drohungen aber und Trotz wirken auf ihn nicht.
Die Gerechtigkeit wird im ganzen Lande sehr heilig gehalten.
Der Monarch be···trächtigt keinen seiner Nachbar·n.
Man hat in der ganzen Geschichte weder älterer noch neuerer Zeiten kein Beispiel, daß je ein Japanischer Regent ein fremdes Land angegriffen, oder Lust sein Reich zu erweitern gezeigt hätte.
Zwar sind die Jahrbücher der Japaner voll von Heldentaten, aber nur zur Verteidigung des Vaterlandes gegen auswärtige Gewalt, oder gegen Aufruhr in seinen eigenen Grenzen.
Dass Länder erobern etwas Großes, und Taten in Kriegen, die um zu erobern geführt werden, etwas Ruhmliches seien, davon haben sie keinen Begriff.
Sie bleiben in diesem, so wie in allen ander·n Stücken bei der Denkungsart ihrer Vorfahren, und nehmen auch jene Sitte von ander·n Völkern nicht an.
Möchten doch die Beherrscher unseres Europa sich von ihnen nicht länger beschämen lassen!
Sie haben aber auch nie von ihrem Lande sich etwas wegnehmen lassen, und würden es auch jetzt nicht tun.
Eben so herrscht Gerechtigkeit in allen ihren Gerichten.
Alle Rechts·achen werden sehr bald, ohne Weitlaufigkeit und ohne Intrigue abgemacht.
Die Person wird nicht angesehen.
Aber auch gegen die Europäer beobachten sie Gerechtigkeit.
Ihre Tractaten, Vergleiche und Verbindungen mit ihnen, heben sie nicht auf, gehen nicht ein Haar breit davon ab, ändern keinen Buchstaben daran, wofern nicht die Europäer selbst Anlaß und Ursache dazu geben.
Eben so allgemein trifft man Redlichkeit und Treue an.
So wenig als in diesem Lande wird wohl in keinem ander·n Diebstahl begangen; man hört kaum davon.
Rauberei ist vollends etwas ganz unbekanntes.
Die Europäer sind auf ihrer Reise durch das Land so sicher, daß sie auf die Sachen, welche sie bei sich haben, fast gar nicht Acht geben.
Indessen muss ich doch sagen, dass die geringen Leute, wenigstens auf der Factory·, es für keine Sünde halten, den Holländern Kleinigkeiten, besonders an Zucker und Kupfer, indem diese Waren von und nach der Schiffsbrucke gebracht werden, wegzumausen.
Arglöhhnisch sind die Japaner sehr.
Es ist aber wahrscheinlich, daß sie es nicht zu allen Zeiten in solchem Grade gewesen sind.
Vermutlich haben die vorigen innerlichen Unruhen und Kriege, noch mehr aber die Betrügereyen der Europäer die·· Unart, die jetzt, wenigstens im Handel und Wandel mit den Holländern und Chinesen ohne Grenzen ist, bei ihnen hervor gebracht und vergrößert.
Auch Aberglaube herrscht unter diesem Volke so allgemein und in so hohem Grade, als vielleicht unter keinem ander·n.
Dies rührt von ihrer Unwissenheit in den meisten Wissenschaften, und von den verkehrten und ungereimten Begriffen und Grundsätzen her, die ihre Religion und ihre unwissenden Priester ihnen einprägen.
Beweise des Aberglaubens geben sie in reichem Maße an ihren Festen, bei ihrem Gottesdiensten, bei ihren Gelübden, beim Gebrauche ihrer Arzneimittel, bei der Wahl glücklicher und der Vermeidung unglücklicher Tage, und dergleichen mehr.
Stolz und hoher Dünkel ist ein Hauptfehler dieser Nation.
Sie glauben eben den heiligen Ursprung von den Göttern, Himmel, Sonne und Mond zu haben, den sich mehrere Asiatische Völker zueig·en.
Kein Wunder, wenn sie erwähnen, etwas mehr als and·re Menschen zu sein, und wenn sie besonders die Europäer sehr gering· achten.
Ertrüge ein Japaner auch jede andere Beleidigung, so würde er doch Stolz an ander·n nicht ertragen können.
Stolz und Hochmuth waren es, welche die Portugiesen aus dem Lande verjagten, und sie sind es auch, welche dem Holländischen Handel hier mit der Zeit vielleicht ein Ende machen werden.
Dass das Japanische Volk nie, auch nicht einmal in den ältesten Zeiten, von irgend einer auswärtigen Macht besiegt oder unterjocht gewesen ist, weiß man.
Aber in ihren Geschicht·büchern liest man auch von ihrer Tapferkeit und ihrem unbesiegbaren Muth solche Erzählungen, die man weit eher für Fabeln, als für wirkliche Thatssachen zu halten Ursache hätte, wenn man nicht in späteren Jahrhunderten redende Beweise davon hätte.
Als die Tataren zum ersten Mal, im Jahr 799, mit einem unzahlbaren Heere einen Teil von Japan überschwemmt hatten, und die Japanische Flotte durch einen heftigen Sturm verunglückt und in einer einzigen Nacht ganz ruini·rt war, brach am folgenden Tage der Feldherr der Japaner auf, griff die zahllose und muthige Armee der Feinde an, und richtete sie so ganz zu Grunde, daß auch nicht ein Mann am Leben blieb, der ······zurück gehen und von einer so unerhörten Niederlage die Nachricht überbringen konnte·.
Eben so groß und eben so ehrenvoll war der Sieg der Japaner im Jahr 1281, als sie von den Tataren, die 240.000 Mann stark waren, zum ander·n Mal angegriffen wurden.
Die Vertreibung der Portugiesen und die zugleich geſche··ne Ausrottung der chriſtlichen Religion im Anfange des siebzehnten Jahrh·underts haben sie so vollkommen bewerkstelliget, daß man heutiges Tages kaum eine Spur ihres ehemahligen Daseyns findet.
Der Krieg mit ihnen, und die Verheerung wurden vierzig Jahr lang fortgesetzt.
Mehrere Millionen Menschen wurden in dieser Zeit aufgeopfert; allein bei der letzten Belagerung verloren 37000 das Leben.
Diese Siege sind gleichwohl nicht die einzigen, welche der Japaner Mut und Tapferkeit verbürgen.
Folgendes Beispiel ist noch auffallender.
Im Jahr 1630 kam ein kleines Japanisches Fahrzeug nach Formosa, um da Handel zu treiben.
Die Insel gehörte damals der Holländischen Compagnie.
Der Gouverneur Peter Nuytz behandelte die mit dem Schiffe angekommenen Japanischen Kaufleute sehr übel.
Nach ihrer Zuhausekunft beklagten diese sich bei dem Fürsten ihrer Landschaft, über die nicht nur ihnen, sondern auch ihm selbst, dadurch widerfahrene Beleidigung und Beschimpfung.
Der Fürst wurde zwar hierüber desto mehr aufgebracht, da es verachtete Fremde waren, die dergleichen ausgeübt hatten, glaubte sich aber nicht im Stande, sich zu rächen.
Seine Leibwache redete ihn darauf also an: Wir halten uns nicht für würdig, deine Person länger zu bewachen, wofern wir nicht Erlaubnis bekommen, deine Ehre wieder herzustellen.
Nichts als das Blut der Frevler kann diesen Schandfleck wegwaschen.
Befiehl nur, und wir wollen dem Bösewicht den Kopf abhauen, oder ihn lebendig hie·her bringen, damit er nach deinem Gutbefinden und seinem Verdienste bestraft werde.
Unser·· sieben sind genug.
Weder die Gefahr der See, noch die Stärke der Zitadelle, noch die Anzahl seiner Wache soll ihn vor unser·m Zorn· sicher·n.
···Der Fürst willigte ein.
Sie entwarfen einen klugen Plan, zogen ab und kamen auf Formosa an.
Hier baden sie um Vortritt beim Statthalter.
Kaum waren sie in seinem Zimmer, als sie alle zugleich die Säbel zogen, ihn gefangen nahmen und unverzüglich nach ihrem Schiffe brachten.
Dies geschah am hellen Tage, im Angesicht der Wache und aller Leute im Palaste, ohne daß jemand es wagte sich zu regen, um seinen Herrn zu befreien.
Der Gouverneur war keinen Augenblick an Bord gewesen, als sein Kopf mitten von einander gespalten wurde. –· Kämpfer erzählt die·· Geschichte auch.
Kennt man den Stolz, die Gerechtigkeitsliebe und den Muth der Japaner, so verwundert man sich gewiß nicht, daß sie, wenn sie beleidigt worden sind, ganz unversöhnlich gegen ihre Feinde sind.
Dies geht so weit, daß sie jede Beleidigung dem ander·n beständig, wäre es auch noch so lange, nachtragen.
Nichts kann sie aus·öhnen.
Aber sie lassen ihren Groll nicht in Hitze ausbrechen, sondern wissen ihn unter einer unnachahmlichen Kaltblütigkeit zu verbergen, und auf Gelegenheit, wo sie sich rächen können, zu lauern.
Nie habe ich unter irgend einem Volke Menschen gesehen, die der Leidenschaft des Zorns so wenig unterworfen sind, als sie.
Man kann fast sagen, daß sie nie hitzig werden.
Man mag sie schelten, schmähen, ihre Ehre beleidigen, so sehr man will: sie antworten nicht ein einziges Wort, sondern geben nur durch ein langsames ä ä gleichsam ihr großes Befremden zu erkennen.
Aber so schweigend fassten sie gegen den ander·n den bittersten Hass, der hernach weder durch Gutmachen der Beleidigung, durch Schadenersetzung, durch Wiederherstellung der Ehre, noch durch die Länge der Zeit, noch durch veränderte Umstände jemals ausgelöscht werden kann.
Sie pflegen daher ihrem Feinde nicht leicht durch ein unhöfliches Wort oder eine unhöfliche Miene zu nahe zu kommen, sondern vielmehr durch verstellte Freundschaft so wohl ihn als and·re zu täuschen, bis früh oder spät sich eine Gelegenheit zeigt, wo sie ihm beträchtlichen Schaden oder großes Unglück zuzufügen können.
Sonst muss ich hier noch eine Untugend der Japaner rügen, ich meine die Unzucht.
Diese scheint unter ihnen allgemein zu herrschen.
Die Schamhaftigkeit steht in geringem Wert bei ihnen.
Selbst das weibliche Geschlecht übt diese Tugend wenig aus.
Selten bekomme·n sie sich darum, sich zu bedecken, wenn sie sich baden, selbst dann nicht, wenn es auf offenen Plätzen geschieht.
Auch nicht einmal nach Nagasaki tun sie es an solchen Stellen, wo sie von den Holländern gesehen werden können und wo diese vorbei·kommen.
Dritter Abschnitt.
Häuser und Haushaltsgeräte
Die Häuser der Japaner sind von Fachwerk und weiß übertüncht, und sehen daher von außen völlig wie steinerne Gebäude aus.
Ihre Bauart ist ganz besonders.
Das Holz hat nur senkrechte und horizontale Richtung; schräg, wie sonst bei Fachwerk zu geschehen pflegt, ist nichts davon angebracht; es besteht daher bloß aus Solen, Balken, Riegeln und Stendern.
Diese alle sind viereckig und nicht dick.
Die Fächer zwischen denselben werden mit Bamborohr zugeflochten, und dieses mit Mörtel, von Lehm, Sand und Kalk beworfen und verkleibt.
Die Mauern oder Wände werden daher eben nicht dick.
Jedes Haus nimmt einen anseh·lichen Raum ein.
Im Hause selbst hat man gar keine Zwischenwände.
Es wird bloß von den Stern·e·n unterstützt.
Zwischen diesen sind an der Decke und dem Fußboden and·re Querhölzer, mit eingehauenen Vertiefungen oder langen schmalen Einschnitten angebracht, die zur Abtheilung der Zimmer dienen.
Anfangs macht also das ganze Haus ein einziges Zimmer aus, daß sich vermittelst dieſer Querhölzer durch überzogene Rahmen, oder einzelne, kleine, leichte Wände, die nach Belieben eingeſetzt, weggenommen oder hinter einander geſchoben werden können, in mehrere Abtheilen läßt.
Diese Rahmen bestehen aus lackierten hölzernen Leisten, die mit dickem, mit Farbe überstrichenem und daher undurchsichtigem Papier· überzogen werden, und in jene Vertiefungen sehr bequem und nett einpassen.
Dergleichen Zimmer wurden für uns und unser Gefolge auf der Reise oft abgetheilt, und wenn wir zum Speisen oder ander·n Behufe ein größeres Zimmer gebrauchten, wurden jene Rahmwände weggenommen, und hernach, wenn es nöthig war, wieder eingesetzt: eine Arbeit, die in einem Augenblick verrichtet ist.
Man kann zwar nicht sehen, was in den angrenzenden Zimmern geschieht; aber doch meistens sehr gut hören, was gesprochen wird.
Die Decke der Zimmer ist getäfelt, besteht aus dicht in·einander gefügten Brettern, und fällt ziemlich gut ins Auge.
Die Häuser werden mit Ziegeln und Dachpfannen gedeckt, die auf eine ganz eigene Art gemacht, sehr dick und schwer sind.
Schlechte Häuser deckt man aber gewöhnlich nur mit Schindeln, die man gemeiniglich mit einer Menge Steine belegt, welche die Schindeln fest halten und dem Dache die nöthige Schwere geben.
Das Dach steht allezeit weit über dem Hause hervor, und wird oft mit einem besonder·n kleinen Dache vermehrt, das über einem schmalen ausgebauten Gange oder einer Gallerie draußen vor den Fenstern hingeht.
Von diesem kleinen Dach· gehen nach innen··· und niederwärts einige vierseitige hölzerne Leisten, zwischen welche man von Binsen gemachte Jalousie-Matten hängt, die aufgezogen und niedergelassen werden können, und verhindern sollen, theils daß die Vorbeigehenden nicht ins Haus hinein sehen, theils hauptsächlich aber, daß der Regen nicht an die papiernen Fenster kommen kann.
In den Dörfern und kleinen Städten sind die Häuser auf den Seiten, besonders die Hinterseite, ebenfalls mit Schindeln, und zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz schmale und dünne hölzerne leisten zusammen gehalten werden, und das Eindringen des Regens in der Wand verhüten.
Fenster sind in jedem Zimmer zwei oder mehrere.
Sie fangen beinahe unter der Decke an, und gehen bis auf eine Elle vom Fußboden hinab.
Sie bestehen aus leichten Rahmen, die man ausnehmen, einsetzen und in zwei, zu diesem Ende in den Querhölzern und Riegeln oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Einschnitten vor einander schieben kann.
Diese Rahmen sind durch Leisten oder Sprossen in kleine Parallelogramme, deren bisweilen an vierzig sind, eingeteilt.
Auf der auswendigen Seite sind diese kleinen Fächer, die gleichsam die einzelnen Fensterscheiben ausmachen, mit feinem weißen Papier überzogen, das selten oder niemals mit Öl getränkt wird, und zwar einen guten Teil des Tageslichts durchlässt, aber alle Aussicht benimmt, weil man nicht durchsehen kann.
Gläserne Fenster werden nicht gebraucht, eben so wenig als man Perlenmutter oder Glimmer dazu nimmt.
Der Fußboden ist allezeit mit Matten bedeckt, die aus feinen Binsen (·Iuncus·) geflochten, mit Reißstroh ausgefüllt, drei bis vier Zoll dick und im ganzen Lande von einerley Größe, nämlich ein Klafter lang und ein halbes Klafter breit, und an den beyden längeren Seiten mit dünnem, blauem oder schwarzem Bande eingefaßt sind.
Nur im Kaiserlichen Schlosse zu Jedo sah ich Matten, die größer als die gewöhnlichen waren.
In den Häusern der geringen Leute ist der vordere oder äußere Teil des Zimmers nicht mit Matten belegt, sondern dient zur Diele oder zum äußeren Vorzimmer, wo man die Schuhe absetzt; darauf folgt ein erhöheter Fußboden, der mit Matten bedeckt ist, das Wohnzimmer ausmacht, und durch Rahmwände in mehrere abgeteilt werden kann.
Inwendig im Hause werden so wohl die Wände als das Dach mit schönem dicken Papier überklebt, worauf mancherley Blumen gedruckt sind.
Diese Tapeten sind grün, gelb oder weiß; bisweilen ist auch Silber und Gold darauf angebracht.
Der Leim, welchen sie dazu brauchen, besteht aus einem dünnen Brei von Reis·.
Da der Rauch des Winters die Tapeten sehr verdirbt, so klebt man alle drei bis fünf ·····neue auf.
Die Häuser sind sehr geräumig, allein niemals mehr als zwei Stockwerke hoch, wovon aber gewöhnlich nur das untere bewohnt wird.
Im oberen wohnt selten jemand, sondern es wird als Boden, oder dergleichen gebraucht, um allerhand Sachen hinzusetzen oder zu verwahren.
Es ist auch gemeiniglich niedriger.
Die Häuser der Reichen und Vornehmen unterscheiden sich zwar durch Größe, Ansehen und Schönheit, sind aber doch nicht über zwei Etagen oder zehn Ellen hoch.
In den Häusern der Kaufleute und Handwerker macht der an der Straße liegende Vordertheil gewöhnlich die Bude oder Werkstatt· aus.
Darauf folgt die Küche und die Stuben für die Dienstboten.
Der nach dem Hofe gehende Teil ist eigentlich der, welcher bewohnt wird.
Die dicht an den Hof stoßenden Zimmer werden für die vornehmsten und bequemsten gehalten, weil sie von dem Gerausche und Lärmen auf der Straße am weitesten entfernt sind; zugleich sind sie die schönsten.
Sie haben die Aussicht und auch eine Tür nach einem mit verschiedenen Bäumen, Büschen, Gewächsen und Blumentöpfen besetzten Hof· oder leeren Platz·, der nach Umständen groß oder klein, auch wohl in der Mitte mit einem kleinen Berge geziert ist.
Aus diesen Ursachen werden die hintersten Zimmer allemahl den Fremden eingeräumt.
Sie waren es daher auch, wo wir auf der Reise und zu jeder logiert zu werden die Ehre hatten.
Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum Baden eingerichtetes· und mit den dazu nötigen Wannen und Gerätschaften versehenes Zimmer hat.
Es liegt gewöhnlich an der Seite des Hofes.
In besseren Häusern, wo besondere Zimmer für Fremde sind, ist dicht bei denselben eine kleine Badesstube für diese befindlich, wo sie sich baden können, wenn sie Lust haben.
In derjenigen Abteilung des Hauses, welche die Küche vorstellt, ist kein and·rer Herd, als ein großes viereckiges Loch, das im Fußboden, oft gerade in der Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der nämlich·· Fläche mit den umher liegenden Matten, belegt ist.
Der Kohlenrauch macht das Haus schwarz, weil es keinen ander·n Schornstein, als nur ein Loch im Dache hat; und die Nähe der Fußboden-Matten verursacht oft Schaden und Unglück, wenn die Leute sich mit dem Feuer nicht sehr in Acht nehmen.
Bei jedem Hause ist in einem kleinen abgesonderten Gebäude ein Abtritt befindlich.
Dieser besteht aber bloß aus einer im Fußboden angebrachten länglichen Öffnung, auf welche die Japaner sich setzen.
An der Wand ist eine Art Lade oder Kasten, der schräge herunter geht, unten ein Loch hat, und worin sie ihr Wasser abschlagen.
Nahe dabei findet man allezeit ein porzellanenes Geschirr mit Wasser, womit sie sich, wenn sie ihr Geschäft verrichtet haben, jedesmal die Hände waschen.
In verschiedenen Städten, zum Beispiel zu Jedo, ist bei jedem Hause auch ein steinernes Packhaus angelegt, das feuerfrei ist, und wo sie bei Feuersgefahr ihre Sachen hinbringen.
Die Häuser der Japaner haben, wie man schon aus dieser Beschreibung sehen kann, nicht das Ansehen, auch nicht die Bequemlichkeit als die Häuser der Europäer.
Die Zimmer sind nicht so hell und heiter, und im Winter nicht so warm.
Auch sind die Häuser selbst weder so sicher vor Feuer, noch so dauerhaft.
Dass sie sich so wohl von innen als von außen sehr schlecht ausnehmen, daran sind hauptsächlich die nur halb durchsichtigen papiernen Fenster Schuld.
Die öffentlichen Gebäude, als Tempel und Pallaste, sind zwar größer und ansehnlicher, aber alle von einerley Bauart.
Die mit verschiedenen, eine ganz eigene Gestalt habenden, Türmen gezierten Dächer machen ihre größte Schönheit aus.
Die Städte sind zum Teil sehr groß, zum Teil auch mit Wällen und Gräben umgeben, und mit einer Citadelle und Türmen versehen, besonders wenn ein Fürst darin seine Hofhaltung hat; alle aber haben Thore.
Der Umfang der Hauptstadt Jedo, welche an Größe der Stadt Peking den Vorzug beynahe streitig macht, wird zu ein und zwanzig Stunden Weges zu Fuß angegeben, welches ungefaähr eben so viel Französische Meilen beträgt.
Doch ich erinnere mich, hie·von, und von ander·m, was die Städte dieses Landes betrifft, in der Erzählung meiner Reise bereits Nachricht gegeben zu haben.
Eben dies gilt von den Dörfern, von welchen ich hier also nur noch zwei Bemerkungen nachholen will.
Sie unterscheiden sich von den Städten lediglich dadurch, dass sie offen sind, und nur eine einzige Straße haben.
Ihre Länge ist oft unglaublich.
Die meisten sind eine Viertelmeile lang.
Bei einigen gebraucht man gar mehrere Stunden Zeit, um zu Fuß hindurch zu kommen.
Manchmal liegen sie auch so nahe bei einander, daß nur eine Brücke, ein Fluß, oder der Na·me sie unterscheidet.
In den Dörfern steht der zu jedem Hause gehörige Abtritt allezeit an der Straße zur Seite des Wohnhauses.
Er ist unten offen, und unter demselben ist an der Straßenseite ein großes irdenes Geschirr in die Erde gegraben, wo jeder Vorbeigehende sein Wasser hinein lassen kann.
Der von diesem gesammelten Urin, dem was sonst im Abtritte sich sammelt, und auch von dem was aus der Küchengoß·e hinein fließt (·dies alles sammelt man hier zu Lande mit vieler Sorgfalt zum Düngen des Ackers·), entstehende Gestank ist des Sommers an heißen Tagen so stark und unausstehlich, daß kein Zustopfen der Nase und keine Wohlgerüche dagegen helfen.
Die Einwohner haben sich daran gewöhnt, aber er ist auch den Augen höchst schädlich.
Dass so viele, besonders alte Leute, mit roten, wunden und triefenden Augen geplagt sind, kommt hauptsächlich von den scharfen Ausdünstungen jener Sammlungen her.
Das gestehe ich inzwischen gern, daß dieser Gestank und die haushälterische Mühe und Sorgfalt, welche man anwendet, das alles aufs genaueste zusammen zu sammeln, durch den Ertrag des Ackers reichlich belohnt wird.
Kamine und Stubenöfen kennt man im ganzen Lande nicht, obwohl die Kälte strenge ist, und die Einwohner nöthigt, vom October bis zum Ende des Märzes die Zimmer zu heizen.
Dies Heizen der Zimmer geschieht vermittelst kupferner Töpfe, von unterschiedlicher Größe, mit breitem überstehenden Rande, die unten mit Mörtel oder Asche angefüllt werden, worauf man gut gebrannte Kohlen legt, die man alsdann anzündet.
Den Topf stellt man entweder mitten ins Zimmer, oder an eine Seite, und die Japaner setzen sich um denselben her.
Weil die Wände nicht dicht sind, müssen sie mehrfach des Tages auf diese Art einheitzen, oder auch das Kohlenfeuer den ganzen Tag über unterhalten.
Diese Art des Heizens führt aber mancherley Unbequemlichkeiten mit sich.
Oft dunsten die Kohlen.
Von dem aufsteigenden Kohlendampfe wird das Zimmer sehr schwarz.
Den Augen schadet der Rauch auch.
So einfach die Bauart der Japaner ist, so einfach ist auch ihr Ameublement, oder vielmehr, sie haben gar keine Möbel·.
Ihre Zimmer und Häuser entbehren mithin auch des Ansehens und Schmucks, den hübsche Möbel· geben.
Aber auch die Leute selbst entbehren dadurch manche Bequemlichkeit.
Schränke, Commoden, Bureaux, Sofa, Betten, Tische, Stühle, Uhren, Spiegel oder dergleichen findet man in keinem Zimmer.
Die meisten von diesen Dingen sind ihnen unbekannt.
Die weichen Strohmatten auf dem Fußboden dienen ihnen statt Betten und Stühle.
Eine weiche mit Baumwolle ausgestopfte Matratze wird über die Matte ausgebreitet, wenn sie schlafen gehen wollen.
Unter den Kopf legen sie ein längliches Stück lackiertes Holz.
Anstatt der Decke gebrauchen sie ihren weiten Talar.
Bei dieser Art zu schlafen kommt ihr Haar des Nachts nicht in Unordnung, und des Morgens sind sie in dem Augenblicke, da sie aufstehen, auch gekleidet; denn den weiten Rock können sie in einem Hui anziehen und zubinden.
Beim Sitzen sind ebenfalls die Matten und ihre Fersen ihr Stuhl.
Denn sie setzen sich auf die Matte nieder, und legen die Füße unter das Gesäß.
Hierdurch unterscheiden sie und die Chineser sich von den meisten ander·n Ostdindischen Völkern, die, wenn sie sitzen, die Beine und Füße kreuzweise vor sich liegen haben.
Beim Essen wird für jede Person ein kleiner viereckiger, eine halbe Elle langer und breiter, und vier Zoll hoher Tisch hinein gebracht und hingesetzt, auf welchem statt der Gabel ein kleines hölzernes Stift, oder keins liegt, und worauf von jedem Gerichte eine Portion in lackierten hölzernen Näpfen, die mit einem Deckel zugedeckt sind, befindlich ist.
Was sie von Schränken, Kisten, Laden, Koffern und dergleichen haben und gebrauchen, steht alles im Packhaus· oder in be··sonderen Zimmern.
Bei ihrer Toilette brauchen sie kleine Schränke mit mehreren Schubladen.
Ein solcher Schrank ist eine halbe Elle lang und wenig über eine Viertel Elle hoch.
Unserem Ambaß·adeur wurde zu Jedo ein dergleichen Schrank, und zwar von so genannter alter Lacki·rung ( vieux Lacq ) zu Kauf gebracht.
Er war weit besser lackiert, als heute zu Tage geschieht, und die Blumen darauf waren sehr erhoben, welches sich ungemein schön ausnimmt.
Dergleichen Arbeit bekommt man jetzt selten zu sehen, noch selt·ner zu Kauf.
Aber jenes Stück verstehen hieß so viel als es mit Gold aufwiegen.
Man forderte siebzig Kobang, das ist vier hundert und zwanzig Taler dafür.
So sehr es alle neuere Arbeit dieser Art hinter sich zurück ließ, dünkte mir doch der Unterschied des Preises zu groß.
Spiegel paratieren zwar nicht in den Zimmern, aber beim Nachttisch· werden sie allgemein gebraucht.
Allein die Japanischen Spiegel sind nicht von Glas, sondern werden aus Metall, und zwar einer Composition von Kupfer und Zink, gegossen, und sehr gut poliert.
Man hat sie von sehr verschiedener Größe.
Ein solcher Spiegel wird auf einem schief herab gehenden hölzernen Gestelle befestigt, und das schöne Geschlecht kann seine Reitze darin vollkommen so gut, als in einem Europäischen gläsernen Spiegel, beschauen.
In den Häusern braucht man vielfältig Schirme, die vier Ellen hoch, und um der Bequemlichkeit willen so eingerichtet sind, daß sie mehrere Mahl zusammen·geklappt werden können.
Man setzt sie vor die Schlafstellen, wenn mehrere in einem Zimmer schlafen; verdeckt damit im Zimmer, was nicht in die Augen fallen soll; teilt die Zimmer damit ab; setzt sie vor die Fenster, um die Zugluft abzuhalten; stellt sie des Winters um den Feuertopf, damit die Wärme mehr bey einander bleibe; und wozu man sonst Schirme gebraucht.
Man hat sie groß und klein.
Manche sind recht schön angemalt, oder mit bemaltem dickem Papier überzogen.
Meistens sind sie aus sechs besonderen Rahmen zusammen gesetzt, deren jeder eine Elle breit ist.
Vierter Abschnitt.
Die Japanische Kleidertracht verdient mehr, als die in irgend einem Lande, den Namen einer National-Kleidung.
Sie unterscheidet sich nicht allein von der Tracht aller übrigen Völker und Menschen, sondern ist auch eine und dieselbe bey allen Einwohnern, vom Monarchen bis zum geringsten Unterthan; gleich bey beyden Geschlechtern; und, welches fast alle Glaubwürdigkeit übersteigt, seit dritthalb tausend Jahren ganz unverändert.
Der Hauptanzug ist durchgängig bei allen und jeden Japanern, von jeglichem Stand, Geschlecht und Alter, ein langer und weiter Talar, der unser·n Schlafrocken ähnlich ist.
··Die Holländer nennen ihn auch einen Schlafrock··.
Die Vornehmen und Reichen tragen ihn vom feinsten seidenen, die Armen und Geringen von Baumwoll·nem Zeuge.
Beim weiblichen Geschlechte reicht er bis auf die Füße, beim männlichen nur bis auf die Fersen.
Zu Fuß Reisende, das Militär, und Arbeitsleute schürzen ihn entweder auf, oder tragen ihn so kurz, daß er nicht weiter als an die Knie geht, um bequemer gehen, ihren Dienst verrichten und arbeiten zu können.
Die Mannespersonen nehmen gemeiniglich einfarbiges Zeug dazu, die Frauenspersonen geblümtes, und nicht selten mit hinein gewirkten goldenen Blumen.
Im Sommer trägt man diese Röcke entweder ungefüttert, oder bloß mit dünnem Unterfutter; des Winters, um der Kälte willen, mit baumwoll·nen oder seidenen Watten ganz dicht ausgestopft.
Die Mannespersonen ziehen selten viele über einander; die Frauenspersonen aber haben oft dreißig bis fünfzig, ja wohl noch mehr zugleich an, immer einer über den ander·n, jedoch alle so dünn, daß sie zusammen kaum vier bis fünf Pfund wiegen.
Das unterste dieser Gewänder vertritt die Stelle des Hemdes, und ist deswegen entweder weiß oder bläulich, gewöhnlich dünn und durchsichtig.
Sie alle werden rund um den Leib, und zwar um die Weichen, mit einem Gürtel befestigt, der beim männlichen Geschlecht ungefaähr eine Hand, beim weiblichen hingegen beynahe eine halbe Elle breit ist, und solche Länge hat, daß er wenigstens zweymal um den Leib geht, und in einen Knoten mit großen Schleifen bequem zuzammen geknüpft werden kann.
Der Knoten mit der Schleife ist, zumahl beym Frauenzimmer, von ansehnlicher Größe, und man kann zugleich daran sehen, ob eine Frauensperson verheiratet oder unverheiratet ist; denn bei diesen sitzt er hinten auf dem Rücken, bei jenen aber vorn vor dem Leibe.
In diesen Gürtel stecken die Men·sch····en den Säbel, den Fächer, die Tabakspfeife, den Tabaksbeutel und die Arzneydose.
Am Halse ist der Habit allezeit rund ausgeschnitten, ohne Kragen, und vorn offen, so daß der Hals bloß ist, mit dem sie auch beständig bloß gehen, ohne je ein Halstuch oder dergleichen zu gebrauchen.
Die Ärmel sind sehr unförmlich und über alle Maße weit, die Weite beträgt eine halbe Elle.
Vorn bei der Öffnung sind sie zur Hälfte zusammen genäht, so daß sie unterwärts einen Beutel formi·ren, der ihnen statt einer Tasche dient, Papier und and·re Sachen, die nicht schwer sind, hinein zu stecken, und wo sie auch bei kaltem Wetter die Hände hinein stecken.
Vorzüglich sind sie bei jungen Mädchen lang, bei denen sie oft bis auf die Erde hängen.
So ohne Unterschied allgemein diese Tracht im ganzen ist, findet doch, in Rücksicht auf Geschlecht, Alter, Stand und Lebensart, einige, wiewohl nicht beträchtliche, Verschiedenheit dabei Statt.
Geringe Leute, Arbeiter, Fischer, Matroßen und dergleichen sieht man oft, wenn sie ihre Arbeit verrichten, ganz oder halb nackt.
Im ersteren Falle haben sie weiter nichts als einen Gürtel um den Leib, der die Geschlechtsteile einschließt und bedeckt, von da zwischen den Beinen hindurch nach hinten geht, und auf dem Rücken fest gemacht wird.
Die H·····err··en von besserem Stande tragen, wenn sie ausgehen, außer diese· langen Talare·, auch noch ein kurzes Obergewand und eine Art Beinkleider.
Jenes ziehen sie über die langen Talare.
Am Halse und an den Armen ist es eben so zugeschnitten und gemacht, als diese.
Es reicht aber bloß bis auf den Unterleib, und hier wird es nicht mit einem Gürtel, sondern vorn und oberwärts mit einem Bande zusammen gebunden.
Das Zeug dazu ist so dünn, als Flor, und gewöhnlich von schwarzer, bisweilen von grüner Farbe.
Wenn sie zu Hause kommen, wie auch in ihren Amtszimmern, wenn keine Vorge setzte oder höhere Beamte zugegen sind, nehmen sie diesen Oberhabit ab, und legen ihn nett zusammen.
Die Hosen sind von einer eigenen Art Zeug, das weder von Seide noch Baumwolle, sondern von einer Gattung Hanf gemacht wird, und zwar fein und dünn, aber zugleich sehr dicht ist.
Sie haben mehr Ähnlichkeit mit einem Frauenzimmer-Rock· als mit Manns-Beinkleidern.
Unten bei den Füßen an der inwendigen Seite sind sie zusammen genäht, aber an bei beiden Seiten, zwei Dritt·e·l ihrer ganzen Länge, offen gelassen.
Sie reichen ganz bis an die Knöchel, und oben bis an die Weichen, wo sie mit einem Bande, das so wohl von vorne als von hinten um den Leib gewickelt wird, befestigt werden.
An dem Hinterteil· dieser so genannten Beinkleider ist ein dreieckiges dünnes Bret·chen, kaum eine Vierteilelle lang, und mit eben dem Zeuge überzogen, eingenähet, das über dem gedachten Bande am Rücken hinauf steht.
Sie sind von Farbe entweder braun gestreift oder grün, bisweilen auch wohl schwarz.
Einige sah ich auch von Sukkotas, einem Bengalischen Zeuge.
Unterhoßen unmittelbar am Körper werden selten anders als auf Reisen, und vom Militär gebraucht.
Auch haben die Japaner eine Art festlichen Kleides, daß sie Compliment-Kleid nennen.
Dies wird aber bloß bei solch·en Gelegenheiten gebraucht, wenn die Subordini·rten ihren höheren Vorgesetzten aufwarten, oder wenn man bei Hofe erscheint.
Es wird über die gewöhnlichen weiten Talare angelegt, und besteht aus zwei, von einerley Art Zeug verfertigten Stücken.
Das untere Stück sind die eben beschriebenen langen Hosen, die aber alsdann gemeiniglich von blauem Zeuge mit gedruckten weißen Blumen sind.
Das obere, welches hauptsächlich das Eigene dieses Oberkleides ausmacht, ist ein Wamms oder eine Jacke, die dem oben beschriebenen kurzen Obergewande nicht sehr unähnlich ist, und mit unser·n Schifferwämse· vergleich·· werden kann, aber hinten über den Schultern zu beyden Seiten weit hervor steht, so daß der Japaner darin ein gar breitsschultriges Ansehen hat.
Alle diese Kleidungsstücke, die Beinkleider ausgenommen, die von Hanfleinwand sind, bestehen theils aus seid·nem, theils aus baumwoll·nem Zeuge, theils aus einer Art Leinwand, die aus einigen Gattungen Nessel verfertigt wird.
Die Vornehmen tragen die feinsten seidenen Zeuge, die an Feinheit und Dünne alles übertreffen, was Europa und das übrige Indien aufzuweisen haben.
Die Holländer würden diese Stoffe ohne Zweifel auch kaufen und nach Europa schicken, wenn sie nicht so sehr schmal, folglich zu Europäisch·· Kleidungsstücken unbrauchbar wären; nur wenige sind eine halbe Elle breit.
Die geringen Leute nehmen Baumwoll·nes Zeug, das hier zu Lande in der größten Menge verfertigt und wohlfeil verkauft wird.
Bisweilen, wiewohl nur als eine gar ungemeine Seltenheit, machen die Japaner eine Art Zeug aus der Rinde des Papier-Maulbeerbaums ( Morus papyrifera ), ( der nämliche Baum, woraus sie ihr Papier machen ), das entweder auf dieſelbe Art als Papier verfertigt, oder auch geſponnen und gewebt wird.
Dies letztere ist ganz schneeweiß, sehr fein, sieht wie baumwoll·nes Zeug aus, und wird dann und wann von den Damen zur Kleidung gebraucht, aber nur zum Staat als etwas sehr rares.
Stark ist es eben nicht; gewaschen kann es zwar werden, aber das muß mit vieler Behutsamkeit geschehen.
Das Garn dazu wird aus den Fäden oder Fasern der Rinde gesponnen.
Die erste·· Art ist wirklich eine Art dicken Papiers, bräunlich, und entweder mit einzelnen schmalen dunklen Streifen, oder mit Blumen bedruckt.
Es ist auch selten.
Mehrere Stücke, etwas über eine halbe Elle lang und breit, werden sehr sauber zusammen geklebt und Talare daraus gemacht.
Es wird aber nur von sehr bejahrten Männern als eine Art Ehrenkleid getragen, und zwar bloß im Winter, da man nicht schwitzt, und auswendig über einem oder zwei ander·n Talaren.
Für jüngere Personen ist der Gebrauch verboten.
Stark ist diese Gattung Zeug auch nicht.
Von dieser Tracht der Japaner kann man überhaupt rühmen, dass sie sehr weit· und mit dem Unterfutter auch sehr warm ist; dass man sie sehr geschwind aus- und anziehen kann: sich auszukleiden, braucht es nichts weiter, als den Gürtel aufzulösen und die Arme einzuziehen, da fällt der ganze Anzug von selbst nieder; dass sie kein Gliedmaß, keinen Teil des Körpers zwingt, spannt oder drückt; kurz, dass sie unbeschreiblich bequem ist; dass jeder Anzug beynahe jedem passt; dass beim Machen fast gar nichts vom Zeuge abfällt und verloren geht; dass die Verfertigung weder viel Kunst noch viel Arbeit erfordert.
Dagegen hat sie aber auch das Unangenehme und Schlimme, daß sie beim Gehen, auf Reisen, wenn der Wind wehet, bei schlimmen Wetter, und bei den meisten Arbeiten und Verrichtungen unbequem und hinderlich ist.
Da die Kleider bis auf die Füße reichen, folglich die Beine hinlänglich warm halten, so gebrauchen die Japaner keine Strümpfe.
Geringe Leute, wenn sie zu Fuß weite Wege gehen oder reisen, auch die Soldaten, deren Kleidung nicht so lang ist, tragen Baumwoll·ne Stiefelletten oder Kamaſchen.
Zu Nagasaki und in den umliegenden Gegenden gehen verschiedene Leute während der größten Winterkälte mit Socken von Hanf mit Sohlen von Baumwoll·nem Zeuge, um die Füße vor Erfrierung zu schützen.
Diese binden sie um die Knöchel fest.
Für die große Zehe nähen sie ein besonderes Stück ab, um die gewöhnlichen Schuhe überziehen zu können; jener steckt alsdann in seinem eigenen, zur übrigen Socke gehörigen Futterale.
Die Schuhe, oder richtiger Pantoffeln, sind von dem ganzen Anzug· der Japaner das unansehnlichste und elendeste, und doch werden sie von jedermann, Armen und Reichen, Hohen und Niedrigen getragen.
Gewöhnlich sind sie von Reissstroh, für die Vornehmen auch wohl von fein zerstück·eltem dünnen Rohr, geflochten.
Man kann sich leicht vorstellen, daß sie gar nicht stark sind.
Sie bestehen bloß aus einer Sohle, ohne Oberleder und Hinterteil.
Vorn geht ein Bügel quer überhe·r, der mit Leinwand gefüttert· und einen Finger dick ist.
Von der Spitze des Schuh·s bis zu diesem Bügel geht ein rundes Band, das zwischen der großen und zweiten Zehe zu sitzen kommt, und den Schuh am Fuß· fest hält.
Da die Schuhe ohne Hinterteile sind, klappen sie, wenn man geht, wie Pantoffeln.
Auf Reisen, oder wenn sie sonst weite Wege zu gehen haben, machen sie drei, von Stroh gewund·ne, Bänder daran, womit sie sie an den Füßen und Beinen fest binden, damit sie nicht abfallen.
Damit diese Bänder den Rest oder Oberteil des Fußes nicht scheuern mögen, legen sie auch wohl einen Lappen Leinwand darunter.
Manche nehmen auf Reisen ein oder mehrere Paar Schuhe mit, um neue anziehen zu können, wenn die ander·n abgenutzt sind.
Sonst findet man in allen Städten und Dörfern Schuhe die Menge und für wohlfeilen Preis zu Kauf, besonders unglaublich viele in solchen, selbst den kleinsten, wo die Landstraßen durchgehen.
Man kauft das Paar für einige Kupferpfennige (·Seni·).
Wenn es regnet oder der Weg kothig ist, werden diese Schuhe nicht nur bald durchnässt, und verursachen nasse Füße, sondern nutzen sich auch sehr geschwind ab.
Man sieht daher am Wege eine Menge unbrauchbar gewordene und von Reisenden abgelegte Schuhe liegen, besonders an Bächen, wo sie sich beim Umziehen die Füße waschen konnten.
Bey Regen und schmutzigem Wetter tragen die geringen Leute, um, ohne daß die Füße unrein werden, gehen zu können, statt dieſer hölzerne Schuhe oder Holſchen, die aus einem hohen Stuck Holz beſtehen, das unten in der Mitte ausgehöhlt, und oben mit einem Bügel und einem Bande für die großen Zehe verſehen iſt.
Einige brauchen diese Holschen auch wie Kaloschen oder Oberschuhe; sie befestigen nämlich die gewöhnlichen strohernen Schuhe in denselben; und treten so hinein.
Im Hause geht der Japaner nie mit Schuhen, sondern allezeit barfuß, um die hübschen Fußboden-Matten nicht unrein zu machen.
Wenn er ins Haus kommt, tritt er seine Schuhe aus, und setzt sie auf die Diele, oder auf eine bei der Haustür stehende Bank, lässt sie sich auch wohl von einem Bedienten oder Mädchen abnehmen.
Die Holländer tragen ebenfalls, so lange sie in Japan sind, da sie bisweilen bei Japanern Besuch abzulegen haben, auch ihre eigenen Zimmer auf der Factorey mit solchen Matten belegt sind, keine Europäische Schuhe, sondern an ihrer Stelle rothe, gruene oder schwarze Pantoffeln, die sie beim Eintritte ins Haus ablegen können.
Strümpfe tragen sie aber doch, und über dieselben Baumwoll·ne Schuhe mit Schnallen, die in Japan gemacht werden, und so oft es nöthig ist, gewaschen werden können.
Um das Waschen nicht nöthig zu haben, lassen einige sie sich von Atlas machen.
Die Art das Haar zu tragen ist bey diesem Volke eben so sehr von der Sitte and·rer Völker unterſchieden, und zugleich bey allen fast ohne Ausnahme gleich, als der Anzug.
Die Men·sch····en scheren den Kopf vorn von der Stirn bis hinten in den Nacken, doch so, daß sie bei den Schläfen und im Nacken etwas Haar sitzen lassen.
Diese wenigen Haare schmieren sie stark mit Öl, streichen sie am Kopfe hinauf, und binden sie oben auf dem Kopfe mit einem mehrmals umgewund·nen weißen papiernen Faden zusammen.
Oberhalb dieses Gebindes oder Wulstes lassen sie sie einen Finger lang stehen; das übrige schneiden sie gerade ab, kleben es mit Öl wohl zusammen, und krümmen es so, daß die Spitze dieses kurzen Zopfs gegen die Scheitel zu stehen kommt, wo sie es mit dem nämlichen Faden in dieser Lage einmal umbinden und befestigen.
Diese Frisur nehmen sie sorgfältig in Acht, und damit die wieder wachsenden Haarstumpfen ihren kahlen Kopf nicht verunstalten mögen, scheren sie sie alle zwei Tage von neuem ab.
Priester und Ärzte, auch die Knaben, ehe sie mannbar werden, sind die einzigen, welche hierin eine Ausnahme machen.
Die Ärzte und Priester scheren den ganzen Kopf und gehen ganz kahl, wodurch sie denn freilich sich von allen ander·n Ständen unterscheiden.
Die Knaben hingegen lassen alles Haar wachsen, bis die Zeit kommt, da sie sich scheren müssen, nämlich wenn der Bart anfängt sich zu zeigen.···
Das weibliche Geschlecht behält das Haar ebenfalls, und zwar beständig.
Nur geschnittene Frauen scheren es ab, die dann mit ihrem kahlen Kopfe gar hässlich aussehen.
Die Frauenspersonen streichen das Haar, mit Öl und schleimigen Sachen stark durchgeschmiert und glatt gemacht, von allen Seiten dicht am Kopfe in die Höhe, und zwar entweder ganz nett und einfach, oder auf den Seiten gleichsam wie Flügel ausgezogen.
Darauf binden sie die Enden mitten auf dem Kopfe um einen Knoten fest, beynahe eben so, als die Bauerdirnen in Schweden.
Durch die Seitenflügel unterscheiden sich an machen Orten die Unverheiratheten von den Verheiratheten.
Vor· vor jenem Haarwulst· stecken sie einen breiten Kamm ein, der bei geringen Leuten von Holz, bei den Reichen von Schildkrotenschale gemacht ist.
Die Reichen brauchen außerdem verschiedene and·re Zierrathen von Schildkrötenschelle, die sie durch den Wulst hindurch stecken, tragen auch einige wenige Blumen im Haare, und dies macht ihren ganzen Kopfschmuck aus, ohne daß sie Perlen und Juwelen gebrauchen.
Ihre Ohren mit Ringen und and·rem Gehänge zu schmücken, so eitel sind sie noch nicht.
Den Kopf bedecken die Japaner niemals, weder mit Hüten noch Mützen, weder gegen die Kälte, noch gegen die Sonnenhitze.
Nur auf Reisen gebrauchen sie einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binsen kegelförmig geflochten ist, und mit einem Bande unter dem Kinn· fest gebunden wird.
Ein solcher Hut ist sehr dünn und leicht.
Auch die Fischer brauchen dergleichen.
Verschiedene reisende Frauenspersonen, die uns unterweges begegneten, hatten Mützen auf, die wie tiefe Suppenschalen aussehen, von Zeug, das mit Gold durchwirkt war, gemacht, und über den Kopf gestülpt waren.
An einigen Orten trägt das weibliche Geschlecht im Winter gegen die Kälte eine gar besondere Art Mützen, die den Kopf vorn bedecken, an beiden Seiten ausstehen und unterm Kinne zugebunden werden.
Sie werden von weißen seidenen Watten verfertigt, mit Kleister bestrichen und ganz glatt gemacht.
Ich habe aber nicht finden können, wie sie im Stande sind zu wärmen.
Durchgängig bedient man sich eines Sonnen- und Regenschirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Sonnenstrahlen und den Regen zu schützen.
Auf Reisen, so wohl zu Fuß, als zu Pferde, gebraucht man auch häufig einen Regenmantel.
Dieser ist weit und kurz, von dickem, durch Öhl gezog·nem Papier, und von derſelben Gestalt, als der Talar.
Dergleichen Mäntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn sie mit ihren Herren reisen; und ich und meine Gefährten mussten auf unserer jed·er Reise unseren Aufwärtern, als wir durch den Ort kamen, wo sie verfertigt werden, mit solchen auch ein Geschenk machen.
Sie halten allen Regen ab, und sind unglaublich leicht, werden auch nicht, wie die Europäisch·· Mantels und Oberröcke, vom Regen schwerer.
Geringe Leute, die sich einen solchen Mantel nicht anschaffen können, hängen eine stroherne Matte über den Rücken, die entweder glatt, oder aus wendig von den hervor stehenden und herunter hangenden Enden Stroh rau· sind.
Auf ein oder mehrere Kleidungsstücke, besonders auf das Obergewand, lässt der Japaner allezeit sein Wappen setzen.
Es wird entweder auf den Ärmeln oder zwischen den Schultern angebracht.
Die Absicht hie·bey ist, damit niemand sie stehlen oder umtauschen möge, welches sonst sehr leicht würde geschehen können, da die Kleidung an Zeug, Gestalt und Größe sich so gleich ist.
Wenn man eine Menge Leute beysammen sieht, fallen diese Wap·en auf den Kleidern gar sonderbar in die Augen.
Statt der Schnupftücher brauchen die Japaner allezeit ein Stück feines, weiches Schreibpapier, das sie zu dem Ende immer bei sich tragen.
Dieses Papiers bedienen Sie sich auch, den Mund, die Finger, und den Schweiß, im Gesicht·, unter den Armen und am Leibe, abzuwischen.
Fächer gebraucht man hier zu Lande allgemein.
Jedermann hat beständig einen Fächer bei sich.
Man steckt ihn auf der linken Seite in den Gürtel, und zwar hinter den Säbel, so daß das offene Ende oben heraus steht.
Man kühlt sich damit, wenn man heiß wird; und wenn man im Sonnenschein ausgeht, hält man ihn vor die Sonne.
Man zeichnet auch wohl dies oder jenes auf dem Fächer, wie in einer Schreibtafel, an.
Oft haben sie, wenn sie reisen, ihre ganze Reise-Route darauf stehen.
Das unverheirate·· Frauenzimmer schminkt sich auch wohl.
Vorzüglich tun es die Mädchen in den öffentlichen Häusern zur Erhöhung ihrer Reize.
Sie gebrauchen dazu eine rote Farbe, die Bing heißt, und in kleinen runden porzellanenen Schälchen verwahrt wird.
Sie schminken aber nicht, wie das schöne Geschlecht in Europa, die Wangen, sondern die Lippen.
Ist die Farbe sehr dünn, so werden die Lippen roth; wird sie aber dick aufgetragen, so werden sie violett, und das wird hier für eine größere Schönheit gehalten.
Ich untersuchte die Schminke, und fand, daß sie aus der gewöhnlichen Saflorblume (·Carthamus tinctorius·) prapari·rt wird.
Das verehr····te Frauenzimmer unterscheidet sich hauptsächlich durch die schwarzen Zähne.
Sie wenden viel Mühe an, und halten manchmal viel aus, um sie schwarz zu färben, und diese Schönheit –· denn dafür gelten hier die schwarzen Zähne, und zwar sehr –· vor den unverheirateten voraus zu haben.
Ich gestehe aber gern, daß mir ein weiter Mund mit schwarzen, glänzenden Zähnen, gar hässlich und widrig erschien.
Die Schwärze, welcher sie sich dazu bedienen, heißt Obaguro oder Kanni, und wird aus Urin, Eisenfeilspänen und Sakki bereitet.
Sie ist stinkend und fressend.
Sie frisst sich so stark in die Zähne hinein, daß sie in Zeit von mehreren Tagen nur mit Mühe abgeschabt und abgewaschen werden kann.
Zahnfleisch und Lippen müssen während des Bestreichens sorgfältig bedeckt werden, w··enn sie nicht ganz blau davon werden sollen.
Einige machen von diesem Schmuck schon Gebrauch, so bald sie Freyer bekommen oder Verlobung halten.
Noch ein anderes Unterscheidungszeichen der Frauen, das sie noch ärger entstellt, als jenes, besteht darin, daß sie alle Haare aus den Augenbrau·en ausgezogen haben.
Man kann nicht glauben, wie ··h···ierdurch selbst das schönste Gesicht verliert.
Fünfter Abschnitt.
Münzen und Gewicht.
Das Japanische Gewicht ist so eingeteilt, daß ein Pikkel 125 Pfund, ein Katje 16 Thail, ein Thail 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn macht.
Das Geld wird im Handel und Wandel auf eben die Art gerechnet, so daß ein Thaler, der ungefähr einem Holländischen Thaler gleich kommt, 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn enthält.
Man rechnet aber im gemeinen Leben nicht nach Tä·l, sondern nach Mas, und sagt statt 1 Tä·l, 10 Mas; statt 10 Tä·l, 100 Mas; statt 100 Tä·l, 1000 Mas, und so weiter.
Diese Art, das Geld zu berechnen, ist der Schwedischen Rechnung nach Thalern Silbermünze und Thalern Kupfermünze; die and·re nach Thail, unserer Rechnung nach Reichshalern und Scheidemünze, ähnlich.
Repräsentierendes oder Papiergeld kennt man in Japan gar nicht.
Man hat nur bare klingende Münze, welche die Regierung schlagen und den Wert darauf setzen lässt.
Das Silbergeld ist aber, wenn es zu gleichem Wert geprägt ist, doch an Größe und Schwere nicht immer gleich.
Die Kaufleute wägen es daher allezeit, ehe sie es annehmen.
Die Münzen sind von Gold, Silber, Kupfer und Eisen.
Ich bediente mich nicht nur der Gelegenheit, von allen jetzt gangbaren und gewöhnlichen Münzsorten einige Stücke mitzunehmen, sondern es gelang mir auch, durch die Dolmetscher und Ärzte mir alle alten und seltene Sorten zu verschaffen.
Zu den gangbarsten Arten, und zwar den goldenen, gehören zuvorderst die neuen Kobang.
Dies sind längliche, an beiden Enden gerundete und platt geschlagene Goldstücke, ungefahr zwei Zoll lang, etwas über einen Zoll breit, und nicht viel dicker als ein Schwedischer oder Deutscher Kupferpfennig.
Von Farbe sind sie hellgelb.
Auf der einen Seite sind sie mit eingeprägten abgebrochenen Querstrichen, und an beyden Enden mit der Figur der kleineren viereckigen Münze, die den Nahmen Itjib führt, und die ich so gleich beschreiben werde, bezeichnet.
Auf der ander·n Seite sieht man in der Mitte einen zirkelrunden Stempel mit erhobenen Buchstaben, und an dem einen Ende zwei dergleichen kleinere, die auf jedem Stück· verschieden sind.
Diese Münze gilt 60 Mas oder 6 Thaler.
Die eben gedachte kleinere gold·ne Münze, Itjib, nennen die Holländer Boontjes (·Bohnen·).
Sie ist von bleichem Gold·, länglich viereckig und flach, etwas dicker als ein Kupferpfennig.
Das P··räge besteht auf einer Seite aus vielen erhobenen Buchstaben, und auf der ander·n aus zwei erhobenen Blumen und einer mondförmigen Figur.
Ihr Wert ist 5 Mas oder ¼ Kobang.
Unter den Silb ermünzen bemerke ich zuerst den Nandio Gin.
Er ist ebenfalls länglich viereckig, von der Dicke eines Species-Thalers einen Zoll lang und einen Zoll breit, von feinem Silber.
In den Rand selbst sind Sternchen eingedruckt, und um den Rand herum geht eine Reihe erhobener Punkte.
Die eine Seite ist überall mit erhobenen Buchstaben bezeichnet, von der ander·n ist die untere und zugleich größere Hälfte mit erhobenen Buchstaben angefüllt: auch zeigt sie eine doppelte mondförmige Figur.
Diese Münze ist nur auf der Insel Nippon, besonders in den Hauptstädten des Reichs, gänge.
Die im Handel und Wandel allgemein gebraüchlichen Sorten sind die Itagame und Kodama.
Dies sind unförmliche Silberklumpen von sehr verschiedener Größe, Gestalt und Wert.
Die ersteren unterscheiden sich jedoch von den letzteren dadurch, daß jene länglich, und diese rundlich, gewöhnlich dick, selten flach, sind.
Von Farbe sehen sie wie Blei aus.
Sie sind mit Buchstaben, aber auf mancherley Art, bezeichnet.
Auf einigen sieht man das Bild des Gottes des Reichthums, und diese heißen Daikokus ganne.
Diese nebst den übrigen Japanischen Münzen habe ich in einer, in der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, im Jahr 1779 gehaltenen Rede ausführlicher beschrieben, wo auch Abbildungen davon beygefügt sind.
Seni nennen die Japaner ihre kupfernen, messingnen und eisennen Münzen.
Man kann sie mit Europäischren Kupferpfennigen vergleichen.
Sie sind aber ungleich an Größe, Wert und Ansehen.
Darin kommen sie jedoch überein, daß sie alle gegoß·en, in der Mitte mit einem viereckigen Loch·, wodurch man sie auf eine Schnur reihen kann, versehen sind, und einen breiten Rand haben.
Die S·umon Seni gelten 10 gewöhnliche Seni, oder ½ Mas, fangen aber schon an selten zu werden.
Die Simoni· Seni gelten 4 gewöhnliche Seni, sind von Meſſing, beynahe so groß als ein acht gute Groschen-Stück, aber dünn, und bloß auf der Insel Nip·on gebe; sie zeichnen sich durch ihre gelbe Farbe und die auf der unter·n Seite befindlichen erhobenen Bogen aus.
Die gewöhnlichen Seni sind von der Größe eines Pfennigs, und von rotem Kupfer; 60 machen 1 Maß.
Die Doosa Seni sind von Eisen gegossen, so groß und von gleichem Wert, als die vorher gehenden, sehen auch eben so aus, sind aber so spröde, daß sie leicht zerbrechen oder entzwei fallen.
Nahe bei der Stadt Nagasaki ist eine Münze, wo dergleichen gegossen werden.
Jetzt komme ich zu den ehemals gangbaren, heutiges Tages seltenen Arten.
Die alten Kobang sind von feinem Golde, brandgelb von Farbe, und etwas breiter als die neuen, übrigens mit diesen von einerley P··räge.
Sie gelten 10 Taler· oder ungefähr 10 Taler.
Die alten Itjib sind etwas länger, breiter und dicker als die jetzt gebräuchlichen, von blassem Gold·, und gelten 22 Mas, 5 Konderyn.
Es gibt auch kleinere, die ungemein rar sind; diese sind kürzer, schmäler und dünner, als die gewöhnlichen, auch von höherer Farbe, und sind 11 Mas, 2 Konderyn, 2 Kasj·e wert.
Kosju k·in, Kosju bang oder Kosju Itjib, Nisin und Sunak sind Namen kleiner gold·ner, an Größe, Gestalt und Werth sehr ungleicher Münzen.
Sie sollen ehemals in der Landschaft Kosju geschlagen, und davon benannt sein.
Sie sind von sehr hellgelbem Golde, platt, auf beiden Seiten mit Stempeln, auf der einen mit zweien, auf der ander·n mit vieren, versehen.
Ich erhielt davon vier runde und ein viereckiges Stück, die alle das mit·einander gemein haben, daß der obere Stempel auf der einen Seite, und die beiden zur Rechten auf der ander·n gleich sind.
Der untere Stempel auf der einen, und die beiden zur Linken auf der ander·n Seite hingegen sind verschieden.
Die runde· sind inwendig um den Rande mit erhobenen Punkten bezeichnet.
Ihr Wert ist von 2 bis 12 Mas.
Unter den silbernen bemerke ich die G·omome Gin.
Diese sind länglich viereckig, beynahe zwei Zoll lang und halb so breit, von der Dicke eines Species-Thalers, von grobem Silber, und haben abgestumpfte Ecken.
Auf dem Rande sieht man verschiedene Sternchen eingedruckt, inwendig um denselben auf beiden Seiten eine schmale Vertiefung.
Auf beiden Seiten befindet sich in der unteren größeren Hälfte eine Erhöhung, die so aus·ieht, als wenn ein Nandiogin hinein gelegt wäre, und worauf man einen großen Stempel mit erhobenen Buchstaben erblickt.
Die andere kleinere Hälfte ist auf einer Seite ohne alles P··räge; auf der ander·n zeigt sie zwei Reihen Punkte, zwei gerade Querstriche, und zwischen denselben ein geschlung·nes Band, alles erhöht·.
Diese Münze wird auf 5 Mark geschätzt, und soll vor diesem in den Hauptstädten gange gewesen sein.
Sechster Abschnitt.
Zeitrechnung und Feste.
Das Jahr teilen die Japaner nach dem Lauf des Mondes ein.
Einige Jahre bestehen daher aus zwölf, and·re aus dreizehn Monaten.
Das neue Jahr fängt entweder im Februar oder im März; ihre Zeitrechnung aber mit dem Jahr 660 vor Christi Geburt, an.
Die zwölf himmlischen Zeichen haben sie auch, aber unter ander·n Namen, als die Europäer.
Sie heißen bei ihnen, wie folg·t:
Ne··in·, Ratze.
4. Oh, Hase.
5. Tatsäch, Drache.
8. Tit·use, Widder. 9. Sa·r, Affe. 10. Torri, Hahn.
11. In, Hund. 12. J, Bär.
Von diesen himmlischen Zeichen werden gewisse Jahre benannt.
Die Monathe kommen des ungleichen Monde·laufs wegen, mit den unsrigen niemals vollkommen überein.
Sie haben ihre eigenen Namen, und zwar von ihrer Zahl.
Da die Holländer während ihres hiesigen Aufenthalts sich so wohl nach dem Europäischen, als nach dem Japanischen Kalender zu richten genöthigt sind, müssen sie sich jährlich einen aus beiden zusammen gesetzten Kalender aufsetzen, der das Verhältnis beider Zeitrechnungen darstellt.
Hier ist ein ganz kurzer Auszug aus einem solchen Kalender, woraus man zugleich die Namen der Monathe sehen kann.
Die Monathe werden demnach so gezählt: der erste, der zweite, der dritte, und so weiter bis den zwölften, und die Jahre haben nicht gleich viele Tage.
Das zweite oder dritte Jahr ist allezeit ein Schaltjahr, deren in neunzehn Jahren sieben einfallen.
Wochen haben die Japaner nicht, sondern der Erſte und Funfzehnte in jedem Monathe sind Ruhetage.
An diesen Tagen arbeitet kein Handwerksmann; selbst die öffentlichen Dirnen kaufen sich an denselben frey, und halten es für einen großen Schimpf, wenn sie alsdann genöthigt werden, Mannspersonen anzunehmen.
Tag und Nacht werden nur in zwölf Stunden abgeteilt.
Hierbei richten sie sich das ganze Jahr hindurch nach dem Auf- und Untergange der Sonne.
Wenn die Sonne aufgeht, zählen sie sechs Uhr, und wenn sie untergeht, ebenfalls 6. Mitternacht und Mittag ist allezeit 9 Uhr.
Die Zeit wird nicht mit Uhren oder Stundengläsern, sondern mit brennenden Lunten abgemessen, die wie Stricke gedreht, und in einem bestimmten, durchgängig gleichen Abstand·, mit Knoten versehen sind.
Die Zeit, da eine solche Lunte von einem Knoten zum ander·n wegbrennt, zeigt eine gewisse Zeit an.
Ist sie nun bis zu einem Knoten weggebrannt, so wird es bei Tage mit gewissen Schlägen an den Glocken auf den Türmen ihrer Tempel, des Nachts aber durch Zusammenschlagen zweier Hölzer von den herum gehenden Nachtwächtern, angezeigt.
Man bedient sich aber auch wohl noch einer ander·n, gar besonderen Methode.
Man füllt eine Lade, die eine halbe Elle lang· und ungefähr halb so breit ist, mit Asche an; macht in die Asche feine Reifen, oder Kanäle, von einem Ende zum ander·n und so wieder zurück in mehreren Windungen.
In diese ganz durch fortlaufenden Furchen streuet man feines Pulver von der Rinde des Skimmibaums (·anisartiges Illicium, Illicium anisatum·), und macht Abteilungen für die Stunden.
Der Deckel wird fest zugemacht, aber ein kleines Loch gelassen, wodurch die Luft einziehen kann, um das Feuer zu unterhalten.
Darauf wird das Pulver angezündet, das langsam und sich immer gleich wegbrennt.
So oft es bis zu einer Abteilung weggebrannt ist, wird es auf die angeführte Art durch Glockenschläge oder Zusammenschlagen zweier Stücke· Holz zu erkennen gegeben.
Besonders bedienen die Nachtwachen an vielen Orten sich dieser Pulveru·hr.
Das Alter der Kinder wird so berechnet, daß das Jahr, worin sie geboren sind, für voll gilt.
Am Ende des Jahres ist also jedes in dem selben zur Welt gekommene Kind, und wenn es auch erst in den letzten Tagen des letzten Monats geboren ist, ein Jahr alt.
An den beiden mitt·leren, und auch an den beiden letzten Tagen des Jahres, folglich alle halbe Jahr, müssen alle Rechnungen abgeschlossen, und nebst allen ander·n Schulden und Forderungen, bezahlt werden.
Alsdann wird von neuem bis zum nächsten allgemeinen Abrechnungs- und Zahlungst·ermin, das ist auf ein halbes Jahr, Credit gegeben.
Wer im Termine seine Rechnung, Forderung oder ausstehende Schuld nicht bezahlt bekommen hat, hat hernach kein Recht, sie weiter zu fordern.
Glücklich ein Volk, das beim Anfange jedes halben Jahrs ganz schuldenfrei ist!
Am Neujahrstage wünscht jedermann, in seinem festlichen, blau und weiß gestreiften Anzug·, dem ander·n Glück.
Man geht mit seiner Familie umher, und legt Gratulatio·s-Besuche ab.
Gewöhnlich wird der ganze erste Monat dazu angewandt; so viele Visiten haben die Japaner bei dieser Gelegenheit zu machen.
Diese ganze Zeit ist zugleich dem gesellschaftlichen Vergnügen gewidmet.
Einige Tage nach Neujahr wird die Ceremonie verrichtet, daß die Japaner das Kreuzifix und das Bild der Jungfrau Maria mit Füßen treten.
Beide sind von Kupfer gegossen, und etwas weniger· als eine halbe Elle lang.
Die Absicht bei dieser Handlung ist, Abscheu und Hass gegen die christliche Religion und gegen die Portugiesen, die sie ehemals in diesem Lande predigten, und allgemein machen wollten, einzupregen und zu unterhalten, wie auch zu erforschen, ob etwa noch ein Überbleibsel von Anhänglichkeit an dieselben bei irgend jemand anzutreffen sein möchte.
Indessen geschieht dies nur in denjenigen Gegenden, wo die Christen vor Zeiten sich am meisten aufhielten.
Zu Nagasaki dauert diese Ceremonie vier Tage.
Hernach werden die Bilder nach den umliegenden Orten, wo ein gleiches damit geschieht, und zuletzt wieder nach Nagasaki gebracht, und da bis zum folgenden Jahre verwahrt.
Jedermann, bloß den Gouverneur mit seiner Suite und Bedienung ausgenommen, so gar die kleinsten Kinder müssen dabei zugegen sein.
Dass aber auch, wie einige behaupten wollen, den Holländern zugemutet werde, Teil daran zu nehmen, und mit auf die Bilder zu treten, ist nicht wahr.
Gewisse Aufseher sind dabei verordnet, welche die Einwohner nach ihren Bezirken von Haus zu Haus zusammen rufen, wenn alle beisammen sind, in gehöriger Ordnung ihre Namen aufrufen, und bei der Handlung selbst dahin sehen, daß alles richtig zugehe.
Die Erwachsenen treten von einer Seite zur ander·n über die Bilder weg; die Kinder werden unter den Armen aufgehoben, und mit den Füßen darauf gestellt.
Unter den Holländern sind äußerst wenige, die diese Feierlichkeit je gesehen hätten.
Von den jetzt auf der Insel befindlichen Offizieren war nur ein einziger, der einmal Gelegenheit gehabt hatte, im Vorbeigehen, als er vom Chef an den Gouverneur, um etwas, die Zuruüstung zur Jedo·r Reise betreffend, zu bestellen, nach der Stadt geschickt war, etwas davon zu sehen.
Die Feier des siebenten Tages ist in Japan unbekannt.
Sie haben aber verschiedene andere jährliche Feste, die zum Teil einen, zum Teil mehrere Tage nach·einander· währen, und die sie als gottesdienstliche Tage feiern.
Die merkwürdigsten Festtage, welche in der Zeit meines hiesigen Aufenthalts im Jahr 1776 einfielen, sind folgende.
Den 5. Goguats, oder 20. Juni·, das Pelangfest.
Den 7. Sitzgust·, oder 20. August, das Sternenfest.
Den 13., 14. und 15. desselben Monats, oder den 26., 27. und 28. August, das große Leuchtenfest.
Den 7., 8. und 9. Kug·ats, oder den 18., 19. und 20. October das Fest Matsuri.
Den 1. Au··gust· oder den 13. September fiel der Japanische Jahrmarkt (·Fassa·kt) ein.
Den 15. August· nahm der Holländische Markt den Anfang.
Sieb··ter Abschnitt.
Übrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner.
In diesem Kapitel liefere ich eine allgemeine Nachlese von dem, was ich von den Einrichtungen, Sitten und Gebrauchen der Japaner, in Rücksicht auf ihr haeusliches und Privat-Leben bemerkt, aber im Vorhergehenden noch nicht angeführt habe.
Der Leser wird sich erinnern, daß vieles hierher gehörige bereits unter den vorher·gehenden Rubriken, teils in meiner Reisebeschreibung selbst, vorgekommen ist.
Hierauf muss ich mich also jetzt beziehen und den Leser verweisen.
Was ich von Regierung, Staatsverfassung, Ackerbau, Künsten, Gelehrsamkeit der Japaner noch nachzuholen habe, dem habe ich in besonderen, noch folgenden Kapiteln seinen Platz angewiesen.
Ich fange mit den eigentümlichen Namen der Japaner an.
Jede Familie, und jede Person hat ihren eigenen Namen.
Diese werden aber ganz anders gebraucht, als in Europa.
Der Familienname, oder was man bei uns den Zunahmen nennt, bleibt bei jeder Familie und allen ihren Nachkommen jederzeit unverändert.
Im gemeinen Leben und im Umgange aber wird er nie gebraucht, sondern nur alsdann, wenn man etwas unterschreibt, da man zugleich gewöhnlich sein Siegel beisetzt.
Auch ····ist etwas besonderes, daß der Zunahme nicht zuletzt, sondern allezeit voran, der Vornahme aber nach demſelben gesetzt wird.
Der Vornahme ist es, womit der Japaner allezeit angeredet, benannt und gerufen wird, und diesen veraendert er in seinem Leben verschied·ne Mal.
Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, bekommt es von seinen Eltern einen gewissen Namen.
Ist es ein Sohn, so behält er ihn, bis er mannbar wird; alsdann verändert er ihn.
Bekommt er ein Amt oder eine Bedienung, so wird abermals eine Veränderung damit vorgenommen.
So oft er zu höheren Stellen hinauf rückt, geschieht wieder eine Vertauschung.
Einige, besonders die Kaiser und Fürsten, bekommen so gar nach dem Tode einen neuen Namen.
Beim weiblichen Geschlecht ist der Vorna·me nicht so vielen Veränderungen unterworfen.
Den Mädchen geben die Eltern oft den Namen von einer schönen Blume.
Diejenigen, welche mit hohen Würden und Ämtern bekleidet werden, bekommen beim Antritte derselben vom Dairi, oder dem geistlichen Kaiser, prächtig klingende Titel.
Auch ander·n sehr vornehmen Personen ertheilt derselbe verschiedene Ehrenn·amen.
Wie die Japaner sitzen, und wie sie essen, habe ich oben schon erzählt.
Ihre gewöhnliche Ordnung in Ansehung des Essens ist die, dass sie dreimal des Tages essen.
Eines ihrer gewöhnlichsten Gerichte ist Misosuppe mit Fischen und Zwiebeln gekocht.
Wenn sie auf der See sind, schlachten sie kein Tier: dies rührt von einem sonderbaren Aberglauben bei ihnen her.
Auf unser·· Seereise besorgten die Japaner daher zwar, so oft sie ans Land gingen, daß Gänse, Enten und Hühner für uns geschlachtet, und für unser·n Tisch zugerichtet wurden.
Wollten wir aber in der Zwischenzeit nicht ohne Braten von Geflügel sein, so musste ich das Geschäft übernehmen, dasselbe zu schlachten.
Die Japaner trock·nen viele von den, ihrem Lande eigenen Früchten; viele machen sie aber, auf eine, so viel ich weiß, nur bei ihnen und den Chinesern gebräuchliche Art, mit Gäst· oder Sakkihefen ein.
Jene nennen sie Mebos, diese Menaratski.
Me bedeutet Frucht, Obst; Nara ist der Na·me der Stadt, wo die Früchte am häufigsten und besten auf diese Art eingemacht werden; Suki heißt einmachen.
Zum Einmachen nimmt man entweder ganze Früchte, oder man schneidet sie, wenn sie groß sind, in Scheiben.
Man braucht dazu den Gäst· oder Barm, den der gegor·ne Sakki oder Reißtrank gibt, dessen Säure die Frucht durchdringt, ihr einen gewissen Geschmack gibt, und sie ein ganzes Jahr und noch länger gut erhält.
Besonders macht man eine Art großer Gurken, die Konomon heißen, in großer Menge auf diese Weise ein, die hernach in kleinen Fässern verführt, und wie bei uns die Gurken zum Braten und dergleichen gegessen werden: sie schmecken auch beynahe eben so, als unsere eingemachten Gurken.
Die Japaner haben eine Art Nudeln, die sie Laxa nennen.
Sie bestehen aus Fäden, die ganze· zwei Ellen lang sind, zusammen gerollt und fast allenthalben im Lande verkauft werden.
Sie werden von Wei·zen- oder Buchweizen-Mehl gemacht, und nach dem Gewicht· verkauft.
Die letzteren haben den besonderen Namen Sabakiri.
Man schneidet die Fäden in Stücken, und tut sie zu einer Art Suppe, die davon einen angenehmen Geschmack bekommt, etwas zähe oder schleimig wird, und sehr nahrhaft ist.
Die Nudeln lösen sich jedoch in der Suppe nicht ganz auf.
Esst man dieses Gericht mit Zwiebeln und Frikadellen von Fischen, so heißt es Niomen; thut man aber statt dessen Pfeffer und Soja hinzu, so bekommt es den Namen Somen.
In allen Wirtshäusern und Herbergen, so gar auf dem Lande, findet man eine Art Kuchen von Reismehl, die bisweilen grün gefärbt sind, zu Kauf.
Die Reisenden, besonders die Norimon-Träger, pflegen sie gern zu kaufen, und zum Thee zu essen.
Thee trifft man auch allenthalben zum Dienst der Reisenden an.
Den Zuckertang (·Fucus saccharinus·), den die See so in Menge auswirft, brauchen die Japaner häufig zum Essen, so zähe er auch zu s·····cheinen.
Er wird vorher getrocknet, und von Sand, Salz und and·rer Unrein···h·eit gesäubert.
Besonders wird er bei solcher Gelegenheit gegessen, da man sich beim Sakki lustig hält.
Man schneidet ihn in Stücke, kocht ihn, wodurch er viel dicker wird, und tut ihn zu ander·n Speisen.
Bisweilen wird er aber auch roh gegessen, nachdem man das Äußere abgeschabt hat, da er dann ganz weiß aussieht.
In diesem Falle schneidet man ihn gewöhnlich in Streifen, die zwei Zoll lang und einen Finger breit sind, wickelt eine Parthey davon vierseitig zusammen, und bindet einen feineren Streif· von eben dem Tang, eine Linie breit, und drei Zoll lang, herum.
Diese Päckchen werden entweder mit oder ohne Sansjo ( Pfefferfagara, fagara piperita ) gegessen.
Die kleinen Tische, worauf die Geschenke präsentiert werden, belegt man auch mit dergleichen kleinen Bündeln Tangstreifen, die zu halben und ganzen Stiegen darauf umher liegen.
Das den Geschenken beizufügende so genannte Compliment-Papier wird auch an beiden Enden mit einem Streifen von diesem Tang geziert, der einen Zoll breit und eine Viertei·l·e lang ist, und darauf fest geklebt wird.
Zum Waschen des leinenen und Baumwoll·nen Zeuges braucht man hier keine Seife, sondern Mehl von einer Art Bohnen, die, wenn sie sehr fein gemahlen werden, einen ungemein weißen Puder geben.
Die Zimmer erleuchtet man teils mit Lichten, teils mit Lampen.
Jener bedient man sich aber doch nur selten; die letzteren sind fast durchgängig gebräuchlich.
Die Lichter sind klein, eine Viertei·l·e lang, oben einen Zoll dick, werden aber nach unten allmählig· dünner, haben also gerade die umgekehrte Gestalt, als unsere Talg- und Wachslichte.
Der Tocht besteht aus zusammen gewickeltem Papier, das auswendig mit ander·m weißeren und feineren Papier spiralförmig umwunden ist.
Unten ist ein Loch, so groß, daß das Licht damit auf eine eiserne Spitze gesteckt werden kann, die auf einem Leuchter befestigt ist.
Die Materie, wovon diese Lichte gemacht werden, ist ein Öl, das aus dem Samen des Firnißbaums (·Rhus vernix, succedanea·) gepreßt oder gekocht wird.
Der Baum heißt Fasie·noki, wächst in verschiedenen Provinzen, und gibt eine Menge Samen.
Kauft man diese Lichte frisch, so sind sie inwendig etwas weiß oder vielmehr gelblich, und mit einer weißen Rinde überzogen.
Das Öl erstarr·t durch die Kälte der Luft, und bekommt eben die Konsistenz als Talg, ist mithin so hart als Wachs.
Diese Lichte brennen gut, rinnen und lecken aber wie Talglichte.
Wenn sie verkauft werden, sind sie sehr nett in Papier eingewickelt, das unten zusammen gelegt, oben um den Tocht gewunden, von da an aber noch ein Paar Zoll hoch und offen ist, und völlig wie eine lange Rakete aussieht.
···In den Lampen brennt man Senföhl und Öl von der Dryandra cordata.
Unter den Geschenken, welche der Fürst der Landschaft Jetſigo, wo der Firnißbaum in sehr großer Menge wächst, und die fast das ganze Land mit dem Oehl versorgt, dem Kaiser mitbringt, sind hundert solche Lichte, einen Fuß lang, und so dick als ein Mannsarm, mit verhältnißmäßigem Tochte.
Diese Ehren-Lichte werden nur zweimal im Jahre an gewissen Feſttagen im Kaiſerlicken Pallaſt gebrannt.
So schwer es auch ist, ein solches Licht zu bekommen, war ich doch so glücklich, eins habhaft zu werden, das bei solcher Gelegenheit gebrannt hatte.
Das Oehl derselben schien nicht nur weißer, sondern auch fester zu sein, als in den gewöhnlichen Lichten, die man kauft, und die bald weich und braun werden.
Feuer schlägt man hier mit Feuerstahl, das gemeiniglich sehr klein ist, und einem ohne Kunst gebrochenen Steine von grünlichem Quarz.
Zum Zunder dient das Rau·e von den Blättern des Beyfußes (·Artemisia vulgaris·), woraus eine braunliche Wolle gemacht wird, die leichter als Moxa Feuer fängt.
Übrigens bedienen sie sich kurzer Schwefelsticken, die einen Finger lang, und verhältnismäßig sehr breit, an den Enden quer abgeschnitten und in Schwefel getunkt sind.
Sie werden in Bündel zusammen gebunden und in einen halben Zirkel gebogen.
Das Heizen der Zimmer habe ich oben beschrieben.
Zum Versiegeln gebrauchen die Japaner kein Lack, sondern sie drehen und winden etwas Papier um das, was versiegelt werden soll, und knüpfen es so zu, daß sie sehr leicht merken können, ob man es losgemacht hat.
Auf diese Art werden selbst die Packhäuser auf Dezima, dicht beim Schlosse versiegelt, auf dessen Verschließung sie sich weit weniger verlassen, als auf ihr elendes, aber künstliches, Papiergebinde.
Seile und Stricke, selbst starke Schiffstaue, machen die Japaner nicht von Hanf, sondern von Nesseln, die in Menge, von ansehnlicher Größe, und von mehreren Arten auf den Bergen stehen.
Die Gattungen, welche die Seiler am meisten brauchen, sind die schneeweiße (·Urtica nivea·), und eine, die ich nur hier gefunden habe, (·Iaponica·).
Der Bast, gehörig bearbeitet, gibt so feines Garn, daß auch Leinwand davon verfertigt werden kann.
Die Oehlpreſſen, welche man hier zu Lande gebraucht, bestehen aus zwei auf der Erde liegenden Blöcken, zwischen welchen die Körner zerquetscht und das Öl heraus gepresst wird.
Der eine dieser Blöcke ist fest und unbeweglich.
Der andere wird mit stufenweise stumpferen Keilen, die mit einem sehr langen hölzernen Schlegel niedergeschlagen werden, gegen jenen getrieben.
An der Seite läuft das Oehl heraus, und in ein darunter stehendes Gefäß.
Beim Schnupfen, den man wegen der häufigen Abwechslung kalter und warmer Luft in diesem Lande gar leicht bekommen kann, nehmen die Japaner ganz feinen Schnupftobak, der dem Spanier ähnlich ist.
Sie bekommen ihn von den Chinesen, die ihn in kleinen durchsichtigen grünen Flaschen hierher bringen.
Auf ihre Möbel·, Hausgeräte und and·re Sachen setzen die Japaner ihr Wap·en, wie ich dergleichen oben schon von ihren Kleidungsstücken erzählt habe.
Jeder kennt daher das Seinige so gleich, und Diebe können gestohlene Sachen nicht gut verkaufen.
Alles Kartenspiel ist bei den Japanern scharf verboten.
Sie lieben diesen Zeitvertreib auch nicht.
Auf dem Schiffe wurde ich einige Mal gewahr, daß sie Gebrauch davon machten.
Auf dem Lande aber habe ich es niemals gesehen.
Ihre Karten sind von dickem steifen Papier gemacht, zwei Zoll lang, und einen guten Zoll breit.
Zu einem Spiele gehören fünfzig, die auf der Hauptseite verschieden bezeichnet, auf der unrichten Seite aber alle s········ind.
Sie legen die Karten in Haufen, mehrere auf einander; darauf kehren sie die Karten um, und sehen zu, welche gewonnen hat.
Ein anderes japanisches Spiel lernte ich auch auf der Seereise kennen, das mit unserem Gäusespiel· Ähnlichkeit hat.
Sie legen einen Bogen starkes Papier, worauf verschiedene viereckige, mit allerlei Figuren bezeichnete, Fächer abgetheilt sind, vor sich hin.
Darauf werfen sie der Reihe nach einen Würfel, und jeder Spieler hat ein Holzchen oder etwas anderes, womit er in den Fächern seinen Wurf bemerkt.
Die Japaner haben ein musikalisches Instrument, das in Ansehung des Klanges und der Einrichtung einer Zither oder einer Davids-Harfe ähnlich ist.
Es ist einen Fuß lang und hat dreizehn Saiten.
Nach orientalischer Sitte besuchen die Japaner weder einander, noch die Holländer, ohne ein Geschenk voran zu schicken.
Dergleichen Geschenke werden mehr gegeben, weil es Mode ist, als um ihres Werts willen, der oft sehr gering ist.
Nicht selten bestehen sie in Kleinigkeiten, zum Beispiel einem frischen Fisch· oder dergleichen.
Allezeit aber werden sie auf eine feierliche Art geschickt, auf einem besonders dazu verfertigten Tische, mit Papier, das nach einer gewissen Form zusammen gelegt ist, umwunden, und dergleichen.
Als einige Fürsten, oder Ober-Landesbefehlshaber, im Hafen vor Nagasaki unser Schiff besuchten, um es zu besehen, schickte jeder von ihnen dem Capitain vorher ein Geschenk zu, das in einem Fass Sakki und einigen gedörrten, gefleckten Blackfischen (·Sepia·), einer Art Fische, die von den Japanern und Chinesen häufig gegessen werden, bestand.
Es gibt aber auch verschiedene and·re Gelegenheiten, da es nicht nur Gebrauch, sondern so gar Pflicht ist, dem ander·n dergleichen Geschenke zu schicken.
Es wird auch das so·genannte Complimentp··apier beigelegt, das auf eine ganz eigene Art zusammen gelegt und umwunden wird.
Die Zinsen von geliehenem Gelde sind bei dieser Nation, wie bei den Chinesen, hoch; oft betragen sie achtzehn bis zwanzig vom Hundert.
In Japan weiß man von der Vielweiberei nichts.
Diese hält er aber auch nicht, wie die Chineser tun, im Hause eingesperrt, sondern sie hat die Freiheit, nicht nur in Gesellschaft von Mannspersonen zu sein, sondern auch allenthalben auszugehen.
Bei Beschreibung meines Aufenthalts zu Nagasaki habe ich bereits etwas von dasigen öffentlichen Mädchenhäusern gesagt.
Dergleichen Häuser hat man nicht nur in allen großen Städten und in allen Handelsplätzen, sondern auch bei allen Seehäfen, wäre es auch in den kleinsten Dörfern.
Sie werden gar nicht als Wohnplätze der Liederlichkeit, oder als unanständige Orte angesehen.
Selbst Leute von gutem Ruf besuchen sie, wenn sie ihre Freunde mit Sakki tractieren wollen.
Überhaupt betrachten die Japaner die Unzucht nicht als ein Lasster, am wenigsten wenn sie an Orten getrieben wird, die unter dem Schutze der Gesetze und der Regierung stehen.
Gemeiniglich sind diese Häuser die schönsten und prächtigsten, und nicht selten sind sie an die Tempel der Gottheiten gebaut.
An einem so kleinen Ort·· als Disino Kameru, waren nicht weniger als fünfzig öffentliche Mädchen.
Zu Kaminośeki sind zwei solcher Häuser, die dermahlen zusammen mit achtzig Mädchen besetzt waren.
Zu Mitterai trifft man der Häuser so gar vier, und zwar sehr wohl conditionierte, an.
Diese, jetzt über das ganze Land ausgebreitete Einrichtung ist aber nicht immer gewesen, sondern erst zur Zeit der einheimischen Kriege entstanden, als der weltliche Kaiser, damals oberster Befehlshaber der Kriegsmacht, dem Dairi die Kaiserliche Gewalt und Autorität, diejenige ausgenommen, welche er in Religionssachen noch hat, entriss und an sich brachte.
Der Dairi wurde damals gezwungen, in sehr zartem Alter mit seiner Pflegemutter und seinem Hofstaat· zu entfliehen.
Sie nahmen den Weg nach Simonoszeki.
Seine Bedienung bestand, wie sie noch jetzt tut, (·denn er wird für so heilig gehalten, dass keine Mannsperson ihm nahe kommen darf·), lediglich aus Personen des ander·n Geschlechts.
Auf der Flucht über die See sprang die Pflegemutter, als die Feinde ihr nachsetzten, mit ihm ins Wasser, und ertrank.
Das Frauenzimmer von seiner Bedienung kam nach Simonoseki; weil diese Leute aber nicht zu leben hatten, sahen sie sich genötigt, auf eine unangeständige Art ihren Unterhalt zu erwerben.
Dies ist, wie viele, unter ander·n die Dolmetscher, bei denen ich mich ausdrucklich darnach erkundigte, mich versichert haben, der erste Ursprung solcher öffentlichen Häuser, die sich während der vieljährigen Fortdauer der Unruhen und bürgerlichen Kriege allmählig· weiter und weiter erstreckt haben.
Die in jenen Häusern befindlichen Frauenspersonen haben aber nicht allenthalben gleiche Namen, auch nicht gleiche Achtung.
Zu Simonośeki heißen sie noch jetzt Joruſſi, welches der Nahme ist, den die Beischläferinnen des Dairi, deren, außer seiner rechten Gemahlin, zwölf sind, ehemals führten, und noch heutiges Tages führen.
An ander·n Orten kennt man sie meistens unter der Benennung Kei·se oder Kese, welches so viel heißt, als ein theils aufrecht, theils umgekehrt stehendes Schloss (·chateau·), und anzeigen soll, daß sie von der Ehrbarkeit zur Unzucht übergegangen sind.
Die von der niedriger·n Gattung, welche jedermann für den geringen Preis von acht Konderyn zu Dienste sind, nennt man Faifats; eine Benennung, die von dem Worte Fai gin herkommt, das eine ehemals gebräuchliche Münze von sehr schlechtem Silber, und dem Werthe eines Konderyn, bedeutet.
Die alleschlechtste Art der für Geld feilen Personen heißt Ofiakv.
Diese gehen umher und betteln, und zeigen sich für eine unbedeutende Kleinigkeit.
Sie sollen ihren Namen von einer Weibsperſon bekommen haben, die unklug und zugleich sehr liederlich gewesen.
···Wenn Eltern mehr Töchter haben, als sie ernähren können, verkaufen sie sie früh, oft schon im fünften Jahr·, an den Inhaber eines öffentlichen Hauses.
Hier dienen sie in den Jahren der Kindheit als Dienstmädchen und Aufwerterinnen, besonders als Aufwerterinnen der eigentlichen Mädchen des Hauses, deren jede eins solcher jungen Mädchen zu ihrer eigenen Aufwartung hat.
Sind sie nun zwölf bis sechzehn Jahr alt, so werden sie mit vieler Feierlichkeit, oft auf Kosten derjenigen, welcher sie bisher aufgewartet haben, für frey von Aufwartung und geringeren Verrichtungen erklärt, und zu förmlichen Damen des Hauses eingeweiht.
Das sonderbarste ist, daß diese Mädchen, wenn sie in dem Hause, wohin sie in ihrer Kindheit verkauft worden, gewisse Jahre in beyden Eigenschaften gedient haben, ihre völlige Freyheit wieder bekommen, im geringsten nicht als entehrt angesehen, sondern so gar hernach oft auf eine sehr honette Art verheiratet werden.···
So allgemein diese Einrichtung und Sitte im ganzen Lande ist, und so wenig die Einwohner überhaupt sich etwas arges dabei denken, haben doch verschiedene Männer von Verstand und Grundsätzen mir gestanden, daß sie sie für unanständig und der Ehre der Nation nachtheilig hielten.
Kinder trifft man allenthalben, in Städten und Dörfern, in Menge an.
Durchgängig habe ich bemerkt, daß die Eltern sie zwar früh zu strengem Gehorsam gewöhnen, aber übrigens sie fast bloß mit guten Worten und Zureden regieren.
Scheltworte oder harte Verweise habe ich selten gehört, und Stöße, Schläge und Gebrauch der Ruthe fast niemals gesehen.
In den Schulen lesen alle Kinder zugleich, und zwar sehr laut; das gibt ein Geschrei, daß man, wenn man hinein geht, in Gefahr ist, das Gehör zu verlieren.
Wie sehr die Japaner auf Reinlichkeit ihres Körpers sehen, habe ich schon einige Mal erwähnt.
Kein Tag geht hin, da sie sich nicht baden und ganz rein waschen, sie mögen zu Hause oder auf Reisen sein.
Nicht nur in Privat-Häusern, sondern auch in allen Wirtshäusern und Herbergen, in Städten und auf dem Lande, sind kleine Badstuben angelegt.
Jeder kann also, an jedem Orte, auch wo er nicht zu Hause gehört, auch jeder, der keine eigene Badstube hat, kann sich, so oft er will, für Geld baden.
Arme Leute bezahlen nur ein Paar Pfennige; allein da mehrere von ihnen dasselbe Wasser gebrauchen, ohne daß jeder frisches bekommt, stecken sie einander gar oft mit Kratze und ander·n ansteckenden Krankheiten an.
An warmen Bädern hat das Land Überfluss.
Die Einwohner bedienen sich ihrer auch häufig gegen venerische Krankheiten, Lähmung der Glieder, Kretze, Rheumatismen und dergleichen.
Die Landstraßen sind in allen Provinzen das ganze Jahr hindurch in gutem Stande; sie sind breit, und mit Gräben versehen, damit das Wasser ablaufen kann.
Besonders aber gegen die Zeit, da die Ober-Landesbefehlshaber, wie auch die Holländer, ihre jährliche Reise nach E·do vornehmen müssen, in vortrefflichen Stand gesetzt.
Sie werden alsdann nicht nur mit Sand beschüttet, sondern auch kurz vor der angesagten Ankunft solcher hohen Reisenden mit Besen gefegt, aller Pferdemiſt, Koth und alles andere Unreine sorgfältig weggebr·acht, und bey heißem Wetter, wenn es staubt, wird reichlich Wasser gesprengt.
Auch ist die Ordnung gemacht, welche auch genau beobachtet wird, daß die, welche nach Jede, oder die dahin führenden Straßen, hinauf reisen, sich zur linken, und die, welche hinunter reisen, zur rechten Seite halten müssen, damit keiner dem ander·n begegne, ausweichen dürfe, oder Aufhalt, Ungelegenheit und Streitigkeit verursache.
Abermals eine von den Japanischen Polizey-Anstalten, die man in Europäischen Ländern nachahmen sollte.
Da man gar kein Fuhrwerk mit Rädern gebraucht, halten sich die Wege sehr lange gut.
Zum Vergnügen der Reisenden sind sie an vielen Stellen zu beiden Seiten mit Bäumen und Gesträuch bepflanzt, die zum Teil sehr schöne Hecken geben.
Ich habe dergleichen Hecken so gar von Theeſtauden gesehen.
Meilenzähler sind jede Meile angebracht.
Sie zeigen nicht nur, wie weit man gereist ist, sondern auch, wohin der Weg geht.
Die Meilen im ganzen Lande werden alle ohne Unterschied von einem einzigen Punkt· an gezählt, nämlich von Niponbas, oder der über dem Fluss in der Hauptstadt E·do liegenden Brücke.
Bei Scheidewegen stehen ähnliche Pfähle, die jeden Weg genau bezeichnen.
Man reis·t bei diesen Einrichtungen und Anstalten im ganzen Lande sehr bequem, und ohne Gefahr, zu verirren; nicht zu gedenken, daß man auch so sicher, als vielleicht in keinem ander·n Lande reis·t.
Die Pferde beschlägt man in Japan nicht mit Eisen, sondern statt dessen zieht man ihnen Pantoffeln oder kleine Schuhe von Stroh an.
Diese werden um die Knöchel mit einem von Stroh geflochtenen Band· fest gebunden.
Sie schützen den Fuß gegen die Steine, und sicher·n ihn auch auf glattem und schlupfrigem Wege vor dem Ausgleiten.
Weder Postwagen, noch irgend eine and·re Art Wagen oder Fuhrwerk mit Rädern, gebraucht man, wenn man reis·t.
Wer Geld hat, reitet, oder lässt sich in Sänften, die Kango oder Norimon heißen, tragen.
Wer eines von beiden nicht bezahlen kann, muss zu Fuß gehen.
Daher sind denn auch die Landstraßen immer mit einer Menge Fußgänger angefüllt.
Den Reiseanzug solcher Leute habe ich im Vorhergehenden schon beschrieben.
Hier füge ich nur noch hinzu, was oben anzumerken vergessen worden, daß sie häufig lange Schifferhosen, oder bis auf die Waden herab gehende leinene Beinkleider tragen, und daß die Kamaschen auch wohl, wie bey uns, an den Seiten zugeknöpft werden, anstatt daß and·re sie fest binden; wie auch, daß die Soldaten auf dem Marsche die langen Hosen um die Mitte der Lenden fest binden.
Die zu Pferde machen oft eine gar seltsame Figur.
Manchmal sieht man mehrere Personen, oft eine ganze Familie, auf einem Pferde.
Der Mann sitzt in der Mitte, aber ganz oben auf dem Sattel, so daß er die Beine am Halſe des Pferdes herunter ·······läßt; die Frau an einer Seite in einem am Sattel fest gemachten Korb·; und ein oder mehrere Kinder auch in einem Korb· an der ander·n Seite; ein Mensch geht voran und leitet das Pferd am Zügel.
Die Portchaissen, worin Begüterte sich tragen lassen, sind von verschiedener Größe und Pracht, wie es eines jeden Rang mit sich bringt.
Sie kosteten daher auch nicht alle gleich viel.
Die schlechtesten sind klein, so daß man mit den Füßen unter dem Gesäß darin sitzen muß, zu allen Seiten offen, mit einem kleinen Dach· versehen, und werden von zwei Kerlen getragen.
Darauf folgen die Kango oder Kago, die ganz bedeckt und an den Seiten auch eingeschlossen, aber beynahe viereckig und nicht prächtig sind.
Die größten und schönsten heißen Norimon, sind länglich, werden von den vornehmen Beamten gebraucht, und von mehreren Personen getragen, die theils vorn, theils hinten, und zwar hinter·einander, gehen.
Das Tragen geschieht vermittelst einer an der Decke befestigten Stange, die sie auf den Schultern liegen haben.
In allen Städten und Dörfern trifft man bei den Wirthshäusern eine Menge Leute an, die ihre Dienste zum Tragen anbieten.
Solche Träger können das Tragen und Gehen lange aushalten.
Gewöhnlich legen sie in einer Stunde eine Japanische Meile, und an einem Tage deren zehn bis zwölf zurück.
Auf gleiche Art werden auch die meisten Sachen und Waren hier zu Lande transportiert; die Träger tragen sie ebenfalls an einer Stange, die auf den Schultern liegt.···
Sie haben auch noch eine and·re Art, die Norimon zu tragen, die aber nur in großen Städten und bei feierlichen Gelegenheiten üblich ist, zum Beispiel wenn zu Jedo die Fürsten sich nach dem Kaiserlichen Palaste tragen lassen.
Die Norimon werden alsdann nicht auf den Schultern, sondern mit den Händen, und zwar so hoch als nur irgend möglich, und von jedem der Träger nur mit Einer Hand, getragen.
Die and·re Hand strecken sie horizontal aus, und im Laufen werfen sie die Fersen hoch in die Höhe.
Sie laufen dabei nämlich so schnell als sie können; und ein solcher Norimon fliegt wie ein Pfeil vorbei.
Nur zu Miako und in der umliegenden Gegend, sonst aber nirgends, wird ein Fuhrwerk mit Rädern gebraucht, das aus einer Art Karren besteht.
Ein solcher Karren ist niedrig und klein, und hat drei Räder, zwei wie bei uns auf den Seiten, und eins vorn.
Die Räder sind aus einem ganzen, mit der Säge abgeschrittenen, Stück Holz gemacht, und rund umher liegt, statt eines eisernen Beschlages, ein Tau oder dergleichen, damit sie nicht abgenutzt werden.
In der Stadt selbst, und in den Dörfern nahe bei der Stadt, sind diese Karren größer und plumper, bisweilen nur mit zwei Rädern, und werden von einem Ochsen gezogen.
Einige sind auch denen, die wir in Europa haben, ähnlich, und haben Räder mit Naben und Speichen, aber ohne Beschlag, also sehr zerbrechlich.
Auf den Landstraßen darf mit solchen Karren nur an Einer Seite gefahren werden, die daher auch ganz ausgefahren und verdorben ist.
Auch ist die Ordnung gemacht, daß die, welche mit ihrem Karren zur Stadt wollen, des Vormittags, und die, welche zurück fahren, des Nachmittags fahren müssen, damit keiner dem ander·n begegne.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, mir eine allgemeine Anmerkung zu erlauben.
Sie betrifft die mancherley vortrefflichen öffentlichen Anstalten und Einrichtungen, woran dies Land, dessen Einwohner wir gleichwohl auf einer niedrigen Stufe der Kultur unter uns betrachten zu müssen glauben, so manches Europäisches Land weit übertrifft.
Alles zeugt von Überlegung und Ordnung.
Wie manches vermisst man in unser·n Staaten, das hier schon seit Hunderten von Jahren anzutreffen ist?
Man sieht recht deutlich, daß alles auf einen nützlichen Zweck abzielt.
Nichts geschieht hier zum äußeren Schein, nichts um zu glänzen, nichts um zu prahlen und groß zu tun, nichts um Aufsehen zu machen, so gar nichts um seinen Namen bei der Nachwelt zu verewigen.
Kein Regent, kein Minister, kein Befehlshaber, kein Beamter überliefert das, was er Gutes stiftet, einrichtet, baut· oder machen lässt, durch Denkmahler, mit seinem Namen und einer prächtigen Inschrift versehen, den Nachkommen als sein Werk.
Folgendes ho·le ich noch nach, ob es gleich hier nicht an seiner Stelle steht.
Zu jeder schenkte mir einer meiner Freunde einen großen kalkartigen Stein, dergleichen man, wie sie sagten, im Magen der Pferde, in dies··er Gegend, und zwar nur solchen, die auf dem Stalle gehalten werden, antrifft.
Von seiner Entstehung oder Erzeugung wusste man mir aber keine Nachricht zu geben.
Hernach bekam ich auch ähnliche kleine Steine, die platt sind, und keinen Kern (·nucleus·) in sich schließen.
Jener ······besteht aus Blättchen (·lamellae·), ist sehr dicht· und hat beynahe die Größe eines Kindskopfs.
Ich vermute, daß das Wasser um Jede, womit man die Pferde tränkt, Kalk enthält, und ihr Stillstehen im Stalle zum Wachstum der Steine beiträgt.
Die Holländer nennen solche Steine Paerdeſtein (·Pferdeſtein·).
Achter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Die Japanische Sprache ist wegen ihrer sehr großen und mannigfaltigen Verschiedenheit von allen Europäischen Sprachen ungemein schwer zu lernen.
Sie wird zwar, wie die Chinesische, in auf- und niedergehenden Reihen geschrieben; aber die Buchstaben sind von den Chinesischen weit unterschieden.
Auch beide Sprachen dieser so nahe bei·einander wohnenden Völker selbst sind so verschieden, daß sie einander ohne Dolmetscher nicht verstehen.
Das Chinesische wird indes··· in Japan häufig gelesen und geschrieben, und wie die gelehrte Sprache angesehen, die sie nebst verschiedenen Wissenschaften von den Chinesern angenommen haben.
Aller dieser Schwierigkeit ungeachtet, gab ich mir, so lange ich mich in diesem Lande aufhielt, viel Mühe, von meinen besten Freunden unter den Dolmetschern das Japanische verstehen, etwas sprechen, und auch ein wenig schreiben zu lernen.
Ich musste dies aber sehr heimlich tun, so wohl um ihrer, als um meiner eigenen Sicherheit willen.
Hauptsächlich ließ ich dies Studium vor der Jedo·r Reise mein Geschäft sein, weil ich auch glaubte, auf der Reise und zu Jedo guten Nutzen davon haben zu können.
Unter ander·n Bemühungen, meinen Zweck zu erreichen, schrieb ich die Worte, wenn ich sie gelernt hatte, auf, und setzte mir durch Hilfe des oben angeführten Japanischen Wörterbuchs ein kleines Vokabeln-Buch auf.
Anfangs bildete ich mir ein, die hiesigen Holländer würden mir hie·bei sehr zu Statten kommen können, zumahl da verschiedene von ihnen doch so viel sprechen konnten, daß sie im Stande waren, sich von Dingen, die am meisten vorkommen, verständlich auszudrücken.
Aber leider war keinem von ihnen je eingefallen, ein Wort aufzuschreiben, noch weniger, sich eine Art Wörter-Verzeichnis zu machen, oder über das Eigentümliche der Sprache nachzudenken.
Mir deucht, in einer Zeit von zwei hundert Jahren hätte wohl, wäre es auch nicht zum Gebrauch der Sprachforscher, sondern bloß zum Nutzen derer, die sich hier einige Jahre aufhalten müssen, ein Japanisches Wörterbuch geliefert werden konnten, wären nicht Mangel an Geschicklichkeit bey einigen, und Unthätigkeit bey ander·n, das Hindernis gewesen.
Einige halten sich hier nur eine kurze Zeit auf; and·re denken nichts als Geld und Gewinn; den meisten schmeckt die Tabakspfeife so schön, daß sie die edle Zeit, über deren Langweiligkeit sie doch so oft klagen, mit keiner besseren Beschäftigung, als dem Rauchen, auszufüllen wissen.
Ich glaube manchem einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich hier einen Auszug aus meinem Vokabular··· einfüg·e.
Vorher aber ein Paar allgemeine Anmerkungen, einige Besonderheiten der Sprache betreffend.
Die in den Europäischen Sprachen vorkommenden Diphthongen, die Vocalen ä, ö, ü, die Buchstaben L (·wenigstens lautet dieser mit R fast gleich·), P und Sch haben die Japaner nicht.
Mit Vokalen fangen wenige Wörter, mit E fängt kein Wort an.
Viele Buchstaben werden so ausgesprochen, daß man ihren Laut mit den Buchstaben der abendländischen Sprachen nicht genau bezeichnen, sondern einen und denſelben Buchstaben auf mehr als eine Art schreiben kann, z. E. boſſu, foſſu, hoſſu; tuſi, tſuſi, tſjuſi; fiſa, fiſsja; ſuru, tſuru; ſoru, suru; dſi, dji, tſi; fa, ha; fa·ra, warri; ge, ke; jovi, sovi; joka, jukka; kame, game; je, ji; odoſſu, oſoſſu; ſkui, tſikui; u. d. gl.
Manches Wort hat mehr als eine Form, wovon unten sehr viele Beispiele vorkommen werden.
Man sehe z. E. fa·ra, böse.
Der Infinitiv·· des Verbs ende·t sich gewöhnlich auf u, oder oru, nach einigen Konsonanten auch auf v oder f.
Die Art, Nomen mit Nomen, und Nomen mit Verbum zusammen zu setzen, nebst mehrer·n Eigentümlichkeiten der Sprache, lassen sich aus dem Wörterv·erzeichnisse selbst leicht abstrahieren.
Das ····übrigens die Japanische Sprache mit ander·n gemein, daß nicht nur manche, gleich oder beynahe gleich lautende Wörter mehrere ganz verschiedene Bedeutungen haben, sondern daß auch für Einen Begriff oft mehrere ganz unterschied·ne Wörter vorhanden sind.
Hier folgt die Probe eines Japanischen Wörterbuchs, zwar in alphabetischer Ordnung, aber doch zugleich, so viel möglich, nach der Abstammung und Verwandtschaft der Wörter eingerichtet.
Inhalt von dem zweiten Bandes zweitem Teil.
Erste Abteilung.
Erster Abschnitt.
Von der Staatsverfassung, Polizey, Gesetzen und Rechtspflege in Japan, nebst einigen ander·n hie·her gehörigen statistischen Nachrichten.
Regierung des weltlichen Kaisers oder des Kubo.
Kurze Geschichte der verschiedenen Regierungsveränderungen in Japan und des Ursprungs der Regierung eines so·genannten geistlichen Kaisers, oder des Dairi.
Namen und Folge der Kubo seit Kämpfers Zeit.
Reichsrat oder Staatsrat.
Einkünfte des Kubo.
Regierung des Dairi als Oberhaupt· in Religions und gottesdienstlichen Sachen.
Heiligkeit und Verehrung desselben.
Seine Residenz, Hofstaat und Gemahlinnen.
Akademie an seinem Hofe.
Einkünfte und Gerechtsame des Dairi.
Jährliche Gesandtschaft des Kubo an ihn.
Namen und Folge der Dairi seit Kämpfers Zeit.
Ordnung und Polizei in den Städten.
Stadtobrigkeiten und städtische Bediente, Feuerlöschanstalten, Polizey in den Wirthshäusern, äußere Einrichtung der Städte.
Einrichtung der Dörfer.
Verschiedene andere öffentliche Einrichtungen im Lande.
Amtseid der öffentlichen Beamten.
Strenge und unparteili·che Handhabung der Gesetze.
Lebens- und and·re Strafen; Strenge derselben.
Gefängnisse·
Richtplätze·
Viele Gesetze ohne angedrohete Strafe.
Öffentliche Kundmachung der Gesetze.
Abgaben an den Kubo und an die Landschaftsfürsten.
Allgemeine Anmerkungen über die Einrichtungen in Japan.
Zweiter Abschnitt.
Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht.
Geistliches Oberhaupt.
Abbildung der Götter.
Priester·
Gottesdienst.
Wallfahrten nach einigen besonders heiligen Tempeln.
Die beiden Hauptreligionen.
Die Religion Sinto: Grundsätze derselben; Tempel, Gottesdienst, Priester der Sintoiſten.
Die Religion Bud·do und deren Eigentümliches.
Geistliche Orden; Orden der Blinden; Bergmönche; Nonnenklöster; Ordensoberhäupter.
Prälaten·
Religiöse Gelübde.
Feste und Feiertage: monatliche Feste; Neujahrsfest; and·re jährliche Feste; das Laternen- oder Lampenfest; das Fest Matsuri.
Beerdigung und Verbrennung der Toten; Trauer um die Verstorbenen.
Philosophen und Sittenlehrer: Sittenlehre des Konfuzius.
Geschichte der Einführung, Ausbreitung und Vertilgung des Christenthums.
Dritter Abschnitt.
Zustand der Wissenschaften, Künste und dergleichen in Japan.
Schlechter Zustand der Wissenschaften.
Vaterländische Geschichte.
Ökonomische Wissenschaften.
Astronomie.
Medizin: Ärzte; Wundärzte; Brennen mit Moxa; Stechen mit Nadeln; Behandlung innerlicher Krankheiten; Aderlass··; gewöhnliche Krankheiten:
Kolik, triefende Augen, Diarrhöe und rote Ruhr, Kinderpocken, besondere Art Friesel, venerische Krankheiten und deren Behandlung: Rechtsgelehrsamkeit.
Kriegswissenschaft. Buchdruckerkunst; Beschreibung einiger gedruckten Japanischen Bücher.
Kupferstich··kunst.
Feldmesskunst; geographische und topographische Karten.
Schreibkunst: Dichtkunst.
Musik.
Schauspielkunst; Beschreibung der Schauspiele und Theater.
Tanzkunst; pantomimische Tänze.
Akademie und Universität am Hofe des Dairi.
Öffentliche Schulen.
Manufactur- und Kunstarbeiten; Handwerker.
Lackierte Arbeit; Zubereitung des Lackfirnis.
Uhrmacherkunst.
Meubeln.
Steuermannskunst.
Vierter Abschnitt.
Von der Landwirtschaft, besonders dem Ackerbau der Japaner.
Vorzügliche· Flor des Ackerbaues, und die Ursachen, welche ihn so sehr befördern; Zustand des Landmanns und Bauern; Sorgfalt jeden Fleck Erde zu bestellen.
Wasserung der Reisfelder.
Sammlung aller Arten Dung, und Art zu düngen.
Gänzlicher Mangel an Unkraut.
Umgraben und Pflügen.
Bestellung der Reisfelder; Reisernte und Dröschen des Reises; Buchweizen; Weizen; Gerste.
Einteilung der Acker in schmale Beete.
Besatzung des Stoppelfeldes.
Rübs··en·
Droschen des Getreides.
Bohnen, Sojabohnen, Erbsen, Linsen und verschiedene and·re Feldgewächse.
Gartengewächse, Baumzucht, Gewürzgewächse, Hopfen, Bäume und Blumen zur Zierde.
Färbekräuter.
Firnis-·Fichten, Zedernbäume, Bambusrohr, Kampferbäume, Bereitung des Kampfers.
Theestauden; Pflücken und Trock·nen der Theeblätter.
Fischerei·
Fünfter Abschnitt.
Blühender Zustand des inländischen Handels.
Gegenstände des Japanischen Handels.
Kramwaren und Krambuden.
Handel mit den Chinesern.
Geschichte des vormahligen Handels der Portugiesen mit den Japanern.
Anfang, ehemaliger Flor und allmählig·e Abnahme des holländischen Handels nach Japan.
Sechster Abschnitt.
Von den Waffen; den Speisen und Getränken der Japaner; wie auch noch Verschied·nes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Müenzen, Kleidungen und dergleichen.
Bogen und Pfeil; Schießgewehr; Kanonen; Säbel; deren Vortrefflichkeit und Art den Säbel zu tragen.
Reis statt Brods, Misosuppe, Fische, Federvieh.
Suppen und Brühen; Sojabrühe; Be reitung der Soja; verschiedene Öle statt Butter; tägliche Zeiten des Essens; Art die Speisen vorzusetzen; Ordnung der Gerichte und Art zu essen.
Sake; Tee; Art diese zu trinken.
Gebrauch des Rauchtobacks; Art zu rauchen; Pfeifen und dergleichen.
Art zu Wagen mit Schnellwagen.
Große gold·ne Münzen; Abbildung des Gottes des Reichthums; Aufreihen des kleinen Kupfergeldes auf Schnüre; chinesische Pfennige.
Petzschaffte; Art zu unterſiegeln; Buchdruckerschwärze.
Lampenöl·
Sieb··ter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Verwechs·lung der Buchstaben.
Gleichlautende Wörter.
Zusammengesetzte Verba.
Verbindung zweier Substantiven.
Zahlwörter.
Ausländische Wörter.
Konjugation und Gebrauch der Verba; Formierung ganzer Sätze.
Achter Abschnitt.
Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrichten.
Säugethiere; Vögel, Amphibien; Fische; Insekten; Konchylien; Würmer.
Gold; Silber; Kupfer; Eisen; Bernstein; Schwefel; Steinkohlen; Agat.
Zweite Abteilung.
Aufenthalt auf Dezima nach der Zurückkunft von Jedo bis zur Rückreise nach Batavia.
Botanische Spaziergänge um Nangaßacki und dabei gemachte Bemerkungen.
Ankunft der holländischen Schiffe.
Trauer um den verstorbenen Fürsten von Owari.
Ankunft des neuen Kaiserlichen Gouverneurs von Nangaſacki.
Rückreise nach Batavia.
Dritte Abteilung.
Zweiter Aufenthalt zu Batavia vom 4ten Juni· bis 5ten Juli·· 1777.
Erster Abschnitt.
Aufenthalt zu Batavia, und erste Reise in das Innere von Java.
Rückkunft des Verfassers nach Batavia.
Große Mortalität daselbst.
Von dem Verfasser mitgebrachtes Verzeichnis der Japanischen Regenten.
Abhandlungen der gelehrten Gesellschaft zu Batavia.
Regne··tes Wetter in diesen Monaten.
Neujahrstag der Chineser.
Reise ins Innere des Landes.
Cheribon; Vulkane in dieser Gegend; Erdbeben.
Veränderung der Passatwinde seit mehreren Jahren.
Versorgung des Schiffs mit schlechtem Zucker.
Samarang; Statthalter daſelbſt.
Fieber-Krankheit des Verfassers.
Indische Feigenbäume.
Brennesselstrauch·
Hütte von Bamborohr.
Tanzlustbarkeit der Javaner.
Menge von Mücken.
Pflanzen und Gewächse in dieser Gegend, die medizinischen Nutzen haben.
Kranze zum Putz von Nachtblumen.
Beschreibung der Kaffeeplantagen.
Gelegenheit für den Verfasser, den Star zu stechen.
Resident van der Beeck.
Nachtquartier bei einem javanischen Fürsten.
Abnahme des Wassers an dieser Küste.
Seeräuber.
Zweiter Abschnitt.
Ferner·· Aufenthalt zu Batavia, und zweite Reise ins Innere des Landes.
Dienst auf dem KrankenSchiffe.
Reise nach dem warmen Bade und den blauen Bergen.
Warmes Bad; Beschreibung desselben.
Europäische und javanische Gewächse.
Seltsame Art Affen.
Pandogede; Berge daselbst.
Inschrift auf einem Steine.
Berg, in dessen Höhlen die Schwalben nisten, welche die indianischen Vogelnester bauen.
Mahlzeit bei einem Japanischen Landesobersten.
Merkwürdiges Echo.
Aufenthalt der Chineser unter den Javanern.
Schuh und Stiefel der Chineser.
Große Zahl der Verstorbenen im Hospital· zu Batavia.
Veranlassung der Wegreise des Verfassers.
Unordentliches Leben der Europäer zu Batavia.
Europäer in Java vor den Holländern.
Javanische Produkte, die exportiert werden.
Noch etwas von Java····· Münzen.
Vierte Abteilung.
Reise von Batavia nach Ceylon und Aufenthalt daſelbſt, vom 5ten Julius 1777 bis den 6ten Februar 1778.
Erster Abschnitt.
Beschreibung der Reise nach Ceylon und des Aufenthalts daſelbſt, wie auch einiger Reisen in diesem Lande.
Abreise von Batavia; Anjer; Wasser daselbſt.
Písang.
Spanische Rohre.
Handelswaren der Schiffsoffiziere.
Gefahr, auf eine Sandbank zu geraten.
Bekanntschaften und Landsleute des Verfassers zu Colombo; Beschreibung der Stadt.
Botanische Spaziergänge.
Lustschloss des Gouverneurs.
Zwei Reisen nach Mature. Weg dahin, Mangel an Brücken.
Häuser zum Einkehren an der Landstraße.
Verschiedene Forts.
Barbary·.
Malabarische Krankheit.
Graf Ranzow; Edelsteine.
Abgesandte vom Kaiser zu Candy und an ihn.
Feier der Installation· des bataviaſchen Generalgouverneurs.
Ange·bieten nach Cochin zu reisen.
Reise nach Negumbo. AffenStein.
Einige Vorfälle zu Colombo.
Zweiter Abschnitt.
Zoologische Merkwürdigkeiten, besonders vom Elefanten.
Ochsen·
Elefanten.
Art sie zu fangen und zu zähmen.
Besichtigung, Messung und Verkauf· der selben.
Gemüthsart und Nahrung des Elefanten.
Ihr Fang· durch zäh·e Weibchen.
Leichtigkeit sie zu regieren.
Empfindlichkeit des Rüssels.
Unbändigkeit der capschen Elefanten.
Ameisenfresser.
Ceylonische Meerkat·er·
Eichhörnchen.
Stachelschweine.
Schlangenbeschwörer.
Perlenfischerei.
Dritter Abschnitt
Vorzug des Ceylonischen Kaneels.
Gegend wo die besten wachsen.
Gutes Fortkommen der Kaneelplantagen; bisherige Versuche damit.
Bestes Erdreich für die Zimmetbäume.
Kaneelstöcke.
Jährliches Sammeln des Kaneels.
Kaneelwälder.
Vorgeſetzten der Kaneelsschäler.
Verrichtung des Schälens.
Echte und unechte Kaneelbäume; neun verschiedene Arten derselben.
Sorgfältige Untersuchung der Güte des Kaneels durch die Ärzte.
Kennzeichen der Güte und der Verdorbenheit.
Während des Transports nach Europa verdorbener Kane·l.
Kane··öl; Destillation· desselben.
Vierter Abschnitt.
And·ré botanische Nachrichten, besonders von der Brodfrucht.
Brodfrucht·
Zwei Arten davon.
Beschreibung des Baums.
Art sie zu essen, teils roh, teils zubereitet; teils reif, teils unreif.
Fünfzehn verschiedene Gerichte und Zubereitungsarten des Fleisches, der Kerne und der Häute, gekocht, gebraten, gebacken, eingemacht, getrocknet; Confect und Brühen.
Bemühung des Verfassers, Wurzeln und Kerne, gepflanzt und ungepflanzt mit nach Europa zu bringen.
Kokoswälder; Kokosbäume; Blätter als Leitern gebraucht; Nüsse; Öl davon; Seile und Taue aus den Fasern um die Nüsse.
Gebrauch des Holzes zu Pfählen.
Mal·divische Kokosnüsse oder Seekalappen.
Arekadenbäume·
Melanzän·pfel.
Gebrauch verschiedener Ceilonischer Früchte, besonders der Panningai.
Klapperschoten.
Fischkornermohnsa·men·
Osternluzey·
Eibisch. –·
Bei jedem dieser Gewächse und Bäume der medizinische Gebrauch. S. 205 bis 209.
Kardamom.
Hecken von Jar·okbäumen.
Lackcroton.
Weinpalme und Talpatbaum; Gebrauch der Blätter zu Schirmen.
Götzenfeigenbaum.
Prächtige Blumen.
Fünfter Abschnitt.
Von den Edelsteinen und ander·n Mineralien in Ceylon.
Edelsteine.
Rother Turmalin.
Weißer Kristall.
Amethyst·
Wasssersapphir.
Gelber Kristall.
Brauner Kristall.
Hyacinth.
Grüner Turmalin.
Schwarzer Kristall.
Kaneelstein.
Blauer Saphir.
Grüner Saphir.
Elektrischer Turmalin.···
Bei jedem die Eigenschaften und der Gebrauch der Edelsteine. S. 214 bis 223.
Verkauf· der Edelsteine: unächte und falsche.
Orte wo sie gegraben werden.
Art des Grabens und Waschens.
Verpachtung und Wiederverkauf des Rechts sie zu graben.
Schleifen der Edelsteine.
Eisen erz.
Wasserbley.
Stahlstein. S. 226.
Sechster Abschnitt.
Allerley and·re Nachrichten von Ceylon; Einwohner, Religion, Sitten und Gewohnheiten, Sprache, Müenzen und dergleichen betreffend.
Gebiet der Holländer und des Kaisers zu Candy.
Einführung und Fortdauer der christlichen Religion.
Jährliche Ankunft eines Missionairs von Trankebar, um lutherischen Gottesdienst zu halten.
Heidentum in Ceylon; Verehrung des Buddha; Opfer: Götterbilder.
Mohammedanischer Gottesdienst der Mohren.
Buchdruckerei zu Colombo; daselbst gedruckte Bücher.
Art zu reisen; Palankine.
Goldene Halsketten der vornehmen Ceyloner.
Kleidung der Mohren; Turban; große gold·ne Ohrri··nge.
Feinheit der Baumwoll·nen Zeuge.
Gegengifte; Schlangenstein; dessen Verfertigung und Gebrauch.
Borassus- und Talpat·blätter statt Papiers.
Art darauf zu schreiben: Griffel; Bücher.
Zeylonische und malabarische Sprache; Zahlwörter der letzteren.
Münzen: zylinderförmige silberne; Rupien und Pagoden.
Goldene und silberne Scheidemünzen.
Bleierne und kupferne Münzen.
Fünfte Abteilung.
Rückreise nach Schweden vom 28.··· Januar 1778 bis den 14.·· März 1779.
Erster Abschnitt.
Reise von Ceylon nach Holland.
Untersuchung der Sklaven wegen Pocken und Masern.
Elektrisches Feuer oben um die Maste.
Leuchtwürmer.
Regenbogen auf der Oberfläche des Wassers.
Wasserziehende Wirbel.
Malaka·vögel·
Zerstörung der jungen Brodfruchtsschöß·linge.
Venerische Krankheiten auf dem Schiffe.
Ankunft bei Kap. Besuch in der Stadt.
Sonderbarer Vorfall mit einem afrikanischen Zwiebelgewäsch·e.
Verschönerung und Erweiterung der Stadt.
Schlechte Ernte und Teuerung im Lande.
Ein englischer Gärtner.
Von den Offizieren mitgenommene Waren.
Abreise von Cap. Baviane auf dem Schiffe.
Absonderung des Commandeursschiffes.
Enten- und Gänsemuscheln.
Insel St. Helena.
Ascension·insel·
Die Sonne im Scheitelpunkt·.
Schweb·ender Tang; Seegraskriecher. Kap Lizard.
Convoy von Kriegsschiffen.
Zerstörung aller mitgenommenen Bäume.
Grausame Behandlung eines Schiffschirurgus.
Stein in der Blaße eines Schweins.
Zweiter Abschnitt.
Aufenthalt in Holland und zu London, und Reise nach Schweden.
Amsterdam·
Van der Meulens Vögel- und Insekten Sammlung.
Van der Poll, van der Deutz und ten Haften, und deren Pflanzungen selt·ner Bäume; japanische Bäume und Stauden.
Insekten- und Tier Sammlung zu Harlem.
Abhaltung der Wintersschmetterlinge von den Bäumen.
Lyonets Kabinett.
Banks: dessen Herbarium.
And·re merkwürdige Sammlungen.
Kämpfers Handschriften und Kräutersammlung.
Botanische Gärten um London.
Miss Lees Insekten Sammlung.
Banks Sammlung von Gewächsen von den Südseeinseln, und naturhistorische Bibliothek.
Rückreise nach Amsterdam.
Reise nach Stralsund.
Reise nach Ystad.
Karl Peter Thunbergs Reisen.
Zweiten Bandes zweiter Teil.
Beschluss der Nachrichten von Japan und den Japanern.
Rückkunft des Verfassers nach Batavia und Reise in das Innere der Insel Java.
Reise nach der Insel Ceylon und Aufenthalt daselbst.
Rückreise nach Schweden.
Erste Abteilung.
Fernere allgemeine Bemerkungen und Nachrichten, Japan und die Japaner betreffend zu Ergänzung der im Vorhergehenden bereits mitgeteilten.
Erster Abschnitt.
Staatsverfassung, Polizei, Gesetze und Rechtspflege in Japan, nebst einigen ander·n statistischen Nachrichten von diesem Reich·.
Japan ist bekanntlich auf allen Seiten von Wasser umflossen, und besteht aus drei großen, und einer zahlreichen Menge kleiner Inseln.
Alle diese werden in sieben Teile, und diese wieder in acht und sechzig Landschaften, und in sechs hundert und vier Gerichtsbezirke eingeteilt.
Jetzt ist der Kubo, oder der sogenannte weltliche Kaiser, Herr dieses ganzen Landes, und unter ihm regier·t ein Prinz oder Fürst in jeder Landschaft.
Die größeren von diesen Fürsten heißen Daimio, und die kleineren, Siomio.
Wenn einer von ihnen einen Fehler begeht, hat der Kaiser das Recht ihn abzuſetzen, auf eine Insel zu verweisen, oder selbst am Leben zu strafen.
Alle diese Fürsten sind schuldig, jährlich eine Reise nach Hofe zu machen, sich daselbst sechs Monath lang aufzuhalten, und ihre ganze Familie, zum Unterpfande ihrer Treue dort allezeit wohnen zu lassen.
Im ersten Teil· dieses Bandes habe ich Gelegenheit gehabt, dieser Reisen umständlicher zu erwähnen.
Der Fürst selbst residiert in der ihm anvertrauten Provinz, und ist dem Kaiser, in Rücksicht auf seine Provinz sowohl, als auf sein persönliches Thun und Lassen verantwortlich.
Ihm gehören die sämtlichen Einnahmen aus seiner Provinz; davon muß er aber auch seinen Hof, seine Kriegsmacht, die Landstraßen und dergleichen unterhalten, und seine jährliche Hofreise, mit einem der Größe und Betrachtlichkeit seines Gouvernements angemessenen Staat und Prunk, bestreiten, desgleichen anseh·liche Geschenke mit nach Hoße bringen.
Die Städte, wo solche Fürsten ihre Hofhaltung haben, sind meistens von bedeutender Größe, liegen an einem Hafen oder großen Fluß··, und sind mit Wall und Graben umgeben.
Das Schloss des Fürsten liegt gewöhnlich an einem Ende der Stadt; es ist von weitläuf·igem Umfange, von Mauern und Gräben eingeschlossen, mit starken Toren versehen, und mit hohen Türmen geziert.
Gemeiniglich besteht es, wie das Schloss des Kaisers zu Jedo, aus drei Abteilungen, deren jede für sich gut befestigt, und davon die innerste für den Fürsten selbst; die zweite für den vornehmer·n Hofstaat, und die erste, oder äußere, für das Militär und die geringeren Hofbedienten ist.
In Ansehung des Schlosses und Hofes des weltlichen Kaisers verweise ich auf dasjenige, was ich bei Gelegenheit meines Aufenthalts in E·do davon gesagt habe.
Der Kubo genießt, außer den anseh·lichen Geschenken die jeder Fürst von den Produkten seiner Landschaft ihm jährlich bringen muß, noch besondere Einkünfte aus einigen sogenannten Kaiserlichen Provinzen, die man Kron- oder Domanialprovinzen nennen könnte, und deren fünf sind, desgleichen aus einigen Kaiserlichen Städten, die von Gouverneuren oder Burgio regiert werden.
Die Abgaben werden in Produkten und Waren jeder Landschaft oder Stadt abgetragen.
Die fünf Kaiserlichen Kronländer liefern 148 Mann und 1200 Koch Reis, welches ungefehr 44 Billionen und 400 Millionen Säcke ausmacht.
Das Man hält 100.000 Kokf, ein Kokf 300 Balis oder Säcke, und jeder Sack über ein Ließpfund.
Die Einnahmen aus ganz Japan belaufen sich wenigstens auf 2328 Man, 6200 Kokf.
Der Kaiser ist zwar der oberste Herrscher, doch lenkt er das Ruder der Regierung nicht allein, sondern gemeinschaftlich mit einem Staatsrath, der aus sechs, gewöhnlich etwas bejahrten und vorzüglich verständigen, Männern besteht.
In den ältesten Zeiten, welche in Dunkel und Ungewissheit eingehüllt sind, scheint Japan, wie and·re Länder, von Hausvätern oder kleineren Fürsten regiert worden zu sein, die sich hernach unter Ein Oberhaupt vereinigt haben.
Die zuverlässige Geschichte von den Japanischen Regenten nimmt mit dem Jahr 660· vor Christi Geburt ihren Anfang, da die Regierung einem gewissen Syn Mu, aus einem angesehenen Geschlechte, das den Namen Tensio Dai Sin führte, uebergeben wurde.
Dieser Syn Mu ist der erste Stifter der Monarchie in Japan, er hat eine richtige Zeitrechnung eingeführt, welche der Ä·re Nin O den Namen gegeben hat, und sowohl die Regierungsform und Verfassung selbst, als auch die Gesetze verbessert.
Die Regenten aus diesem Stamme hießen gewöhnlich Dairi, selten Mikaddo, Dai, Tai, Tenſe oder Oo.
Hundert und neunzehn Dairi haben bis zur Zeit meines Aufenthalts in diesem Lande, nach einander den Thron bestiegen, doch ist ihre Macht und Gewalt, in drei verschiedenen Zeitperioden, sehr verschieden gewesen.
Bis 1142· regierte der Dairi, ohne alle Mitwirkung, allein und unumschränkt.
Von jener Zeit an, bis auf das Jahr 1585, war die weltliche Macht zwischen diesem ältesten und rechtmäßigen Beherrscher des Reichs, und dem sogenannten weltlichen Regenten, oder Generallissimus über die Armee, geteilt.
Endlich von 1585· an, hat sich seine Gewalt nur auf das erstreckt, was Religion und Gottesdienst, oder wenn ich so sagen kann, die Kirche, betrifft.
Der unumschränkten Monarchen aus dem Geschlechte der Dairi, waren bis 1142. sechs und siebzig gewesen.
In diesem Jahre entstanden innerliche Unruhen zwischen den Fürsten oder Unterregenten der Provinzen, welche unglückliche, bürgerliche Kriege zur Folge hatten.
Um diesen ein Ende zu machen, wurde die Oberbefehlshaberschaft über die Kriegsmacht, einem gewissen Joritomo, mit dem Titel eines Generallissimus, aufgetragen.
Dieser tapfere Feldherr dämpfte zwar die entstandenen Unruhen, zog aber auch einen großen Teil der Kaiserlichen Gewalt an sich, und vererbte diesen Anteil auf seine Nachfolger.
So blieb die Herrschaft bis zum Jahre 1585· zwischen dem Dairi und dem Reichsfeldherrn geteilt.
Um diese Zeit aber, hatte ein Bauernfohn, Taiko Sama, sich zum obersten Kriegsbefehlshaber hinauf geschwungen.
Dieser zwang alle Fürsten der Provinzen sich ihm zu unterwerfen, und beraubte endlich den Dairi aller Macht, die er bisher in weltlichen Angelegenheiten und der Regierung des Landes gehabt hatte.
Von Joritomo, welcher der erste besondere weltliche Monarch war, bis auf Je Baru, der zu meiner Zeit regierte, haben ein und vierzig Kubo regiert und zu E·do residiert.
Als Kämpfer im Jahr 1693· aus diesem Lande abreiste, regierte noch der Kubo Tjinajos; er war damals im drey und vierzigsten Jahr seines Alters und im zwölften seiner Regierung, die in allem neun und zwanzig Jahre gewährte···.
Ihm sind gefolgt; Je Nob Koo, regierte von 1709 bis 1712; Je Tsu Ku Koo, von 1713 bis 1716; Josi Mune Koo, von 1716 bis 1751; Je Singe Koo, von 1751 bis 1761; da der bei meiner Abreise 1776· noch regierende Kubo, Je Far Koo, den Thron bestieg.
Außer dem Kubo ist also, wie gesagt, noch ein Regent vorhanden, den die Holländer den geistlichen Kaiser nennen, und dessen Macht gegenwärtig auf die Angelegenheiten, welche die Religion und das Kirchenwesen betreffen, eingeschränkt ist, obwohl er in gerader und ununterbrochener Linie, die vor mehr als zweitausend Jahren ihren Anfang nahm, von dem ältesten Alleinherrscher des Reichs abstammt.
Dies ist der Dairi.
Diesen Dair·, oder Papst, wird nun eine ganz unbeschränkte, gleichsam göttliche Verehrung bewiesen.
Seine Person wird für heilig angesehen, und zwar für allzuheilig, als daß er von irgend einem ander·n als denen zu seiner Bedienung verordneten Personen, am wenigsten von einer fremden Mannsperson, gesehen werden, oder auch nur sich der Luft und Sonne aussetzen dürfte.
Daher kommt er selten aus seinen Zimmern; will er höchstens einmal im Garten frische Luft schöpfen, so wird er, von dazu bestellten Trägern, auf den Schultern dorthin getragen, zuvor aber wird ein Zeichen gegeben, daß Jedermann sich entfernen und Niemand ihn sehe· möge.
In den wenigen Tagen da wir uns in seiner Residenzstadt aufhielten, geruhte er einmal in dem inner·n Bezirke seines Schlosses unter freiem Himmel frische Luft zu schöpfen, welches dann durch ein besonderes Zeichen von der Mauer rund um das Schloss kund gethan ward·.
Er wird geboren, lebt und stirbt in dem Bezirke seines Hofes, findet und genießt alle Vergnügungen innerhalb desselben, und kommt in seinem ganzen Leben nicht heraus.
Seine Haare, Nägel und Bart dürfen nicht am Tage gereinigt oder beschnitten werden, sondern dies muß, ohne Zweifel ebenfalls seiner Heiligkeit wegen, heimlich, des Nachts wenn er schläft, geschehen.
Er speiset jedesmal von neuen Tellern und Schüsseln, welche hernach gewöhnlich entzwei geschlagen werden, um zu ···hüten, daß sie nicht in unheilige Hände fallen.
Sein Tischgerät besteht daher nur aus den schlechte··n Sorten von Porzella·n.
Eben diese Art von Aufwand, herrscht auch mit seinen Kleidungsstücken, die aber, wenn er sie einmal gebraucht hat, nicht zerrissen, sondern an seine Hofbediente weggegeschenkt werden.
Außer am Hofe weiß niemand, oder doch gewiß nur sehr wenige, seinen Namen ehe, als lange nach seinem Tode.
Sein ganzer Hof, an welchem viel Pracht und Aufwand, jedoch jetzt nicht mehr so sehr als ehemals herrscht, besteht fast nur aus Personen von seiner eigenen Verwandtschaft, welche aber auch alle Ämter und Bedienungen bey Hofe, und die einträglichsten Pralaturen und geistlichen P·ründen im Lande bekommen.
Er hat zwölf Gemahlinnen, von welchen eine die Vornehmste, oder Kaiserin ist.
In alten Zeiten hielt er seinen Hof, wo es ihm beliebte, bald an diesem, bald an jenem Orte.
Jetzt residiert er unabänderlich in der Stadt Miako.
Der Schlossbezirk ist von großem Umfange, und macht für sich selbst schon eine anseh·liche Stadt aus.
Er ist mit Mauern, Gräben, Bollwerken und Toren versehen.
In der Mitte steht der Palast des Dairi, der mit hohen Türmen prangt, und worin er mit seinen Gemahlinnen wohnt.
Rund umher sind die Wohnungen für seinen hohen und niederen Hofstaat, für seine zahlreiche Dienerſchaft, und für die Prieſter, welche· die Gelehrten an seinem Hofe sind.
Der Kubo hält zu Miako, zum Dienste des Dairi, einen Statthalter, und, zur Sicherheit seiner ··heilig·en Person, eine Wache.
Beide sind aber auch dem Kubo für allen Aufruhr verantwortlich.
Ihr Aufenthalt ist ebenfalls im Umfange des Schlossbezirkes.
Am Hofe des Dairi werden Wissenschaften und Gelehrsamkeit getrieben, und man kann ihn wie eine Akademie, und zwar die einzige im Lande, ansehen.
Der vornehmste Hofbeamte des Dairi, ist der, welchen die Holländer den Oberrichter nennen.
Er ist gleichsam sein Vikarius, oder eine Art Hofmarschall.
Er besorg·t in seinem Namen alles an seinem Hofe, und besonders auch alle kirchlichen Angelegenheiten außerhalb desselben.
Er fertigt auch die Päß·e für alle, welche oben ins Reich, und nach dem Hofe des weltlichen Kaisers reisen, aus.
Indessen wird dieser sehr angesehene Herr nicht vom Dairi selbst, sondern vom Kubo angesetzt, welcher gewöhnlich einen Mann von Jahren und Verstand, der schon wichtige und hohe Ämter bekleidet hat, und Vermögen besitzt, dazu nimmt.
Da aber die Einnahmen dieses Ehrenamtes geringe und sehr unzureichend sind, so wird der, welcher es bekleidet, auf diesem erhab·nen Posten gemeiniglich zum armen Mann.
Seitdem die Macht des Dairi herabgesetzt ist, genießt er die Staatseinkünfte aus der Stadt Miako und der dazu gehörigen Provinz, außerdem aber einen beträchtlichen Zuschuss aus der Schatzkammer des Kubo, der großen Summen nicht zu gedenken, die ihm für die Titel, welche er ertheilt, bezahlt werden.
Es gehör·t nämlich bis auf den heutigen Tag zu seinen Gerecht···en, Ehrentitel zu conferieren.
Selbst der Kubo und der Kronprinz bekommen Titel von seiner Hand, auch die höchsten Beamten am Hofe des Kubo, wenn dieser sie dazu empfiehlt.
Auch gibt es mit vornehmen Titeln von ihm versehene Geistliche oder Prälaten, sowohl an seinem Hofe, als bei den Tempeln im Lande.
Der Dairi hat noch immer den ersten Rang im ganzen Reiche, und der Kubo muß entweder in eigener Person, oder durch eine Gesandtschaft, entweder jährlich oder nach Verlauf einer gewissen Zeit, ihm die Aufwartung machen, und, nach allgemeiner Landesſitte, Geschenke mitbringen.
Joritomo und and·re weltliche Kaiser sind in eigener Person nach Miako gereist, um ihm diese Huldigung zu leisten.
In späteren Zeiten aber hat dies mehr und mehr abgenommen, und endlich ist es gar unterblieben.
Die Fürsten der Provinzen warten aber dem Dairi nie auf solche Art feierlich auf; auch tut es der Holländische Ambaſſadeur nicht auf seiner Reise nach E·do.
Als Kämpfer sich in Japan aufhielt, regierte der Dairi Kinseckwo Tei, der im Jahr 1687· den Thron bestiegen hatte.
Seit dieser Zeit haben folgende regiert: Naka no Mikaddo no In, von 1709 bis 1735; Sakkura Matie no In, von 1735 bis 1746; Momi Zon no In, von 1746 bis 1761; Zentoogozio, von 1761 bis 1769; und Figasi jamma no In von 1770 an, welcher bey meiner Abreise auf dem Throne saß.
Man vergleiche hier übrigens, was ich im Vorhergehenden bei Beschreibung der Stadt Miako vom Dairi und dessen Hofe schon angeführt habe.
Von der vortref·lichen Polizei in Japan und den darauf sich beziehenden Einrichtungen habe ich im ersten Teile dieses Bandes mehrmals Nachricht zu geben Gelegenheit gehabt.
Besonders herrscht in allen Städten eine fast unnachahmliche Ordnung zur Aufrechterhaltung öffentlicher Ruhe, Sicherheit, Bequemlichkeit und Wohlfahrt.
Einiges da··von habe ich bei dem, was ich von den Städten Nangaſacki und Jedo gesagt habe, schon erwähnt.
Es sind nämlich in jeder Stadt vier Bürgermeister, von denen jeder ein Jahr lang den Vorsitz hat, das Wort führt und Ninban heißt.
Außer diesen ist über jede Straße ein Ottona gesetzt, der gleichsam ein Kommissarius ist, und den Bürgermeistern von allem was vorfällt, Rapport abstatten muß.
Er hat verschiedene Stadtdiener zu seinem Dienste unter sich.
Sein Amt ist, alle, die in seiner Straße geboren werden, sterben, heiraten, verreisen, wegziehen oder ankommen, aufzuschreiben und die Einigkeit unter den Einwohnern zu erhalten zu suchen.
Er hat das Recht, die Verbrecher gefangen zu setzen und sogar in Fesseln zu legen.
Er wird von den Einwohnern einer Straße gewählt und aus der Kasse der Straße besoldet; die Miethsleute haben aber bei seiner Wahl keine Stimme.
Jeder Ottona hat auch drei Beisitzer zu Gehilfen, einen Sekretär, und einen Kassi·rer.
Die Stadtdiener sind zugleich Spionen, die dem Ottona von allem genaue Nachricht bringen müssen.
Jede Stadt ist mit Toren versehen; aber auch jede Straße hat ihre besonderen Tore, die, bei entständen·· Unruhen, wenn sie verschlossen werden, alle Gemeinſchaft mit ander·n Straßen abschneiden, so, daß keiner der Lärm und Unruhe anstiftet, mit der Flucht entkommen kann; des Nachts sind sie allezeit verschlossen, so, daß niemand aus oder ein kann.
Von einem solchen Tor· zu einem ander·n sind gemeiniglich dreißig bis sechzig Klafter.
Die Hausmiete wird monatlich bezahlt, und zwar nach der Größe der Zimmer, die man bewohnt, welche nach der Anzahl der Fußbodenmatten bestimmt wird.···
Von den unübertrefflichen Feueranstalten habe ich Seite 114 dieses Bandes geredet.
Hier hole ich noch nach, daß die Bürgerſchaft, sowohl Hausbeſitzer als Miethsleute, zu Verhütung von Feuersbrünſten ſelbſt Wache halten muß.
Solcher Nachtwachen sind zwei, und diese sind so unverletzlich, daß niemand bei unvermeidlicher Lebensstrafe sich an ihnen vergreifen darf.
Die eine hält sich allezeit auf der Hauptwache auf, und kann, wenn Gefahr vorhanden ist, verdoppelt werden.
Die andere ist die umhergehende, welche ich am angeführten Orte beschrieben habe.
Jede Straße hat ihre eigene Wache, Wachhäuser und Löschgerät······e·.
In allen Gasthöfen, Wirtshäusern und Krugern, geht es so friedlich zu, daß man selten von Schlägerei oder betrunkenen Leuten hört.
In jeder Stadt sind viele Wirthshäuser zur Bequemlichkeit der Reisenden; diese Häuser sind reinlich und liegen in guten Gegenden der Stadt.
Die Dörfer habe ich schon gelegentlich beschrieben; sie liegen meistens an den öffentlichen Landstraßen und unterscheiden sich von den Städten dadurch, daß sie nur eine Straße haben und offen sind.
Auch in den kleinsten Dörfern sind eine Menge kleiner Herbergen vorhanden, wo für Reisende Thee und andere Erfrischungen immer in Bereitschaft gehalten werden.
An den Landstraßen findet man alle zwei, höchstens alle vier, Meilen Posthäuser, wenn ich sie so nennen kann, wo allezeit Pferde und Träger die für Geld, Menschen, Gepäcke und Waren tragen, zu haben sind.
Die Taxe, wornach man diese bezahlt, ist nach der Beschwerlichkeit und Länge der Wege eingerichtet, mithin in verschiedenen Gegenden verschieden, aber genau und richtig bestimmt.
So wachsam die Polizei ist, und so pünktlich und ordentlich ihre Einrichtungen befolgt werden, eben so strenge sind auch die Gesetze.
Um so ·····möglich zu erhalten, dass die in öffentlichen Ämtern stehende Personen ehrlich und zuverlässig sein mögen, ist eingeführt, dass jeder, ohne Unterschied, beim Antritt seiner Bedienung, einen sehr scharfen Eid schwören und solchen auch wohl jährlich erneuern muß.
Manchmal müssen sie auch umwechseln, um nicht an einem Orte zu alt und mit der Zeit verleitet zu werden.
Die Wirkung der Strenge der Gesetze ist sehr groß und in die Augen fallend.
Schwerlich gibt es irgend ein Land, wo weniger gegen die Gesetze gehandelt wird.
Und da nie das mindeste Ansehen der Person statt hat, und die Gesetze uralt, ohne Abänderungen, Erklärungen und Verdrehungen sind, so wachsen die Unterthanen nicht nur mit zuverlässiger Kenntnis dessen, was sie zu tun und zu unterlassen haben, auf, sondern das Beispiel und unstraffliche Betragen der Alten leuchtet ihnen auch darin vor.
Die meisten Verbrecher werden mit dem Tode bestraft, nicht wegen Größe oder Geringfügigkeit des Verbrechens, sondern weil man sich unterstanden hat, die geheiligten Gesetze des Reichs zu übertreten, und die Gerechtigkeit zu beleidigen, welche, nächst der Religion, für das Allerheiligste gehalten wird.
Geldbuße betrachtet man als mit Gerechtigkeit und Vernunft streitend; der Reiche, glaubt man, würde dabei von aller Strafe frey und dies würde höchst unrecht und ungereimt sein.
Totschlag wird mit der Todesstrafe geahndet, und wenn er in einer Stadt oder auf öffentlicher Straße geschehen ist, so wird nicht nur der Mörder, sondern bisweilen auch die Anverwandten und Angehörigen, ja die Nachbaren desselben, bestraft, je nachdem sie mehr oder weniger dazu mit beygetragen, oder doch die That zu hindern unterlassen haben.
Den Säbel gegen jemand zu ziehen, kostet das Leben.
Alle Schleichhändler werden ohne Schonung am Leben gestraft, imgleichen alle, die Teil daran gehabt haben, sowohl die Verkäufer als Käufer der Ware.
Alle Todesurteile müssen vor der Vollziehung vom Staatsrathe zu Jedo unterschrieben werden, und vor dem Urteilsspruche muß ein förmliches Verhör vor dem dazu gesetzten Richter und mit Abhörung der Zeugen hergehen.
Die Missetäter werden gewöhnlich im Gefängnisse selbst, ins Geheim, mit dem Säbel enthauptet, wiewohl auch in einigen Fällen öffentliche Kreuzigung oder and·re öffentliche und zwar schmerzliche Todesstrafe üblich ist.
Verbrecher die den Tod nicht verdient haben, werden entweder auf Lebenslang mit Gefangenschaft bestraft, oder nach einer entfernten Insel verwiesen, und dabei ihr ganzes Vermögen konfisziert.
In den Städten werden oft die Bewohner einer ganzen Straße um eines einzigen Verbrechers willen gestraft; der Herr wegen der Vergehung seines Knechts, die Eltern wegen dessen, was die Kinder begangen haben, und zwar nach Verhältnis ihres Anteils an dem Vergehen.
In dem durch Philosophie und lauterer Religion aufgeklärten Europa wird der, welcher jemand verführt oder zum Bösen verleitet, selten; Eltern und Anverwandten hingegen, welche die Erziehung ihrer Kinder und Angehörigen versäumten oder vernachlässigten, nie bestraft: dagegen finden diese sogenannten Heiden dergleichen Bestrafung nicht unbillig.
Gefängnisse sind zwar hier zu Lande, wie anderswo···, sehr unangenehme Aufenthaltsorte·, sie werden aber reinlich und gesund gehalten, und bestehen außer den Gemächern für die Gefangenen, aus einem Zimmer zum peinlichen Verhöre, einem Gemache zu den Hinrichtungen, Küche, Esssälen und Badstube.
Vor den Städten und Dörfern sieht man bisweilen an der linken Seite Kreuze und Pfähle aufgerichtet; dies sind die Richtplätze, wo, in vorigen Zeiten mehr als heutiges Tages, die Delinquenten aus der Welt geschafft wurden.
Da die Strafen in diesem Lande ungewöhnlich hart und, wie schon gesagt, die Gesetze unveränderlich sind, so kann man mit Wahrheit behaupten, daß hier weit weniger Verbrechen und gesetzwidrige Handlungen begangen und bestraft werden, als in ander·n volkreichen Ländern, wo, außer den vielen Strafen, die jährlich vollzogen werden, viele Verbrecher und die Gesetze übertretenende Personen, verborgen bleiben, Gelegenheit zu entkommen haben, oder auf and·re Art der verdienten Ahndung entgehen.
Die Dolmetscher haben mich versichert, und ich kann nicht leugnen daß es mir sehr auffiel, daß es Gesetze gebe, denen von der Strafe der Übertreter nichts beigefügt, und daß in Beziehung auf manche Verbrechen die Strafe nicht allgemein bekannt sey; sie glaubten aber, (·vermutlich hatten sie ihre guten Gründe,·) man müsse sich deshalb nicht weniger vor Verbrechen und Vergehungen hüten, wenn schon der Regent nicht für gut befunden habe, die Art der Strafe zu bestimmen und bekannt zu machen.
Damit aber niemand Unkunde der Gesetze vorschützen möge, findet man sie in allen Städten und Dörfern, zu öffentlicher Ansicht und täglichem Durchlesen, mit großen Buchstaben geschrieben und auf einem mit Gitterwerk umgebenen offenen Platze aufgestellt, der in den Städten gleich innerhalb des Thores und in den Dörfern mitten auf der Straße ist.
Die Befehle dessen, was geschehen oder unterlassen werden soll, sind sehr kurz, ohne Bestimmung der Strafe und ohne beigezetzte Drohungen.
Die öffentlichen Abgaben der Einwohner sind in verschiedenen Provinzen und, eben so, auch in den Städten und auf dem Lande, verschieden.
Der Kubo bezieht, außer den anseh·lichen Geschenken, welche er jaährlich von den Provinzialfürsten und den Holländern bekommt, die sein··en aus gewissen Städten und Landschaften.
Die Fürsten erheben die ihrigen, jeder aus seiner Provinz und den darin befindlichen Städten; sie sind aber nach der Lage, dem Reichthum, dem Umfange, der Volksmenge und dem Anbau sehr ungleich.
Jeder Hauseigentümer bezahlt von seinem Hause, nach Maßgabe der Fronte desselben an der Straße, eine festgesetzte Steuer, hiernächst muß er den öffentlichen Beamten bestimmte Geschenke machen, auch an die Tempel und zum Dienst der Götter eine gewisse Contribution erlegen.
Die Stadt Nagasaki besteht aus ungefehr neunzig Straßen, hat zwei und sechzig Tempel und ihre sämtlichen Abgaben betragen etwa drei Mangokf.
Das platte Land entrichtet nach dem Ertrag· des Feldes seine Steuern, die gewöhnlich in Reis bestehen.
In waldichten und weniger kultivierten Gegenden· sind die Auflagen geringer.
Indessen sind sie im Ganzen durchgehends sehr beträchtlich.
Ein Rentmeister, oder Vogt, treibt sie ein.
Das Ackerland wird, in dieser Rücksicht, nach Verschiedenheit der Fruchtbarkeit und Güte, in drei Klassen eingeteilt.
Wer ein Stück Feld urbar macht, benutzt es zwei bis drei Jahr ganz steuerfrei.
Damit man immer genau wisse, wie groß eines jeden Feld sey, und wie viel davon an den Fürsten der Landschaft abgetragen werden müsse, wird es oft, nicht selten zweimal des Jahrs, im Frühling und in der Erndtezeit, gemessen.
Gewöhnlich machen die Abgaben von Landgütern und Acker· etwas über die Hälfte, oft über zwey Drittheil des ganzen Ertrages aus.
Um sie genau zu bestimmen, wird ein Stück Land gemessen, das Korn oder der Reis auf demselben abgeschnitten und gedroschen, und danach ausgerechnet, wie viel das Ganze unge·ähr beträgt.
Der Boden oder das Feld, gehört allezeit entweder dem Landesherrn oder dem Fürsten, und der Landmann und Bauer besitzt es nur zu Lehn, so lange er es gehörig bearbeitet.
Es ist wahr, die Einrichtungen in diesem Lande kommen einem Ausländer oft sonderbar vor, und nicht selten sind sie mit vielem Zwang· verbunden, doch sind sie zum Teil gewiss vortref·lich und in vielen Fällen nöthig.
Im Allgemeinen sind in Japan sowohl die oberste Landesregierung, als die übrigen Beamten und öffentlichen Staatsbedienten, mehr als in den meisten ander·n Ländern, auf das Wohl des Landes, auf die Erhaltung der Ordnung und auf Sicherstellung der Unterthanen und ihres Eigentums bedacht.
Zweiter Abschnitt.
Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht.
Die Religion ist in ganz Japan überhaupt heidnisch, doch gibt es mehrere unterschiedene Sekten, die gleichwohl alle in größter Eintracht, ohne Streit und Zank, mit·einander leben.
Jede Partei hat ihre besonderen gottesdienstlichen Gebäude und ihre besonderen Götter.
Der sogenannte geistliche Kaiser, der Dairi, ist das Oberhaupt der Kirche, gleichsam der Papst, und ernennt die vornehmsten Priester.
Ihre Götter bilden die Japaner unter einer bestimmten, meistenteils widrigen und ungeheuren Gestalt ab.
Überhaupt fingieren sie sich viele Götter und beynahe für jede Lebensart und Handthierung einen besonderen Gott, ungefähr wie die alten Griechen und Römer; sie haben daher höhere und niedere Götter.
Ein ewiges und allmächtiges Wesen, höher als alle andere Götter, ist ihnen zwar nicht unbekannt, aber die Erkenntnis desselben, ist sehr in Dunkel und Aberglauben verhüllt.
Kein heidnisches Bild dieses höchsten Gottes habe ich indes··· so groß und majestätisch gefunden, als hier in zwei Tempeln, in deren einem es von ganz unglaublicher Größe vorhanden ist, in dem ander·n aber seine unendliche Macht durch eine unzählige Menge auf beiden Seiten stehender kleiner Götter, vorgestellt wird.
Seite 127 und 128 des ersten Teils, habe ich diese Bilder, nebst den Tempeln worin sie stehen, genauer beschrieben.
Der Tempel sind viele; die meisten stehen außerhalb um die Städte herum, und zwar an den höchsten und schönsten Stellen, die Wege dahin, sind oft mit Alleen von Zypressen und mit schönen Thoren geziert.
In den meisten Tempeln ist ein besonderer und abgeteilter Platz für das Bild des Gottes, welcher bisweilen auf einem Altare sitzt, und sein Rauchwerk, Blumen und andere Zierrathen um sich her liegen hat.
Die Tempel im ganzen Lande, stehen das ganze Jahr hindurch täglich offen, werden aber an den gewöhnlichen Festtagen am häufigsten besucht.
Viele spazieren auch bei gutem Wetter dahin, um sich da ein Vergnügen zu machen.
Der Priester bei jedem Tempel sind viele, obgleich ihre Geschäfte sehr geringe und wenig sind.
Sie bestehen darin, den Tempel rein zu halten, die Lichter und Lampen anzuzünden, und diejenigen Blumen dem Gott vorzusetzen, die ihm heilig und, der Meinung der Japaner nach, die angenehmsten sind.
Öffentlichen Gottesdienst, Religionsvorträge, Gesang und dergleichen, hat man in den Tempeln gar nicht; sondern jeder, der kommt, verrichtet sein Gebet, und lässt etwas zur Opfergabe zurück.
Kein Fremder wird von den Tempeln ausgeschlossen; selbst die Holländer dürfen sie besuchen und werden, wenn in kleinen Städten die Wirtshäuser besetzt sind, in dieselben einquartiert, welches, auf der Reise nach E·do, auch uns einmal wiederfuhr.
Einige Tempel sind vor ander·n besonders merkwürdig, und zu solchen werden auch aus allen Provinzen des Reichs Wallfahrten, wie von den Muhammedanern nach Mekka, angestellt.
Von dieser Art ist vorzüglich der Tempel Isis.
Dieser ist dem ältesten Gotte des Landes, oder dem höchsten himmlischen Gotte, Tenſio Dai Sin, geweihet, und der älteste im ganzen Lande, aber auch der unansehnlichste, und jetzt vor Alter dermaßen verfallen, daß er mit der größten Sorgfalt kaum noch vor dem völligen Einsturz· geschützt werden kann.
In demselben findet sich nur ein Spiegel und an den Wänden hier und da einige Streifen weißen Papiers aufgehängt, welches anzeigen soll, daß kein Unreiner sich dem Gotte nahern, oder ihm gefallen kann, und daß das allsehende Auge alles sieht.
Der Kaiser, welcher diesen Tempel nicht in eigener Person besuchen kann, fertigt jährlich im ersten Monat· eine Gesandtschaft dahin ab.
Alle Unterthanen, wes··· Alters oder Geschlechts sie sein mögen, sind schuldig, wenigstens Einmal in ihrem Leben, eine Reise hie·her zu machen; viele machen sie alle Jahr.
Die Vornehmen kommen gleichwohl selten hin; sie messen sich, hier wie and·rer Orten, ihre besonderen Privilegien an, die mehr der Bequemlichkeit als dem was sie tun sollten angemessen sind.
Diese Wallfahrten können zu jeder Zeit geschehen, gemeiniglich aber werden sie in der schönsten Jahreszeit, in den Frühlingsmonaten, verrichtet.
Eine solche Wallfahrt getan haben, ist verdienstlich, und wirkt dem Pilger·· einen Ablaß für das ganze Jahr.
Auf meiner Reise nach E·do, sah ich dergleichen Pilger··· zu Tausenden; oft waren sie so arm, daß sie unterwegs ihr Brot betteln mussten.
Diese arme Leute trugen nach Landessitte auch ihr Bette mit sich, das aus einer Strohmatte bestand, welche ihnen über der Schulter hing.
Die meisten trugen auch einen kleinen Eimer, um daraus zu trinken und ihre Almosen darin zu empfangen.
Auf diese Gefäße ist der Name des Besitzers geschrieben, damit man, auf den Fall, wenn er auf der Wallfahrt umkommen oder natürlichen Todes sterben sollte, wissen möge, wer er gewesen ist.
Wenn die Wallfahrer zu Isie angekommen sind, werden sie von einem Priester nach dem Tempel geführt, wo sie ihr demütiges Gebet verrichten und, gegen ein Geschenk an den Priester, einen Ablaß bekommen, der aus einigen, in einer länglichen Dose von dünnem Zinn verwahrten, dünnen zinnernen Blättchen, ( wie uns·re geschlagene Gold- und Silberblätt··er ) besteht.
Herrschende Religionen kann man in Japan eigentlich zwei annehmen: sie werden Sinto und Bud·do genannt.
Die erste··, oder Sinto, ist die eigentümliche und älteste Religion dieses Landes, ob sie gleich weniger Anhänger hat.
In ihrer ersten Einfachheit scheint sie viel edler gewesen zu sein als sie jetzt erscheint, da sie mit der Zeit durch fremde Ceremonien mehr und mehr entstellt worden ist, auch scheinen ihre Lehren vor diesem mehr Klarheit gehabt zu haben, als heutiges Tages, seitdem Irrwahn und Aberglaube sie allmählig· mehr verdunkelt haben.
Vielleicht schreibt sie sich ursprünglich gar von den Juden, nach dem Aufenthalt· derſelben in Babylonien, her.
Ihre Anhänger erkennen und glauben ein erhabenes Wesen, das in den höchsten Himmeln wohnt, nehmen aber auch noch geringere Untergötter an.
Beim höchsten Gotte schwören sie ihre Eide, glauben aber übrigens, daß er weit darüber erhaben sey, ihrer Verehrung zu bedürfen.
Die niedrigeren Götter beten sie an; sie glauben, daß diese über die Erde, das Wasser, die Luft u. s. w. herrschen, und die Menschen glücklich oder unglücklich machen können.
Von der Unsterblichkeit der Seele und einem glückseligen oder unglückseligen Zustande nach dem Tode, haben sie allerdings, jedoch nur dunkle, Begriffe: die Seelen der Tugendhaften, sagen sie, kommen nach einem Orte, der unter den Himmeln ist, die Seelen der Gottlosen aber müssen lange unter den Himmeln umher schwärmen, um für ihre Sünden zu büßen.
Wanderung der Seele in Körper der Tiere oder andere Körper, glauben sie also nicht.
Ihre ganze Religion geht darauf aus, tugendhafte und rechtschaffene Menschen in diesem Leben zu sein.
Sie befleißigen sich tugendhaft zu leben, und den Gesetzen des Landes zu gehorchen, um solchergestalt ein in jedem Betracht unverletztes Gewissen zu bewahren.
Sie essen kein Fleisch, vergießen nicht gern Blut, und rühren keinen toten Körper an.
Sündiget jemand in einem dieser Stücke, so wird er, wie die Juden nach dem levitischen Gesetz·, eine Zeitlang für unrein gehalten.
Teufel gibt es nach ihrer Meinung keine andere, als die, welche in den Füchsen als deren Seelen wohnen; diese Tiere werden nämlich in Japan für sehr gefährlich und schädlich angesehen.
Obgleich die Bekenner dieser Religion die Überzeugung haben, daß ihren Göttern alles bekannt und es mithin unnöthig sey sie um etwas zu bitten, so haben sie doch sowohl Tempel als gewisse Festtage.
Die Götter heißen bei ihnen Sin oder Kami, und ihre Tempel Mia.
Diese bestehen aus mehreren Zimmern oder Galerien mit Fenstern und Türen, die, nach hiesiger Art, eingesetzt und herausgenommen werden können.
Der Fußboden ist mit Strohmatten bedeckt, und das Dach steht so weit vor, daß es einen erhöhten Gang bedeckt, auf dem man um den Tempel herum gehen kann.
In diesem Tempel findet man keinen abgebildeten Gott, oder sonst ein Bild, um das höchste, unsichtbare Wesen vorzustellen.
Bisweilen aber steht doch in einer Schachtel oder Dose ein kleines Bildnis eines Untergottes, dem der Tempel heilig ist.
Mitten im Tempel befindet sich gewöhnlich ein großer, von Metall gegossener und polierter Spiegel, der die Hereintretenden erinnern soll, daß, so wie man in demjenigen die Flecken des Gesichts sieht, die unsterblichen Götter auch die geheimen Flecken ihrer Herzen sehen.
Mit welcher Andacht die Sintoiſten, sowohl an ihren Festen, als auch sonst, sich diesen Tempeln nahen, habe ich oft mit der größten Verwunderung gesehen.
Sie wagen es nicht dem Hause ihres Gottes nahe zu kommen, wenn sie auf irgend eine Art unrein sind.
Sie waschen sich deswegen vorher sehr sorgfältig, ziehen ihre besten Kleider an, und waschen sich die Hände noch einmal vor dem Tempel.
Darauf treten sie mit ernster Würde hinein, gehen vorwärts und stellen sich vor den Spiegel.
Alsdenn bucken sie sich mit der tiefsten Ehrfurcht ganz bis zur Erde nieder, kehren sich wieder gegen den Spiegel, verrichten ihr Gebet und geben ein Opfergeschenk.
Zuletzt klingeln sie dreimal mit einer im Tempel befindlichen kleinen Glocke, und gehen weg, um den Rest des Tages in Vergnügen und mit Lustbarkeiten zuzubringen.
Die Priester bei diesen Tempeln sind von zweierlei Art.
Diejenigen welche die im Tempel vorfallenden Geschäfte verrichten, sind Weltliche und Ungelehrte, um nicht die Geheimnisse der Religion offenbaren zu können.
Die ander·n sind Geistliche, und pflanzen die Geheimnisse ihrer Religion auf ihre Schüler fort, aber mit der eidlichen Verpflichtung, nie etwas davon bekannt zu machen.
Die weltlichen Priester lassen sich den Bart, nicht aber die Haare auf dem Kopfe scheren, und tragen nach japanischem Gebrauch weite Kleider, auf dem Kopfe aber einen lackierten Hut mit herabhangenden seidenen Schnüren.···
Seit Einführung der Religion des Bud·do in Japan, haben die Schintoisten verschiedene Lehren und Gebrauche angenommen, die sie anfangs nicht kannten.
Dennoch aber, und auch des mannigfaltigen Aberglaubens ungeachtet, womit sie von Zeit zu Zeit befleckt worden, ist diese Religion unstreitig die beste im Lande.
Der Kubo bekennt sich zu derſelben, und ist schuldig, jährlich einmal, entweder selbst oder durch eine Gesandtschaft, einen ihrer Tempel zu besuchen, seinen Gottesdienst darin zu verrichten, und zugleich anseh·liche Geschenke zurückzulassen.
Die andere Hauptreligion, Bud·do genannt, ist von der westlichen Küste Ostindiens, namentlich aus Malabar, Coromandel und Ceylon hergekommen.
Bud·ha, welches ohne Zweifel mit Budsdo einerley ist, ist der Name eines Propheten unter den Brahma·nen, der ungefähr tausend Jahr vor Christi Geburt ···········gebohren seyn soll, und Stifter dieſer Sekte gewesen ist, welche sich hernach über ganz Ostindien und bis an die äußersten Gränzen Asiens ausgebreitet hat.
In China ist sie erst lange Zeit nach ihrer Entstehung zu ein··em Ansehen gelangt; von da ist sie nach Korea, und so weiter nach Japan gekommen, wo sie sehr allgemein angenommen ist, und mit der alten Sintoreligion vermischt, verschiedene Mis·geburten des Aberglaubens hervorgebracht hat.
Ihre vornehmsten Lehrsätze bestehen darin, daß die Seelen, sowohl der Menschen als der Tiere, unsterblich sind, daß es Strafen und Belohnungen nach dem Tode gibt; daß sowohl jene als diese ihre Stufen haben, daß die Seelen lasterhafter Menschen in Tiere, und endlich, wenn sie sich besser·n, wieder in Körper von Menschen wandern.
Den höchsten Gott nennen die Anhänger dieser Religion, Amida, und den Teufel, Jemma.
Außer den Priestern bei den Tempeln gibt es auch einige geistliche Orden, die, zum Teil mehr zum Teil weniger, heilig sind.
Der Orden der Blinden ist einer der sonderbarsten in der Welt und vielleicht einzig in seiner Art; er besteht bloß aus blinden Leuten, die im ganzen Reiche zerstreut sind.···
Der Orden der Jamabbo oder Bergmönche, von welchen oben, Seite 35 schon etwas vorgekommen, ist ebenfalls merkwürdig.
Er ist vor etwa zweihundert Jahren gestiftet, und hat sein Oberhaupt, oder seinen General, zu Miako, welcher seinen Untergebenen nach Verdienst Ehrentitel ertheilt.
Das äußere Zeichen einer solchen Ehre· besteht in einer um den Hals herabhangenden Schnur, mit unterschiedlichen Troddeln, die nach dem verschiedenen Range auch von ungleicher Länge sind.
Die Mönche von diesem Orden tragen einen Säbel an der linken Seite, in der Hand einen Stock mit einem kupfernen Knopfe und einer Tritonsschnecke, ( Murex Tritonis ), um darauf, wie auf einer Trompete zu blasen; auf dem Kopfe haben sie eine Mütze, auf dem Rücken einen Beutel und ein paar Schuh um auf den Bergen damit zu gehen; oft auch eine Schnur wie ein Rosenkranz.
Sie führen ein sehr beschwerliches und müheseliges Leben.
Sie sind schuldig, einmal im Jahr mit vieler Gefahr, wilde Wälder zu durchwandern und bis zum Gipfel der höchsten Berge hinauf zu klettern.
Sie müssen sich ganz vorzüglich der Reinlichkeit befl·iss·en, und daher oft in kaltem Wasser baden; auf den Gebirgen leben sie bloß von Wurzeln und Kräutern.
Übrigens kann man sie mit den Zigeunern vergleichen; sie streifen barfuß das ganze Land durch, und heilen Krankheiten, schaffen gestohlene Sachen wieder, wahrsagen und so weiter.
Nonnenklöster sind, schon länger als seit tausend Jahren, gestiftet, obwohl ihre Anzahl den in Europa vorhandenen ····weit·· nicht gleich kommt.
Alle Orden und Sekten haben allezeit ihr Oberhaupt oder ihren General zu Miako, und bei jedem Tempel oder Kloster ihre Vorsteher.
Außerdem haben sie auch am Hofe des weltlichen Kaisers zu Jedo ihre geistlichen Bevollmächtigten, die in den zwischen ihnen in weltlichen Angelegenheiten in den Provinzen entstandenen Streitigkeiten, wie auch über die Verbrechen geistlicher Personen, entscheiden; wenn aber ein Todesurteil an solchen vollzogen werden soll, so muß es vorher allezeit vom Ordensoberhaupte unterzeichn·et·· sein.
Die mit Titeln versehenen Geistlichen, sowohl bei Hofe zu Miako und zu Jedo, als bei den Tempeln im Lande, haben, nach Rang und Würden, ihre besondere Kleidung.
Unter ander·n sah ich einen solchen Prälaten in der Nähe eines Klosters vor der Stadt Nangaſacki, der lange, fast auf die Erde gehende, Beinkleider und einen weiten Mantel mit einer langen Schleppe anhatte.
Er war ein sehr freundlicher und leutseliger Mann, und ließ sich vermittelst der Dolmetscher in eine lange Unterredung mit mir über allerhand Dinge ein, die mir aber ····weit·· nicht so viel Vergnügen machte, als die um seinen Tempel stehenden Gewächse und Sträuche·.
Religiöse Gelübde geschehen häufig von abergläubigen Leuten.
Einer unter unser·n besten Dolmetschern, ein bejahrter Mann, hatte vor langer Zeit das Gelübde gethan, nie Schuh zu tragen.
Er machte auch dieses Jahr in den Wintermonaten auf diese Art die Reise mit der Holländischen Gesandtschaft nach E·do, und ertrug, mit seinen bloßen Füßen, alles Ungemach der Kälte sehr geduldig, und ohne die mindesten nachtheiligen Folgen davon zu spüren.
Von den religiösen Festen und Feiertagen, ist schon im sechsten Abschnitt· der fünften Abteilung vorläufig einiges vorgekommen.
Jetzt will ich sie ausführlicher beschreiben.
Die gewöhnlichen Feste, sind die monatlichen.
Von diesen ist das vornehmste, der erste Tag jedes Monats, an welchem die Japaner des Morgens früh aufstehen, sich festlich ankleiden, ihre Vorgesetzten und Freunde besuchen, und denjenigen zum neuen Monathe Glück wünschen; dieser Tag wird seit uralten Zeiten überall im ganzen Reiche gefeiert.
Wenn der Vollmond eintritt, am fünfzehnten Tage im Monate, wird der zweite Festtag gefeiert; an diesem besuchen die Leute die Tempel mehr als an den vorhergehenden.
Der dritte Feiertag ist von geringerer Erheblichkeit, und fällt auf den acht und zwanzigsten, oder den Tag vor dem Neumonde.
Außer diesen monatlichen Festtagen feiern sie noch fünf and·re, die jährlich einmal einfallen.
Der erste unter diesen ist das Neujahrsfest.
An diesem Tage gehen sie des Morgens sehr zeitig, in ihrem kostbarsten Anzuge, zu ihren Vorgesetzten, Freunden und Anverwandten, um ihnen ein glückliches Jahr zu wünschen.
Der übrige Teil des Tages wird mit Essen, Trinken, Besuchen der Tempel und mancherley Vergnügungen hingebracht.
Einige machen bei dieser Gelegenheit auch ein, wiewohl unbedeutendes, Geschenk.
Oft gibt auch der älteste in der Familie eine Abendmahlzeit.
Das ganze Land ist in dieser Zeit in allgemeiner Bewegung, welche drei volle Tage währt.
Der ganze erste Monat wird hernach beynahe zu nichts anderem· als zu Vergnügungen und Zeitvertreiben angewandt.
Das and·re jährliche Fest fällt auf den dritten Tag des dritten Monats; das dritte auf den fünften Tag des fünften Monats; das vierte auf den siebenten Tag des siebenten Monats, und das fünfte auf den neunten Tag des neunten Monats.
Diese Tage, welche samtlich eine ungerade Zahl haben, werden von den Japanern für unglückliche Tage gehalten, und deswegen gefeiert, und man verrichtet keine Arbeit oder Geschäfte an denselben, sondern wendet sie zu Vergnügungen, Glückwünsch···e·, und, wiewohl nur in geringem Maße, zum Dienst der Götter an.
An diesen Feiertagen stellen sie am liebsten ihre Hochzeiten, Gastgebote und and·re Lustbarkeiten an, weil sie glauben, daß die Götter an der Freude der Menschen Wohlgefallen haben.
Auch die übrigen feierlichen Belustigungen der Japaner, sind mit zu ihrem Gottesdienste zu rechnen.
Dies sind in vielem Betracht· eine Art Schauplätze.
Die festlichsten sind, das Laternenfest und das sogenannte Matsuri.
Das Laternen- oder Lampenfest wird am Schluß·e des Augusts gefeiert, und von den Eingebohr·nen Bong genannt.
Es währte drei Tage, ist aber am zweiten Abend und in der darauf folgenden Nacht am feierlichsten.
Es ist zum Andenken und zur Ehre der Verstorbenen gestiftet, weil man glaubt, daß diese jährlich in diese· Tage·, und zwar am ersten Abend zu ihren Verwandten und Freunden, jeder zu seinem Hause und seiner Familie, zurückkommen, und da bis zur zweiten Nacht bleiben, wo sie weggejagt werden müssen.
Bei ihrer Ankunft werden, zu ihrer Bewillkommung, bei allen Begräbnisstellen Bambusstangen aufgerichtet, an welche eine Menge Laternen mit Lichtern, und zwar so dicht bei einander aufgehängt werden, daß die ganzen Berge wie erleuchtet aussehen.
Diese Laternen brennen bis neun oder zehn Uhr des Nachts.
Am zweiten Abend, wenn ihrer Meinung nach die Seelen der Verstorbenen wieder weggejagt werden sollen, werden kleine Fahrzeuge von Stroh, mit Laternen und brennenden Lichtern versehen, um Mitternacht in Prozession mit Gesang, Musik und vielem Geschrey nach dem Strande der See gebracht, aufs Wasser gesetzt, und Wind und Wogen überlassen, bis sie entweder Feuer fangen und aufbrennen, oder von den Wellen ausgelöscht werden.
Beide Arten von Erleuchtungen mit vielen tausend Feuern, machen für das Auge einen ungewöhnlichen schönen Anblick.
Das Fest Matsuri wird an einem Festtag·· und einem Gott zu Ehren gefeiert.
Zu Na·gasa·ki zum Beispiel, wo ich dieser Feierlichkeit beiwohnte, wird es zum Gedächtnis·· des Suwa, Schutzgottes dieser Stadt gefeiert.
Es fällt auf den neunten Tag des neunten Monats, welches der Geburtstag dieses Gottes ist.
Die Feier wird mit Musik, Tanz und Komödien begangen.
Sie nimmt schon am sieb··ten ihren Anfang, da die Tempel besucht, Gebete verrichtet, und Schauspiele angestellt werden.
Der neunte aber wird mit vielem Pomp und großem Kostenaufwand gefeiert, und zwar jedesmal auf eine and·re Art, so, daß es in dem einen Jahre damit nicht so, als in dem ander·n, gehalten werden darf.
Die Kosten werden von den Einwohnern der Stadt bestritten, und verhältnismäßig· auf jede Straße verteilt.
Wir sämtlichen Holländer waren eingeladen, diesem Feste beizuwohnen.
Es wurde auf einem großen freien Platz· in der Stadt gefeiert.
An der Seite war ein großes Gebäude, das wie eine große auf Ständern ruhende Scheune ohne Wände aus sah, und mit Dach und Bänken versehen war, für die Zuschauer aufgerichtet, die durch Wachen vor dem Gedränge des Volks geschützt wurden.
In diesem Hause sahen die Magistratsper·onen, die Geistlichen, die Fremden und and·re Vornehmere zu.
Zu allererst sah man die Priester, schwarz und weiß gekleidet, mit dem Bildnis·· des Suwa ankommen, und ihre Plätze einnehmen.
Zehn bis zwölf Personen spielten auf Instrumenten, und besangen die Taten der Götter und Helden, während Mädchen dazu tanzten, welchen der Tanz recht gut anstand.
Die Musik war ein bloßes Gerassel, welches ihrem Gotte angenehmer· als menschlichen Ohren· gewesen sein mag.
Auf die Priester folgte ein großer Sonnenschirm mit dem Namen und Wap·en der Straße, der feierlich einhergetragen wurde, nebst maskierten Musikanten mit Trommeln, Pfeifen, Glocken und Gesang.
Hierauf kamen die Kunststücke selbst, die für jede Straße verschieden waren; nach ihnen einige Acteurs, und zuletzt die Einwohner der Straße, in Prozession, von einer Menge and·rer Leute begleitet.
Dieser Zug dauerte beinahe eine ganze Stunde, worauf sie in der nämlichen Ordnung wieder abzogen, da denn eine andere Prozession einher kam, hernach eine dritte, und so ferner den ganzen Vormittag.
Die Einwohner einer jeden Straße wetteiferten mit den ander·n in Pracht und Erfindung zur Feyer dieses Festes, und um meistens solche Sachen aufzuweisen, welche die Erzeugnisse, Bergwerke, Berge, Wälder, Seefahrt, Künste, Handwerker u. s. w. derjenigen Landschaft anzeigen, von welcher die Straße ihren Namen führt, und aus welcher sie ihre Einwohner bekommen hat.
Hochzeiten und Begräbnisse können auch mit zu den religiösen Feierlichkeiten der Japaner gerechnet werden, ob sie gleich dieselben nicht mit der Pracht, als die Europäer und verschiedene andere Völker, begehen.
Die Trauung geschieht auf einem schönen und erhabenen Platz· vor der Stadt, in Gegenwart der Anverwandten und Priester.
Braut und Bräutigam treten zusammen vor einen aufgerichteten Altar, mit einer Fackel in der Hand.
Unterdessen hierauf der Priester ein Gebet laut herunterbetet, zündet zuerst die Braut, welche zur Rechten steht, ihre Fackel an einer brennenden Lampe an, darauf zündet der Bräutigam die sein··e an der brennenden Fackel der Braut an, und nun wünschen die Anwesenden dem Brautpaar· Glück.
Die Toten werden hier zu Lande entweder zu Asche verbrannt, oder in die Erde begraben.
Die erste·· Sitte soll ehemals allgemeiner üblich gewesen, jetzt aber nur bei den Leichen der Vornehmen gebräuchlich sein.
Das Verbrennen geschieht nicht allezeit auf einem Scheiterhaufen, unter freiem Himmel, sondern bisweilen in einem dazu eingerichteten kleinen steinernen Hause mit einem Schornstein·.
Die Asche wird in ein kostbares Gefäß gesammelt, eine Zeitlang im Hause des Verstorbenen verwahrt, und hernach in die Erde begraben.
Sowohl Männer als Weiber, in Norimon getragen, folgen der Leiche, wie auch die hinterbliebenen Witwen und Kinder, nebst einem großen Haufen singender Priester.
Nachdem einer von den Priestern einen Lobgesang gesungen hat, schwenkt er dreimal eine brennende Fackel über der Leiche, wirft sie darauf von sich, und einer von den Kindern oder Verwandten nimmt sie auf und steckt den Scheiterhaufen damit in Brand.
Diejenigen, welche man ohne Verbrennen beerdigt, werden in der Stellung, wie die Japaner gewöhnlich sitzen, in einen hölzernen Sarg gesetzt, und so in die Gruft gesenkt.
Während und nach der Beerdigung, werden wohlriechende Gewürze in und auf das Grab geworfen, und zuletzt schöne Blumen auf und um dasselbe gepflanzt.
Hernach wird der Tote von den Hinterbliebenen mehrere Jahre, oft ihr ganzes Leben hindurch, anfangs täglich, in der Folge wöchentlich, und zuletzt jährlich, besucht, nicht zu gedenken, daß alle Jahr das Laternenfest den Verstorbenen zu Ehren gefeiert wird.
Die Japaner trauern auch förmlich um ihre Toten eine Zeitlang.
Die gewöhnliche Zeit der tiefsten Trauer ist aber doch nur fünf Tage.
Bei Landestrauern um fürstliche Personen darf in diesen Tagen keine Musik gehört werden.
Die Japaner haben ihre Philosophen und Sittenlehrer alter Zeiten.
Diese Männer werden den Priestern und heiligen Personen gleich geachtet, und ihre Lehren sind, wie die Lehren and·rer Religionssekten, angenommen worden.
Die vornehmste von denen, die Achtung und Ansehen gewonnen haben, ist die Lehre Sjuto oder Koosi, welche in Europa unter dem Namen der Moral des Confucius bekannt ist.
Sie stammt bekanntlich aus China her, wo Konfuzius vier hundert Jahr nach Bud·do geboren wurde.
Ihre Anhänger beten zwar eigentlich keinen Gott an, glauben auch nur Belohnung des Guten und Bestrafung des Bösen in dieser Welt, setzen aber doch das höchste Gut in ein tugendhaftes Leben.
Sie glauben, die Welt gehöre einer allgemeinen Weltseele, ohne sonst einen Gott zu erkennen; sie haben auch weder Tempel noch irgend eine Art Gottesverehrung.
Ihre Religion besteht wie gesagt, hauptsächlich darin, tugendhaft zu leben, gegen jedermann recht zu handeln, und aufrichtigen Herzens zu sein.
Zugleich schreibt ihre Sittenlehre viele und vortreffliche Regeln zur Regierung des Staats und zu einem wohlansständigen und artigen Betragen vor.
Sie verbrennen ihre Toten nicht, sondern legen sie, wie man in Europa tut, in einen Sarg· und begraben sie in die Erde.
Den Selbstmord halten sie nicht nur für erlaubt, sondern rühmen ihn auch als einen Beweis von Heldenmuth.
Das Christentum wurde in Japan, sogleich nach der Entdeckung dieses Landes, von den Portugiesen eingeführt.
Ein junger Japaner, der zu Goa getauft ward·, unterrichtete die Portugiesen von den Vortheilen, die sie sich in Japan, sowohl in Ansehung des Handels als der Fortpflanzung der christlichen Religion, zu Nutze machen könnten.
Die Portugiesen hatten damals völlige Freiheit, allenthalben zu reisen, zu handeln und zu predigen.
Der Handel war sehr einträglich, und das Bekehrungsgeschäft, welches die Jesuiten seitdem sie im Jahr 1549. zuerst nach Japan und zwar nach der Provinz Bugo gekommen waren, im ganzen Lande trieben, ·····so glücklich von Statten, daß verschiedene Provinzialfürsten, als die Fürsten von Bungo, Arima, Omura und verschiedene and·re, den christlichen Glauben annahmen.
Eine Menge Portugiesen hatten geheiratet, und sich in verschiedenen Städten von Japan niedergelassen.
Nach vierzig Jahren, nämlich 1582, war die katholische Religion hier in solchem Ansehen, daß eine Gesandtschaft von Japanern nach Rom an Papst Gregor den dreizehnten, mit Briefen und Geschenken, geschickt ward·.
Durch den unglaublichen Gewinn im Handel und durch die schnellen Fortschritte des Christenthums, wurden die Portugiesen bald übermüthig, und es währte nicht lange, als ihre Habsucht und ihr Stolz sie stürzten.
In eben dem Verhältnisse, als ihr Reichthum und Ansehen zunahmen, machten sie sich den Japanern unerträglich und zuletzt verhasst, so, daß schon 1586 ein kaiserlicher Befehl erschien, daß die Christen ausgerottet werden sollten, worauf heftige und gewaltige Verfolgungen gegen sie ausbrachen, wobei bloß im Jahr 1590· über zwanzig tausend Personen umgebracht wurden.
Diesen allem ungeachtet nahmen doch noch viele Eingebor·ne den christlichen Glauben an und in den Jahren 1591 und 1592, zählte man zwölf tausend Bekehrte und Getaufte.
Ja der Kubo Feide Jori war selbst ein Christ, so wie auch sein Hof und sein Kriegsheer der christlichen Religion zugethan war; und es ist wahrscheinlich, daß, wenn die Portugiesen sich vorsichtig und ruhig verhalten hätten, die angefang·ne Verfolgung gegen sie aufgehört haben würde.
Aber statt dessen wuchs ihr Hochmuth und ihre Herrschsucht, und das ungebu·rliche Benehmen eines Bischofs gegen einen von den Provinzialfursten brachte es endlich dahin, daß sie ganz gesturtzt, und ihrem eintraglichen Handel sowohl, als der christlichen Religion in diesem Lande ein Ende gemacht wurde.
Bei Gelegenheit einer Reise nach dem kaiserlichen Hofe im Jahr 1596· wurde nämlich ein solcher Fürst von jenem ehrsuchtigen Prälaten so beschimpft, daß er sich genötigt sah, bei seiner Ankunft zu Jedo daruber beim Kubo zu klagen.
Im folgenden Jahre fing also die Verfolgung der Christen aufs neue an; den Geistlichen wurde verboten zu predigen; ein Theil derſelben ward· aus dem Lande gejagt, und die Kaufleute nach der Insel Dezima verwiesen.
Zugleich wurde eine Verrauberei entdeckt, welche die Portugiesen gegen den Kaiser angestiftet hatten, um ihn vom Thron· zu stoßen.
Die Holländer, welche damals Krieg mit den Portugiesen führten, hatten nämlich eins ihrer Schiffe weggenommen, auf welchem sie einen Brief eines japanischen Hauptmanns namens Moro, an den König von Portugal fanden, der einen Anschlag gegen das Leben und den Thron des Kaisers enthielt.
Diese Verrätherei bestätigte sich hernach noch durch mehrere, von diesem Moro nach Macao geschrieb·ne Briefe.
Es wurde daher beschlossen, daß alle Christen, die ihre Religion nicht abschwören wollten, aus dem Reiche vertrieben, oder ohne alle Schonung getötet werden sollten.
Die Verfolgung wurde hernach vierzig Jahr hindurch ununterbrochen fortgesetzt, und endigte sich im Jahr 1638. auf eine schreckliche Weiße dadurch, daß sieben und dreißigtauſend Chriſten, welche ihre letzte Zuflucht nach der Feſtung Simabara genommen hatten, belagert, ſich zu ergeben gezwungen, und alle an Einem Tage umgebracht wurden.
Dadurch war die christliche Religion nun in Japan ausgerottet, und aller Handel von Europa dahin hatte ein Ende.
Die Japaner, welche sich einbildeten, daß die schlechten Handlungen der Christen von ihrer Religion unzertrennlich waren, nahmen darauf die kräftigsten Maaßregeln gegen die Wiedereinführung derselben, und verboten allen Portugiesen aufs strengste, jemals ihre Küsten zu betreten.
Um nun auf das genaueste auszuforschen, ob etwa noch christliche Japaner im Lande verborgen sein möchten, trafen sie verschiedene Anstalten, wovon noch heutiges Tages die, dass zu Anfange jeden Jahres, das Crucifix und einige Heiligen-Bilder mit Füßen getreten werden, zu Na·gasa·ki und in den umliegenden Gegenden statt findet.
Dritter Abschnitt.
Zustand der Wissenschaften, Künste und dergleichen, in Japan.
Die Wissenschaften überhaupt sind in Japan bei weitem nicht zu der Höhe, wie in Europa, gelangt.
Selbst der Ackerbau, den die Japaner für das allernotwendigste halten, und auf welchen sie sich mit einem Eifer und Fleiß legen der nicht seines gleichen hat, selbst dieser wird nicht wissenschaftlich getrieben, geschweige denn and·re Wissenschaften, deren Notwendigkeit und Nutzen sie nicht einsehen und auch keinen Antrieb haben, sich mit denselben zu beschäftigen.
Die vaterländische Geschichte wird freilich von allen, die nicht zu den untersten Volksklassen gehören, ohne Unterschied getrieben, und ist, was die früheren Zeiten betrifft, vielleicht gewisser und zuverlässiger, als die Geschichte der meisten anderen Länder.
Die Astronomie wird zwar geliebt und geachtet.
Dennoch sind die Japaner nicht im Stande, ohne Hilfe chinesischer und holländischer Kalender einen richtigen Kalender zu verfertigen noch eine Sonnen- oder Mondfinsternis auf Minuten und Sekunden auszurechnen.
Die Medizin hat bis jetzt noch gar keine bedeutende Fortschritte gemacht, wird es auch schwerlich jemals tun; die Anatomie ist ihnen etwas ganz unbekanntes, und ihre Kenntnis der Krankheiten ist sehr geringe, verworren und oft fabelhaft.
Von Physik und Chemie wissen sie nicht viel mehr, als was sie in späteren Zeiten von europäischen Ärzten gelernt haben.
Botanik und Kenntnis der Arzneymittel machen ihre ganze Arzneikunde aus.
Da ich Arzt bin, wird man es mir nicht übel nehmen, wenn ich bei dieser Gelegenheit von den japanischen Ärzten, und der Art, wie sie ihre Kunst ausüben, etwas umständlicher rede.
Der Ärzte gibt es mehrere Gattungen.
Einige lernen nur die Medizin, und befassen sich bloß mit Heilung innerlicher Krankheiten.
And·ré üben die Chirurgie aus.
Noch andere brennen nur mit Moxa, andere treiben bloß das Stechen mit Nadeln; andere endlich gehen umher und frottieren.
Die, welche diese letztere Operation verrichten, durchstreichen des Abends die Gassen, schreien und bieten ihre Dienste an.
In einem Lande, wo Erkältungen so häufig und gemein sind, tut dies Reiben über den ganzen Körper gute Dienste.
Das Brennen mit Moxa und das Stechen mit Nadeln sind zwei wichtige und im ganzen Lande überall gebräuchliche Operationen, die hier wohl so oft als in Europa das Aderlassen vorgenommen werden.
Die Moxa, die Art ihrer Zubereitung, und ihren Gebrauch und Wirkung habe ich im ersten Teile Seite 133· bereits beschrieben.
Hier habe ich daher nur noch folgendes hinzuzufügen: Sie wird nicht nur als ein Heilmittel, sondern auch als ein Vorbauungsmittel gegen Krankheiten gebraucht.
Das Brennen wird fast an allen Teilen des Körpers, besonders an den fleischigen, vornehmlich auf dem Rücken angewendet.
Der Operateur pflegt sich die Stellen dazu sorgfältig auszusuchen, und zwar haben sie besondere gedruckte Tabellen dazu.
Dieses Brennen ist in den meisten Krankheiten von Wirkſamkeit, besonders bei Pleuräsie, Zahnschmerzen, und, wo es am meisten Nutzen leistet, bei Gicht und Erkältungen.
Das Stechen oder Prickeln mit Nadeln geschieht meistens in der Absicht, um Kolicken dadurch zu heilen, besonders diejenige Art derselben, welche hier Senki heißt, und gewöhnlich eine Folge vom Sakki trinken ist.
Der Unterleib ist daher der Teil, an welchem diese Operation vorgenommen wird.
Sie bohren in denselben mehrere, oft neun, Löcher hinein, um ihrer Meinung nach den Wind herauszuziehen.
Indessen werden auch wohl andere fleischige Stellen dazu ausgesucht.
Die Nadeln, welche hie·zu gebraucht werden, sind fein, beynahe wie ein Haar, und werden von Gold und Silber gemacht, und zwar von privilegierten Leuten, außer welchen niemand ihnen die nöthige Härte, Biegsamkeit und Feinheit, zu geben versteht.
Indem man sie durch die Haut hineinbringt, werden sie zwischen den Fingern gedrillt, um knochenartigen Teilen auszuweichen.
Diejenigen, welche sich mit Heilung innerlicher Krankheiten beschäftigen, werden für vornehmer gehalten, und unterscheiden sich von den Übrigen dadurch, daß sie sich den ganzen Kopf kahl scheren.
Sie bedienen sich nie anderer, als einfacher Mittel, und zwar am gewöhnlichsten in einem Decocte, um den Schweiß oder den Urin zu treiben.
Von zusammengefüg·ten Medikamenten wussten sie nichts.
Einen großen Teil jener Arzneimittel könnten sie zwar im Lande selbst bekommen; sie kaufen sie aber sehr häufig von den Chinesern.
Bisweilen fühlen die Ärzte auch nach dem Puls·, und dies währt alsdenn sehr lange, eine ganze Viertelstunde, zuerst an dem einen, und hernach am ander·n Arme, gerade als wenn das Blut nicht aus einer und derselben Quelle nach beiden Pulsen flöß·e.
Ihre Kenntnis der Fieber und and·rer innerlicher Krankheiten, kann nicht anders, als sehr geringe und ihre Cur muß sehr unsicher seyn, da sie keine Kenntnis der Anatomie und Physiologie haben, nicht einmal vom Umlaufe des Geblüts etwas wissen, auch die Mittel, welche sie verordnen, nur wenig kennen.
Die einzigen, welche etwas mehr davon verstehen, sind entweder Ärzte bey Hofe, oder holländische Dolmetscher, als welche Gelegenheit haben, sich einige bessere Einsicht durch den Umgang mit europäischen Ärzten zu verschaffen.
Das Aderlassen haben zwar einige wenige Ärzte und Dolmetscher dann und wann verrichtet; aber sie nehmen diese Operation nur selten vor, und al·······l·ezeit mit vieler Furchtsamkeit.
Ich gab ihnen nicht allein die nützlichsten und zuverlässigsten Anweisungen dazu, sondern munterte sie auch, wo es nötig war, dazu auf, und musste zu dem Ende sogar meinen Schülern zu Jedo meinen silbernen Schnäpper, nebst ander·n für sie brauchbaren chirurgischen Instrumenten schenken.
Die gewöhnlichen, und diesem Lande eigenen, Krankheiten, sind die oben erwähnte Kolik, triefende Augen, und Verhärtung der Drüsen.
Von der Kolik werden gar viele Leute, auch Fremde die sich hier einige Zeit aufgehalten haben, befallen.
Die Krankheit ist heftig und sehr schmerzhaft, und lässt an mehreren Stellen Geschwulst zurück, besonders verursacht sie den Wasserbruch (·Hydrocele·).
Rote und triefende Augen, sind unter den Bauern und armen Leuten auf dem Lande sehr allgemein, und entstehen theils vom Dampfe der Kohlen, womit im Winter die Zimmer geheizt werden, theils von dem Gestanke, den ihre Abtritte und Urinplätze hervorbringen; verhärtete Drüsen sind ebenfalls äußerst häufig; und ich habe bemerkt, daß sie oft in Krebsschäden übergehen.
Besonders entstehen dergleichen am Halse, und werden alle Tage größer; anfangs sind sie nur von der Größe einer Erbse, endlich werden sie wie eine Faust dick.
Da die Hitze am Tage oft sehr stark ist, und, wenn der Wind sich alsdenn aufmacht, die Schweißlöcher sich leicht verschließen und die Ausdünstung gehindert wird, so bekommen die Leute sehr oft heftige Rhevmatiſmen, so wie in den Sommermonathen, aus der nämlichen Ursach·, Diarrhöen und die rothe Ruhr, denen nicht nur die Japaner, sondern auch die Europäer ausgeſetzt sind.
Eben das geschieht auch wohl, wenn sie von den hiesigen Früchten, besonders von den Kakifeigen, die so sehr schön schmecken, zu viel essen.
Die Kinderpocken und die Masern, sind in Japan schon seit sehr langer Zeit bekannt und allgemein; man bekümmert sich aber wenig darum.
Ich habe auch nicht viele gesehen, die dadurch gelitten hätten.
Die ····Wasserſucht im Kopfe (·Hydrocephalus·) hatte ich Gelegenheit, bei einem drei und dreißigjährigen Manne zu sehen, der auf unserer Reise nach Jedo zu mir kam, und von mir Rath begehrte.
Er erzählte, er habe sie vor neunzehn Monaten davon bekommen, daß er, indem er mit einem ander·n gefochten, mit einem Bambostocke, der gleichwohl mit Leinwand überzogen gewesen, verschiedene Schläge auf den Kopf empfangen.
Von der Scheitel bis an den Hinterkopf sah man eine Geschwulst, die wie ein Finger dick war, und die Hirnschalknochen standen so sehr in die Höhe, daß die Fontenelle ganz weich zu fühlen war.
Eine Art Friesel, das die Europäer hier den roten Hund nennen, grässi·rt hier während der wärmsten Sommermonate August und September, besonders unter den Europäern.
Sie währt bisweilen mehrere Wochen, bisweilen ganze Monate.
Der Ausschlag ist erhoben, uneben und roth, ohne Fieber.
Bisweilen verschwindet er zum Teil, bisweilen wird er stärker, besonders von der Mittags- und Abendhitze.
Oft ist er ohne Jucken; wenn dies aber sich einfindet, so ist es des Abends und Nachts am stärksten, und mit vieler Unruhe und Schlaflosigkeit verbunden.
Zu Zeiten ist dies Jucken von ganz eigener Art, das man alsdenn am meisten fühlt, wenn man sich regt, sich auf einen Stuhl setzt, den Rücken an die Wand lehnt, im Bette liegt oder die Arme krumm macht.
Man empfindet sodann ein Prickeln in der Haut als wenn man mit tausend Nadeln gestochen würde; und das hört auf, sobald man den bewegten Teil des Körpers, selbst in der nämlichen Stellung, still hält.
Das Gesicht ist von diesem Ausschlag· frei, der sich übrigens über den ganzen Körper, sogar über die Finger Spitzen, erstreckt.
Man bekommt diese Krankheit auch wohl mehr als einmal während eines Aufenthals in Japan.
Die Lüs····cher ist ohne Zweifel durch die Europäer nach Japan gekommen.
Venerische Zufälle und Krankheiten sind hier jetzt sehr allgemein und man trifft eine Menge Leute an, die damit behaftet sind.
Bis auf meine Zeit wussten die hiesigen Ärzte dergleichen nicht anders, als durch blutreinigende Decoctionen zu schwächen oder zu vertreiben.
Ich hatte eine Party· ätzenden Quecksilbersublimat aus Holland mitgebracht, und fand, wie nötig man dies Mittel habe.
Nichts desto weniger konnte ich nichts davon an die hiesigen Ärzte verkaufen, denn diese waren in Ansehung des Nutzens und Gebrauchs dieses sicheren, aber zugleich gefährlichen, Mittels ganz unwissend.
···Von der Speichelkur hatten sie durch die holländischen Feldscheere zwar etwas gehört, und einigen Begriff davon; hielten sie aber für eben so schwer vorzunehmen, als dem Patienten gefährlich.
Die übrige Arten den Mercurius zu gebrauchen, kannten sie nicht.
Ich nahm mir daher vor, den Praktisierenden, sowohl den eigentlichen Ärzten als den Dolmetschern, von Zeit zu Zeit kleine Parteien von meinem Sublimate zu schenken, und sie zugleich im Gebrauch desselben, zu unterrichten.
Sie machten sich diesen Unterricht dankbar zu Nutze.
Namentlich von den Dolmetschern fingen verschiedene an, mit diesem, bisher hier unbekannten Heilmittel, venerische Zufälle zu heilen.
Die oft so schnell··e Wirkung···· dieser Curart, hielten sie anfänglich fast für ein Wunderwerk; und wirklich macht es mich äußerst glücklich, dieses Heilmittel hier bekannt gemacht zu haben, wenn ich bedenke, daß durch dasselbe in Zukunft viele Tausende von Halsfistelſchäden und ander·n schrecklichen Symptomen dieſer garſtigen Krankheit, ( dergleichen ich auf meiner Reise durch dies Land so oft mit Betrübniß zu sehen, Gelegenheit hatte, ) ·······befrey·t werden!
Die Rechtsgelehrsamkeit macht hier kein weitläufiges Studium aus.
Kein Land hat ein dünneres Gesetzbuch und weniger Richter, als dieses.
Erklärungen der Gesetze und Advocaten sind hier etwas ganz Unbekanntes.
Aber in keinem Lande werden die Gesetze strenger und sorgfältiger gehandhabt, ohne Ansehen· der Person, ohne Privatabsichten, und ohne Parteilichkeit.
Die Gesetze sind scharf, und der Prozess ist kurz.
Man erinnere sich, was ich oben hie·von gesagt habe.
Die Sittenlehre der Japaner· besteht nicht in künstlichen Systemen, sondern in einfachen und vernünftigen Lehren, welche durch ein tugendhaftes Leben auszuüben, ihr Bestreben ist.
Und diese Moral wird von allen hiesigen Religionsparteien gelehrt, und nie von der Religion selbst getrennt, mit welcher sie in so enger Verbindung steht.
Von auswärtigen Sprachen lernen diejenigen, welche die Wissenschaften treiben, und chinesische Bücher und Schriften lesen wollen, die chinesische.
Die Dolmetscher und einige Ärzte lernen auch das Holländische, und einige von ihnen verstehen auch etwas, wiewohl nur gar sehr wenig Latein.
Die Kriegswissenschaft ist bei diesem Volke, wie bei ander·n morgenländischen Völkern, sehr einfach.
Mut, Tapferkeit, Standhaftigkeit und Liebe zum Vaterlande, ersetzen, was ihnen an Regeln und förmlicher Kunst Krieg zu führen, abgeht; und mit diese· Eigenschaften haben sie allezeit gesiegt, und sich niemals von einem Feinde unterjochen lassen.
Des ersten Krieges wird in der japanischen Geschichte 471 Jahr vor unserer Zeitrechnung erwähnt.
Hernach sind sie einigemal durch auswärtige Kriegsheere beunruhigt worden.
Im Jahr 1284, als die Mo·golen China eingenommen hatten, wurde der Feldherr Mooku mit 4000 Fahrzeugen, und 240.000 Mann hierher geschickt, um Japan zu erobern; aber er konnte seinen Zweck nicht erreichen.
Die Buchdruckerkunst ist in Japan unstreitig alt.
Die Japaner haben aber dabei allezeit Platten gebraucht, und gebrauchen sie noch, ohne daß sie bewegliche Buchstaben kennen.
Sie bedrucken nur eine Seite des Papiers, weil dasselbe dünn ist, und die Schwärze sonst durchschlagen würde.
···Ich hatte Gelegenheit, verschiedene japanische gedruckte Bücher zu sehen; besonders wurden mir zu E·do dergleichen gezeigt.
Eins war darunter, welches bei der vormaligen Anwesenheit der Portugiesen gedruckt war; es war in länglichem Quartformat, von Japanischem Papier, und, das Titelblatt ausgenommen, ganz und gar mit japanischen Buchstaben gedruckt.
Auf dem Titelblatt· stand oben Racvyoxv, welches die Dolmetscher nicht ins Holländische übersetzen konnten, in der Mitte das portugiesische Wappen in länglicher Figur, und unten:
In Collegio Japonico Societatis Jesu cum facultate superiorum, Anno 1698····.
Die Dolmetscher sagten, es sey ein Wörterbuch, doch ohne das Portugiesische dabei zu enthalten.
Es war von der Dicke eines Daumen.···
Herr Sunnan, mein fleißiger und geschickter Schüler schenkte mir ein gedrucktes japanisches Wörterbuch, mit dem Titel T·imenso, in Octav, das aus zwanzig Teilen besteht, und zu den Beschreibungen auch Abbildungen enthält, die aber elend genug sind.
Jeder Teil ist nur eine, höchstens zwei, Linien dick.···
Einige and·re gedruckte botanische Bücher bekam ich zu Jedo zu Kauf, die zum Theil aus vielen, zum Theil aus wenigen Bänden bestehen, zum Theil gute, zum Theil schlechte Abbildungen enthalten.
Dahin gehört Sooqua Jenso, in drei Teilen, sowohl Beschreibungen, als, wiewohl nur schlechte, Abbildungen, von lauter japanischen Gewächsen, enthaltend.
Morokus· Komors·, ein anders Herbarium, das zugleich von vierfüßigen Tieren, Fischen, Vögeln, Handwerkern und Ökonomie handelt, es soll zuerst in China gedruckt sein, es besteht aus mehreren Teilen; die Figuren sind klein und äußerst schlecht.
Kimousi ist der Titel einer neuen in Japan gedruckten Ausgabe dieses Werks, in Quart, in dreizehn Teilen, die etwas besser und schöner ist.
Das schönste japanische Herbarium hat den Titel: Foka no jamma Kusa·; es besteht nur aus einem Theil· in Octav, und enthält kaum and·re, als japanische Kräuter; die Abbildungen sind schön und deutlich.
Noch ein anderes sah ich, das sieben Teile, und Quartformat hat.
Auch bekam ich ein gedrucktes Buch in groß Quart, zwei Teile, mit illuminierten Abbildungen japanischer Fische, zu Kauf.
Dies ist eins der schönsten in diesem Lande herausgegebenen Bücher; die Figuren sind nicht nur so gut gestochen, sondern auch illuminiert, daß sie in Europa sehr gerühmt w·······ürden.
Ein and·res, und zwar sehr rares, in Japan gedrucktes Wörterbuch, habe ich im ersten Teile dieses zweiten Bandes Seite 27 beschrieben.
Die Kunst in Kupfer zu stechen, kennen die Japaner ebenfalls.
In der Zeichenkunſt und Mahlerkunſt stehen sie den Europäern weit nach, ob sie gleich in Ansehung derſelben, einen sehr wichtigen Vorzug vor diese· haben, den nämlich, daß sie allezeit etwas das in der Natur wirklich vorhanden ist, zum Exempel, Thiere, Gewächse oder was es sonst sein mag, vorstellen, nicht aber, (·zum Beispiel auf Tapeten oder bei ander·n Malereyen·) Figuren von Dingen, die nicht existi·ren, mit ander·n vermischen.
Die Feldmesskunst, und die Kunst Plätze und Gegenden aufzunehmen, und Landcharten zu ···fertigen, ist ihnen auch nicht ganz unbekannt.
Sie haben sowohl vom ganzen Lande richtige geographische, als auch von ihren Städten zuverlässige, topographische K·arten.
Außer der Generalcharte vom ganzen Reiche sah ich dergleichen von den Städten Jedo, Miako, Osaka und Gangasali, die ich auch, obgleich mit vieler Gefahr und unerachtet des strengsten Verbots, solche an Fremde zu verkaufen, oder aus dem Lande kommen zu lassen, doch zu kaufen und mit zu nehmen Gelegenheit fand.
Diese Karte und Grundrisse sind denjenigen, die Kämpfer zu seiner Zeit, wiewohl mit weniger Schwierigkeit, nach Europa mitbrachte, völlig gleich.
Die Japaner schreiben, wie die Chineser, in senkrecht herabgehenden Reihen oder Zeilen, und dabei von der Rechten zur Linken.
Sie gebrauchen dazu Tusche, welche sie jedesmal, wenn sie etwas schreiben wollen, auf einem kleinen Steine mit Wasser reiben, und einen Pinsel von Haaſenhaaren, womit sie alsdann von dieser Tusche nehmen und die Buchstaben gleichsam malen.
Diese Schreibgerät······e· pflegen, besonders die Kaufleute in einem Kästchen oder Besteck·, worin zugleich Rechenbrett und Waage liegen, bei sich zu tragen, wie die Abbildung auf der ersten Kupfertafel zeigt: nämlich, Fig. 1. Form und Zeichen der Stücke Tusche; Fig. 2. der Schreibpinsel, wie eben damit geschrieben wird; Fig. 3. Etui oder Kästchen mit den Schreibgerät······en, einer Waage und dem Rechenbrett, a. der Schreibpinsel, b. ein ausgehö·lter Stein, die Tusche darauf zu reiben, c. eine kleine Büchse mit Wasser dazu.
d. eine kleine Schnellwaage mit e. dazu gehöriger Waagschaale und f. Gewichte g. ein Rechenbrett mit gerundeten Steinen oder Kugeln, die auf einem Draht· hin und her geschoben werden und die Einer und Zehner bedeuten.
Die Dichtkunst ist auch bey den Japanern beliebt; sie bedienen sich derſelben, um das Andenken ihrer Götter, Helden und merkwürdigen Männer, zu verewigen.
Auch die Musik wird sehr geschätzt.
Aber bisher haben sie weder ihre musikalischen Instrumente zu einiger Vollkommenheit, noch in ihre Musik vorzügliche Harmonie zu bringen gewusst.
Bei der öffentlichen Feier ihrer Feste, und bei ander·n Gelegenheiten, gebrauchen sie Trommeln, Pfeifen, Saiteninstrumente, Glocken, Schellen und dergleichen mehr.
Das Frauenzimmer liebt die Musik ungemein; sie lernen auch die angeführten Instrumente, besonders aber eine Art Laute mit vier Saiten spielen.
Dies geschieht dergestalt, dass sie mit den Fingern gegen die Saiten schnellen; sie können ganze Abende damit zubringen, obgleich diese Musik eben nicht angenehm klingt.
Auf der beigefügten Kupfertafel sieht man ein japanisches Frauenzimmer mit diesem Instrumente in der Hand abgebildet.
An der Schau·pielkunst finden die Japaner großes Vergnügen, doch ist die Kunst der Acteurs, und der Werth der Stücke eins so geringe als das and·re.
Ich hatte verschiedene mal, sowohl zu Nagasaki als zu Osaka, Gelegenheit, ihren Schauspielen beizuwohnen.
Auch habe ich schon im 1.···· Teil· dieses Bandes Seite 129 einiges davon einfließen lassen.
Die Zuschauer sitzen, in einem dazu eingerichteten Hause, auf Bänken.
Vor ihnen ist ein erhöhter, aber schmaler und enger Platz, welcher die Bühne vorstellt.
Auf dieser erscheinen ein oder zwei, selten mehr SchauSpieler zugleich; diese sind allezeit auf eine gar besondere Art gekleidet; und man sollte ehe glauben, sie traten auf um zu schrecken, als um zu belustigen.
Ihre Action stimmt hiermit überein; sie ist seltsam und ungereimt, und besteht in künstlichen Wendungen und Drehungen des Körpers, die sie mit vieler Mühe gelernt und geübt haben.
Gewöhnlich wird eine Heldenthat oder eine Liebesgeschichte eines ihrer Götter und Helden vorgestellt.
Diese Schauspiele sind gemeiniglich in Versen abgefasst, manchmal werden sie auch von Musik begleitet.
Das Theater ist, wie bei uns, mit einem beweglichen Vorhang· versehen; das Notigste von dem, was zur Verſinnlichung der Vorstellung erfordert wird, wird zwar auf die Bühne gebracht; sonst aber fehlt es gänzlich an Anſtalten und Verzierungen, wodurch dieſe kleinen Theater mit den europäiſchen auch nur einigermaßen verglichen werden könnten.
Dass das SchauSpiel bey den Japanern etwas dazu beitrug·, die Sitten des Volks zu veredeln, habe ich eben so wenig gefunden, als das SchauSpiel in Europa diesen Zweck zu befördern scheint.
Es ist hier auch gar nicht einmal so beschaffen, daß dies als eine Absicht deſſelben angesehen werden kann; sondern es soll hier mehr belustigen, als das Herz besser·n; mehr die Acteure bereichern, als den Zuschauern würklich nutzen.
Auch die Tanzkunst wird in Japan sehr geliebt.
Gesellschaftliche Tänze aber, bey welchen die welche sich ein Vergnügen machen wollen, selbst tanzen, hat man nicht, sondern nur Tänze oder pantomimische Ballette, die zur Belustigung der Zuschauer aufgeführt werden und entweder einen Liebeshandel oder eine Heldenthat vorstellen.
Diese Art Zeitvertreib· wird vorzüglich an Fest- und Feiertagen, auch sonst zu Ausfüllung müßiger Stunden, oder zur Unterhaltung der Fremden, vorgenommen.
So ließ man z. B. um uns ein Vergnügen zu machen, Tänzerinnen holen.
Diese sind meist······· junge und reich gekleidete Mädchen aus öffentlichen Häusern; junge Knaben tanzen bisweilen auch mit.
Der Hof des Dairi, zu Miako, ist eigentlich der Ort, und zwar der einzige im ganzen Reiche, wo die Wissenschaften und Studien förmlich, und von Mehreren gemeinschaftlich, getrieben werden, also gleichsam die Universität und Akademie von Japan.
Hier werden Studierende erzogen, unterhalten und unterwiesen.
Vornehmlich wird Poesie, Landesgeschichte, Mathematik, Astronomie und dergleichen gelehrt.
Alle Kalender werden hier gemacht; auch werden hier alle Bücher, die Kalender aber zu Isie, gedruckt.
Öffentliche Schulen, zu Unterweisung der Kinder, sind an den meisten Orten eingerichtet.
Man lehrt aber darin hauptsächlich nur Lesen und Schreiben.
Die Erziehung kennt man hier nicht als eine Wissenschaft oder Kunst; man übt sie aber ·····desto richtigeren Grundsätzen und mit desto besserem Erfolge aus.
Die Kinderzucht ist sehr strenge, und doch werden die Kinder fast durchgängig ohne Schläge und and·re körperliche Züchtigungen erzogen.
In den ersten Jahren singt man den Kindern Volkslieder vor, um ihnen Bestreben nach Tugend und Tapferkeit früh einzufleßen.
Hernach werden sie auf eine ernst····ere Art zum Guten angeführt.
Besonders hält man sie zu strengem Gehorsam an, und sucht ihnen mit guten Beispielen vorzuleuchten.
Manufaktur- und Kunstarbeiten, werden im ganzen Lande häufig verfertigt, und Handwerker aller Art, findet man überall.
In einigen Arbeiten übertreffen die Japaner weit die Europäer; in ander·n hingegen stehen sie denselben nach; Eisen- und Kupferarbeiten machen sie sehr gut.
Ihre seidenen und Baumwollenen Zeuge sind zum Theil eben so gut, zum Theil besser, als ähnliche Fabricate anderer indischer Länder.
Ihre lackierten Arbeiten von Holz, besonders die alten, lassen alles was and·re Völker, selbst die Chineser und Siamer, in dieser Gattung hervorgebracht haben, weit hinter sich zurück.
Sie machen sie von dem feinsten Fichten- und Cedernholze, und überziehen sie mit dem allerbesten Lackfirnis, den sie vom Firnisbaume (·Rhus vernis·) nehmen, einem Baume, welcher in verschiedenen Gegenden des Landes häufig wächst.
Diesen Lack, welcher heraus fließt, wenn der Baum verwundet wird, sammelt man in Gefäßen.
Das von dreijährigen Stämmen ist das Beste.
Anfangs ist es etwas hell, und so dick wie Ruß·; in der freien Luft wird es dicker und schwärzlich.
Wenn Dosen, Schachteln, Kästchen, Tische und and·re Sachen damit, ohne daß es mit ander·m vermischt ist, bestrichen werden, so ist es durchsichtig, so, daß jede Ader des Holzes durchscheint.
Gewöhnlich wird ein dunkler Grund untergelegt, und alsdann wird es wie ein Spiegel.
Oft gebrauchen sie den feinen Schlamm dazu, welcher sich unter den Schleifsteinen in den Trögen sammelt, manchmal aber fein gestoß·ne Kohlen.
Bisweilen wird schwarze, bisweilen rothe Farbe in den Firnis gemischt, bisweilen auch fein zermalmtes Blattgold; hernach werden die lackierten Sachen gewöhnlich mit goldenen und silbernen Blumen und Figuren geziert, welche auf den Firnis gesetzt werden, die sich aber mit der Zeit wegscheuern.
Manchmal sind diese Blumen und Figuren über das Lack erhoben, besonders bei den alten lackierten Arbeiten, die in großem Wert stehen, selten sind· und sehr teuer bezahlt werden.
Dieser Firnis, welcher ganz hart, und wie ein durchsichtiges und schwer abzulösendes Harz oder Gummi wird, verträgt keinen Stoß, sondern springt davon beynahe wie Glas, dagegen kann er kochend heißes Wasser sehr gut vertragen.
In den Häusern überzieht man damit, hier zu Lande, T·ür- und Fensterpfosten, ferner Schränke, Coffer, Kasten, Dosen, Schachteln, Säbel, Fächer, Theetafsen, Suppenschalen, Norimon, und fast alles Hausgerät, das von Holz verfertigt wird.
Von sowas, welches eine Mischung von Gold und Kupfer ist, machen sie sehr schöne Arbeit, die auf eine den Europäern bisher noch unbekannte Art mit Tusche blau oder schwarz gemacht wird.
Die Kunst Glas zu machen, haben die Japaner erst in späteren Zeiten von den Europäern gelernt, und verfertigen sowohl gefärbtes als ungefärbtes, desgleichen allerhand Geschirr; aber Scheibenglas zu Fenstern wissen sie nicht zu verfertigen.
Auch das Glasschleifen verstehen sie, und verfertigen Ferngläser davon, kaufen aber von den Holländern Spiegelglas dazu.
Von den Europäern haben sie auch die Kunst, Taschenuhren zu machen, gelernt, dergleichen sie in ihren Häusern bisweilen gebrauchen.
Auf die Bearbeitung der Metalle verstehen sie sich sehr gut.
Von ihrer besonderen Geschicklichkeit das Kupfer zu schmelzen, in kleine Stangen zu giessen und ihm die vorzügliche Farbe zu geben, wodurch das Japanische Kupfer sich vor allem ander·n auszeichnet, ist weiter oben Seite 131· das Nöthige gesagt.
In Stahlarbeiten sind sie Meister: ihre vortref·lichen Säbel geben den sichersten Beweis davon.
Papier wird im Lande in erstaunlicher Menge gemacht, zum Schreiben und Drucken, zu Tapeten, zu Schnupftüchern, zu Kleidern, zum Einpacken und Einwickeln, u. dergl. m.
Die Größe und Feinheit des Papiers ist sehr verschieden.
Sie ···fertigen es aus der Rinde eines gewissen Maulbeerbaums (·Papiermaulbeerbaums, (·Morus papyrifera)) auf folgende Art.
Wenn im Dezembermonate die Blätter von den Bäumen abgefallen sind, werden die Zweige drei Fuß lang abgeschnitten, in Bündel gebunden, in einem großen bedeckten Kessel in die Höhe stehend in Lauge so lange gekocht, bis die Rinde so gekrumpelt ist, daß unten am Ende das bloße Holz einen halben Zoll hoch zu sehen ist.
Darauf werden sie herausgenommen, in die freie Luft gesetzt, daß sie kalt werden, alsdann der Länge nach aufgeschnitten, und die Rinde abgenommen.
Sodann wird die Rinde wieder drei bis vier Stunden in Wasser eingeweicht, und wenn sie weich geworden ist, die feine schwarze Haut mit einem Messer abgeschabt.
Darnach trennt man die grobe Rinde von der feinen, welche weißeres Papier gibt.
Je älter die Zweige sind, desto gröber wird das Papier.
Nunmehr wird die Rinde abermals in reiner Lauge gekocht, dabei mit einem Stocke beständig umgerührt, und so lange immer frische Lauge zugegoß·en, bis die Fasern sich absondern.
Darauf wird diese gekochte Rinde in einem Bach·, und zwar in einem Siebe liegend, unter beständigem Umrühren gewaschen, bis alles wie ein feiner Brei wird, und, in Wasser gelegt, wie Mehl auseinander geht.
Dies Waschen muss mit vieler Behutsamkeit geschehen und erfordert viel Mühe.
Ferner wird zu diesem Brei- oder Mehlartigen ein Decoct von Reis und Manihot-Eibisich (·Hibiscus Manihot·) gegossen, und das Ganze so lange um··rührt, bis es mäßig dick und steif wird.
Hierauf wird es in ein weites Gefäß, und aus diesem jedesmal so viel, als zu einem Bogen oder Blatte nötig ist, in die Formen gegossen, welche sodann, mit dazwischen gelegtem Stroh, um sie bequemer abnehmen zu können, in Haufen auf·einander gesetzt werden.
Die Formen sind von Grashalmen gemacht.
Nunmehr werden die Blätter oder Bogen mit einem Brette bedeckt, und allmählig· gepresst, zuerst gelinde, hernach stärker, damit das Wasser ganz heraus gebracht werde.
Wenn dies geschehen ist, werden sie auf Bretter gelegt, an der Sonne getrocknet, und zum Verkauf· und Gebrauch zusammen gelegt.
Schlechtes Papier wird vom ostindischen Maulbeerbaume ( Morus indica ) gemacht.
Wie eine Art dickes Papier, als Zeug, zu Kleidern gebraucht wird, ist S. 186· beschrieben.
Von der Verfertigung des feinen Japanischen Porzellans ist daselbst S. 69., und der ungeheuer großen Erden·· Kruken S. 68. geredet.
Im Ganzen ist aber doch das Japanische Porzella·n, jene vorzügliche Sorte ausgenommen, dick, plump und schlecht gemahlt, und steht an Schönheit dem Chinesischen weit nach.
Da die Japaner beinahe gar keine Möbel· gebrauchen, so leisten sie in dieser Art von Arbeit fast nichts.
Was sie aber von dergleichen, wie auch von Hausgerät, verfertigen, machen sie sauber und künstlich.
Zu meinen technologischen Nachrichten und Bemerkungen von Japan gehört übrigens auch noch das, was ich von der Benutzung und Verarbeitung der Naturprodukte dieses Landes, besonders aus dem Pflanzenreich·, teils in meiner Reisebeschreibung zerstreut angeführt habe, teils unten in einem besonderen Abschnitt· noch anführen werde.
Wie es um die Baukunst in Japan steht, ist aus dem, was ich im ersten Teile von den Häusern der Japaner gesagt habe, zu ersehen.
Die Steuermannskunst und die Schiffsbaukunst ist bei den Japanern nicht hoch gestiegen.
Dies kann auch nicht anders sein.
Kein Japaner hat die Freiheit, die Grenzen seines Vaterlandes zu verlassen, und fremde Länder zu besuchen; vielmehr ist dies bei Lebensstrafe verboten.
Weite Seereisen, welche die Japaner ehemals mit eigenen Schiffen nach Corea, China, Formosa, Java und ander·n Ländern anstellten, können daher nicht mehr vorgenommen werden.
Sie segeln also nur an ihren Küsten und zwischen ihren Inseln umher.
Diese Schiff·ahrt kennen und benutzen sie aber sehr gut, und zwar mit einer unglaublichen Menge sowohl großer und kleiner Kauffahrteyfahrzeuge als mit Fischerbooten.
Selten gehen sie indes··· dabei weiter in die See, als daß sie noch das Land sehen, und jeden Abend in einen Hafen einlaufen, oder sonst einem entstehenden Sturme ···k·······önnen.
Ich hatte Gelegenheit, ihn genau zu untersuchen.
Er ist in zwölf Striche, wie die Schiffer es nennen, abgeteilt, nämlich zuerst nach den vier Hauptweltgegenden, Osten, Norden, Westen und Süden, und dann zwischen jedem von diesen wieder in zwei.
Diese Windstriche haben ihre Namen von gewissen Tieren: die drei nördlichen heißen: N··e, Ratze; Us, Stier, Kuh; Tora, Tiger; die drei östlichen:
U, Hase; Tat··s, Drache; Mi, Schlange; die drei südlichen:
Uma, Pferd; Fitusi, Widder; Saru, Affe; die drei westlichen:
Ton, Huhn; Inu, Hund; J, Wildschwein. Norden heißt: Kitta; Osten, Figasi; Süden, Minnami und Westen, Nis.
Dies sind ungefähr dieselben Benennungen, als die, welche die zwölf himmlischen Zeichen führen; ohne Zweifel sind sie auch davon hergenommen.
Vierter Abschnitt.
Von der Landwirtschaft, besonders dem Ackerbau, der Japaner.
Den Ackerbau hält man in Japan mit Recht für das Notwendigste und Nützlichste zur Erhaltung und zum Wohlstande des Reichs.
Auch steht er in keinem Lande in solchem Ansehen, wird in keinem mit dem Eifer und der Sorgfalt getrieben, als hier, wo niemals, weder auswärtige noch einheimische Kriege, auch keine Auswanderungen, die Volksmenge vermindern, und wo man nie darauf denkt, weder and·re Länder zu erobern, noch aus ander·n Ländern unnütze, wohl gar schädliche, Produkte einzuführen; sondern im höchsten Grade darauf bedacht ist, daß kein Fuß·breit Erde unbenutzt liegen bleibe, und, daß das was die Erde hervorbringt, nicht unnütz angewandt werde.
Die gar nicht urbar zu machenden Berge ausgenommen ist der Boden überall, Ebenen, Hügel und Berge, und diese bis auf den höchsten Gipfel, angebaut.
Belohnungen und andere Aufmunterungen bedarf es dazu nicht in einem Lande, wo der, welcher das Feld bauet, für den nützlichsten Bürger geachtet, und wo er nicht durch den vielfachen Zwang, der in ander·n Ländern die Aufnahme des Ackerbaues hindert und zu allen Zeiten gehindert hat, gedrückt und eingeſchränkt wird.
Zwar sind die Abgaben des Landmanns von seinen Produkten in Natura, sehr hart und viel; dagegen bau·t er aber auch übrigens sein Feld mit mehr Freiheit, als in manchen Ländern die Besitzer adeliger Güter das ihrige.
Hofdienst und Frohnarbeit; harte, oft tyrannische Behandlung, von Edelmann, Amtmann, Pächter, Verwalter, Schreiber, Voigt und dergleichen; Unterthänigkeit, Leibeigen·chaft und and·re Bauernsklaverei; unentgeldliche oder so gut als gar nicht bezahlte Fuhren und Dienste zum Vortheile des Landesherrn oder der Befehlenden im Lande.
Kriegsfuhren, Kriegsdienste, Militairconscription, Enrollirung der Söhne zu Soldaten, in Regimentscantons; die Pflicht, Soldaten zu stellen und zu halten; unentgeldliche Arbeit zum Behuf der Landstraßen, Brücken, öffentlichen oder herrschaftlichen Gebäude, Kirchen, Pfarrgebäude und wie alles das heißen mag, was in europäischten Staaten den Bauer auf die schreyendste Art einschränkt und niederdruckt: von diesem allem, kennt und erfährt der Bauer in Japan niemals das Allergeringste.
Zäune und andere Befriedigungen um Gärten, Acker und Wiesen anzulegen, und zu unterhalten, Holz dazu und zum Brennen weit her zu fahren, und dergleichen, hat er nicht nöthig.
Gemeinheit der Grundstücke: als Gemeinwiesen, Gemeindeholzung, gemeine Hut und Weide, und was sonst dahin gehört, hindert ihn eben so wenig, den Boden, der ihm gehört, nach seinem Gefallen und aufs Vortheilhafteste zu gebrauchen, als verteilt· und zerstreute Lage der einzelnen Acker, Wiesen und Gärten.
Nur einem Zwange ist der Landmann hier unterworfen: diesem, daß jeder schlechterdings gehalten ist, sein Feld jährlich zu bestellen, wiedrigenfalls er denjenigen Theil, welchen er unbeſtellt läßt, verliert, und ein and·rer, der ihn bestellen kann und will, denſelben bekommt.
Dies aber ist ein Zwang, der zur Aufnahme des Ackerbaues gereicht.
Der Bauer muss also, er wolle oder nicht, alle Mühe und alle seine Zeit zur Bearbeitung seines Feldes anwenden, wobei ihm Frau und Kinder treulich beistehen.
Wiesen, Ä·nger, Triften und and·re bloß zur Weide bestimmte Plätze, trifft man im ganzen Lande nicht an, sondern alles ohne Unterschied wird entweder besä·t oder mit Erdfruchten bepflanzt; denn Viehheerden oder eine Anzahl Reit- und Kutschpferde hält hier niemand.
Auch nehmen hier keine allzuweitlaufende Tabakspflanzungen dem nöthiger·n Getreide den Platz weg, eben so wenig als zum Brand·weinbrennen und ander·m eben nicht loblichen Gebrauche Korn gesät wird.
Kein Wunder bei allen die diese· Einrichtungen und Gewohnheiten, daß das Land, wie ich schon mehrmals gerühmt habe, nicht nur so ganz über alle Vorstellung angebaut, sondern auch unglaublich bevölkert ist, und zugleich seine unzähligen Einwohner ganz allein, ohne fremde Einfuhr, ernähren kann.
Auf der ander·n Seite aber übersteigt es auch allen Glauben, wie viel Mühe, Sorgfalt, Emßigkeit und Unverdrossenheit der Japaner bei seinem Ackerbau anwendet.
Besonders zeigt sich dies bei Urbarmachung und Bestellung steiler Berge.
An den Seiten derselben bleibt nichts unb··ebaut liegen.
Wenn der Fleck auch nicht größer als zwei Fuß ins Gevierte ist, so legt der Japaner doch unten eine kleine steinerne Mauer an, füllet den Platz inwendig mit Erde und Dung, und besäet dies kleine Beet mit Reis oder Gartengewächsen.
Die meisten Berge sind mit tausenden solcher kleinen Bette geschmückt, und diese geben ihnen ein Ansehen, das bei dem, welcher an den Anblick nicht gewohnt ist, die größte Bewunderung erregt.
Einige Felder stehen im Frühlinge fast ganz unter Wasser.
Andere, besonders die zu Reis bestimmten, Felder gibt man sich viel Mühe, gehörig zu wässern.
Besonders haben sie eine ganz eigene und artige Methode, bei starker Dürre das Wasser dahin zu leiten.
Die hiesigen Bäche sind zwar nicht nur groß, sondern schwellen auch, wenn viel Regen fällt, hoch an; laufen aber auch schnell nach dem Meere zu, und behalten daher wenig Wasser.
Um dennoch Nutzen von ihnen zu haben, wirft der Landmann ganze Dämme von Erde, viele Fuß breit und oft von unglaublicher Länge auf, hinter welchen das Wasser eine ganze Strecke hin, sich sammelt und stehen bleibt, da er es denn hernach, wo er es nötig findet, abzapft, und auf die unten liegenden Äcker fließen lässt.
Auf eine ähnliche Art bringen sie das Wasser, welches sich an den Spitzen der Berge aus den Wolken und aus Regen sammelt, zusammen, und leiten es von den oberen Äckern zu den unter·n herab, so daß erst jene, dann nach und nach diese unter Wasser zu stehen kommen, und alle gehöriges Wasser behalten, indem allezeit die untere Seite mit einem allenthalben gleich hohen Rande eingeschlossen wird.
In keinem einzigen Lande sammelt man den Dünger mit mehr Sorgfalt, und geht so haushälterisch damit um, als hier, so, daß in der That von dergleichen nichts, das gebraucht werden kann, unbenutzt bleibt oder umkommt.
Das Vieh wird das ganze Jahr hindurch auf dem Stalle gefüttert, daher bleibt aller Dünger auf dem Hofe.
Auf den Landstraßen wird allenthalben durch alte Leute und Kinder alles aufgefummelt, was die Pferde fallen lassen; sie brauchen dazu, um sich nicht bucken und die Hände verunreinigen zu dürfen, eine an das Ende eines Stocks, wie ein Löffel, befestigte Muschel, werfen es dann gleich in den am linken Arme hängenden Korb und tragen es so zu Hause.
Ja selbst der Urin, den man in Europa so selten zum Besten der Acker oder Gärten anwendet, wird hier mit Sorgfalt in großen irdenen Kruken gesammelt, dergleichen nicht nur in den Dörfern, sondern auch auf den Seiten der Landstraßen, in die Erde gegraben, zu Jedermanns Gebrauch vorhanden sind.
Mann erinnere sich, was ich Seite 172. hiervon bereits erzählt habe.
So geizig die Japaner alles, was zum Düngen gebraucht werden kann, sammeln, so mühsam verfahren sie auch bei dem Düngen selbst.
Sie fahren den Mist weder im Winter noch im Sommer auf ihren Acker, daß er, wie bei uns, eine geraume Weile liegen bleibt, und von der Sonnenhitze austrocknet, oder doch seine Kraft verliert, indem die salzigen und öllichen Teile ausdünsten; sondern sie vermischen mehrere Arten Mist, von Menschen und Vieh, wie auch alles was in der Küche abfällt, mit Wasser und Urin, und rühren es zu einem ganz dünnen Brei durcheinander.
So zugerichtet tragen sie ihn, in zwei großen Eimern die an einem Holze über der Schulter hangen, auf den Acker oder in den Garten und begießen damit, vermittelst einer Kelle die Saat oder Gewächse, zu zwei verschiedenen malen, das erstemal wenn sie ungefehr eine Viertelelle hoch sind, und nach Verlauf von ein paar Wochen zum zweit··mal.
Auf diese Art haben Saat und Gewächse den ganzen Nutzen davon, und die beste Kraft zieht sogleich in die Wurzel.
Man steht vor Erstaunen still, wenn man sieht wie unverdrossen die Leute diese ekelhafte Arbeit verrichten.
Diese Methode Feld und Gärten zu düngen, verschafft auch den Vorteil, daß alles von Unkraut rein bleibt, und wenn ja Unkraut hervorkommt, so wird es gleich aufs sorgfältigste ausgejätet.
Daher kommt denn, daß die Äcker und Gärten so ganz leer von allem Unkraut· sind, daß der scharfssichtigste Botaniker schwerlich ein einziges fremdes Kraut unter der Saat oder zwischen den Gewächsen entdecken wird.
Ein Reisender, der dies nicht wüsste, würde sich leicht einbilden können, Japan erzeuge gar nichts von dem, was man Unkraut nennt.
Das meiste Land, auch das Feld, wird, und zwar sehr fein und locker, umgegraben.
Überhaupt bringt bei der Art, wie die Japaner ihren Acker bearbeiten, ein kleiner Platz eben so viel, als in Europa ein weit größerer, ein.
Zum Graben gebraucht man einen etwas gekrümmten, einen Fuß langen und eine Hand breiten Spaten.
Der Pflug wird von einer Kuh oder einem Ochsen gezogen.
Wenn der Bauer sein Feld umgräbt, oder pflugt, folgt ihm allezeit eine Parthey schöne, weißliche Reiher ( Ardea ) nach, welche die mit aufgegrabenen Würmer und anderes Ungeziefer, auflesen; Solchergestalt können auch diese der Saat und den Gewächsen nichts schaden.
Diese Reiher sind ganz zahm, und um des Nutzens willen, den sie stiften, tut ihnen niemand etwas zu Leide.
Von Hecken, Zäunen, Feldmauren und ander·n Befriedigungen des Ackers, weiß man hier nichts.
Alles liegt frei und offen.
Vieh, keiner Art geht draußen, kann also auch nichts beschädigen.
Von den Wegen abweichen, und über den Acker fahren, oder gehen, würde sich hier niemand unterstehen.
Der Platz, welchen der Zaun, oder dergleichen einnehmen würde, wird also auch benutzt.
Die vornehmste Getreideart ist Reis.
Buchweizen, Rocken, Gersten und Weizen, wird wenig gesät.
Das Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, fängt der Landmann schon im April an umzugraben.
Es steht alsdenn beynahe ganz und gar unter Wasser, und ist da an den Seiten umher mit einem kleinen Rande eingefasst, damit das Wasser nicht ablaufen kann.
Der Reis wird allezeit zuerst auf ein kleines Stück Land, ganz dicht, wie bei uns der Kohlsamen, auf eine Art Mistbeet gesät.
Wenn nun die Pflanzen eine Viertei·l·e hoch sind, werden sie ausgezogen, und, wie Kohlpflanzen, auf die dazu bestimmten Äcker verpflanzt, und zwar immer einige zusammen in ein Loch, aber die Löcher so weit von einander, daß auf allen Seiten ein Zwischenraum von einer Viertei·l·e bleibt; so weit stehen also hernach die Büschel Reishalme auseinander.
Diese Pflanzen ist überall die Arbeit der Frauenspersonen, die dabei bis an die Waden im Wasser und Schlamm waten.
Alles Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, graben sie um; nur dasjenige, welches sehr niedrig liegt, und ganz und gar unter Wasser steht, плуген· sie.
Im November ist der Reis reif.
Er wird alsdann abgeschnitten, in kleine Bunde oder Garben gebunden, und vom Felde nach dem Hause geschafft.
Um ihn zu dreschen, werden die Ähren gegen eine Tonne oder etwas anders geschlagen, da dann die Körner sogleich herausfallen; eine sehr einfache und kurze Arbeit.
Um aber die äußere Hülse oder Spreu vom eigentlichen Korne selbst zu trennen, muß es noch einmal gedroschen, oder vielmehr gestampft werden, welches aber selten vorgenommen wird, ehe man den Reis gebrauchen will.
Man ···führt und verkauft ihn gewöhnlich ungestampft.
Das Stampfen geschieht im Kleinen, in einem ausgeholten hölzernen Block, mit einem hölzernen Stoßer, wodurch die Hülse sich ablöset.
Im Großen wird es auf einer Maschine verrichtet, die aus mehreren Stempeln besteht, und entweder durch ein Wasserrad in Bewegung gesetzt, oder durch einen Kerl mit dem Fuße getreten wird.
Übrigens wird der hiesige Reis für den besten in Ost··dien gehalten; er ist sehr weiß, schmeidig· und nahrhafter als and·rer.
Aus dem Buchweizen wird hier zu Lande, nicht so wie in Europa, Grütze, sondern Mehl gemacht, und dieses in kleine Kuchen verbacken.
··Siehe die erste Abteilung, Seite 43.··
Der Weizen wird im November gesät, und im Juni· geerntet.
Meisten····s wird feines Mehl davon gemahlen, woraus man kleine Kuchen backt, die weich· oder frisch· gegessen werden.
Die Gerste wird verschiedentlich, vom October bis zum December, ausgesät.
Gegen das Ende Mai·, oder zu Anfange des Juni·, wird sie eingeerndtet, getrocknet und gedroschen.
In der Gerste findet sich, auch hier zu Lande, oft Brand, doch nicht so häufig als man diese Krankheit des Getreides in Europa antrifft.
Die Gerste wird größtenteils zum Futter für Pferde und and·res Vieh gebraucht.
Die Äcker, welche mit Weizen und Gerste besä·t werden sollen, werden in schmale Beete geteilt, die etwa einen Fuß breit und durch etwas niedrigere Zwischenräume, welche über einen Fuß breit sind und unbesät bleiben, von einander getrennt werden.
Auf diese schmalen Bette wird Korn gesät, entweder in der Breite, in Reihen, die ein wenig von einander abstehen, oder, wiewohl selt·ner, der Länge nach in zwei Reihen.
Wenn die Saat einen Fuß hoch geworden ist, doch ehe sie Ähren bekommt, wird aus dem unbeähten Zwischenraume Erde herausgenommen, und sehr behutsam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch neuen Saft und Dünger bekommt; die Zwischenräume werden auf diese Art in tiefe Furchen, oder kleine Graben, verwandelt, in welche das Wasser einzieht.
Diese mühsame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen Gartenbeeten, die auf den Anhöhen und Bergen, von kleinen Mauern unterstützt, terrassenförmig übereinander hervorragen, welches einen vortref·lichen Anblick· gewährt.
Zu seiner Zeit wird die Erde wieder weggenommen, und in die Furche geworfen, und dagegen für das künftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu Zwischenraum und Graben gemacht.
Sobald die Gerste abgeschnitten ist, wird nicht selten and·re Gerste, oder auch wohl Bohnen zwischen die Stoppeln gesät, und zwar entweder auf das vorige Beet, oder auf den Zwischenraum, so, daß das Land wirklich zweimal im Jahr, obwohl an verschiedenen Stellen, besä·t wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweitenmal von vorn bearbeitet werden durste.
Rübsamen wird in allen Gegenden von Japan überflüssig gebaut.
Im Monat April· sehen über das ganze Land die Acker von den Blüten wie vergoldet aus.
Die Rübe wird nicht gebraucht, aus dem Saamen aber, welcher im Mai reif wird, presst man Öl, das überall in den Lampen gebrannt wird.
Die Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Öl Natanne Abra oder Natanne no Abra.
Gersten, Weizen, Kohlsamen und Senf, werden ohne viele Umstände auf Strohmatten, unter freiem Himmel, nicht selten auch in den Dörfern vor der Haustür, gedroschen, und zwar mit Flegeln, die drei Schläge· haben.
Man schlägt auch wohl nur die Garbe mit den Ähren gegen eine Tonne oder dergleichen, damit das Korn herausfalle, welches hernach von Spreu und ander·m Unrath gereinigt werden muß.
Von Bohnen, sowohl den eigentlichen Bohnen, (·phaßeolus·) als Faseln (·Dolichos·), Erbsen und Linſen bau·t man mehrere Arten.
Von den Sojabohnen (·Dolichos Soja·), die japanisch Daidsu heißen, gebraucht man das Mehl an Speißen, um dieſelben damit zuzubereiten, und den ausgepreßten Saft zur Zubereitung der Soja; die Bohnen ſelbſt aber werden in Suppe gekocht, welche Miſo heißt, und hier zu Lande ein tägliches Gericht iſt.
Diese Art Bohnen, welche klein sind, und wie Linsen aussehen, wird sehr häufig gebaut, ob sie gleich auch vielfältig wild wachsen.
Nicht leicht wird wohl eine Schotenfrucht häufiger gebraucht, als diese; denn die Sojabruhe, und das Sojamehl wird täglich genoſſen, und die Misosuppe wird wenigstens einmahl, oft mehrmals, jeden Tag, und zwar zu allen Jahreszeiten, von Vornehmen und Geringen, von Reichen und Armen, gegessen.
Die gestrahlten Bohnen (P·haseolus radiatus·) werden auch gemahlen, und aus dem Mehl· nebst Zucker· werden kleine Kuchen gebacken.
Wel·che Bohnen oder Busbohnen (·Vicia faba·) traf ich auch an einigen Orten an.
Eben so zieht man verschiedene Arten Gewächse aus dem Geschlecht der Gräser, um den Saamen davon zur Nahrung, sowohl für Menschen als Vieh, zu nutzen; verschiedene Arten Fenchel (·panium·), den quirlförmigen (·verticillatum; Awa·) und den Rabenfuß (Crus corvi; Ko Kibi·); Pferdegras oder Sorghosamen (·Holcus Sorghum; Kibi·); Krummahriges Kammgras (·Cynosurus coracanus; Nan ba·n Kiwi·), nebst ander·n.
Rüben werden häufig gesät, und zum Essen gebraucht; imgleichen andere Erdfruchte und Zwiebelgewächse, als Zuckerwurzeln ( Sium Sisarum ); Möhren oder gelbe Wurzeln ( Daucus carota ) die aber hier nicht sehr gelb sind; Rettich ( Raphanus Satirus ); Bataten ( Convolvulus Batatas oder edulis ); und auch Kartoffeln, wiewohl diese letzteren nur sehr sparsam, ( Solanum tuberosum )
Von allen vorgenannten· sind die Bataten hier die häufigsten und wohl schmeckendsten.
And·re japanische Gartenfrüchte sind Salat (·Lactuca sativa·); Melonen (·Cucumis melo·), sowohl mit weißem, als mit rötlichem Fleisch, die man, wie bey uns, zum Dessert gebraucht; Pfieben (·Cucurbita pepo·), wovon man Suppen kocht; Gurken (·Cucumis sativus·), die man theils frisch ißt, theils einmacht; Konomon (·Cucumis conomin·), welche eingesalzen werden, und den Appetit zu reitzen dienen; Fokke Fokkes oder Melanzanapfel (·Solanum melongena·) die man in Suppen ißt; Flaschenkuerbiſse oder Kalabaſſen (·Cucurbita lagenaria·) woraus die Einwohner Flaschen und aehnliche Gefaesse machen.
An mancherley wohlschmeckenden Früchten, die die Gärten liefern, fehlt es auch nicht.
Dahin rechne ich Pomeranzen, Zitronen, Pompelmusen (·Citrus decumanus·) und Apfelsinen, Aepfel, Birnen, Quitten (·Pirus cydonia·), Pfirs·che·, Mandeln, Apricosen, Pflaumen, Kirschen, sehr schmackhafte Mispeln (·Mespilus japonica·), Kakifeigen oder Versimonen (·Diospirus kaki·), Weintrauben, Granataepfel (·Punicum granatum·), spanische Feigen (C·actus ficus·), Kastanien, Wallnuesse und vielerley and·re.
In den Dörfern trifft man an sehr vielen Stellen Mandeln- Pfirsche·- und Aprikosenbäume· gepflanzt an, deren rote Blüthe schon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige bedeckt.
Diese Bäume sowohl als die Pflaumen, Kirsch- A·pfel- Birn- und Quittenbäume, haben hier auch häufig doppelte oder gefüllte Blüten, worauf die Japaner einen besonderen Wert setzen.
Als Gewürze· zieht man in den Gärten· Ingber (·Amomum Mioya·); den Pfefferbusch (·Fagara piperita·) wovon man sowohl die Blätter als die Frucht braucht, um Suppen und Brühen einen starken Specereygeschmack zu geben; wie auch spanischen Pfeffer (·Capsicum·).
Senf gebrauchen die Japaner zwar selten ans Essen, aber sie pressen Öl aus den Senfkö·nern, das sie in den Lampen brennen.
Am meisten säen sie von der niederhängenden Gattung (·Sinapis cernua·),
Hopfen bau·t und gebraucht man in Japan nicht; ich sah ihn aber doch hier und da wild wachsen.
Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zäune und and·re Befriedigung, so sieht man viele Küchengewächse und Gartenfrüchte auf dem freien Felde stehen.
Eigentliche Gärten gibt es daher keine andere, als die, welche man bei jedem Hause antreif·t; diese sind aber von unbedeutender Größe, und dienen mehr zur Zierde und zum Vergnügen, als zum Nutzen.
Man findet darin Bäume, die mit schönen und großen, oft gefüllten Blumen prangen, und verschiedene Kräuter und Zwiebelgewächse mit vorzüglich schönen Blumen, als indisches Felß··kraut (·Azalea indica·) die Nandine (·Nandina domestica·) die Gardenie (·Gardenia florida·) Spierkraut (·Spirea·), die Magnolie (·Magnolia·), Sammetblume (·Tagetes patula·), Celosien (·Celosia cristata·), chinesische Sternblumen (·Aster chinensis·), Päonien (Paeonia officinalis·), Wucherblumen (·Chrysanthemum indicum·), Ringelblumen (·Calendula officinalis·), Balsamine· (·Impatiens balsamina·), Wunderblumen (·Mirabilis dichotoma·) und unzähliche andere.
Als Farbekrautblumen bauen die Japaner den Knöterich oder Wegtritt (·Polygonum·), sowohl den chinesischen (c·hinense·), als den bärtigen (·barbatum·), auch den gemeinen oder Vogelknöterich (·aviculare·).
Er gibt eine schöne blaue Farbe, wie Indigo; die Blätter werden getrocknet, gestoßen und kleine Kuchen daraus gemacht, die in den Krambuden zu kaufen sind.
Man kann nicht nur Leinwand, sondern auch seidene und Baumwollene Zeuge damit färben.
Wenn man sie gebrauchen will, werden sie mit einem Zusatz von Asche gekocht.
Je stärker der Decoct gemacht wird, desto dunkler wird die Farbe, und im Gegenteil desto heller.
Sowohl der Baumwoll- als der Seidenbau, ist in Japan gar ungemein beträchtlich, und verschaf·t vielen Millionen Menschen Kleidung.
Die Baumwollstauden, und zwar von der Gattung der Krautartigen, (·Goß·ypium herbaceum·) werden jährlich gepflanzt.
Sie geben eine sehr feine und weiße Bauwolle, die zu Zeugen, zum Ausstopfen und zu anderem Behuf gebraucht wird.
Der Seidenbau beruh·t auf dem steten Pflanzen und Vermehren der Maulbeerbäume, wodurch eine unbeschreibliche Menge Seidenwürmer ernährt wird.
Die Seide wird zu Zeugen, zu Garn, zu Matten und auf mancherlei andere Art gebraucht.
Der Firnißbaum ( Rhus vernix ), der Kampferbaum ( Laurus camphora ), der Fichtenbaum ( Pinus sylvestris ), die Theeſtaude ( Thea bohea ), der Cedern- oder Cypreſſenbaum ( Cupreſſus japonica ) und das Bamborohr ( Arundo bambos ), wachsen, nicht nur im ganzen Lande, wild, sondern werden auch, des großen Nutzens wegen den sie den Einwohnern verschaffen, in verschiedenen Gegenden gepflanzt und gezogen.
Den Bambostamm gebrauchen sie zu Hebebäumen; von dem Rohre flechten sie Körbe und Schränke, und machen Schreibfedern, Fächer und manches and·re daraus.
Die Fichten pflanzen sie zum Zierrath vor die Häuser; das Holz brauchen sie zum Hausbau und als Nutzholz zu allen Arten hölzerner Sachen; auch verfertigen sie daraus die feinste lackierte Arbeit.
Das Cedernholz gebrauchen sie zum Schiffbau, auch machen sie Hausgeräte und Tischlerarbeit davon.
Der Firnisbaum enthält einen milchartigen Saft, der von allen Harzen das vortref·lichste zum Lackieren ist, und wovon ich im vorhergehenden mehr gesagt habe.
Der Kampferbaum wächst in der Landschaft Satšuma und auf den Inseln, die den Namen Got·o führen, in größter Menge wild.
Aus den japanischen Bäumen wird der meiste Kampfer, der in Europa gebraucht wird, zubereitet.
Die Japaner splittern den Baum und die Wurzeln sehr fein von einander, kochen die dünnen Streifen in Wasser, in einem eisernen Topfe, der mit einem, wie ein Hut gestalteten hölzernen Deckel zugedeckt ist; in dem Kopfe des Decksels oder Huts, wird Stroh oder Heu befestigt, damit der aufsteigende Kampfer sich in Gestalt von Körnern daran festsetzen könne; hernach werden diese Körner von dem Strohe oder Heu los gemacht, in Fässer eingepackt und an die holländische Compagnie nach dem Gewicht· verkauft.
Die Theestaude wächst im Lande überall wild.
Am häufigsten fand ich sie jedoch an den äußersten Seiten, oder dem Rande, der bestellten Felder, oder auf solchen Bergen und Hügeln die der Mühe der Bearbeitung nicht werth sind, angepflanzt.
In Zeit von sechs bis sieben Jahren· wächst sie aus dem Saamen zu völliger Mannshöhe; aber schon im dritten Jahre trägt sie durch ihre Blätter etwas ein.
Je älter die Blätter sind, und je später im Jahre sie abgepflückt werden, desto mehr bekommt man zwar, aber desto schlechteren Thee geben sie auch; die kleinen und eben erst ausgebrochenen Blätter, geben den feinsten und kostbarsten Thee.
Das Pflücken wird ······jährlich zu drei verschiedenen Malen vorgenommen.
Die erste Ernte geschieht im Anfange des März··, oder auch am Ende des Februars.
Alsdann fangen die Blätter an auszubrechen, sind klebrig und werden nur für den Kaiser und die Reichen und Vornehmen gepflückt, bekommen davon auch den Namen Kaiserthee.
Einen Monat hernach··· fällt die zweite Ernte ein, da die Blätter ausgewachsen, aber noch dünne und wohlschmeckend sind.
Wiederum nach einem Monathe wird das Meiste gesammelt; die Blätter sind alsdenn völlig ausgeschlagen und dick geworden.
Die junge Stauden geben allezeit besseren Thee, als die alten; auch schmeckt der Thee aus einigen Provinzen besser, als aus ander·n.
Wenn die Blätter abgepflückt sind, werden sie gedörret, und zu dem Ende auf dünne eisernen Platten hingebreitet, die warm gemacht werden.
Hier müssen sie fleißig mit der Hand umgerührt werden, so lange die Finger die Hitze ertragen können.
Darauf werden sie auf Matten hin und her gerollt, bis sie ganz kalt geworden sind.
Sind sie alsdenn nicht trocken genug, so wird das Rosten noch ein oder mehrere mal vorgenommen.
Oft legen die Leute die Matten mit den T·eeblättern ganz sorglos vor die Haustür hin, und lassen sie da liegen.
Der Zuckerahorn, oder Zuckermas·holder (·Acer saccharinum·), wächst meines Wissens in Japan nicht; auch hat man bis jetzt das Pflanzen des Zuckerrohrs nicht eingeführt.
Die Japanischen Dolmetscher zeigten mir aber doch einen Saft, wovon Zucker gemacht werden kann.
Dies ist der Saft eines gewissen Baumes, der auf den Inseln um Nippon wächst.
Der daraus bereitete Zucker schmeckt süß, ist bräunlich und von schlechtem Ansehen.
Zucker ist also das einzige, was die Japaner von Ausländern nehmen müssen.
Dass Japan, und zwar im größten Überflusse, alles, was zur Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeit seiner Bewohner erforderlich ist, hervorbringt, wird jeder aus dem bisher geſagten zur Genüge ersehen.
Und da man in den meisten ander·n Ländern so oft über Mißwachs und Hungersnoth klagt, so hört man dergleichen in diesem Reiche sehr selten, wo man sparsam lebt, keinen Aufwand macht, auf den Ackerbau so unbeschreibliche Mühe und Sorgfalt wendet, und außer Reis und Getreide, auch klüglich eine Menge Gartengewächse und Erd- und Baumfrüchte zu ziehen sucht.
Inzwischen weiß man doch Beispiele, dass auch hier Hungersnot das Land betroffen hat.
Da die Japaner nicht nur so manche Getreidearten, sondern auch so viele Wurzel-, Schoten- und and·re Gartengewächse, nebst Obſt und Früchten in Menge, überdem aber, aus dem das Land allenthalben umströmenden Meere, einen unerschöpflichen Vorrath von Fischen holen; da ferner die Reisen, entweder zu Fuß, oder in Tragfächten gemacht; und bey der sehr großen Menge Leute, die man dazu haben kann, fast alles, was von einem Orte zum ander·n zu transporti·ren ist, von Menschen getragen, da keine Cavallerie im Lande unterhalten, da endlich die allermeißte Feldarbeit ohne Zugvieh verrichtet wird; so bedarf es fast gar keiner Viehzucht, in diesem Lande, daher sie denn auch nur sehr geringe ist.
Die wenigen Pferde, welche es hier gibt, werden von den Fürsten auf ihren Reisen, theils zum Reiten, theils als Packpferde gebraucht; und ihre ganze Anzahl möchte wohl nicht so viel betragen, als in einer mittelmäßigen Stadt in Europa.
Große Reitpferde, prächtige Kutschpferde, schnelle Schlittenpferde, kennt man hier eben so wenig, als Fuhrmanns und Bauernpferde.
···Rindvieh hat man noch weniger; von den Kühen gebraucht man eben so wenig die Milch, weder zum Trinken, noch zu Speisen, noch zu Butter oder Käse, als man Kalb- oder Rindfleisch isst, oder das Talg gebraucht.
Die wenigen Kühe und Ochsen die gehalten werden, hat man bloß dazu, sie vor Karren zu spannen, (·welches aber nur in Einer Gegend des Landes geschieht·), um solches Feld, das fast beständig unter Wasser steht; zu pflugen.
···Schweine findet man nur um Nangaü··ki, und zwar sehr wenige, die noch dazu von den Chinesern in späteren Zeiten ins Land gebracht zu s·····cheinen.
···Schafe und Ziegen sind im ganzen Lande gar nicht zu finden; die Einwohner können auch der Schaafwolle sehr gut entbehren, da sie Baumwolle und Seide im Ueberfluss haben.
Während meines Aufenthalts auf der holländischen Factorey, trug es sich zu, daß einige Japaner mit verschieden·· Schaafen nach der Insel kamen, welche sie von einem Chef des holländischen Handels, der nach Batavia gereist, und hernach nicht wiedergekommen war, in Empfang genommen, und verschiedene Jahre in Verwahrung gehabt hatten.
···Hunde, die einzigen Müßig·änger im Lande, halten sie aus Aberglauben.
Katzen sind meistens die Lieblinge des Frauenzimmers.
···Hühner, Gänse und Enten halten die Japaner auch, meinetheils um der Eier willen, wovon sie große Liebhaber sind, und die sie bei manchen ander·n Gerichten hart gekocht und in Stücken zer·chnitten, essen.
Die Fischerei wird, wie ich schon einigemal beiläufig erwähnt habe, von den Japanern außerordentlich stark und eifrig getrieben; das Meer welches ihr ganzes Land umfließt, und so viele Buchten macht, auch so manche kleine Inseln enthält, kommt ihnen dabei so sehr als wenig ander·n Ländern zu Statten; auch essen die Japaner fast nichts häufiger und lieber als Fische.
Es ist unglaublich, welch eine Menge Fischer, bloß aus dem Hafen von Nangasacki täglich auslaufen.
An den dunklen Herbst- und Winterabenden, brennen sie Fackeln und and·re stark scheinende Lichte auf ihren Booten, die über eine Meile weit von der Stadt gesehen werden, und einen ungemeinen schönen Anblick geben.
Fünfter Abschnitt.
Bei Beschreibung der Handelsstädte, welche ich auf unserer Hofreise gesehen, habe ich vom einheimischen Handel bereits manches gesagt, so wie ich, in den Abschnitten die meinen Aufenthalt auf Dezima betreffen, von dem Handel der Japaner im allgemeinen sowohl, als mit den Holländern und Chinesen insbesondere, umständliche Nachricht gegeben habe.
Was von diesem allen noch nachzuholen ist, will ich jetzt zusammenfassen.
Den inlandischen Handel erleichtern und befördern die vielen großen Handelsstädte und die vielen Seehäfen ungemein.
Er ist in einem sehr blühenden Zustand·, und in jedem Betrachte frei und ohne Zwang-·Einrichtungen; auch legen, weder Zölle und Abgaben, noch Mangel an Gelegenheit des Transports zwischen den vielen verschiedenen Provinzen des Reichs, ihm Hindernisse in den Weg.
Die Häfen sind stets mit großen und kleinen Fahrzeugen angefüllt; die Landstraßen wimmeln von Reisenden und von Leuten, die Waren tragen; und die Handelsbuden, besonders in den großen Handelsstädten, sind allenthalben voll Kaufman·sgüter und Waren aus allen Orten und Enden des Landes.
In diesen Städten, vorzüglich zu Miako, welches im Mittelpunkt des Reichs liegt, werden auch verschiedene große Märkte gehalten, zu welchen die Leute aus allen Gegenden zusammenströmen, um zu kaufen und zu verkaufen.
Außer dem Kubo sind wohl die Kaufleute die einzigen im Lande, welche reich werden, und bisweilen anseh·liche Summen beilegen können.
Demungeachtet aber ist der Kaufmannsstand hier bey weitem nicht in solchem Ansehen, als bey den Europäern; zu einem höheren Stande sich hinauf zu schwingen, oder vornehme Titel zu erlangen, ist einem Kaufmann hier auch nicht möglich.
Im Gegenteil ist der Kaufmann immer ein verachteter Mann, und man hat allezeit die nachteilige Vorstellung von ihm, daß er auf eine nicht ganz ehrliche Art und auf Kosten seiner Mitbürger seine Schätze sammele.
Der Theehandel wird nur im Lande getrieben; was davon ausgeführt werden kann, ist sehr wenig.···
Der Handel mit Soja ist bedeutender.
So wie der hiesige Tee für schlechter als der chinesische gehalten wird, ist die Soja hier weit besser, als in China.
Sie wird in großen hölzernen Kübeln, nicht nur nach Batavia gebracht, sondern auch von da weiter nach Europa und allen Gegenden in Oſtindien verkauft.
In gewissen Bezirken von Japan ist sie besser· als in ander·n.
Um sie am besten aufzubewahren, und zu verhindern, daß sie nicht bei der Hitze in Gährung übergehe und verderbe, pflegen die Holländer auf der Factorey sie in eisernen Kesseln einzukochen, und hernach auf Bouteillen zu zapfen, die sorgfältig zugepfropft und mit Harz vermacht werden.
Dadurch wird sie nicht nur stärker und zu allen Arten von Saucen brauchbar, sondern sie hält sich auch besser.
···Der Seidenhandel blüht zwar im Reiche selbst; weil aber die hiesigen Zeugen so außerordentlich schmal sind, können die Europäer sie nicht gebrauchen.
···Der Porzella·nhandel wird im Lande ebenfalls sehr stark getrieben; weil aber das japanische Porzella·n, bei aller vorzüglichen Güte der Materie, doch übrigens dem chinesischen nicht gleich kommt, so wird wenig davon an die Holländer abgesetzt.
In den Krambuden findet man, sowohl in allen Städten als auch in den Dörfern: Möbel·, Hausgerät, Küchengerät, alle Arten von Geschirren und Werkzeugen, Kleidungsstücke und alles andere was man bedarf, in so unglaublicher Menge zu Kauf, daß man sich wundern muß, wie sich Käufer dazu finden, und daß man fast auf den Gedanken geraten möchte, hier wären Magazine für die ganze übrige Welt.
Jeder kann sich hier alles, was er· von Kleidungsstücken, Schuhen, Regenschirmen, lackierter Arbeit, Porzella·n und hundertenley ander·n Sachen, nöthig hat, schon fertig gemacht, aussuchen, ohne je etwas bestellen zu dürfen.
Mit den Chinesen haben die Japaner vermutlich früher und länger Handel getrieben, als mit irgend einem ander·n Volke; sie sind auch das einzige indische Volk, mit dem sie jetzt handeln.
In alten Zeiten führten die Chineser hauptsächlich rohe Seide ein; jetzt bringen sie auch seidene Zeuge.
Dass sie auch Zucker, imgleichen Achatsch, nach Japan bringen, habe ich im ersten Teile an seinem Orte (·Seite 59·) nicht mit angeführt.
Die daselbst erwähnten Bücher, sind meistens medizinischen Inhalts.
Dass jährlich an zweihundert chinesische Fahrzeuge hie·her kamen, währte bis 1684.
In diesem Jahre war es, als man entdeckte, daß die Jesuiten, welche damals beim Kaiser in China viel vermochten, durch die chinesischen Kaufleute, verschiedene in China gedruckte katholische Bücher, heimlich herein praktisirten.
Man setzte daher ihrem Handel Grenzen, und unterwarf ihn dem Zwang·, worunter er noch jetzt steht.
Die Zahl der Schiffe, welche sie schicken dürfen, schränkte man auf siebzig, und die Bemannung eines jeden auf dreißig Mann ein; die jetzt auf sechshundert tausend Thail herab gesetzte Summe, über welche der Werth ihres Handels jährlich nicht hinausgehen darf, war vorher ebenfalls ganz uneingeschränkt.
Als große Liebhaber des Schweinefleisches, bringen die Chineser Schweine, aus China, mit nach Japan.
Die Portugiesen, bekanntlich die ersten Entdecker der Japanischen Inseln, waren auch unter den Europäern die ersten, welche Handel dahin trieben.
Ihr Gewinn war anfangs unglaublich: sie führten jährlich mehr als drei hundert Tonnen Goldes aus.
Als sie sich hernach durch ihr übermüthiges Betragen allgemein verhasst gemacht hatten, und dadurch ihr Handel in den äußersten Verfall gerathen war, wurde demungeachtet noch im Jahr 1636. eine Menge Silber, und zwar 2350 Kisten, oder 2,350,000 Thail, im Jahr 1637, 2,142,365; und 1638, 1,259,023 Thail ausgeführt.
Seitdem sie aus dem Lande gänzlich vertrieben worden, haben sowohl sie, als die Spanier, verschiedene Versuche gemacht, den Handel mit Japan wieder in Gang zu bringen.
Aber alle Versuche dieser Art misslangen nicht nur, sondern liefen sogar unglücklich ab, indem man mit einem Volke zu tun hatte, das unveränderlich bei seinem Vorsatze beharr·t.
Im Jahr 1640 wurde ein Schiff mit zwei Ambaß·adeuren und einem Gefolge von drei und siebzig Personen von Makao nach Japan geschickt; alle diese wurden in Nangasaki sogleich gefangen genommen, und ihre Ankunft nach Hofe berichtet.
Von hier kam aber der Befehl zurück, daß alle· (·außer zwölf, die wieder wegreisen durften··) hingerichtet werden sollten; dies Urteil wurde auch vollzogen, und sie alle an einem Tage, ja sogar in einem Augenblicke, jeder von einem eigenen Scharfrichter, geköpft.
Zugleich ward· das Verbot für diese Nation erneuert, niemals wieder nach Japan zu kommen, und in dies Verbot unter ander·n die vermeß·ne Drohung eingerückt, daß, wenn der König von Portugal, oder auch der Gott der Christen selbst käme, sie gleiches Schicksal treffen würde.
Auch ein spanisches Schiff, ein großer Dreidecker, wohl bemann·t, und mit Kanonen sehr stark besetzt, hatte die Verwegenheit, in den Hafen von Nagasaki einzulaufen, erfuhr aber ein noch unglücklicheres Schicksal, zum Beweis·, wie unerschütterlich die Japaner bei dem, was sie einmal sich vorgenommen haben, beharren, wie buchstäblich sie den Willen ihrer Gesetze und die Beschlüsse ihres Regenten vollziehen, und nicht einmal durch die Artillerie der Europäer sich davon abſchrecken lassen.
Dieses Schiff kam von den manilischen Inseln, ludete seine Waaren zu Nagasaki aus, und nahm dagegen eine Menge Silber und andere Waaren ein.
Mittlerweile wurde dem Kaiser Nachricht von der Ankunft der Spanier gegeben.
Dieser ließ an den Fürsten von Arima den Befehl ergehen, das Schiff mit samt der Mannschaft und Ladung zu verbrennen.
Der Fürst griff das Schiff auch an, und drang, des tapfersten Widerstandes unerachtet, an Bord desselben ein.
Sobald er mit seinen Leuten das Schiff betrat, zogen die Spanier sich unter das erste Verdeck zurück.
Der Fürst rettete sich, und das Verdeck flog in die Luft.
Die Spanier wurden zum ander·n und dritten Mal eben so heftig angegriffen, bis alle Verdecke in die Luft gesprengt waren, und das Schiff auf den Grund sank, ohne daß ein einziger Mensch am Leben blieb.
Das Gefecht dauerte sechs Stunden und kostete mehr als drei tausend Japanern das Leben.
Vom holländischen Handel kann ich hier noch folgendes anführen.
Als die Portugiesen, ungeachtet des gleich Anfangs in Japan erhaltenen Ansehens und Einflusses, dennoch die Holländer nicht hindern konnten, hier ebenfalls Handel zu treiben, legten diese ihre Factorey auf einer Insel, bei der Stadt Firando an, welche sie aber hernach verlassen mussten.
Vom Kaiser Ijejas erhielten die Holländer ihre erste feierliche Concession, hier allenthalben zu handeln.
Ihr Handel blühte auch bis 1619, da sie die Unvorsichtigkeit begeingen, die förmliche Erneuerung derselben von dessen Nachfolger, Kaiser Fidetada zu verlangen.
Seit dieser Zeit hat sich ihr Gewinn sehr vermindert, und ihre Freiheit ist in so mancher Rücksicht beträchtlich eingeschränkt worden.
Im Jahre 1636 bekamen sie Befehl, ihr Packhaus und Waarenlager auf Firando niederzureißen, welches von Steinen, stark und prächtig, gebaut war, und über dem Eingange bei der Jahrzahl die Worte:
Anno Christi zeigte, welches diesem argwöhnischen und von den Portugiesen so sehr beleidigten Volke zu großem Verdacht·, Anlaß gab.
Kurz darauf wurde ihnen befohlen, Firando ganz zu verlassen, sich nach Nagasaki zu begeben, und von nun an lediglich in diesem, am äußersten Ende des Reichs befindlichen Hafen zu ankern.
Im Anfange brachten die Holländer rohe Seide, seid·ne und halbseid·ne Zeuge Zitse, Kattune, Tuch, Sapanholz, Brasilienholz, Büffelhäute, Büffelhörner, Hayfischhaut, Korduan, Pfeffer, Zucker, Mutternelken, Muskat··, Baroskampfer, Wachs, Quecksilber, Bley, Safran, Salpeter, Borax, Alaun, Bißam, Lacca, Benzoe, Storax, Katechu, Ambra, arabiſche Costwurz, Korallen, Spießglas, Schlangenholz, Feilen, Nadeln, Spiegelglas, Gläser, Brillen, Vögel und manche and·re in Japan nicht zu habende Sachen ein.
Der Gewinn war sehr ansehnlich; die Ausfuhr betrug wenigstens sechs Millionen Gulden, und bloß an Silber vier Millionen.
Auf der Holländer eigenes Begehren, wurde der Handel mit Silber in Handel mit Kupfer verwandelt, weil damals auf Kupfer mehr zu verdienen war.
Den ärgsten Stoß, scheint der Handel der Holländer 1672 bekommen zu haben, und zwar durch den Hass, welchen Inaba Mino, Mitglied des Staatsraths, und Güns·ling des frommen Kaisers Daijojin, gegen die Holländer gefasst hatte.
Dieser übte seine Rache durch einen seiner Anverwandten aus, der zum Statthalter zu Nagasaki bestellt wurde.
Letzterer ließ von allen Waaren, welche in dem Jahre mit den Schiffen nach Japan gekommen waren, Proben holen, die er den Kaufleuten zeigte, und wobei er diese befragen ließ, sowohl wie viel sie dafür zu geben dachten, als auch wie viel sie davon verlangten.
Darauf bot er den Holländern für diese Waren viel weniger, und stellte ihnen frei, sie wieder mitzunehmen, wenn ihnen dieses nicht ansteh·e.
Seit der Zeit wurde der Preis der Waren von Jahr zu Jahr· heruntergesetzt, und der Wert des Japanischen Geldes erhöh·t.
Man beschwerte sich zwar hierüber, und der holländische Handel wurde in so fern wieder frey gegeben, daß die Waaren für den höchsten Both verkauft werden durften, aber die ganze Verkaufssumme wurde im Jahr 1685 auf 300,000 Thail eingeschränkt.
···Vom Kupferhandel merke ich noch folgendes an.
Das Kupfer wird auf einer großen holländischen Waage gewogen.
Auf jedes Pickel geben die Japaner ein Katje Übergewicht, wovon die Administratoren zu Batavia, welche das Kupfer in Empfang nehmen, den fünften Teil bekommen.
Von den übrigen vier Fünftheilen bekommt der Schiffskapitain zwei Drittheile und der erste Steuermann ein Drittheil, damit diese, weil sie für das Gewicht einstehen müssen, nicht leiden.
Weil aber die Japaner, (·dies halten sie für keine Sünde,·) während sie die Kupferkisten nach der Brücke tragen, so viel sie können, davon stehlen, so verlieren jene doch jährlich dabei.
Im vorigen Jahre war der Capitain um zwei und fünfzig Pickel zu kurz gekommen.···
Dieses Jahr wurde von einem der Capitaine, vermutlich in der Absicht, es von den Chinesen zu Batavia gut bezahlt zu bekommen, auch eine Partie· Eisen ausgeführt.
Sechster Abschnitt.
Von den Waffen, den Speisen und Getränken der Japaner; wie auch noch verschiedenes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Münzen, Kleidung und dergleichen.
Die Waffen der Japaner bestehen in Bogen und Pfeil, Säbel, Piken und Flinten.
Die Bogen sind sehr groß und die Pfeile lang, so wie bei den Chinesen.
Wenn im Gefechte diese Bogen gespannt und abgeschossen werden sollen, so legt sich der Haufe·, welcher eine Schaar oder Abteil·ung· ausmacht, allezeit auf ein Knie, und kann daher keine geschwinde Schüsse tun.
Im Frühling· kommt ein Teil der Truppen zusammen, um sich im Bogenschießen nach dem Ziele zu üben.
Schießgewehr gebrauchen die Japaner gewöhnlich nicht.
Ich habe auch nur bei den Vornehmen, Büchsen und Flinten gesehen, die an einem besonders dazu eingerichteten und erhöhten Orte in ihrem Audienzzimmer standen.
Der Lauf dergleichen war von gewöhnlicher Länge, der Schaft hinter dem Schlosse aber sehr kurz, und, so viel ich in der Entfernung wahrnehmen konnte, waren es Luntenflinten.
An einigen ist das Schloss von Kupfer.
Ich habe nie einen Japaner ein Schießgewehr abfeuern gesehen, ob ich gleich auf der holländischen Factorey einigemal in der Nähe der Stadt einen Schuß hörte.
Die Dolmetscher erzählten mir, daß man hier zu Lande die Buchsen, weil sie ihrer Kürze wegen nicht gegen die Schulter gesetzt werden können, gemeiniglich gegen die Backe setzt, welches mir gleichwohl gar sonderbar vorkommt.
Zu Nanga-sa·ki findet man zwar einige, die sie ehemals den Portugiesen weggenommen haben, doch werden die Schiffe damit nicht saluti·rt.
Die Japaner verstehen wenig davon, sie zu handhaben, und wenn sie ja bisweilen, welches gewöhnlich zu Nangasa·ki alle vier Jahr geschieht, damit schießen wollen, um sie zu reinigen und zu probi·ren, so vers·eht sich der Stückjunker mit einer langen Stange, woran er die Lunte befestigt, und hält doch manchmal das Gesicht weg, wenn er die Kanone losbrennt.
Der Säbel ist ihr vornehmstes und hauptsächlichstes Gewehr, den auch, die Bauern ausgenommen, jedermann beständig an der Seite trägt.
Er ist drei Fuß lang, etwas wenig·· gekrümmt, und hat einen dicken Rücken.
Die Klingen sind von unvergleichlicher Güte, besonders werden die alten sehr hoch geschätzt.
Sie übertreffen an Güte die in Europa berühmten spanischen Klingen um vieles.
Ohne große Mühe und ohne der Schneide zu schaden, kann man einen Nagel damit durchhauen, und, wie die Japaner behaupten, einen Menschen mit einem Hieb, von oben bis unten spalten.
Unter sechs Kobang wird keine Klinge verkauft.
Die Säbel werden oft mit funfzig, siebzig, ja wohl hundert Taler· bezahlt; und machen das vornehmste und liebste Eigentum eines Japaners aus.
Das Gefäß ist mit einer starken runden Platte versehen, und ohne Bügel, übrigens manchmal eine ganze viertel Elle lang.
Es ist etwas rundlich, oben am Ende ganz platt als wenn es abgehauen wäre, und mit Haifischhaut überzogen.
Diese Haut hat viele, kleine und große, Unebenheiten und Erhöhungen, und ist wie Chagrin; die Holländer haben dergleichen ehemals in Menge hie·her gebracht, und sehr teuer, oft das Stück für fünfzig bis achtzig Kobang, den Kobang zu sechs Reichstaler gerechnet, verkauft.
Um diesen Chagrīn werden seid·ne Schnüre schräge über·einander gewunden, so, daß derselbe in Form von Rauten durchscheint.
Die oben genannte Platte ist dicker als ein Speziestaler, und mit erhobenen Figuren geziert, auch wohl künstlich durchbrochen.
Die Scheide ist dick und etwas platt, und läuft gar nicht spitz zu, sondern ist unten ganz breit.
Bisweilen ist sie auch mit dem feinsten und zwar lackierten Chagrin· überzogen, bisweilen aber bloß von Holz, und entweder ganz schwarz lacki·rt, oder mit weißen Flecken marmori·rt.
Manchmal ist sie auch mit einem oder zwei silbernen Ringen beschlagen.
An der einen Seite ist, nach vorn, ein kleines Stück angesetzt, worin ein Loch ist, in welchem eine dicke, gewöhnlich schwarze, bisweilen aber auch gelbe oder grüne, seid·ne Schnur befestigt wird, die dazu dient, den Säbel, wenn man will, festzubinden.
An der inner···en Seite des Griffs ist ebenfalls ein Loch, worin ein Messer von der Länge einer Viertelelle steckt.
Ein eigentliches Gehenk gebrauchen die Japaner nie, sondern sie stecken die Säbel allezeit in den Gürtel an die linke Seite, und zwar so, daß die Schneide nach oben zu gekehrt ist; die in Kämpfers Beschreibung befindliche Abbildung eines Japaners, ist in diesem Punkt ganz unrichtig, denn dort ist der Säbel auf europäische Manier, mit der Schneide nach unten zu gekehrt, vorgestellt, welches aber gerade umgekehrt sein muß.
Alle die in öffentlichen Staats- oder bürgerlichen Ämtern stehen, sowohl, als die Officiere der Soldaten ohne Unterschied, tragen stets zwei solcher Säbel, wovon der eine ihr eigener, und der and·re ihr sogenannter AmtsSäbel, und allezeit länger als jener ist.
Beide werden im Gürtel an einer und derselben Seite getragen, und stecken etwas kreuzweise über·einander.
Wenn sie ins Zimmer kommen und sich niedersetzen, legen sie den Amts·äbel gemeiniglich ab, und entweder an die Seite, oder vor sich hin.
Die Dolmetscher tragen nur Einen Säbel, die Banjosen aber zwei.
Von den Speisen und Getränken der Japaner, ihren Mahlzeiten und der Art wie sie zu Tische sitzen, ist außer dem bereits im ersten Teile gelegentlich davon gesagt··, noch folgendes anzuführen.
In Ansehung der Menge und Mannichfaltigkeit essbarer Sachen, die in Japan und in dem Meere umher, zu finden sind, und theils von der Natur hervorgebracht, theils durch Kunst zubereitet werden, möchte dies Land vielleicht alle and·re bisher bekannte Länder übertreffen.
Die Japaner bedienen sich sogar zu ihrer Nahrung, nicht nur solcher Sachen, die an sich gesund und nahrhaft sind, sondern sie wissen auch fast Alles, selbst das giftigste, unschädlich und genießbar zu machen.
Der Reis, welcher in Japan vortrefflich, sehr weiß und wohlschmeckend iſt, dient den Einwohnern ſtatt des Brodts; zwar backen ſie kein Brodt davon, aber ſie eſſen ihn dick gekocht zu allen ander·n Speiſen, wie wir das Brodt.
Die schon verschiedentlich erwähnte Misoſuppe ist ihr gewöhnliches und mehr als tägliches Gericht, das sie bey jeder ihrer Mahlzeiten, folglich oft dreymal des Tages, essen; sie wird vom Mehle der Sojabohnen, welche Miso heißen, mit Fischen und Zwiebeln gekocht.
Fische werden teils gekocht, teils in Öl gebraten.
Zu ihren vorzüglichen Fischen gehört der sogenannte Tay, den die Holländer Steinbrachsen nennen (·Sparus saxatilis), dieser wird hier sehr teuer bezahlt, und nur zu festlichen Gastmahlen gekauft; wie auch der sechsstreifige Barsch (·Perca sexlineata·), eine gewisse Art aus dem Geschlecht der Umberfische (·Sciena·), und die Borstenfloß·e, (·Clupea Thriſſa·), ein mit den Heeringen verwandter Fisch, der so fett ist, daß er dem besten europäiſchen Heringe gleich kommt.
Lachs· findet man nur in der Nähe der Fakonieberge; sie sind aber weder so groß, noch so wohlschmeckend, als in Europa.
Arme Leute essen auch Wallfischfleisch, ob es gleich sehr grob ist; es sieht roth und widerlich aus; in den Städten hängt es, wie bei uns Rindfleisch, im Fleischscharren, zum Kauf.
Taschenkrebse und Krabben, wie auch Austern und verschiedene Gattungen andere Muschelthiere werden ebenfalls gespeiset; die Austern aber nie anders als gekocht oder gestoßen.
Federvieh, und zwar Hühner und Gänse, auch wilde Enten und ähnliche wilde Wasservögel, werden ebenfalls häufig gegessen.
In Suppen, Brühen und zu ander·n Speisen braucht man unter ander·n verschiedene Gattungen Champignone oder Blätter schwämme, (·Agaricus·) Melanzanäpfel, Batatten, gelbe Wurzeln oder Möhren, verschiedene Arten Lauch und Zwiebeln, und viele Arten Bohnen, wie auch die Bambowurzel; vorzüglich häufig aber doch die Champignone und Murcheln, die man daher in allen Kramläden getrocknet zum Kauf antrifft; eingesalzene Trüffel· werden eben so gebraucht, imgleichen die Stengel vom essbaren Aron (·Arum esculentum·), und die Wurzeln vom gemeinen Pfeilkraut· (·Sagittaria sagittata.·)
Die Sojabruhe, welche in ganz Japan täglich, beynahe zu allen Gerichten, genommen wird, und die man auch schon in Europa zu gebrauchen angefangen hat, wird von den oben beschriebenen Sojabohnen und Salz, nebst Gersten oder Weizen, zubereitet, und zwar auf folgende Art:
Die Bohnen werden gekocht, bis sie weich geworden sind; alsdann wird eben so viel gestoß·ner Weizen oder Gersten dazu gethan, das Ganze gehörig durcheinander gemischt, wohl zugedeckt, und 24 Stunden lang auf eine warme Stelle gesetzt, damit es gähre.
Darauf wird eben so viel Salz hinzugethan, drittehalbmal so viel Wasser darauf gegossen, und alles wohl durcheinander gemischt, in ein irdenes Gefäß gethan, worin es, gut zugedeckt, ganze zwei bis drei Monate stehen, anfangs aber einige Tage nach einander mehrmals umgerührt werden muß.
Alsdenn wird der Saft ausgedrückt und gesie·ht, und darauf in hölzernen Gefässen aufbewahrt.
Die Soja wird nicht in allen Gegenden gleich gut gemacht; sie wird aber auch, je älter sie wird, desto klarer und besser.
Die Farbe ist allezeit braun, und die vornehmste Eigenschaft der Soja ist die angenehme Salzigkeit, die sie hat.
Da man im ganzen Lande weder Rohm und Butter, noch Talg und Schmalz hat, so sind die Einwohner genöthigt, allerhand frische Öle zur Zubereitung der Speisen zu gebrauchen.
Besonders wird der feinere Öl vom Sesam (·Sesamum·) zu diesem Ende gebraucht, auch brätet man die Fische darin.
And·re Oele dieser Art, werden aus dem Saamen der Camellie ( Camellia japonica, Tsubaki ) der Bignonie ( Bignonia tomentosa, Kiri ), der Dryandra cordata, ( Abrasin ), der Melia oder Zederach ( Azedarach, Melia ) und ander·n, bisweilen auch wohl aus dem Saamen des unächten Firnisbaums ( Rhus succedanea ), des gemeinen Eibenbaums ( taxus baccata ) und des Gingko, gepreßt.
Die vielen vortref·lichen Früchte, welche die Japanischen Gärten auf den Nachtisch liefern, habe ich oben genannt.
Gewöhnlich essen die Japaner dreimal des Tages, um 8 Uhr des Morgens, um 2 Nachmittags, und um 8 Abends.
Einige essen aber auch ohne eine gewisse Ordnung, wenn sie hungrig sind, und in solchen Häusern muß das Essen fast den ganzen Tag fertig stehen.
Alles was entzwei geschnitten gegessen werden muß, wird vorher, ehe es gekocht wird, in kleine Stücke zerlegt, darauf sehr mürbe und gar gekocht, und mit wohlschmeckenden Brühen zubereitet.
Dies gibt nicht nur dem Gericht· den besten Geschmack, sondern erspart auch bei Tische die Mühe des Vorschneidens und Zerlegens.
Wenn es zu Tisch· geht, setzt jeder sich auf die weichen Fußbodenmatten nieder.
Vor jeden wird ein kleiner viereckiger Tisch hingesetzt, auf welchen hernach von jedem Gericht· eine Portion (·die Portionen sind schon in der Küche für jeden abgetheilt·) aufgetragen wird, und zwar in den saubersten entweder porcellainen· oder lackierten hölzernen· Gefässen.
Diese Gefässe haben die Gestalt von Schalen, oder mittelmässigen Spühlknäpfen, und jedes ist beim Auftragen der Speisen mit einem Deckel zugedeckt.
Das erste Gericht ist gewöhnlich Fische mit Fischsuppe.
Die Suppe wird aus der Schale getrunken.
Die entzwei geschnittenen Stücke vom Fische, werden mit zwei kleinen lackierten, hölzernen, vorn zugespitzten Stäbchen oder Pinnen gegessen, welche die Japaner so geschickt und behände zwischen die Finger der rechten Hand fassen, daß sie das kleinste Reiskorn damit sehr nett aufnehmen, und sie sehr bequem nicht nur als Gabel, sondern auch statt des Löffels gebrauchen können.
Sobald ein Gericht verzehrt ist, wird die Schale weggenommen, und eine and·re an deren Stelle ···gesetzt.
Das letzte Gericht wird in einem blauen porzella·nen·· Napf· aufgetragen, der ebenfalls mit einem Deckel versehen ist.
Ein Bedienter bringt das Essen herein, setzt es, indem er auf die Knie niederfällt, auf den kleinen, niedrigen Tisch, und nimmt es auch wieder weg.
Wenn mehrere zusammen essen, so machen erst alle einander mit einer tiefen Verbeugung ihr Compliment, ehe sie anfangen zu essen.
Nach jedem Gericht· trinken sie warmen Sakki, der aus einem Teekessel in flache lackierte hölzerne T·eeschälchen gegoss·en·· wird, dabei essen sie auch zwischen durch ein Viertel von einem hart gekochten Ei·.
Bisweilen bringen sie auch wohl eine Gesundheit aus.
In Sakki und Tee besteht alles künstliche Getränk der Japaner.
Wie manche·ley hat dagegen nicht der Europäer!
Wein und destillierte Liqueure trinken sie niemals, und wenn die Holländer ihnen dergleichen anbieten, wollen sie kaum davon kosten.
Den Geschmack des Kaffees kennen kaum einige Dolmetscher, und Branntwein wird bei ihnen gewiß nie ein Bedürfnis werden.
Auch in diesen Rücksichten haben sie sich also von den Europäern noch nicht anstecken lassen.
Ehe als von ander·n etwas anzunehmen, das für sie wirklich von Nutzen und Bequemlichkeit sein könnte, wollen sie lieber ihre uralte Lebensweise in ihrer Reinheit beibehalten, um nicht un···merkt auch etwas bei sich einreiß·en zu lassen, das ihnen mit der Zeit unnutz oder schädlich werden möchte.
Sakki ist eine Art Bier, das die Japaner von Reis brauen.
Es ist ziemlich klar, und sieht fast wie Wein aus, hat aber einen eigenen, ganz besonderen Geschmack, der eben nicht für angenehm gelten kann.
Wenn er frisch ist, ist er mehr weiß, wenn er aber eine Weile auf kleinen hölzernen Fässern gelegen hat, wird er sehr braun.
Dieses Getränk ist in allen Wirtshäusern, wie der Wein auf allen Kellern in Europa, zu Kauf, und macht ihr Vergnügen bei Schmausen und Gastmalen und in fröhlichen Stunden aus.
Bequoterte trinken es auch wie Tischwein bei den gewöhnlichen Mahlzeiten.
Die Japaner trinken es niemals kalt, sondern es wird in gewöhnlichen T·eekesseln warm gemacht, aus diesen in T·eescha·len oder flache Tassen geschankt, und so ganz warm getrunken; daher werden sie denn auch sehr bald davon erhitzt und betrunken; der ganze Rausch verschwindet aber auch in einigen Minuten, und lässt gewöhnlich sehr unangenehmes Kopfweh zurück.
Die Holländer nehmen Sakki als eine Handelsware mit nach Batavia, trinken ihn da aber aus Weinflasche·n vor der Mahlzeit, um den Appetit zu reizen, wozu sie den weißen, weil dessen Geschmack nicht so widerlich ist, vorziehen.
Tee wird im ganzen Lande getrunken, um den Durst zu löschen.
Daher hängt in allen Häusern, besonders in allen Gasthöfen, Wirthshäusern und Krugen, den ganzen Tag hindurch, ein Kessel mit kochendem Wasser und fein gemahlenen Thee übern Feuer, aus welchem der braune Decoct, wenn davon getrunken werden soll, herausgegoſſen, und mit kalten Wasser aus einem ander·n Kessel zu gleicher Zeit verdünnt und abgekühlt wird.
Bei den Vornehmen wird den Fremden, welche Besuch bei ihnen machen, allezeit grüner Tee eingeschenkt; mit solchem werden auch die Holländer bei den Reichsräthen und ander·n vornehmen Beamten, denen sie die Aufwartung machen, reguliert.
Dieser Tee ist frisch, und dabei ist er ganz fein gemahlen.
Er wird, nachdem siedend heißes Wasser in die Kanne gegossen ist, hinein gethan, und so wie bei Schokolade gebräuchlich ist, mit einem dünnen Holzchen umgerührt, und so in die Tasse eingeschenkt.
Er muss sogleich getrunken werden, sonst setzt sich das grüne Pulver, wenn ich es so nennen kann, auf dem Boden.
Kein Vornehmer tut eine etwas weite Reise, ohne einen lackierten Kasten bey sich zu führen, der von einem Kerl getragen wird, und worin unterweges auf der Landstraße Wasser gekocht und kochend gehalten wird, und gemahl·ner Thee, Theetaſſen, und alles nöthige Zubehör beyſammen ist.
Taback haben die Japaner in alten Zeiten nicht geraucht, sondern ohne Zweifel sind die Portugiesen die ersten gewesen, welche diesen Gebrauch bei ihnen eingeführt haben.
Jetzt raucht in Japan sowohl das männliche, als das weibliche Geschlecht.
Einen ander·n Namen als Tabacko haben die Japaner nicht für dieses Gewächs.
Den Taback, welchen sie rauchen, bauen sie im Lande selbst, und es ist der gewöhnliche (·Nicotiana Tabacum·).
Sie schneiden ihn sehr fein, fast wie ein Haar.
Ihre Tabakspfeife ist klein, wenig über eine Viertheilelle lang, von lackiertem Bambus, mit kupfernen Mundstücken und kupfernen Kopf·.
Dieser ist so klein, daß nur ein halber, oder oft nur ein Dritt·e·l Fingerhutvoll hineingeht.
Siehe die Kupfertafel, II. Fig. 5 a. Den Taback drehen sie ein wenig mit den Fingern, und stopfen ihn so ein.
Eine solche Pfeife ist mit einigen wenigen Zügen ausgeraucht, worauf sie ausgeklopft und wieder vollgestopft wird; und dies wiederholt man mehrmals nach·einander.
Den Rauch blasen sie nach jedem Zuge durch Nase und Mund aus; die Vornehmen bedienen sich beim Rauchen allezeit folgender Vorrichtung.
Für jede Person in der Gesellschaft wird ein längliches, anderthalb Viertelellen langes, eine Viertelelle breites und drei Finger hohes Kä·tchen, das braun oder schwarz lakki·rt ist, hin-gesetzt.
In dies Kästchen werden Pfeifen und Taback gelegt, und drei Tassen hineingesetzt, die beim Rauchen folgendermaßen gebraucht werden.
Die eine davon, welche gewöhnlich von dickem Porzella·n, oder von lackiertem Holz· und inwendig mit Messing überzogen ist, ist mit Asche angefüllt, worin eine brennende Kohle liegt, um die Pfeife anzuzünden; die and·re dient dazu, die Taba·kspfeife darin auszuklopfen; wenn dies geschehen ist, pflegen sie ein paarmal hinein zu spucken, um die glimmende Asche auszuloechen.
In die Dritte spuckt man während des Rauchens.
Wenn man einen Besuch bekommt, so ist dieser Apparat das erste, das dem Fremden vorgeleg·t wird.
Manchmal hat ein solches Kästchen auch einen Deckel, der mit einem Bande fest gebunden wird, und man lässt es sich von einem Bedienten nachtragen, wenn man zu jemand geht, von dem man mit Taback bewirthetet zu werden nicht erwartet.
Geringe Leute tragen Pfeife und Taback gemeiniglich selbst bei sich, wenn sie ausgehen.
Die Pfeife steckt alsdenn in einem Futteral· von seidenen Zeug, Fig. 5. b. und wird an der rechten Seite in den Gürtel gesteckt.
Der Tabacksbeutel (·auf der Kupertafel Fig. 5. c.·) ist kaum eine Hand breit, und etwas kürzer, oben mit einer Klappe versehen, die mit einem kleinen elfenbeinernen Haken zugesteckt wird.
Dieser Beutel wird vermittelst einer seidenen Schnur und einem kleinen Knopfe von Carneol, oder Agat, am Gürtel befestigt, getragen.
Er ist gewöhnlich von einer eigenen Art, mit silbernen und goldenen Blumen durchwirkten, seidenen Zeuges.
Zum Wagen bedient man sich allgemein der Schnellwaage, an welcher eine Wageſchaale hängt, worauf das, was gewogen werden soll, gelegt wird; an der Stange der Wa·ge hängt, vermittelſt einer Schnur, ein Gewicht, das vor und rückwärts geschoben werden kann.
Kaufleute führen dergleichen kleine Schnellwagen von Elfenbein, entweder allein oder in einem Kästchen, bei sich.
Im erste··n Falle haben sie ein besonderes Futteral dazu; auf der zweiten Kupfertafel stellt Fig. 6. eine solche Schnellwaage vor; a. die Wa·ge selbst, b. die Wa·gschale mit den Schnüren woran sie hängt; c. das Gewicht auf gleiche Art hängend; d. die Bänder oder Schnüre, woran man die Waage beym Wegen hält; e. das Futteral, welches sich bequem zuzusammenlegen lässt.
Um ganz kleine Sachen zu wägen, bedienen sie sich einer besonderen Art Waage, die auf einer sehr elastischen Feder ruhet, auch die kleinste Veränderung des Gewichts sehr genau anzeigt, und ungemein bequem zu gebrauchen ist. Taf. II. Fig 7. stellt eine solche elastische Waage vor.
Zum Rechnen bedienen sich die Japaner eines Rechenbretts, auf welchem sie jedesmal bis zehn zählen.
Die Rechenkugeln, oder Steine, werden auf Eisendrath· hin und her geschoben, und bezeichnen die Einer und die Zehner.
Die Kaufleute pflegen ein solches Rechenbrett, in dem (·Seite 47·) beschriebenen Kästchen mit Schreibgerätschaften und Waage, bei sich zu führen.
Außer dem was ich an seinem Orte, in einem eigenen Abschnitt·, von den japanischen Münzen gesagt habe, ist noch folgendes davon zu merken.
Überhaupt sind die japanischen Münzen einfach, schlecht und recht, geprägt.
Die wenigsten haben einen erhobenen Rand, oder etwas von den Verzierungen europäischer Münzen.
Auch haben die meisten keinen genau bestimmten Wert.
Aus dieser Ursach· werden sie fast allezeit von den Kaufleuten gewogen, welche alsdenn auch ihr Zeichen darauf setzen, um anzudeuten, daß das Stück vollwichtig, vollgültig und unverfälscht ist.
Die größte gold·ne Münze im ganzen Lande heißt Obang.
Sie ist eher für eine Schaumünze, als für Geld zu achten.
Im Handel und Wandel ist sie nicht üblich, man findet sie auch selten bei Kaufleuten oder and·ren Privatpersonen.
Sie besteht aus einem länglich runden flachen und dünnen Goldstück, das nicht dicker als ungefahr ein Pfennig ist.
Auf der einen Seite ist sie mit seinen abgebrochenen Querstreichen· und mit vier Stempeln an den vier Seiten· bezeichnet: jeder Stempel stellt das Wappen des Dairi vor.
Auf die and·re Seite, welche glatt ist, werden im Namen desjenigen Provinzialfürsten, welcher sie schlagen lassen, verschiedene große schwarze Buchstaben geschrieben, die beynahe oben in der Mitte anfangen, und unterwärts fortgehen.
Diese Inschrift versichert den Besitzer von ihrer Richtigkeit, und muß daher, sobald sie verwischt ist, durch den Sekretär des Fürsten der Provinz erneuert werden, wofür ein Itjib bezahlt wird.
Eine solche goldene Münze gilt zehn alte Kobang.
Es sind fast nur die Fürsten und Staatsräthe, welche dergleichen besitzen und ausgeben.
Sie pflegen damit ein Geschenk zu machen, wenn sie and·re schickliche Geschenke nicht bei der Hand haben.
Sie stellen alsdenn ein Ehrengeschenk vor, weil diese Herren es ihrer Würde nicht gemäß halten, gewöhnliche Kobang, wenn gleich vom nämlichen Werth, zu schenken.
Ich habe am angeführten Orte bemerkt, daß auf einigen von den silbernen Münzen, welche Kodama heißen, das Bild des Gottes des Reichtums zu sehen sey.
Dieser Gott heißt Daikokf, und wird auf zwei Reistonnen sitzend, mit einem Hammer in der rechten Hand, und einem Sacke zur linken Seite, vorgestellt.
Die Japaner schreiben ihm die Macht zu, allenthalben, wohin er mit seinen Hammer schlägt, alles, was ihm gut dünkt, Reis, Esswaren, Kleidungsstücke, Geld, und so weiter herausholen zu können.
Ich habe dort auch des Aufreihens der eisernen und kupfernen Seni auf Schnüre, erwähnt.
Gewöhnlich zieht man deren sechs und neunzig, bisweilen auch wohl hundert auf eine Schnur.
Im letzter·n Falle heißt eine solche Schnur Kwurokkufjakf, und beträgt an Werth 1 Mas 5 Konderyn, im erſter·n Falle heißt sie Metatsjakf.
Selten sind in einer Schnur alle von einer Art, sondern gewöhnlich von zwei, drei, oder mehr Sorten durcheinander.
Alsdenn werden die großen Seni zuerst an das eine Ende, und die Kleineren hernach an das andere gereiht.
Die Anzahl der Seni wird desto kleiner, je stärker die Anzahl der großen ist, weil diese mehr als jene gelten.
Dergleichen Schnüre oder Bündel von Pfennigen, liegen oft in den Krambuden, sowohl in den Städten, als auf dem Lande, zum Dienste der Reisenden fertig, welche dadurch in Geschwindigkeit Scheidemünze einwechseln können, ohne auf das Zählen Zeit wenden zu dürfen.
Zu Na·gasa·ki gebraucht man im Handel und Wandel auch chinesische Pfennige, welche sich durch ihre gelbe Farbe und durch die chinesischen Buchstaben unterscheiden, übrigens aber in allen Stücken den japanischen gleichen.
Bei dieser Gelegenheit will ich einige sehr alte, ehemals im Gange gewesene, japanische Münzen beschreiben, die einer meiner Freunde unter den Dolmetschern, Namens Kosack, die Gefälligkeit gehabt hatte, für mich zu sammeln, und mir als eine große Rarität schenkte.
Es sind alle· Seni von rothem Kupfer, an Größe und Dicke den ander·n gleich, auch eben so in der Mitte mit einem viereckt·en Loch· versehen, aber mit ander·n Buchstaben bezeichnet.
Einer davon soll 1135 Jahr alt, und der Ursprung des in Japan gebraüchlichen Längenmaßes sein, indem der Durchmesser eines solchen Pfennigs genau einen hiesigen Zoll beträgt, auf der Rückseite hat er gar keine Inschrift.
Ein anderer ist, der Angabe nach 758, der dritte 748, der vierte 718, der fünfte 651 und der siebente 596 Jahr alt.
Alle diese haben auch eine ganz leere Rückseite.
Dem siebenten schreibt mein Dolmetscher ein Alter von 566 Jahren zu; auf der umgekehrten Seite sind zwei Charaktere zu sehen.
Das angegebene Alter· ist nach dem Jahr 1776 angesetzt, in welchem ich sie, jeden mit einem Zettel, worauf sein Alter bemerkt war, und besonders in Papier gewickelt, bekam.
Die Petschen·· der Japaner sind von Horn, und zwar oft sehr sauber und fein gearbeitet.
Sie drücken es aber nicht in Lack oder Oblaten, sondern bedienen sich einer Schwärze dazu.
Diese wird von gestoßenen· und mit Tusche durcheinander gemischten Saamen des Wunderbaums (·Ricinus·) gemacht.
Das auf diese Art verfertigte Pulver, wird in eine Dose gelegt, worüber ein seidenes Tuch gedeckt wird, das mit Öl bestrichen ist, damit das darunter liegende Pulver davon befeuchtet werde.
Wenn die Japaner nun das Pettssch·ft gebrauchen wollen um etwas zu unterſiegeln so drücken sie es erst in diese Dose, und hernach aufs Papier.
Dies Pulver vertritt also die Stelle der Buchdruckerschwärze.
Das seidene Tuch muss, so oft die Schwärze trocken wird, von neuem mit Öl angefeuchtet werden.
Das Öl, welches die Leute in Japan gewöhnlich in den Lampen brennen, ist Rübö·······l.
Die Matten, womit durchgängig die Fußböden der Zimmer bedeckt sind, werden meistens in den inner·n Provinzen des Reichs, aber nicht in allen von gleicher Güte verfertigt.
Die besten werden von der Art Binſen, welche wir Flatterſimſen ( Juncus Effuſus ) nennen, gemacht, ganz dicht und sehr sauber geflochten, und hernach auf der oberen Seite mit Reisstroh, zwei bis drei Finger dick gefuttert oder gefüllt.
Damit die Matten nicht gelb, sondern weisslich aussehen mögen, werden die Binsen nicht selten vorher an die Sonne gelegt und gebleicht.
Von der Kleidertracht und dem übrigen Anzuge und Putze der Japaner habe ich in einem eigenen Abschnitt· des ersten Teils dieses zweiten Bandes das Notwendige gesagt, da ich aber die dahin gehörigen Abbildungen erst diesem zweiten Teile habe beifügen können, so will ich hier die Nachweisung auf dieselben einschalten.
Zu Seite 176, (·imgleichen 183, 184·)· gehört die vierte Figur der ersten Kupfertäfel, wo eine japanische Dame in ihrem gewöhnlichen Anzuge und Putze vorgestellt ist.
Auf der dritten Kupfertafel zeigt die achte Figur die Schuh oder Pantoffeln von Stroh, wie die Japaner sie gewöhnlich, und die neunte Figur, wie sie auf Reisen sie tragen.
Seite 177, habe ich einer Arzneidoße erwähnt, welche die Japanischen Ärzte nebst ander·n Sachen im Gürtel bei sich zu tragen pflegen.
Sie ist in mehrere über·einander stehende Fächer, oder kleine Laden oder Schachteln, abgetheilt; zu beiden Seiten geht eine Schnur durch, wodurch dieselben zusammen gehalten werden; an dieser sitzt oben eine Kugel oder großer Knopf, womit die Dose am Gürtel befestigt wird.
Die zehnte Figur stellt eine solche Medizinschachtel vor; a. die Schachtel selbst, b. die Schnur, c. der Knopf.
Ein Japanisches Schermesser· oder Rasiermesser, nebst dazu·gehörigem Futteral, ist Figur 11 abgebildet. a. ist das Messer, b. das Futteral zu zwei Schermessern.
Um die Zähne und Ohren zu reinigen, welches sie sehr fleißig tun, haben sie allerhand Instrumente und Gerätschaften, die sie in einem Etui bei sich zu tragen pflegen.
Auf der vierten Tafel ist Figur 12 eine Zahnbürste, die aus weichem Holze gemacht ist; Fig. 13 a. a. a. a a. a. a. die sämtlichen Instrumente zum Reinmachen der Ohren und Zähne; b. b. das Etui, welches von Horn zu sein pflegt, c. die Schnur, womit es am Gürtel befestigt wird, d. Zierrathen von Seide, welche daran befindlich sind.
Die strohernen Schuh, welche man hier zu Lande den Pferden anzieht, anstatt sie zu beschlagen, habe ich im 1sten Teile dieses zweiten Bandes, Seite 210. beschrieben, Fig. 14. ist eine Abbildung davon.
Ehescheidungen fallen in Japan bisweilen vor, doch geschieht dies nicht häufig.
Je mehr Töchter jemand hat, und je schöner diese sind, für desto reicher hält er sich; denn der Freier muß dem Schwiegervater Geschenke geben, ehe er seine Tochter zur Braut bekommt.
Obgleich die Unzucht ein allgemein herrschendes laster ist, so wird doch auch die Keuschheit bey Vereh·lichten und Unvereh·lichten, vom weiblichen Geschlechte oft so heilig gehalten, daß solche die zu Fall gekommen waren, sich manchmal selbst das Leben nehmen.
Es gibt Männer, die sich Maitressen zulegen; diese letzter·n werden wie Magde im Hause gehalten, und die mit ihnen gezeugten Kinder können nicht vom Vater erben.
Was den Charakter der Japaner betrifft, so ist es zwar gewiss, daß sie im Allgemeinen ernsthaft sind, und Hang zum Vergnügen kein herrschender Zug in ihrer Gemütsart ist; Doch wird man aus allem was bisher von ihnen gesagt worden ist, gesehen haben, daß es ihnen deshalb an Vergnüg···en, Zeitvertreiben und Lustbarkeiten keineswegs gänzlich fehlt.
Sieb··ter Abschnitt.
Von der Japanischen Sprache.
Im achten Abschnitt· des ersten Teils, kommen außer dem kleinen Japanischen Wörterbuche nur einige wenige Bemerkungen über die Japanische Sprache vor.
Die übrigen, und bey weitem mehreren und wichtigeren hat der Verfasser in die Abhandlungen der Societät der Wissenschaften zu Upsala, fünfter Teil, Seite 257. einrücken lassen, aus welchen sie hier mitgeteilt werden.
A. d. Üb.
In keiner Sprache werden wohl die Buchstaben, sowohl im Schreiben als Sprechen, mehr mit·einander verwechselt, als in dieser.
Außer R und L, und H und F, womit es vorzüglich oft geschieht, findet dies auch in Ansehung and·rer Buchstaben statt.
Außer den im ersten Teil· hie·von vorgekommenen Beispielen, will ich hier noch folgende anführen:
Achter Abschnitt.
Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrichten.
Eine förmliche Naturgeschichte von Japan zu liefern, würde für ein Buch, das nur eine Reisebeschreibung enthalten soll, viel zu weitläufig sein.
Ich will daher nur Einiges davon in der Kürze anführen um wenigstens von den diesem Lande eigenen Naturprodukten einen Begriff zu geben.
Was die Gewächse betrifft, habe ich dieselben in meiner 1784 herausgekommen·· Flora Japonica ausführlich beschrieben, wo ich zugleich den Nutzen und Gebrauch angegeben habe, den die Japaner in mancherley Rücksichten von den verschiedenen Arten der Bäume, Stauden und Kräuter, und ihren einzelnen Teilen, zu machen wissen.
Auch habe ich in dieser Reisebeschreibung selbst das Merkwürdigste von den hiesigen Erzeugnissen des Pflanzenreichs und deren mannigfaltigen Benutzung theils gelegentlich, so wie mir auf der jed·er Reise dergleichen aufge stoßen ist, theils bey Erzählung meiner botanischen Spaziergänge, bereits beschrieben.
Deshalb werde ich das Pflanzenreich jetzt ganz übergehen, und nur von den beiden ander·n Naturreichen noch das nachholen, was im vorhergehenden allenfalls nicht vorgekommen ist.
Die entweder sehr seltenen, oder in Europa gänzlich unbekannten Tiere, habe ich zum Teil schon in einzelnen akademischen Abhandlungen und Disputationen, einige auch mit beigefügten Abbildungen, beschrieben, und gedenke auf gleiche Art damit fortzufahren.
Von den Säugthieren kann ich folgende, als gewiss in Japan befindlich, angeben.
Der Wolf (·Canis lupus japanisch Okame·) dieser hält sich in den nördlichen Gegenden auf.
Der Fuchs (·Canis vulpes·), ein im ganzen Lande gefürchtetes Tier.
Der Hund (·Canis familiaris, japanisch Jamma ing·), sowohl zahm, als auch, wie man mir gesagt hat, wild; den letzter·n scheint man aber doch wohl mit dem Goldwolfe oder einer ander·n ähnlichen Gattung zu verwechseln.
Die Katze (·Felis catus·) findet sich in allen Häusern, und zwar von verschiedenen Farben.
Die Hausratze (·Mus· rattus·) treibt hier, wie in ander·n Ländern ihr Wesen.
Der Hase (·Lepus timidus·) und zwar von der grauen Art, wurde nicht selten nach unser·· Factorey und auf unser·n Tisch gebracht.
Der Stier (·Bos taurus·); in der Gegend um Miako sah ich Büffel mit Höckern auf dem Rücken große Karren ziehen; die Kühe aber, welche die Landleute bisweilen zum Pflügen des Feldes halten, sind sehr klein.
Das Pferd (·Equus caballus·) ist von mittelmäßiger Größe.
Das Schwein ( Sus firofa ) ist von der chinesischen Art. Walfiſche ( Balaena ) sah ich zu Nangaſacki auf dem Markte in den Fleischſcharren, in Stücken gehauen, zum Verkauf·; sie werden an der Küſte mit Harpunen gefangen, und außer dem Fleiſche wird auch der Fiſchbein und der Ambra davon gebraucht, den man nicht selten in dem Eingeweide findet, und den man mir auch einmal friſch und weich zeigte.···
Man sagte mir zwar, daß in den nördlichen und am wenigsten bewohnten Gegenden auch noch verschiedene andere Säugethiere, als Hirsche, Bären, Affen, und dergleichen anzutreffen wären; ich hatte aber keine Gelegenheit, sie weder lebendig, noch auch nur Felle davon zu sehen.
Von den Vögeln findet man sowohl Hühner als Gänse und Enten, zahm; in sehr, großer, oft ganz unglaublicher Menge aber halten dieselben sich wild auf dem Wasser zwischen den Inseln auf, wo sie vor schreckenden Schüß·en und vor Jägern, die ihrem Vergnügen nachgehen, sicher sind; andere halten sich im Lande und auf dem Felde auf; es fehlte mir inzwischen an Gelegenheit, eine Sammlung davon zu machen, weil ich weder selbst Schießgewehr gebrauchen durfte, noch mir eine solche Collection auf and·re Art verschaffen konnte.
Diejenigen welche ich mit einiger Gewißheit kennen gelernt habe, sind folgende: der Hahn und das Huhn ( Gallus ); der Rabe ( Corvus corax ); die Gans ( Anser ); die Federkappente ( Anas galericulata ); und die Winterhalbente ( Anas querquedula ), die in unsere Küche kamen; der weiße Reiher ( Ardea alba ) und der blaue Reiher ( Ardea major ); die dem Bauer auf dem Felde beim Pflügen und Graben nachfolgen; die Wachtel ( Tetrao coturnix ), der Dompfaffe ( Loxia pyrrhyla ) und der Reisfreß·er ( Loxia oryzivora ), ebenfalls aus dem Geschlechte der Kernbeiß·er, endlich die Haustaube ( Columba domestica ).
Amphibien findet man in diesem Lande sehr wenige.
Die ich sah, waren nur die Japanische Schildkröte (·Testudo japonica·); und die japanische Eidechse (·Lacerta japonica·).
Die Dolmetscher sagten mir zwar, daß auch Schlangen in Japan anzutreffen wären; ich habe aber nie eine Spur davon bemerkt.
Von Fischen habe ich eine Menge gesammelt, in Weingeist aufbewahrt und nach Batavia, Holland und meinem Vaterlande geschickt.
Es sind aber unterwegs mehrere davon verunglückt, und von dem Rest manche noch nicht untersucht; bis jetzt kann ich folgende angeben: die nebelfarb·ne, die bemahlte, die beringte und die gestreifte Muräne, (·Muraena nebuloſa, picta, annulata, faſciata·); der aschgraue Schlangenfiſch (·Ophichthys cinereus·); alle sehr schöne und merkwürdige Aal-Arten; eine Art Grundel (·Gobius patella·); der gefleckte und der schmalgestreifte Wels (·Silurus maculatus, lineatus·); der Japanische Schellfiſchteufel (·Callionymus japonicus·); der gepanzerte Umberfiſch (·Sciaena cataphracta·); der sechsfachlini·rte und der bunte Barſch (·Perca ſexlineata, picta·); der gemeine Lachs (·Salmo ſalar·); die Borſtenfloſſe aus dem Geſchlechte der Heringe (·Clupea thuriza·); der Tobackspfeifenfiſch (·Fiſtelaria tabacaria·); der Goldfiſch (·Cyprinus aureus·); der Seeflaſche und der gefleckte Stachelbauch (·Tetraodon hispidus, ocellatus·); das Seekätzchen aus dem Geſchlechte der Beinfiſche (·Oſtracion cornuttus·); das Seepferdchen (·Syngnathus hippocampus·); und der Krampffiſch (·Raja torpedo·).
Insekten waren für mich, sowohl auf unser·· Insel, als auch auf der Reise nach und von Jado, leicht zu bekommen.
Zum Teil waren sie mir bekannt, zum Teil aber völlig neu.
Hier sind ihre Namen: der japanische und der Vielfleck-Sonnenkäfer ( Coccinella japonica, quadripußtulata ); das Sonnenhähnchen und das Weidenhähnchen ( Chrysomela aestuans, pallida ); der Todtenfreund ( Dermeßtes violaceus ); der Japanische- und der Ketten-Sandläufer ( Cicindela japonica, catena ); der Kupferſchmidt ( Scarabaeus aeruginoſus, japaniſch Fama Muſi ); der europäiſche Dungkäfer ( Hiſter unicolor ); der großnaſige Erdfloh und der Stachelfloh ( Mordella naſuta, aculeata ); der Kräuterdieb ( Ptinus fur ); der Zwitterkäfer ( Melve proſcarabaeus ); der Blauſtrich und der Blaßenſchildkäfer ( Caſſida nobilis, veſicularis ); der Blumenkratzer aus dem Geſchlechte der Todtengräber ( Sylpha aeſtiva ); der Bauer, die Feuerglut, der zierliche und der Haubenſtinkkäfer ( Bupreſtis ruſtica, ignita, elegans, vittata ); das Stachelhorn ( Cerambyx rubus ); der japanische und der platte leuchtende Käfer ( Lampyris japonica, compreſſa ); der Rothflügel und der Uferräuber, beyde Raubkäfer ( Staphylinus erythropterus, riparius ); der große Ohrwurm ( Forficula auricularia ); die große, die ſprenkliche, die rauhe, die Knul-, die dreyeckte, die einpunkti·rte, die Walk-, die ſchmutzige, die chineſiſche, die braune, die Anker-, die gehörnte, die ſchwarze, die Kreuz-, die Colon-, die Wahrſag-, und die gefleckte Wanze ( Cimex grandis, guttigerus, hiſpidus, clavatus, trigonus, unipunctatus, fullo, ſordidus, chinenſis, brunneus, anchora, cornutus, niger, andreae, colon, augur, ocellatus ); der oſtindiſche, der deutſche und der Buſch- Kakerlak ( Blatta orientalis, germanica, gigantea ); der europäiſche Blattwandrer, der gefleckte und der großnaſige Geſpenſtkäfer ( Mantis religioſa, maculata, naſuta ); der langnaſigte Grashüpfer ( Grillus naſutus ) die Grille mit zwey Schwanzbürſten ( Acheta gryllotalpa ); der Streupunkt, der Rübenweißling, der Aderſtrich, das Hakenhorn, der Buttervogel, der Fenſterfleck, der Roſtflügel, der Erdpapilion, die Diſtelnymphe, und die chineſiſche Nymphe, ſämtlich aus dem Geſchlechte der Tagvögel ( Papilio argiolus, rapac, niavius, thrax, hecabe, proteus, arcanius, phlaeas, cardui, niphe ); der Todtenkopf ( Sphynx athropos ); der Glitſchfuß ( bombix lubricipeda ); der Seidenvogel, das griechische Chi, der Schwimmer, der Greiſflügel, der nämliche Nachtvogel, und der Liebling, ( Phalena mori, chi, nymphaeata, ſerunata, immutata, amatoria ); der Blattroller ( Tortrix viridana ); der Läuſefreſſer und die große Stinkfliege ( Hemerobius perla, grandis ); die Sumpfnymphe und die Flußnymphe, aus dem Geſchlechte der Jungfern ( Agrion puella, virgo ); die japanische Scorpionfliege ( Panorpa japonica ); die Honigbiene ( Apis mellifica ), die Wandweſpe ( Veſpa parietum ); die Schmeiſs-, die japanische, weißköpfige Fliege, der Kaiſer, die Honigfliege, der Triller, die Stuben-, die Miſt-, die Gallen- und die Regenfliege ( Muſca carnaria, japonica, albifrons, caeſar, mellina, vibrans, domeſtica, fimetaria, cynipſea, pluvialis ); der Wadenſtecher ( Stomoxys calcitrans ); der phalänenartige, der rothhalſige und der hochhüftige Langfuß ( Tipula phalaenoides, ruficollis, femorata ); die Singſchnecke ( Culex pipiens ); die Seeaſſel und der Kellerwurm ( Oniſius oceanicus, aſellus ); der moluckiſche Krebs, aus dem Geſchlechte der Schildflöhe; von den Flöhen, der Nachtwecker, ( Pulex irritans ); die Menſchenlaus ( Pediculus humanus ); der Erdvielfuß ( Julus terreſtris ); der Zuckergaſt Lepiſma ſaccharina ); die Krebskrabbe, der Fluskrebs und die Seelaus ( Cancer diogenes, aſtacus, dorſipes ).
Eine Art schwarzer Zikaden nennen die Japaner Semi und die Schweber (·Bombylius·) mit weißem Steiß· Abu.
Konchylien sammeln die Japaner, besonders in den nördlichen Landschaften; sie legen sie in gekratzte Baumwolle, befestigen sie daran mit Reiskleister und verkaufen sie an die Holländer, wenn sie nach E·do reisen.
Sie sind alle sehr schön, aber allezeit die kleinen dazu ausgesucht.
Die Schalttiere, welche im Lande häufig gegessen werden, und auch auf unser·n Tisch kamen, sind: der Seitenschwimmer (·Ostrea pleuronectes·), die Riesenkammmuschel, (·Ostrea gigas·) eine sehr lange und dicke Art Austern; die Braunlippe und der Spieldoublet, beide aus dem Geschlecht der Venusmuscheln (·Venus meretrix, chione.·)
Von Würmern, (·Vermes·) Konchylien und Korallen sind die welche ich gesammelt habe, folgende: der Achtfuß und der Zwergblackfisch (·Sepia octopodia, sepiola·); der Komet, ein See stern (·Asteria rubens·); die Seemuetze und die kleine Seepocke (·Lepas mitella, balanoides·); der stumpfe Klaffer (·Mya truncata·); der Rinnendoublet, die Saubohne, die Kammscheide, der rothe Sonnenstrahl, alle aus dem Geschlechte der Scheiden (·Solen vagina, legumen, bullatus, strigilatus·); die feste und die zarte Tellmußchel, die Milchlinse, und die Eyertelline (·Tellina solidula, delicatula, lactea, albida·); die xulanneſiſche Buchstabenmußchel und die Bettlermußchel (·Donax scripta, irus·); von den Herzmußcheln, die Dickſchaale (·Carpium ruſticum·); die Jungfer, die Kreuzſchaale, die Blaulippe, die Blutlippe, die rauhe Sanctdomingomußchel, der Gabelzahn, die Gittervenus, die Warzenrippe, der Venuskamm, die Vettel, der Spieldoublet, welcher Japaniſch Hamagai heißt, und die Braunlippe, Japaniſch Sigakf (·Venus virginea, decuſſata, laeta, deflorata, tigerina, rotundata, cancellata, verrucoſa, pectinata, exoleta, chione, meretrix·); die Violet·korbmußchel, der Glattnabel, die Strandmußchel, die Schlammmußchel, der Stra·lkorb (·Mactra violacea, glabrata, ſolita, lutaria, ſtultorum·); Die Baſtarddie Bart- und die Noahsarche, das Törtlein, die Zölle (·Arca antiquata, barbata, noae undata, pellata·); die gezackte Lazarusklappe (·Spondylus gaederopus·); die Seenuß, die Muskatenblüthe, beyde Chienmuſcheln (·Chama antiquata, lazarus·); das Vögelchen, die Bartmußchel, das Zwerg·fell, die Perlenmutter, aus dem Geschlechte der Miesmußcheln (·Mytilus hirundo, barbatus, bilocularis, margaritiferus·); die Feile, der Sommermantel, der Jägermantel, die Pilgrimmsmußchel, das Lorbeerblatt, die gewölbte Kamm·ußchel, der Seitenſchwimmer, und die Riesenkammußchel (·Oſtrea lima, pellucens, plica, maxima, folium, fornicata, pleuronectes, gigas·); der Hyſterit, die Terebratel, die Falte, die Furche, die Zwiebelſchaale, alles Baſtardmußcheln, (·Anoma hyſterophorus, terebratula, plicatella, lacunoſa, cepa·); der edle Schinken; eine Steckmußchel, (·Pinna nobilis·); der Papiernautilus (·Argonauta Argo·); von den Tuten das Geſpenſt (C·onus ſpectrum·); der Schlangenkopf und die Schlangenporcellaine Cypraea mauritanica, ſerpentis·); das brüthende Täubchen, eine Walze (·Voluta mercatoria·); die Schellenschnecke, die Treppe, das Glanzhorn, das Steinchen, aus dem Geschlechte der Kinkhörner (·Buccinum galea, ſpiratum, nitidulum, lapilIus·); von den Blaſen, das Taubeney, das rothe Band, das Kibitzey, die Staatenfahne, das Joch, (·Bulla naucum, ampluſtre, ampulla, phyſis, ſpelta·); die Tritonsſ··necke, die Nachteule, das Brandhorn, die niederländiſche Spindel, ſämmtlich Stachelſchnecken (·Murex tritonis, aluco, ſaxatilis, antiquus·); die luhoneſer Flügelſ··necke, (·Strombus luhuanus·); das Schnurbund, der Wulſtnabel, die Pharaoſ··necke, aus dem Geschlechte der Kräuſel (·Trochus conulus, veſtiarius, pharaonis·); die Zahnſchraube und die Nagelſchraube, beyde Mondſchnecken (·Turbo bidens, ungulinus·); von den Schwimmſchnecken der Knotennabel (·Nerita cannena·); von den Meerohren, das Knotenohr (·Kaliotis tuberculata·); die Narrenkappe, die Sternpat·elle, der Nagel, die Wolken, die blaue Pat·elle, die Mütze (·Patella ungarica, ſaccharina, unguis, nubecula, caerulea barbara·); der Ochſendarm, die Dreyeckröhre und die Rollſchlange aus dem Geschlechte der Röhrenſchnecken; von den Sternkorallen die Pfennigkoralle (·Madrepora porpita·) verſteinert; die Raderkoralle (·Isis entrocha·); von den Röhrenkorallen die Seeorgel, welche die Japaner Iwa kik nennen, und den Holzwurm (·Tubipora muſicalis, teredo··).
Sogenannte Meerbohnen (·Umbilicus marinus sive Veneris·) findet man sehr viele am Strande, welche die See ausgeworfen hat, so wie in den Bergen viele Belemniten angetroffen werden.
An Metallen ist Japan reich.
Dass von den edlen Gattungen, Gold und Silber, dies Land ehedem einen sehr reichen Segen gehabt hat, haben sowohl die Portugiesen, welche vormals Schiffsladungen davon ausführten, als auch die Holländer erfahren.
In Ansehung der Menge des Goldes wetteifert Japan noch heutiges Tages mit den reichsten Ländern.
Damit dessen aber nicht zu viel im Lande werde, darf nicht mehr· als eine gewisse Menge jährlich gegraben, und keine Art von Metallgruben ohne ausdrückliche Erlaubnis des Kaisers geöffnet und darin gearbeitet werden.
Wenn der Bau einer Grube erlaubt wird, so fallen Zweidritt·e·l davon dem Kaiser, und ein Dritt·e·l dem Fürsten der Provinz für seine Kosten zu.
Etwas Gold wird in Sand gefunden, das meiste aber aus Kupferkies gezogen, der zu dem Ende in Schwefel aufgelöst wird.
Es sind verschiedene Gegenden des Landes, die Gold liefern; allein das feinste Gold und die reichhaltigsten Gruben findet man auf der größten Insel des Reichs bei Sado.
Diesen kommt an Güte dasjenige gleich, welches in der Provinz Surunga gewonnen wird.
Außerdem weiß man mit Gewißheit, daß in der Provinz Satsuma verschiedene reichhaltige Goldminen sind, wie auch in der Landschaft Tsikungo und auf der Insel Amakusa.
Das gewonnene Gold wird vermünzt, zum Vergolden gebraucht, und in seidene Stoffe gewirkt; ausgeführt wird es unter keinerley Gestalt.
Silber muß es vor diesem weiter häufiger gegeben haben, als jetzt, weil ehemals eine große Menge davon aus dem Lande ging.
Die Japaner achten es selbst für selt·ner als das Gold, obgleich sie dem letzter·n einen größeren Wert beilegen.
Sie nehmen auch jetzt von der holländischen Compagnie eine anseh·liche Summe holländischer Dukatonen (·eine holländische Silbermünze·) an.
Das meiste Silber findet sich in der Landschaft Bingo.
Auch in den nördlichen Gegenden, um Kattamí, gibt es reiche Silbergruben, desgleichen sollen zwei Inseln, die den Namen Gold- und Silberinseln, Ginsima und Kinsima führen, sowohl Silber, als Gold, in Menge liefern.
Das Kupfer ist im ganzen Lande sehr allgemein, enthält viel Gold und bereichert verschiedene Landschaften.
Es ist nicht nur in vorigen Zeiten ausgeführt, sondern wird auch jetzt noch, sowohl von den holländischen als den chinesischen Kaufleuten, häufig ausgeführt.
Das feinste und geschmeidigste wird in den Provinzen Suruga, Atsingo, Kyno und Kuni gefunden.
Das aus Kuni ist von allem das geschmeidigste, und das aus Suruga ist am reichhaltigsten an Gold.
Auch in Satšuma und ander·n Landschaften, trifft man viele Kupferbergwerke an.
Aus dem Kupfer werden kleine Scheidemünze gegossen, Beschläge, Sowasarbeit, Töpfe, Kessel und dergleichen gemacht.
Mit Eisen ist unter allen Metallen Japan am wenigsten versehen.
Es findet sich aber doch in den Provinzen Mimasaka, Bitsju und Bisen, und zwar in hinreichender Menge.
Eisen wird nicht ins Land hereingebracht, aber auch nicht leicht ausgeführt.
Es wird gebraucht, Säbel, Waffen, Scheren, Messer und eine Menge anderer Geräte, Instrumente und Geschirre daraus zu machen.
Bernstein hat man in Japan, und zwar wird er, wie man mir sagte, im Lande selbst gefunden.
Meine Freunde schenkten mir einige Stücke.
Er ist zum Teil dunkelgelb, zum Teil aber hellgelb, einiger auch gestreift.
Schwefel liefert das Land im Überfluss; besonders eine Insel, nahe bei Satsuma.
Steinkohlen sollen in den nördlichen Distrikten anzutreffen sein.
Aus rotem Agat machen die Japaner Knöpfe und dergleichen an ihre Tabaksbeutel und Medicindosen.
Auch schleifen sie ihn wohl in Gestalt von Schmetterlingen und ander·n kleinen Tieren.
Zweite Abteilung.
Aufenthalt auf Dezima nach der Zurückkunft von Jedo, vom 30.··· Juni· 1776 bis zur Rückreise nach Batavia am 4.·· Januar 1777.
Nach unserer Rückkunft von Hofe auf der Factorey den 30sten Juni· 1776, brachte ich daſelbſt einen sehr heißen Sommer zu, und beschäftigte mich damit, das nachzuſehen und in Ordnung zu bringen, was ich auf der Reise gesammelt hatte, sowohl von getrockneten und ander·n Gewächſen, als auch von lebendigen selt·nen Bäumen und Sträuche·n, welches alles ich mit den zurückgehenden Schiffen nach Amſterdam schicken wollte.
Die letzteren waren besonders aus dem Ahorn- und Masholdergeschlechte (·Aceres·), und zwar mehrere sehr schöne Arten, ferner Bocksdorn (·Lycium·), Cal·aſter (·Celaſtrus·), Schwelken (·Viburnum·), Pflaumen (·Prunus·), Sagupalme (·Cycas·), Zypressen (Z·ypressus·), Citronenbaum (·Citrus·) und and·re.
Ich stellte in dieser Zeit auch verschiedene botanische Spaziergänge um Nagasaki an; und da dies die blumenreichste Jahreszeit war, hatte ich die Freude, meine schweren Kosten hie·bey etwas besser, als im vorigen Herbste und Winter, belohnt zu haben.
Ich bemerkte unter ander·n folgendes:
Anstatt Hanfs sah ich an einigen Orten die weiße Nessel (·Urtica nivea·), die hier auch überall w·····ächst, förmlich angebaut; man braucht sie zu Tauen, Stricken und zu grober Leinewand.
Auch traf ich verschiedentlich den Wunderbaum (·Ricinus·) gepflanzt an, dessen Saamen mit Moxa und Tusche zusammen gestoßen, die hiesige Buchdruckerfarbe gibt.···
Ferner bau·t man hier auf niedrigen Plätzen Flatter Sims·· (·Juncus effusus·), woraus die Fußbodenmatten geflochten werden.
Diese Binsen wachsen zwar von selbst in Menge, werden aber alsdenn nicht so hoch und gut, als jene. –· Lilien, und zwar von der Gattung die den Namen der prächtigen ( Lilium superbum ) führt, eine der aller schönsten Blumen in der Welt, sah ich auf den kleinen Fahrzeugen im Hafen häufig als ein ihrem Meergotte geweihtes Opfer aufgehängt.
···Der Japanische Traubenbaum wächst in der Gegend von Nangaasaki in Menge.
Es ist ein kleiner, auf der Erde fortkriechender Strauch.
Er ist wegen des vielen klaren Schleims merkwürdig, den er in sich hält.
Wenn die äußere Rinde von den Zweigen abgeschält ist, und diese in ein Glas Wasser gesetzt werden, so zieht der Schleim heraus, und setzt sich rund umher in der Dicke von mehr als einer Linie fest, und ist so klar wie Kristall.
Dieser Schleim wird nicht nur bisweilen, statt desjenigen, der von dem Manihoteibisch (·Hibiscus Manihot·) genommen wird, zur Bereitung des Papiers gebraucht, sondern das Frauenzimmer bedient sich desselben auch, um das Haar damit glatt und glänzend zu machen.
···Die Sasanqua··mellie ( Camellia sasanqua ), findet man hier auch sehr häufig.
Dies ist ein kleiner Busch, und gleicht in Ansehung der Blätter und Blüthe so sehr dem Theebaume, daß man sie, außer· an der Größe, mit Mühe unterscheiden kann.
Die Blätter haben einen etwas angenehmen Geruch, und werden daher, gekocht, vom schönen Geschlechte dazu gebraucht, das Haar damit zu waschen; auch werden sie wohl zu den T·eeblättern gemischt, um den Geruch derſelben noch angenehmer zu machen.
···Eine Art ganz kleiner Apfelsinenbäume (·Citrus Japonica·)· zieht man hier in den Häusern in Töpfen.
Das Bäumchen wird wenig über einen halben Fuß hoch, und die Früchte, welche süßlich und angenehm, ungefahr wie Apfelsinen, schmecken, sind nicht größer, als gewöhnliche Kirschen.
···Trüffeln (·Lycoperdon tuber·) gräbt man in dieser Gegend aus der Erde.
Sie sind von der Größe einer Zwetschge.
Frisch sind sie weich und bräunlich, eingesalzen aber werden sie schwarz.
Die Japaner essen sie, wie Murcheln, in Suppen.
···Die Sojabohnen wachsen hier zwar wild in großer Menge, werden aber doch auch sehr häufig gepflanzt.
···Der Gagelbaum (·Myrica nagi·) ist hier selten.
Das Holz ist sehr weiß, und man macht Kämme daraus, die das Frauenzimmer in den Haaren trägt.···
Die gemeine Fichte (·Pinus sylvestris·), ist zwar derjenige Baum, aus dessen Holze hier die meiste Tischlerarbeit gemacht wird; das weiße und schöne Holz des Japanischen Zypressenbaums (·Cyprussus Japanicus·), wird aber auch sehr häufig dazu gebraucht, wie das Holz vom großblattrigen Eibenbaum (·Taxus macrophylla·) und von einigen ander·n Bäumen.···
Der essbare Aron (·Arum esculentum·), wird hier auf dem Felde, nicht nur der Wurzeln wegen, die man iß·t, welche aber roh einen scharfen Geschmack haben, sondern auch um der Stengel willen, die zerſchnitten und in Suppen gethan werden, gebaut.
···Eben so gebrauchen die hiesigen Einwohner das gemeine Pfeilkraut (·Sagittaria sagittata·), den vielblumigen Wegtritt (·Polygonum multiflorum·)· und eine eig·ne Art Dioskoride (·Dioscorea Japonica·)· zum Essen.
Die beiden letzteren Arten werden auch zum Futter für das Vieh angewandt, und die Leute brachten sie uns unter anderem Grase sehr oft nach Dezima, wo wir dergleichen für unser Vieh nötig hatten.
Den 31.··· Julius kam von Batavia das der holländischen Compagnie gehörige Schiff Zeeduyn, und den 21.··· August das Admiralschiff Stavenisse nebst dem Chef, welcher dies Jahr hier bleiben sollte, Herrn Duurkoop, zu Nagasaki an.
Von der Mannschaft dieser Schiffe, hatten viele, zu Batavia, heftige Fieber gehabt; diese erlangten hier in kurzem ihre Gesundheit wieder, und einige die starke Verhärtungen und einen aufgequ··ollenen Unterleib ( Placenta febrilis ) hatten, dergleichen nach den bösen bataviaſchen Fiebern zurück·zubleiben pflegt, wurden hier vollkommen davon befreiet.
Den 26.··· August, Abends, fingen die Japaner zu Nagasaki und im ganzen Reiche an, ihr Laternen- oder Leuchtenfest zu feiern, welches zu Nagasaki sehr feierlich begangen ward·.
Den 13.·· September gegen Abend kam die Nachricht, daß der Fürst der Landschaft Owari, ein leiblicher Vetter des Kubo, vor fünf Tagen mit Tode abgegangen wäre.
Aus dieser Ursach· ward· Befehl gegeben, daß niemand auf der Insel in den ersten fünf Tagen, (·dies ist hier zu Lande die gewöhnliche Zeit für die tiefste Trauer,·) auf einem Instrumente spielen sollte.
Dieser Herr war ungefähr vierzig Jahr alt.
Er war vor einiger Zeit dazu bestimmt gewesen, des Kaisers Schwiegersohn zu werden; allein das Schicksal hatte gewollt, daß die für ihn ausersehene Braut den Tag vor seiner Ankunft zu Jedo starb.
Den 10.·· October visiti·rte der zu Nangaſaki vor einiger Zeit angekommene neue Statthalter, zuerst die Kaiſerlichen Wachen im Hafen; darauf besuchte er das holländische Admiralſchiff; und endlich die Inſel Dezima: alles in Begleitung des vorigen Gouverneurs, der nunmehr abgehen sollte.
Statthalter zu Nagasaki sind während meines dasigen Aufenthalts folgende gewesen: Noto no Kami, der 1775. abging; Nagato no Kami, der ihm folgte, und 1776. abging; und Tango no Kami, der jetzt hierher gekommen war.
Da ich vorher sah, daß ich, wenn ich noch ein Jahr in Japan bliebe, noch wenig mehr, als was ich bisher zu tun im Stande gewesen war, zum Vorteil der Wissenschaften würde ausrichten können; so beschloss ich, nach Batavia zurück zureisen.
Der neue Chef, der zu mir, als Arzt, mehr Zutrauen hatte als zu meinem Nachfolger, wollte mich zwar, um seines Vorteils wegen, anfangs··· überreden, und endlich gar zwingen, hier noch ein Jahr zu verweilen.
Doch gelang es mir endlich, mich von diesem Ansinne· los zu machen und meine Zeit zu Erweiterung der Naturkunde anderswo, nützlicher als hier geschehen konnte, anzuwenden.
Den 23.··· November verließ ich demnach die Insel Dezima, und begab mich nach dem Admiralsschiffe Stavenisse, welches bei Papenberg vor Anker lag.
Den 29.sten kamen Committierte von der Factory· zu uns an Bord, um uns Briefe und and·re Documente an die Regierung zu Batavia mitzugeben.
Am folgenden Morgen lichte··n wir unser erstes Anker, ob wir gleich noch ein Paar Tage liegen blieben.
Den 3.·· Dezember um 10 Uhr lichte··n wir das zweite Anker, und zogen die Segel auf.
Das Schiff Zeeduyn segelte voran.
Beide Schiffe lösten um 11 Uhr gegen Papenberg über, und nach einer Stunde bey den letzten Bergen, welche Cavallos heißen, noch einmal die Kanonen, und wir wünschten uns gegenseitig eine glückliche Reise.
Die Ladung jedes dieser beiden Schiffe· bestand hauptsächlich aus 6750 Pickel Stangenkupfer, und 364 Fässern Kampfer, von denen jedes 120 bis 130 Pfund hielt.
Den 4.·· Januar 1777· kamen wir glücklich und wohlbehalten zu Batavia wieder an.
Bei der Mündung des durch die Stadt ins Meer sich ergießenden und noch weit im Hafen zu spürenden, großen Flusses war der Strom jetzt so stark, daß wir nicht ohne Gefahr vermittelst Schaluppen und and·rer kleinen Fahrzeuge uns nach der Stadt müssen hinauf ziehen lassen.
Dritte Abteilung.
Zweiter Aufenthalt zu Batavia vom 4.·· Januar bis den 5.·· Julius 1777.
Erster Abschnitt.
Aufenthalt zu Batavia, und erste Reise in das Innere von Java.
Nach meiner Ankunft nahm mein achtungswerther Freund, Doctor Hofmann, mich wie zuvor wieder in sein Haus und an seinen Tisch auf.
Während meiner Abwesenheit waren aber viele meiner hiesigen Bekannten gestorben.
Unter ander·n vermisste ich die Gattin des Herrn Hoffmann.
Kurz vor meiner Abreise nach Japan hatte ich in ihrem Hause mit dreizehn Personen zu Tische gesessen, von welchen, wie mein Wirth mir erzählte, elf an dem gewöhnlich hier grassierenden Fieber, in einer Zeit von drei Wochen, gestorben, und er und ich allein noch übrig waren.
Dies ist ein anschauliches Beispiel wie ungesund das Klima in Batavia ist!
Die erhitzte Atmosphäre ist stets mit einer Menge feuchter Dünste angefüllt, dadurch wird der Körper erschlafft, zur Fäulnis empfänglich, und solchergestalt jene unglaublich starke Mortalität veranlaßt.
Der Generalgouverneur von der Parra· war im vorigen Jahre ebenfalls mit Tode abgegangen, und ich hatte an ihm einen wahren Gönner verloren.
Er war ein verständiger Mann und hat auch der holländischen Compagnie viele Dienste geleistet, ob er gleich nicht unterlassen hat, in der langen Zeit da er diesem einträglichen Amte vorgestanden, auch für sich selbst zu sorgen.
Er hinterließ seinem Sohn·, der sein einziger Erbe war, mehr als vier Millionen Gulden.
An seiner Stelle führte jetzt von Riemsdyk den Oberbefehl in Ostindien.
Dies war ein alter, abgelebter Mann, der sich durch Eigennutzigkeit sehr, und durch sonst nichts auszeichnete.
Als ich nach meiner Zurückkunft Seiner Edlen, –· dies ist der gewöhnliche Titel des Generalgouverneurs zu Batavia –· aufwartete, fragte er mich über die Krankheit seiner Frau um Rat, diese bestand aber in einem Krebsschaden an der einen Brust, der schlechterdings unheilbar war.
Von ihm so wie von meinem Gönner dem großen Beförderer der Wissenschaften, Herrn Radermacher, sehe man im zweiten Teile des ersten Bandes S. 189. sqq.
Herr Radermacher, bei dem ich nach·· ander·n Freundschaftsbezeugungen wöchentlich ein paar mal zu Gäste war, pflegte sich fast jedesmal mit mir über Japan zu unterhalten.
Ein··mal· fragte er Herrn Feith, der zuletzt Chef des holländischen Handels in Japan, und in dessen Gefolge ich gewesen war, nach dem Namen des damaligen Kaisers in Japan.
Herr Feith gestand, daß er ihn nicht wisse, ob er gleich wenigstens vierzehn Jahr im Lande zugebracht, und viermal als Abbaß·adeur bey dem Kaiser Audienz gehabt hatte.
Am folgenden Tage, als ich bei Herrn Radermacher zu Tische war, sagte er zu mir, ich hätte ihm bisher selten eine Frage unbeantwortet gelassen, jetzt aber wolle er mir eine vorlegen, worauf ich ihm die Antwort gewiß schuldig bleiben würde: nämlich wie der jetzt regierende Japanische Kaiser heiße, und wie alt er sei?
Nun gereichte es der ganzen anwesenden Gesellschaft zu eben so großer Verwunderung, als mir zum Vergnügen, daß ich nicht nur hie·von Rede und Antwort, sondern auch schriftliche Auskunft zu geben im Stande war, wie der geistliche Kaiser, der Kronprinz, ja wie alle, sowohl weltliche als geistliche Regenten dieses Landes vom Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts an, namentlich geheißen haben.
Man fand es unbegreiflich, daß ich, als ein subalterner Fremdling, hinter diese Heimlichkeiten hatte kommen können, indes ein Mann wie der Ambaß·adeur, in so vielen Jahren davon nichts in Erfahrung zu bringen gewußt.
In der Folge gab ich Herrn Radermacher eine Abschrift von diesem Verzeichnis der Japanischen Regenten (·es ist dasselbe, welches ich oben mitgeteilt habe·), und seitdem ist es, wie ich höre, in die Abhandlungen der, einige Jahre nachher zu Batavia gestifteten, gelehrten Gesellschaft eingerückt worden.
Kämpfer hat zu seiner Zeit ein ausführliches Verzeichnis, sowohl der weltlichen als der geistlichen Kaiser in Japan, bis auf das Jahr seiner Abreise von dort, geliefert.
Es lag mir daher sehr am Herzen, zu der Fortsetzung desselben zu gelangen, so schwer es auch war.
Dies glückte mir zu Jedo, durch den obersten Dolmetscher und den Kaiserlichen Leibmedicus.
Mit diesen und meinen übrigen Japanischen Freunden, habe ich seit meiner Rückkunft nach Schweden, verschiedene Jahre lang, einen nützlichen Briefwechsel unterhalten und Gelegenheit gehabt, durch Hilfe meines verehrungswürdigen Gönners, des Professor Burmann zu Amsterdam, einen meiner Freunde und vorzüglichsten Schüler, Doctor Stützer, nach Indien und Japan zu befördern.
Mein erstes Geschäft zu Batavia war, die Sachen, welche ich in einen großen Kasten eingepackt, bei meinem Wirt· in Verwahrung stehen lassen, nachzusehen.
Aber wie traurig ward· ich nicht bei Öffnung des Kastens, als ich, un··achtet er auf Bouteillen gesetzt war, mithin von der Erde erhoben stand, den größten Teil der bei meinem vorigen hiesigen Aufenthalte gemachten Kräutersammlung, und einen großen Teil der hier zurückgelassenen Bücher, von der eingeschlossenen feuchten Luft ganz verfault antraf.
Zu Ersetzung dieses Verlustes, besuchte ich jetzt täglich, selbst des Nachmittags in der stärksten Hitze, wenn and·re des süßen Mittags·chlafs genoß·en, die umliegenden Gegenden.
Nur schade, daß die Witterung meine botanischen Bemühungen gar nicht begünstigte.
Es war nämlich noch die regnig·te Jahreszeit.
Es regnete fast alle Tage, besonders Abends und Morgens, einzelner Regenſchauer nicht zu gedenken.
Der Himmel war fast immer trübe, und die Luft dick und feucht, so daß ich keine von meinen gesammelten Kräutern trock·nen konnte, weil in verschlossenen Zimmern alles schimmelig wurde oder verfaulte.
Zu den Regenmonaten, oder dem was man hier Winter nennt, werden in Java, der Dezember, Januar, Februar, und März gerechnet, da die Luft kühl ist und weniger Krankheiten herrschen.
Hernach tritt die warme Jahreszeit ein, da die Hitze brennend und unausstehlich, der Himmel klar und das Wetter beständig trocken ist.
Die hier wohnenden Chineser feierten jetzt ihren Neujahrstag.
Er fällt auf den Tag des ersten Neumondes im Februar, und ist ein großer Festtag.
Nachdem ich um Batavia von verschiedenen Produkten der Natur so viel gesammelt hatte, als in dieser Jahreszeit zu finden war, wünschte ich von dem Inner·n dieser herrlichen Insel etwas kennen zu lernen.
Zu diesem Ende schiffte ich mich auf einem holländischen Fahrzeuge ein, und segelte mit demselben an der Nordseite von Java hin nach Samarang.
Den 23.··· März verließen wir die Rhede der Stadt, und kamen den 31.··· Cheribon vorbei, einen der bea··chtlichsten Handelsplätze, wo die holländische Compagnie einen Gouverneur hält, dessen jährliche Einnahmen auf sieb··zigtausend Reichstaler geschätzt werden.
Unter den um diese Stadt belegenen Bergen, gibt es Vulkane.
Vor zwei Jahren hat man hier ein heftiges Erdbeben verspürt, und der Berg hat zugleich Asche ausgeworfen, wodurch mehrere tausend Kaffeepflanzungen in den umliegenden Gegenden ruiniert worden sind.
Der Berg Tagel, welchen wir am 2ten April vorbei·segelten, wirft oft Flammen aus; jetzt sahen wir bloß eine Rauchsäule, so dick als ein Mann im Leibe ist, aus dem Gipfel emporsteigen.
Auf dieser Reise, welche wegen der oftmaligen Veränderung des Windes ziemlich lange währte, sah ich mehrmals verschiedene Schlangen, die vom Lande gekommen waren, auf dem Wasser schwimmen; eine war darunter, die eine Länge von mehr als einer Elle hatte, und ganz hoch aus dem Wasser in die Höhe sprang.
Wenn der Wind sich ändert, ist hier gewöhnlich stilles Wetter, und eine drückende Hitze.
Jetzt war auch die Jahreszeit, da die Westwinde aufhören zu wehen, und der Ostpassatwind wieder kommt.
Unser Schiffscapitain erzählte uns bei dieser Gelegenheit, daß er, so wie mehr erfahrene Seeleute, mit Gewißheit bemerkt habe, daß, seit dem großen Erdbeben zu Lissabon, die Ostwinde später eingetreten, und die Passatwinde überhaupt schwächer geworden sind.
Obgleich Java Zuckerrohr in Menge hervorbringt, und der Zucker hier zu Lande eben gar nicht teuer ist, waren wir doch auf dieser Reise mit sehr schlechtem, und statt weissen, mit braunen Puder- oder Kochzucker versorgt worden.
Als ich, in Rücksicht auf die Kranken, mich bei dem Capitain darüber beschwerte, erfuhr ich, daß zwar weißer Kochzucker bewilligt, daß aber gewöhnlich nur eine schlechtere Sorte geliefert und das dadurch ersparte Geld von den Administratoren der Pack- oder Waarenhäuser eingestrichen werde.
Dies ist eine schöne wohl befestigte und mittelmäßig große Stadt, und der Hauptort der Holländer an der ganzen Küste von Java, unter welchem alle andere Handlungscomtoire, außer dem zu Cheribon, stehen.
Der Ort wurde im Jahr 1708 von den Holländern erobert.
Er liegt an einem Flusse nicht weit vom Strande.
Jetzt befanden sich hier ungefehr hundert und fünfzig Mann Soldaten, obgleich, wie man mir sagte, an tausend Mann zu diesem Comptoir gehören.
Die Einnahmen des hiesigen Stadthalters, sollen sich jährlich auf achtzig bis hunderttausend Reichsthaler belaufen.
Deshalb wird diese Stelle auch nur Verwandten und Gunstlingen des Generalgouverneurs zut·eil; doch behält einer dieselbe selten länger als drei Jahr, worauf er gewöhnlich zum Beysitzer des hohen Raths zu Batavia befördert wird, und jenen Posten einem ander·n überlassen muß.
Ich bekam meine Wohnung bei dem hier befindlichen Hoſpitalärzte Doktor Böniken, einem nicht nur in der Chirurgie, sondern auch in der Medizin wohl erfahrenen Manne, der mir viel Dienste und Freundschaft erzeigte.
Kaum war ich aber ans Land gekommen, als ich krank wurde, und das Bett· hüten musste.
Ich hatte mir nämlich auf dem Schiffe dadurch, daß ich des Nachts, in der Kajüte wo ich schlief, ein Fenster offen stehen ließ, wodurch die Ausdünstungen von der kalten Nachtluft gehemmt worden waren, ein dreytägiges Fieber zugezogen.
Durch den Gebrauch der gehörigen Mittel, vorzüglich des Chinaextracts ward· ich indes, nach einigen Anfällen, wieder davon befreiet.
Mittlerweile segelte das Schiff weiter nach Juana, einem etwas weiter an der Küste hinauf liegenden Handelscomtoire, um daselbst eine Ladung Bau- und Nutzholz einzunehmen.
Sobald ich nur von meinem Fieber hergestellt war, machte ich, mit Erlaubnis des Gouverneurs und in Herrn Bönigkens Gesellschaft, eine Reise von einigen und sechzig Meilen landeinwärts nach den Gebirgen.
Der Gouverneur, ein sehr liebreicher, artiger und liebenswürdiger Mann, gab mir einen Pass und Empfehlungen mit, an alle Befehlshaber der befestigten Posten der Compagnie, und erseuchte mich zugleich, meine Aufmerksamkeit auf alle solche Gewächse zu richten, die entweder bisher als Arzneimittel im Hospital gebraucht worden, oder an deren Stelle als solche gebraucht werden könnten.
Um dieser letzte··n Absicht willen, ward· auch meinem Reisegefährten anbefohlen, mitzureisen, um diese Gewächse recht kennen zu lernen.
Den 23.··· April traten wir zu Pferde die Reise an, und kamen nach Unarang, wo ein Sergeant mit ungefehr zwanzig Mann von den Truppen der Compagnie auf Posti·rung steht.
Tages darauf setzten wir den Weg nach Salatiga fort; dies ist eine Schanze, mit einer Besatzung von einigen und zwanzig Mann, über welche ein Fähnrich den Befehl hat.
Am 26.··· ritten wir nach Kopping, einem javanischen Dorfe, das ganz hoch an einem Berge liegt.
Diese Gegend ist sehr fruchtbar und das Klima kalt und gesund.
Unter ander·n Merkwürdigkeiten, welche ich auf dieser Reise wahrnahm, sah ich, daß die indischen Feigenbäume ( Ficus indica ), welche in den Wäldern wachsen, und eine beträchtliche Höhe erreichen, ihre Zweige so tief herunterhangen lassen, daß sie bis auf die Erde reichen, daselbst Wurzel schlagen, und in neuen Stämmen wieder aufschießen, die allmählich ebenfalls zu großen Bäumen werden.
Ein einziger solcher Feigenbaum formi·rt also mit seinen eingewurzelten Zweigen, eine Menge Lauben, und dehnt sich in einem weiten Umfange aus.
Hier lernte ich auch eine Art Blätter, javaniſch Kamadu genannt, kennen, die wie Brennnesseln brennen, aber weit stärker, oft so stark, daß die Haut sich entzündet.
Sie haben an jeder Ader spitz··e Zacken, die durchsichtig und mit einem Saft· angefüllt sind, der diesen Brand verursacht.
Bei näherer Untersuchung fand ich, daß diese Gattung Nessel noch nicht bekannt war; ich gab ihr daher den Namen stechende Nessel (·Urtica stimulans·).
Einer von unser·· Gesellschaft, der jene Eigenschaft dieser Blätter nicht kannte, und in der Geschwindigkeit ein Paar Zweige von diesem kleinen Baume oder Strauche abbrechen wollte, musste seiner Unwissenheit und Unvorsichtigkeit teuer bezahlen.
Die Javaner kennen die Wirkung der Blätter alle sehr gut.
Die Holländer nennen sie Büffelblätter, und zwar aus folgender Ursache.
Bei den Javaniſchen Fürſten iſt es, wenn ſie Feyerlichkeiten anſtellen, allezeit gebräuchlich, zur Luſt einen Tiger mit einem Büffel kämpfen zu laſſen, und zwar auf einem rund umher mit ſtarken Planken eingeſchloſſenen Platze, um welchen eine große Menge Zuſchauer ſitzen und ohne Gefahr zuſehen können.
Wenn der Büffel nicht dahin zu bringen ist seinen Feind anzugreifen, wird er mit diesen Blättern gepeitscht, wovon ihm in kurzer Zeit die Haut so brennt, daß er zuletzt ganz wild und rasend wird.
Wenn man sich an dieser Nessel verbrannt hat, darf man sich nicht mit Wasser waschen, weil dadurch der Schmerz viel ärger wird; sondern das beste Mittel dagegen ist, die Stelle entweder mit Öl, oder mit Reisbrey zu bestreichen.
Den 27.··· April kehrten wir wieder um, und begaben uns nach Salatiga zurück.
Am folgenden Tage reisten wir weiter, und zwar in Gesellschaft des hier postierten Fähnrichs, bis nach Tundang, wo wir die Nacht zu bleiben gedachten.
Tundang ist ein ziemlich großes javanisches Dorf.
Die Häuser sind hier zu Lande nur klein, und von Bamborohr gebaut, aber wie Lauben, nicht dichter als daß die Luft sehr bequem durchgehen kann, welches in dieser heißen Gegend auch nötig ist.
Wir kehrten bei keinem Javaner ein, sondern ließen für uns allein eine Hütte bauen.
Der Bau wurde sogleich von einigen Javanern angefangen, und ging so unglaublich geschwind von Statten, daß, ehe wir abgestiegen waren, unsere Pferde abges·t·ellt und uns·re Sachen abgepackt hatten, nicht nur unser ganzes Haus fertig, sondern auch mit einer breiten Bank, worauf wir liegen konnten, mit drey Stühlen und einem Tisch, welches alles noch dazu erst neu gemacht wurde, meubliert war.
Ich stand ganz erstaunt über das fertige Gebäude, und trat mit größter Bewunderung unter den Schatten desselben.
Einige von den Javanern hieben teils dicke teils dünne, Bamborohre ab; andere machten mit zwei Hieben an jeder Seite derſelben ein Loch, und andere steckten durch dieſe Löcher schmale Rohre.
Darauf wurde Laub dazwischen geflochten, und das Haus war, wie gesagt, durch so vieler Hände Arbeit in wenigen Minuten fertig.
Eben so Tisch und Stühle, wiewohl diese nicht sehr eben waren, mithin für vornehme und Bequemlichkeit liebende Leute nicht paßten, sondern nur für müde Reisende brauchbar sein konnten.
Weil wir früh vor Abend angekommen waren, ging ich aus, und besuchte den naheliegenden Wald, um Kräuter zu sammeln.
Unter ander·n sah ich Dioskoriden (·Dioscor·ea·) die mit ihren Ranken sich bis an die Wipfel der Bäume hinauf geschlungen.
An dieser Stelle wuchsen sie wild, sonst aber wird dies Gewächs hier zu Lande auch förmlich angepflanzt.
Da wir kein Licht bekommen konnten, machten wir vor dem Eingang unserer Hütte ein großes Feuer an, um welches wir uns, ich mit meinen gesammelten Kräutern und die ander·n Herren mit ihren Tabakspfeifen, hinsetzten.
Es währte nicht lange, als ein ganzer Trupp Javaner aus dem Dorfe ankam, und sich in großer Anzahl vor uns hinlagerte.
Unter ihnen waren einige Musik···er, nebst einem großen Haufen Tänzer und Tänzerinnen, die meine Reisegefährten hie·her bestellt hatten, um mir ein Vergnügen zu machen, und mir Gelegenheit zu geben, die Spiele und Lustbarkeiten der Javaner zu sehen.
Sie fingen mit Pfeif·en-, Saiten- und Trommelsspiel an.
Darauf fielen die Tänzer und Tänzerinnen ein, und setzten den Tanz unter verschiedenen Bewegungen und Geberden fort, und zwar so, daß gewöhnlich zwei zugleich tanzten.
Jeder der tanzte, musste dem, mit welchem er tanzte, oder den Musikanten für jeden Tanz etwas bezahlen, das aber nicht viel betrug.
Wir mussten deswegen die Sklaven, welche wir bei uns hatten, mit etwas Geld beschenken, damit sie an dem Vergnügen Teil nehmen konnten.
Ich leugne nicht, daß dies uns recht sehr belustigte.
Aber der Verdruß und die stete Unruhe, die uns die Mücken an diesem niedrig gelegenen Orte verursachten, verbitterten uns alles Vergnügen, und ließen uns kein Auge zutun.
Weder woll·ne Strümpfe noch Stiefeln, waren im Stande die Mücken von unser·n Beinen abzuhalten, und obgleich der Rauch des Feuers und der Tobackspfeifen uns das Gesicht einigermaßen schützte, so mußte doch ich dieses Verwahrungsmittel entbehren, weil mir stets jede Art von Rauch zuwider gewesen ist.
Endlich, nach Mitternacht, legte ich mich auf meine grüne Bank zum schlafen nieder, und verbarg mich unter einen Schleier und ausgespannnten Schnupftüchern, so, daß die mich verfolgenden Mücken mit nicht mehr, als mit ihrem feinen Gesumme mich beunruhigen konnten.
Unausgeruhet, weil wir gar nicht hatten schlafen können, setzten wir am folgenden Morgen unser·n Weg nach Samerang fort, wo wir den 1.··· May ankamen.
An Arzneigewächsen, wornach ich mich, dem Auftrag des Gouverneurs zufolge, unterwegs umsehen sollte·, hatte ich folgende angetroffen: der offizi·elle Erdrauch (·Fumaria officinalis, javaniſch Rumpung, welcher in den bergichten Gegenden um Kopping, doch gar nicht in Menge wächst.
Der molukkische Brombeer· (·Rubus moluccanus·), nebst zwey ander·n Arten Brombeer· wachsen zwischen Salatiga und Kopping, an den Seiten der kleinen Berge, und besonders an den Bächen, in Überfluss.
Der gemeine Wermuth (·Artemisia Abſinthium, javaniſch Domolo, maleyiſch Seroni·), findet sich auch zwischen Salatiga und Kopping, auf den Anhöhen sowohl als auf flachem Felde in größ·er Menge.
Die gemüßerartige Gänsedistel (·Sonchus oleraceus·), javanesisch Dimboring, in der Gegend von K·oppin.
Salat (·Lactuca·)· javaniſch Belot, doch nicht häufig, zwischen Salatiga und Kopping. Hirschzunge (·Asplenium Scolopendrium·), wächst auf den Bäumen zwischen Unarang und Salatiga.
Beißbeer oder spanischer Pfeffer (·Capficum·), javaniſch Lombo, iſt zwischen Salatiga und Kopping wild anzutreffen.
Der gemeine Säuerling (·Oxalis Acetoſella·), japanisch Samangi Kunong, steht allenthalben in Menge.
Gänsfuß Chenopodium, maleyiſch Paijam china bey Kopping. Sanikel (·Sanicula, japaniſch Spran) ſtehet an den Bergen zwiſchen Salatiga und Kopping. Ranunkel (·Ranunculus·) und Waſſerpfeffer (·Perſicaria urens oder Polygonum hydropiper, maleyiſch Dukut Parang·) eben daſelbſt. Kameelheu (·Andropogon schoenanthus, maleyiſch Sire·) zwiſchen Unarang und Kopping.
Eß·bare oder gemeine Erdbeeren (·Fragaria vesca, javaniſch Manikan·) wachsen in dieser warmen Gegend um Kopping und an den Bergen umher.
Die Clematis (·Clematis·) welche sich um die Büsche schlingt, zwischen Salatiga und Kopping. Oedermennich (·Agrimonia, maleyiſch Upan Upan Karpo·) eben daſelbſt.
Das strauchartige Glasschmalz (·Salicornia fruticossa, javanisch Tjimbine·), am Strande bei Samarang.
Müllen (·Vitex, javanisch Simina, auch Lagundo·)· kommt an verschiedenen Orten sehr häufig vor.
Arabische Costwurz ( Costus arabicus ), die ich vorher in den Gräben um Batavia in Menge gefunden hatte, wird auch hier allenthalben in Menge angetroffen, und wächst zwischen den Büschen und hohem Grase. Herzgeſpann ( Leonurus Cardiaca, malaiisch Klenglengang ) bey Koppin. Nesseln ( Urtica ) hie und da ziemlich häufig.
Abelmosch, oder Bisamkörner (·Hibiscus Abelmoschus·), prangt mit seinen Blättern und schönen Blumen zwischen Samarang und Salatiga. Krullfar··n (·Adiantum·), außen an den Wäldern, auch selbst in den Wäldern, wie auch an den Bächen.
Gemeiner Stechapfel (·Datura Stramonium, javaniſch Rotekubung·) zwischen Samarang und Unarang. Smilax (·Smilax·) in den Waldungen bei Unarang.
Schwarzer Nachtschatten (·Solanum nigrum·), um K·oppin.
Die Verbesin·e (Verbesina· Acmella, maleyisch Sironi·), überall sehr häufig.
Der gemeine oder rothe Ingber ( Amomum Zingiber ), javaniſch Tjai, maleyiſch Bangle ), wird meiſtens von den Chineſern gebaut, aber der wilde Ingber ( Amomum Zerumbet ) den die Javaner ſowohl als die Maleyen, auch wohl Bangle, gewöhnlich aber Lampujang nennen, wächst in Überfluß, besonders an ſandigen und mager·n Stellen, zwischen Salatiga und Samarang.
Gilbwurz oder Curcume· Schwalbenwurz ( Curcuma, javaniſch Kunir oder Kunjet ), fand ich nur in der Gegend von Samarang.
Die Kämpferie (·Kämpferia, javanisch Sempu·) steht bei Salatiga in nassen und niedrigen T·älern. Kardamom (·Amomum compactum, javanisch Mojei, die Frucht Kappologo·) wird bei Salatiga gebaut.
Langer Pfeffer ( Piper longum, javaniſch Tjabe, auch Dandang Mussu ), wächst reichlich in den Wäldern um Salatiga, wie auch an ander·n Orten, nicht selten auf den Steinmauern, um die Felder und Gärten.
Gemeiner oder schwarzer Pfeffer ( Piper nigrum, javanișch Maritjo ), im Ueberfluß um Salatiga in den Wäldern. Kubeben ( Piper Cubeba, javanișch Komukus ), in großer Menge in den Waldungen bey Tuntang, und zwar dieſelbe Art, welche nach Europa gebracht wird. Officinellenklee ( Trifolium molilotus officinalis, javanișch und maleyișch Treba ), hatte ich ſchon bey Batavia bemerkt; jetzt fand ich ihn bey Salatiga.
Der gemeine Hanf ( Cannabis sativa, javaniſch Ginje ), wächst auch in einer Gegend nicht weit von Salatiga; er wird hoch und zu einem Strauche oder Buſche.
Rundes Cypergras ( Cyperus rotundus ), ist allenthalben sehr häufig.
Das gemeine Zuckerrohr Saccharum officinarum, javaniſch Tebu ), wird allenthalben gebaut, wächst aber auch wild bei Salatiga.
Die großblumige Wunderblume ( Mirabilis Jalappa, maleyiſch Kamban Po·kul Ampat, welches genau eben das sagt, als der holländiſche Name Vier Uurs Bloem, ( Vierurblume findet man meistens nur gepflanzt; doch wächst sie auch wild in der Gegend von Salatiga.
Hundszunge Cynoglossum, male·isch Upan Upan Sapi ) zwischen Salatiga und Kopping. Wüterich ( Cicuta ) oberhalb Salatiga in den Berggründen und an den Bächen.
Großer Wegerich (·Plantago major·), an den Bächen und sonst reichlich.
Der gemeine Wunderbaum (·Ricinus communis·), und die schwarze Purgirnuß (·Jatropha Curcas, maleyisch Jarrak·), sind beide sehr häufig, sowohl hier als in ander·n Gegenden von Java.
Vom Aron (·Arum·) wuchsen verschiedene Arten in Menge in Sümpfen und Gräben.
Die Brennpalme (·Caryota urens, javanisch Saguer·) findet man überall zwischen Salatiga und Kopping, und ist, wie man behauptet, eigentlich der wahre Baum, woraus das Sago gemacht wird.
Die gemeine Bas·lie (·Ocymum Basilicum·)· ist in dieſen Gegenden allgemein, ſo wie die heilige Baſilie (·Ocymum ſanctum·) um Batavia und anderwärts.
Der indische Tamarindenbaum, (·Tamarindus indica·), ein sehr hoher, großer und schöner Baum, ist allenthalben häufig anzutreffen.
Die Fistelkas·ie und die japanische Kas·ie ( Cassia fistula, javanica, javanisch Dranguli ), deren lange zylinderförmige Frucht völlig wie ein Stock aus·ieht, wächst allenthalben im Holze bey Tundang. Kalmus ( Acorus Calamus ) wächst wild in der Gegend von Samarang und an vielen ander·n Orten, schlingelt sich um die Bäume und hindert mit seinen Zacken, zwischen durch zu gehen.
Die breitblattreiche Hackenlilie (·Crinum latifolium·), welche statt Meerzwiebeln (·Scilla·) gebraucht werden kann, kommt hier, um Batavia und ander·n Orten vor.
Die asiatische Sida (·Sida asiatica·), welche die Europäer hier baumartige Malve (·Malva arborea·) nennen, wächst um Batavia, Samarang und sonst sehr häufig.
Vom Ruhrkraut (·Gnaphalium, japanisch Sombong Madur·)· findet man zwei Gattungen bei Kopping.
Kanadischer Hollunder (·Sambucus canadensis, javanisch Soobo·), in den Tiefen zwischen Bergen und an den Bächen um Kopping.
Die gemeine Becherblume ( Poterium Sanguiſorba ), zwischen Unarang und Samarang. Schlangenwurz ( Ophiorrhiza mungos ) oder ( Lignum colubrinum, javaniſch und maleyiſch Kajo nlar, auch wohl Bidara laut ), hin und wieder ziemlich häufig. Jasmin ( Jaſminum ), in der Gegend von Salatiga.
Gemeinen Koriander ( Coriandrum sativum, javanisch Katumjar ), fand ich an einigen wenigen Stellen, wo andere Gewächse gesät waren, so, daß es scheint, daß er mit ander·n Saamen aus Europa hie·her gebracht sey.
Der Betelpfeffer und die gemeine Areka- oder Katechupalme ( Piper Bet·le und Areca Catechu ), zwei den Indiern unentbehrliche Gewächse, trifft man allenthalben an.
Auch hier gebraucht das europäische Frauenzimmer die Sambacnachtblumen ( Nyctanthes Sambac ) sowohl die einfachen, als die gefüllten, auf Fäden ··reihet, zu Kränzen, die sie zum Zierrath aufsetzen.
Dies ist wirklich ein hübscher Kopfputz.
Die jungen Herren bekommen dergleichen Kranz auch wohl bei Bällen von den jungen Schönen geschenkt; ···denn ist in der Mitte eine Tampakablume angebracht.
Sie hängen den Kranz um den Hals über die Brust, und der Geruch davon· ist eben so angenehm, als die schneeweiße Farbe der Blumen ungemein schön ins Gesicht fällt.
Kaffee wird in diesen Gegenden an sehr vielen Orten gebaut.
Die Kaffeeplantagen nehmen sich unbeschreiblich schön aus.
Der Baum trägt im dritten Jahre die ersten Bohnen.
Hundert Bäume geben gemeiniglich drei bis vier Pickel Bohnen, das Pickel zu hundert und zwanzig Pfund gerechnet.
Doch ist der Ertrag nicht alle Jahr gleich.
Im ersten Anfange soll die Compagnie den Javanern jedes Pickel Kaffeebohnen mit fünf und zwanzig Thalern bezahlt haben.
Jetzt wird nicht mehr als sechs Taler dafür gegeben, wovon der Tommegom, oder Landvoigt, zwei Taler behält, so, daß der Javaner, welchem die Pflanzung gehört, die· er· unterhält und die Arbeit verrichtet, nicht mehr als vier Taler bekommt.
Man pflanzt hier zu Lande zwischen die Kaffeebäume, welche nur dünne stehen dürfen, allezeit Korallenpflanzen und zwar von der gewöhnlichen Art (·Erythrina corallodendrum, javanisch Dadap·), um den Kaffeebäumen gehörigen Schatten zu verschaffen; weil sonst die Sonnenhitze für sie allzubrennend sein würde.
Es ist wirklich etwas ungemein angenehmes, eine solche Plantage zu sehen.
Sie ist wie ein Wald von Bäumen, die alle in geraden Linien gepflanzt, zum Theil aus hohen, weit auseinander geſetzten Bäumen, zum Theil aus Sträuche·n beſtehen, die sowohl mit einer Menge Caffeebohnen bedeckt sind, als auch mit einer Menge weißer Blumen an ihren ausgebreiteten und etwas nieder hängenden Zweigen prangen.
Zu Samarang bekam ich Gelegenheit die Operation des Staarstechens zu verrichten.
Ein deutscher Feldscheer, der ehemals im Dienste der Compagnie gewesen war, und vom hiesigen Gouverneur sehr werth geschätzt wurde, hatte das Unglück gehabt, den grauen Staar auf beide Augen zu bekommen.
Als der Gouverneur, vom Hoſpitalmedicus bey dem ich logi·rte, erfuhr, daß ich es mir zutraue, dieſem Manne das Geſicht wieder zu ſchaffen, bot er mir hundert Ducatons, wenn es mir damit glücken würde, und da alle meine chirurgiſchen Inſtrumente mit dem Schiffe nach Juana gegangen waren, ſchickte er ſogleich einen Expreſſen dahin, und ließ ſie holen.
Allein der Blinde, welcher doch nur etwas über die mittleren Jahre hinaus war, schien zu seiner eigenen Kunst, der Chirurgie, selbst sehr wenig Vertrauen zu haben, weil er eben so eigensinnig als blind war, und sich schlechterdings nicht bewegen oder überreden lassen wollte, sich der Operation zu unterwerfen.
Ich erkundigte mich daher, ob es hier nicht and·re Blinde gäbe, denen ich Hilfe verschaffen, und dadurch zugleich meinem gefälligen Wirthe eine Operation lehren könnte, die zu den vorzüglichsten und nützlichsten in der ganzen Wundarzneywiß·enschaft gehört.
Dieser schaffte sogleich einen alten Mann, und zwar einen Europäer, und eine sieb··zigjährige chinesische Frau herbei, die beide auf beiden Augen blind waren, jener ganz stockblind, und diese so, daß sie nur zur Noth ohne Führer gehen konnte.
Beide wurden von mir glücklich operiert, und bekamen ihr Gesicht völlig wieder.
Ich ließ mich auch bereden, meinem Wirte nicht nur die zum Staarstechen gehörigen, sondern auch verschiedene andere chirurgische Instrumente, deren Gebrauch auf dem Schiffe nur höchst selten vorkommt, zurückzulassen.
Bey Gelegenheit des, den 3.·· Mai einfallenden Neujahrsfest·s der Javaner, gab der hiesige Patti, das ist, der hier residierende Oberhauptmann oder Landdroſt der Provinz, eine große Mahlzeit, zu welcher die sämtlichen hier sich aufhaltenden Beamten und Bedienten der Compagnie, eingeladen waren.
Den 14.·· Mai reiste ich mit einem holländischen Schiffe von Samarang nach Japara.
An diesem sehr angenehm liegenden Orten wurde ich von Herrn van der Beek, Residenten der Compagnie hieselbsten, über die Maaße wohl aufgenommen.
Dieser Mann besitzt nicht nur selbst Gelehrsamkeit, sondern ist auch ein großer Gönner und F··örderer der Wissenschaften, und derer welche sie treiben; ein Verdienst, das in diesem entfernten Teil· der östlichen Welt um so viel größer und wichtiger ist, je selt·ner hier Männer dieser Art anzutreffen sind.
Seine vorzügliche Güte gegen mich, werde ich nie vergessen.
Ich bedaure nur, daß das Schicksal mir nicht erlauben wollte, hier lange zu bleiben, weil das Schiff zu Juana schon völlig geladen hatte, und ich daher eilen mußte, dahin zu kommen, um mit demselben nach Batavia zurückzugehen.
Den 20.··· setzte ich meine Reise zu Pferde nach Juana fort, in Begleitung eines Javaners, den Herr van der Beek mir zum Wegweiser mitgegeben hatte.
Da der Weg zu weit war, als daß ich ihn bei der starken Hitze in einem Tage hätte zurücklegen konnten, so hatte ich von demſelben auch ein Empfehlungsſchreiben an einen Fürſten bekommen, den ich unterwegens besuchen, und bei dem ich die Nacht Quartier nehmen sollte.
Dieser Fürst hatte die Schwester des Kaisers zur Gemahlin.
Ich brachte die Nacht bei ihm zu, nachdem ich am Abend die Ehre gehabt hatte, mit ihm allein an seiner Tafel zu speisen, und in male·ischer Sprache, so gut ich konnte, mich mit ihm über allerhand Dinge zu unterhalten.
Indessen störte mich das Geschrey von Eulen und ander·n Tieren, die sich die ganze Nacht hören ließen, gar sehr im Schlaf·.
Am folgenden Tage langte ich zu Juana an, wo ich mich sogleich in einer Schaluppe an Bord des Schiffes bringen ließ, welches schon eine ganze Meile weit von der Rhede weg lag.
An der nördlichen Küste von Java· ist der Strand sehr niedrig, und die Häfen sind seicht und größtentheils voll Schlamm.
Die Schiffe müssen deswegen weit auf der Reede hinaus ankern, und wenn sie schwer beladen werden, setzen sie sich oft im Schlamm fest.
Dies war jetzt auch bei Juana der Fall, ohne·achtet das Schiff schon weit vom Lande vor Anker gegangen war, um den Rest der Ladung einzunehmen; und ob wir gleich die Zeit abpaßten, da hohes Wasser war, um die Segel aufzuziehen, wurden wir dennoch genöthigt, eine Menge Bretter, die zur Ladung gehörten, wieder aus und in große Bote zu laden, um das Schiff nur leichter zu machen.
Als endlich der Wind etwas stark wurde, segelten wir zwar, jedoch noch zwey ganze Meilen weit so tief im Moder, daß das Wasser hinter dem Schiffe von der blauen Schlammerde ganz dick und bläulich aus sah.
Alle Seefahrer bezeugen einmütig, daß hier das Wasser jell··er, desto mehr abnimmt, der Strand immer höher, und die Häfen immer seichter werden.
Dies, sagen sie, hat seit der Zeit, da zuerst Schiffe der ostindischen Compagnie hierher kamen, dermaßen zugenommen, daß jetzt da Morast ist, wo ehemals die Schiffe lagen, und wo sie sich jetzt weit entfernt halten müssen.
Die Nordseite von Java ist die fruchtbarste, die Südseite hingegen sehr gebirgig und unfruchtbarer, das Wasser aber ist allda tiefer.
Zwischen Juana und Japara läuft ein Vorgebirge in die See, bei welchem wir jetzt vorbeisegelten.
Eine von den dazigen Klippen· hat den Namen Teufelsklippe.
Dies rührt daher, weil hier oft Seeräuber sich aufhalten sollen, welche große und kleine Fahrzeuge, die nicht gut bewaffnet sind, oder nicht unter Bedeckung eines bewaffneten Schiffs segeln, angreifen und wegnehmen.
Diese Räuber sind nicht Javaner, sondern kommen von den Küsten von Borneo und den dazu gehörigen Inseln, und können daher nicht ausgerottet werden.
Unsere Fahrt ging ohne einen dergleichen und ohne alle andere Unfälle von Statten; so daß wir am 1.··· Juni· glücklich wieder zu Batavia ankamen.
Zweiter Abschnitt.
Ferner·· Aufenthalt zu Batavia und zweite Reise in das Innere von Java.
Unmittelbar nach meiner Rückkunft ward· mir aufgetragen, als Arzt auf dem außerhalb der Stadt auf der Rhede liegenden Schiffe Dienst zu tun.
Zwar werden, sobald ein Schiff ankommt, alle auf demjenigen vorhandene Kranke sogleich nach dem Hospital· in der Stadt gebracht, und eben das geschieht auch nachher, sobald jemand von den hier auf der Rhede liegenden Schiffen krank wird; dem··gemäß··· wird noch außerdem beständig ein sogenanntes Krankenschiff gehalten, wozu gemeiniglich ein altes, sonst unbrauchbares Schiff genommen wird, auf welches man diejenigen bringt, welche des Nachts krank werden oder zu Schaden kommen, wenn die Stadttore verschlossen sind.
Dieser Dienst, oder vielmehr diese Nachtwache, geht unter allen zu Batavia sich befindenden Schiffswundärzten der Reihe nach um.
Selten aber verrichten diese sie persönlich, sondern nehmen einen alten Feldscheer, der nichts zu tun hat, für Geld dazu.
So machte denn auch ich es, und blieb für einen Ducaton von diesem Geschäft frei.
Sogleich in den ersten Tagen meines diesmaligen Hierseyins, fand ich Gelegenheit, die Bekanntschaft eines wacker·n Landsmanns, Herrn Wimmercranz, Ingenieurcapitains im Dienste der holländischen Compagnie, zu machen.
Dieser Mann ist hier für die Compagnie äußerst nützlich, und sehr geliebt und geachtet.
Er ··zeigte mir für den Rest meines Aufenthalts viel Gewogenheit und sehr wesentliche Dienste, welches gleich mir, mehrere unserer Landsleute ihm nachruhmen.
Am 19ten Juni·, indem ich noch auf ein Schiff warten musste das nach Ceylon, welche Insel ich zu besuchen wünschte, gehen wollte, machte ich, mit Erlaubnis des Generalstatthalters und in Gesellschaft des Herrn Baron von Wurmb, noch eine kleine Reise in das Innere des Landes, nach dem warmen Bade und den sogenannten Blauenbergen.
Capitain Wimmercranz war so gutig, mir sein eigenes Pferd dazu zu überlassen, und der sogenannte Commissarius über die Eingebohr·nen, gab mir auch einen Bedienten mit.
Am ersten Tage kamen wir bis Tanjung, einem Landgut· des Herrn Cran, Mitglied des hohen Raths.
Die Wege sind hier durch Meilensäulen abgetheilt, doch stehen diese nicht alle gleich weit von einander.
Am folgenden Tage reisten wir des Morgens nach Tjipinong, wo wir zu Mittag aßen, und von da weiter über Tjimangis und Tjiluan nach Buytenzorg.
Dieser Ort, welchen die Javaner Bogor nennen, ist zum Vergnügen des jedesmaligen Generalgouverneurs eingerichtet.
Der Gouverneur Imhof· hat ihn dazu ausgewählt und die Gebäude aufgeführt.
Das Hauptgebäude ist von Steinen, sehr schön und hat zwei Flügel.
Gegenüber steht eine kleine Zitadelle, und dazwischen liegt ein schöner Garten.
Die Entfer·nung· dieses Lustschlosses von der Hauptstadt ist aber Schuld, daß der Generalgouverneur sich selten hier aufhält.
Den 22.sten kamen wir nach Tjiserva, und weiter über hohe Berge nach Tjipannas.
Diese beiden Orte, so wie auch Pondogede und Arkidomas gehören dem Generalstatthalter, oder vielmehr der holländischen Compagnie.
Wir übernachteten daselbst, und besahen das warme Bad, welches Tjipannas heißt, und der umliegenden Gegend den Namen gegeben hat.
Das warme Bad entspringt beinahe mitten zwischen den heutigen beiden großen Reihen von Bergen in einem Tal·.
Das Wasser ist nicht heißer, als daß man die Finger darin leiden kann.
Es quillt an verschiedenen Stellen hervor.
Über diejenige Quelle, aus welcher das Wasser nach dem Brunnenhaus· kommt, hat man eine Hütte gebaut.
Das Quelloch selbst ist nicht sehr tief, und das Wasser quillt auch nicht stark heraus.
Die Erde umher ist roß·farbig, und an den Seiten der Einfassung hat sich eine hochgrüne dünne Borke gesetzt, die völlig wie Kupferrost aus·ieht.
Das zum Gebrauch des Bades eingerichtete Haus besteht aus zwei Teilen.
Das eine Zimmer ist sehr groß; durch dieses wird das Wasser nach dem ander·n geleitet; im Boden sind zwei Lucken, um das Wasser von dem Unreinen was darinnen ist, zu säubern.
Das and·re Zimmer hat eine große viereckt·e Grotte, die mit Brettern ausgeschlagen· und mit einer Treppe versehen ist.
In dieses Zimmer sind zwei Rohren mit metall·nen Zapfen geleitet, aus welchen man während des Badens nach Gutdünken kaltes und warmes Wasser haben und zu beliebiger Höhe steigen lassen kann.
Oben auf dem Wasser sammelt sich eine Rinde, die fast so dick wie ein Pfennig und salzig ist.
Man sagte mir, daß das Wasser, wenn man es zum Trinken brauche, laxi·re, und daß es deswegen selten innerlich, sondern meist äußerlich gebraucht werde.
Vor einiger Zeit waren viele Kranke auch aus den Hospitälern von Batavia hierher geschickt, die sich des Bades bedienen sollten; man hatte auch zu diesem Ende hier ein Hospital angelegt, welches nun aber gar nicht gebraucht wird.
Jetzt wohnt hier ein europäischer Bauer, der die Aufsicht über das Bad, und einige dabei liegende Orte hat.
Das hiesige Klima ist sehr gesund und erfrischend.
Die Luft war jetzt sogar, besonders des Morgens und des Abends, nicht nur kühl sondern wirklich recht kalt, so daß ich, da ich keinen Überrock mitgenommen hatte, wirklich für Abendkälte zitterte.
Man sollte es nicht für möglich halten, daß jemand in einem Lande, das beynahe unter dem Äquator selbst liegt, frieren könne.
Hier, um Arkidomas, Tjiſeroa, und Pondogede, werden europäische Gartengewächse, als Kohl, Möhren und and·re Wurzeln, Grünigkeiten und dergleichen gebaut; auch hat man hier viele europäische Bäume gepflanzt.
Von allen diesen Orten werden wöchentlich dreimal Küchengewächse, Früchte und dergleichen zum Gebrauch des Generalgouverneurs nach Batavia geschickt.
Die Apfelsinen wurden jetzt reif; sie sind schmackhafter als die, welche näher um Batavia wachsen.
Die Javaner sowohl als die unter ihnen wohnenden Chineser, decken ihre Häuser mit gespaltenen Stücken Bamboholz, die beynahe wie Ziegelsteine übereinander gelegt werden.
Ich lernte hier auch einige Gewächse und deren Gebrauch kennen.
Kadondon nennen die Javaner ein Gewächs, das zu lebendigen Hecken gebraucht wird.
And··alu heißt ein Rankengewächs mit dreifach geteilten Blättern, das ein gutes Gegengift sein soll.
Aus den beiden Kräutern, Korang garing und Tampal utan machen sie blaue Farbe.
Boa kirai ist eine Frucht, die einen zusammenziehenden und barschen Geschmack hat.
Das Gewächs Tingling mintik wird für ein herzstärkendes und gute Dienste thunendes Arzneimittel ausgegeben.
Die hiesigen Javaner erzählen, (·und möchten es auch gar ···gern den Europäern einbilden·), daß auf den tjipannaſchen Bergen eine Art Affen (·Orang-Outang·) gefunden werden, die krauses Haar und hinterwärts gekehrte Füße haben.
Indessen hat bisher kein Europäer dergleichen gesehen.
Ich traf hier eine Art Reiher (·Ardea·) an, welche den ostindischen Kranichen (·Antigone·) ähnlich sind, mit weißgelbem Schnabel, nacktem und gelben Halse, kahlem und weißlichem Kopfe, bläulichen Füßen, schwarzgrauen Schwungfedern, schwarzem Rücken, schwarzem Schwanz· und weißem Bauche.···
Die Lach-Taube (·Columba risoria·), welche ich in der Gegend des Vorgebirges der guten Hoffnung nie anders als blau gesehen habe, ist hier fast durchgängig von heller·· Farbe, und meher·nteils weiß.
Den 24.··· Juni· reisten wir über das Gebirge nach Pondogede zurück.
Oben auf den Bergen, die allenthalben mit Wald und Büschen bewachsen sind, stiegen wir ab, ließen unsere Pferde am Wege stehen, und begaben uns noch höher hinauf zu einer der höchsten Spitzen, um daselbst die sehr bekannte Wasserhöhle bey Mehemedon zu besichtigen.
Ich fand hier beinahe nordeuropäisches Klima, und unter ander·n Gewächsen auch verschiedene Moose (·Muscus·) und Flechten (·Lichen·), die sonst in den wärmsten Ländern Indiens sehr selten, und fast gar nicht anzutreffen sind.
Wir blieben die Nacht zu Pondogede, und reisten am folgenden Tage nach Arkidomas, um einen Ort zu besichtigen, der wegen verschiedener aus Stein gehauen·· kleiner Bilder merkwürdig ist, welche, drei oder vier bey einander, an verschiedenen Plätzen im Walde aufgestellt sind.
Die Japaner halten diese Bilder gar sehr in Ehren, und die Chineser opfern ihnen.
Unterwegens sah ich wilde Pfauen im Walde ab und zu fliegen, bisweilen auch wohl sich auf die Zweige setzen, und mit ihren langen, niederhangenden, prächtigen Schwänzen prangen.
Den ganzen Tag hatte der Commandant einer kleinen Zitadelle uns Gesellschaft geleistet, und zugleich zwei Soldaten mit·genommen, die beständig auf kleinen Waldhörnern bliesen, um die Tiger abzuhalten.
Diese Tiere sind hier sehr gefährlich, und schon mancher diese Wege passierende Javaner ist von ihnen zerrissen und verschlungen worden, aber den Laut starker Blase- Instrumente können sie gar nicht vertragen.
Ehe wir aber dahin kamen, ritten wir nach einer Stelle unweit Paditulis, um einen sehr alten Stein zu besichtigen, auf welchem eine eingehauene Inschrift befindlich ist, die bisher noch niemand hat lesen oder erklären können.
Der Stein ist ungefähr Mannshoch und etwa zwei Fuß breit.
Die Buchstaben scheinen von der Linken zur Rechten geschrieben zu sein, und machen neuntehalb Zeilen aus.
Den 26.··· machten wir wieder einen kleinen Nebenritt nach dem Berge Tjorroton, welcher in mehreren Hinsichten merkwürdig ist.
Er steht ganz isoliert, und beinahe mitten im Lande.
Die Reise dahin nahmen wir hauptsächlich in der Absicht vor, die be··sonderen Höhlen dieses Berges zu besichtigen, worin die chinesischen Schwalben (·Hirundo esculenta·) ihre Nester bauen, welches die bekannten geleeartigen Vogelnester sind, die als große Leckerbissen gegessen werden.
Wir gingen zu Fuß hinauf, und kamen in kurzer Zeit auf den Gipfel.
Jene Höhlen sind eigentlich an der Südseite des Berges und oben ganz bedeckt.
Sie scheinen nicht auf die Art, daß der Berg große Ritzen bekommen, entstanden zu sein, weil man oberwärts gar keine Ritzen sieht; sondern mir kam es vor, daß sie ihren Ursprung dem Verwitterung einzelner Teile des Berges zu verdanken haben, weil sie allezeit nach unten gehen und unten Wasser enthalten.
Ich ging in einige dieser Höhlen hinein, und stieg sogar eine gute Strecke auf Leitern von Bamborohr darin hinunter, ohne etwas anders als Gefahr, Dunkelheit und gleichsam Abteilungen in mehrere Gemächer zu finden.
Die Javaner wollten uns nicht erlauben, auch nur ein einziges Nest wegzunehmen, waren aber doch so höflich uns nicht nur einige, die ganz unversehrt waren, zu schenken, sondern uns auch auf uns·re Bitte mit zwei solcher Schwalben ein Präsent zu machen.
Diese Schwalben sind klein und ganz schwarz.
Mein Reisegefä····hr·ter und ich wurden bei dem Javanischen Oberhauptmann der Provinz zu Mittag, sehr kostbar bewirtet.
Er, sein Schwager und wir beiden Fremden machten die ganze Gesellschaft aus.
Er verstand das Male·isches, welches wir sprachen, und sprach es auch ziemlich.
Für jeden von uns war das Essen auf kleine porzellanene Teller schon vorgelegt.
Wir bekamen daher von jedem Gericht· zwar nicht viel, dagegen belief sich auch die Anzahl der Gerichte auf neunzig, so daß wir kaum im Stande waren, von allem zu kosten.
Den 22.··· ritten wir nach einem Landhaus, das Herrn Duurkoop ··gehörte.
Dies ist ein ungemein schönes Gebäude, und hat einen Turm, welcher wegen eines Echos merkwürdig ist, das neun Silben deutlich wiederholt.
Von diesem anmutigen Orte kamen wir endlich nach Batavia zurück.
Auf der jetzt beschriebenen Reise sah ich, daß die Chineser in großer Menge auch in den inner·n Gegenden des Landes sich niedergelassen haben, aber doch nicht mit den Javanern zusammen wohnen.
Dies soll ihnen verboten sein, und zwar, um Uneinigkeit und Streit zu verhindern, wozu die Chineser sehr geneigt sein sollen.
Wenn sie aber die Religion ändern und sich beschneiden lassen, ist es ihnen erlaubt.
Nichtsdestoweniger sind sehr viele von ihnen mit Javanerinnen verheiratet, obgleich die Töchter der Chineser keinen Javaner heiraten dürfen.
Auch dürfen die Chineser hier nicht, wie in China, ihre Frauen einsperren oder ihnen die Füße verunstalten.
Die hiesigen Chineser tragen Pantoffeln mit Hinterleder und dicken Sohlen, die inwendig mit verschiedenen Lagen Hutfilz überlegt sind, damit kein Wasser eindringen, und die Füße nicht naß werden können; diese Pantoffeln sind aber, so wie ihre Stiefeln, die eben so eingerichtet sind, unbequem und schwer.
Während der übrigen Zeit meines hiesigen Aufenthalts, besuchte ich fleißig das Hospital.
In dieser Anstalt werden die Kranken zwar gut behandelt, demungeachtet sterben sie in großer Menge.
Die Anzahl der Verstorb·nen hat sich fast jährlich vermehrt, und zwar in den letzten Zeiten vorzüglich dadurch, daß die Kanäle, welche das Wasser durch die Stadt leiten, nicht gehörig rein gehalten werden.
Mit dieser Unordnung geht es so weit, daß die Chineser nicht nur den Abfall von Grünigkeiten und Gartengewächsen, sondern oft todtes Vieh in die Canäle werfen, welches ich nicht selten selbst gesehen habe.
Besonders hat diese schlimme Gewohnheit überhand genommen, seitdem die Vornehmen angefangen haben, Lusthäuser und Gärten vor der Stadt anzulegen, und sogar außerhalb der Stadt zu wohnen.
Aus den Sterbelisten erfuhr ich unter ander·n das Verzeichnis der im Hoſpitale von Jahr zu Jahr verſtorbenen Europäer.
Ich will es hier vom Jahre 1714 an mitteilen.
Aus diesem Verzeichnisse erhellet, dass die Zahl der Verstorbenen beynahe von Jahr zu Jahr zugenommen hat; dass die·· Zunahme aber besonders nach drei merkwürdigen Veränderungen beträchtlich gewesen ist.
Von 1714 bis 1733· sind die wenigsten gestorben.
Im Jahr 1733· be·g··ann man, außerhalb der Stadt einen Graben oder Wasserleitung nach der Stadt zu ziehen, wobei sehr viele, sowohl Javaner als and·re, umkamen.
Von dieser Zeit an ist auch die Anzahl der Verstorbenen allezeit gewachsen.
Im Jahr 1761· machte man den Anfang damit, in das vor der Stadt belegene Hospital mehr als zweihundert Genesende, außer welchen vorher niemand dahin gebracht wurde, aufzunehmen, und seit dieser Zeit ist die Zahl der Verstorbenen noch höher gestiegen.
Endlich wurde 1775· auf der Rhede ein Krankenschiff eingerichtet, da denn sowohl in diesem als im folgenden Jahre die Anzahl am allergrößten gewesen ist.
Um meinen Endzweck, nach Ceylon zu reisen, zu erreichen, wurde ich auf mein Ansuchen zum ersten Wundarzt· auf einem nach dieser Insel bestimmten Schiffen angenommen, nachdem sowohl Herr Radermacher als mein Wirth, Doctor Hoffmann, durch das Anoberbieten, mir eine vorteilhafte Stelle zu Batavia zu verschaffen, verschiedene Versuche gemacht hatten, die mich wohl hätten reizen können, hier zu bleiben.
Zwar konnte ich die Hitze sehr gut vertragen, und befand mich auch übrigens unter diesem so warmen und für die Europäer so ungesunden Himmelsstriche sehr wohl.
Aber es ist hier doch beschwerlich und sehr lästig seine Geschäfte zu verrichten, und die Liebe zu meinem Vaterlande machte mich gegen alle and·re Vorstellungen taub, selbst zu einer Zeit, da ich noch kein Glück für mich in demselben vorhersehen konnte.
Ehe das Schiff seine völlige Ladung eingenommen hatte, stellte ich noch verschiedene botanische Excursionen um Batavia an.
Unter ander·n kam ich nach Jaccatra.
Dies ist ein ziemlich angenehmer Ort, nicht weit von der Stadt.
Es war ehemals die Hauptstadt dieser Insel, und wurde von den Holländer 1619. erobert.
Jetzt wird hier eine kleine Anzahl Soldaten gehalten, um die Zitadelle zu bewachen, und der Ort wird gleichsam wie eine Vormauer für Batavia angesehen.
Ungeachtet es in Batavia schon an und für sich selbst höchst ungesund zu wohnen ist, so sind die Europäer hier doch fast gar nicht darauf bedacht, ihre Gesundheit zu erhalten, sondern sie führen meistens ein unordentliches Leben.
Beim Mittag·essen erhitzen sie das Blut durch Wein und starkes Bier, und nach der Mahlzeit durch Tabakrauchen und ebenfalls durch Wein und starkes Bier.
Um halb drei Uhr legt man sich zu Bette, und hält bis fünf Mittagsruhe.
Der Abend wird in Gesellschaft zugebracht und zwar beim Spieltische und abermals bei starkem Bier und Wein, und mit der den hieſigen Europäern so ganz unentbehrlichen Tabakspfeife.
Gegen halb acht geht man wieder zu Tische, tut eine gute Mahlzeit und trinkt wiederum Wein und starkes Bier.
Nach geendigtem Abendessen zündet man die, nur während der Mahlzeit weggelegte Pfeife, sogleich wieder an, raucht bis elf Uhr, und trinkt Wein und starkes Bier dazu, bis man, von Hitze, Bier und Wein im Kopfe verworren, von Tobacksrauch halb berauscht, und dabei müde und schläfrig sich endlich zu Bette verfügt, um eines unruhigen Schlafes zu genießen.
Die Portugiesen sind zwar eher als and·re Europäer, und zwar schon 1510. nach Java gekommen, haben sich da aber nie förmlich niedergelassen.
Nach ihnen kamen die Engländer und bald hernach, 1596, die Holländer.
Auf Java sind drei Hauptreligionen: die heidnische, zu welcher sich die Chineser und ein Theil der Javaner; die muham·edanische, zu welcher ein großer Theil der Javaner; und die christliche, zu welcher die Europäer, und ein Theil der Javaner, Maleyer und and·rer Indier, sich bekennen.
Im ersten Bande habe ich bereits vom Javaſchen Handel umständliche Nachricht gegeben.
Hier will ich nur noch das Verzeichnis der Produkte dieses Landes nachholen, welche vornehmlich von dort ausgeführt werden.
Dies sind: Reis, der vortrefflich ist und nach mehreren indischen Ländern zum Verkauf· gebracht wird, und dessen noch mehr sein würde, wenn nicht der sogenannte Reisfresser, ein Vogel aus dem Geschlecht der Kernbeißer (·Loxia oryzivora·), welcher hier in großer Menge vorhanden ist, den Reisfeldern so großen Schaden täte.
Kardamom·· von derjenigen Art, die rundliche Saat·kapseln hat (·Cardamomum compactum·).
Zucker, welcher als Puderzucker nicht nur nach allen indischen Handelsplätzen, sondern auch nach Europa geht; vor Ankunft der Holländer wuchs hier kein Zuckerrohr, sondern diese haben es hie·her gebracht, jetzt wächst es aber in Menge.
Salz, welches nach verschiedenen Ländern in Indien gebracht, und besonders auf den molukkischen Inseln sehr teuer verkauft wird.
Pfeffer, der meist nach Europa kommt.
Vogelnester, die größtenteils zu Canton, und zwar mit ungemeinem Vorteil, verkauft werden.
Außer der im ersten Band· beschriebenen kupfernen Scheidemünze cursiert hier auch noch eine and·re Art: nämlich Pfennige, welche die Compagnie von gewöhnlichem schwedischen Kupfer, und zwar in Europa, schlagen läßt, und hie·her schickt.
Es gibt zwei Arten davon, die ganz gleich aussehen, aber an Größe verschieden sind, und zwar so, daß die eine halb so groß als die and·re ist.
Die große kommt deutschen und schwedischen Kupferpfennigen gleich.
Auf der einen Seite ist das gewöhnliche Wap·en der Compagnie, nebst der Jahrzahl, und auf der ander·n das Wap·en derjenigen Provinz, welche sie hat prägen lassen, zu sehen.
Der Wert, sowohl der großen als der kleinen, ist noch einmal so groß als er in Europa sein würde, und die Compagnie gewinnt an hundert Prozent dabei.···
Auch sah ich bei den Chinesen und Javanern holländische Dukaten.
Man hatte aber oberwärts mit einem kleinen runden Stempel einige Javanische Buchstaben darauf gedruckt, wodurch sie den Javanern lieb werden und Kurs unter ihnen bekommen.
Vierte Abteilung.
Reise von Batavia nach Ceylon und Aufenthalt daſelbſt, vom 5ten Julius 1777 bis den 6ſten Februar 1778.
Erster Abschnitt.
Beschreibung der Reise nach Ceylon, und Aufenthalt da selbst, wie auch einiger Reisen in diesem Lande.
Den 5.·· Julius 1777 begab ich mich an Bord des Schiffes Mars, um mit demselben nach Ceylon zu gehen.
Ich hatte mich mit verschiedenen Empfehlungsschreiben an den Gouverneur und andere holländische Beamte daselbst versehen.
Zwei Tage darauf lichteten wir die Anker, und entfernten uns bei sanftem günstigen Winde, von Java, einem der herrlichsten Länder in der Welt.
Den 11ten legten wir uns bei Angier vor Anker, um daselbst frisches Wasser zu unserer bevorstehenden Reise einzunehmen.
Auf dieser Rhede trafen wir den schwedischen Oſtindienfahrer, das Stockholmer Schloss, an, welcher nach China bestimmt war.
Dieses Schiff wollte sich hier ebenfalls mit Wasser versorgen, und ich hatte bei dieser Gelegenheit die Freude, verschiedene Freunde und Landsleute zu umarmen, unter ander·n Capitain Pettersen, und die Supercargen Alnoor und Bladh.
Das Wasser, welches hier aus einem ins Meer herabfließenden Bach· geholt wird, ist zwar süß und nicht ganz schlecht, aber sehr dick; und dadurch, daß es hier sehr schwer ist an Land zu kommen, und die Tonnen im Wasser ans Land gerollt werden müssen, wird es, wenn man davon holt, noch dicker.
Dieses Wasser trug auch sehr viel dazu bei, auf der Reise die unter der Mannschaft entstandene Diarrhoe zu unterhalten und zu vermehren.
Wenn man es wagte, ein einziges Glas davon allein zu trinken, ohne Kaffee oder Tee hinzuzufüg·en, so konnte man darauf rechnen, dass bald darauf eine Art Durchfall entstand.
Ich ging mit den Wasserf··örfern ans Land, und fand hier die große Art Pisang, ( Troglodyten- oder Affenmuße, Musa troglodytarum ) und zwar mit ziemlich deutlichem Saamen; die Körner waren platt und beynahe so groß als Leinsamen.
Die im Dorfe wohnenden Javaner verkauften sogenannte spanische Rohre in Menge, und die Schweden kauften verschiedene von der besseren Art, wobei ich das Vergnügen hatte meinen Landsleuten, durch Hülfe des wenigen was ich von der malaiischen Sprache verstand, zum Dolmetscher zu dienen.
Unsere weitere Fahrt ging mit gutem Winde glücklich von Statten.
Den ersten August paſſierten wir die Sonne, das ist, wir hatten sie im Scheitelpunkte; den 28sten sahen wir die malabariſche Küſte, und zwar in der Gegend von Cochin; und segelten hernach längs derſelben, namentlich Porca, Ceylon und Cap Komorin vorbe·.
Unser Schiff war sehr stark, ich kann wohl sagen, übermäßig beladen, so, daß es gewiß übel daran gewesen wäre, wenn wir heftigen Sturm bekommen hätten.
Die Ursach· von dergleichen, und von so manchen ander·n Unordnungen, Unannehmlichkeiten und Unglücksfaellen, ist die uebertriebene Gewinnsucht der Bedienten der Compagnie.
Der Capitain und die sämtlichen Schiffsoffiziere haben das Recht, mit gewissen Waaren zu handeln.
Zu diesem Ende wird ihnen ein Raum von gewissen Lasten im Schiffe zugestanden.
Aber unter Vorwand dieses Rechts, nehmen sie, um desto mehr zu gewinnen, noch einmal so viel von solchen Waren mit als dieser Raum fasst; um so viel mehr wird denn aber auch das Schiff über die Gebühr belastet.
Besonders sind es der Capitain und der Obersteuermann, die sich dies eigenmächtig herausnehmen.
Die Handelswaren, welche diesmal von Privatpersonen auf jene Art mitgenommen wurden, bestanden in einer Menge Reis·, Puderzucker (·Kochzucker·) und Arrack.
Am 22.··· August bekamen wir die Insel Ceylon zu Gesicht, und langten am folgenden Tage schon auf der dasigen Rede an.
Aber hier fehlte wenig, daß wir nicht durch die Ungeschicklichkeit und Furchtsamkeit des Capitains Schiffbruch litten.
Indem wir mit dem Senkbley in der Hand weiter segelten, und uns deshalb ganz sicher glaubten, sahen wir uns mit einem Male ganz nahe an den Sandbänken, welche in dem Kanal liegen, der die Insel vom festen Lande trennt.
Schon war das Schiff einer Sandbank so nahe, daß wir glaubten, es würde im nächsten Augenblick darauf festsitzen, als der Untersteuermann, ein rascher und unternehmender Seemann, wie er die sichtbare Erschrockenheit und Muthlosigkeit des Capitains bemerkte, das Kommando nahm, und eine Wendung machen ließ, wodurch das sehr tief gehende Schiff innerhalb wenig Minuten in tieferes Wasser gesetzt, und wir alle der Gefahr glücklich entrissen wurden.
Am folgenden Tage kam von Europa das seeländische Schiff Wilhelm der Fünfte, und einige Tage nachher das Schiff Loo von Amsterdam, allhier an.
Sobald wir die Anker geworfen hatten, schickte ich meine Empfehlungsschreiben nach Colombo, und eilte bald darauf selbst ans Land.
In der Stadt machte ich zuerst dem Gouverneur Falk die Aufwartung.
Dieser Herr ist ein gelehrter und verständiger Mann, und zugleich der uneigennützigste von allen Beamten der Compagnie, die ich kenne.
Er ist auf Ceylon geboren, und hat zu Utrecht studiert.
Der Generalgeuverneur van der Parra· hat ihn zu diesem Dienste befördert, dessen er sich auch in jedem Betrachte völlig würdig gezeigt.
Außer vielen ander·n, die mir hier Freundschaft erwiesen, muß ich vorzüglich Herrn van Sluyſken rühmen.
Man nennt ihn hier gewöhnlich Capitain Kaneel ( Zimmt-Capitain ), weil alle, die den Kaneel ( oder Zimmt ) schälen und liefern, unter seinem Befehl stehen.
Bei diesem war ich gewöhnlich zwei bis dreimal in der Woche zu Gäste, und fand bei ihm allemal eine muntere Gesellschaft.
Ferner machte ich hier die Bekanntschaft zweyer würdiger Landsleute, Baron von Albedyl, der Offizier bey der hiesigen Garnison war, und Herr van Keulen, eigentlich Kjellin, welcher sich hier als Bürger niedergelassen hatte, und aus··breitete, einträgliche Handlung auf der Küste Koromandel trieb.
Auch lernte ich einen alten braven Mann, Capitain Höpner, kennen, der in seiner Jugend als Matrose auf einem Kauf·ahrts·schiffe aus Schweden gegangen war, und auf dieser Reise in einem Gefechte mit einem türkischen Seeraubers durch eine Kugel den einen Daum·· verloren hatte, hernach aber im Dienste der holländischen Compagnie von unten auf, bis zum Capitain gestiegen war, ein Glück, das er besonders seinen Kenntnissen und Geschicklichkeiten als Artillerist und Feuerwerker verdankte.
Dieser bied·re Mann verstattete mir nicht nur als einem guten Freunde und Landsmann in seinem Hause freien Zutritt, sondern bot mir auch Wohnung und Tisch an, so lange ich mich hier aufhalten würde.
Ich nahm dies Anerbieten aber nicht an, sondern blieb lieber in dem gewöhnlichen Wirthshause, um desto weniger eingeschränkt zu sein, wenn ich Reisen, oder, zu Vermehrung meiner Naturaliensammlungen, Spaziergänge würde anstellen wollen.
Colombo, die Hauptstadt des holländischen Handels auf dieser Insel, ist ein großer und schöner Ort, rund umher mit Wällen umgeben, und sehr stark befestigt.
Der Palast des Statthalters ist nur ein Stockwerk hoch, aber ein ungemein schönes Gebäude; vor demselben läuft eine Galerie hin, auf welche alle längst der Fronte belegene Zimmer einen Ausgang haben, und wo sich··s angenehm und kühl sitzen lässt.
Die Luft ist zwar hier eben so heiß als zu Batavia; aber da die Küste selbst nicht so niedrig liegt, sondern das Land höher ist, auch der Wind mehr wehet, so ist die Hitze doch viel erträglicher und das Klima gesünder.
Zu Colombo war es mein Hauptgeschäft täglich in der umliegenden Gegend herumzuwandern, und im Schweiße meines Angesichts die Naturprodukte des Landes zu sammeln, unterdess meine Reisengefährten ihre Waren im Wirthshause auskramten und ihr Gewerbe auf eine weit einträglichere Art trieben.
Auf meinen Wanderungen hatte ich einen Ceyloner oder Cingaleſer bei mir, den mir der Gouverneur verschaf·t hatte.
Dieser war ein, nach Landesart geschickter, Arzt, sagte mir allezeit die Ceylonschen und Malabarischen Namen der Gewächse, und beschrieb mir die Art, wie sie gegen diese und jene Krankheiten gebraucht würden.
Seine medizinischen Kenntnisse waren indes··· sehr geringe; und seine Äußerungen darüber nicht selten so ungereimt, daß ich von dieser Seite nicht viel von ihm lernen konnte.
Der Verfasser gebraucht die Benennungen Ceyloner und Cingaler oder Cingaleſer, ceiloniſch und eingaleſiſch ohne Unterſchied, die eine für die andere.
Eigentlich heißen aber die südlichen Einwohner Cingaleeser, und die nördlichen Wadas.
Unter ander·n besuchte ich das nicht sehr weit von der Stadt belegene Landhaus des Gouverneurs, das den Namen Pass führt.
Das Lustschloss ist schön und hat einen großen Garten, wo man seit einigen Jahren eine Plantage von Kaneelbäumen angelegt hat.
Im Anfange des Novembers machte ich eine Reise von Colombo nach Mature, in Gesellschaft mit Herrn Frobus, der in Geschäften der Compagnie dahin reisen musste, um in Barbary·, Gale und Mature Kaneel einpacken zu lassen, während Herr Sluyſken nach Negumbo ging, um das Einpacken und Absenden des Kaneels mit den nach Europa zurückkehrenden Schiffen von dort aus zu besorgen.
Die Reise geschah in einem Palankin.
Der Weg war an vielen Stellen sandig und beschwerlich, lief immer längs· dem Strande und ging über Panture, Kaltere, Barbary·, Weltotte, Amlagotte, Hekkede und Gale, welches zusammen siebzehn Meilen beträgt; ferner über Belligamar, fünf Meilen, von da wir bis Mature noch vier···halb Meilen hatten.
Über die Flüsse gehen hier keine Brücken, sondern man muss in Booten überfahren.
Diese Böte sind nur klein; ihrer werden daher drei zusammengebunden, und mit Brettern belegt, daß eine Art schwimmender Brücke daraus wird.
Die Flüsse sind von ansehnlicher Breite, und sehr tief, auch oft sehr reiß·end.
An der Landstraße sind auf Kosten der Compagnie verschiedene Häuser angelegt, worin man ausruhen und die Nacht zubringen kann.
Einige dieser Häuser sind groß und schön.
Zu unserer Ankunft waren die Fußböden der Zimmer mit Leinewand belegt; auch hatte man die Stühle und Tische mit einem solchen Überzug· versehen.
Die Zimmer selbst hatte man mit allerlei schönen und prächtigen Blumen geschmückt.
Vor dem Hause waren verschiedene hölzerne Pfeiler errichtet, die man mit jungen Kokosblätter· bekleidet, mit Blumen geziert und oben darüber Lein·wand ausgespannt hatte.
Als wir vor dem Hause ankamen, wurde ein Stück Leinenwand auf die Erde ausgebreitet, und der Trag·essegel auf dasselbe niedergesetzt.
Darauf wurde bis an die Haustür ebenfalls ein Laken gelegt, über welches wir nach dem Hause gingen.
Diese Ehrenbezeugungen wiederfahren den Europäern gewöhnlich, wenn sie in Angelegenheiten und Geschäften der Compagnie reisen.
Den 4.·· waren wir abgereist.
Am folgenden Tage langten wir zu Kaltere an; dies ist eine Festung, in welcher ein Lieutenant commandiert.
Nachmittags kamen wir nach Barbary·.
Hier··· wird der Kaneel aus der ganzen umliegenden Gegend geliefert.
Zur Aufbewahrung desselben sind hier vier, von Steinen erbaute Warenhäuser vorhanden, in welchen zugleich das Kair, eine Art Zeug von Kokosfasern, verfertigt wird.
Im Hafen vor der Stadt· können die Schiffe, welche hier Kane·l laden, sicher vor Anker liegen.
Am 7.·· setzten wir die Reise weiter fort, und kamen am 8.·· des Abend zu Gale an.
Dies ist eine schöne, gut befestigte Stadt, die auf einem in die See schießenden Vorgebirge liegt.
Das Trinkwasser in dieser Stadt· ist in medizinischer Rücksicht merkwürdig.
Es blähet nämlich den Unterleib sehr auf und veranlaßt, allem Ansehen nach, auch die sogenannte malabarische Krankheit, welche die Hoden und die Füße befällt und hier in dieser Stadt sehr gewöhnlich, außer derselben aber selten ist.
Den 13.·· November traten wir die Rückreise von Mature an, trafen Tages darauf zu Gale ein, reisten den 16.·· von da wieder ab, und kamen am 19.·· nach Columbo zurück.
Nicht lange hernach, den 7ten December machte ich abermals eine Reise von Colombo nach Mature, und zwar auf Ersuchen des Gouverneurs, um als Arzt die Gemahlin des Grafen Ranzow zu besuchen, die an einer schweren langwierigen Krankheit darnieder lag.
Graf Ranzow war Chef des Comtoirs der Compagnie zu Ma··suri.
Während der wenigen Wochen, die ich hier zubrachte, erwies er mir viel Güte und Wohlwollen.
Ich reiste Tag und Nacht, von zwölf raschen Mohren getragen, welche die ganze Reise aushielten, ohne auszuruhen, so, daß ich in dreimal vier und zwanzig Stunden an Ort und Stelle kam.
Zu Mature machte ich tägliche Exkursionen, besonders um die auf Ceylon vorhandenen Edelsteine, welche hauptsächlich in dieser Gegend aus der Erde gegraben werden, nach ihren verschiedenen Gattungen, desgleichen die Art, wie sie aufge·ucht, bearbeitet und gebraucht werden, genau kennen zu lernen.
Von diesen Steinen schaffte ich mir eine Sammlung an.
Den 20.··· Dezember reiste ich nach Colombo zurück, und traf dort, am Abend vor Neujahr, glücklich wieder ein.
Ein junger Graf Ranzow, der mit einem holländischen Schiffe als Konstabel aus Europa hie·her gekommen war, und seinen Bruder besucht hatte, reiste mit.
Dieser junge Herr, der von ungemein hitzigem Temperamente war, hatte zugleich das Unglück, an den Füßen gebrechlich zu sein.
Demungeachtet focht er gut und hurtig, und war trotz seiner schiefen Beine und krummen Füße ein vortref·licher Tänzer.
Nach Neujahr kamen, wie jedes Jahr zu geschehen pflegt, drei Abgeordnete vom Kaiser zu Candy in Colombo an.
Sie wurden, im Namen der Compagnie, von Abgeordneten, bei Situwaka empfangen, ··willkommen und nach der außerhalb der Festung liegenden Altstadt begleitet, wo sie die für sie bestimmte Wohnung bezogen, und bis zum Audiencetage blieben.
Den 7.·· Februar ging die Gegen Ambaß·ade der Compagnie an den Kaiser von Colombo ab; sie pflegt aus einem Kaufmann und zwey Aſſistenten zu bestehen.
Um diese Zeit wurde auch mit vieler Pracht und Festlichkeit die Installation· des neuen Generalgouverneurs zu Batavia hier gefeiert.
Die öffentlichen Freudensbezeugungen darüber bestanden in Losbrennung des Geschütztes von den Wällen der Festung, und von den Schiffen im Hafen.
Am Abend gab der Statthalter eine große Mahlzeit und einen Ball, zu welchem alle Beamte der Compagnie, alle Schiffsoffiziere und das vornehmste Frauenzimmer eingeladen waren.
Auf der malabarischen Küste waren einige Misshelligkeiten entstanden, welche den hiesigen Gouverneur nöthigten, einige Truppen nach Cochin zu schicken.
Da man mit Ausrüstung derſelben beschäftigt war, so fragte mich der Gouverneur, ob ich bei dieser Gelegenheit eine Reise nach dem festen Lande von Oſtindien machen wollte?
Weil ich aber schon zu Batavia den Entschluß gefaßt hatte, nun endlich wieder nach Europa zurückzukehren, und das Schiff, mit welchem ich hie·her gekommen war, und zu welchem ich gehörte, schon segelfertig lag, um nach Europa zu gehen, schlug ich dies Anerbieten aus, und erbat mir dagegen die Erlaubnis, mit einem ander·n Schiffschirurgus zu tauschen, noch einen Monat auf dieser herrlichen Insel zu bleiben, und mich auf einem von denjenigen Schiffen, welche im Februar von hier absegeln sollten, anzustellen zu lassen, welches mir auch bewillig·t wurde.
Während meines solchergestalt hier verlängerten Aufenthalts, nahm ich, in Gesellschaft der Herren Sluyſken und Conradi, eine kleine Reise nach Negumbo vor; den 17ten Februar reisten wir ab, und am folgenden Tage kamen wir daſelbſt an.
Negumbo ist ein kleiner befestigter Platz, den man mit Wällen umgeben· und mit einem steinernen Thorgebäude versehen hat, und wo ein Fähnrich Kommandant ist.
Unterdessen daß hier eine Menge Kane·l eingepackt wurde, reiste ich, von einem Ceyloner begleitet, zu Pferde etwas landeinwärts, um die in diesem Bezirke angelegte große und merkwürdige sogenannte Elef·antenfalle zu besichtigen, wovon ich unten an seinem Orte mehr sagen werde.
In der folgenden Nacht, da es angenehm kühl war, ritt ich nach Negumbo zurück, und den 20.··· Januar traf ich mit meinen Reisegefährten wieder zu Columbo ein.
Hier kaufte ich für zwölf Pagoden einen Bezoarstein, der für sehr rar, und für den größten der von dieser Art je in der Gallenblase des weißbärtigen Affen (·Simia Silenus·), gefunden sey, ausgegeben wurde.
Dieser Stein heißt hier gewöhnlich Apesteen ( Affenstein ), und ist auswendig glatt.
Das hier gedachte Exemplar wird jetzt in der akademischen Mineraliensammlung zu Upsala aufbewahrt.
Kurz vor meiner Abreise aus Ceylon fand ich zufälligerweise Gelegenheit einem meiner Landesleute in Columbo sehr nützlich zu werden.
Ich hatte schon verschiedenemal, wenn ich bei den Schildwachen am Thore vorbeigi·ng, bemerkt, daß ein gewisser Soldat, indem er das Gewehr vor mir präsenti·rte, welches vor jeden Schiffsofficier geschieht, mich mit besonderer Aufmerksamkeit ansah.
Dies veranlaßte mich, ihn zu fragen, was für ein Landsmann er sei.
Er antwortete mir, er sei ein Schwede, und heiße Bolin; er sei Notarius (·Secretair·) in einem Collegium zu Stockholm gewesen; habe eines gehabt·· Unglücks wegen sein Vaterland verlassen müssen, sei darauf als Soldat auf ein holländisches Schiff gegangen, und habe hier mehrere Jahre zugebracht, ohne irgend weiter befördert zu sein.
Sobald ich mich nach ihm näher erkundigt und erfahren hatte, daß er eine gute Hand schreibe, etwas vom Buchhalten verstehe, und Lust habe nach Batavia zu gehen, bat ich mir für ihn vom Gouverneur die Erlaubnis hie·zu aus, welcher sie auch sogleich ertheilte.
Ich gab ihm Empfehlungsschreiben an die Herren Radermacher und Wimmercranz mit.
Er kam glücklich zu Batavia an, ward· von Herrn Radermacher sogleich zum Assistenten, und bald hernach zum Buchhalter ernannt.
Capitain Wimmercranz nahm ihn in sein Haus auf, und erzeigte ihm, so lange er lebte, die größten Wohlthaten.
Zweiter Abschnitt.
Zoologische Merkwürdigkeiten, besonders vom Elefanten.
Die Ochsen, welche man in Ceilon hat, sind sehr klein und mager; manche waren nicht viel größer als in Europa ein Kalb von zwei Monaten.
Sie werden vor Karren gespannt.
Die Elefanten werden hier in großen Fallen, wenn man diese Anstalten so nennen kann, gefangen.
In einer solchen Falle fängt man ihrer viele nacheinander, und schließt sie zusammen darin ein.
Ich habe oben erzählt, daß ich nach einem Orte, wo eine solche Falle angelegt ist, hinreiste, und sie besah.
Die Falle ist von starken Kokosbäumen gebaut, und zwar beynahe in Gestalt eines Dreiecks, dessen Basis oder breite Seite nach dem Walde hinsieht, und zugleich mit einzeln stehenden Bäumen und Büschen besetzt ist, die sich immer weiter ausbreiten, und zwei lange, endlich ganz unmerkliche Arme bilden.
Da wo dieselben an der Falle nahe zusammen kommen, stehen zu beiden Seiten, nach außen, starke Pfähle dicht bei·einander, auch sind starke Stricke angebracht.
Endlich kommen sie so nahe zusammen, daß nur ein einziger Elefant sich durch die Öffnung durchdrängen kann.
Wenn der Gouverneur für die holländische Compagnie eine Elef·antenjagd anstellen lässt, welches nach Verlauf gewisser Jahre geschieht, so wird es auf folgende Art gemacht.
Eine Menge Leute, sowohl Europäer als Ceiloner, werden in die Wälder deta·chiert, ungefehr eben so, als wenn man in den nördlichen Ländern von Europa auf ein Treibjagen ausgeht.
Die Leute verteilen sich in einen weiten Kreis, und umringen einen gewissen Bezirk, wo man zuvor Elefanten ausgespürt hat.
Darauf kommen sie immer näher, und treiben die Elefanten durch vieles Lärmen, Geschrei und Trommeln immer näher nach der Seite hin, wo die Falle für sie angelegt ist.
Endlich werden Fackeln angezündet, um sie noch mehr zu schrecken und zu zwingen, daß sie in die Falle hinein müssen.
Sobald sie alle darinnen sind, wird die Falle hinter ihnen zugemacht.
Als das letzt·mal auf diese Art gejagt wurde, betrug ihre Anzahl über hundert; die vorhergehendenmale hat man bisweilen mehr als hundert und dreißig bekommen.
Die so gefangenen Elefanten werden hernach größtentheils zu Jafnapatnam an die coromandelschen Fürsten verkauft.
Die erste Sorge ist daher, sie aus der Falle zu führen und zu zähmen.
Zu diesem Ende werden ein oder zwei zahme Elefanten an die Seite der Öffnung gestellt, durch welche jeder Elefant allein herausgelassen, und darauf sogleich mit starken Stricken neben den zahmen fest angebunden wird, die ihn denn mit ihren Rüsseln ·········züchtigen, bis er auch zahm wird, und mit sich nach Gefallen umgehen lässt.
Dies geht oft sehr geschwind, manchmal werden nur einige Tage dazu erfordert, besonders wenn die wilden zugleich durch Hunger gebändigt werden.
Wenn dies geschehen ist, werden sie besichtigt und gemessen.
Zu dem Ende werden sie auf einen mit Korallensteinen ganz eben belegten Platz gebracht.
Das Messen verrichtet ein Mann, der auf einem zahmen Elefanten reitet, mit einem Maßstab·, der nach Covidos eingeteilt ist.
Drei Cubitos sind so viel als zwei Ellen, und gemeiniglich misst ein Elefant von der Erde bis zum Schulterblatt zehn Cubitos, das ist ohngefähr vierzehn Fuß.
Nach dem Messen wird der Elefant überall genau besichtigt und untersucht, und, nächst der Größe auch jeder etwa vorgefundene Fehler, Gebrechen oder Schaden, schriftlich angemerkt, und der Preis festgesetzt.
Im Durchschnitt gilt ein zahmer Elefant ungefähr zweihundert Taler.
Hat er aber einen Fehler, zum Beispiel, wenn er den Schwanz verloren hat, ein Ohr in Stücken gerissen ist, an den Füßen ein Zehe fehlt, oder was es sonst für ein Schaden sein mag, so werden für jeden Fehler, je nachdem er von mehr oder weniger Belang ist, fünfzig, sechzig bis achtzig Taler abgerechnet.
Da es sehr selten ist, einen Elefanten zu finden, der gar keine Mängel hat, so pflegen die fehlerfreien für fünf hundert bis tausend Taler verkauft zu werden.
Wenn eine Auction angestellt wird, so tun gewöhnlich zwei, drei oder mehrere Leute sich zusammen, und kaufen gemeinschaftlich fünfzig, sechzig, achtzig bis hundert Elefanten, die sie hernach einzeln mit ansehnlichem Gewinn wieder verkaufen.
Vor dem öffentlichen Verkauf· werden die Elefanten am Hinterteil· mit dem Wappen der Compagnie bezeichnet: das Tier wird zu dem Ende an einen starken Baum gebunden, und mit einem glühenden Eisen gebrannt.
Der Elefant ist unstreitig eins der verständigsten und sanftmütigsten Tiere, das sich seiner Größe ungeachtet sehr leicht zahm machen und zu mancherley nützlichen Diensten abrichten lässt.
Wenn er gedrängt, geängstigt und gepeinigt wird, weint er fast wie ein Kind.
Wenn er zahm ist, lernt er in kurzer Zeit verstehen, was man zu ihm sagt.
Geräth er in Gefangenschaft, so wird er von Gram und T··rübnis abgezehrt, besonders wenn er schon zahm war und einen guten Herrn hatte.
Bei einer solchen Jagd, als ich oben beschrieben habe, trägt es sich oft zu, daß zäh·e Elefanten, die dem Kaiser zu Candy gehören, und welche man frei umher gehen lässt um in den Wäldern zu weiden, mit anderen gefangen werden.
Alsdann kann man sie in der Falle selten dazu bewegen, irgend etwas Nahrung zu sich zu nehmen, ehe die Leute ankommen, die gewohnt sind, ihrer zu warten; diese kennen sie sogleich, und sie gehen auch, sobald sie frei gelassen sind, von selbst mit ihnen.
Die Elefanten fraß·en sehr gern Pisangfrüchte und Kokosnüsse, man mag sie ihnen entzwei geschlagen oder ganz geben; im letzter·n Falle wissen sie sie selbst aufzumachen.
Die Jungen saugen mit dem Maul· nicht mit dem Rüssel.
Verschiedene von Herrn Sluyßken angestellte Versuche haben es ausgewiesen, daß das tägliche Getränk dieses Tier·s gewöhnlich sechzig Kannen Wasser beträgt.
Die zahmen Weibchen werden bisweilen dazu gebraucht, wilde Elefanten zu fangen.
Man lässt sie alsdann in den Wald gehen, und sie locken wilde Männchen mit sich in irgend eine Falle, wo sie eingeschlossen werden können.
Auf diese Art gefangene männliche Elefanten sah ich verschiedenemal an einen dicken Baum gebunden, und in wenig Tagen zahm gemacht.
Diejenigen männlichen Elefanten, welche von den Holländern dazu gebraucht werden, die wilden zu züchtigen und zahm zu machen, nennen sie gewöhnlich Zeelverkoopers (·Seelenverkäufer·).
Ist ein Elefant einmal gut zahm, so lässt er sich sogar von Kindern regieren, und thut nicht leicht einem Menschen etwas zu Leide, es wäre denn, daß man ihn gemißhandelt und dadurch zur Rache gereizt hätte.
Ich habe oft gesehen, wie der Elefant das eine Bein krumm macht, damit der Reuter da hinauf treten und so bequemer auf den Rücken steigen könne, und wie er mit dem Rücken kleine Knaben sehr behutsam umfass·t und aufhebt, um sie auf seinen Rücken zu setzen, auch wie er sie hernach eben so vorsichtig wieder herunter nimmt.
Die holländische Compagnie gebraucht sie überall zum Fortbringen von Balken und ander·n schweren Sachen, wie auch vor Wagen und großen Karren.
Wenn man ihn vorſpannt, so bindet man ihm erst ein dickes Seil um den Hals, und an dieses Seil zu beiden Seiten einen ander·n dicken Strick, der längs dem Rücken heruntergeht, und am Wagen befestigt wird.
Spannt man zwei Elefanten neben einander vor, so bringt man zwischen ihnen eine starke Stange an.
Wenn der Elefant geht, sieht man deutlich, daß er die Knie beugt, obgleich das ganze Bein allenthalben gleich dick ist, und unbiegsam zu s·····cheinen.
Sein Rüssel ist nicht nur eine vorzügliche Zierde dieses majestätischen Tieres, sondern auch eines seiner nöthigsten Werkzeuge, womit es seine Nahrung sammelt, trinkt, und alles faßt; er ist daher auch des Rüssels wegen sehr besorgt; so kann er zum Beispiel durchaus nicht leiden, daß eine Ameise daran kommt, deren es hier eine große Menge gibt.
Die Elefanten werden hier zu Lande niemals oder doch sehr selten geschossen, weil man sie lieber lebendig fängt; daher findet man hier auch keine vorzügliche Elef·antenschützen.
Vor nicht gar langer Zeit hatte man ein trächtiges Weibchen an einen Baum gebunden, und so mit gewöhnlichen Buchstaben nach ihr geſchossen, um das Junge, in Arrack gelegt, für das Naturaliencabinet· nach dem Haag zu schicken.
Allein man hatte dreizehn Schüsse tun müssen, ehe das Tier gefallen war.
Dass aber doch bisweilen nach den wilden Elefanten in den Wäldern geschossen wird, scheint folgender Vorfall, den Herr Frobus mir erzählte, zu beweisen.
Er wollte einst den Zahn eines gefangenen Elefanten durchsägen lassen, und man fand inwendig im Zahne eine gewöhnliche bleierne Kugel, die sich darin festgesetzt hatte, und mit der Zeit so über- und umwachsen war, daß man auswendig nicht das geringste Merkmal davon gewahr werden konnte; er schickte hierauf diesen merkwürdigen Zahn im Jahr 1765 nach dem Haag in die dortige Sammlung.
Da die Ceylonschen Elefanten sich so leicht fangen und zähmen lassen, so ist es auffallend, daß dies bei den afrikanischen Elefanten am Kap so viel Schwierigkeiten macht.
Kurz vor meiner Abreise vom Cap, im Jahr 1775 hatte man ein Junges lebendig gefangen, nachdem die Mutter todt geschossen war; es glückte aber nicht, das Junge groß zu ziehen; es brauchte zu seinem Unterhalte täglich die Milch von drei Kühen, war aber doch nicht am Leben zu erhalten.
Auf Ceylon, besonders um Negumbo, sind viele Ameisenfresser oder Ameisenbären (·Myrmecophaga·).
Die Holländer nennen sie negumbosche Teufel, und die Cing·leser Kaballe.
Das Fleisch dieser Tiere wird den Kranken als ein Arzneimittel zu essen gegeben.
Die Einwohner wissen mit einem Messer ein Loch durch seine Schuppen zu bohren, da sie ihn denn nach Belieben regieren können, weil die Spitze des Messers, das im Loche festgehalten wird, ihm Schmerzen verursacht.
Die Ceylonische Meerkatze, oder der weißbärtige Affe ( Simìa Silenus ) heißt in der Landes·prache Rollewai.
Sie lassen sich leicht zahm machen, daher man dergleichen Meerkatzen häufig in den Häusern antrifft.
Wenn sie einen Bekannten sehen, springen sie ihm sogleich entgegen, umarmen ihn, machen eine gar freundliche Gebärde, und bezeugen ihre Freude mit einer besonderen Art Geschrey, das sehr hell klingt.
Sie sind von Natur sehr sanft, und beißen nicht leicht, wenn sie nicht zu sehr gereizt werden.
Wenn man ein Kind küss·t und streichelt, so will dieser Affe es auch tun; sieht er hingegen daß man ein Kind schlägt, so winselt und schreiet er auf eine jämmmerliche Art, und ließe man ihn los, so würde er gewiß den, welcher das Kind schlägt, anfallen.
Sein Gang ist mehr Springen oder Hüpfen, als Laufen, weil seine Hinterfüße länger als die Vorderfüße sind.
Er isset allerhand Früchte und Gartengewächse, als Kokosnüsse, Äpfel, Birnen, Kohl, Kartoffeln, auch Brot und dergleichen mehr.
An seinem langen Schwanze, der länger als der ganze Körper ist, ist er sehr empfindlich.
An Größe gleicht er ungefahr dem Gespenstthiere (·Lemur·), doch ist er auch wohl etwas größer.
Der Leib ist über und über hellgrau, wiewohl die Farbe bisweilen mehr ins Schwarze, bisweilen, besonders wenn das Tier alt wird, mehr ins Weiße fällt.
Das Gesicht ist schwärzlich und ohne Haare.
Der Bart im Kinne und den Backen, ist weiß und zurückgebogen; am Kinne und der Oberlippe ist er kurz, an den Backen aber über einen Zoll lang und gegen die Ohren hinaufgekehrt, die davon vorn etwas bedeckt werden.
Hände und Füße sind schwärzlich und nackt, die Nägel lang und stumpf.
Der Daum·· und der große Zeh· ist von den übrigen Fingern und Zehen abgesondert und kurz.
Das Gesetz hat harte Schwielen, die nicht mit Haaren besetzt sind.
Der Schwanz ist rund und behaart; so lang er auch ist, kann das Tier doch damit nichts fassen, noch sich an den Zweigen der Bäume fest halten; gegen das Ende wird er dünner.
Die Ohrzipfel sind rund, fast ganz nackt und schwarz.
Wenn das Tier sich setzt, hält es allezeit die Hände kreuzweise über einander.
Ich nahm bei meiner Abreise eine solche Meerkatze mit mir an Bord, war aber nicht im Stande, sie lebendig zu erhalten, sondern sie starb, als wir in die kälteren Gegenden des Vorgebirges der guten Hoffnung kamen.
In Ceylon findet man eine eigene Art Eichhorn (·Sciurus ceilanicus·), das von den Einwohnern Rockia oder Ruckia genannt wird.
Auf dem Rücken und an den Seiten ist es schwarz, unterm Bauch· gelblich.
Der Schwanz ist auch schwarz, und länger als der ganze Körper.
Von Größe ist es wie eine Katze, aber schlanker.
Es lässt sich leicht zähmen, und man findet dieses Tierchen auch in vielen Häusern zahm.
Ehe Pennant diese Gattung des Eichhorns beschrieb, war sie in Europa gänzlich unbekannt.
Stachelschweine (·Hystrix·) halten sich in den Wäldern häufig auf.
Die Holländer jagen dies Tier oft mit Hunden, da denn den Hunden, wenn sie allzu hitzig darauf losgehen, die scharfen Stacheln im Leibe sitzen bleiben, so daß sie nicht selten das Leben dabei einbüßen.
Das Stachelschwein macht seine Wohnung in der Erde und der Eingang zu seiner Höhle ist nicht größer, als daß ein mittelmäßig großer Jagdhund hineinkriechen, und das Tier durch eine andere Öffnung derselben Höhle hinausjagen kann.
Die Art, wie es für seine Jungen Wasser holt, ist merkwürdig.
Die Stacheln am Schwanze sind hohl und am Ende offen, und es kann sie beugen.
Hiermit·· ist es im Stande, sie mit Wasser anzufüllen, das es hernach in seiner Höhle für die Jungen herauslaufen lässt.
Wenigstens hat man mir so erzählt.
Im Magen dieses Tier·s findet man oft Bezoarsteine, die man hier zu feinem Pulver zerreißet und in allerhand Krankheiten braucht.
Diese Steine bestehen aus sehr feinen Haaren, die sich mit den Säften des Magens fest zusammengesetzt haben, und zwar schicht- oder lagenweise in der Runde über einander, so daß sie aus mehreren Ringen von ungleicher Farbe bestehen.
Ich habe sie gewöhnlich von der Größe eines Hühnereyes gesehen, aber doch auch eins, das so groß als ein Gänseey, kugelrund und ganz braun war.
Gemeiniglich sind sie nicht ganz rund, wie wohl sie auch nicht spitz zugehen.
Man hat in diesem Lande viele zä·me Schlangen.
Die sogenannten Schlangenbeschwörer, welches Malabaren sind, ziehen damit umher, und lassen sie für Geld tanzen und allerhand Künste machen.
Diese Leute streicheln sie, nehmen sie in die Hand und nötigen sie auch wohl zu beißen.
Wenn sie mit einer kleinen Pfeife pfeifen, heben die Schlangen den Kopf in die Höhe und drehen ihn nach einem gewissen Takt· hin und her.
Dergleichen Schlangenbeschwörer durchstreichen das Land eben so, als in Europa die Leute, welche Bären, Murmeltiere, Affen und dergleichen für Geld sehen und ihre Künste machen lassen.
Skorpionen hat Ceylon in sehr großer Menge.
Man hört indes··· ·····selten von Unglück, das sie verursachen.
Wenn es geregnet hat, sieht man sie, so wie auch die indianiſchen Asseln ( Scolopendramoiſ·tans ), aus ihren Löchern hervorkommen, und haufenweiſe in die Häuser kriechen, wo man die Türen der Hitze wegen gewöhnlich offen stehen läßt.
Blutigel (·Hirudo·) sind in den Wäldern, besonders oben an den Bergen, in Menge anzutreffen.
Sie sind rothbraun, von der Dicke eines Eisendrath·s, und einen Zoll lang.
Wenn man da, wo sie sich aufhalten, geht, so setzen sie sich sogleich an den Füßen fest, und saugen das Blut aus, wenn man auch zwei Baumwollene Strümpfe übereinander an hat.
Graf Ranzow erzählte mir, ein Europäer, an welchem einmal ein solcher Blutigel sich festgeſogen, hätte ihn abgerissen, daraus sey ein arger Beinſchade entstanden, und da dieser schlecht curi·rt worden, habe der Mann das Leben darüber eingebüßt.
Die Perlenfischerei ward· vor diesem in dem zwischen der Insel und der Küste von Coromandel befindlichen Kanal·, welcher nicht sehr tief ist, und einen sandigen Boden hat, mit Vorteil getrieben.
Seit vielen Jahren aber hat man sie nicht vornehmen können, weil zwischen einem Nabob auf der Küste Coromandel und zwischen der Compagnie, wegen der Befugnis zu dieser Fischerey, ein Streit entstanden ist, den, wie man sagt, die Engländer unterhalten.
Ich habe verschiedene große und schöne Perlen gesehen, die hier gefischt worden sind.
Die reichen Kaufmannsfrauen tragen hier auch oft ganze Schnüre großer und kleiner Perlen über den Haaren als einen sehr prächtigen Kopfschmuck.
Die Perlenfischerei wurde ehemals allezeit jährlich an eine oder mehrere Privatpersonen für eine gewisse Summe Geldes verpachtet.
Diese Pächter verpachteten hernach wieder an and·re das Recht, mit einer gewissen Anzahl Boote und Leute zu fischen.
Wenn die Muscheln von den Tauchern herauf geholt sind, werden sie am Strande in Haufen bey einander gelegt, und auf Gewinn und Verlust an Kaufleute, welche zu diesem Ende dahin kamen, verkauft.
Man sagt, daß die Muscheln sich öffnen, sobald das darin befindliche Tier gestorben ist und in Verwesung übergeht, da sie denn mit leichter Mühe untersucht· und die Perlen herausgenommen werden können.
Manchmal gewann man nichts bei einem solchen Handel, manchmal konnte aber auch eine einzige Perle mehrere ganze Haufen bezahlen.
Dritter Abschnitt.
Der Kaneel (·Zimmt·) ist die vornehmste Handelsware, welche die ostindische Compagnie von dieser Insel holt.
Er ist hier feiner und kostbarer, als irgendwo sonst in der ganzen Welt.
Alle· achte Kanäle· werden vom Zimmetbaum· (·Laurus cinnamomum·) genommen.
Dies ist ein Baum von mitt·ler···er Höhe und Größe.
Er unterscheidet sich durch seine breiteren und nicht so spitz zugehenden Blätter von der Cassine oder dem Mutterlorbeer (·Laurus cassia·), welcher eine gröbere Art Kane·l gibt, und nur eine Varietät von jenem zu sein scheint.
Dass diese beyden Arten Bäume, die feineren und gröberen Kane·l geben, nur Varietäten sind, die vom Klima, und besonders vom Erdreich·, herrühren, ist um so viel glaublicher, da selbst Ceylon nicht allenthalben auf der ganzen Insel und in allen Gegenden derselben gleich guten Kane·l liefert.
Die südwestliche Ecke der Insel ist es allein, welche die feinere Gattung dieses angenehmen und so herzstärkenden Gewürzes hervorbringt, und die Gegenden, aus welchen das meiste davon geholt wird, sind die um Negumbo, Columbo, Kaltere, Barbary·, Gale und Mature, welche alle längs der Seeküste, oder nicht weit von derſelben liegen.
Der Kaneel, welcher aus den tiefer landeinwärts liegenden Gegenden kommt, ist allezeit gröber, dabei dick und scharf, und beißt auf der Zunge.
Die Kaneelbäume wachsen sehr häufig und in großer Anzahl in den Wäldern, wo sie sich ohne Zuthun der Kunst fortpflanzen.
Die Europäer haben lange Zeit geglaubt, und auch die Ceyloner haben es behauptet, daß Bäume die guten Kanäle· geben sollen, allezeit wild wachsen und sich selbst überlassen sein müßten, angepflanzte hingegen weder gedeihen noch achten Kanäle· geben würden.
Wild werden die Bäume durch die Vögel im Lande weiter ausgebreitet; diese fraß·en die reifen Beeren, deren Kerne sie aber nicht verdauen und sie folglich in den Wäldern hier und da wieder von sich geben.
Jenes Vorurteil, daß der Kaneelbaum nicht angepflanzt werden müsse, herrſchte bis ungefähr 1770, da der Gouverneur Iman Wilhelm Falk den Versuch machte, im Garten bei seinem Landſitze Paß, im Kleinen eine Plantage von Kaneelbäumen anzulegen.
Er ließ die Beeren säen; die jungen Baumpflanzen kamen auch bald zum Vorschein, und standen anfangs sehr gut; nach einiger Zeit aber wurden sie welk, und gingen eine nach der ander·n aus.
Als man der Ursache hie·von genau nachspürte, fand sich, daß die Ceyloner, für welche das Abschälen des Kaneels in den Wäldern eine einträgliche Sache ist, die daher das Pflanzen desselben ungern sahen, und befürchteten, ihnen möchte dadurch mit der Zeit großer Abbruch geschehen, (·weil das Sammeln des Kaneels in solchen Pflanzungen leichter und bequemer als in den Wäldern sein würde), des Nachts die Pflanzen heimlich mit heißem Wasser begossen hatten.
Ein paar Jahr nachdem ließ der Gouverneur· den Versuch wiederholen, und auf verschiedene Plätze, teils im Kleinen, teils im Großen, wiederum Beeren aus·äen.
Dieser Versuch gelang besser; die Pflanzen blieben stehen, gediehen und wurden zu Bäumen, die sehr gut fortkommen und schon mehrere Kaneelernten geliefert haben.
In dem einzigen Garten zu Pass allein, stehen mehrere tausend Kaneelbäume, die so guten Kaneel geben als man nur wünschen kann.
Eben so erwuenschten Fortgang haben sie durch dieses Gouverneurs unverdrossene Bemuehung auch an ander·n Orten gehabt.
Namentlich ist bey Siruwaka, an der Grenze zwischen dem Gebiethe des Kaisers zu Candy und der Compagnie, ein sehr großer Kaneelgarten angelegt, in welchem man schon dreimal Kaneel geschält hat, wovon auch dies Jahr eine Partei nach Europa geschickt wurde.
Auch um Kultur· und Natur· sah ich dergleichen Plantagen von ansehnlicher Größe, die vor zwei oder drei Jahren angelegt worden waren.
Dicht vor der Stadt und Festung Colombo sieht man dergleichen ebenfalls schon.
Wenn alle diese und mehrere ähnliche Pflanzungen einmal in vollkommenem Stande sind, wird es für die holländisch-·ostindische Compagnie sehr viel bequemer sein, ihren Kane·l aus Gärten zu ho·len, wo die Bäume in ordentlichen Reihen, und keine and·re Bäume und Büsche dazwischen stehen, als es jetzt ist, da die Leute, welche ihn schälen, in dichten Wäldern weit und breit herum kriechen müssen, um ihn aufzusuchen.
Dazu kommt, daß des Kaneels in den Wäldern seit einiger Zeit weniger wird, so daß die Kaneelschaler in verschied·nen Jahren nicht so viel, als sie sollten, haben liefern können; welches theils daher rührt, daß Strecken Landes, die den besten Kaneel geben, zu ander·m Behuf angewandt, theils daher, daß die Bäume in den Wäldern ohne alle Aufsicht und Wartung geblieben sind.
Der sandige Boden ist für die Kaneelbäume der zuträglichste.
Derjenige Kane·l, welcher in den an der Seeküste liegenden Sand-Ebenen wächst, die von den Cingaleſern Marendan genannt werden, wird für den besten und delicateſten gehalten.
Wenn man auf solchen Sand-Ebnen die Bäume abhauen und hernach alles abbrennt, so schießen die Wurzeln wieder in lange, gerade Stämme auf, die unvergleichliche Rinde geben.
Von solchen jungen Stämmen hat man die sogenannten Kaneelstöcke, welche wie Haselstöcke aussehen, und deren Rinde wie Kaneel riecht, so oft man sie reibt.
Dergleichen Stöcke bekam ich verschiedenemal zum Geschenk, ob es gleich eben nicht erlaubt ist, sie auszuführen.
Die Kaneelblätter haben einen starken Nelkengeruch; die Wurzel hingegen, welche durch Sublimation, Kampfer gibt, riecht ganz wie Sassafras.
Der Kaneel heißt bei den Cingale·ern allgemein Kurundu.
Er wird in den Wäldern zu zwei verschiedenen Zeiten im Jahr geschält.
Das eine heißt die große Ernte, die vom April bis August; das and·re die kleine, welche vom November bis Januar währt.
Die Leute, welche in den Wäldern die Kaneelbäume aufsuchen und die Rinde abschälen, heißen Kaneelschäler; in cingale·ischer Sprache werden sie Schjalias genannt.
Eigentlich sind es die der Compagnie selbst zugehörig·en Gegenden, wo die Schjalias in den Wäldern die Kaneelrinde einsammeln.
Doch stehlen sie sich auch manchmal in die Wälder des Kaisers, und wohl gar bis auf eine halbe Meile an die Stadt Candy heran; werden sie aber dabei ertappt, so schneidet man ihnen Nase und Ohren ab.
Jeder Distrikt oder Dorf in den Ländern der Compagnie ist schuldig, jährlich eine gewisse Menge Kane·l zu liefern, wogegen die Ceyloner da selbst ein gewisses Stück Land frey besitzen, das sie nach Gefallen bewohnen und benutzen können, and·rer Vorteile nicht zu gedenken.
Über eine gewisse Anzahl Schjalias sind Leute gesetzt, welche die Aufsicht über sie und den Kaneel haben, und auch berechtigt sind kleine Vergeh···en zu bestrafen.
Über alle zusammen ist wieder ein Europäer gesetzt, der ihr Hauptmann oder Oberhaupt· (Hoof·t der Mahabadde·), im gemeinen Leben auch oft Capitain Kaneel heißt.
Dieser nimmt zuletzt allen Kane·l in Empfang, und ist der Compagnie für denselben verantwortlich.
Er hat auch das Recht über schwere Verbrechen zu entscheiden und sie zu bestrafen.
Das Kaneelsschälen wird auf folgende Art verrichtet.
Zuerst werden, nach den Blättern und ander·n Kennzeichen, gute Bäume ausgesucht, und sodann diejenigen Zweige welche drei Jahr alt sind, mit einem gewöhnlichen krummen Gärtnermesser abgeschnitten.
Von diesen abgeschnittenen Zweigen wird darauf mit einem ander·n Messer, das eine scharfe Spitze hat und dazu besonders eingerichtet ist, die äußere dünne Haut der Rinde (·Epidermis·) abgeschabt.
Dann werden die Zweige der Länge nach mit der Spitze des Messers aufgeritzt, und mit der weniger scharfen Seite desselben die Rinde allmählig· abgelöset, bis sie ganz abgezogen werden kann.
Alsdann werden von der abgeschälten Rinde mehrere kleine Pfeifen in die größeren gesteckt, und zum trock·nen ausgebreitet, da denn die Rinde sich von selbst immer mehr zusammenrollt.
Wenn sie trocken ist, werden Bündel von dreißig Pfund schwer daraus gemacht, jedes mit drei dünnen Ruthen von Palmriet oder Rottang ( Calamus Rotang, Palmjuncus ) zusammengek··nüpft, und theils in Booten, theils zu Lande, nach den an mehreren Orten vorhandenen Magazinen der Compagnie hingebr·acht, dort nach den Dorfschaften oder Distrikten, welche sie geliefert haben, zusammengelegt, und mit Matten von Bast zugedeckt.
In Rücksicht auf die Güte des Kaneels gibt es verschiedene Arten Kaneelbäume; dem Laube nach haben sie zwar viele Ähnlichkeit mit·einander, doch werden sie nicht alle zum Schalen genommen; man stellt eine sorgfältige Auswahl darunter an.
Die Schjalias zählen folgende zehn Arten: 1 )
Rasse Curundu, oder Pen·i Curundu, welches so viel sagen will, als Honigkane·l.
Dieser ist der beste und angenehmste, und der Baum hat große, breite und dicke Blätter. 2 )
Nai Curundu oder Schlangenkaneel, welcher jenem an Wohlgeruch und vorzüglichem Geschmack am nächsten, wiewohl nicht gleich kommt.
Die Blätter sind auch groß.
Diese Sorte findet sich nur in den Ländern des Kaisers.
Aus der Wurzel wird Kampfer destilliert.
4·) Cahatte Curundu, das ist zusammenziehender herber Kanelle.
Die Blätter sind etwas kleiner als bei den vorhergehenden Gattungen.
···Diese vier Sorten, welche sämtlich zu einer und derselben Gattung, nämlich vom eigentlichen Zimmetbaume (·Laurus cinnamomum·) gehören, sind nichts anders, als einander sehr ähnliche Varietäten, welche die Schjalias nur durch den Geschmack unterscheiden.
Sie sind die einzigen, welche, wenn man guten Kane·l haben will, geschält werden müssen:
···Folgende Arten hingegen werden gar nicht geschält.
····Sowel Curundu, oder schleimiger Kane·l.
Die Rinde hat, wenn man sie kau·t, einen schleimigen Nachgeschmack.
Sie ist weich, faserig, und nicht so dicht und fest, als bei den übrigen Arten; auch ist sie zäh·, und lässt sich leicht bie·gen, ohne daß sie gleich bricht.
Dies ist ebenfalls eine Varietät vom eigentlichen Zimmetbaum·.
Er hat den Namen davon, daß er sich beim Trock·nen nicht krümmt oder zusammenrollt, sondern platt bleibt.
Diese Sorte gehört zur Cassine (·Laurus cassia·).
···Nica Curundu, das ist Kanäle· mit Blättern, die wie die Blätter von Nic··ol, oder Negundostrauch (·eine Art Müllen, Vitex negundo·), aussehen, nämlich in so fern sie lanzettförmig, oder lang und schmal sind.
···Außer diesen sieben Arten zählt man noch drei, die sich vom achten Kane·l merklich unterscheiden.
Man kann auch gleich beim ersten Anblicke sehen, daß sie mit Recht nicht zu den Kaneelbäumen gerechnet werden dürfen.
Hie·von habe ich nur eine Sorte, nämlich die sogleich folgende gesehen.
Die übrigen sind sehr selten, und werden nur in den Ländern des Kaisers gefunden. –· 8 )
Dieser ist von einem ganz ander·n Geschlecht, als jene andere Arten.
Die Rinde hat auch nicht den geringsten Kane·lgeschmack, so wie die Blätter mit jenen keine Ähnlichkeit, und die Zweige sind mit Zacken oder Stacheln besetzt.
9·) Mal Curundu, Blumenkaneel, und 10·) Tompat Curundu, Kleekaneel, weil die Blätter sich gegen die Spitze in drei Lappen teilen.
Vor der jedesmaligen Absendung von hier müssen die Wundärzte, sowohl der zu Columbo ansässige als die anwesenden Schiffschirurgi·, den Zimt genau untersuchen und dafür einstehen, daß er acht, fein und unverdorben ist.
Zu dem Ende nimmt man aus jedem Bunde einige Stangen heraus und kaeu·t ihn, weil der Geschmack die sicherste von allen Proben gibt; allein dies ist ein sehr unangenehmes Geschäft, weil der Kaneel von der Zunge und den Lippen allen Schleim, mit dem diese Teile überzogen sind, wegnimmt, und hernach einen brennenden Schmerz verursacht, der unerträglich ist, und endlich hindert fortzufahren.
Zu einiger Linderung muss man zwischenher ein Butterbrot essen, wodurch der Schmerz einigermaßen gemildert wird, aber trotz diesem Hilfsmittel hält man doch selten zwei oder drei Tage nach·einander dabei aus.
Die Kennzeichen des feinen Kaneels sind folgende: 1 )
Dass er dünn· und etwas biegsam ist; gewöhnlich muss er so dick oder etwas dicker als Royalpapier sein.····
Da· er hell und gelblich von Farbe, etwas ins Braun····e fallend ist. 3 )
Dass er süßlich schmeckt und zugleich nicht stärker ist, als daß man ihn ohne brennende Empfindung im Munde ertragen kann, und daß er keinen Nachschmack zurück lässt.
Je mehr der Kane·l von diesen Kennzeichen abweicht, desto gröber und schlechter ist er; nämlich wenn er hart und von der Dicke eines Speziestalers ist; wenn er sehr dunkel oder braun ist; wenn er stark auf der Zunge prickelt oder brennt, und dabei einen den Gewürznägel·ein ähnlichen Geschmack hat, und beim mehrmaligem versuchen einen empfindlichen Schmerz im Munde verursacht, und den Schleim auf der Zunge wegbeisst; endlich daß er einen herben und barschlen Nachgeschmack zurücklässt.
Nach diesen Kennzeichen wird der Kane·l vor der Verschiffung beurteilt.
Einmal musste ich nebst verschiedenen ander·n Ärzten eine Party· Kane·l untersuchen, die der König von Candy geliefert hatte.
Wir fanden, daß er zur Hälfte mit schlechtem vermischt, untauglich, von schlechtem Geschmack und unacht war.
Der beste, welchen man herausfinden konnte, wurde nach Batavia gesandt.
Eben so untersuchten wir zu Colombo einige Bündel Kanäle·, von einer vor einiger Zeit gepflanzten Sorte, welche im Jahr 1775 zur Probe nach Europa geschickt wurden.
Allein man hat hernach in Europa bei Ankunft dieses Kaneels gefunden, daß er den Geschmack nicht hatte, den er haben mußte, obgleich wir ihn hier zu Colombo, als er eingeschifft werden sollte, für fein und gut erklärten.
Der Geruch ist zwar fein und angenehm gewesen; Geschmack aber hat er sehr wenig und fast gar nicht gehabt.
Vermutlich hat er ihn aber unterwegs verloren, und das ist aller Wahrscheinlichkeit nach davon hergekommen, daß in den jungen Zweigen, deren Wurzel nicht älter als drei Jahr war, das Öl zu flüchtig und nicht concentri·rt genug sein mochte; dreijährige Zweige sind zwar zum Schälen brauchbar, aber Wurzel und Stamm müssen doch einige Jahr älter sein.
Auch war beim Einpacken und beim Transport ein Fehler begangen, der vieles, wenn nicht alles, dazu beigetragen hat, daß der Geschmack verschwunden war.
Die Bündel waren nämlich nur in einfache Säcke gepackt, und in die Kajüte gelegt; gewöhnlich aber packt man ihn in zwei Säcke, oder legt ihn zwischen Pfeffer.
Die folgenden Jahre wurden von derselben Sorte an sieben und vierzig Bund nach Europa geschickt.
Wenn die Schiffe fertig sind den Kaneel einzunehmen, und die Untersuchung geschehen ist, wird er eingepackt.
Jedes Bund wird alsdenn unge·ähr 4 Fuß lang gemacht und abgewogen; es muß 85 Pfund netto wiegen, ob es gleich nur zu 80 Pfund angeschrieben und berechnet wird, weil man 5 Pfund auf das Eintrocknen auf der Reise rechnet.
Darauf wird jedes Bünd mit Stricken festgeschnürt, und in einen doppelten Sack oder zwei Säcke über einander eingenäht, welche mit der Pfundezahl und dem Orte, wo die Einpackung geschehen, bemerkt werden.
Die Säcke dürfen nicht von Leinwand oder Segeltuch, sondern es müssen wollene Säcke sein, oder solche, die in Indien Gunjesakken heißen, und dem Kanä·le während des Transports nicht schaden.
Es wird auch wohl über den Sack eine Kuhhaut genäht.
Am Bord des Schiffes wird über die Zimtsäcke schwarzer Pfeffer hergeschüttet, um alle Zwischenräume und Löcher auszufüllen.
Der Pfeffer, welcher trocken und heiß ist, zieht auf der Reise die Feuchtigkeit des Kaneels an sich, und man hat gefunden, daß dieser letztere dadurch nicht nur seine Güte behält, sondern sogar noch stärker wird.
Den 6.·· November wurden 300 Ballen Kanäle· eingeschifft, wovon ein Teil aus den Plantagen war.
Nach einigen Tagen geschah dasselbe mit noch ander·n 320 Ballen.
Wenn der Kane·l zu Colombo einballiert ist, wird mit Destillation· des Kane·löls angefangen.
Dieses Öl, das kostbarste und vorzüglichste von allen Ölen, wird nirgend, als in der Apotheke der Compagnie zu Colombo, und zwar von denjenigen Stücken Kane·l die beim Einpacken abbrechen oder sonst abfallen, destilliert.
Diese kleinen Stücke werden sorgfältig zusammen gelesen, in große Gefäße, in jedes gewöhnlich hundert Pfund, gelegt, und alsdenn so viel Wasser darauf gegossen, daß alles damit wohl bedeckt ist.
In diesem Wasser bleibt der Kaneel ganze sechs bis acht Tage liegen, damit er maceriert.
Das ganze wird darauf nach und nach in eine kupferne Destillierpfanne gegossen, und bei gelindem Feuer abgetrieben.
Das Wasser, welches man Kaneelwasser (·Aqua Cinnamomi·) nennt, geht alsdenn ganz weiß, beynahe milchfarbig, nebst dem Öl· über, welches letztere in der untergesetzten of·en·· Glas·ugel oben auf fließt.
Alle vier und zwanzig Stunden wird ein Gefäß abgeliefert.
Während der ganzen Destillationszeit sollen zwei Mitglieder des Justizraths als Commiß·arien, einer um den ander·n gegenwärtig seyn; dies geschieht aber nicht, sondern sie kommen gewöhnlich nur jedesmal hin, wenn das Öl vom Wasser abg·sondert wird.
Das Öl wird alsdann in eine Flasche gegossen, welche die Kommissar·e· versiegeln und in einem Kasten verwahren, der ebenfalls von ihnen versiegelt wird.
Auf diese Art kann der Apotheker nicht dazu kommen etwas zu stehlen, wofern er sich nicht aus dem Recipienten etwas nimmt, ehe die Kommissarien ankommen.
Ich wandte viel Mühe an, zu erfahren, wie viel Öl man von hundert Pfund bekommt, aber allezeit umsonst, weil es gegen das Interesse des Apothekers ist, es kund werden zu lassen.
So viel ist indes··· gewiß, daß der Kane·l in Verhältnis mit ander·n Specereyen nicht viel Öl gibt, und daß man aus dieser Ursach· keinen sonst brauchbaren Kane·l, sondern nur die kleinen Stücke und den Abfall, der nicht nach Europa geschickt werden kann, dazu nimmt.
Die Unze Öl wird hier an Ort und Stelle für 9¾·· holländische Taler verkauft.
Er ist alsdann blassgelb von Farbe, mithin nicht dunkelbraun, wie er von dem dicken Kaneele gewöhnlich wird.
Die übrigen Teile des Kaneelbaums, außer der Rinde, taugen weder zu Kaneel noch zu Öl.
Das Holz ist porös und ziemlich schön.
In Bretter gesägt wird es bisweilen zu Koffer und dergleichen gebraucht; allein sein Geruch sichert es nicht vor Würmern.
Vierter Abschnitt.
Andere botanische Nachrichten, besonders von der Brodfrucht.
Die Brodfrucht, welche in den warmen Ländern so vielen tausend Menschen zur Nahrung dient, wächst auch auf dieser Insel im Überfluss, und wird verschiedene Monate im Jahr zur täglichen Nahrung gebraucht.
Es gibt zwei Arten Bäume, welche diese Frucht hervorbringen, und beide werden hier, sowohl wild als gepflanzt, angetroffen.
Die eine Art, welche kleine Frucht ohne Saamen enthält, fand ich um Colombo, Gale und an mehreren Orten; sie heißt hier eigentlich mal·divische Sirsak, und wird nicht überall gebraucht.
Die andere wächst hier häufiger, hat größere Frucht und wird mehr gesucht.
Die Früchte der ersteren werden so groß wie ein Kindeskopf, und diese Art muß durch Wurzeln fortgepflanzt werden.
Die Früchte der letzteren hingegen wiegen dreißig bis vierzig Pfund, und haben zwei bis dreihundert Saamenkerne, deren jeder viermal größer als eine Mandel ist; diese lassen sich durch die Kerne fortpflanzen.
Die Bäume von beyden Gattungen sind mit einem harzartigen Milchsaft· angefüllt, der so zäh ist, daß man damit, wie mit Vogelleim, Vögel fangen kann.
Die Frucht ist über und über stachlicht, und hat eine dicke und weiche Schale.
Von der Frucht selbst wird nur das Inwendige zur Nahrung für Menschen, die Schale aber für die Schweine gebraucht.
Sie hat einen unangenehmen Leichengeruch, und schmeckt beynahe wie Kohl.
Die Bäume werden hundert Jahr alt, und tragen sowohl am Stamme selbst, als an den dicksten Zweigen, ganze acht Monate hindurch zu unschätzbarem Nutzen der Einwohner, ihre Früchte, die eine nach der ander·n reif werden.
Die Benutzung und verschiedene Zubereitung der größeren Sorte Brodfrucht, welches eigentlich die ist, die auf Ceylon überall gebraucht wird, ist folgende.
Nach dem ungleichen Alter der Frucht, in welchem sie zur Nahrung genutzt wird, bekommt sie von den Ceilonern drei verschiedene Namen.
Pollos heißt sie, wenn sie zu der Größe eines Straußenauges gediehen, und einen oder anderthalb Monat alt ist; Herreli, wenn sie halbreif und von der Größe einer Kokosnuß ist, das Fleisch ist alsdenn noch weißlich und milchartig.
In diesen beiden Altern kann sie nicht ohne vora·ngige Zubereitung gegessen werden.
Wenn sie völlig reif ist, bekommt sie den Namen Warreka.
Das Fleisch ist alsdann genießbar, und das, was um die Kerne sitzt, ist etwas süß, sieht gelb aus, lässt sich ohne Zubereitung essen, und hat einen angenehmen Geschmack.
Brotfrucht hat man sie deswegen genannt, weil der ärmere Teil der Einwohner, auf Ceylon sowohl als in ander·n indischen Ländern, sie statt Brotds oder Reißes ißt.
Ich habe oft die Leute diese Frucht, fein zerschnitten entweder mit geraspelten Kokoskernen allein, oder mit etwas Reis dazu, auch wohl mit spanischem Pfeffer, Salz oder Zwiebeln essen gesehen.
Die Kerne können entweder, wie Kastanien, für sich allein, oder mit dem Fleisch·, auf verschiedene Art zugerichtet, gegessen werden.
Man isst sie sowohl gekocht als gebraten; die Armen essen sie meistens gekocht, mit geraspelten Kokoskernen und Salz.
Die Reichen füllen Gänse und anderes Federvieh, auch Ferkel, wenn sie Braten davon machen wollen, damit.
Man macht hier zu Lande nicht weniger· als fünfzehn unterschied·ne Gerichte von der Brodfrucht.
Eines derſelben heißt Currii Caldu; dies wird von Pollos gemacht, die in feine Scheiben geſchnitten werden, welche man zuerſt in Wasser mit Gurkumey etwas kocht, bis sie gelb geworden sind.
Darauf wird von gedörrten und zerstoßenem Fische, so viel man zwischen den Fingern fassen kann, und ein halbes Maas Kokosmilch hinzugefügt, und alles zusammen unter ständigem Umrühren aufs Neue eine halbe Stunde gekocht.
Diese Suppe wird am häufigsten gegessen, und nicht selten wird Brühe von mehreren Fleischarten dazu genommen.···
Curii Seco unterscheidet sich von jenem dadurch, daß zu diesem mehr Gewürze und andere Zuthaten kommen, als gebrannte, zerstoßene Kokosnuß, Koriander, Pfeffer, Cantel, Mußkatblumen, Salz, gekochter und in kleine Würfel geschnittener Speck und Kokosmilch, welches alles wohl durcheinander gemischt und eine halbe Stunde in Wasser gekocht wird.
Hernach werden Zwiebeln, die vorher in Butter gebraten worden, Zitronensaft, bisweilen spanischer Pfeffer und Salzlake dazugethan, alles gut durcheinander gemengt und zu einem dicken Müsse gekocht.···
So wie das erste Gericht, wird auch ein drittes, das die Ceyloner Pollos Tjundido nennen, zurecht gemacht, aus zerschnittenen Pollos oder Herreli, mit Gurkumey, geraspelten Kokos, spanischen Pfeffer, in Stücke geschnittenen Zwiebeln und Salz, welches über mil··dem Feuer zu einem dicken Brei gekocht wird.···
Man kocht auch die Kerne, nachdem sie in lange schmale Streifen entzwei geschnitten worden, mit Gurkumey in Wasser, und tut getrockneten Fisch, zer·chnittenes Graslauch und Kokosmilch hinzu, welches in dieser Mischung zusammen gekocht und beständig umgerührt wird.
Dies Essen heißt Kastanie Currii.
···Diesem ist ein anderes sehr ähnlich, das man Niembela nennt, nur mit dem Unterschiede, daß die Pollos oder Herreli, sehr grob geschnitten werden.
···Die Frucht wird auch wohl mit Speck gebraten.
Man nimmt alsdann grob geschnittene unreife Frucht, geschnittenes Graslauch, gekochten und in Würfel geschnittenen gesalzenen Speck, Muskatblumen, Kaneel und Salzwasser, kocht dies zusammen, und schüttelt es fleißig um.···
Die reife Frucht mit Kernen und Haut in drei oder vier Teile geschnitten, mit Kurkumey und Salz gekocht, ist ein gewöhnliches Essen geringer Leute.
Sie wird alsdann ungefähr wie gestöbter Kohl, mit geräspelten Kokos gegessen.
Wer es besser haben kann, tut spanischen Pfeffer und etwas von gedörrtem Fisch hinzu.···
Gebrat·ne Pollos werden folgendermaßen zugerichtet; man schneidet die unreife Frucht in dünne Scheiben, rührt Kokosmilch mit etwas Mehl zu einem Teige durch·einander, tunkt die zusammengewickelten Pollossscheiben in diesen Teig und bratet sie hernach in einer Pfanne mit frischem Kokosoel.
···Wenn zu diesen gebrat·nen Scheiben zerstückelt·e··s Lauch, getrockneter Fisch, zerstückelt·e·· und gebrat·ne Zwiebeln und pulverisierter Kane·l getan, das Ganze bei gelindem Feuer in einem flachen Geschirre unter beständigem Zugieß·en von Kokosmilch, gekocht wird, so heißt das Gericht Empade.
···Frikadellen werden von Pollos so gemacht, daß die Frucht unreif gekocht und zu Brey geſtampft und zerſchnit··ne Zwiebeln, Kaneel, Pfeffer, Muſkaten, Saltz, geſtoß·ner Weizenzwieback, nebſt dem Gelben vom Ey dazu gethan wird.
Dies rührt man gut durcheinander, macht Klöße davon, rollt sie in Eiweiß, daß sie zusammenhalten, brät sie in Butter, oder auch wohl in Butter und Kokosöl zugleich, bis sie braun werden; zuletzt gießt man eine Brühe von Butter, fein gestoßenem Kane·l, Pfeffer, Salz und Zitronensaft darüber.
···Von den Kernen und den fleischartigen Händen derselben, macht man bisweilen auch Konfekt.
Man schneidet alsdann die Hälte, welche die Kerne umgeben, in zwei oder drei Stücke, und brät sie in frisch ausgedrückt·· Kokosöl·.
Das Öl wird hernach mit einem Handtuch· wohl abgewischt, und die gebratenen Häute in ein Sieb gelegt, damit das Öl noch besser ablaufen möge; darauf werden sie in Sirup gekocht, getrocknet und in gläserne Flaschen, die aber wohl zugepfropft werden müssen, aufbewahrt.
Dieser Konfekt hält sich mehrere Monate und wird zum Thee gegessen.
Die Kerne werden auch, nachdem die fleischigen Hälte abgelöst, und die Kerne wohl gereinigt sind, in Öl gebraten und auf gleiche Art in Syrup gekocht, aufbewahrt, und ebenfalls zum Thee gegeben; man kann auch die Flaschen oben mit Syrup vollgießen, und sie sodann ein ganzes Jahr aufbewahren.
···Wenn man reife Kerne in Kokosmilch mit dem Gelben vom Ei zu einer klebrigen Masse gemacht, tun·t, und in frischem Kokosöl brät, so wird dies Gericht Fios genannt.
···Auch Pfannkuchen werden von der Brodfrucht gebacken; man rührt Sirupsaft, Kokosmilch, getrocknetes Mehl von den Kernen, und Eidotter zusammen, und lässt den Teig die Nacht über stehen, daß er gährt.
···Was die Ceyloner Pei· oder Jambal nennen, ist eher eine Sauce· als ein Gericht.
Es wird auch nur zu ander·n Gerichten, zum Beispiel zu Fischen, Reis und dergleichen, gebraucht.
Man nimmt gekochte unreife Frucht, Senf und Kurkumey dazu, welches jedes für sich erst zu einem Brei gestoßen, und hernach mit Essig wohl durch einander gemengt wird.
Einige thun auch spanischen Pfeffer, Ingwer und Salz, vorher wohl zerstoßen und zusammengemischt, dazu.
···Endlich trocknet man die Frucht auch wohl, um sie für die Monate, da man sie nicht frisch haben kann, aufzubewahren.
Man pflückt zu diesem Ende die Frucht, wenn sie halb reif ist, vom Baume, nimmt das Fleischartige heraus, und lässt sie dabei entweder ganz, oder schneidet sie in Stücken.
Darauf wird sie ein wenig gekocht, und sodann an der Sonne gedörret.
Hernach hängt man sie entweder im Schornstein· oder an einem ander·n trock·nen Ort auf.
Vermittelst dieser Zubereitung hält sie sich das ganze Jahr über, und die Armen essen sie mit gerappelten Kokos, entweder so trocken, oder noch einmal gekocht.
Ich bemühte mich von den Bäumen dieser so nützlichen Frucht einige lebendig mit nach Europa zu bringen.
In dieser Absicht sammelte ich von der kleineren Art, die keine Saamenkerne hat, ungefehr fünfzig lebendige Wurzeln, die ich in einen großen Bretterkasten pflanzte, hatte auch das Vergnügen, nach Verlauf einiger Wochen, sie ausschlagen und frisch wachsen zu sehen.
Von der größeren Art sammelte ich mehrere hundert Kerne, wovon ich in einem ander·n großen Kasten über hundert säete, die bald aufgi·ngen, und sehr gut fortkamen.
Die übrigen Kerne be·wahrte ich unterwegs auf verschiedene Art, damit sie nicht vertrocknen, ranzig werden, oder auf and·re Weise verderben möchten.
Einige wickelte ich bloß in Papier, legte sie in einen Kasten, und brachte sie unterwegens verschiedene mal an die freye Luft; and·re legte ich in große gläserne Flaſchen, die ich ſorgfältig vermachte; sehr viele umklebte ich mit Wachs, um die Luft davon abzuhalten; andere legte ich in trockenen Sand, und wieder andere legte ich auf der Reise, monatlich einige, in die Erde, damit sie nach und nach aufgehen möchten.
Allenthalben längst der ganzen Küste sieht man Kokoswälder, die sich von Negumbo bis jenseit· Mature erstrecken und eine unzählige Menge Bäume enthalten, von deren Früchten ebenfalls die Einwohner dieses Landes unglaublichen Nutzen haben.
Die Wälder gehen jedoch nicht ins Land hinein, sondern halten sich am Strande, und lieben sandigen Boden, und die Seuluft.
Die Kokospalmen wachsen sogar nicht selten so nahe am Strand·, daß sie sich ganz über das Wasser neigen, und oft stehen sie in so kahlem Sande, daß da nicht ein einziger Halm Gras würde wachsen können.
Die Blätter dieses Baums bindet man um den Stamm, und bedient sich ihrer alsdann statt einer Leiter, um hinauf zu steigen, und die Früchte abzunehmen.
Auch sah ich an verschiedenen Orten einen Strick zwischen zwey Bäumen befestigt, auf welchem die Ceyloner von dem einen Baum zum ander·n gehen.···
Die Kokosnüsse sind bekanntlich die tägliche Nahrung der Indier.
Nach·· diesem Gebrauch presst man aber auch eine große Menge Öl daraus.
Die Nuss wird zu dem Ende, so wie sie vom Baume kommt, zwischen zwei Cylindern zerquetscht.
So lange das Öl frisch ist, ist es sehr mild·, und wird sowohl von den Europäern, als von den Indianern ans Essen, in den Lampen, und zu ander·m Behufe gebraucht.
Aus der faserigen Bekleidung, welche die Nüsse umgiebt, werden überall Taue und Seile, selbst zum Gebrauch auf den Schiffen gemacht, und zwar, welches ich nicht für möglich gehalten hatte, dicke Kabeltaue für die holländischen Schiffe.
Die Stämme selbst gebraucht man hier beim Wasserbau zu Pfählen, und man versicherte mich, daß sie hundert Jahre ausdauern können ohne zu faulen, wiewohl mir dies kaum glaublich scheint.
Mal·divische Kokosnüsse, oder sogenannte Seekalappen ( Zeekalappers ) bekommt der hiesige Gouverneur nebst ander·n Geschenken, durch Abgeordnete, alljährlich von den mal·divischen Inseln zugeschickt.
Sie haben mit den gewöhnlichen Kokosnüssen große Ähnlichkeit, der Kern aber, wird als ein wirksames Gegengift, und als ein gutes Arzneimittel gegen die rote Ruhr, die fallende Sucht und den Schlagfluss gerühmt; man nimmt ein halbes bis zum ganzen Quentchen davon ein.
Im Garten des Gouverneurs zu Pass, sah ich einen solchen Kokosbaum.
Er war aus einem von den mal·divischen Inseln gekommenen Kern·, den man in die Erde gesteckt hatte, gezogen, und gut fortgekommen.
Er war jetzt im dritten Jahre, und hatte nur drei Blätter.
Die Nuss hatte acht Monate in der Erde gelegen, ehe das erste Blatt hervorkam.
In diesem Garten fand ich auch einen Arekbaum oder Arekapalme, die sehr hoch, aber ungewöhnlich dünn, und, welches etwas ganz besonderes ist, in zwei Zweige vertheilt war, deren jeder seine Blätterkrone hatte.
Die Melanzanapfel (·Solanum melangena) werden sowohl von Indiern als Europäern häufig gegessen.
Man schreibt ihnen zugleich die Kraft zu, den Urin zu treiben, und die Blasensteine aufzulösen.
Die Frucht, welche man Tjeremelle nennt, wird im October und November reif; sie wird gesalzen gegessen.
Die Marmellen werden ebenfalls im October reif.
Das Inner···e dieser Frucht wird sowohl mit als ohne Zucker gegessen.
Sie ist sehr schleimig, daher die Holländer sie auch S··ly·m Appels (·Schleimapfel·) nennen.
Die Bolangen werden reif mit etwas Zucker, unreif mit Salz gegessen.
Sie sind von der Größe einer Apfelsine.
Panningai, ist die Frucht eines Palmbaums, der besonders um Jaf·na in großer Menge wächst.
Sie ist länglich, mondförmig, von Farbe beynahe wie ein Pisang, aber vielmal größer.
Sie schließt zwei, drei, und wohl noch mehr ganz harte Nüsse in sich.
Gehörig zubereitet schmeckt sie dem, welcher gewohnt ist, sie zu essen, süßlich, wer aber nicht daran gewöhnt ist, dem ist sie sehr unangenehm.
Beim Aufmachen stinkt sie.
Wenn die Nüsse gesteckt, und die Herzblätter aufgeschossen sind, wird sie unterwärts abgeschnitten, und entweder gekocht mit Salz und Reis, oder allein gegessen, auch wohl zu Mehl gestampft, das wie anderes Mehl, besonderes aber zu Fischsuppen, gebraucht wird.
Man kann sie auch getrocknet aufbewahren.
Vom Mai bis zum Schluss des Jahres, können diese Früchte gegessen werden, und sie machen die vornehmste Speise der Malabaren aus.
An den Bächen und an ander·m Gewässer in der Gegend von Columbo, traf ich häufig die Barringtonie ( Barringtonia ) an; sie hat große schöne Blumen, welche das Eigene haben, daß die Staubfäden gar nicht herausfallen.···
Auch wuchsen hier die juckenden Fasolen, (·eine Art Bohnen, Dolichos pruriens·) in Menge.
Sie haben rau·e Schoten, und das Rau·e setzt sich, wenn man sie angreift, an die Hände, und verursacht einen heftig brennenden Schmerz, den man mit Öl oder Decoct von Reis vertreibt.
Die Bohnen sollen gegen die Würmer gut zu gebrauchen sein.···
Ferner fand ich hier zwei Arten von der Klapperschote (·Crotolaria·) nämlich die bohnenbaumblätterich· (·laburnifolia·) und die stumpfblätterich (·retusa·) an.
Auf singalesisch heißen sie Jacheri.
Sie haben gelbe Blumen.···
Man hat zum Teil geglaubt, dies Gewächs sei die sogenannte Columbowurzel (·Radix Columbo·), die man seit einigen Jahren nach Europa bringt, und als ein gutes Arzneimittel empfiehlt.
Diese kann aber weder die Klapperschote noch der Fischkornermohnsa·me· (·Menispermum cocculus·) sein.
Die Wurzel hat ihren Namen von der Stadt Colombo, von wo sie zu Schiffen nach Europa kommt.
Aber so viel man weiß, findet sie sich weder in der Gegend dieser Stadt, noch auf der ganzen Insel, sondern sie wird von der malabarischen Küste hierher gebracht; die Klapperschote ist ein annuelles Gewachs, dessen Wurzel daher keine medizinische Kraft besitzen kann.
Der Fischkörnermohnsa·me· ist ein in den Wäldern allenthalben wachsendes Rankengewächs, dessen Wurzel ich verschied·ne mal habe ausgraben lassen; ich fand aber keine Ähnlichkeit mit der Columbowurzel, weder im Geschmack, noch in der Größe, noch im äußer·n Ansehen; vielmehr ist sie sehr dünne und lang, und hat erhob·ne Streifen.
Die weitschweifige Boerhaavie (·Boerhavia diffusa·) wird hier Jan Lopes genannt.
Man muss sie aber nicht mit der Lopeswurzel (·Radix Lopes·) verwechseln.
Diese letztere wird von der malabarischen Küste hie·her gebracht; dies Jahr wurden für Rechnung der Compagnie ungefehr dreihundert Pfund davon nach Europa geschickt.
Die Moringawurzel (·Radix Moringa·) mit langem Pfeffer (·Piper longum·) gestoßen wird, wie bei uns Senfteich, aufgelegt, um Blaßen zu ziehen.
Sax·anda und Jermus sind zwei unter den Ceylonschen Ärzten sehr berühmte Gewächse.
Sie sind in mehreren Rücksichten verschieden.
Das erste·· ist die ostindische Osterluzey (·Aristolochia indica), deren Wurzel in Branntwein gelegt bitter ist, den Magen stärkt und die Blähungen vertreibt.
Das letztere wächst in Überfluss, sowohl in den Sandebnen bei Colombo, als um Mature und and·rer Orten.
Die Gestalt desselben zeigt hinreichend, daß sie zu der Ordnung der Contortae gehört, und aller Wahrscheinlichkeit nach eine Gattung der Schlingen (·Periploca·) ist, welche eine giftige und reinigende Wurzel haben.
Die Wurzel ist ein sehr gutes Brechmittel, aber von der amerikanischen sehr unterschieden.
Man soll sie in den Hospitälern zu Colombo, Gale, Mature und Jaf·na mit Nutzen gebraucht haben.
Die Dosis davon muß etwas größer, als von der gewöhnlichen sein.
Man zeigte mir zwei Arten, die eine ist weiß und heißt Elle Binnuge; die andere sieht roth aus, und heißt Rat Binnuge.
Diese letztere wird für die beste ausgegeben; die weiße ist fein und etwas faserig, die rote etwas dicker.
Beide sind ebenfalls Gattungen der Schlingen, und kriechen entweder auf den Sandebnen fort, oder schlange·n sich an den Büschen hinauf, welche in dem lockern Sandboden wachsen.
Der Stinkbaum, bei den Holländern Strunthout (·Struntholz·), bei den Ceylonern Urenne, alles Namen, die diesem Baume von seinem widrigen Geruche gegeben sind, wächst auf Ceylon häufig.
Der Geruch, welcher sich in dem dicken Holze und den großen Zweigen aufhält, ist dem von Menschenkoth so ähnlich, daß man nicht den geringsten Unterschied merken kann.
Wenn das Holz ··raspelt, und die Späne mit Wasser angefeuchtet werden, ist der Gestank ganz unerträglich.
Demungeachtet gebrauchen die Ceyloner es innerlich als ein heilsames Mittel:
Fein geschabt und mit Zitronensaft vermischt, nehmen sie es, als eine blutreinigende Arznei gegen die Kratze, und andere langwierige Arten von Ausschlag, ein, schmieren sich auch äußerlich damit.
Ich gab mir viel Mühe, Blumen von diesem Baume zu bekommen, um bestimmen zu können, zu welchem Geschlecht er gehöre; aber umsonst.
Die Ceyloner, welche ich in dieser Absicht weit in die Wälder landwärts ein·schickte, brachten mir nur einige Zweige ohne Blumen, woraus ich doch sah, daß der Baum weder die stinkende Anagyris ( Anagyris foetida ) noch der eigentliche sogenannte größere Stinkbaum ( Sterculia foetida ) ist.
Ich hatte auch einige kleine lebendige Bäume in Kasten gepflanzt, und brachte sie auch wohlbehalten bis in den Kanal zwischen Frankreich und England; hier wurden sie aber, nebst vielen ander·n seltenen Bäumen und Gewächsen von Sturm und Kälte so ruini·rt, daß sie ganz verloren gingen.
Vom Holze nahm ich auch einige Stücke mit; diese aber haben mit der Zeit ihren Geruch so ganz verloren, daß man gar nichts mehr davon spürt.
Ich lernte hier auch einen ander·n merkwürdigen Baum kennen, den die Holländer S··langenhout ( Schlangenholz ), die Cingaleäser Godagandu nennen, dessen Holz einen sehr barschén Geschmack hat.
Das Holz wird nicht nur, als ein gutes Gegengift, wie auch wenn jemand von Schlangen gebissen ist, sondern in schlimmen hitzigen Fiebern gebraucht.
Die Europäer lassen Bek·er daraus drechseln, welche sie voll Wein gießen, der in kurzer Zeit die Kraft aus dem Holz· zieht, einen barsche· Geschmack annimmt, und als ein magenstärkendes Mittel gebraucht wird.
Das Wasser zieht eine grünliche Tinctur aus dem Holze.
Vermutlich ist dieser Baum das eigentliche oder wahre Schlangenholz ( Ophioxylum serpentinum ), wiewohl ich nicht Gelegenheit gehabt habe, Blumen davon zu sehen.
Das Holz sieht wie Eichenholz aus, hat eben solche graue Farbe und viele kleine Löcher, durch welche in den daraus gedrechselten Bechern das Wasser sich durchsie·h·t.
Die Flechten in der Haut (·Herpes·) werden hier mit den Saamenkapseln des lindenblattrigen Eibis·· (·Hibiscus tiliaceus·) vertrieben, indem man den Saft davon auf die ausgeschlagene Stelle streicht.
Dieser schöne Baum wird zu Columbo und an ander·n Orten in Alleen gepflanzt; er blühet mehrere Monate nach einander, und gibt durch die veränderte Farbe seiner Blumen viel Schmuck.
Die Mungossschlangenwurz ( Ophiorrhiza Mungos ) ceyloniſch Mendi, wird von den Indianern gegen den Biß der Schlangen; Blätter und Rinde aber gekocht wie ein Decoct gebraucht.
Auf der Reise nach Negumbo hatte ich ein Vergnügen, welches ich jetzt am wenigsten erwartete, nämlich die schöne zweizeilige Burmannie (·Burmannia disticha·) zu finden, die ich fünf Monate hindurch sehr emsig gesucht, und welche aufzusuchen und mir zu verschaffen ich viele Cingaleser aufgemuntert hatte.
Sie stand an den niedrigen und noch mit Wasser angefüllten Stellen im Walde, und hatte erst vor kurzem ihre kleinen Blumen geöffnet.
Ich sammelte und trocknete davon soviel als ich hier fand, um diese Seltenheit sowohl für meinen vortref·lichen Gönner und Wohlthateter, Professor Burmannus selbst, als für and·re meiner Freunde in Europa mitzunehmen.
Die Ceyloner nennen sie Wil·ende Wenne.
Zu Colombo brachte man mir Kardamom, der im Inner·n des Landes ········sein sollte.
Er bestand aus länglichen, dreieckigen Saamenkapseln, beynahe von der Länge eines Zolls, mithin von demjenigen ganz verschieden, der auf der Insel Java gebaut wird.
Blumen davon konnte ich nicht bekommen; ich hätte sie gern gehabt, um das Geschlecht bestimmen zu können.
Ich vermutete indes···, daß es eine Art Alpinie (·Alpinia) war.
Vor meiner Abreise kaufte ich eine Menge getrockneter Früchte des Betelpfefferbaums, die hier wohlfeil verkauft werden, und welche man mit anseh·lichem Vortheile, wenigstens mit hundert Prozent Gewinn, zu Cap wieder absetzt.
Unterdessen die Sklaven und die Indier hier allenthalben frische Betelblätter genug zum Kauen bekommen können, müssen die Sklaven in jenen Ländern, wo das kältere Klima die Kultur dieses Pfeffers nicht erlaubt, sich statt der Blätter mit der Frucht behelfen.
Die kletternde Schlangenzunge (·Ophioglossum scandens·), ein Rankengewächs, das sich an den Bäumen hinauf schlingt, wird auf Ceylon an manchen Orten wie gemeiner Epheu gebraucht, um die Zäune, oder vielmehr Stakete, damit zu bedecken und gegen den Seewind zu schützen.
Eigentlich Zäune hat man hier zu Lande nicht, sondern die Befriedigungen der Gärten und Acker bestehen nur aus dünnen Pfählen oder Stangen, die dicht neben einander in die Erde geschlagen sind, und diese lässt man mit jenem Kraute auswendig ganz bewachsen.
Auf meiner Reise nach Mature sah ich an verschiedenen Orten Hecken von Jarrakbäume·, (·die schwarze Purgiernuß, Jatropha curcas·) um die Gärten und Felder.
Auf Ceylon wächst auch das Lackcroton (·Croton lacciferum·), besonders in den sandigen Gegenden um Colombo häufig.
Das Harz dieses Strauchs wird hier bisweilen zum Lackieren gebraucht, nachdem man es in Spiritus aufgelöst hat.
Auf dieser Insel gebraucht man, so wie auf den sämtlichen Küsten des festen Landes, die Blätter der fächer tragenden Weinpalme (·Boraß·us flabelliformis·), bisweilen auch die vom Talpat- oder Licualabaume, oder der Schirmpalme (·Licuala Spinoſa, Corypha umbraculifera·) anstatt des Papiers.
Die Weinpalme ist ein auf Ceylon sehr häufig wachsender Palm··baum, dessen Blätter hier, wie anderswärts, auch zu Fläche·n gebraucht werden.
Die Licualapalme, welche selt·ner ist, hat sehr große Blätter, und wetteifert in diesem Stück· mit dem Kokosbaum· selbst.
Diese Blätter, welche in Falten liegen, werden gegen die Spitze zu von einander gespalten, und alsdann überall zu Regen- und Sonnenschirmen gebraucht.
Ein solches Blatt, eine Klafter lang und oh ungefä·r eben so breit abgeschnitten und mit verschied·nen Zierrathen geschmückt, heißt durchgängig Talpat·, welchen Namen auch der Baum selbst führt, und wird, gerade wie ein Sonnen- oder Regenschirm, den vornehmen Indianern oder Europäern von einem Sklaven über den Kopf gehalten und getragen.
Ein einziges Blatt hat gemeiniglich eine solche Größe, daß sechs erwachsene Menschen Schutz vor dem Regen darunter haben können.
Diese schöne Palme wächst mitten in den Wäldern, ist aber selten.
Man kann sie mit Recht zu den höchsten Bäumen zählen, und sie wird noch höher, wenn sie aus dem Blätterwipfel in Blumen schießt.
Die Hülse, welche die Blume alsdann umgiebt, ist sehr groß und wenn sie aufberfetet, gibt sie einen Knall, als wenn eine Kanone abgeschossen wird.
Hernach schießen die Zweige nach allen Seiten und auch in die Höhe sechs und dreißig bis vierzig Fuß weit.
Die Frucht wird erst im folgenden Jahre reif.
Ich war so glücklich, einen dieser Bäume mit der Frucht zu sehen; da er aber schon das Jahr vorher geblühet hatte, musste ich auf das Vergnügen, seine Blumen zu sehen und zu untersuchen, Verzicht tun.
Der heilige oder Götzenfeigenbaum (·Ficus religiosa·) hat seinen Namen davon, daß die Ceyloner ihn wie einen heiligen Baum ansehen und glauben, der Gott Budu ruhe unter demselben.
Sie hauen daher solche Bäume nie um.
Auch tun sie unter denselben ihre heiligsten Gelübde und Versprechen.
Wenn sie unter einem solchen Baume einen Eid abgelegt, oder einen Contract gemacht haben, so ist man sicher, daß sie ihn halten.
Die Holländer nennen ihn Duyvels boom (·Teufelsbaum·), und die Ceyloner Boga.
In Ceylon wuchsen übrigens auch verschiedene schöne und prächtige Blumen, als die Prachtlilie (·Gloriosa·), das umgebogene Kolbenmoos (·Lycopodium cernuum·), die Ixore (I·xora·) und dergleichen mehr.
Eines merkwürdigen und für die Einwohner überhaupt nützlichen Baums muß ich noch besonders erwähnen, der den Namen Calaminder führt.
Dies ist ein sehr schöner Baum und das Holz ist zu allen Arten Tischlerarbeit vorzüglich brauchbar.
Ich habe verschiedene sehr hübsche und saubere Möbel·, als Bureaux, Stühle, Tische, Sopha, Schränke, Kästchen und dergleichen in den Häusern der Holländer gesehen, die von diesem Holze gemacht waren.
Gebohnet sind diese so glatt wie ein Spiegel.
Das Holz ist so hart, daß man es mit scharfen Eisen nicht bearbeiten kann, sondern es raspeln und beynahe schleifen muß.
Selten hält auch der Leim fest daran.
Das Wort Calaminder heißt in cing·lesischer Sprache schwarz geflammtes Holz, und dieser Baum wird deswegen so genannt, weil der ganz inwendige holzartige Teil desselben weiße oder weißgelbe, und schwarze oder braune Adern, Streifen und Wellen hat, welches sehr schön aussieht.
In der Wurzel sind diese Wellen dichter und dunkler; je näher von der Wurzel daher ein Stück genommen ist, für desto kostbarer wird es gehalten, denn höher im Stamme hinauf werden die Stellen dünner und bleicher.
Das Äußere des Baums, wenigstens ein Drittheil, beynahe die Hälfte, taugt zu nichts, sondern wird weggeworfen.
Ameisen schaden dem Holze nicht.
Den Baum selbst habe ich nicht zu sehen bekommen.
Er soll sehr groß und bisweilen so dick sein, daß drei bis vier Männer ihn nicht umspannen können.
An den Zweigen, die ich mir durch Ceyloneser aus den tief im Lande befindlichen Wäldern holen ließ, sah ich, daß es der Ebenbaum (·Diospyros Ebenum·), oder derſelbe Baum iſt, von dem das schwarze Ebenholz kommt.
Die Kaffeeplantagen auf Ceylon sind eben so als die auf Java; der einzige Unterschied ist, daß man hier große Bäume aus dem Geschlechte der Bignonie ( Bignonia ) zwischen die Kaffeestäuden pflanzt, um ihnen einigen Schatten zu geben, und sie durch die Kronen dieser Bäume gegen die allzu starke Hitze der Sonne zu schützen.
Die hiesigen Kaffeebohnen sollen indes··· den javaniſchen an Güte nicht gleich kommen.
Reis wird auf dieser Insel, so wie auch auf den Küsten Coromandel und Malabar, gebaut, jedoch nicht in der Menge, daß diese Länder hinlänglichen Vorrath davon haben.
Auf den jetzt genannten Küsten ist bisweilen so großer Misswachs an Reis, und so große Hungersnoth, daß, besonders auf der malabariſchen Küste, Eltern sich genöthigt sehen, ihre Kinder für eine einzige Metze Reis zu Sklaven zu verkaufen, oder wohl gar sie ganz weg zuſchenken, um sie nur nicht Hungers zu sterben zu sehen.
Fünfter Abschnitt.
Von den Edelsteinen und ander·n Mineralien in Ceylon.
In Ceylon nennt man gemeiniglich alle diejenigen Steine, Edelsteine, welche durchsichtig und so hart sind, daß sie durch Schleifen eine feine Politur annehmen.
Ich habe sie nicht nur alle, nebst ihren holländischen, malabarischen und cingalesischen Namen, kennen gelernt, sondern auch eine Sammlung davon mit nach Europa gebracht, und will hier eine kurze Beschreibung davon mitteilen.
Der rothe Turmalin, malabarisch Pani Turemali, ceylonisch Penni Turemali, ist ein ins Rothe fallender Quarz.
Liegend sieht er dunkel aus und scheint undurchsichtig zu sein, aber gegen das Tageslicht gehalten erscheint er bleichroth.
Die Farbe ist meistens überall gleich und selten an einer Stelle blasser oder dunkler als an der ander·n.
Die größten, welche ich bekommen habe, sind von der Größe einer Erbse; die meisten sind nicht größer als Reiskörner.
Einige habe ich gesehen, die kristallisiert, aber fast alle schadhaft und unvollkommen waren; diese schienen unten vier gleiche Seiten zu haben, und eine vierseitige Pyramide zu bilden.
Die meisten dieser Steine sind von dem hin und herspülen im Wasser geschliffen so, daß sie die Ecken und scharfen Seiten verloren haben.
Der blaue Turmalin, malabarisch und ceyloniisch Nile Tur·mali, ist nichts anders, als ein etwas ins Blaue fallender Quarz.
Katzenauge, malabarisch und cingalisch Weirodi, wird ein sehr harter Stein genannt, der bald mehr, bald weniger ins Weiße oder Grüne fällt, halb durchsichtig ist, in der Mitte einen Streif· von der Breite einer Linie hat, welcher weißer ist, als der übrige Stein, und sein Licht verändert, je nachdem er nach dieser oder jener Seite gekehrt wird.
In diesem Stück· hat er also Ähnlichkeit mit einem Katzenauge, und davon hat er auch den Namen.
Es ist übrigens ein Pseudoopal.
Der größte, den ich gesehen habe, war von der Größe einer Haselnuss; Es gibt ihrer aber viel kleinere.
Roh scheinen sie keine eckige Seiten oder Merkmale von Kristallisation zu haben.
Ihr Wert richtet sich nach der Größe und der Reinheit.
Einer wie eine Nuss groß, ohne Ritzen und and·re Fehler, wird bisweilen mit fünfzig, sechzig und mehr holländischen Taler· bezahlt.
Sie werden erhoben und langlich geschliffen, ohne Flächen, so, daß der Strich wo die Farben spielen, in die Mitte kommt, und hernach in Ringe eingefasst, welche die Malabaren und Mohren tragen.
Der weiße Kristall, malabarisch Wille Palingu, ceylanisch Sudu Palind, ist ein klarer Bergkristall ohne Farbe.
Man findet ihn hier sowohl kristallisiert, als auch vom Wasser zu uneb·nen, zu flachen, zu langen, und auch wohl zu Stücken mit Vertiefungen geschliffen.
Er sieht klar, bald mehr, bald weniger wasserfarben oder glänzend weiß aus.
Die Kleinen habe ich oft mit Grundflächen und Seitenflächen, als förmliche Pyramiden gesehen.
Die großen sind gemeiniglich vom Rollen im Wasser rundlich geworden.
Sie sind zum Teil sehr groß; man findet ihrer nicht selten solche, die zwei geballte Fäuste groß sind.
Man schleift Knöpfe an Westen und Brusttücher, auch Steine zu Knöpfen an Unterhosen und zum Einfassen in Schuhschnallen daraus.
Der Amethyst, malabarisch und cingalisch Scuandi, ist in der That nichts anders, als ein purpur- oder violettfarbener Bergkristall, der aber in Ansehung des Grades, in welchem er gefärbt ist, sehr verschied·ne Sorten gibt.
Man findet solche, die beynahe weiß sind, mit einer so geringen Tinctur von Violet·, daß, wenn man sie allein sähe, man sie eher für Bergkristalle ansehen würde, besonders wenn man kein Kenner ist.
And·ré findet man, die nach einem Ende zu, and·re nur in der Mitte, and·re hin und wieder, und zwar in höherem oder geringerem Grade farbig sind.
Einige sind so dunkelgefärbt·, daß sie, wenn sie auf einem Tische liegen beynahe schwarz aussehen, und, gegen das Licht gehalten, eine sehr schöne violette Farbe haben.
Oft sieht man sowohl Flecken als Streifen, die blasser und stellenweise dunkler sind.
Sie brechen in verschiedener Größe, selten so groß, wie eine Wallnuss, meist nur ganz klein.
Je größer sie sind, desto blasser sind sie, und daher von weniger Ansehen und geringerem Wert.
Die Kleinen haben gewöhnlich eine höhere Farbe, sind aber doch eben nicht teuer, weil sie nur kleine Steine zum Schleifen geben.
Am meisten gelten die, welche hoch tingi·rt, ohne Ritzen und von einiger Größe sind.
Je dunkler die Farbe in denselben ist, desto reifer, und im Gegenteil, je blasser, desto unreifer werden sie genannt.
Es ist außer allem Zweifel, daß diese Amethysten flüssig gewesen, und daß sie vor der Kristallisation von einer violetten Farbe tingi·rt worden sind, die sich mit dem Flüssigen, entweder zum Theil, oder überall, vermischt hat.
Einige findet man gerundet und beim Fortrollen im Wasser wie geschliffen; and·re sind von unregelmäßiger Figur, auf allen Seiten gebrochen, oft mit tiefen und großen Vertiefungen.
Einige haben sechs Seiten, die auch sechsseitig in eine Spitze zusammenlaufen.
Ich habe keinen gesehen, der ganz vollkommen und unbeschädigt war.
Es ist etwas seltenes einen anzutreffen, der beide Enden hat, wiewohl sie auch alsdann allezeit von äußerer Gewalt gelitten haben.
Einige haben ganz lange violette Streifen, mit weißen Streifen dazwischen.
Aus den größten werden gemeiniglich Knöpfe zu Westen, dergleichen man in Ostindien von weißem Kattun häufig trägt, und, aus den kleinen, Brusstuch- und Ärmelknöpfe gemacht.
Wassersaphire, auch wohl weiße Saphire, malabariſch Wille Padjan, ceyloniſch Sudu Padjan genannt, sind abgeschliff·ne Stücke· des hellsten Bergkriſtalls.
Sie sind den weißen Kristallen sehr ähnlich, aber doch, gegen das Tageslicht beſehen, nicht nur klarer sondern auch weißer; am meisten unterscheiden sie sich durch ihre Härte, woran sie die Kristalle übertreffen.
Ich habe niemals eine dieser Steine bekommen können, der seine Seiten, Ecken und Spitze hatte; sondern alle waren sie vom Wasser zu unförmlichen Stücken gebildet, auch wohl platt und rund geschliffen, mit unebener, und mit kleinen eingedruckten Punkten angefüllter Oberfläche.
Die größten waren von der Größe einer Wallnuss.
Diese sind viel teurer als Kristalle, und werden zu West- und Brusttuchknöpfen und zu Steinen in Schuhschnallen geschliffen.
Der gelbe Kristall, malabariſch Manjel Palinge, cingaliſch Kaha Patingu, iſt ein heller Rauchtopas.
Vermutlich ist er einerley mit dem weißen Kristall·, nur mit dem Unterschiede, daß er in eine unangenehme gelbliche Farbe fällt.
Kristallisiert habe ich ihn nie gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser schon zu runden Stücken mit uneb·ner Oberfläche geworden.
Von diesem unterscheidet sich der braune Kristall, malabarisch und cingalisch Tillia Palingu, welcher ein rauchiger Bergkristall, oder ein dunkler Rauchtopas ist, bloß dadurch, daß er schwärzlich ist oder wie blaß·e, schwarze Tinte aussieht.
Wenn er liegt, scheint er undurchsichtig zu sein; gegen das Tageslicht gehalten aber gerade durch······sichtig.
Diese Steine habe ich allezeit, vom Hin- und Herrollen das sie im Wasser erlitten, gerundet gesehen, und zwar in so großen Stücken, als eine große Haselnuss oder kleine Wallnuss.
Die Oberfläche ist uneben und rau·, und mit feinen eingedrückten Punkten und einer grauen Rinde besetzt, welche den Stein, wenn er ganz ist, bisweilen undurchsichtig macht, obgleich das Inwendige klar ist, wie man sieht, wenn man ihn entzwei schlägt.
Man schleift Knöpfe zu Beinkleidern und ander·m Gebrauche daraus.
Die Hyazinthen sind kleine gelbbraune oder rötliche Prismen, die so wie der Robal oft für Rubine ausgegeben werden.
Die eigentlich so genannten Topase, malabarisch Puresjeragen, ceylonisch Pusperagan, sind wahre Topase, brechen meist in gelblichen Splittern, und sind bald mehr, bald weniger dunkelfarbig.
Der weiße Turmalin, welcher eigentlich Matures·e Diamant genannt wird, malabarisch und ceylonisch Sudu Turemali, ist ein weißgelber Topas.
Die Weiße ist nicht bey allen dieſelbe, gewöhnlich ist er aber doch milchfarbig, so daß er nicht vollkommen durchsichtig ist.
Aus dieser Ursach· wird er oft ausgebrannt, wodurch die Farbe vergeht, so daß er viel klarer wird, wiewohl er keine vollkommene Weiße erlangt.
Grüne Turmaline, auch Matures·e Diamanten, malabarisch und ceylonisch Patje Turemali, werden sowohl Chrysolithe·, die ein vierseitiges Prisma haben, als auch bisweilen Chrysoprase genannt.
Der grüne Turmalin ist von dunkler Farbe, die bisweilen ins Gelbliche, bisweilen ins Bläuliche, bisweilen ins Grünliche, am öftersten aber ins Schwärzliche fällt.
Manchmal ist er durchsichtig; manchmal mit einer undurchsichtigen Oberfläche umgeben; manchmal ist er ganz undurchsichtig, sieht wie Schlör· aus, glänzt im Bruche, und hat nicht selten knotige Lamellen mit vielen Ritzen in die Länge und in die Breite.
Einige findet man kristallisiert mit einer länglichen Säule von vier gleichen Seiten und einer vierseitigen Pyramide.
Gewöhnlich wird er schon etwas abgeschliffen und zerbrochen, in unförmlichen, bald dicken, bald dünnen Stücken, die bisweilen von der Größe einer Wallnuß, bisweilen aber so klein wie Körnerchen sind, gefunden.
Der grüne, oder der Chryſopras ist schön grasgrün, klar und durchsichtig, und man schleift allerhand daraus; dieser heißt eigentlich grüner Turmalin, obgleich dieser Name auch verschieden·· ander·n Arten gegeben wird.
Den gelben Turmalin, welcher ebenfalls Matures·e Diamant, malabariſch und cingaliſch Kaneke Turemali heißt, und ein grüngelber Topas iſt, wird von den Mohren auch wohl Turmalin Topas genannt, weil er dem eigentlichen Topaſe oft sehr gleich kommt.
Von Ansehen hat er mit Bernstein viel Ähnlichkeit.
Einige sind dunkelfarbiger oder beinahe brandgelb; and·re sind blaßgelb; einige sogar weißgelb.
Kristallisiert habe ich diese Steine nicht gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser geschliffen, und zwar von der Größe eines Reiskorns bis zu der Größe einer Erbse.
Man schleift sie, um sie in Ringe zu fassen, und sie haben ein schönes Ansehen.
Der schwarze Kristall, malabarisch Karte Palingu, cingalisch Kallu Palingu, wird teils in Kristallen, teils in zerbrochenen Stücken angetroffen, und ist der elektrische Ceylonſche Turmalin.
Eigentlich ist es ein ganz schwarzer, scheinender und undurchsichtiger Schörl.
Oft findet man ihn in unförmliche Stücke zerbrochen, die vom Rollen im Wasser zum Teil rund, zum Teil länglich, geschliffen sind.
Im Bruch· ist er glänzend, und fällt in schiefrige Stücke, welche an den Kanten durchsichtig sind, und davon ich einige so groß, wie eine Wallnuss, and·re hingegen ganz klein, wie eine Erbse, gesehen habe.
Einige bekam ich, wiewohl mit Mühe, die kristallisiert, jedoch nicht ganz unbeschädigt waren, sechs ungleiche Seiten und eine dreiseitige, stumpfe Pyramide hatten.
Hieraus werden Knöpfe geschliffen, die an Röcke, Westen und Beinkleider in der Trauer getragen werden, und wie Knöpfe von Steinkohlen aussehen.
Dieser Kristall ist sehr häufig, und weder teuer noch sehr geschätzt.
Ich konnte nicht merken, daß die Indier seine elektrische Eigenschaft kennen, auch geben sie ihm niemals den Namen Turmalin, womit sie im Gegenteil verschiedene and·re Arten benennen.
Robale, malabarisch Rauwa, ceylonisch Rawa, sind kleine dunkelrothe, undurchsichtige Granaten, dunkler als Rubine, aber nicht so hart.
Liegend ist er fast ganz undurchsichtig, wenn er sehr dunkelfarbig ist.
Meistens wird er in kleinen, abgerundeten und glatt gewordenen Stücken gefunden.
Er wird zu Steinen in Ringe geschliffen, und oft für Rubin verkauft.
Der Kaneelstein, malabariſch und ceylonisch Komedegam, ist ein schöner braungelber oder gelbbrauner Granat.
Den Namen hat er von seiner Farbe, welche einigermaßen wie die Farbe des Kane··öl· vom feinſten und besten Kaneel ausſieht, aber doch nicht immer gleich, sondern bald mehr, bald weniger blaß oder hochbrandgelb ist.
Man findet sie, unbeschädigt, selten von beträchtlicher Größe, sondern gewöhnlich sind sie, auch die kleinen, sowohl der Länge als der Breite nach gesprungen, welches verursacht, daß sie alsdann nicht klar sind, und zum Schleifen nicht taugen.
Diese Ritzen oder feinen Borsten machen, daß sie in Würfel und schiefe Scheiben fallen.
Bisweilen sehen sie fast wie Benzoegummi aus.
Geschliffen geben sie schöne Steine, besonders zu Ringen, Halsbindenschnallen und dergleichen.
Was die Holländer Rubin, die Malabaren Elinges Chogeppu, und die Ceyloner Lankaratte nennen, ist ein wahrer Rubin.
Dieser Stein ist bald mehr bald weniger reif, das heißt nach indischer Art zu reden, von mehr oder weniger hoher Farbe.
Der Amethyst ist violett, der Rubin aber rot, und zwar gemeiniglich blutrot.
Je hochrother die Farbe, und je größer, klarer und fehlerfreier der Stein ist, desto größer ist sein Wert.
Von bedeutender Größe findet man ihn indes··· hier selten, sehr oft nicht größer als große Sandkörner, Gestenkörner und dergleichen.
Je höher die Farbe ist, desto klarer und durchsichtiger ist der Stein.
Die unreinen sind nicht so klar, haben auch bisweilen dunklere Flecke oder Streifen.
Einige von diesen letzteren fallen beynahe ins Violette.
Die meisten sind im Wasser gerollt, und teils rund, teils flach.
Einige habe ich jedoch kristallisiert gefunden, und zwar mit acht Seiten, wovon vier breit und vier ganz schmal waren.
Die Mohren sagen, daß dieser Stein an Härte dem Diamant am nächsten komme, und schleifen ihn zum Einfassen in Ringe.
Der blaue Saphir, malabarisch Nilem, cingalisch Nile, ist ein wahrer bläulicher Saphir.
Man findet ihn, wie and·re Ceylonſche farbige Steine, reif und unreif in sehr verschied·nen G·raden, das ist mehr oder weniger hochblau.
Bisweilen sind sie so bleich, daß sie beynahe Wasserfarbe haben, selten sind sie dunkelblau.
Sie sind doch mehr gleich gefärbt, als die Amethyste, ohne so viele Flecken und Streife, obgleich sie oft blaue Flecken haben, und ich einen sah, der an dem einen Ende ganz hellblau und am ander·n dunkelblau war.
Alle, die mir vorgekommen sind, waren vom Umherspülen im Wasser in runde und allerhand and·re Gestalten geschliffen.
Einen bekam ich, der wie eine Haselnuss groß war; die meisten sind vielmal kleiner.
Sie werden geschliffen· und zu Knöpfen und in Ringen gebraucht.
Die grünen Saphire, malabarisch und cingalisch Patje Padian, sind gleichfalls wahre Saphire.
Die Farbe ist hellgrün, bei einigen grünlich, bei einigen auch blaß.
Sie werden wie die Vorhergehenden geschliffen und gebraucht.
Taripo heißt auf Ceylon ein weißer Stein, der vermutlich nichts anders· als ein einfarbiger Quarz oder ein weißer Kristall ist.
Seine Farbe ist entweder ganz weiß, oder etwas wasserfarbig, aber nicht so klar und durchsichtig, als beim Kristall, sondern mehr wie beim Quarz.
Kristallisiert habe ich ihn nie gesehen, sondern in unförmlichen Klumpen.
Auch aus diesen schleift man Steine zum Einfassen.
Aus diesen Beschreibungen erhell·t, daß der Stein, welcher in Europa unter dem Namen Turmalin, und seiner elektrischen Kraft wegen bekannt ist, bei den Indiern diesen Namen nicht führt, sondern daß diese mit dem Namen Turmalin verschiedene Steine von unterschiedlicher Farbe und Klarheit bezeichnen, die nichts Elektrisches an sich haben.
Die meisten dieser Steine habe ich den Herrn. Professor Bergmann mitgeteilt, der so gefällig gewesen ist, mir ihre mineralogischen Benennungen mitzutheilen.
Die Mohren sind es hauptsächlich, welche zu Columbo, Gale und Mature diese Steine, sowohl roh, als geschliffen und eingefasst, verkaufen.
Ein Fremder muss aber bei dem Handel mit ihnen sehr vorsichtig sein, nicht nur deswegen, weil sie weit mehr, als sie gewöhnlich wert sind, dafür fordern, sondern auch, weil sie den Käufer oft mit Glasflüssen und daraus geschliffenen Steinen betrügen, die sie so schön und künstlich zu machen wissen, dass der, welcher nicht ein guter Kenner ist, sich leicht täuschen lässt.
Alle diese Edelsteine, welche auf Ceylon, besonders im Lande Mature angetroffen werden, findet man in Thälern und am Fuße der Berge in einer Mischung von Erde und fettem Ton.
Oft findet man verschied·ne Arten in einer und derselben Erde und am nämlichen Orte.
Manchmal werden sie auch durch starken Regen oder herabströmendes Wasser von den Bergen herunter gespült, und alsdann in der Ebene auf der Oberfläche gefunden.
An einigen Stellen findet man Steine ohne viele Mühe ein, zwei oder drei Fuß tief unter der Erde, dagegen man nach ander·n zwanzig und mehr Fuß tief graben kann.
Die ausgegrabene Erde legt man in einen großen Rohrkorb, und schlammt sie, da denn die Steine zum Vorschwein kommen.
Das Graben der Edelsteine in den um Mature liegenden Distrikten, wird jährlich im August für Rechnung der holländisch ostindischen Compagnie an den Meistbietenden verpachtet.
Für die Jahre 1777 und 1778 hat ein Mohr diese Pacht für hundert und achtzig Reichsthaler gehabt.
Das Land, welches zum Graben der Steine verpachtet wird, liegt nicht immer in einer Strecke, sondern man sucht verschiedene Stücke Landes, die hin und wieder zerstreut liegen, und wovon man gefunden hat, daß sie Edelsteine enthalten, dazu aus.
Ehe die Verpachtung geschieht, werden diese Plätze von Committierten der Compagnie besichtigt.
Zu solchen Stücken Landes gehören oft die Gärten der Cingaleser, welche alsdann nicht frei sind, sondern ebenfalls zum Graben hergegeben werden müssen.
Der nämliche Platz wird bisweilen mehr als einmal verpachtet, weil mehr Jahre nacheinander da gegraben werden kann.
Gemeiniglich und am liebsten werden solche Plätze genommen, die an den Bergen, besonders, um des Auswaschens willen, die welche zugleich nicht weit von Bächen liegen.
Der Hauptpächter verkauft hernach oft an verschiedene Andere die Freiheit, mit einer gewissen Anzahl Leuten zu graben, zum Beispiel: für fünfzehn Taler an den, welcher mit zehn Mann, und so in Proportion an den, welcher mit fünf oder mit zwanzig Mann graben lässt.
Diese haben denn die Freiheit, das ganze Jahr hindurch, wo sie wollen, zu graben, aber nicht mit mehr Leuten, als wofür sie an den Hauptpächter bezahlen.
Wer die Freiheit zu graben gekauft hat, bezahlt auch die Arbeitsleute.
Was man nach geschehenem Graben und Waschen bekommen hat, wird am Schluß·e jedes Monats in einen Beutel gelegt, der alsdann versiegelt und dem Eigentümer zugeschickt wird, welcher nun seine Steine aussucht und sortiert, und erwartet, wie viel sie ihm einbringen werden.
Verschiedene von diesen Edelsteinen werden ganz roh nach Europa gebracht.
Die meisten aber werden hier geschliffen, bisweilen auch gefasst, und hernach in Indien selbst verkauft.
Das Schleifen ist gemeiniglich die Arbeit der Ärmeren unter den Mohren.
Es geschieht auf einer bleiernen Scheibe und für sehr billigen Preis.
Ich erhandelte nur von den Mohren die hier befindlichen Sorten nicht nur geschliffen, sondern auch roh, um sie unter ander·n mineralogischen Sammlungen aufzubewahren.
Anfangs musste ich sie sehr teuer bezahlen, besonders da ich damals aussuchte, hernach fand ich aber, daß ich sie, durch die Bank gekauft, viel wohlfeiler bekommen konnte.
Einige andere ceylonische Mineralien sind folgende.
Eisenerz wird in Erde und Ton, die damit durchwachsen sind, und zwar bisweilen ziemlich tief in der Erde gefunden.
Es wird in Tiegeln über Feuer, gegen welches man zwei Blas·bälge spielen lässt, geschmolzen.
Die Schlacken werden mit Zangen abgesondert, die besonders dazu gemacht sind, und die geschmolzene Masse wird in eine von Ton verfertigte Form gegossen, hernach weiter gereinigt, und zu allerhand Gebrauch geschmiedet.
Glimmer (·Mica, cingalisch Mirinan·) findet man in großen blättrigen Stücken.
Die Blättchen davon werden als Zierrath an den oben beschriebenen Talpatzen, das ist, von großen Talpat·blätter· gemachten Regenschirmen, gebraucht.
Wasserbley oder Reißbley (·Ferrum molybdaena, ceyloniſch Kalu Miniran·), wird mit Glimmer zusammen an einem und demſelben Orte, am Fuße der Berge, in Thon, Lehm und rother Erde, oft sehr tief liegend, gefunden.
Man trifft es bisweilen auch allein im trockenen Erdreich· an.
Der Stahlstein oder kristalli··erte Schwefelkies hält etwas Kupfer.
Man schleift Knöpfe daraus.
Sechster Abschnitt.
Allerley and·re Nachrichten von Ceylon; Einwohner, Religion, Sitten und Gewohnheiten, Sprache, Münzen und dergleichen betreffend.
Die Küsten rund um die ganze Insel Ceylon, ungefehr sechs oder mehr Meilen tief ins Land, gehören ganz und gar der holländischen ostindischen Compagnie, und stehen unter einem Gouverneur derselben, obgleich das Land von den Cingaleſern bewohn·t wird, welche nach geendigtem Kriege Unterthanen der Compagnie wurden.
Das Innere, Mittlere und Gebirgige der Insel gehört dem Könige oder Kaiser zu Candy, welcher jetzt von allen Seiten so eingeschlossen ist, daß er keinen Kane·l an fremde Nationen, auch nicht heimlich und durch Schleichhandel, verkaufen kann.
Candy, die Hauptstadt des Kaisers von Ceylon und der ganzen Insel, liegt auf einer Höhe fast mitten im Lande.
Nicht weit davon liegt ein sehr hoher Berg, von dem eine noch höhere Spitze emporsteigt.
Dieser Berg heißt der Adamsberg, und die Spitze Adamsspitze (·Adams-Piek·), weil man glaubt, Adam, der erste Mensch, liege da begraben.
Die Ceyloner stellen Wallfahrten dahin an, und geben vor, daß Adams Fußstapfen da noch in der Erde eingedruckt zu sehen sind.
Der Mohren, welche von den Küsten des festen Landes nach Ceylon kommen, sind besonders zu Colombo, wo sie anseh·liche Handlung treiben, eine ziemlich große Anzahl.
Sie sind meistens lang von Statur, schwärzer als die eingebor·nen Insulaner und wohl gekleidet.
Die Portugiesen haben hier, wie anderswo···, während ihres Hierseins sowohl die christliche Religion, als auch ihre Sprache einzuführen gesucht.
Die Holländer haben sich seitdem sie hierher gekommen sind, bemüh·t, das Christenthum hier aufrecht zu erhalten.
Zu diesem Ende sind von der Compagnie sowohl Kirchen als Schulen für die Eingeborenen und Sklaven beibehalten, auch Geistliche zu ihrer Unterweisung und zur Haltung des Gottesdienstes bestellt.
Kurz vor meiner Ankunft war von der dänischen Mission zu Trankebar ein lutherischer Geistlicher nach Ceylon gekommen, um zu Columbo einige Predigten zu halten, besonders aber seinen hiesigen Glaubensgenoß·en das heilige Abendma·l zu reichen, weil diese hier weder Kirche, noch einen eigenen Prediger haben.
Gewöhnlich macht alle Jahr ein solcher Geistlicher die Reise von Trankebar hie·her, aus Eifer für seine Religion, und aus Liebe zu seinen Glaubensverwandten, die gleichwohl seine Mühe und Beschwerde nur sehr maßig belohnen.
Einige legen hier der gedachten dänischen Mission großen Ruhm bei.
Man hat mich versichert, daß, wenn die Katholiken mit eben so viel Sanftmuth, Leutseligkeit und christlicher Liebe, als diese Missionare thun, ohne Haabsucht, Herrschbegierde, Uebermuth und Gewalthaetigkeit, die Lehre Jesu in Indien auszubreiten gesucht haetten, der groesste Theil der zahlreichen Einwohner Asiens jetzt Bekenner derselben seyn wuErden.
Die Heiden in Ceylon beten, wie andere östliche Völker Asiens, vorzüglich den Abgott Bud·ha oder Budso an, dessen Bild man nicht nur in ihrem Tempel, sondern auch oft in ihren Häusern antreffen.
In den Tempeln bringen sie ihm allerley Opfer dar, welche zugleich die Einnahmen der Priester ausmachen.
Mit diesen Opfern bezeichnen sie oft ihre Bedürfnisse und Anliegen.
Wenn einer oder mehrere in einem Hause krank geworden sind, so lassen sie dünne Silberbleche schmieden, und daraus eine oder mehrere menschliche Figuren im Kleinen bilden, die sie dann auf den Altar des Bud·ha legen.
Hat jemand kranke Augen, so lassen sie ein Paar silberne Augen machen, und so weiter.
Wenn sie aber seine Hilfe im Allgemeinen anrufen, so lassen sie die Figur des oben erwähnten heiligen Feigenbaums oder auch die Frucht des Nierenbaums (·Anacardium·), die ihrer Meinung nach diesem Gotte besonders angenehm sind, von Silber verfertigen.
Wenn die Priester eine Menge solcher Opfer zusammen gebracht haben, so schmelzen sie sie wieder ein, oder verkaufen sie nach dem Gewicht an die Goldschmiede.
Ich hatte Gelegenheit verschiedene solcher Opferstücke zu Kauf zu bekommen, so wie auch einen kleinen, von purem Silber verfertigten Hausgott Bud·ha, der das harte Schicksal hatte, von seinem Besitzer an einen Europäer ge·pfändet zu werden.
Es trägt sich bisweilen zu, daß die äußerste Not sie dazu treibt, ein solches Götterbild zu verpfänden; allein sobald sie nur einigermaßen dazu kommen können, lösen sie dergleichen Pfänder richtig ein.
Der Buddha wird allezeit nach indischer Art, die Beine kreuzweise über einander sitzend, eine Hand oben auf dem Kopfe, oder auch wohl beide Hände gefaltet vor dem Leibe haltend, und mit langen, bis auf die Schultern reichenden Ohren abgebildet.
In den Tempeln traf ich dieses Bild bald von Stein, bald von Holz, und zwar von verschiedener Größe an.
Die Mohren betragen sich in den hiesigen Moscheen sehr sittsam und anständig.
Mit äußerster Ehrfurch·t··· verrichten sie ihr Gebet; während dem Beten drehen sie nicht einmal den Kopf im Geringsten zur Seite, geschweige daß sie mit einander sprechen sollten.
Zu Colombo hat die Compagnie eine eigene Druckerei, in welcher verschiedene, meistens auf die christliche Religion Bezug habende Bücher gedruckt sind.
Von diesen verschaffte ich mir einige, die ich hernach der Universitätsbibliothek zu Upsala einverleibt habe, als: Kort Begryp der chriſtelyke Religie, in de Tamuliſche Spraak, door Sigisbertus Abrahamß Bronsveld, Colombo 1754, 8. ( Kurzer Inbegriff der chriſtlichen Religion in tamuliſcher Sprache ).
Tamulischer Kindercatechismus, door Sigisbert Abrahamß Bronsveld, Colombo 1776, 8. ( Tamuliſcher Kinderkatechismus ).
Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, in de Mallabaarſe Taal, Colombo 1741, 4. (·Das Evangelium Matthäi in malabariſcher Sprache·).
Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, Marcus, Lucas ende Johannes, ende de Handelingen der Apostelen in de Tamulsche Taal, Colombo 1748, 4. ( Die vier Evangelisten und die Apostelgeschichte in tamilischer Sprache ).
Die vier Evangelisten in cing·lesischer Sprache, in 4., bekam ich ohne Titelblatt.
Sechzehn Predig·t·en in der Tamuliſche Taal, durch Philippus de Vrieſt, Colombo 1747, 4. ( Sechzehn Predigten in tamuliſcher Sprache ).
Singaleesche Taal-Konſt, door Johannes Ruell, Amſterdam 1708, 4. ( Grammatik der cingaleſiſchen Sprache ).
Das Baden in kaltem Wasser, besonders in der offenen See an einem Strande der vor Krokodillen sicher ist, ist sowohl unter den hiesigen Europäern, als auch vorzüglich unter den Indianern allgemein gebräuchlich.
Wenn man am Nachmittage vor der Stadt spazieren geht, sieht man Schwarze und Weiße, Alte und Junge, Freie und Sklaven, weiblichen und männlichen Geschlechts, zu Hunderten im Wasser platschern.
Hierdurch geben sie dem Körper die nötige Kühle, und den durch die brennende Sonnenhitze geschwächten Fibern neue Stärke.
Man reis·t in Ceylon in Trag·esse·n oder sogenannten Palanquinen.
Ein Palankin ist mehr offen, als ein japanischer Norimon, auch in einigen ander·n Stücken davon unterschieden, ob sie gleich in den meisten Rücksichten einander ähnlich sind.
Die Bamboſtange, woran er getragen wird, geht über dem Dache oder der Decke her, und wird von mehreren Mohren, die unterwegens einander ablösen, getragen.
Man kann in einem solchen Tragstuhle nach Belieben sitzen und liegen.
Er hat an allen vier Seiten Gardienen, damit man sich gegen die Hitze der Sonne verwahren kann.
Gewöhnlich reiset man mit sechs oder zwölf Trägern.
Die Vornehmen unter den Ceylonern, imgleichen die Hofleute zu Candy, und die Kaiserlichen Abgesandten an die Holländer, tragen lange gold·ne Ketten um den Hals, die bis auf die Brust, und wohl gar bis auf den Unterleib herabhangen.
Dergleichen hatten unter ander·n die Abgesandten, welche zu meiner Zeit nach Colombo kamen.
Auch gibt der König dergleichen als ein Ehrengeschenk dem holländischen Ambassadeur und dessen Secretär, wenn sie zu Candy ankommen.
Diese Ketten bestehen nicht aus Gliedern, sondern aus runden Kugeln, die inwendig hohl, überall durchbrochen, und wie die feine Draht·fädenarbeit der europäischen Gold- und Silberarbeiter, von Golddraht geflochten sind.
Die Kugeln werden, wenn eine Kette daraus gemacht werden soll, entweder auf eine seidene Schnur oder auf Golddraht, so lang als man die Kette haben will, an·einander gereihet.
Eine solche Kette ist sehr leicht und wohl gearbeitet, und sieht sehr schön aus; kommt aber wegen ihres geringen Gewichts nicht viel höher als zwanzig, dreißig bis vierzig Pagoden, die Pagode zu einem Dukaten gerechnet, zu stehen.
Die Kleidung der in Ceylon sich aufhaltenden Mohren sieht beynahe wie ein weiter Damenanzug aus, ist gewöhnlich von weißem Cattun, sehr weit, und um den Leib in Falten zusammengelegt, und mitten über den Leib mit einem Gürtel von weißem bauwollenen Zeuge, der an der rechten Seite geknüpft wird, zusammengebunden.
Auf dem Kopfe tragen sie einen Turban.
Die Ohren schmücken sie gewöhnlich mit langen goldenen Ohrgehängen, die auf verschied·ne Art gearbeitet sind.
Einige sind schlicht, and·re gewunden; in and·re sind rothe, blaue oder grüne Edelsteine gefaßt; einige sind sehr groß, zum Teil einen Finger lang, and·re hingegen klein.
Bisweilen tragen sie in jedem Ohre ein solches Gehäng·, bisweilen ihrer mehrere, bisweilen fünf bis sechs, so daß durch die Schwere derſelben das Loch im Ohre und der Ohrlappen gar sehr verlängert wird, und das Ohr wohl bis auf die Schulter herabreicht.
Viele lassen in diese Ohrringe, eine kleine runde, mit kleinen rundlichen Erhabenheiten besetzte Frucht fassen, die der Sage nach, auf einem heiligen Berge im Lande Kaschi wächst.
Die Frucht heißt Uteratie, und ist gemeiniglich so groß, wie eine kleine Erbse, manchmal aber auch wohl wie eine Flintenkugel.
Einige glauben in den Löchern und Falten derſelben gleichsam sieben menschliche Gesichte zu sehen; alsdenn ist sie von hohem Werth, und wird von den Vornehmen und Reichen mit zweyhundert Thalern bezahlt.
Sobald die Kinder drei Jahr alt sind, wird ihnen ein kleiner Ohrring zum Schmuck gegeben.
Eigentlich sind es nur die Reichen, welche viele Gehängen in den Ohren tragen, so, daß man aus der Beschaffenheit, Größe und Menge der Ringe auf den größeren oder geringe··n Reichtum derselben schließen kann.
Unter den mancherley Arten Kattun und Sitze, die aus Malabar und Coromandel hie·her kommen, schienen mir die von Suratte und Bengalen, und namentlich die letzter·n, die allerschönsten zu sein.
Von Tutucorin sah ich auch solche, die nicht gedruckt, sondern worauf die Blumen, wie auf Tapeten, mit dem Pinsel gemahlt waren.
Es ist unglaublich, zu welcher Feinheit die Baumwolle auf den indischen Küsten gesponnen wird.
Ich hatte Gelegenheit, Baumwollz·e···ug· zu sehen, die so fein waren, daß ich ein halbes Dutzend Hemden davon in eine Hand ganz von allen Seiten zu·······fassen konnte.
Auf Ceylon gibt es, so wie in ganz Indien eine Menge giftiger Tiere, Säfte und Früchte.
Dagegen sind die Einwohner auch mit sogenannten Gegengiften reichlich versehen.
Dahin gehört das Schlangenholz (·Lignum colubrinum·), die Schlangenwurzel (·Ophiorrhiza·) und die Mungobohne (·Phaseolus Mungo·).
Die Mohren rechnen auch das Rhinoceroshorn dazu.
Besonders muss ich hier von den Schlangensteinen etwas sagen.
Man hatte mir von ihrer Wirkung gegen den Schlangenbiß so viel gerühmt, daß es mir sehr wichtig war, mich bei den Malabaren genau darnach zu erkundigen, und auch die Zubereitung und Verfertigung derselben zu erfahren.
Man brachte mir oft solche Steine, hielt sie aber lange in ziemlich hohem Preise.
Als ich aber endlich keine mehr kaufen wollte, und and·re Abnehmer auch selten waren, bekam ich sie so wohlfeil, daß ich hernach zu Cap meinen Freunden das Stück für einen Taler überlassen konnte.
Der Stein ist durch Kunst gemacht, groß, und beinahe von der nämlichen Gestalt als eine Bohne, obwohl Größe und Figur selten gleich sind.
Gemeiniglich ist er rundlich, oder ein wenig länglich rund, mit stumpfen Kanten, auf der einen Seite fast ganz platt, und auf der ander·n etwas erhoben.
Er wird aus einer zu Asche gebrannten Wurzel gemacht, welche mit einer gewissen Art Erde, die man bei Diu findet, vermischt, hierauf abermals gebrannt, sodann zu einem Teige gemacht, und diesem die Figur, welche der Stein haben soll, gegeben, und zuletzt an der Luft getrocknet wird.
Nicht alle haben einfarbig Farbe; die, welche am meisten gebrannt sind, sehen mehr hellgrau, die ander·n mehr dunkelgrau aus; gewöhnlich sind sie schwarz und grau gefleckt.
Inwendig hat der Stein feine Löcher, oder Zwischenräume, die man aber doch nicht selten mit bloßen Augen sehen kann.
Zugleich ist er so zerbrechlich, daß er in Stücken fällt, wenn man ihn auf einen Stein fallen lässt.
Wenn man von einer Schlange gebiß·en wird, so legt man einen solchen Stein auf die Wunde, bindet ihn darauf fest, und lässt ihn so lange liegen, bis alle Zwischenräume des Steins mit dem ausgezogenen Gifte angefüllt sind.
Man sagt, er falle dann von selbst ab, wie ein Blutigel der sich vollgesogen hat; und wenn man ihn sodann in süße Milch legt, glaubt man, daß das Gift wieder heraus ziehe, worauf man den Stein von neuem auf die Wunde legt, wenn man meint, daß noch Gift darin sey.
Fein geschabt, und in Wein eingenommen, soll er bei hitzigen· und Faulfiebern große Heilkräfte äußer·n.
Man erzählte mir, daß es auch falsche, nachgemachte Schlangensteine gebe, die gar keine Arznei-kraft haben.
Die Kennzeichen der achten Schlangensteine sind: daß sie am Gaumen, und, wenn man warm ist, auch an der Stirn festkleben, und im Wasser gelegt, nach Verlauf einer kurzen Zeit verschiedene kleine Wasserblaßen aufsteigen lassen.
Wie auf der Küste des festen Landes von Ost··dien, so bedient man sich auch auf der Insel Ceylon, der Blätter der Borassu·palme, bisweilen auch der vom Talpatbaume ( um drauf zu schreiben, wie bereits erwähnt ) statt Papiers.
Die Indier machen nämlich nicht wie ihre östlicher wohnenden Nachbar·n, ihr Papier aus Baumrinde, sondern schreiben auf Blätter.
Man legt die Blätter jener beiden Arten Palm··baume zu diesem Ende in Falten wie einen Fächer, und die hie·durch sich bildenden Streifen bedürfen keiner weiter·n Bereitung, als daß sie mit einem Messer von einander getrennt und an den Seiten gerade geschnitten werden.
Auf diese Blätters·treife· schreibt man statt der Feder· mit einem spitz··en eisernen Griffel, mit welchem die Buchstaben eingeritzt oder eingegraben werden.
Damit das Geschriebene hernach desto besser zu lesen sey, werden pulverisierte Kohlen, oder sonst etwas Schwarzes, darüber gestrichen, so daß die Buchstaben völlig wie in Kupfer gestochen aussehen.
Die Spitze eines solchen Griffels ist entweder in einen messingnen Stift eingefaßt, den man in einem hölzernen Futteral trägt, und der bisweilen eine Viertelelle lang ist; oder der ganze Griffel ist von Eisen und aus einem Stück·, und zugleich mit einer Messerklinge versehen, womit man die Blätter schneiden kann, da denn sowohl der Griffel als das Messer in einem gemeinschaftlichen Stiel eingesetzt sind, worin man sie umlegen und bey sich tragen kann.
Auf solche Streife von Blättern werden alle Briefe, die Befehle der Fürsten und dergleichen geschrieben, und offen und unverwiegelt weggeschickt.
Wenn ein einziger Streif· nicht hinreicht, so legt man mehrere zusammen, und reih·t sie, vermittelst eines an dem einen Ende hinein gemachten Lochs und einer hindurchgezogenen Schnur, auf.
Wenn ein Buch zum Gebrauche im Tempel, oder zu ander·m Behuf gemacht werden soll, so sucht man recht breite und schöne Streifen von Talpat·blätter· aus, auf welchen die Schrift sehr schön und genau eingeritzt, und auch verschiedene Figuren zum Zierrath hinzugefügt werden.
Darauf werden die sämtlichen Streife mit zwei Löchern durchbohrt, auf eine schöne und künstlich gemachte Schnur gereiht, und mit zwei hölzernen Seitendeckeln statt des Bandes versehen, die hernach lackiert werden.
Vermittelst der Schnur werden die Blätter dicht und eben zusammen gehalten, und wenn man das Buch gebraucht, kann man sie durch Ausziehung der Schnur nach Gefallen aus·einander nehmen.
Ein Buch dieser Art, das, wie man mir gesagt hat, verschiedene Gebete enthält, hatte ich, durch Graf Ranzows Vermittlung, Gelegenheit, mir von einem Ceylonschen Priester zu verschaffen.
Auf Erlernung der Ceylonischen und der Malabarischen Sprache einen Teil meiner kostbaren Zeit zu verwenden, dazu war mein Aufenthalt in diesem Lande zu kurz.
Ich bemerkte indes··· doch, daß diese beiden Sprachen sehr unterschiedlich sind, und von einander eben so sehr abweichen, als die Sprache der Mohren von beiden.
Von der malabarischen Sprache kann ich hier wenigstens die Zahlwörter mittheilen.
Da zu Colombo mit der ganzen Küste des festen Landes von Indien ein ausgebreiteter Handel getrieben wird, und auch eine Menge Mohren des Handels wegen sich hier aufhalten, so war es mir leicht, verschiedene theils gangbare, theils seltene, indische Münzen zu bekommen.
Unter den Ceylonschen Münzen ist eine, die in Ansehung ihrer Gestalt etwas besonders hat und, auf Malabar und Coromandel zugleich, gäng und gebe ist.
Der Kaiser zu Candy lässt sie schlagen; sie ist von verschiedener Größe und verschied·nem Werth, heißt aber durchgängig Laryn.
Sie besteht aus einem gehämmerten silbernen Cylinder, der in der Mitte zusammen gebogen· und an beiden Enden wie ein Haken gekrümmt ist.
Das obere Ende ist mit einigen Buchstaben, Sternen oder ander·n eingegrabenen Figuren bezeichnet.
Eines von den Exemplaren, welche ich mir einwechselte, kostete zehn, ein anderes, kleineres, neun holländische Stüber, beide sind von feinem Silber.
In einigen Gegenden der Insel wird eine Art Kupfergeld aus der Erde gegraben, das kleiner aber etwas dicker, als ein gewöhnlicher Pfennig, und mit einem Bilde nebst malabarischen Buchstaben geprägt ist.
Man glaubt, es ····malabarische Münze, die ehedem hier gangbar gewesen.
Unter den geringen und armen Leuten zirkulieren viele von den großen sowohl als kleinen Pfennigen, welche die Compagnie schlagen lässt, und zwar von derjenigen Gattung, die auf einer Seite das Wap·en derselben hat.
Im Handel und Wandel zwischen den Europäern und Indiern sind gold·ne und silberne Rupien und Pagoden die gebräuchlichsten Münzsorten.
Von den Rupien gibt es hier verschiedene Sorten, die von mehreren Fürsten geschlagen sind; auch hat man halbe, und noch kleinere Stücke davon: Pagoden, die man im östlichen Indien selten antrifft, sind hier sehr allgemein; es sind fast die einzigen Münzen, die ein Bild haben.
Das Gold, woraus sie geprägt werden, hat etwas Zusatz von Kupfer.
Sie halten fast genau einen Dukaten, und gelten zwei Reichstaler und einen Schilling holländisch.
Auf einer Seite sind sie erhoben, auf der ander·n etwas flach, ungefähr wie ein Brustkuchen gestaltet.
Auf der einen Seite sieht man ein Bild, auf der ander·n, nämlich bei denjenigen Stücken, die am meisten nach holländischen Comtoiren gehen, nur einige erhab·ne Punkte, bei denen aber die im Handel nach englischen Comtoiren gehen, einen Stern.
Man muss sich bei diesen Pagoden sorgfältig für Betrug in Acht nehmen, denn sie werden häufig verfälscht, und die Falschen, welche stark vergoldet sind, lassen sich nicht leicht anders als durch den Klang, von den Achten unterscheiden.
Pagoden mit der Figur eines Elefanten sind ungemein rar; sie werden für sehr alt ausgegeben, sind größer als die gewöhnlichen, und bestehen aus feinem Gold·.
Die maſſulipatnamſchen Pagoden, welche von Coromandel hie·her kommen, sind auch mit drei Figuren bezeichnet; man hat sie ganz, und auch, sogar bis zu Achtteilen, getheilt; auch diese sind von feinem Golde.
Die mangalorischen Pagoden sind von zweierley Art; die eine ist alt, und hat auf der Rückseite Buchstaben; die and·re cursiert noch jetzt, und hat einen Mond auf der Rückseite, auf der Hauptseite aber zwey Bilder; es giebt ganze und halbe; sie sind ebenfalls von feinem Golde.
Die sowohl hier, als auch auf den Küsten Malabar und Coromandel gangbare Scheidemünze, besteht entweder aus ganz kleinen, goldenen und silbernen Münzen, die Fanum heißen, oder aus Kupferpfennigen von unterschiedlicher Größe, die auf den von den Europäern errichteten Handelskonto·ren geschlagen sind.
Die Fanum sind alle klein und dünn, die goldenen mit etwas Kupfer vermischt.
Verschiedene Fürsten auf dem festen Lande lassen sie schlagen.
Sie sind auf beiden Seiten mit verschiedenen Strichen und Punkten bezeichnet.
Ihr Wert ist ungleich, und richtet sich nach Gehalt und Größe.
Unter dem Kupfergelde sind verschiedene, von den Holländern, Engländern, Franzosen und Dänen geprägte Sorten, von ungleicher Größe, Dicke, Gepräge und Werth.
Einige kleine silberne Münzen circulieren hier auch, die zu Madras, Pondichery und Trankebar geschlagen sind.
Diese alle ausführlich zu beschreiben, würde zu weitläufig sein; vielleicht teile ich einmal in Zukunft dem Publikum eine eigene Beschreibung der ostindischen Münzen mit.
Von Malabar werden auch zwei Arten bleiernes Geld, das etwas größer ist, als das javaniſche, hie·her gebracht; die eine Art hat ein rundes, die and·re ein viereckiges Loch in der Mitte.
Von eben daher kommen auch zwei Kupfer-Münzen Dudu und Baisa· genannt; die eine ist größer die andere kleiner, beide aber sind auf einer Seite mit der Figur eines Elefanten bezeichnet.
Fünfte Abteilung.
Rückreise nach Schweden, vom 28.··· Januar 1778 bis den 14.·· März 1779.
Erster Abschnitt.
Reise von Ceylon nach Holland.
Am 28.··· Januar 1778 reiste ich von Colombo ab.
Ich nahm den Landweg nach Gale, und zwar in Gesellschaft des Polizeysekretä·rs Belling, welcher die Briefe dahin brachte, die mit den zur Rückreise nach Europa fertig liegenden Schiffen abgehen sollten.
Der Hafen von Gale wird durch die Festungswerke der Stadt beschützt.
Er krümm·t sich in eine Bucht, weshalb das Ein- und Auslaufen beschwerlich ist.
Alle nach Europa und Indien gehende Schiffe· müssen ihre letzte Ladung hier einnehmen, und von hier aus absegeln.
Am 6.··· Februar ging ich nebst mehreren Passagieren an Bord des Schiffes Loo, welches vom Capitain Cock, einem gebor·nen Norweger, geführt wurde, unter Seegel.
Die Ladung bestand in ungefehr fünfzehn hundert Ballen Kaneel von der eigenen Ernte der Compagnie, etwas Kaneel von Candy, einer Menge Ballen weißer Baumwoll·ner Zeuge von Suratte und Tutucorin, und Pfeffer von der malabarischen Küste.
Die Officiere hatten einige und dreißig Sklaven mitgenommen, die sie hernach zu Cap mit ansehenlichem Gewinn verkauften.
Diese waren alle vom männlichen Geschlechte, die meisten von der Küste Malabar, und nur einige wenige Pampusen mit krausem Haar darunter.
Ich als Arzt musste genau untersuchen, ob sie auch alle die Pocken und Masern gehabt hatten, und eben so sorgfältig musste ich auch unterwegs acht haben, ob sich etwa die eine oder andere dieser beiden Krankheiten bei ihnen zeigte.
Wäre dies der Fall gewesen, so hätte das Schiff, bei der Ankunft am Kap, bei Robbeneyland vor Anker gehen, und förmlich Quarantaine halten müssen, so daß, vor Ablauf von 40 Tagen Niemand von uns hätte ans Land kommen dürfen.
Man fürchtet sich nämlich am Kap eben so sehr vor Pocken und Masern, als vor der Pest; und gleichwohl macht man gar keine Anstalten zur Einimpfung!
Unsere Fahrt ging von Gale aus mit günstigem Winde von Stattem; am 11ten Februar paſſi·rten wir den Aequator, und am 16ten März den Wendezirkel des Steinbocks.
Als wir zwischen dem 30.···· und 35.··· Grade südlicher Breite waren, hatten wir sehr oft Donnerwetter mit Regen, Hagel oder Schnee, welcher jedoch ··gleich schmolz.
Einmal sahen wir während eines Gewitters an der Spitze des vordersten Mastes eine elektrische Flamme.
In diesen Gegenden war es auch, wo verschiedene Nächte nach einander mehrere lange Leuchtwürmer oder Glanzaß·eln (·Scolopendra electrica·) auf das Verdeck herunterfielen.
Sie kamen immer von derselben Seite als der Wind, und fielen auch auf eben der Seite nieder.
Gewiß war es auch der Wind, der sie herabwehte, und folglich kamen sie keineswegs von den Seegeln, sondern von den Masten und Stangen.
Wenn sie zertreten, oder sonst auf and·re Art auf dem Verdecke zerquetscht wurden, so sah man allezeit ein phosp·orisches Feuer so weit sich der zerdrückte Wurm erstreckte.
Merkmale von Flügeln konnte man an diesen Würmern nicht entdecken, sondern ohne Zweifel kriechen sie mit ihren vielen Füßen an die Masten hinauf, von wo sie hernach, wenn der Wind stark wehet, herunterfallen.
Den 22.··· April zwischen 45 und 46 Grad Breite, nicht weit ostwärts vom Vorgebürge der guten Hoffnung, sahen wir Mittags einige wenige Minuten nach 12 Uhr einen auf der Oberfläche des Wassers selbst liegenden Regenbogen; der Wind wehete stark, und die Sonne hatte ihren höchsten Stand am Himmel in Nordnordwesten, und der Regenbogen war in SüdSüdosten.
Er fing am Horizonte selbst mit einem hellen Zirkelabſchnitte an, welcher sich allmä·lig· mehr und mehr erhob und zugleich nach den Seiten ausbreitete, und ganz oben einen schmalen dunkelrothen Rand bekam.
Von den beiden Enden des Bogens erstreckten sich zwei Arme, wie zwei Hörner, die sich einwärts bogen, und Zweidrittheil ihrer Länge weit, sich zwischen der Erds··che und dem Schiffe ausdehnten, und mit sehr angenehmen Farben, Roth, Gelb, Grün und Purpurblau, prangten.
In dieser Stellung blieb er eine halbe Viertelstunde, worauf er in umgekehrter Ordnung allmählig· verschwand.
Auf der östlichen, oder linken Seite, sah man einen ander·n Regenbogen, mit Farben in entgegenstehender Folge; dieser war daher weiter nichts als eine Wirkung der von jenem wirklichen Bogen zurückgeworfenen Strahlen; oberwärts war er nicht sehr hoch, stand aber doch höher, als das Segment des ersteren an der Erdsfläche.
Nach einer Viertelstunde erhob sich zwar wieder ein ähnliches Segment, es dehnte sich aber in keinen Regenbogen aus.
Der Himmel war diese ganze Zeit trübe, und mit wolkenartigen Stellen besetzt, und man konnte mit Mühe gewahr werden, daß unten am Horizonte Regen fiel.
Dergleichen Regenbögen, die nur auf dem Meere und auf großen Seen entstehen können, sind vielleicht nicht oft beobachtet.
Auf dieser Seereise sahen wir auch mehrmals wasserziehende Wirbel (·sogenannte Wasserhosen·), die verschiedentlich gestaltet in der Luft schwebten.
Sie fingen allezeit am unter·n Ende an zu verschwinden.
Wenn sie sich zeigten, hatten wir gewöhnlich zugleich Gewitterregenſchauer mit starken Windstößen.
Endlich ließen sich die Malataßvögel, eine Art Pelikane (·Pelecanus Sula·) sehen, und gaben uns die sichere und frohe Hoffnung, daß wir bald Land erblicken würden.
Diese Vögel sind für die Seefahrer allezeit ein zuverlässiges Kennzeichen, daß sie nicht weit von der afrikanischen Küste sind; oft sieht man, wenn sie zum Vorschwein kommen, oben vom Mastkorb· aus bereits Land.
Selten gehen sie tiefer in die See hinein, als daß sie gegen Abend wieder nach den Buchten zurückkommen können, wo sie gewöhnlich die Nächte zubringen.
Wir entdeckten auch ··gleich nachher Land.
Da aber der Südostwind uns sehr heftig entgegen wehte, konnten wir die kapsche Reede nicht erreichen, sondern kamen am Abend, mit Mühe und Not, bey Robbeneyland vor Anker.
Bey dem starken Winde und der dadurch verursachten Kälte, hatte ich das unbeschreibliche Mis·vergnügen, verschied·ne von meinen Brodfruchtbäumen und anderen Gewächsen, theils erfroren, theils durch das heftige Hin- und Herſchwanken des Schiffs umgeworfen und ruini·rt zu sehen.
Die meisten Krankheiten, welche auf dieser Reise vorkamen, waren venerische, die sowohl Matroßen als Sklaven durch ein lüderliches Leben auf Ceylon sich zugezogen hatten.
Sie äußerten sich mit den schrecklichsten Symptomen.
Am 27.··· April kamen wir endlich zu dem gewöhnlichen Ankerplatze auf der Rhede bei Cap, wo bereits elf Schiffe lagen.
Sobald das Schiff durch Kommissarien aus der Stadt gehörig visiti·rt worden war, bekamen wir Erlaubnis ans Land zu gehen.
Ich ließ mich daher sogleich nach der Stadt rudern, und nahm meine Wohnung bei meinem vormaligen Wirth, Herrn Fehrsen, in denſelben Zimmern, die ich ehedem drei Jahr bewohnt hatte.
Während diese Zimmer für mich zurecht gemacht wurden, fand ich Gelegenheit eine botanische Bemerkung zu machen, die mich in Verwunderung setzte.
Im Vorzimmer stand ein meinem Wirt· gehörrender sehr großer Kasten, den ich bei meinem vorigen hiesigen Aufenthalte oft anstatt eines Tisches gebraucht hatte, um meine Kräuter, Zwiebeln und Samereyen darauf zu legen.
Im letzten Jahr· hatte ich auf diesem Kasten die in den afrikanischen Wüs·ten wachsenden fleischigen Gewächse in Ordnung gebracht, um sie nach Europa zu schicken.
Bei dieser Arbeit war eines dieser Gewächse, das äußerlich ganz vertrocknet aus sah, hinter den Kasten gefallen.
Als jetzt beim Reinmachen des Zimmers der Kasten von der Wand gezogen wurde, fand man das dem Anscheine nach vertrocknete Gewächs dahinter liegen, das unterdess einen Stengel von einer Viertelelle getrieben hatte, un··achtet es, als ich es vor vierter·halb Jahren in den öden Sandebnen fand, nicht das geringste Merkmal des Lebens zeigte, und hernach in den drei verfloß·enen Jahren weder irgend Erde, noch die mindeste Feuchtigkeit, außer der Kühle des steinernen Fußbodens, gehabt hatte.
Dies beweis·t, welch ein zähes Leben die in den allerdürrsten Wüsteneyen wachsenden afrikanischen Gewächse haben, und wie lange sie ohne Wasser und Nahrung aushalten können.
Ich nahm dies Gewächs hernach mit nach Europa, und fand, daß die, welche ich von dieser Art vorher weggeſchickt hatte, im botanischen Garten zu Amsterdam Zweige und Blätter, aber bisher noch keine Blumen getrieben hatten, woraus ihr Geschlecht und ihr Name zu bestimmen ··w······äre.
Zu Cap verschaffte ein jetzt auf der Rhede liegendes schwedisches Schiff mir das Vergnügen, viele Freunde zu umarmen, die aus meinem Vaterlande gekommen waren, und mir außer vielen Briefen und Neuigkeiten auch die angenehme Nachricht brachten, daß ich in Profeſſor Linnees Stelle, der seinem unsterblichen Vater im Amte nachgefolgt war, zum Demonſtrator der Botanik auf der Univerſität zu Upſala ernannt worden sey.
In den drei Jahren meines Aufenthalts in Indien hatte sich die Capstadt fast durchgehends durch den Anbau theils neuer, theils verbesserter Häuser, die nicht selten zwei oder drei Stockwerke hoch waren, dermaßen verändert, daß ich sie kaum wieder kannte.
Im letzten Sommer hatte der Südostwind das ganze Land verwüste·t.
Er war ungewöhnlich heftig, und dabei die Dürre so groß gewesen, daß fast im ganzen Lande allgemeine Klage über Getreidemangel war.
An den meisten Orten hatte vor Dürre nichts wachsen können; an einigen Orten hingegen, wo die Saat herrlich gestanden hatte, unter ander·n jenseits des hottentottischholländischen Gebirges, war so erstaunlich viel Regen gefallen, daß das schon gemähte Korn in den Haufen oder Femen verfault war, und das noch auf dem Halme stehende in den Ähren auszuwachsen angefangen hatte.
Dadurch war der Preis des Getreides in der Stadt ···so ungewöhnlich hohem Preise gestiegen, daß eine sogenannte Fracht Weizen, die vorher für zehn Reichsthaler verkauft ward·, jetzt zwei und dreißig galt.
Bei meiner jetzigen Anwesenheit allhier, lernte ich unter ander·n einen Engländer, Namens Paterſon, kennen, der hie·her gekommen war, um Saatereien und lebendige Wurzeln, der diesem Lande eigen·· und seltenen Gewächsen, aus den inner·n Gegenden von Afrika zu sammeln, und nach seinem Vaterlande zu schicken.
Er sagte mir, er reise auf Kosten eines Privatmannes, und besaß einige botanische Kenntnisse, eigentlich war er nur ein Gärtner.
Die holländische Compagnie gestattet jedem Offizier· auf ihren Schiffen einigen Handel zu treiben; sie dürfen nämlich eine große Kiste, fünfte··halb Fuß lang, und drittehalb Fuß breit, mit gewissen Waren anfühlen, welche hernach in öffentlicher Auction für ihre Rechnung verkauft werden.
Die, welche sich in Ost··dien noch nicht mit Waaren versorgt, sondern ihre Kisten mit Tamarinden oder etwas ander·m angefüllt hatten, kauften jetzt hier am Cap grobe Sitze, und ähnliche nicht verbot·ne Sachen, um sie mit nach Europa zu nehmen.
Feine Sitze und Kattune, Specereyen und verschiedene andere Waren, womit die Compagnie ausschliesslich handelt, sind den Particuliers ganz verboten, und werden, wenn sie damit handeln, als Contre·bande weggenommen.
Den 15.·· Mai traten wir vom Cap aus die Rückreise nach Europa an.
Wir segelten in Gesellschaft vier and·rer holländischer Schiffe, und sollten zu wechselseitiger Verteidigung beisammen bleiben.
Ein dänisches Schiff, das mit uns zugleich auslief, kam uns bald vorbei, und verschwand als ein weit besserer Segler in kurzer Zeit vor unser·n Augen.
Die Matroßen hatten verschiedene Bavianen gekauft; die sie mit nach Holland nehmen wollten.
Diese Tiere sind von böser Gemütsart, ergreif·en leicht und beißen sehr arg.
Man muss sie daher fast stets angebunden halten.
Wenn einmal einer loskam, war es hernach nicht leicht, ihn wieder zu fangen, weil sie unbeschreiblich behende an den Tauen hinaufkletterten, und sich bis an die Spitze des höchsten Mastes flüchteten.
Bisher waren wir durch wiedrigen Wind in unserer Fahrt sehr aufgehalten worden, und hatten daher die afrikanische Küste noch immer im Geſichte; dazu kam jetzt noch ein so starker Nebel, daß wir nicht um uns sehen konnten.
Am 26.sten Mai, geriethen wir dadurch, und namentlich das Commandeurſchiff, dem Lande so nahe, daß, als das Wetter anfieng sich aufzuklären, wir schon ganz dicht an die Klippen getrieben waren.
Hätten wir da zugleich Sturm aus Nordwest·· bekommen, so wären wir gewiss unwiederbringlich verloren gewesen; glücklicherweise aber drehte sich der Wind nach Norden, und brachte uns wieder seawärts.
Diese drohende Gefahr hatte offenbar unser Commandeur Koelbier, auf dem Schiffe Kanaan, dadurch veranlaßt, daß er am Abend vorher nach dem Lande hingesteuert hatte, anstatt daß er hätte suchen sollen, seemwärts zu gehen, um den Wind zu gewinnen; wir ander·n Schiffe waren verbunden ihm zu folgen.
In der folgenden Nacht verloren wir das Commandeursschiff ganz aus dem Gesichte, weshalb das Commando nunmehr unserem Capitain Kock übertragen wurde.
Den Morgen darauf bekamen wir es wieder zu sehen, nach zwei Tagen aber wurde es uns abermals unsichtbar.
Nach einigen Tagen kamen wir ihm sehr nahe, indem es wegen widrigen Windes, da es sich zu sehr nach dem Lande gehalten hatte, jetzt die Flotte nicht erreichen konnte.
Demungeachtet war am folgenden Tag wieder nichts von ihm zu sehen, obgleich die Nacht über wenig Wind gewesen war.
Hieraus ergab sich nun ganz klar, daß der Kommandeur gar nicht gesonnen war, bei seiner Flotte zu bleiben, sondern im Gegenteil sich davon zu trennen suchte, allem Anschein nach, um seine Zuhause reise desto·mehr beschleunigen zu können.
Bisher waren wir also, außer widrigem Winde und Windstillen, durch des Commandeurs Winkelzüge doppelt und dreifach aufgehalten worden.
Am 6.··· Juni· bekamen wir endlich den Südostpaß·atwind, und am 12.·· paß·ierten wir den nördlichen Wendezirkel.
Einige Tage hernach··· sahen wir auf dem Wasser etwas herum treiben, das uns wie weiße Blumen vorkam.
Ich fischte einige davon auf, und fand, daß sie nichts anders waren, als Enten- und Gäns·muscheln aus dem Geschlechte der Meereicheln ( Lepas anatifera und anserifera ), welche sich mir ihrem losen Stengel oder Stiel an Stücke Bamborohr und Holz, zu Dutzenden und mehr, festgesetzt hatten, und jetzt auf dem Wasser schwammen.
Wenn das Tier seine fünf Schalen öffnete, sah es völlig wie eine aufgebrochene Blume aus.
Am 24.··· Morgens entdeckten wir die den Engländern zugehörige Insel St. Helena, deren Hafen durch starke Batterien wohl befestigt ist.
Das Land ist sehr hoch und gebü·gig, und zeigt sich schon in sehr weiter Entfernung.
Bey dem damaligen Kriege mit den Amerikanern versammelten sich hier allezeit die aus Oſtindien zurückkommenden englischen Schiffe, um hernach in Geschwadern oder ganzen Flotten weiter zu segeln.
Als wir vor der Rhede des Hafens, wo jetzt keine Schiffe lagen, gekommen waren, und von unserem verlor·nen Commandeure nichts sahen oder hörten, wurde Schiffsrath gehalten und beschlossen, hier nicht weiter auf ihn zu warten, sondern mit dem frischen Winde, den wir jetzt hatten, unseren Weg fortzusetzen.
Der Strand an der Rhede soll so steil sein, daß die Schiffe ganz dicht am Lande vor Anker liegen können.
Am 30.··· kamen wir die Insel Ascension vorbei.
Hier pflegen schwedische und andere Oſtindienfahrer, auf der Rückreise anzulegen und sich namentlich mit Schildkroten zu versorgen; wer aber am Cap vor Anker gewesen ist, segelt hier gewöhnlich vorüber.
Diese Insel ist gebürtig, unfruchtbar, und ohne frisches Wasser; die Oberfläche ist mit Asche bedeckt, welches ihren vulkanischen Ursprung hinlänglich zu erkennen gibt.
In der Nacht vom 6.··· auf den 7.·· Julius, waren wir den Äquator passiert, und wurden deswegen heute Mittags von den beyden ander·n Schiffen mit eilf Kanonenschüß·en begrüßt, die wir auf gleiche Art beantworteten.
Am 24.··· paſſi·rten wir die Sonne.
Von allem, was senkrecht auf das Verdeck gestellt wurde, war gar kein Schatten auf irgend einer Seite zu bemerken.
Bisher hatten wir die Mittagssonne auf der Nordseite gehabt; jetzt stand sie gerade über uns, und hernach sahen wir sie in Süden, und je weiter wir fortsegelten, deſto geringer war ihre Höhe überm Horizonte.
Am 29.sten kamen die Capitaine der beiden ander·n Schiffe zu uns an Bord, um die versiegelten Briefe zu eröffnen, welche ausweisen sollten, ob die Schiffe durch den Kanal segeln, oder, wie in Kriegs-Zeiten zu geschehen pflegt, um Irland und Schottland herumgehen sollten.
Wir kamen nunmehr in diejenige Gegend des Oceans, die von Sargazo oder schwimmendem Tang ( Fucus natans ) fast ganz bedeckt ist. Dies Seegewächs fließ·t auf der Oberfläche des Meers in unglaublicher Menge, bisweilen breitet es sich bey stillem Wetter über dasselbe so aus, daß man durch eine Wieße zu segeln glaubt, bisweilen bildet es gleichsam große Inseln; bisweilen aber, besonders bey etwas starkem Winde, verteilt es sich mehr.
Dieser Tang schien deutlich zu beweisen, daß er auf dem Wasser fließend wächst und an den Enden neue Schößlinge treibt, die allmählig· größer werden.
Zwischen dem Tang fand ich verschied·ne kleine Tiere, die da ihren Aufenthalt hatten, und ihre Nahrung suchten, die häufigsten darunter waren Seegraskriecher (·Scyllaea pelagica), Seekrabben (·Cancer minutus·) von verschied·ner Größe; und Seekröten (·Lophius Histrio·).
Diese letzteren werden von den Holländern Kron·fische genannt, und wenn sie von einiger Größe sind, sehr geschätzt.
Sie sind sehr bunt und schön.
Ich bewahrte einige davon in Weingeist; die meisten waren ganz klein, selten bekommt man sie einen Finger lang oder größer.
Die losen Strahlen, welche sie auf dem Kopfe und Rücken haben, und die wie eine Krone aussehen, haben zu jener Benennung Anlass gegeben.
Man bringt sie selten lebendig nach Holland, wenn es aber glückt, und sie einigermaßen groß sind, kann man das Stück für zehn Ducaten verkaufen.
Am 12ten September loteten wir schon Grund und salutierten (·zum Glückwunsch, daß wir uns wiederum in der Nachbarschaft unseres vaterländischen Welttheils befanden·), die ander·n Schiffe mit eilf Kanonenſchüſſen, die von ihnen beantwortet wurden.
Am 16.·· bekamen wir die englische Küste bei Kap Lizard zu Gesicht.
Wir lavi·rten hier ganze vier und zwanzig Stunden, bis wir die holländischen Kriegsschiffe gewahr wurden, die ····von Oſtindien ankommende· reich beladene· Kauffahrteischiffen entgegen geschickt waren, und sie sicher nach Hause begleiten sollten.
Das erste Zeichen wurde von uns mit vier Kanonenschüssen, unter wechselsweisem Aufziehen und Niederlassen des Wimpels, gegeben, worauf das Kriegesschiff mit Aufziehen und Streichen des Wimpels nebst fünf Kanonenschüssen, antwortete.
Sobald die Schiffe etwas näher gekommen waren, wurden vom Kriegsschiff· ein Lieutenant und ein Schreiber abgeschickt, um unser Schiff zu visiti·ren, ob auch verbotene Waaren darauf befindlich wären.
Die Visitation ging indes··· ····in des Capitains Zimmer unter dessen Weinflaschen vor sich.
Am ander·n Tage darauf verfüg·en die Capitaine der drei Schiffe sich nach dem Kriegsschiffe, um daselbst einen versiegelten Brief von dem einen Schiffe, welches von China kam, zu eröffnen, woraus man nun erst jetzt erfuhr, daß die Ladung nach Amsterdam bestimmt war.
Jetzt bekamen wir auch die Nachricht, daß unser Commandeuer Koelbier mit seinem Schiffe vor zwei Tagen angekommen und voraus gesegelt war.
Den 28.sten fuhren wir, bei günstigem Winde und unter Bedeckung des einen Kriegsschiffes, Dover und Calais vorbei.
Aber gegen Abend ungefehr um 10 Uhr entstand plötzlich ein heftiger Sturm, der uns gegen das Land trieb, unsere Segel zerriß und den Obertheil der Masten herunterstürzte; dabei ward· das Schiff so gewaltig· hin und her geworfen, daß es unmöglich war, auf den Füßen stehen zu bleiben.
Wir waren den Brandungen so nahe, daß sich jedermann für verloren hielt, und auch kein Matrose mehr zur Rettung des Schiffs Hand anlegen wollte.
Es war stock finster und zu noch größerem Unglück war auch die Mannschaft schwach und so abgemattet, daß die Matrosen bey der Arbeit kraftlos von den Tauen herabfielen, und andere auf dem Verdecke selbst in Ohnmacht sanken.
Hieran war der schändliche Geitz des Capitains und des Obersteuermanns Schuld.
In der Hoffnung, daß die Fahrt nicht so lange dauern würde, hatten sie am Kopf, auf eine sehr unerlaubte Art, einen großen Theil des Fleisches, Specks und anderes für die Mannſchaft bestimmten Proviants verkauft und das Geld in ihre Taschen gesteckt.
Die ganze Reise über hatten sich also die Leute größtenteils mit Reis und Hülsenfrüchten behelfen müssen, und wenig nahrhafte Sachen bekommen.
Da nun die Reise sich überdem noch so in die Länge zog, so kamen die Leute dabei immer mehr von Kräften und wurden ganz mißmutig.
Wirklich verklagten sie auch den Capitain und den Obersteuermann wegen dieses Diebstahls und beide wurden für unwürdig erklärt, je weiter zu dienen.
Sobald es anfing Tag zu werden, wurden wir gewahr, daß wir, ungefehr Ostende gegenüber, zwischen die Dünen gerathen, und von unser·n Gefährten ganz getrennt waren.
Da wir uns nun durch eine besondere Vorsehung Gottes in der vorigen Nacht vom Untergange errettet fanden, fasste die Besatzung neuen Muth, dem Schiffe auch jetzt aus seiner gefährlichen Lage zu helfen, welches dann, durch Begünstigung des Windes, auch gelang.
Außer allem ander·n Schaden, hatte ich für meine Person bei dieser Gelegenheit das Unglück, meine Plantage von mehr als hundert jungen Brodfruchtbäumen von beiden Arten, nebst ander·n vorzüglich seltenen Gewächsen, ganz umgeworfen und ruini·rt zu sehen.
Nach überstand·ner Gefahr kamen wir endlich am 29.sten im Texel an.
Am ersten October segelten wir zwischen Texel und Helder hinein, salutierten die Rhede und legten uns vor Anker.
Froh dankten wir jetzt alle der göttlichen Vorsehung, und ich hatte mehr als irgend ein and·rer Ursach· dazu, da ich auf meiner siebenjährigen mühvollen und oft gefährlichen Reise den mächtigen Schutz derselben in so reichen Maaße erfahren hatte.
Nach einigen Tagen kam der Directeur Beaumont an Bord, in dessen Gegenwart alle unser· Coffer, Kasten und and·re Sachen visiti·rt und die Mannschaft, außer etwa sechzig Mann, die zum Ausladen des Schiffs gebraucht werden sollten, verabschiedet wurde.
Auf dieser Reise hatten wir einen Mann an Bord gehabt, dessen seltsames, unglückliches Schicksal hier besondere Erwähnung verdient.
Er hieß Bergacker, und war als erster Wundarzt auf einem vom Capitain Klein geführten Schiffe angestellt gewesen, mit diesem aber, noch vor der Abreise aus Europa, ich weiß nicht wodurch, in Uneinigkeit geraten.
Dafür rächte sich nun der Capitain an ihm auf die unverantwortlichste und niederträchtigste Art.
Zuerst that er ihm, während da····s Schiff vor der Abfahrt im Texel auf der Rede lag, allen nur möglichen Verdruß an, und gestattete so gar den Schiffsjungen ihren Spott mit ihm zu treiben.
Endlich, nachdem der Direktor das Schiff gemustert hatte und es nun im Begriff war abzusegeln, bat er sich von demselben, an Bergackers Stelle, einen ander·n Chirurgus aus.
Man schickt ihm einen, allein anstatt Bergackern nun dagegen an Land zu setzen, nimmt er jenen als diensttuenden Wundarzt, Bergackern aber als Arrestanten mit und erlaubt ihm die ganze Reise über nicht Einmahl auf das Verdeck zu kommen, um frische Luft zu schöpfen!
Ja hieran noch nicht genug lässt er unterwegens von einigen Offizieren des Schiffs, die seine Creaturen waren, eine Schrift unterzeichnen, worin sie bezeugen, daß Bergacker völlig unklug sey.
Unter diesem Vorwand wird er nun, bei der Ankunft des Schiffes am Cap, sogleich in sichre Verwahrung gebracht und erhält weder die Erlaubnis auszugehen noch Mittel sich über die erlittene Behandlung zu beklagen.
Endlich, als das Schiff, mit welchem ich vom Kap zurück ging, segelfertig lag, ward· der arme Bergacker, als ein Arrestant, der mit nach Europa genommen werden sollte, an uns abgeliefert.
Er hatte also die Hin- und die Rückreise, desgleichen seinen Aufenthalt am Cap, ohne Urteil und Recht, als ein Gefangener zubringen müssen, und die ganze Zeit über nicht einen Pfennig Geld bekommen!
Er war ein altlicher, ernsthafter, dem Anschein nach grundehrlicher Mann, an dem ich, auf der ganzen Reise, nicht die geringsten Merkmale wahrnahm, daß er noch i·tzt oder zuvor je wahnwitzig gewesen sey.
In Rücksicht auf diese Beschuldigung, geschah ihm also unerhörtes Unrecht.
Man wird nicht begreifen können, warum die Regierung am Kap gar keine Notiz von dieser Sache genommen, warum sie den Unschuldigen nicht in Freiheit gesetzt und den Bösewicht nicht zur verdienten Strafe gezogen habe?
Aber leider habe ich in den sieben Jahren, die ich im Dienste der oſtindischen Compagnie gewesen bin, mehrere Beispiele von Gewaltthätigkeit und eigenmächtigem Verfahren deſpotiſcher, schlechtdenkender und brutaler Schiffscapitaine gesehen!
Zu diesen letzteren gehörte der Schiffer Klein in vorzüglichem Maße; jeder, bei dem ich mich nach ihm erkundigte, sprach von ihm mit größter Verachtung, nicht nur als von einem boshaften und ruchlosen, sondern, was noch unbegreiflicher ist, selbst als von einem im Schiffsdienst ungeschickten Mann·!
Eine andere Merkwürdigkeit, aber freilich von geringerem Belange, die mir während der Rückreise vom Cap in meinem Fache vorkam, war, daß sich in der Blase eines Schweins, das wir von Colombo lebendig mitgenommen hatten, beim Schlachten ein kalkartiger Stein fand.
Er war von der Größe einer Flintenkugel, beynahe rund, allenthalben sehr uneben und inwendig dicht, anfangs kastanienbraun, wurde aber, so wie er trocknete, allmählig· bleicher.
Zweiter Abschnitt.
Aufenthalt in Holland und zu London, und Reise nach Schweden.
Ich begab mich nebst ander·n Offizieren auf einem gemieteten Fahrzeuge nach Amsterdam, wo mein lieb·er Freund, Professor Burmann, mir Haus und Tisch anbot.
Zu Amsterdam brachte ich meine Zeit damit zu, die dasigen Naturaliensammlungen zu besichtigen, worunter die, welche der Kaufmann van der Meulen besitzt, besonders in Rücksicht auf Vögel und Insekten, die ansehnlichste war.
Darauf machte ich eine Reise nach der Gegend um Harlem, um meine drei Gönner, van der Poll, van der Deutz und ten Hoven zu besuchen, und ihre Landgüter, nebst den schönen Pflanzungen von allerhand ausländischen Bäumen und Stauden zu besichtigen, die sie mit unglaublichen Kosten in den magersten Sandfeldern dieser Gegend haben anlegen lassen.
Nicht ohne besondere Freude sah ich hier verschiedene afrikanische und japanische Gewächse, die bewiesen, daß die von mir bey Einsendung derſelben mit mancherley Gefahren angewandte Mühe nicht ganz vergeblich gewesen war.
Ich hatte auch das sehr große und belohnende Vergnügen, daß diese Männer mir ihre ganze Zufriedenheit mit meinen Bemühungen und ihr Wohlwollen auf die uneingeschränkteste Art bezeugten.
Überdem belohnten sie mich auf eine großmütige Weise.
Dies ····näm···lich Herr ten Hoven nach meiner Zurückkunft zu Amsterdam auf eine, wenigstens der Form nach für mich sehr überraschende Art.
Er ist ein Mann der mehr als hundert und fünfzig tausend holländische Gulden jährlicher Einkünfte hat, fand es aber doch nicht unter seiner Würde, zu Fuß und ohne Bedienten, einen Besuch bey mir abzustatten, und mit eigener Hand mir ein Geschenk von hundert und acht und zwanzig Dukaten zu überreichen.
Mit Herrn Doctor Klochner reiste ich auch nach Harlem, um die vortref·lichen InsektenSammlungen der Herren Vriend, nebst den Tieren, welche im Hause der harlemschen Societät der Wissenschaften aufbewahrt werden, und die vorzüglichsten aus allen Klassen sind, zu besichtigen.
In den Obstgärten waren jetzt die Wintersschmetterlinge (·Phalaena brumata·) in großer Menge.
Man hindert sie, ihre Augen in die Blumenknospe zu legen, dadurch, daß man um den Stamm des Baums geteerte Birkenrinde gebunden hatte.
Unser schwedischer Professor Bergmann hat bekanntlich dies Mittel erfunden, und es wurde hier allgemein gerühmt.
Unter ander·n Seltenheiten, die ich zu Amsterdam besah, war auch eine sehr gute Münzsammlung des ersten Predigers bei der sogenannten alten Kirche ( Oude kerk ).
Ich hatte da das unerwartete Vergnügen, zum ersten mal die sogenannten goldenen Zodiakrupien, alle zwölf beisammen zu sehen.
In Indien hatte ich diese seltenen Münzen weder beisammen gefunden, noch ihrer zum Einwechseln habhaft werden können; und in Europa findet man die ganze Anzahl auch nur äußerst selten.
Der Prediger hatte sie für dreihundert holländische Gulden gekauft, und war so gutig, sie mir auf mein inständiges Bitten für siebenhundert Gulden abzusteh·n.
Diese Sammlung, nebst dem Portrait Selims des Ersten, war vom Generalgouverneur Imhoff zu Batavia einem seiner Verwandten in Holland geschenkt worden, der hernach genöthigt gewesen war, sie zu verkaufen.
Die Münzen sind von der Kaiserin Nour Mahal, Selims Gemahlin, während der Zeit von vier und zwanzig Stunden, da sie mit dessen Erlaubnis unumschränkt regierte, sowohl von Gold als von Silber geprägt.
Da sie nach dem Tode des Monarchen verboten, eingewechselt und eingeschmolzen wurden, so ist es jetzt so sehr selten, sie vollzählig zu finden.
Sie sind auf der einen Seite jede mit einem der zwölf himmlischen Zeichen, auf der ander·n mit einer persischen oder arabischen Inschrift bezeichnet.
Des Professor Burmann·s freundschaftliches Anerbieten:
bei ihm zu wohnen, hatte ich zwar nicht angenommen, ich besuchte ihn aber täglich und genoß dort so viel Wohlthaten, daß ich stets das dankbarste Andenken dafür hegen werde; gleichen Anteil an meiner gerührten Erinnerung muß ich hier, nach vierzehn Jahren, den mannigfaltigen Freundschaftsbezeugungen und wirklichen Dienstleistungen wiederfahren lassen, welche meine wacker·n Landsleute in Amsterdam, Herr General Conful, Hasselgren, Herr Floberg, ( bei welchem ich mir eine Wohnung gemietet hatte ), imgleichen die Herren Fähraus, Swart, Lunge und andere mir zu erzeigen so gütig waren.
Da jetzt meine Verbindung mit der holländisch ostindischen Compagnie zu Ende war, und ich meine Besoldung nebst der gewöhnlichen Prämie bekommen hatte, entschloss ich mich, eine Reise nach England vorzunehmen, und einen Teil des Winters in London zuzubringen.
In dieser Absicht reiste ich im November nach dem Haag, besah die dasigen, dem Erbstatthalter zugehörig·en kostbaren Sammlungen von Naturalien und Kunstsachen, besuchte Herrn Lyonets ausgesuchtes Konchylienkabinet, reiste von da nach Rotterdam und weiter nach Helvoetsluis.
An dem letzteren Orte hinderte mich wiedriger Wind verschiedene Tage lang an der Ueberfahrt; und als ich endlich in Geſellſchaft mehrerer Paſſagiere mit dem engliſchen Paketboote abſegelte, entſtand ein so heftiger Sturm und zuletzt contrairer Wind, der uns weit von unſer·m Wege abtrieb.
Am 14.·· Dezember langte ich endlich in London an.
Hier hatte mein guter Freund und ehemaliger Universitätsgenosse, Herr Dryander, für mich eine Wohnung bestellt.
Ich suchte ihn sogleich in Herrn Banks Hause auf, wurde von Herrn Doctor Solander auf die höflichste Art aufgenommen, und durch ihn Herrn Banks vorgestellt, und in dessen Naturalienkabinet· geführt.
Herr Banks empfing mich überaus gut··, und fuhr während meines Aufenthalts in London in gleicher Art gegen mich fort.
Er verstattete mir, welches der höchste Zweck meiner Wünsche war, freien Zutritt zu seinen unvergleichlichen Sammlungen, besonders aus dem Pflanzenreiche, eine Sammlung, die aus allen Gegenden des Erdkreises zusammengebracht ist.
Ich brachte seitdem alle Vormittage in seinem Hause zu, und vermehrte, indem ich sein Herbarium studierte, meine Kenntnisse in meinem Lieblingsfach·.
Und da zugleich in diesem Saale, wie in einer Akademie der Naturgeschichte, täglich eine Menge gelehrter Männer sich versammelte, so hatte ich dadurch auch Gelegenheit, verschiedene ehrenvolle und nützliche Bekanntschaften zu machen.
In der kurzen Zeit meines hiesigen Aufenthalts besah ich übrigens alles was London, besonders im naturhistorischen Fach·, merkwürdiges hat, als das brittische Museum, Lewers Museum und dergleichen.
Jenes erste·· ist sehr weitläufig und groß, und hat Sammlungen von sehr vielen Arten, als: Bücher, Handschriften, Antiquitäten, Münzen, Kleidungsstücke und Hausgerät, entfernter Völker und so weiter.
Besonders freute es mich, Kämpfers Handschriften, Zeichnungen und Kräutersammlung hier zu finden; sie waren jetzt beynahe hundert Jahr alt; nach Kämpfers Tode waren sie vom Ritter Sloane gekauft worden.
Auch stellte ich verschiedene Reisen in der Nähe von London an, um den schönen und an Gewächsen sehr reichen Garten zu Kew, worüber Herr Aiton die Aufsicht hatte; Herrn Lees Garten, der besonders einen großen Vorrath von Bäumen und Stauden hat, Doctor Fothergills Garten, Chelsea und dergleichen mehr zu besichtigen.
Bey Herrn Lee besah ich zugleich die vortref·liche Insektenſammlung seiner Tochter, welche seit einiger Zeit mit den vorzüglich schönen Insecten von der bengaliſchen Küste vermehrt war, die Frau Monſon daſelbſt gesammelt, und Mis Lee im Testamente vermacht hatte.
Der ältere Förster, welchem ich auch meinen Besuch machte, nahm mich mit vieler Freundschaft auf, und verschaffte mir nicht nur das Vergnügen, die von ihm auf seiner Reise im Südmeere, gesammelten Gewächse, und Konchylien zu besichtigen, sondern schenkte mir auch eine ganze Collection, und verpflichtete mich dadurch zu steter Dankbarkeit.
Unter allen Beweisen von Gewogenheit, womit Herr Banks mich überhäufte, schätzte ich den als einen der vorzüglichsten, daß er mir kurz vor meiner Abreise erlaubte, seine auf den Inseln des südlichen Oceans gemachte Sammlung von Gewächsen zu sehen, die noch nicht unter seine übrigen Kräuter gelegt waren, und welche er nicht jedem Fremden sehen läßt; Doctor Solander der, wie Herr Dryander, mir den Aufenthalt zu London nicht nur angenehm, sondern auch nützlich zu machen suchte, war dabei so gefällig, jedes Geschlecht mit mir besonders durchzugehen.
Herrn Banks Bibliothek ist wohl, im Fach· der Naturhistorie, die vollständigste, die es gibt.
Sie ist in einem eigenen großen Zimmer vor dem Saal·, der die Sammlungen enthält, aufgestellt; hie·durch hat man ganz unvergleichliche Gelegenheit, bei Untersuchung eines Gegenstandes sogleich auf der Stelle jeden Schriftsteller, den man will, nachzuschlagen und sich bei ihm Raths zu erholen.
Den 30.··· Januar 1778 reiste ich in Gesellschaft des damaligen Capitains, jetzigen Obersten, Cronstedt, der ohnlangst aus Nordamerika zurückgekommen war, von England ab.
Wir nahmen unser·n Weg durch Holland und Deutschland nach Ystad und Lund.
Von Harwich fuhren wir über den Kanal nach Helvoet, und reisten weiter nach Amsterdam, wo wir uns aber nur einige wenige Tage aufhielten.
Den 16.·· setzten wir die Reise ferner nach Gröningen; den 22.··· nach Bremen; den 24.··· nach Hamburg, und so weiter über Lübeck, Wismar und Rostock nach Stralßund fort, wo wir den 2.·· März ankamen.
Während wir zu Stralsund auf den Abgang der Postjacht warten mussten, machten wir eine Reise nach Greifswald, um die dafige Universität kennen zu lernen, und gingen bald darauf nach Ystad ab.
Den 14ten Februar langte ich in meinem Vaterlande, wonach ich mich so lange gesuch·t hatte, endlich wieder an.